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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 1.045 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Peter Offline




Beiträge: 2.866

20.08.2013 15:21
Porträt eines Helden Zitat · Antworten



Darf ein konsequenter Gerechtigkeitssinn so weit gehen, einen Unschuldigen ans Messer zu liefern, nur weil dessen Charakter so bodenlos mies und schäbig ist, dass man zum Wohle aller diese Gelegenheit nicht versäumen darf? "Nein", sagt der faire Verstand des juristischen Laien. "Ja", sagt ausgerechnet der karriereprogrammierte Musterstaatsanwalt Poole, gespielt von Robert Graf in seiner letzten Filmrolle. Zumindest denkt er sich´s, denn aussprechen kann der hoffnungsvoll als aufräumender Arm des Gesetzes begrüßte Star-Jurist sein reichlich finsteres Geheimnis nicht. Oder nur dort, wo man im Zweifelsfall seinem Widerruf mehr Glauben schenkt als den wahren Aussagen kleinerer Bürger. Poole selbst war nämlich Zeuge eines Unfalls, der die Unschuld des Angeklagten beweist. Von Neugier getrieben, hatte er dem reichen, bitterbösen Jüngling Rutland (Hans Clarin) nachgestellt, stets in der Hoffnung, dem gesellschaftsschädigenden Bürschlein einen Strick drehen zu können. Die totale Glaubwürdigkeit eines juristischen Hoffnungsträgers in der noch von Rassismus geprägten amerikanischen Provinz der 60er Jahre spielt Poole dabei in die Karten.
Das ist die spannende Ausgangslage in dem endlich (und zwar direkt beim BR) greifbaren Fernsehfilm "Porträt eines Helden", ausführlich inszeniert vom Michael Kehlmann im November 1965, mit intensiven 125 Minuten Laufzeit. Den Roman lieferte Pierre Boulle, aus dessen Feder auch "Die Brücke am Kwai" stammt.
Gewohnt glänzend in der Hauptrolle Robert Graf, der diesen Part kurz vor seinem Tod buchstäblich mit letzter Kraft bewältigte, und zwar ohne sich etwas anmerken zu lassen. Präzise bis ins Mark läßt er den Zuschauer, der mit dem Informationsstand der Figur Poole ganz auf Augenhöhe der Grafschen Gedankenwelt folgen kann, an jeder Gefühlsregung teilhaben. Pooles degenerierter Rechtssinn gipfelt in Glaubensegozentrik und eine in kühlem Kalkül umgesetzte Wahnvorstellung.
Obwohl ich Clarin seit jeher sehr schätze, habe ich ihn nie besser gesehen als hier in seinen stärksten Szenen. Weniger als Grafs Gegenpart (gegen den Clarins Figur zunehmend Selbstvertrauen einbüßt), denn als selbstherrlicher König der Partygesellschaft, der mit geerbtem Geld genussvoll den Despoten gibt. Besser ist er noch als in der vergleichbaren Rolle im "indischen Tuch", weil wir viel ausführlicher und tiefer in ungeheure Abgründe schauen dürfen; nicht so völlig wahnsinnig und mörderisch, aber umso alltagstauglicher in seinem dekadenten, verrotteten Charakter, den er oft genug versoffen ehrlich preisgibt; später dann, ernüchtert und in ebenso ehrlicher Depression, nicht mehr der schäbigen Tiefe seiner eigene Seele, sondern gedanklich dem realen Henker entgegentaumelnd.
Zur Unterstützung gesellen sich mit Rolf Boysen (zum willfährigen Handlanger verkommen) und Hans Schweikart (korrumpierender Strippenzieher) ausgezeichnete Partner, nicht minder stark werden die wichtigsten Frauenrollen von einer in ihrer völligen Verzweiflung glaubwürdigen Gerlinde Locker und der relativ unbekannten Catana Cayetano gespielt. in kleinen Rollen überzeugen selbst sonstige Randfiguren wie Bum Krüger und Walter Buschhoff.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.459

20.08.2013 16:37
#2 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von Peter im Beitrag #1
... und der relativ unbekannten Catana Cayetano...


