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Dieses Thema hat 64 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

26.04.2015 20:09
#46 RE: Das Spiel mit der Angst - "Das Haus der Geheimnisse" Zitat · antworten

Danke! Mich würde vor allem interessieren, wie die Regisseure die Figur gesehen haben, die Laetitia Casta spielt und wie der Schluss interpretierbar ist.

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

26.04.2015 20:17
#47 RE: Das Spiel mit der Angst - "Das Haus der Geheimnisse" Zitat · antworten

Ich denke, dass man Laetitia Casta wohl von Beginn an im Sinn hatte, sie trägt diese Rolle ja wirklich perfekt und konstruiert eine atemberaubende, aber gleichsam verwirrende Aura, die für die Figur der Suzanne auch notwendig ist. Das Ende wirft viele Fragen auf, das stimmt. Ohne viel hinein zu interpretieren, ist das Finale nur die logische Konsequenz, die im kompletten Verlauf wie ein Schatten über der Geschichte und den Personen gelegen hat.

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

15.12.2015 09:30
#48 RE: Das Spiel mit der Angst - "Das Geisterhaus" Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #36
BEWERTET: "Das Geisterhaus" (The House that would not die) (USA 1970)
mit: Barbara Stanwyck, Katherine Winn, Richard Egan, Michael Anderson jr., Doreen Lang, Mabel Albertson u.a. | Drehbuch: Henry Farrell nach dem Roman 'Ammie, Come Home' von Barbara Michaels | Regie: John Llewellyn Moxey

Ruth Bennett und ihre Nichte Sara Dunning ziehen in ein altes Haus in Gettysburg, Pennsylvania. Die junge Frau möchte an der dortigen Universität studieren. Gleich am ersten Abend machen die beiden Frauen Bekanntschaft mit ihrem Nachbarn Professor Pat McDougal und dessen Freund Stan Whitman. Nachdem Sara eines Nachts ohne Grund auf ihre Tante losgeht und diese fast erwürgt, beschließt man, der Sache auf den Grund zu gehen. Es stellt sich heraus, dass Amanda, die einzige Tochter von General Campbell, im Jahr 1780 spurlos verschwand und ihr Vater daraufhin dem Wahnsinn verfiel. Immer öfter versucht Ammie, sich durch Sara zu äußern und auch mit Professor McDougal gehen unheimliche Veränderungen vor. Liegt der Schlüssel zur Lösung im Keller des Hauses? Was ist damals vor fast zweihundert Jahren geschehen?


Obwohl es sich hierbei ja "nur" um eine TV-Produktion handelt, verfolgt mich dieser Film seit der dt. Erstausstrahlung im November 1973 bis heute! Als damals 14-Jähriger konnte ich danach wochenlang nicht mehr richtig schlafen, so dass sich meine Eltern schon Sorgen um mich machten, und auch heute noch läuft mir in manchen Szenen ein Schauer über den Rücken, nachdem "Das Geisterhaus" letztes Jahr im Sommer endlich auf DVD erschienen war. Selbst nach den schlimmsten Horror- und Splatterfilmen, die ich mir überwiegend früher (blut)literweise reingezogen habe, konnte ich problemlos schlafen und verfolgt haben die mich auch nicht wirklich. Und obwohl im Geisterhaus kein Tropfen Blut fließt, haben einfache Effekte wie nächtliche Schritte auf dem Dachboden, gefolgt von einer unheimlichen Stimme im Garten, starker Wind und eine sich plötzlich öffnende Kellertür, hinter der man jede Sekunde einen auftauchenden Geist oder sonst was Unheimliches erwartet (der oder das dann aber gerade NICHT erscheint), eine Gesichtsüberblendung bei Katherine Winn sowie die geniale Hintergrundmusik ausgereicht, um sich für alle Zeiten in mein Gedächtnis einzubrennen.

