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Dieses Thema hat 114 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Georg Offline




Beiträge: 2.773

30.03.2014 16:58
#31 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Ja, die ZDF-Folgen waren ungeschnitten und somit auch die Box mit den deutschsprachigen Episoden.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

30.03.2014 20:30
#32 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten



Thriller: A Midsummer Nightmare

Episode 42 der TV-Kriminalserie, GB 1976. Regie: Don Leaver. Drehbuch: Brian Clemens. Mit: Joanna Pettet (Jody Baxter), Brian Blessed (Detective Sergeant Briggs), Tony Anholt (Johnny Baxter), Norman Rodway (Peter Ingram), Freddie Jones (Arnold Tully), Anthony Pedley (Charley Spencer), Elsie Randolph (Mrs Fitch), John Ruddock (Williams), Alison Glennie (Annabella Tully), Thom Delaney (Detective) u.a. Erstsendung: 15. Mai 1976.

Zitat von Thriller: A Midsummer Nightmare
Ihr Mann ist gerade auf dem Weg nach Rom, während Jody Baxter einem seiner Klienten vor seinem Büro begegnet. Aus Trotz und Neugier gibt sie sich selbst als Privatdetektivin aus und schlüpft damit in die Schuhe ihres Gatten: Sie soll herausfinden, wer vor genau fünf Jahren Arnold Tullys Pflegetochter Annabella tötete. Tully erleichtert Jody die Aufgabe: Er – ja das ganze Dorf – wisse, wer Annabella auf dem Gewissen habe. Doch Jody kommen Zweifel an der weit verbreiteten Meinung, die selbst die Polizei übernommen zu haben scheint. Wird ihre Schnüfflerei den wahren Mörder nervös machen und lange nach seiner Tat zu Unvorsichtigkeiten verleiten?


Diesmal ist es William Shakespeare, der als Pate für einen Mordfall steht und dessen Stücken „As You Like It“ und „A Midsummer Night’s Dream“ in der von Theaterliebhabern, Kritikern und Schauspieleramateuren bevölkerten Episode eine nicht unwesentliche Bedeutung zukommt. Dabei gelang dem Krimi der Twist, sich eigentlich gar nicht mit dem Theater zu befassen, dessen mondäne Ausstrahlung in die dörflich-hinterwäldlerische Atmosphäre überhaupt nicht gepasst hätte.

Es ist deshalb deutlich naheliegender, auf das in der Folge zitierte 18. Sonett zurückzugreifen: „Shall I compare thee to a summer’s day? / Thou art more lovely and more temperate“. Während der Mordfall sich zwar durchaus auf die Schönheit (und die gefährliche Abgeschiedenheit) eines saftig grünen, sommerlichen Waldstücks verlässt, so handelt es sich doch in Wahrheit um eine versteckte Ode an die Schönheit der Frauen – sei es die überbehütete, kindliche Annabella, die ihr Leben auf tragische Weise verlor, oder Jody Baxter, die ihr optisches Ebenbild, aber charakterliches Gegenteil darstellt. Als zupackende, selbstbewusste und sich ihrer weiblichen Intuition bewusste Ermittlerin stellt sie Vorurteile auf den Kopf und hinterfragt scheinbar einhellige Meinungen – sowohl im Mordfall Annabella als auch über die Beschäftigung von Detektivinnen.

Die Episode ist als klassischer Whodunit angelegt und könnte in ihrer Konzeption der Aufklärung eines lange zurückliegenden Gewaltverbrechens nicht typischer ausfallen. Gerade weil sie auf ein erprobtes und gern gesehenes Muster zurückgreift und dieses wunderbar umsetzt, überzeugt sie auf ganzer Linie. Betrachtet man allein die Täterfrage, so wird ersichtlich, mit welcher Kunstfertigkeit „A Midsummer Nightmare“ alle nur erdenklichen Kandidaten ins Feld führt: den eigentlich zu augenscheinlichen, aber letztlich doch reichlich verdächtigen Sündenbock des ganzen Dorfes, den voreingenommenen Polizeichef, dessen unheimlichen, überall unter merkwürdigen Vorwänden auftauchenden Assistenten, den verschrobenen-gluckenden Pflegevater mit seiner geradezu besessenen Erinnerung an Annabella und sogar – obwohl sie als Mörder nicht infrage kommt – seine martialische Haushälterin.

