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Dieses Thema hat 109 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Lord Peter Online




Beiträge: 389

17.02.2015 14:59
#76 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Zum Ende hin schwächelt es dann leider wieder etwas...

"Villa mit Friedhof" ist immerhin noch spannend, auch mit der 65-Minuten-Laufzeit, und als optisches Häppchen gibt es noch Ingrid Pitt. Aber - ich weiß, auf dem Punkt reite ich herum - glaubwürdig ist das ganze nun nicht gerade, man muß sich schon auf diese Art "Märchen für Erwachsene" einlassen, und auch "thrillig" ist die Sache nicht, weil unser Held (der von Edd "Cookie" Byrnes gespielt wird) trotz schier auswegloser Situation kaum Zeichen der Angst zeigt, sondern stets völlig überlegen und mit buchstäblich mehreren Assen im Ärmel über allem steht. Der macht das schon, denkt der Zuschauer, dem passiert schon nichts. Das Finale zieht die Spannungsschraube zwar nochmals an, ist dann aber auch ganz schnell vorbei. Und für die Plagiatsjäger: hier stand "The Most Dangerous Game" Pate.

"Job mit Aufstiegsmöglichkeiten" beschließt dann die deutsche Folgenauswahl, und hier ist es wieder ein Geheimdiensthobel vom Reißbrett, dessen Ablauf jeder vorhersagen kann, der schon mal einen Agentenfilm gesehen hat. Der Einstieg ist zwar noch schön schräg, aber sobald raus ist, daß die Taten zu Spionagezwecken geschehen, kann man im Geiste nur noch die Checkliste für derartige Stories (zunächst Unglaube bei den Behörden, Streß der Heldin mit dem Ehemann, der Maulwurf bei den Guten, etc. pp.) abhaken. Der Plot ist zwar sauber konstruiert, aber inhaltlich einfach zu altbacken (und war es mit Sicherheit auch damals schon). Hier sind - nach einigen gut ausgewogenen Folgen - auch die 65 Minuten wieder deutlich zuviel, und es braucht wieder einen Depp der Woche, der sich im Sinne der Drehbuchstreckung umlegen lassen muß. Und ob das Vorgehen der Russen (die natürlich alle von Engländern gespielt werden) tatsächlich so lange unentdeckt geblieben wäre?

Tja, das war es jetzt mit den deutschen Folgen. Licht und Schatten offenbarte die Auswahl, nach eher schleppendem Auftakt erreichten die Folgen doch ein beachtliches Niveau, um dann auf der Schlußgeraden leider wieder etwas zu schwächeln. Vor DVD 4 spielte ich noch mit dem Gedanken, mir die englische Gesamtbox zu holen, so werde ich mir aber zunächst die restlichen Folgen der ersten Staffel von Carlton ansehen, bevor ich das entscheide.

Georg Online




Beiträge: 2.766

17.02.2015 17:04
#77 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

@Lord Peter: die englische Gesamtbox ist sicherlich nicht verkehrt, da in meinen Augen noch zahlreiche Highlights unsynchronisiert blieben. In der Carlton-Box sind m.E. doch die ersten zehn Folgen oder? Auch schöne mit dabei: COLOUR OF BLOOD, ECHO OF THERESA, z.T. auch MURDER IN MIND. Wenn Du auf moderne Hexen stehst, ist SPELL OF EVIL auch einen Blick wert. Aber das ist halt wieder etwas Übernatürliches. Toppfolgen wie ONCE THE KILLING STARTS; COME OUT, COME OUT WHEREVER YOU ARE; IF IT'S A MAN-HANG UP; A MIDSUMMER NIGHTMARE kommen dann halt leider erst in späteren Staffeln.

Lord Peter Online




Beiträge: 389

17.02.2015 18:48
#78 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Genau, die Carlton-Box enthält die 10 Folgen der ersten Staffel - und im Gegensatz zur Network-Edition gibt es hier auch englische UT (dafür sind bei Network wohl die Drehbücher als PDFs an Bord).

Oh, mit übersinnlichen Stories an sich habe ich kein Problem (ich liebe die "Merkwürdigen Geschichten" von PIDAX), "Das schwarze Haus" erschien mir allerdings erzähltechnisch etwas unausgegoren und vorhersehbar, und die überdurchschnittliche Laufzeit sorgte für einige Durchhänger.Aber ich werde der Folge noch eine zweite Chance geben, diesmal im englischen Original. Hat bei "Die zweite Frau" leider nicht geklappt, die gefiel mir auf englisch genauso wenig wie auf deutsch, aber mal schauen.