Zitat von Percy Lister im Beitrag #36
In der deutschen Synchronfassung hört man die vornehme Stimme von Carola Höhn auf Barbara Stanwyck, sowie Hartmut Becker auf Michael Anderson jr. und Helga Anders auf Katherine Winn.


Nicht zu vergessen Horst Naumann auf Richard Egan, dessen Gesichtsausdruck als Besessener gegen Ende des Films derart furchterregend ist, dass man glatt denken könnte, der Leibhaftige wäre in diesem Moment persönlich in ihn eingefahren.

Trotz meines Traumas liebe ich diesen Film und kann ihn allen Freunden von Gruselfilmen nur empfehlen!

Gruß
Klaus

"Henry Lightman, nochmal werd' ich Ihren Tee nicht trinken!"

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

17.04.2016 20:23
#49 RE: Das Spiel mit der Angst Zitat · antworten



PSYCHO II

● PSYCHO II / PSYCHO 2 (US|1983)
mit Anthony Perkins, Vera Miles, Robert Loggia, Dennis Franz, Hugh Gillin, Claudia Bryar, Ben Hartigan und Meg Tilly
eine Produktion der Universal Pictures | Oak Industries | im Verleih der UIP
ein Film von Richard Franklin




»Lass die kleine Hure nicht wieder in mein Haus!«


Nach 22 Jahren wird der siebenmalige Mörder Norman Bates (Anthony Perkins) aus der Psychiatrie entlassen. Trotz heftiger Proteste und einer Kampagne von Lila Loomis (Vera Miles), der Schwester eines der Mordopfer, kann Norman ins normale Leben zurückkehren, da er aus klinischer Sicht als geheilt gilt. Obwohl er ein Motel besitzt, das allerdings in der Zwischenzeit von Geschäftsführer Toomey (Dennis Franz) zu einem gewöhnlichen Stundenhotel umfunktioniert wurde, beginnt er zunächst eine Arbeit in einem Schnellrestaurant, wo er die junge Kellnerin Mary (Meg Tilly) kennenlernt. Da sie von ihrem Freund den Laufpass bekam und momentan ohne Bleibe ist, lädt Norman sie ein, übergangsweise bei sich zu wohnen, doch das große, alte Haus samt Besitzer erscheinen ihr schnell ziemlich unheimlich. In den nächsten Tagen geschehen merkwürdige Dinge, denn Norman bekommt mysteriöse Telefonanrufe und Kurznotizen auf Zetteln. Das ungewöhnliche daran ist, dass sie von seiner, damals von ihm ermordeten Mutter zu sein scheinen...

Die einführenden Bilder zu "Psycho II" versprechen mehr, als nur ein Déjà-Vu für den Zuschauer zu werden, denn gleich zu Beginn wird man mit ungemütlichen Szenen konfrontiert, die aus Alfred Hitchcocks berühmten Klassiker von 1960 stammen, und den Mythos von "Psycho" aufgreifen. In Schwarz-Weiß-Bildern, die Filmgeschichte geschrieben haben, beobachtet man plötzlich Janet Leigh unter der Dusche im legendären Bates-Motel, bis sie von einer beängstigenden Gestalt mit mehreren Messerstichen niedergestreckt wird. Diese kleine Gedächtnisstütze wäre vielleicht gar nicht nötig gewesen, kündigt aber selbstbewusst an, dass "Psycho II" nicht nur ein Abziehbild werden möchte. Szenen am Gericht führen sogleich zwei gute alte Bekannte ins Szenario ein, die bereits in der Urversion zu sehen waren, nämlich den wieder einmal irritierend ruhig wirkenden Norman Bates und Lila Loomis, die Schwester der damals ermordeten Marion Crane, die gleich als zu allem entschlossene Gegenspielerin aufgebaut wird und lautstark auf die tödlichen Gefahren einer Entlassung hinweist. Richard Franklins Film ist durchzogen mit Verknüpfungen zu Hitchcocks Klassiker, die nicht nur thematischer Art, sondern auch stilistischer und inszenatorischer Natur sind. Dennoch wird schnell deutlich, dass diese Fortsetzung versucht, vollkommen auf eigenen Beinen zu stehen und das auch eindrucksvoll unter Beweis stellen wird. So kommt man in den Genuss einer Geschichte, die angebrochene Gedanken weiterführt und dabei fährt die Regie eine beeindruckende Doppelstrategie, die Verlauf und Ausgang der Geschichte unberechenbar bleiben lassen, was sich letztlich komplett innerhalb bestehender Gesetze von Horror-Filmen gehobeneren Niveaus bewegt. Der neue Weg innerhalb vorhandener Rahmenbedingungen wird von einer sehr ansprechenden Besetzung geebnet, Bezüge zur 1960er-Version werden tatkräftig von Anthony Perkins und Vera Miles hergestellt, aber vor allem verfeinernd weitergeführt.