Ihre Spannung bezieht die Episode folglich aus der Unsicherheit darüber, aus welcher Richtung ein Angriff auf Jody Baxter zu erwarten ist. Man spürt deutlich, wie die Stimmung ihr gegenüber immer feindseliger wird, je weiter sie ihre Nachforschungen betreibt. Hier wird das alte Bild der close-knit community heraufbeschworen, das ebenso wie Annabellas zurückgezogenes Leben mit ihrer Vorliebe für Shakespeare-Bücher und dem Liebhaber, von dem der Vormund nichts erfahren darf, dem Fall einen altmodischen Charme verleiht.

Kein „Thriller“ im eigentlichen Sinn des Wortes, sondern ein Detektivkrimi der Spitzenklasse: „A Midsummer Nightmare“ spielt nicht nur im Titel mit den großen Shakespeare-Klassikern. Der mit Esprit aufgebaute Mordfall wird durch kluge Kombinationen und die Denkmuster einer Frau gelöst, die gleichsam als „bedrohte Spezies“ nicht allein am Mordschauplatz im Wald unterwegs sein sollte ... 5 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.773

30.03.2014 21:38
#33 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Sorry, dass ich mich nach jeder Episode einmische :-). Sehr schöne Besprechung einer wunderbaren Episode, die wirklich fesselt und überrascht. Auf Werners Seite gibt's übrigens versteckt dazu passend einen "Making Of"-Bericht, der erklärt, wie eine Folge gedreht wurde: Producing "Thriller".

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

30.03.2014 22:07
#34 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Im Gegenteil: Ich finde es super, einmal zu jeder Besprechung eine Rückmeldung zu erhalten. Der Thread ist schön lebendig und die - ggf. unterschiedlichen - Meinungen stehen direkt untereinander.

Danke auch für den Link - diese Beschreibung hatte ich tatsächlich bisher übersehen. Interessante technische Hintergründe, die man sonst nicht bekommt. Auf der Disc von "A Midsummer Nightmare" ist übrigens das angekündigte Bonusmaterial, u.a. ein Interview mit Brian Clemens, aufgespielt, das ich allerdings noch nicht gesichtet habe.

Georg Offline




Beiträge: 2.773

31.03.2014 10:36
#35 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Das Interview ist sehr interessant und enthält keine Spoiler.

Eine ähnliche Konstellation wie in A Midsummer Nightmare (wer wird die Hauptakteurin attackieren?) gibt es in der Toppfolge If it's a Man - Hang Up!, die auch in ihrer Extended Version auf der DVD vorliegt. Hier gibt es zahllose Verdächtige und eine wahre Achterbahnfahrt mit vielen Überraschungen.

Lord Peter Offline




Beiträge: 400

01.04.2014 14:44
#36 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #3
Außerdem gibt es noch zwei Kinofilme zu denen Brian Clemens das Buch schrieb, die in gewisser Art als Vorläufer zu "Thriller" gesehen werden können:

TÖDLICHE FERIEN (1970, And Soon the Darkness [US-Remake: 2008!])
STIEFEL, DIE DEN TOD BEDEUTEN (1971, Blind Terror [mit Mia Farrow])

Diese beiden (ich weiß, diese Vokabel wird im Zusammenhang mit beiden Filmen gerne gebraucht) feinen Psychothriller haben innerhalb dieses Threads durchaus auch Anspruch auf nähere Erwähnung. Beide weisen einige Parallelen auf. Beide Male eine junge Frau in einer Notlage auf sich allein gestellt, beide Male gibt es den "unheimlichen Fremden" (auch McGuffin genannt ) und die Falle, in die das arme Opfer am Ende (beinahe) tappt.

Zunächst also "And Soon the Darkness", hierzulande erst über 20 Jahre nach seiner Fertigstellung lieblos auf VHS erstveröffentlicht, mit dem schönen Titel "Tödliche Ferien" und einer soliden, aber doch recht billig wirkenden Synchronisation aus Hamburg.

