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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 2.374 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

25.03.2017 15:55
#16 RE: Krieg, Kameradschaft, Katastrophen Zitat · antworten



Die große Liebe

Romanze, D 1941/42. Regie: Rolf Hansen. Drehbuch: Peter Groll, Rolf Hansen (Idee: Alexander Lernet-Holenia). Mit: Zarah Leander (Hanna Holberg), Viktor Staal (Oberleutnant Paul Wendlandt), Paul Hörbiger (Alexander Rudnitzky), Grethe Weiser (Käthe), Hans Schwarz jr. (Alfred Vanloo), Wolfgang Preiss (Oberleutnant von Etzdorf), Leopold von Ledebur (Herr Westphal), Julia Serda (Frau Westphal), Victor Janson (Theaterdirektor Mocelli), Agnes Windeck (Hannas Mutter) u.a. Uraufführung: 12. Juni 1942. Eine Produktion der Ufa-Filmkunst für die Deutsche Filmvertriebs-GmbH Berlin.

Zitat von Die große Liebe
Auf kurzem Heimaturlaub in Berlin lernt Fliegerleutnant Paul Wendlandt die Sängerin Hanna Holberg kennen und trotz der widrigen Umstände der von Luftschutzalarm unterbrochenen Nacht lieben. Weil Paul Hanna nicht beunruhigen möchte, gibt er seinen Beruf zunächst nicht preis. Obwohl Hanna enttäuscht von Pauls plötzlichem Verschwinden ist, muss sie doch ihre Liebe zu dem Mann eingestehen, den sie kaum kennt und der ihr noch so manche bange Stunde bereiten wird ...


Die Unmöglichkeit einer erfüllten Liebe im Krieg verdeutlicht Rolf Hansens Melodram, das aus unverständlichen Gründen auch dem heutigen Publikum noch bevormundend als Propagandafilm mit FSK-18-Freigabe und mit vorbereitender Einleitung für Zartbesaitete präsentiert wird. Gleichwohl dürfte die Anzahl der Zuschauer, die persönliches Glück nach der Sichtung der Leander’schen Passion bereitwillig hinter die Verpflichtungen eines staatlich aufoktroyierten Angriffskriegs zurückstellen, schon immer recht gering und die Funktion des Films hauptsächlich eine mit Herzschmerz und Hoffnung aufmunternde gewesen sein. Seine ungewöhnliche Natur macht sich allein schon in den authentischen Alltagsschilderungen bemerkbar, die die sonstige Kaschierung des Kriegsgeschehens im deutschen Unterhaltungsfilm vermissen lässt. Die stattdessen auf Goebbels’ Wunsch angestrebte Verquickung des Liebesdramas mit tagesaktuellen Geschehnissen wirkt zunächst ungewöhnlich – bis man sich vor Augen führt, dass sie die Realität des Kriegsalltags deutlich besser vor Augen führt als das Gros der verharmlosenden Ablenkungsfilme, denen der Vorwurf der Geschichtsverzerrung viel eher gemacht werden müsste.

So benutzt Viktor Staals strahlender Luftwaffenmilitär die Gelegenheit, einige Stunden mit Zarah Leanders Operettensängerin im Luftschutzkeller eingesperrt zu sein, ganz pragmatisch als Flirtgelegenheit – diese Nacht, unter normalen Umständen der Inbegriff des zitternden Ausharrens und der mit ungeliebten Nachbarn geteilten Klaustrophobie, wird auf absehbare Zeit die schönste und unbeschwerteste des frisch gebackenen Paars bleiben. Schon aufgrund seiner Genrezugehörigkeit hauptsächlich an ein weibliches Publikum gerichtet, predigt „Die große Liebe“ folglich die Genügsamkeit und das Zurückstehen des Eigeninteresses hinter dem staatlichen – eine Herausforderung, der der Mann sich bereits vollends verschrieben hat, während die Frau noch Schwierigkeiten darin erkennt, ihre Gefühle zugunsten einer wichtigeren, „höheren“ Sache hintanstehen zu lassen.



Die kriegsbedingt erzwungene Sprunghaftigkeit der Beziehung wird zur Marter für die so herrlich kamerawirksam leidende Leander, lässt aber auch die Frage aufkeimen, ob das, was dem Zuschauer als „große Liebe“ verkauft werden soll, tatsächlich mehr als ein flüchtiges Abenteuer ist, dessen Bedeutung die beiden Partner nur aufgrund der widrigen Umstände überbewerten. In der Retrospektive erinnert der Film an die zahlreichen überhastet vor dem Fronteinsatz der Soldaten geschlossenen Kriegsehen, die oft – wenn der Mann überhaupt zurückkehrte – nicht mit besonderer Erfüllung verbunden waren, sondern als spezielle Form des Zweckbündnisses die Funktion hatten, das Durchhaltevermögen der Frauen vor Ort und der Männer im Einsatz zu steigern sowie bei den kurzen Intermezzi auf Heimaturlaub für Nachwuchs zu sorgen. Auch in „Die große Liebe“ gibt es in dieser Hinsicht schon am Ende des ersten Tages eine sehr eindeutige Szenenfolge, die eine gemeinsame Nacht mit allen Konsequenzen impliziert.