Perkins gestaltet seine Rolle wieder einmal sehr facettenreich, sein Wesen wirkt nervös, gehemmt, zerbrechlich und eigentlich undurchschaubar. Nach seiner Entlassung aus der Haft läuft er dem Empfinden nach ins Leere, oder vielmehr gegen eine Wand, die Alltag heißt und den er schon vor mehr als über 20 Jahren nicht bewältigen konnte. Im Haus seiner Mutter kommt es ohne Umschweife zu Situationen, die mehrere Möglichkeiten offen halten und zunächst ist es nicht genau zu deuten, ob es sich um rezidivierende Wahnvorstellungen handelt, oder um die hässlichen Gesichter eines Komplotts. Perkins, der den Verlauf so gut wie zu jedem Zeitpunkt trägt, macht einen hervorragenden Eindruck und provoziert geschickt Eindrücke beim Zuschauer, die zwischen Zutrauen und Skepsis hin und her pendeln. Vera Miles fällt bereits bei ihrem ersten Erscheinen durch ihre aggressive, und Zweifel schürende Rhetorik auf, als sie die Gerichtsverhandlung und deren Urteil zu unterwandern versucht. Auch diese gerne gesehene Interpretin schafft es sehr nachhaltig, dem Zuschauer zwiespältige Empfindungen aufzuzwingen. Eigentlich müsste Lila Loomis in die Kategorie der Personen fallen, mit denen man weitgehend sympathisieren kann, aber das ist irritierenderweise nicht der Fall. Vielmehr nimmt man eine hartherzige und selbstgefällige Frau wahr, die zu allem entschlossen sein könnte. Auch sie ist es, die der ambivalenten Figur Norman Bates auf unbestimmte Art beim Thema Mitfiebern zuträglich ist. Die frisch aufspielende Meg Tilly wirkt einerseits wie das klassische Äquivalent zu ihrer Film-Tante Janet Leigh, doch andererseits liegt es auch in ihrer Macht, vollkommen konträre Züge anzunehmen. Abrundende Leistungen servieren Robert Loggia, Dennis Franz oder Claudia Bryar und insgesamt bleibt der Eindruck über weite Strecken bestehen, dass die Skizzierungen aller Beteiligten das verwirrende Element vorantreiben können, wenngleich manche Personen in voller Absicht Schablonen bedienen.