Die Story lockt heutzutage keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor: zwei junge Krankenschwestern (Jane, die brave, biedere, verantwortungsbewußte, und Cathy, die blonde, etwas faule, vergnügungssuchende) aus England sind auf Fahrradurlaub in Frankreich unterwegs. Nach einer aus einer Nichtigkeit hervorgehenden Streiterei fährt Jane alleine voraus, während Cathy eine Trotz-Rast einlegt. Als die reuige (da verantwortungsbewußte!) Jane kurz darauf zurückkehrt, ist Cathy verschwunden. Eine Odyssee beginnt, in der Jane ziemlich auf sich allein gestellt ist, da sie kein Französisch spricht. (Hm, und dann kein Wörterbuch dabei? Blöde Kuh!). Und welche Rolle spielt der sinistre Motorrollerfahrer, der die beiden schon einige Zeit verfolgt hat?

Man sieht also, im Grunde Blaupause 3b aus dem herkömmlichen Slasher-Handbuch. Allerdings muß man berücksichtigen, daß dieses Genre 1970 bei weitem noch nicht so ausgelutscht war wie heute, damals war das noch kein nach Schema F ablaufender Langweiler, als der "And Soon the Darkness" heute auf den ersten Blick wirken muß. Und wenn die kreativen Köpfe dahinter auch noch die Macher von "Mit Schirm, Charme und Melone" sind (neben Clemens auch Terry Nation (Co-Autor), Laurie Johnson (Musik) und Albert Fennell (Co-Produzent)), darf man doch schon etwas mehr erwarten.

Wo der Film ganz klar punktet, ist eine Atmosphäre stetig wachsenden Unbehagens, ohne je die ganz grobe Kelle auszupacken. Selbst anfangs, als die beiden Mädchen noch zusammen sind, mischen sich erste Mißtöne in die Urlaubsstimmung, es wird über Kleinigkeiten zwar noch freundschaftlich, aber doch leicht aggressiv diskutiert, in den Soundtrack mogeln sich düstere Töne, nach der Trennung wird Janes Isolation in der Fremde geradezu mit Händen greifbar. Löblicherweise behielt man das in der Synchronisation bei, Klassiker wie "Der dritte Mann" oder "Die große Sause" beliebten bei Sprachbarrieren ja gerne zu schludern. Inszenierung, Kameraarbeit und Musik leisten Unglaubliches, um die Schwächen des Drehbuchs (es ist zwar einigermaßen sauber geplottet, die Lösung ist allerdings a) absehbar und b) relativ schwach) auszugleichen, und es funktioniert bestens.

Schauspieler - Pamela Franklin kennt man meist aus Hobeln wie Bert I. Gordons "Insel der Ungeheuer" und "Horror Attack", doch blickte sie seinerzeit schon auf eine erfolgreiche Karriere als Kinderstar zurück, etwa der wunderbare "Schloß des Schreckens", und später (1973) wirkte sie noch in dem zumindest achtbaren "Tanz der Totenköpfe" (der Originaltitel "The Legend of Hell House" paßt definitiv besser) mit. Als Jane hat sie eine zunächst eher undankbare Rolle zu spielen, nämlich das, was auf gut deutsch "Spaßbremse" heißt, doch als sie nach der 30-Minuten-Marke plötzlich alleine dasteht, da wirkt sie so verloren, daß man doch Mitleid mit ihr haben muß und sich um sie sorgt. Umgeben von sinistren Gestalten, mit denen sie nicht kommunizieren kann, wirken auch die finstere Lehrerin und der Rollerfahrer nicht gerade wie Retter in der Not. Im Finale darf Pamela dann das tun, was jede Horror-Actrice können muß: schreien und Panik schieben, bis der Arzt kommt. Auch das schafft sie mühelos, und auch ohne Übertreibung.
Michele Dotrice (Cathy) war ebenfalls nicht neu im Genre, so wirkte sie 1966 in Hammers "The Witches" ("Der Teufel tanzt um Mitternacht") mit und geriet später "In die Krallen des Hexenjägers", spielte aber auch in TV-Serien wie "Jason King". Für meinen Geschmack ist sie deutlich hübscher als die Franklin, umso bedauerlicher, daß sie nach einer halben Stunde schon aus dem Film scheidet. Ihren Charakter bringt sie (dem Drehbuch gemäß) etwas eindimensional, aber durchaus realistisch, lediglich
als Leiche ist sie nicht so überzeugend.