Wie schnell sich der geschichtliche Kontext der Liebe zwischen Hanna und Paul änderte, macht der Schluss des Films deutlich. Während überzeugte Nazis zum Drehzeitpunkt von einem Sieg fest ausgingen und die öffentliche Meinung in die entsprechende Richtung gelenkt hatten, stellte sich die Ostfront bald als Todesfalle für die Mehrzahl der dort eingesetzten Soldaten heraus. Die zusätzliche historische Kenntnis späterer Generationen fehlt den Protagonisten des Films, die – wenn es sich um einen echten Propagandafilm handeln soll – ebenfalls stark von einem fürs Dritte Reich positiven Ausgang des Kriegsgeschehens und damit auch einem Happy End füreinander ausgegangen sein müssen. Liedtexte wie „Davon geht die Welt nicht unter“ oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ bezeugen diesen Zweckoptimismus, erscheinen aber vor dem Hintergrund der Tatsache, dass ihr Autor Bruno Balz sie wegen seiner Homosexualität in Gestapo-Haft schrieb, in einem zusätzlich ambivalenten Licht.

Wo der Staat totalitär und der Krieg allgegenwärtig ist, bleibt für so etwas Privates wie die Liebe nicht der gebührende Raum. Zarah Leander, Viktor Staal und Rolf Hansen erfüllen diese Binsenweisheit mit Leben und Lebenssehnsucht und einer Zeit des ritualisierten Totenkults. Authentischere, wenn auch noch immer stilisierte Kriegsrealitäten bilden einen für eine Romanze ungewöhnlichen, für die unruhige Zeit zwischen 1939 und 1945 aber durchaus realistischen Hintergrund. 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 587

28.03.2017 21:52
#17 RE: Krieg, Kameradschaft, Katastrophen Zitat · antworten

Spion für Deutschland (BRD 1956)

Regie: Werner Klingler

Darsteller: Martin Held, Nadja Tiller, Walter Giller, Heinz Drache, Viktor Staal, Gustav Knuth, Günther Pfitzmann, Werner Peters, Claude Farell, Stanislav Ledinek u.a.



Spion Erich Gimpel wird 1944 in die USA geschickt, um einen höchst gefährlichen Spionageauftrag auszuführen: er soll herausfinden, wie weit die Vereinigten Staaten mit ihren Forschungen in Bezug auf Atombomben sind. Begleitet wird er von einem Überläufer, der jedoch mehr Risikofaktor denn Hilfe darstellt...

Herbert Reinecker schrieb auf Grundlage eines Tatsachenberichts das Drehbuch zu diesem Kriminalfilm aus den 1950er-Jahren. Obschon er nicht durchgängig die Spannung hochhalten kann, ist der Film für diejenigen, die Interesse an derartigen historischen Stoffen und/oder am Kriminalfilm der 1950er haben, zu empfehlen. Vergleichsweise kurz nach Kriegsende wird hier eine angenehm objektive Darstellung der Geschehnisse präsentiert. Gimpel wird weder als Nazi noch als Widerstandskämpfer dargestellt, sondern als jemand, der sich mit seiner Rolle abgefunden hat und den Auftrag der Herausforderung wegen annimmt. Martin Held gelingt dabei eine glaubhafte Verkörperung und wird der nicht immer einfachen Rolle (da kein astreiner Sympathieträger) in jedem Moment gerecht. Daneben schlägt sich auch Walter Giller erstaunlich wacker.

Die Romanze zwischen Held und Tiller wäre wohl nicht unbedingt nötig gewesen und kommt ein wenig überfallartig daher, aufgrund der guten Chemie der beiden tut dies der Qualität jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, der (vorhersehbare) Versuch, die Geschichte Richtung Finale noch emotionaler zu gestalten und den Zuschauer vielleicht doch auf Gimpels Seite zu ziehen, gelingt. Ansonsten sieht man einige künftige Wallace-Stars in kleineren Rollen, wobei insbesondere Werner Peters´ Darbietung in Erinnerung bleibt, weil er hier mal eine sympathische Figur mimt.

Einen gewissen Mehrwert erreicht die Produktion schließlich durch Original-Aufnahmen aus Boston und New York, ein Umstand, der in einer ein deutschen Produktion sicher eine besondere Erwähnung wert ist.


Der Film ist bei Filmjuwelen auf DVD erschienen. Bild- und Tonqualität sind in Ordnung, ansonsten gibt es die für das Label übliche Ausstattung.


Trotz leichter Spannungshänger interessantes Zeitdokument, welches durch starke Akteure und stimmungsvolle Aufnahmen an Originalschauplätzen punktet. 4 von 5 Punkten.

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