Naturgemäß steht eine derartige Geschichte unter keinem guten Stern für die meisten Beteiligten und man wittert von der ersten Minute an Blut, Spektakel und Wahnsinn in der Luft. Der Spannungsbogen funktioniert auch ohne frühe Kniffe dieser Sorte sehr gut, sodass ein vollkommen unbehagliches Element die Szenerie nach Belieben dominieren kann. Der erste Mord wirkt daher wie vorprogrammiert und überhaupt sind die Inszenierungen dieser Inhalte sehr atmosphärisch mithilfe extravaganter Kamera-Einstellungen und beißender Akustik festgehalten worden. Die Frage, ob Norman Bates nur Opfer eines perfiden, doppelten Spiels ist, oder er die Geschehnisse aus dem Hinterhalt selbst antreibt, wird nahezu in Whodunit-Manier zurückgehalten und später vorangetrieben. "Psycho II" funktioniert sehr eigenständig und überzeugend, ohne sich selbst mit halsbrecherischen Methoden zu überholen. Mysteriöse Anrufe und handgeschriebene Zettel mit der Unterschrift von Normans verstorbener Mutter heizen die ohnehin schon aufgeladene Stimmung mit psychologischem Gehalt an, Trugbilder und Stimmen werfen die Frage auf, ob es mit Bates wieder so weit ist, oder immer schon so weit war, nämlich dass es mit seinem Geisteszustand nicht zum Besten gestellt ist. Franklin nimmt sich schließlich den Luxus vieler Spielräume und lässt dabei so manches Hintertürchen offen, um ein überraschendes, sowie spektakuläres Finale anzubahnen und schließlich zu präsentieren. Wenn der Spuk dann endlich, beziehungsweise leider vorbei ist, kann die Regie sogar noch buchstäblich eine ungemütliche Schippe draufsetzen und am bitteren Ende fühlt man sich verwirrt und leer, aber insgesamt auch aufgeklärt. "Psycho II" ist eine rundum gelungene Fortführung eines legendären Alptraums geworden, der mit neuem Schwung und eigenständigem Charakter mehr als überzeugend ausgefallen ist. Unterm Strich bleibt nach persönlicher Ansicht eine der formvollendetsten Brücken im Horrorfilm-Bereich. Immer wieder gerne gesehen, immer wieder begeisternd!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

17.04.2016 20:42
#50 RE: Das Spiel mit der Angst Zitat · antworten

Du beschreibst den Zwiespalt sehr treffend, in dem sich der Zuschauer befindet. Vom Rechtsempfinden her müsste man mit Lila Loomis mitfühlen, wenn sie die Wunde beklagt, die ihr mit dem gewaltsamen Tod ihrer Schwester zugefügt wurde. Allerdings hat man von Anfang an das Gefühl, als müsste Norman beschützt werden. Er ist in Gefahr, den Verstand zu verlieren, bedroht zu werden und sich in Situationen wiederzufinden, die finstere Erinnerungen wecken. Aus dem Täter wurde ein Opfer und die Sympathien liegen deshalb bei Norman, dem ein Neubeginn verwehrt bleibt und dem ein ruhiges Leben in seiner Abgeschiedenheit nicht gegönnt wird.

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

01.05.2016 13:47
#51 RE: Das Spiel mit der Angst Zitat · antworten


Omar Sharif   Karen Black   Joseph Bottoms   Bernhard Wicki   in
FRANKENSTEINS SPUKSCHLOSS

● FRANKENSTEINS SPUKSCHLOSS / ACE UP MY SLEEVE / CRIME AND PASSION (D|US|1975)
mit Heinz Ehrenfreund, Elma Karlowa, Volker Prechtel, Erich Padalewski, Robert L. Abrams, Franz Muxeneder, u.a.
eine Film Cine Produktion | im Gloria Verleih
ein Film von Ivan Passer