Sandor Elés (Paul, der Rollerfahrer) ist ebenfalls ein gern gesehener Gast aus diversen Hammer-Produktionen ("Frankensteins Ungeheuer", Comtess des Grauens"), und für den mysteriösen Fremden ist er genau die richtige Besetzung, wenn ihn das auch nicht vor allzu große schauspielerische Herausforderungen gestellt haben dürfte.
Die restliche Besetzung besteht aus eher unbekannten, aber durchaus vielbeschäftigten Gesichtern aus britischem Film und Fernsehen, unangenehm fällt keiner auf.

Fazit:
Nennen wir "And Soon the Darkness" mal eine Fingerübung von Leuten, die zwar einiges können, aber gerne mal experimentieren wollten. Das Drehbuch könnte stellenweise etwas ausgefeilter sein, und der Schluß ist etwas lahm, dafür stimmt der Rest. Wie man sowas weniger ambitioniert umsetzt, zeigt das total überflüssige Remake von 2008, das in seinen besten Momenten vom Original kopiert und ansonsten in Langeweile versinkt.

Wertung:
8 von 10 zerbrochenen Fahrradspeichen

Georg Offline




Beiträge: 2.773

01.04.2014 16:21
#37 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Sehr stimmige Beschreibung, das Remake ist vor allem im 2. Teil eher überflüssig.

Ich mag "Tödliche Ferien", besser noch gefällt mir allerdings "Stiefel, die den Tod bedeuten". Clemens' hatte da ja sein Faible für Blinde ausgespielt ... (siehe Thriller-Folge "The Next Voice You See" / "Die geschlossenen Augen").

Lord Peter Offline




Beiträge: 400

03.04.2014 14:53
#38 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

"Stiefel, die den Tod bedeuten" - im Ausdenken blöder Titel waren deutsche Verleiher immer schon spitze. "Blind Terror" bzw. "See No Evil" kommen der Sache doch schon bedeutend näher. Im Gegensatz zu seinem Vorläufer gelangte der Film allerdings schon kurz nach seiner Fertigstellung in die deutschen Kinos, in einer recht passablen Synchronfassung aus München (lediglich die korrekte Aussprache des Namens "Sarah" war offenbar ein Problem, sie reicht vom korrekt-britischen "Särra" über das deutsche "Sara" bis zu "Zara").

Auch diese Story gewinnt heute keine Originalitätspreise mehr, und selbst damals war sie nicht mehr neu, da der "Blinde-Frau-in-Not"-Klassiker überhaupt, "Warte, bis es dunkel ist", 4 Jahre vorher entstand. Sarah kehrt nach einem Reitunfall, der sie das Augenlicht gekostet hat, in den Schoß der Familie zurück. Sie wird von allen Seiten bemuttert und umsorgt, und ihr Freund Steve, der ein nahegelegenes Gestüt betreibt, schenkt ihr ein neues Pferd. Am nächsten Tag reiten beide zusammen aus, und als Sarah heimkehrt, glaubt sie sich im stillen Haus allein. Doch ihre Verwandten sind nicht ausgegangen, sondern liegen tot im Haus verteilt. Bis Sarah das jedoch herausfindet, ist der Killer schon wieder zurück, denn er hat etwas verloren...

Ebenso wie sein Vorgänger wirkt auch dieser Film heute wie eine oft kopierte Handlungsschablone, aber es ist halt ein Konzept, das trotz mangelnder Originalität immer noch für einen Schocker gut ist - wenn man weiß wie. Außer Clemens, der wieder das Drehbuch schrieb, war das Team hinter der Kamera ein gänzlich anderes, aber hatte durchaus das nötige Potential, aus der Geschichte etwas zu machen.