Lord Peter Online




Beiträge: 389

01.07.2015 18:18
#79 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Bin bei der aktuellen Rabattaktion von Network doch noch schwach geworden und habe mir mal die Gesamtbox geordert. Blöd nur, daß man bei Network entweder nur häppchenweise oder stark eingeschränkt shoppen kann, wenn man nicht mit Portokosten von 40 Pfund bestraft werden will. Die "The Saint"-Box mit den SW-Folgen bspw. ist auch solo nicht zu den "normalen" Konditionen zu bekommen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

21.09.2015 17:15
#80 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten



Thriller: Possession (Dämonen des Bösen)

Episode 2 der TV-Kriminalserie, GB 1973. Regie: John Cooper. Drehbuch: Brian Clemens. Mit: John Carson (Ray Burns), Joanna Dunham (Penny Burns), Hilary Hardiman (Cecily Rafting), James Cossins (Kellet), Athol Coats (Mr. Filson), Richard Aylen (Inspector Miles), Jack Galloway (Young Man), Mary Anne Severne (Young Woman) u.a. Erstsendung: 21. April 1973.

Zitat von Thriller: Possession
Ray und Penny Burns kaufen ein Haus auf dem Lande, in dem vor zwanzig Jahren ein Mord geschah. Penny, die für Übersinnliches empfänglich ist, spürt die Anwesenheit des Bösen; als man die Leiche der früheren Besitzerin unter dem Kellerfußboden findet, hat man Gewissheit. Doch die Probleme enden damit nicht: Der Geist des Mörders versetzt das Haus nach wie vor in Unruhe. Das hinzugezogene Medium Cecily Rafting regt den Täter sogar zu weiteren Schandtaten an: Er ergreift Besitz vom Verstand des Hausherrn, der bald darauf versucht, seine Frau zu töten!


Zweifel erweckt das Vorhaben, das mittelalterliche Konzept der Besessenheit mit einem fremden Geist in die Produktionsgegenwart der Siebzigerjahre umzupflanzen, von Anfang an. Übersinnliche Sujets mögen im Rahmen der Reihe von Zeit zu Zeit gut aufgehoben sein; wo es sich jedoch um bloßen Aberglauben handelt, stößt auch „Thriller“ an seine Grenzen. Es wird im Laufe der Handlung sehr deutlich klar gemacht, dass die übersinnlichen Elemente vom Zuschauer einfach hingenommen werden müssen, und sich nur aus ihnen heraus der Fortlauf der Folge bestimmt. Das Vorkommen einer Séance soll die unheimliche Atmosphäre des einsamen Landhauses anheizen; ironischerweise wirkt die Atmosphäre dieser Episode jedoch sehr steril und studiolastig, sodass kaum Spannung aufkommt und auch das eigentlich ganz hübsch gestaltete Kellerset keinen rechten Grusel verbreitet.

Dazu passt, dass John Carson in der Hauptrolle des Besessenen ebenso hölzern und stichwortgeberisch erscheint wie seine Filmfrau Joanna Dunham. Die Konstellation der von ihrem Ehemann bedrohten Frau wird zu wenig vom altbekannten Klischee abgeändert, sodass man im Rahmen der „Thriller“-Serie (und außerhalb davon sowieso) ähnliche Konstellationen in interessanterer und weniger klischeebehafteter Form finden wird. Für Lichtblicke in dem sich langsam entwickelnden Ehedrama sorgt Hilary Hardiman, die sich als Unheil stiftende Aufrührerin in die häuslichen Angelegenheiten einmischt und erst zu spät erkennt, wie viel Staub sie aufgewirbelt hat. Auch wenn sie mit einer schrecklichen Siebzigerjahrefrisur ausgestattet ist, fängt die Kamera in den düsteren Szenen ihr eindrucksvolles Mienenspiel gekonnt ein.