»Es sieht ja wirklich beinahe so aus, als ob da Frankenstein wohnt«


Der risikofreudige Investmentbanker André Ferrer (Omar Sharif) war bislang bekannt dafür, das Kapital seiner Kunden deutlich zu vermehren. Als er eines Tages jedoch ins Straucheln kommt, ist André auf das Vermögen seines solventen Kunden Hermann Rolf (Bernhard Wicki) angewiesen. Der windige Geschäftsmann schmiedet also schnell den Plan, seine Kollegin und Geliebte Susan Winters (Karen Black) an den Mann zu bringen um sich selbstredend um die laufenden Geschäfte des Multimillionärs zu kümmern. Der Plan scheint aufzugehen, denn die beiden heiraten und nach einigen Monaten soll die Ehe wieder geschieden werden. Allerdings geht das Gerücht um, dass Rolf jede seiner Frauen nach der Scheidung liquidieren ließ. Nach einer unerwarteten Revision gerät André ins Visier, ihm wird vorgeworfen mehrere Millionen Dollar veruntreut zu haben. Da er das Geld binnen kürzester Zeit wieder aufbringen soll, eilt er zu Susan, die sich gerade im Schloss ihres Mannes befindet, doch bevor André dort eintrifft, kommt es zu mehreren Mordanschlägen...

Alleine der Titel "Frankensteins Spukschloss" lässt ein groß angelegtes Horror-Spektakel vermuten, doch um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen, in Ivan Passers eigenwilligem Beitrag wird man so gut wie nichts finden, was der reißerische Titel zu suggerieren versucht. Beinahe irritiert nimmt man die zeitgemäße Ausstattung wahr, die aufgrund des Produktionsjahres sicherlich nicht außergewöhnlich gewesen wäre, falls man hier nicht andere Ankündigungen vernommen hätte. Schnell befindet man sich in modernen Büroräumen, in denen wahlweise subversive Pläne geschmiedet werden. Interessant ist, dass dem Zuschauer innerhalb kürzester Zeit die Hauptpersonen vorgestellt werden, die man allesamt als wenig sympathisch klassifiziert und gleichzeitig eine deftige Portion unterschwellige Komik herausfiltern kann, was sich allerdings wie ein roter Faden durch den Verlauf ziehen wird. Mit einem Horror-Film wird man also keineswegs konfrontiert, für eine Komödie reicht es meistens auch nicht, sodass diese Produktion bereits im frühen Stadium in einem etwas profillosen Licht schimmert, beziehungsweise im luftleeren Raum umher irrt. Aber man sollte sich nicht so voreilig abschrecken lassen, denn vielleicht kommt es innerhalb dieser unkonventionellen Machart noch zu einigen Überraschungen. Die deutsche Film-Industrie brachte es mitunter immer wieder zu kruden Experimenten im benannten Genre, hier sogar unter US-amerikanischer Schützenhilfe, und vielleicht ist es am effektivsten, dieses Vehikel genau unter dieser Voraussetzung zu betrachten, obwohl man ganz gezielt getäuscht und durch den vielversprechenden Titel aufs Glatteis geführt wird.

Das Thema Glatteis stellt sich übrigens als sehr gutes Stichwort beim Profil des Films heraus, denn gedreht wurde unter Anderem vor winterlicher Kulisse in Tirol, was in Kombination mit der vorgefertigten Erwartungshaltung seltsame Eindrücke hinterlässt. Ski-Kapriolen im Schnee, teure Autos mit halsbrecherischer Geschwindigkeit bei der Schlittenfahrt ins Ungewisse, so versucht der Film auf der langen Suche nach beunruhigenden Elementen zu unterhalten. Und tatsächlich, es wird eine gefühlte Ewigkeit vergehen, bis man im sogenannten Spukschloss auf die nicht zu identifizierende Gefahr trifft. Das Schloss wartet mit der Ausstattung eines Luxus-Hotels auf, sodass der bevorstehende, überaus verhalten eingesetzte Spuk umso grotesker wirkt. Die Star-Besetzung kann sich durchaus sehen lassen, zumindest auf dem Papier. Omar Sharif trägt den Film so gut wie in jeder Szene, doch er transportiert immer wieder eine wenig willkommene komische Note, die die wenigen beachtlichen Momente des Verlaufs nur zu stören scheint. Mit Partnerin Karen Black sieht man eine ebenso bekannte Interpretin, die es wahlweise mit Sex-Appeal versuchen wird, für den allerdings gewisse Antennen vorhanden sein müssen, da er ansonsten genau wie Frankenstein unsichtbar bleibt. Alle Augen bleiben schließlich auf den großartigen Bernhard Wicki gerichtet, von dem man pauschal erwartet, dass er seine Rollen mit großer Finesse ausstattet. Schade ist allerdings, dass man außer wenigen Einstellungen, die von seiner bloßen Präsenz leben, nicht viel dieses Ausnahmetalents zu Gesicht bekommt. Erschreckenderweise etabliert sich der Eindruck, dass er verschenkt wurde wie nie zuvor und Joseph Bottoms als Susans junger Liebhaber ist kaum eine Erwähnung wert.

