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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 320 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

05.05.2013 14:01
Theater einmal anders: Die Tür mit den 7 Schlössern Zitat · Antworten



Das Messer in der Tweedhose aka Die dreizehnte Nonne
Ein Abend im Theater Hans Wurst Nachfahren am Winterfeldtplatz


Ob ich nicht kurzfristig Lust auf Edgar Wallace auf der Theaterbühne hätte, fragte mich Barnaby am Freitagabend. Natürlich hatte ich das, denn was das Theater Hans Wurst Nachfahren am Schöneberger Winterfeldtplatz in Berlin auf die Beine gestellt hat, ist allemal genauerer Betrachtung wert. Zu dritt, mit Barnaby und zinker84, machten wir uns also gestern einen feinen Kulturabend – an einem Puppentheater!
Elf vom kreativen Leiter eigens für das Stück angefertigte Handpuppen führen durch eine amüsant angehauchte Interpretation des Wallace-Klassikers „Die Tür mit den 7 Schlössern“ und bedienen sich dabei dreier Quellen: des Romans, des Films und des Zeitgeistes. Das Puppentheater scheint für Wallace in der Gegenwart genau der richtige Platz zu sein: „Trivialliteratur“ – dieser Stempel prangt Wallace nun einmal unauslöschlich auf der Stirn – erfordert nach Intendantenlogik satirische Überhöhung. Uns soll es recht sein, denn wir haben uns fantastisch unterhalten gefühlt.

Zitat von Theater Hans Wurst Nachfahren
Die Tür mit den 7 Schlössern
Regie, Puppen, Bühne: Siegfried Heinzmann. Musik: Birger Heymann. Autor: Edgar Wallace. Adaption: Alexander Liegl und Gabriele Rothmüller. Für das Puppentheater bearbeitet von Hans Wurst Nachfahren.

Hallo, hier spricht Edgar Wallace!
„Geheimnisse und Geheimniskrämerei, Geheimgänge ... unheimliche Geräusche und Lichtsignale, nächtliches Dunkel und Nebel über der Themse gehören ebenso wie verarmte Aristokraten, die geld- und machthungrigen Parvenus, die schönen geheimnisumwitterten Damen und die immer sympathische Polizei zu den unentbehrlichen Requisiten, hinter denen der Autor seine Sprachlosigkeit verbirgt.“ (Kindlers Literatur Lexikon)
Auch „Die Tür mit den 7 Schlössern“ bedient sich dieser Klischees: rasante Trivialliteratur auf der Puppenbühne, spannend, satirisch, schwarzweiß ...

für Erwachsene


Im Theaterstück wurde aus der Bibliothekarin Sybil Landsdown eine pflichtbewusste Bewährungshelferin mit Vorliebe für „höhere Literatur“, die ausgerechnet Inspektor Richie Martin in seiner Freizeit verfasst. Mit dieser Begeisterung steht die holde Dame zwar ganz allein dar, weil niemand sonst sich für klingende Buchtitel wie „Das Messer in der Tweedhose“, „Die dreizehnte Nonne“ oder „Das gepunktete Kopftuch“ zu interessieren scheint, doch damit schmeichelt sie natürlich auch dem Ego des selbstverliebten Ermittlers. Rechtsanwalt Haveloc ist Opfer seiner Börsenspekulationswut, aber nichtsdestotrotz „ein netter Mann“ – ein gewagter Spagat, den Sprecher und Puppe geschickt zu überbrücken wissen.
Die Fingerfertigkeit der Schauspieler hinter den Puppen (vermummt in schwarze Kutten wie wallace’sche Äbte) sorgte für große Begeisterung im ganzen Publikum. Blindlings steuern sie mit völliger Selbstverständlichkeit ihre kleinen Kollegen, die mit ihrer einprägsamen Physiognomie für Schauergeschichten natürlich wie geschaffen sind. Die Stimmen tönen klar und akzentuiert ans Publikum – es wirkt im Nachhinein wie ein kleines Wunder, dass eine Handvoll Schauspieler mehrere Rollen auf einmal übernimmt.
In den Szenenwechseln wird die Bühne abgedunkelt und unheimliche Musik erklingt, die oft den Zeitgeist der „guten alten Wallace-Ära“ einfängt, manchmal aber auch etwas daneben liegt. Erwähnenswert: Man griff auf Kompositionen des Komponisten Birger Heymann zurück, der sich u.a. mit dem Score zu „Adelheid und ihre Mörder“ einen Namen machte. Das Bühnenbild ist einfach und effektiv: Mit verschiedenen Straßen- oder Zimmermotiven versehene Verblendungen, die je nach Erfordernis zum Publikum hin oder von ihm weggedreht werden können. Wie auch alle Puppen sind sie in reinem Schwarzweiß gehalten – wo kämen wir bei Wallace auch sonst hin?

Leider war die Aufführung am gestrigen 4. Mai die vorerst letzte, die im Spielplan vermerkt ist. Da das Stück aber nicht zum ersten Mal im Hause gespielt wird und der kleine Saal beinahe voll war, besteht durchaus Hoffnung, dass „Die Tür mit den 7 Schlössern“ es wieder einmal auf die Bretter, die die Welt bedeuten, schaffen wird. Die Anfrage nach weiteren Wallace-Adaptionen wurde dagegen bis auf Weiteres mit einem Nein beantwortet.



Zum Weiterlesen:
Webpräsenz des Theaters Hans Wurst Nachfahren
Eindrücke von Bühne und Cast „Die Tür mit den 7 Schlössern“ (Bilder 4 und 5)

Peter Offline




Beiträge: 2.867

06.05.2013 20:14
#2 RE: Theater einmal anders: Die Tür mit den 7 Schlössern Zitat · Antworten

Danke für die köstliche Szene. Manchmal wirkt der geradlinigste Kalauer am allerbesten. Beim "echten Wallace" hab´ ich selten so gelacht. Nach dem Besuch neulich im Kabarettprogramm der Augsburger Puppenkiste (wo neben Marionetten auch einige Überraschungen warten) begegne ich solchem satirischen Puppenspiel mit echter Mords-Empathie: Sehr schöne Idee, offenbar als Abendunterhaltung empfehlenswert und - wie es die Tradition vorsieht - ausbaufähig zur Wallace-Wave. Wenn es schon mit der EW-Wiederbelebung auf dem Spielfilm-Sektor nie richtig zündete und krachte, dann eben vielleicht anders, stiller und kleiner....

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