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Dieses Thema hat 1 Antworten
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.101

02.04.2013 00:30
Tödliches Erbe (1970) Zitat · Antworten



Tödliches Erbe (L’assassino ha le mani pulite / Omicidio per vocazione)

Kriminalfilm, IT 1968. Regie: Vittorio Sindoni. Drehbuch: Aldo Bruno, Romano Migliorini, Vittorio Sindoni. Mit: Tom Drake (Inspektor Greville), Femi Benussi (Simone), Virgilio Gazzolo (Etienne), Ernesto Colli (Janot), Isarco Ravaioli (Jules), Andrea Fantasia (Notar), Ivo Garrani (Leon), Valeria Ciangottini (Colette), Jeanette Len (= Giovanna Lenzi) (Rosalie), Aurelio Marconi (Wucherer) u.a. Uraufführung (Italien): 1968.

Zitat von Tödliches Erbe
Ein Bahnarbeiter wird von einem Zug überrollt, weil er offenbar vergessen hatte, eine Weiche zu stellen. Die Trauer der Familie hält sich in Grenzen, als sie erfährt, dass der Patriarch heimlich eine Million Franc angehäuft hatte. Die Nachkommen sollen allerdings erst in den Genuss des Geldes kommen, sobald der behinderte Adoptivsohn volljährig geworden ist. Ein geheimnisvoller Mörder sorgt nun dafür, dass der Zögling seinen 21. Geburtstag nicht mehr erlebt ...


Spontan liegt es auch bei diesem Film nahe, mit einem kurzen Aufschrei zu vermerken, dass man schon gialloeskere Gialli als diesen gesehen hat, doch das Produktionsjahr verrät, warum „Tödliches Erbe“ einen eher konventionellen Plot erzählt und auf Stilistikübungen einschließlich Sex und Blut weitgehend verzichtet. Und man würde dem Film unrecht tun, behauptete man, es handele sich nicht um einen echten Giallo: Der Begriff, so muss man sich vor Augen führen, bezeichnete ursprünglich schließlich die typischen gelben Kriminalromane von Autoren wie Agatha Christie. Deren zeitgleichem Spätwerk ist „Tödliches Erbe“ ebenso ähnlich wie einem durchschnittlichen Edgar-Wallace-Film, weil eine Erbschafts- und Familienmordgeschichte am Ende auch außerhalb Englands denselben einfach gestrickten dramaturgischen Gesetzen genügt.

Eine Besonderheit des Films ist es, nicht in Italien, sondern in Südfrankreich angesiedelt, aber dennoch eine waschechte Spaghetti-Produktion zu sein. Als besonders zeitiges Beispiel für sein Genre verzichtet „Tödliches Erbe“ auf zu viel Explizität und schildert das Geschehen in warmen Farben und mit viel Naivität, die einiges von dem, was auf dem Bildschirm geschieht, erstaunlich verharmlost. Dabei geht es eigentlich ganz schön zur Sache, denn bereits nach der ersten halben Stunde zählt der Bodycount vier stolze, aber doch eben recht tote Zugehörige vorzuweisen. Wiederum im Gegensatz zu seinen Nachfolgern legt sich der Film nicht auf eine spezielle (möglichst bestialische) Mordmethode fest, sondern wildert munter in naheliegenden und zu den jeweiligen Persönlichkeiten passenden Gefilden: Vom Überrollen durch eine Bahn über Ersticken bis hin zu Erschlagen mit einem Golfschläger ist alles Erdenkliche vertreten.



Während die erbberechtigte Familie in atemberaubendem Tempo dezimiert wird, sind auf Ermittlerseite keine privaten Schnüffler, sondern hochoffizielle Polizisten zu sehen. Einer von ihnen trägt das Gesicht des gut gealterten Hollywood-Stars Tom Drake, der ähnlich seinem Kollegen Bob Cummings in den Sechzigerjahren dem einen oder anderen Ausflug nach Good Old Europe nicht abgeneigt gewesen zu sein scheint. Insgesamt ist die Überzeugungskraft des Films aber eindeutig Gruppenverdienst; hier einzelne Namen besonders hervorzuheben, wäre in meinen Augen unfair.

Was als stereotyper Whodunit beginnt, endet zwar auch als solcher, macht aber einige schöne Umwege über verschiedene Twists, die gerade bei der Erstsichtung sehr verblüffend wirken. Die Frage nach dem Mörder scheint offensichtlich, wird aber durch zwei Tricks, die auch bei Edgar Wallace erfolgreich angewendet wurden, im letzten Moment anders gelöst. Die entsprechenden Vergleichstitel zu verraten wäre ebenso gut wie ein Spoiler, weshalb ich versichere, wie ein Grab zu schweigen. Nur eine letzte Anmerkung sei mir noch gestattet – und die betrifft die vielen schönen Schauplätze des eher dörflichen Streifens: Die Bahnstrecke, die Tanzbar, der Friedhof, das Schilf am Wasser und die verlassene Burg machen den Film zu einem ausgesuchten Vergnügen, wenngleich Vittorio Sindoni in seinem Erstlingswerk keine solche Hochglanzpolierungen vornahm, wie sie später das Gesicht des Giallo bestimmen sollten.

Amüsant-skurrile Mörderjagd alter Schule, die sowohl mit italienischem als auch französischem Pepp in gemütlichen Bildern erstrahlt. Ein Giallo in Kinderschuhen, als solcher sehr sympathisch, nicht immer logisch, aber häufig überraschend und mit überzeugenden Schachfiguren ausgestattet. 4 von 5 Punkten. Eine Empfehlung für diejenigen, für die die in den Folgejahren entstandenen Gialli zu hart waren.



Die DVD von Koch Media erfreut auch deshalb, weil bisher noch keine andere zufriedenstellende DVD dieses Früh-Giallo in Umlauf war. Die Bildqualität befindet sich außerdem auf gewohnt vorbildlichem Koch-Standard und beeindruckt durch lebendige Farbgebung und Kontraste. Das Bonusmaterial fällt mit einem italienischen Trailer, einer kleinen Bildergalerie und dem für die Giallo-Collection typischen Posterartwork mit rückseitigem Text von Christoph Huber etwas spärlich aus, was die Empfehlung für das Gesamtpaket aber keineswegs schmälern soll.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.101

09.09.2013 22:06
#2 RE: Tödliches Erbe (1970) Zitat · Antworten

„Tödliches Erbe“ belegt mit 47,33 von 70 Punkten Platz 32 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 3,38 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er keine Top-Ten-Nominierung.

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 6
mit 49,00 Punkten auf Platz 29 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 44,33 Punkten auf Platz 32 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 49,00 Punkten auf Platz 27 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 47,83 Punkten auf Platz 34 in der Kategorie Darsteller
mit 50,17 Punkten auf Platz 29 in der Kategorie Musik
mit 46,67 Punkten auf Platz 29 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 44,33 Punkten auf Platz 30 in der Kategorie Freie Wertung
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