Besonders in Erinnerung wird definitiv der Kurzauftritt der insbesondere aus den 50er Jahren in Deutschland sehr bekannten Schauspielerin Elma Karlowa bleiben, der unglaublich grotesk und irgendwie peinlich berührend zugleich wirkt. Bekanntermaßen mangelte es an Rollen, daher wird ihr wohl jedes Angebot wie gerufen gekommen sein. Hier bekommt man sie als "Masseuse", naja, eher zugemutet und auf unfreiwilliger Basis verbreitet diese Figur Angst und Schrecken. Nach Andrés Schwefelbad erwartet er die hübsche Dame, die er am Empfang des Hotels mit seinen Blicken ausgezogen hatte, doch plötzlich steht eine unmöglich zurecht gemachte Elma Karlowa vor ihm, die ihn gründlich durchwalkt, bevor sie zum Hauptgang übergeht. Zwischenzeitlich trägt sie Omar Sharif wie eine Amme das Kind an ihrem herausgefallenen Busen, bis sie ihn schließlich würgt. Damit die vehemente Dame ablässt, packt André sie empfindlich bei ihrer Weiblichkeit, was Elma Karlowa letztlich nur mit einem irren Lachen quittiert. Unglaublich diese Szenen, ja, einfach nur unglaublich! Der Verlauf hat ohne jeden Zweifel seine paar Momente und trotz immer wiederkehrendem Leerlauf wird es eigentlich selten langweilig, dennoch kann Passers Beitrag insgesamt nicht überzeugen, da er keine Entscheidung über seine Identität treffen will. Von allem bekommt man etwas aufgetischt, doch die geltende Faustregel heißt unterm Strich, dass es von allem einfach zu wenig ist. "Frankensteins Spukschloss" ist heiter bis wolkige, unkonventionelle bis belanglose Unterhaltung (übrigens mit musikalischer Untermalung von Vangelis), die ihre Unentschlossenheit quasi 1:1 auf den Zuschauer überträgt. Ein durch und durch eigenartiger Film.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

10.07.2016 13:23
#52 RE: Das Spiel mit der Angst Zitat · antworten

BEWERTET: "Haunting in London" ('Full Circle') Großbritannien / Kanada 1976
mit: Mia Farrow, Keir Dullea, Tom Conti, Jill Bennett, Robin Gammell, Cathleen Nesbitt, Edward Hardwicke, Anna Wing, Mary Morris, Pauline Jameson u.a. | Drehbuch: Dave Humphries basierend auf einer Adaption von Harry Bromley Davenport nach dem Roman "Julia" von Peter Straub | Regie: Richard Loncraine



Julia und Magnus' Loftings Tochter Katty erstickt beim Frühstück an einem Apfel. Julia wird mit dem Verlust nicht fertig und beschließt, sich von ihrem Mann zu trennen und ein neues Leben zu beginnen. Sie kauft sich ein Haus in Kensington, wo sie immer wieder mit der Erinnerung an ihre tote Tochter konfrontiert wird. Mrs. Fludd, die mit ihren Freunden eine Séance abhält, berichtet von der Anwesenheit des Bösen und rät Julia dringend, das Haus zu verlassen. Diese findet heraus, dass ein Mädchen namens Olivia einst hier lebte und auf eine ähnliche Weise starb wie ihre Tochter Katty....