Und auch hier ist es die Inszenierung, wo der Film alles gibt. Die Kamera versucht (durchaus erfolgreich), einen Teil von Sarahs Blindheit (und damit ihrer Unsicherheit) auf den Zuschauer zu übertragen, indem sie Details immer knapp außerhalb des Bildausschnitts stattfinden läßt. Über weite Strecken wird auch ohne Musik gearbeitet, die Leichen werden so nüchtern und realistisch präsentiert, daß die Wirkung umso wirkungsvoller ist. So mutet es auch recht makaber an, daß Sarah unwissend eine ganze Nacht zwischen den Toten verbringt (ihre Cousine liegt nur ein Bett weiter) und mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen Glasscherben herumspaziert. Identifikationspotential wie Pamela Franklin bietet Mia Farrow zwar nicht (dafür ist ihre Situation zu speziell), aber man mag sie und möchte nicht, daß ihr etwas passiert. Wo das Skript dann wieder schwächelt, ist die Auflösung, nachdem sich der Hauptbelastete, ein Zigeuner, der ein Auge auf Sarahs Cousine geworfen hatte, als unschuldig entpuppt. Der Täter wird einfach aus dem Hut gezaubert, obwohl er während des Films schon aufgetaucht ist. Auch seine Motivation bleibt im Dunkeln, abgesehen won einer gewissen Gewaltbereitschaft (man sieht ihn, bzw. seine titelgebenden Stiefel am Anfang ein Kino verlassen, in dem Filme mit Titeln wie 'Rapist Cult' und 'The Convent Murders' laufen, später vergeht er sich am Auto von Sarahs Onkel, bis es schließlich zum komplett off-screen stattfindenden Familienmassaker kommt). Die Idee mit den Stiefeln lieh sich Spielberg übrigens ein Jahr später für sein Spielfilmbedüt "Duell" aus, viel mehr bekommt man vom dortigen Schurken auch nicht zu sehen.

Mia Farrow war schon im Genre bewandert, immerhin drehte sie 4 Jahre zuvor mit Polanski "Rosemarys Baby", und ihre Performance kann man guten Gewissens als gelungen bezeichnen. Sie ist dann auch schon der zugkräftigste Name im Cast, ansonsten sind es wieder die bewährten englischen Film- und Seriengesichter, denen man ihre Arbeit nicht erklären muß. Den Mittelteil muß Farrow dann auch größtenteils allein tragen (sieht man mal von den Beinen des Killers mit ihren totschicken (höhö!) Stiefelchen ab), und das gelingt ihr auch recht gut.

Fazit:
"See No Evil" (so lautet der Titel der mir vorliegenden DVD aus UK, die aber auch den deutschen Ton enthält) erfindet sicher das Rad nicht neu, liefert aber spannende Unterhaltung und einige memorable Szenen ab. Was ihm gegenüber "And Soon..." vielleicht fehlt, ist Identifikationspotential bei der Hauptfigur, und manchmal läßt er sich doch etwas zuviel Zeit (der Ausritt von Sarah und ihrem Freund; der allgemein lange Zeitraum zwischen dem ersten Zeigen der Leichen und deren Entdeckung durch Sarah; die Episode mit den Zigeunern). Dennoch ein mehr als achtbarer Genre-Beitrag. Als einstündige Serienepisode wäre er vermutlich perfekt.

Wertung:
7,5 von 10 blutigen Glasscherben

Georg Offline




Beiträge: 2.773

16.04.2014 08:43
#39 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

So, nachdem die einzelnen Episoden nun für die DVD-Veröffentlichung restauriert wurden, darf ich verkünden, dass diese erstmals in Deutsch komplett und ungeschnitten erscheinen und auch jene Sequenzen enthalten, die bei der TV-Ausstrahlung fehlten. Außerdem gibts neben dem Booklet den alternativen Vorspann und damalige Pressefotos als Boni.

Lord Peter Offline




Beiträge: 400

20.04.2014 09:58
#40 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Das klingt doch schon mal gut. Und die Wartezeit versüße ich mir mit der Carlton-Box.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

06.06.2014 23:10
#41 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten



Thriller: Nightmare for a Nightingale

Episode 39 der TV-Kriminalserie, GB 1976. Regie: John Scholz-Conway. Drehbuch: Brian Clemens. Mit: Susan Flannery (Anna Cartell), Stuart Damon (Hal Bridie), Keith Baxter (Tony Risanti), Ronald Leigh-Hunt (Giles Turner), Sydney Tafler (Sam Meadows), Gita Denise (Marie), Stephen Greif (Tramp), Peter Hill (Purvell), Anthony Dawes (Doctor), Edwin Brown (Theatre Manager) u.a. Erstsendung: 24. April 1976.

Zitat von Thriller: Nightmare for a Nightingale
Die aufstrebende Opernsängerin Anna Cartell ist eine vielgeliebte Frau: Ihr erster Ehemann Tony kam durch den Sturz von einer Klippe tragisch ums Leben, ihr Agent bewundert sie und mit dem Botschaftssekretär Hal Bridie möchte sie bald erneut in den Bund der Ehe treten. Da geschieht das Unfassbare: Tony taucht wieder auf – er hat seinen eigenen Tod nur vorgespielt. Bei einem Streit stößt ihn Anna, woraufhin Tony sich eine Kopfverletzung zuzieht. Ist er nun wirklich tot? Für Anna beginnt eine schreckliche Zeit der Ungewissheit und des Psychoterrors ...