Am Ende erhält „Possession“ einen ordentlichen Stubser in die richtige Richtung, als eine überraschende Lösung enthüllt wird, die einige Ereignisse in anderem Licht erscheinen lässt. Die Frage, wie übernatürlich das Gesehene tatsächlich war, muss nach der Bekanntgabe aller Fakten noch einmal neu evaluiert werden, wodurch ein vielsagender Blick auf das Spiel mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers gewährt wird, das Brian Clemens in der Serie in vielen Variationen beherrscht. Dennoch bleibt das eher unbefriedigende Gefühl zurück, man hätte die mit dem alten Fall in Verbindung stehenden Morde deutlich spannungsreicher und mit weniger esoterischem Schnickschnack umsetzen können.

Von der unruhigen Seele eines unbekannten Mörders besessen, wendet sich ein Ehemann gegen die eigene Frau und ihre Geister-Therapeutin. Während die letzten Filmminuten die eher unglaubwürdig wirkende Geschichte im Alleingang retten, können sie nicht über Versäumnisse in der Inszenierung hinwegtäuschen, die sich für „Thriller“-Verhältnisse auf unterdurchschnittlichem Niveau bewegt. 3 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

21.09.2015 19:45
#81 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten



Thriller: Someone at the Top of the Stairs (Das schwarze Haus)

Episode 3 der TV-Kriminalserie, GB 1973. Regie: John Sichel. Drehbuch: Brian Clemens. Mit: Donna Mills (Chrissie), Judy Carne (Gillian), Francis Wallis (Gary), Alethea Charlton (Mrs. Oxhey), Clifford Parrish (Thurston), David de Keyser (Cartney), Peter Cellier (Colonel Wright), Laura Collins (Sally), Brian McGrath (Elgar), Scott Forbes (Mr. Patrick) u.a. Erstsendung: 28. April 1973.

Zitat von Thriller: Someone at the Top of the Stairs
Die zwei Studentinnen Chrissie und Gillian freuen sich darüber, in London ein großes Apartment zu einer spottbilligen Miete gefunden zu haben. Das alte viktorianische Haus bereitet Chrissie allerdings schon bald Sorgen. Ein versteckter Hilferuf an der Innenseite der Wandschranktür und neugierige Augen, die sie durch Gucklöcher in den Wänden beobachten, deuten darauf hin, dass mit dem Haus und seinen Bewohnern etwas nicht stimmt. Dabei scheinen sie so freundlich zu sein und alles, was die beiden neuen Mieterinnen tun, „fabelhaft“ zu finden ...


Auch wenn es ein typisches Merkmal vieler „Thriller“-Episoden ist, den Schauplatz von Verbrechen in den Mittelpunkt der jeweiligen Folgen zu rücken, so überrascht es doch, wie ähnlich sich mit „Possession“ und „Someone at the Top of the Stairs“ zwei direkt aufeinanderfolgende Fälle in ihrer Ausgangssituation sind: Beide Male ziehen zwei Ortsfremde in ein Mordhaus, von denen eine Person die böse Aura des Gebäudes spürt und die andere den Beobachtungen der empfänglichen Person keine Bedeutung beimisst. Von dort an entwickeln sich die Plotlines allerdings in unterschiedliche, um nicht zu sagen: genau entgegensetzte, Richtungen. Während in „Possession“ der ungläubige Thomas zum Täter wird, erwischt es Gillian, die weniger sensible der beiden Studentinnen, in „Someone at the Top of the Stairs“ bald eiskalt ...

Die Szenen, die zu diesem Höhepunkt der Folge führen, vibrieren förmlich vor Anspannung. John Sichel, an sich Produzent von „Thriller“ für British Associated Television, inszeniert jene morbide, verfallene Atmosphäre in der viktorianischen Villa absolut stimmig. Die Mieter im Haus von Mrs. Oxhey tragen zu diesem Eindruck ebenso bei wie das heruntergekommene Szenenbild mit seinen durchlöcherten Wänden und vergilbten Tapeten. Leider vergreift sich die Episode anderweitig sehr im Farbtopf, v.a. bei der grellorangen Ausstattung des Studentencafés oder Donna Mills’ giftgrünem Pullover. Auch das bedrohliche Lila hinter der Tür am Ende der Treppe hätte etwas dezenter ausfallen können – stellenweise hegt man den Wunsch, diese Folge lieber in Schwarzweiß zu sichten.