Hier im Wallace-Forum ist die Dame alles andere als unbekannt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

20.08.2013 16:43
#3 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Catana Cayetano habe ich die Tage in "Onkel Toms Hütte" von 1965 auch noch in einer sehr ausfüllenden Rolle gesehen.

Joe Walker Offline




Beiträge: 746

20.08.2013 16:44
#4 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von Peter im Beitrag #1
[...] Das ist die spannende Ausgangslage in dem endlich (und zwar direkt beim BR) greifbaren Fernsehfilm "Porträt eines Helden", [...]
Ich nehme mal an, dass es sich um den Mitschnittservice des BR handelt. Hast Du da evtl. eine Kontaktadresse bzw. wie ist da der Ablauf?

Gruß
Joe Walker

Peter Offline




Beiträge: 2.866

20.08.2013 17:32
#5 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Oh sorry, für die Dame CC bin ich wohl zu solide oder naiv oder beides. Aber glaubt mir: Sie war jung und brauchte das Geld....
Was den Mitschnitt beim BR angeht, ist ein Online-Formular auszufüllen, welches man auf Anfrage per Mail bekommt:
mitschnitt.tv@br-media.de
Der Rest läuft dann selbsterklärend und führt zu einem Loch von 30 Euro auf dem Konto. Der SWR will momentan 53 € pro Film, man befindet sich in diesem Fall bei einem über zweistundigen, wirklich guten Film auf vergleichsweise rentabler Seite.

golo67 Offline



Beiträge: 11

20.08.2013 20:06
#6 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Hallo zusammen,

sind denn jetzt auch vom BR Mitschnitte von Fernsehfilmen erhältlich? Wer hat hier Erfahrung?

Viele Grüße
Golo 67

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.459

20.08.2013 20:09
#7 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von Peter im Beitrag #5
Oh sorry, für die Dame CC bin ich wohl zu solide oder naiv oder beides.


Oder du hast einen bestimmten Film (Stichwort: Menschenaffe) einfach nicht häufig genug gesehen.

Joe Walker Offline




Beiträge: 746

20.08.2013 22:51
#8 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

@Peter: vielen Dank für die Kontaktdaten.

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #7
Oder du hast einen bestimmten Film (Stichwort: Menschenaffe) einfach nicht häufig genug gesehen.
Diesen - im Wortsinne - "affigen" Film kann man gar nicht oft genug sehen!

Gruß
Joe Walker

Peter Offline




Beiträge: 2.866

21.08.2013 08:55
#9 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von golo67 im Beitrag #6
Hallo zusammen,
sind denn jetzt auch vom BR Mitschnitte von Fernsehfilmen erhältlich? Wer hat hier Erfahrung?
Viele Grüße
Golo 67

Klares JA, genau von diesem - in der Tat völlig neuen und erfreulichen - Umstand sprechen wir hier.

@, Joe & Prism: Mit dem Menschenaffen in London? Sie bleibt für geschmackvolles Publikum also relativ unbekannt....

Dafür ist mir im "Porträt" ein Zitat aufgefallen, welches nicht nur Hans Clarin das allerbreiteste Grinsen abgewann:
"Kannten Sie sie flüchtig oder intim?" "Beides."

Joe Walker Offline




Beiträge: 746

21.08.2013 11:56
#10 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von Peter im Beitrag #9
Klares JA, genau von diesem - in der Tat völlig neuen und erfreulichen - Umstand sprechen wir hier. [...]

Habe mal analog zu Deiner Vorgehensweise dort angefragt.
Zitat von Peter im Beitrag RE: Robert Graf
[...] "Geliebt in Rom" kenne ich auch nur als alte Fernsehaufzeichnung. Das Ende, soviel sei gesagt, erschüttert und begleitet den Zuschauer noch sehr lange. [...]