Dass schon viele Autoren Frauen, die durch zurückkehrende „Geister“ aus Fleisch und Blut verängstigt werden, in den Mittelpunkt ihrer Geschichten gestellt haben, beweist, welch ein Potenzial die Geschehnisse um Anna Cartell haben. Die Story, die Brian Clemens um die schöne und talentierte Frau wob, ist von ausgesuchter Qualität, was sich schon in den ersten Schwenks der Episode manifestiert: gegen Felsen brandendes Meerwasser, eine Villa an einer Steilküste. Licht fällt aus den hell erleuchteten Räumen in die Nacht hinaus und Opernmusik tönt aus einem Plattenspieler. Ein Mann im weißen Anzug steht am Fenster und sinniert – er wird in Kürze jemanden an seiner Stelle umbringen. Welch ein Einstieg! Auch spätere Szenen, gerade im Londoner Royal Opera House, verfehlen ihre Wirkung nicht.

Dennoch hat „Nightmare for a Nightingale“ klare Schwachstellen. Hierbei ist das zurückhaltende Tempo ebenso zu nennen wie das Fehlen der sonst die Serie bestimmenden Gruselspannung. Gerade bei einer solchen Handlung hätte es sich angeboten, den Zuschauer stärker in die Ängste der Protagonistin, die nicht weiß, ob ihr Mann noch lebt oder schon zur Hölle gefahren ist, mit einzubinden. Zu nüchtern wirkt der Keller des Hauses, in dem Anna und Tony aufeinandertreffen, zu lang geraten die nicht spannungsfördernden Beratungen in der Garderobe der Sängerin. Am Ende versuchte der Regisseur, das Tempo mit einer letzten Konfrontation Annas mit dem „Mythos Tony“ nochmals anzuziehen, aber dieser Wendepunkt kommt zu spät und zu kurz. Er wird zudem von einer Auflösung überschattet, die nicht unbedingt als überraschend bezeichnet werden kann.

Nicht das Geringste gibt es an Susan Flannerys Darstellung des Opernstarlets auszusetzen. Zweifel und Furcht setzt Flannery behutsam ein, geizt dafür nicht mit patenter Freundlichkeit, ohne so handfest zu wirken wie einige der anderen, zupackenderen „Thriller“-Hauptdarstellerinnen. Damenhaft beabsichtigt sie zum Beispiel, ihre noch junge Karriere nach der anstehenden Heirat zu beenden. Keith Baxter als mysteriöser Tony Risanti ist eine treffende Besetzung, fällt jedoch ein wenig unangenehm durch seine gekünstelt rauhe Intonation auf, die nicht so recht zu einem ebenfalls begabten Sänger passen möchte. Die übrigen Charaktere bleiben verhältnismäßig blass und agieren in den engen Grenzen der Geschichte überzeugend, ohne ein nennenswertes Eigenleben zu entwickeln.

Das „Nightmare“ in diesem Titel erscheint ein wenig überzogen in Anbetracht der eher lauwarmen Gruselgeschichte, die zwar durch den wendungsreichen Aufbau der Grundproblematik (überlebt ein Totgeglaubter zweimal?) überzeugt, aber zu unambitioniert erzählt wird. Für Entschädigung sorgen das angenehme Ambiente und die schauspielerische Leistung Susan Flannerys. 3 von 5 Punkten.

Lord Peter Offline




Beiträge: 400

21.06.2014 18:39
#42 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Hey, ich bin noch gar nicht dazu gekommen, in die Carlton-Box reinzuschauen, und schon schickt PIDAX mir eine Versandbestätigung. Dabei erscheint die Box doch offiziell erst in zwei Wochen. Aber egal, mir soll's recht sein ...

Flimmer-Fred Offline



Beiträge: 781

21.06.2014 20:22
#43 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Das höre ich ausgesprochen gern.