Wie auch in „One Deadly Owner“ zeigt Donna Mills Starqualitäten, was die Folge kurzweilig macht, weil man alles aus ihrer Sicht miterlebt (Vorstellung der anderen Untermieter, erstes Betreten des geheimen Raumes etc.) und sich damit ganz auf ihre Seite schlägt. Ein wenig verärgert nimmt man ihren halbgaren Love Interest hin, der gerade mit einer Autopanne und seinem eigenen Ego beschäftigt ist, als es für Chrissie ans Eingemachte geht. Das ist aber nur ein geringes Problem verglichen mit der haarsträubenden Auflösung, die das Lächeln des erwartungsfrohen Zuschauers hinwegwischt: Gleitet die effektive Gruselgeschichte am Ende in ein Vampirmärchen um, kann man sich wohl getrost darauf einigen, dass Brian Clemens diesmal ein wenig zu viel experimentiert hat. Nicht nur fehlt die logische Konsequenz (Leichen im Keller und im Haus herumlaufende Untote?), auch wirkt dieser Ausweg wie ein letzter verzweifelter Strohhalm, um die mysteriösen Vorgänge zu erklären. Zu allem Überfluss spielt David de Keyser den alten Mieter alles andere als unheimlich – welche Entstellung oder Brutalität malte man sich zuvor im Geiste aus! –, sondern eher wie einen allzu sehr von seiner eigenen Unfehlbarkeit überzeugten Besserwisser, dem seine Macht über Leben und Tod zu Kopf gestiegen ist. Ein in jeder Hinsicht enttäuschendes Ende einer gelungenen Episode.

Den stärksten Tobak packt „Someone at the Top of the Stairs“ schon recht zeitig aus: Sobald das niedliche Kätzchen auf dem Bildschirm erscheint, ahnt der Zuschauer, welches Ende es mit ihm nehmen wird. Die dadurch manifestierte Todesgefahr wird von einer Atmosphäre des falschen Scheins und der Hinterhältigkeit unterstützt, die deutlich besorgniserregender ausfällt als jedes Wesen aus einer anderen Welt. 3,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

22.09.2015 17:00
#82 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Eieiei, heute erwischte ich mich beim Warten unterwegs doch tatsächlich dabei, das „Fabelhaft“-Zeichen mit meinen Händen zu formen. Es wird höchste Zeit für eine Teufelsaustreibung!



Thriller: A Place to Die

Episode 7 der TV-Kriminalserie, GB 1973. Regie: Peter Jefferies. Drehbuch: Terence Feely. Mit: Bryan Marshall (Dr. Bruce Nelson), Alexandra Hay (Tessa Nelson), Lila Kaye (Bess Tarling), Sally Stephens (Jill), John Turner (Bart), Glynn Edwards (Lob), Juan Moreno (Nick), Georgine Anderson (Jane), Sydney Bromley (Seth), Jenny Laird (Nan) u.a. Erstsendung: 26. Mai 1973.

Zitat von Thriller: A Place to Die
Behandelt werden wollen sie nicht, aber über die Ankunft des neuen Arztes freuen sich die Dorfbewohner trotzdem. Vor allem seiner amerikanischen Frau, Tessa Nelson, treten sie mit großer Ehrerbietung entgegen. Was hinter ihrem Rücken schon getuschelt wird, erfährt Tessa hingegen nicht: Sie ist die Auserwählte – und Mariä Verkündigung steht vor der Tür. Kaum hat sie herausgefunden, dass der Amtsvorgänger ihres Mannes panische Angst vor den Leuten in seiner Umgebung hatte, steht die Nacht aller Nächte bevor ...


Möchte man die Dinge von der netten Seite aus betrachten, könnte man „A Place to Die“ als gelungene Mischung aus Agatha Christies „Die Schattenhand“, einem jener in den frühen Siebzigern so populären Teufelsfilm-Hammers und der „Hetty Wainthropp“-Folge „Widdershins“ bezeichnen und die Ereignisse dieser siebten „Thriller“-Episode damit in ein einigermaßen harmloses Licht rücken. Andererseits sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass die DVD-Box zur Serie ihr recht harrsches 15er-Rating eben just dieser Folge zu verdanken hat (was man ihr auch ansieht), während die meisten anderen – obwohl ebenfalls unheimlich – gut mit ihrer 12er- oder gar PG-Freigabe bedient sind. „A Place to Die“ hat es in sich und stellt in Bezug auf den Gruselfaktor und die Härte der Erzählung noch einmal eine unverschämte Steigerung dar. Horror pur eröffnet sich den Nelsons nach ihrer Ankunft in dem beschaulichen englischen Dorf.