Mia Farrow scheint prädestiniert für Rollen dieser Art; ihre bekannteste Gruselrolle hatte sie wohl in Polanskis Kultfilm "Rosemary's Baby" (1969). Die Tochter des Regisseurs John Farrow und der Schauspielerin Maureen O'Sullivan wirkt verletzlich und durchsichtig, als käme sie selbst direkt aus der Welt der Geister. Ihr Wunsch, sich zu behaupten, um das durchzusetzen, was ihr als wichtig erscheint, verleiht ihr Energie. Das sanfte Licht des Londoner Herbstes und die Erdtöne ihrer Kleidung, die im Laufe der Handlung mit ihrer ätherischen Ausstrahlung verschmelzen, verleihen der Geschichte eine fragile Note. Der Zuschauer lebt mit dem Gefühl, als könnte sich alles jederzeit in Luft auflösen wie ein ästhetischer Traum. In weiten Teilen des Films ist Julia allein in dem großen Haus, streift durch seine Räume und scheint auf etwas zu warten, das sie zugleich fürchtet und herbeisehnt. Es ist die Erfahrung des Todes, die sie sensibel für das Leid anderer gemacht hat und sie zur hartnäckigen Detektivin werden lässt. Klassische Elemente des Spukhaus-Films wie das grausame Verbrechen in der Vergangenheit, das nach Aufklärung dürstet, dominieren die Handlung ebenso wie eine Atmosphäre des Seelenfriedens, den Julia trotz aller Anzeichen einer übernatürlichen Präsenz in ihrer neuen Umgebung zu finden scheint.



So läuft alles sehr dezent ab; ein Licht, ein überhitzter Heizkörper, ein blondes Mädchen im Park oder sanfte Schritte auf der Treppe. Dies begründet sich in der Bereitschaft Julias, sich auf den Gast aus der Vergangenheit einzulassen, der nach und nach eine gefährliche Symbiose mit ihr eingeht, ohne dass es ihr bewusst wird. Der Wunsch nach Rache wird von anderen Personen an sie herangetragen, gleichzeitig warnen sie gute Freunde, die Finger von der Sache zu lassen. Julias Festhalten am einmal Beschlossenen mag naiv wirken, schließt aber den titelgebenden Kreis. Der italienische Filmtitel lautet übrigens "Demonio dalla faccia d'angelo" (Der Dämon mit dem Engelsgesicht) und weist auf das Böse hin, das hinter der Fassade von Unschuld schlummert. Freilich ist diese Kombination weitaus faszinierender als ein auf den ersten Blick abstoßend aussehender gewöhnlicher Verbrecher, der sich der üblichen Methoden bedient. Die Subtilität, mit der die Tötungen ablaufen, zeigt die Zerbrechlichkeit des Gefüges, das wir Leben nennen und dessen Grenzen im Geisterfilm fließend sind. Julia und Olivia als Gegner oder Verbündete? Die helfende Hand, die Zerstörung und Tod verursacht? Die feinsinnige Poesie der britisch-kanadischen Co-Produktion erweist sich als überaus wirksam und hängt wie ein Echo lange nach dem Abspann in der Luft. Dazu tragen freilich neben den überzeugenden Darstellerleistungen auch die Musik und die Schauplätze bei, die neben einer diskreten Eleganz ein authentisches Flair verbreiten.