Mir hat Pidax nämlich keine Versandbestätigung geschickt, da ich die Thiller-Box zusammen mit anderen Artikeln dort bestellt hatte und Pidax dann nur die erste Teillieferung ankündigt. Für gewöhnlich verschickt Pidax direkt bei ihnen bestellte Ware gut 3 Wochen vor dem offiziellen Erscheinungstermin und da - so wie ich vermute bei der Post - bereits einmal eine Sendung verloren ging, hatte ich schon dementsprechende Befürchtungen.

Lord Peter Offline




Beiträge: 400

25.06.2014 18:41
#44 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

Hm, Versandmitteilung vor 4 Tagen, und immer noch nix im Briefkasten ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

13.07.2014 20:12
#45 RE: THRILLER (Krimiserie von Brian Clemens, GB 1973-1976) Zitat · antworten

BEWERTET: "Die zweite Frau" (Lady Killer)
mit: Barbara Feldon, Robert Powell, Linda Thorson, T.P. McKenna, Mary Wimbush, John Boswall, Ivor Roberts u.a. | Regie: Bill Hays

Die Amerikanerin Jenny Frifth macht Urlaub in England und lernt in einer Pension Paul Tanner kennen, der sie umgarnt, ihr Komplimente macht und dabei nur eines im Sinne führt: Sie sobald als möglich zu seiner Frau zu machen, um einen perfiden, lange vorbereiteten Plan durchzuführen. Das Ehepaar zieht in ein einsames Landhaus an den Klippen. Jenny verlebt ruhige Tage, während Paul häufig unterwegs ist. Als ein Mann namens Jack Hardisty auftaucht, wird Paul unruhig und beschließt, nun rasch zu handeln....



Bereits in den ersten Minuten des Films erkennt man, dass es sich bei der weiblichen Hauptfigur um eine emotional ausgehungerte und romantisch veranlagte Frau handelt. Sie wird zur leichten Beute eines Mannes, der sich genau ihren Erwartungen anpasst, sie durch angebliche Spontanität aus der Reserve lockt und ihr kaum Zeit lässt, Situationen zu reflektieren. Die Bildsprache der Inszenierung unterstreicht die Intentionen und Gefühle der handelnden Personen. So wird z.B. aufgezeigt, dass Jenny ab dem Moment, in dem sie ihre Brille abnimmt (um dem Mann zu gefallen), nicht mehr klar sieht und so ein leichtes Opfer für Täuschungen wird. Ebenso gibt es ein weißes und ein schwarzes Telefon und Paul verwendet das schwarze für seine kriminellen Gespräche. Diese Kniffe gehören seit Alfred Hitchcock zum Standard eines psychologischen Thrillers. Barbara Feldon stattet ihre Figur mit einem Füllhorn voll Gefühl aus und zeigt sie als optimistische, freundliche Person, die sich um das Wohl ihrer Mitmenschen sorgt und selbst zurücksteckt, wenn es dem häuslichen Frieden dient. Sehr schlank, von aparter Sekretärinnenunaufdringlichkeit ist sie durch ihre naive Sicht der Beziehungen zwischen Mann und Frau in Gefahr, vollkommen in den Erwartungen, die der Partner an sie stellt, aufzugehen. Robert Powell, schmalbrüstig und schlaksig, verkörpert den Siebziger-Jahre-Drogen-Chic, der mit geweiteten Augen, ungläubig staunendem Mund und wirrer Mick-Jagger-Frisur einherkommt. Seine schmierige Anmache, bei der man dem Darsteller ansieht, für wie durchschaubar er selbst sie hält, lässt den Zuschauer von Beginn an das Schlimmste befürchten. Linda Thorson und T.P. McKenna ergänzen die Hauptdarsteller durch ihre Ambivalenz, die Unruhe und Überraschungsmomente in den vorhersehbaren Plot bringen und die Geschichte damit auflockern und mit Spannung vorantreiben. Leider lässt das Ende einige Fragen offen und sorgt für eine leichte Enttäuschung. 4 von 5 Punkten.

* Der englische Dichter Percy Bysshe Shelley ist der Lieblingspoet von Jenny Frifth und Anknüpfungspunkt zwischen ihr und Paul Tanner. Sein Tod im Wasser ist ein Verbindungsglied zum Film und zeigt nicht nur die angebliche Schicksalshaftigkeit, an die Jenny glaubt, sondern verweist auch dezent auf das Ende, das sie in der Bucht zu erwarten hat – im ausländischen Exil, genau wie ihr literarischer Schwarm.

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