Wie so häufig ist unsere Heldin eine junge Amerikanerin, die mit großer Offenheit an Dinge herangeht und diese auch bei anderen erwartet, folglich mit der mystikverklärten Geheimniskrämerei eines abgelegenen englisches Dorfes wenig anfangen kann. Allein schon das Aufgeben der großen weiten Welt für ein zurückgezogenes Leben im Nirgendwo, wo die grobschlächtigen Einwohner sie wie eine Puppe anstarren und ihr mit vorgespiegelter Demut begegnen, stellt eine gewisse Überwindung für Tessa dar, sodass ihre Alarmglocken recht bald zu schrillen beginnen, während ihr Ehemann zwar bis zu einem gewissen Punkt Verständnis für ihre Bedenken aufbringen kann, dabei jedoch auch seine neue Vertrauensstellung nicht aufs Spiel setzen möchte.

Alexandra Hay und Bryan Marshall sind ein passendes, liebenswertes Paar, das mit seinem großstädtischen Schick einen Außenseiterstatus wahrt – keine Verunglimpfung in Anbetracht der einheimischen Kreaturen mit ihren hinkenden Beinen und anderen durch enge verwandtschaftliche Bande bedingten Erbkrankheiten. Auf die Spitze treibt es Juan Moreno, der einen stummen und geistig zurückgebliebenen jungen Mann spielt und für reichlich bizarre Gruselmomente sorgt (und außerdem Hans-Georg Panczak zum Verwechseln ähnlich sieht).

Trotz übernatürlicher Andeutungen hält die Geschichte für alle Vorkommnisse gute Erklärungen bereit, sodass das Gemisch aus schwarzer Magie und Rationalität in einem ausgewogenen Verhältnis steht. Beginnt die Folge nach einer Prätitelsequenz, die geradewegs aus Sergio Martinos „Torso“ übernommen worden sein könnte, mit dem üblichen eher ruhigen Tempo der Serie, so wird bis zum Finale eine Schippe nach der anderen draufgelegt, mit Andeutungen und Symbolen ebenso effektiv gearbeitet wie mit düsterer Bildgestaltung, gruseliger Musikuntermalung und der Off-Stimme eines Toten. Die Ausstattung ist farblich und atmosphärisch ebenfalls außerordentlich gelungen.

Für meine Begriffe die stärkste meiner bisher gesichteten „Thriller“-Folgen: Die Nacht, die Tessa Nelson nie vergessen wird, bereitet auch dem Zuschauer einige Bauchschmerzen, ist man bei „Thriller“ schließlich im Unklaren darüber, ob es für die Protagonistin gut ausgehen wird. Wirklich unheimlich und trotz typischer Horror-Thematik keinesfalls albern oder abgedroschen. 5 von 5 Punkten.

Georg Online




Beiträge: 2.766

22.09.2015 20:41
#83 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Da hast Du ja gleich drei übernatürliche Folgen herausgekramt! Sehr schön. Ich mag SOMEONE AT THE TOP/ DAS SCHWARZE HAUS besonders, trotz des etwas hanebüchenen Endes. POSSESSION hat was, schon wegen dem tollen Musikthema, A PLACE TO DIE ist richtig gruselig!

Und gestern Abend sah ich doch ausgerechnet die 4. Betty Wainthropp-Folge und musste sofort an A PLACE TO DIE denken, als Betty in den Laden im Dorf kam und sich alle Einwohner so seltsam verhielten... und dann war da auch noch Thriller-Regisseur-Robert Tronson mit an Bord, der dann aber A PLACE TO DIE doch nicht inszeniert hatte. Das wäre dann wohl ein zu großer "Zufall" gewesen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

22.09.2015 23:00
#84 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Danke für die Rückmeldung, @Georg! Die Parallelen zwischen „A Place to Die“ und „Widdershins“ sind tatsächlich ein bisschen zu augenfällig, um bloßer Zufall zu sein. Wahrscheinlich dann eher doch bewusste Anspielungen. Wenn „Hetty Wainthropp“ Fingerzeige in Richtung „Keeping up Appearances“ einbaut, warum dann nicht auch in Richtung „Thriller“, die der Serie mit Patricia Routledge in puncto Spannung nicht ganz unähnlich ist?

Abseits der übernatürlichen Pfade habe ich mittlerweile eine deiner weiteren Lieblingsfolgen gesichtet. Vielleicht kommt sie etwas schlecht weg, weil sie direkt nach den Schauermomenten von „A Place to Die“ lief:



Thriller: If It’s a Man – Hang up!