Mia Farrow trägt den Film im Alleingang, obwohl sie tatkräftige Unterstützung von Licht und Schatten, sowie einem einlullenden Drehbuch erhält, das sich auf die wesentlichen Elemente der Geschichte konzentriert. Kunstvoll gefilmt und musikalisch auf angenehmste Weise untermalt. 5 von 5 Punkten

Stroheim Offline




Beiträge: 152

01.11.2016 09:25
#53 Horrorfilme & Darsteller: Der Lugosi/Karloff-Quiz Zitat · antworten

Kurzer Nachtrag zum Halloweentag:

Unten der Karloff/Lugosi-Quiz mit zehn Fragen zum Filmschaffen der beiden Kult-Darsteller:
http://trailersfromhell.com/karloff-lugosi/#.WBhOx9LhDct
´

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

01.11.2016 11:20
#54 RE: Das Spiel mit der Angst Zitat · antworten

Mein Ergebnis spricht eine eindeutige Sprache: Ich habe eindeutig noch Nachholbedarf!

patrick Offline




Beiträge: 2.694

01.11.2016 11:28
#55 RE: Das Spiel mit der Angst Zitat · antworten

Habe 5 von 10 und ehrlich gesagt auch öfters geraten.

Stroheim Offline




Beiträge: 152

24.11.2016 17:47
#56  Gruselfilme & Schauerschinken Zitat · antworten

Drei Gruselfilm-Empfehlungen in Farbe aus den Jahren 1989, 1995 und 2012 - Trailer & kurze Ausschnitte....

https://www.youtube.com/watch?v=_HtulwMmA00

https://www.youtube.com/watch?v=3nDisI1p6-8

https://www.youtube.com/watch?v=k1hun4jaY5g


Von Woman in Black gibt's ein recht passables, vor vier Jahren erschienenes Remake (mit Daniel Radcliffe) - doch das '89er Original, eine britische Fernsehproduktion von Regisseur Herbert Wise, ist in meinen Augen besser.


Unten im Bildanhang die dazugehörigen DVDs:





|addpics|7mg-a-f3b6.jpg|/addpics|

Peter Offline




Beiträge: 2.743

24.11.2016 18:52
#57 RE: Gruselfilme & Schauerschinken Zitat · antworten

Vielen Dank für die Tipps.

Übrigens habe ich im Lauf der Jahre durchaus auch einige Sachen mit Lugosi und Karloff gesehen. Aber was hilft´s? Das Quiz war für mich trotzdem ein Desaster.....

Stroheim Offline




Beiträge: 152

25.11.2016 10:02
#58 Gruselfilme & Schauerschinken Zitat · antworten

´
Ein weniger bekannter Genreklassiker aus dem Jahr 1949: 'The Queen of Spades' von Thorold Dickinson:
https://www.youtube.com/watch?v=3hnbCj_4k4M

http://www.eyeforfilm.co.uk/review/the-q...amber-wilkinson

|addpics|7mg-b-8743.jpg|/addpics|

Peter Offline




Beiträge: 2.743

25.11.2016 14:00
#59 RE: Gruselfilme & Schauerschinken Zitat · antworten

Ja, das ist doch diese feine Puschkin-Erzählung. Hab ich mal gelesen. Die Verfilmung sieht nach tollen, expressiven Bildern aus.
Und es war wieder das bewährte englisch-österreichische Erfolgs-Team Dickinson/Wohlbrück aus der sehr schönen 39er-Verfilmung von "Gaslicht" am Start...

Stroheim Offline




Beiträge: 152

03.12.2016 10:43
#60  Gruselfilme & Schauerschinken Zitat · antworten

Stichwort 'Gaslight':

Das englische Original von Thorold Dickinson aus dem Jahr 1940 ist mittlerweile in sehr guter Qualität auf DVD und Blu-ray erhältlich. Unten im Bildanhang die empfohlene UK-Ausgabe.

Zwar ist das vier Jahre später mit deutlich größerem Budget entstandene, oscarprämierte Hollywood-Remake gleichen Titels von George Cukor mit Ingrid Bergmann bekannter - doch gibt's durchaus einige Filmhistoriker, welche die Dickinson-Verfilmung noch höher schätzen....

https://www.youtube.com/watch?v=x12CXPBOHKc
https://www.rottentomatoes.com/m/gaslight_1940/ |addpics|7mg-c-14fd.jpg,7mg-d-2bbc.jpg|/addpics|

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