Ist Dir bekannt, ob dieser Film auf gleiche Weise mittlerweile 'zugänglich' sein könte?

Gruß
Joe Walker

Peter Offline




Beiträge: 2.866

21.08.2013 12:39
#11 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von Joe Walker im Beitrag #10
Ist Dir bekannt, ob dieser Film auf gleiche Weise mittlerweile 'zugänglich' sein könte?


Ist mir nicht bekannt, denn ich profitiere immer noch von meiner alten TV-Aufzeichnung....

Tarzan Offline



Beiträge: 954

21.08.2013 20:49
#12 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Catana, eine gute Bekannte von mir, brauchte sicherlich damals nicht das Geld... Aufgrund ihres Aussehens verbunden mit dem perfekten Sprechen der deutschen Sprache stand sie hoch im Kurs bei Filmemachern. Sie haben sich um die "exotische" Catana gerissen.

Inzwischen hat sie ihre beeindruckende Lebensgeschichte verfasst: www.splitattheroot.com

Peter Offline




Beiträge: 2.866

22.08.2013 08:27
#13 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von Tarzan im Beitrag #12
Catana, eine gute Bekannte von mir, brauchte sicherlich damals nicht das Geld... Aufgrund ihres Aussehens verbunden mit dem perfekten Sprechen der deutschen Sprache stand sie hoch im Kurs bei Filmemachern. Sie haben sich um die "exotische" Catana gerissen.Inzwischen hat sie ihre beeindruckende Lebensgeschichte verfasst: www.splitattheroot.com


Keine Sorge, nur die üblichen Forums-Späße, denn für meine Begriffe haben sich ALLE "Gorilla"-Teilnehmer unter Wert verkauft, um es milde auszudrücken. Allen voran Wendlandt und Vohrer habe ich den Film nie verziehen. Aber für ihre Rolle im "Porträt" hatte ich Catana Cayetano ja lobend hervorgehoben, daher verbleibe ich mit den besten Grüßen und werde mir bei Gelegenheit auch gern mal ihr Buch zu Gemüte führen....

Tarzan Offline



Beiträge: 954

22.08.2013 18:13
#14 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Alles klar! Es ist wirklich eine faszinierende Lebensgeschichte!
Danke auch fuer die Infos zum TV-Film!!!

Peter Offline




Beiträge: 2.866

02.09.2015 19:12
#15 RE: Porträt eines Helden Zitat · Antworten

Zitat von Tarzan im Beitrag #14
Alles klar! Es ist wirklich eine faszinierende Lebensgeschichte!
Danke auch fuer die Infos zum TV-Film!!!
@Tarzan
Die Rückmeldung kommt zwar ein wenig spät, weil der Thread nicht mehr so aktuell - und daher auch bei mir nicht im Fokus war, aber ich möchte abschließend doch erwähnen, dass ich bereits vor geraumer Zeit die Erinnerungen von Catana Cayetano gelesen habe.
Wie erwartet sind diese - unfreiwillig intensiv erlebten - Jahrzehnte in wechselnden Umfeldern eine höchst ungewöhnliche Lebensgeschichte voller familiärer und emotionaler Brisanz, wie es sich Catanas Mitmenschen im gemütlichen Herzen Europas nur schwer vorstellen können.
Zwar hätte man als Filmfreund (in diesem einschlägig geprägten Forum ;-) gern die Hoffung vertreten, natürlich auch etwas mehr über die die Erlebnisse bei der Filmarbeit in den 60er Jahren zu erfahren, doch versteht man andererseits sehr gut, dass es für außergewöhnliche familiäre Situationen eben wichtigere Dinge im Leben gibt: Film-Hype der Rialto-Zeit kann auch heißen, dass man - 'ganz einfach nur' - arbeitet, um leben, forschen, vergessen und persönliche Dinge regeln zu können..... Also Dankeschön und weiterhin beste Empfehlung......

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