Episode 30 der TV-Kriminalserie, GB 1975. Regie: Shaun O’Riordan. Drehbuch: Brian Clemens. Mit: Carol Lynley (Suzy Martin), Paul Angelis (Terry Cleeves), Tom Conti (Bruno Varella), Gerald Harper (Greg Miles), Sue Holderness (Betty), David Gwillim (Henry Venner), Michael Byrne (Richard Lovell), John Cater (Murchison), Colin Etherington (Peter Marnley), Michael Cronin (Advertising Man) u.a. Erstsendung: 12. April 1975.

Zitat von Thriller: If It’s a Man – Hang up!
Ihre Wohnung wird mit einem Schlag zum Serviertablett: Suzy Martin, Fotomodell, hat sich mit ihren Werbeaufnahmen einen Liebhaber der besonderen Sorte angelacht. Der Stalker belästigt sie per Telefon und lässt keinen Zweifel darüber bestehen, dass er sie von seinem Anschluss aus – von wo auch immer er anruft – genau beobachten kann. Wer könnte der unheimliche Irre sein? Gemeinsam mit Constable Venner versucht Suzy, dem Psychopathen eine Falle zu stellen. Doch er ist ihnen einen Schritt voraus ...


Ich bin mit relativ hohen Erwartungen an die Sichtung der Folge gegangen, die mich dann zunächst ob ihrer Studiolastigkeit ein wenig enttäuschte. In das Verwirrspiel um Suzys anonymen Liebhaber kommt aber spätestens in der zweiten Hälfte genug Fahrt, um die Folge zu einem soliden Thriller zu machen. Er profitiert vor allem von der nach Giallo-Art skizzierten Stalker-Figur, von der man im Wesentlichen Lederhandschuhe und ein überdimensioniertes Fernglas zu sehen bekommt, und der Frage, welche der männlichen Bekanntschaften da ein so unanständiges Doppelleben führt. Die Bedrohung an sich wirkt eher harmlos, was allerdings mit der Veränderung der Sehgewohnheiten seit Mitte der Siebziger zu tun hat, wofür die Folge an sich nichts kann. Ein dahingehauchtes „Suzy“ und die Aufforderung an die Auserwählte, sich die Bluse zu zerreißen, entlocken einem heutigen Zuschauer aber sicher kein ultimatives Schockgefühl mehr.

Wie angedeutet, gestaltet sich die Täterfrage sehr ausgefeilt und gut verschleiert. Jeder der Männer in Suzys Umfeld wird zumindest kurzzeitig in den Verdacht gerückt, der Irre am Telefon zu sein. Daraus ergeben sich für das Finale zahlreiche Möglichkeiten, das Publikum zu verwirren und selbst nach zwei scheinbaren Enthüllungen der Identität noch immer im Unklaren zu belassen. Damit geht jedoch auch ein schwerwiegender Fehler der Protagonistin einher, die völlig überflüssig einen Unschuldigen ermordet und damit jede Sympathie und auch das echte Interesse an einer Aufklärung bzw. Rettung verspielt. Nach ihrer folgenschweren Affekthandlung sorgt ihr nerviger sizilianischer Beschützer eher für ein Augenrollen als für das befriedigende Gefühl, die Gerechtigkeit siegen zu sehen – zumal Carol Lynley zwar an sich eine überzeugende Leistung abliefert, aber nicht unbedingt zu den sympathischsten Opfern der Serie zählt. Die tragische Figur der Geschichte ist ein anderer – ein schüchterner Mann, der einem Irrtum zum Opfer fällt und dem man vor und nach dem Tode Unrecht widerfahren lässt. Und das nur, damit das Script unter Beweis stellen kann, ein bisschen schlauer gewesen zu sein.

Ein cleveres Mitratespiel zeugt von einem mit besonderem Bedacht geschriebenem Drehbuch des Dauer-Tüftlers Clemens. Leider muss man auf dem Weg zum Abspann eine Pille schlucken, die ein bisschen zu bitter schmeckt, um ein gänzlich positives Fazit zu ziehen. Da ist auch ein mustergültiges Killer-Outfit nur Makulatur. Knappe 4 von 5 Punkten.

