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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 308 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Peter Ross Offline



Beiträge: 1.375

01.06.2013 22:54
Bewertet: "Hoopers letzte Jagd" (1972) Zitat · Antworten

Hoopers letzte Jagd ist ein Zweiteiler aus dem Jahr 1972, der bedingt als "Fortsetzung" von "Die Gentlemen bitten zur Kasse" gesehen werden kann.
Ich konnte diesen Film heute mal sehen, da ich mit die Straßenfeger-DVD (Straßenfeger 50) zugelegt habe. Im gleichen Zuge habe ich "Die Gentlemen bitten zur Kasse gesehen" (übrigens lohnenswert!).
Trotz hervorragender Besetzung (u.a Tappert, Mairich, Pulver, Bötticher, Schumann, Borsche, uvm.) ist dieser Zweiteiler aus meiner Sicht einfach nur schlecht gemacht! Schon stilistisch wirkt er weniger als Kriminalspiel, sondern als schlecht inszeniertes Lustspiel. Die Polizei (allen voran Hooper (Mairich) ist auf der Jagd nach Richardsen (Tappert)) und stolpert dabei quasi über die eigenen Füße.
Sorry, leider enttäuschend - meilenweit von z.B. "11 Uhr 20" aus dem Vorjahr entfernt!
1,5/5 Punkte

Eure Meinung?

Ray Offline



Beiträge: 1.279

05.01.2019 23:41
#2 RE: Bewertet: "Hoopers letzte Jagd" (1972) Zitat · Antworten

Da hast du ja lange auf eine Antwort warten müssen. Vermutlich haben viele die Fortsetzung (noch) nicht gesehen, weil sie die "Gentlemen" schon als Einzel-DVD besitzen und einen partiellen Doppelkauf scheuen? Der nicht sonderlich gute Ruf, der dem Mehrteiler vorauseilt, mag auch eine Rolle spielen. Da ich inzwischen so ziemlich alle Mehrteiler gesichtet habe, die mich interessiern, habe ich mich ob der Besetzung doch zum Kauf entschlossen. Hier meine Eindrücke...

Hoopers letzte Jagd (BRD 1972)

Regie: Claus Peter Witt

Darsteller: Horst Tappert, Liselotte Pulver, Max Mairich, Dieter Borsche, Edgar Hoppe, Erik Schumann, Gert Haucke u.a.



Eine Fortsetzung von "Die Gentlemen bitten zur Kasse" unter dem Titel "Hoopers letzte Jagd"? Der Titel verwundert den unvoreingenommenen Betrachter, denn weder die Tappert-Figur noch die des Ermittlers Siegfried Lowitz trug im legendären Dreiteiler diesen Namen. Aus rechtlichen Gründen war es dem NDR aber inzwischen verboten, die Namen der Täter zu verwenden. Zu einer Namensänderung die Inspektoren-Rolle betreffend sah man sich gezwungen, weil Siegfried Lowitz zu hohe Gagenforderungen stellte. An seiner Stelle wählte man ein nicht gerade naheliegende, aber wohl wesentlich günstigere Option: Max Mairich, hier im Forum vermutlich vor allem wegen seiner Nebenrolle in "Tim Frazer: Der Fall Salinger" bekannt, aber dennoch bis dato keine sonderlich "große Nummer" im Krimi-Fach. Mairich müht sich redlich, das natürliche Charisma eines Siegfried Lowitz geht ihm dennoch ab. Horst Tappert ist mit Blick auf den Cast das einzige Überbleibsel. Hans Cossy sucht man ebenso vergeblich wie Grit Böttcher als seine Lebensgefährtin. Für Letztere fand die Produktion indes eine mehr als ordentliche Alternative, nämlich keine geringere als Liselotte Pulver, die wenige Jahre zuvor es wohl nicht nötig gehabt htte, eine solche Rolle anzunehmen und an der Krimi-Welle der 1960er-Jahre quasi nicht teilgenommen hatte. Mit dem Untergang von "Opas Kino" flogen aber auch einer populären Aktrice wie ihr die Rollen nicht mehr zu und so bereichert sie diese TV-Produktion. An Max Mairichs Seite agieren u.a. Herbert Bötticher und Erik Schumann als seine Assistenten, Dieter Borsche hat eine kleine Rolle als Vorgesetzter.

Storytechnisch hat "Hoopers letzte Jagd" nur wenig zu bieten und hätte leicht in einem 90-minütigen Film abgehandelt werden können. Richardson (=Donegan) ist weiter ständig auf der Flucht und reist mal mit, mal ohne Familie, durch die Welt. Mexiko, die französische Riveira, Brighton, um nur einige Handlungsschauplätze zu nennen. Gedreht wurde laut Internetquellen in Brighton, Blackpool, London und Oxford. Welcher Ort als Mexiko-Ersatz hergehalten hat, bleibt offen. Jedenfalls ist für wechselnde Schauplätze gesorgt. Das Tempo stimmt zumindest im ersten Teil, der in Verbindung mit dem insgesamt ordentlichen Cast und den vielen Schauplätzen für annehmbare Unterhaltung sorgt. Teil 2 vermag es dann nicht, die wesentlich längere Laufzeit (95 Minuten gegenüber 70 Minuten in Teil 1) zu rechtfertigen. Die Handlung dreht sich weithin im Kreis. Hoopers Pension nähert sich. Doch anders als gedacht schafft er es nicht in letzter Minute vor dem Ruhestand, Richardson dingfest zu machen, sondern ermittelt privat auf eigene Faust weiter. Ob es ihm schließlich gelingen wird, Hooper zu fassen, soll hier nicht verraten werden.

Alles in allem fällt "Hoopers letzte Jagd" gegenüber dem Erstling natürlich deutlich ab. Das liegt in erster Linie daran, dass er wie angesprochen inhaltlich nicht mehr viel beitragen kann. Auf der Flucht war die Tappert-Figur schon über weite Strecken des dritten Teils der "Gentlemen". Das kann man natürlich noch ein bissschen weiter spinnen (auch die Vorbild-Figur flüchtete nach Mexiko), aber eben nicht über weitere 160 Minuten. Die Namensänderungen und Umbesetzungen sind ebenfalls misslich und geben der Produktion eine gewisse Beliebigkeit, bieten aber auch eine kleine Chance: man kann den ersten Teil versuchen auszublenden und sich Tappert schlicht als einen anderen Verbrecher auf der Flucht vorstellen. Doch auch diese "Schummelei" rettet "Hoopers letzte Jagd" nur bedingt. Dafür sind Story und Inszenierung auf Dauer einfach zu reizlos. Ansehen kann man sich das Ganze wegen der Darsteller natürlich trotzdem. Tappert müht sich nach Kräften und Liselotte Pulver in einem Krimi-Mehrteiler zu sehen, ist auch mal eine nette Abwechslung.


Zu lang ausgefallener und uninspirierter Nachklapp zum legendären Krimi-Dreiteiler, der immerhin durch ständig wechselnde Schauplätze und einen guten Cast punkten kann. Teil 1 unterhält noch ordentlich, Teil 2 vermag die Spannung nicht aufrechtzuerhalten. Noch 3 von 5 Punkten.

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