PS: Typischer Fall von „Die ganze Folge über nachgegrübelt, woher ich dieses Gesicht kenne“ – David Gwillim war knappe zehn Jahre später Percy Phelps im Jeremy-Brett-Sherlock-Holmes-Fall „The Naval Treaty“. Wie auch dort eine sehr überzeugende Leistung des Darstellers!

Georg Online




Beiträge: 2.766

23.09.2015 18:53
#85 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Mit deinen Beobachtungen zum "Fehler" dieser Episode hast Du recht, was für mich aber nichts an dem Spannungsfaktor ändert und sie gerade deshalb noch unberechenbarer macht. Gerade wie Clemens am Ende den Verdacht nochmals auf andere lenkt, ist wirklich genial.

Welche Version hast Du denn gesehen? Die "normale" oder die extended version, die ja als eine Art Bonus beigelegt ist.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

24.09.2015 02:15
#86 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Ich habe erstmal die normale Schnittfassung gesehen. Lohnt die verlängerte Version eine Sichtung? Die amerikanischen Vorspänne haben ja auch meist zusätzliche Szenen, die sich aber scheinbar aus irgendwelchem nichtssagenden Stock- oder nachgedrehtem Material zusammensetzen (z.B. Fahrt des Killers nach High Pines in "Possession" oder das Lauern des Mörders auf sein nächstes Opfer in der Bibliothek in "File It Under Fear").

Zitat von Georg im Beitrag #85
Mit deinen Beobachtungen zum "Fehler" dieser Episode hast Du recht, was für mich aber nichts an dem Spannungsfaktor ändert ...

Für mich schon, hat sich mit dieser ärgerlichen Kurzschlussreaktion doch meine letzte Sympathie für Suzy aufgebraucht. Am Ende war ich sogar auf Seiten des Täters, was das Finale sehr unbefriedigend macht. Interessant ist allerdings, ...
... dass man schon in der ersten Einstellung, in der die Polizisten vor Suzys Wohnung aussteigen, anhand der Mimik klar ablesen kann, wer von den beiden mit aufrichtigem Diensteifer und wer mit schmutzigen Hintergedanken am „Tatort“ ankommt. Daran erinnert man sich aber natürlich erst wieder, wenn man die Auflösung gesehen hat. Sehr geschickt gemacht!

Georg Online




Beiträge: 2.766

24.09.2015 17:01
#87 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Die längere Version ist ja keine amerikanische - auf der 16. DVD ist diese ITV-Version, die offensichtlich auch auf ITV ausgestrahlt wurde und keine dämlichen amerik. Zusätze enthält. Warum davon eine kurze und eine lange Fassung produziert wurden, weiß ich im Moment nicht mehr, ist ja eher außergewöhnlich, muss nachlesen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

24.09.2015 18:38
#88 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Ich habe jetzt ’mal genauer nachgeschaut auf den DVDs sowie auf der Thriller-Fanwebsite von Mark McMillan: Ist scheinbar wirklich ein sehr ungewöhnlicher und auch nicht hundertprozentig aufgeklärter Fall mit den unterschiedlichen Fassungen der Episode. Wie du schreibst, soll die Langfassung die originale britische TV-Fassung sein. Sie unterscheidet sich von der DVD-Fassung im Wesentlichen durch ...

  • ... andere Titelcredits, die auf eine ausführlichere Einstiegssequenz gelegt werden statt auf die üblichen Fischaugen-Credits,
  • ... andere Abspanncredits,
  • ... verschiedene Musikuntermalungen,
  • ... eine andere, leichter wiederzuerkennende Stimme am Telefon und
  • ... einige zusätzliche Szenen (ca. 6 Minuten), die wohl vor allem den Hauswart Murchison und die Polizisten betreffen.
Darüber hinaus existieren auch verschiedene US-Fassungen. Alles nachzulesen unter diesem Link.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

24.09.2015 21:35
#89 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten



Thriller: File It Under Fear

Episode 8 der TV-Kriminalserie, GB 1973. Regie: Bill Hayes. Drehbuch: Brian Clemens. Mit: John Le Mesurier (Stubbs), Maureen Lipman (Liz Morris), Richard O’Callaghan (George Bailey), Jan Francis (Gillie Randall), Jenny Quayle (Betty), James Grout (Superintendent Cramer), Colin Fisher (Sergeant Truscott), Rose Hill (Mother), Richard Pendrey (Gerry Masters), John Nightingale (Steve Kerroway) u.a. Erstsendung: 2. Juni 1973.

Zitat von Thriller: File It Under Fear
Eine Reihe von Mädchenmorden scheint die altjüngferliche Leiterin einer Bibliothek, Liz Morris, ganz besonders zu belasten. Ist der Täter in iherm Umfeld zu suchen? Eine Angestellte verschwindet, ein geheimnisvoller uniformierter Besucher wird für den Mörder gehalten und der Streit mit einem Assistenten eskaliert. Außerdem ist da noch der geheimnisvolle Mann, der bei Liz zur Untermiete wohnt. Als es eines Abends spät wird in der Bibliothek, muss sie gleich mehrfach um ihr Leben bangen ...


Man merkt der Inhaltsangabe von „File It Under Fear“ gleich an, dass es nicht viel Plot zu erzählen gibt. Die Mär von erdrosselten jungen Mädchen in nächtlichen Parks allein genügt, um eine Geschichte mit vielen Verdächtigen ins Rollen zu bringen, ohne dass man die willkürlich erscheinende Wahl des Bibliothekssettings, das vor allem deshalb unter Verdacht gerät, weil die Inszenierung zwischen den Nachtszenen dort gern verharrt, allzu sehr hinterfragt. Irgendjemand aus der Runde wird’s schon gewesen sein! So besteht „File It Under Fear“ vor allem aus wiederholt vorgetragenen Zitaten diverser Serienmord-Klassiker, unter ihnen Alfred Hitchcocks „The Lodger“. Eine eigene Identität baut die Folge aber leider nicht auf, weshalb die Charaktere uninteressant und eindimensional bleiben und man die Aufmerksamkeit bald verliert.

Mit Liz Morris wird der Versuch unternommen, eine verkrachte Existenz zu zeigen, die sich ihr Leben zwischen ihren Büchern und der nörgelnden Mutter eingerichtet hat und dabei vergaß, sich ein Privatleben zuzulegen, weshalb sie nun als alte Jungfer abgestempelt wird und ihre Freude vor allem aus der Schikanierung ihres jungen männlichen Angestellten zieht. Das ganze wird recht klischeehaft abgehandelt, ist aber ’mal etwas anderes in einem Krimi der 70er, in dem es sonst eher handlungsorientiert zur Sache geht.

Der Anteil der Nachtaufnahmen ist sehr hoch und auch Außenaufnahmen gibt es verhältnismäßig viele. Ebenso kann die Bibliothek als eine der beeindruckenderen Studiobauten der Serie durchgehen. Dies hilft allerdings nicht, die laue Handlung zu kompensieren, die aus „File It Under Fear“ eine belanglose Angelegenheit macht. Dazu passt, dass die Identität des Frauenmörders auf 100 Meter gegen den Wind zu riechen ist; immerhin ruft der Täter selbst die sonst zufällig immer im „richtigen“ Moment abwesende Polizei, was man so wohl auch noch nicht gesehen hat.

Theoretisch hätte „File It Under Fear“ großes Potenzial aus seinem ungewöhnlichen Schauplatz, der klassischen Mordgeschichte und den vielen düsteren Momenten ziehen können. Leider lassen unleidliche Charaktere sowie ein schwaches Skript keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich hier um eine unterdurchschnittliche Folge aus der ersten Staffel handelt. Ohne eine Identifikationsfigur funktioniert „Thriller“ nicht und Maureen Lipmans Rolle taugt dazu ebenso wenig wie die beiden eher formelhaft eingesetzten Polizisten. 2,5 von 5 Punkten, Prädikat 08/15.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.608

26.09.2015 16:37
#90 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Als Randnotiz zu "File It Under Fear": Es ist interessant, zu lesen, wie unterschiedlich die "Thriller"-Episoden ankommen. Die beiden hier verlinkten Fanseiten geben völlig gegensätzliche Einschätzungen zu dieser Folge ab:

Zitat von Werner Schmitz: File It Under Fear
Eine weitere Glanzleistung der ersten Saison. Alle werden ordentlich verdächtig gemacht, die Figuren sind einprägsam (allen voran Liz, George und Stubbs), shock ending und Kulissen beispielhaft.

Zitat von Mark McMillan: File It Under Fear
A very lacklustre episode. No one really seems to shine in this one and the whole plot seems a bit derivative and uneventful. Compared to the heights that Thriller would soon reach, this instalment is positively dreary.

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