Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 80 Antworten
und wurde 3.891 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
Gubanov Offline




Beiträge: 15.975

04.04.2016 23:30
#46 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten



Miss Fisher’s Murder Mysteries: Dead Air

Episode 24 der TV-Kriminalserie, AUS 2013. Regie: Catherine Millar. Drehbuch: Ysabelle Dean, Mia Tolhurst (frei nach Kerry Greenwood). Mit: Essie Davis (Phryne Fisher), Nathan Page (Det. John Robinson), Hugo Johnstone-Burt (Hugh Collins), Ashleigh Cummings (Dorothy Williams), Travis McMahon (Bert), Anthony Sharpe (Cec), Richard Bligh (Mr. Butler), Rhys Muldoon (Clarence Ball), Marco Chiappi (Jimmy Creswick), Pip Edwards (Hazel Creswick), Travis Cotton (Dodger), Amy Arnott (Louisa Singleton) u.a. Erstsendung: 15. November 2013.

Zitat von Dead Air
Die Übertragung der neuesten Polkinghorns-Hörspielepisode wird auf dramatische Weise unterbrochen, als die Leiche der Radio-3JH-Mitarbeiterin Louisa Singleton gefunden wird. Ist ihr Tod ein weiterer trauriger Höhepunkt in der Kette von Anschlägen, die Melbournes Radiosender seit einigen Monaten zu verzeichnen haben? Auf Dots Wunsch schaltet sich Miss Fisher in den Fall ein und staunt nicht schlecht, als sie Jack Robinson am Tatort begegnet ... inkognito in der Rolle eines Radiomoderators. Er kann der Detektivin schon einiges über die merkwürdigen Kollegen der Toten berichten ...


Seit den frühen 1920er Jahren brachten Radios multimediale Unterhaltung direkt in die Wohnzimmer der Konsumenten. Auch Miss Fisher lässt sich in dieser Folge ein großes Radio in ihrem Salon aufstellen, das allerdings nur den Sender 3JH empfangen kann. Ein gelegener „Zufall“, dass der Mord also gerade auf dieser Frequenz geschieht. Mit Hintersinn spielt die Episode immer wieder damit, dass mit dem Mordfall verbundene Geschehnisse den Sendebetrieb behindern oder unterbrechen und Zuhörer damit unfreiwillig zu Zeugen von Leichenfunden oder der schlussendlichen Überführung werden. Was beim Film herausgeschnitten werden kann (vgl. „Framed for Murder“), geht beim Radio unaufhaltsam an die Empfänger ...

Die ungewöhnliche Konstellation mit Jack als Undercover-Ermittler führt zu den Umkehrungen einiger Running gags der Reihe, indem sich Jack beispielsweise hochgradig erleichtert über Miss Fishers Auftauchen zeigt und Hugh in Abwesenheit seines Vorgesetzten eine gemütliche Kugel hinter dessen Schreibtisch schiebt. Dennoch verfügt die Episode über alle nötigen „Miss Fisher“-Feinheiten, die sich z.B. in der Parallelität der Probleme der Radioleute Creswick und Dots über die Frage der Selbstbestimmung von Frauen zeigen. Leider ist der Personenkreis diesmal sehr überschaubar geraten, sodass Kombinationen über den Täter fast komplett wegfallen, was der Episode ebenso einen Nachteil einbringt wie der Umstand, dass man sich bei einem Fall nach dem Motto „Fisher meets Radio“ eher ein hochmodernes, luxuriöses Art-Deco-Sendehaus mit Hundertschaften wuselnder Angestellter und einem deutlichen Spirit der neuen Zeit vorgestellt hätte als das etwas triste, fast familiär betriebene und vorwiegend in dunkle Brauntöne gekleidete 3JH-Studio.

Doch im Radio geht es eben nicht um Optik, sondern nur um das Hörbare: Nicht nur stellen Essie Davis und Nathan Page unter Beweis, wie geeignet ihre Stimmen für die Radioarbeit sind (auch wenn sie mit ihren eindrucksvollen Organen nur Trivialitäten und Werbespots vorlesen), auch enthält „Dead Air“ eine ausgeprägtere musikalische Komponente als die meisten anderen Folgen. Dass Miss Fisher einen Werbespot für Waschmittel intoniert, ist nur der Anfang: In einer hervorragenden – und ganz privaten – Schlussszene stimmen Phryne und Jack den Klassiker „Let’s Misbehave“ in einer rührenden Klavierfassung an ... einen besseren Ausklang hat es wohl noch nie gegeben:

Gubanov Offline




Beiträge: 15.975

05.04.2016 12:00
#47 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten



Miss Fisher’s Murder Mysteries: Unnatural Habits

Episode 25 der TV-Kriminalserie, AUS 2013. Regie: Tony Tilse. Drehbuch: Ysabelle Dean (Romanvorlage: Kerry Greenwood). Mit: Essie Davis (Phryne Fisher), Nathan Page (Det. John Robinson), Hugo Johnstone-Burt (Hugh Collins), Ashleigh Cummings (Dorothy Williams), Miriam Margolyes (Aunt Prudence), Travis McMahon (Bert), Anthony Sharpe (Cec), Richard Bligh (Mr. Butler), Neil Melville (George Sanderson), Dee Smart (Rosie Sanderson), Daniel Frederiksen (Sidney Fletcher), Joan Sydney (Mother Aloysius), Shayne Francis (Perpetua), Sally-Anne Upton (Sister Dominica), Alice Cavanagh (Mary) u.a. Erstsendung: 22. November 2013.

Zitat von Unnatural Habits
Eine Mädchenleiche treibt im Yarra-Fluss. Ihre Besitztümer lassen darauf schließen, dass die Tote im nahegelegenen Kloster untergebracht war, wo die „guten“ Mädchen in Haushaltsstellungen vermittelt und die „schlechten“ in einer Wäscherei beschäftigt werden. Es gab bereits mehrere Vermisstenfälle, doch als Phryne und Jack nachbohren, stoßen sie auf den Widerstand der mächtigen Kirchenoberen. So muss das Ermittler-Dreamteam Kopf, Kragen und Stellung riskieren, um auf die Spur der verschwundenen Mädchen zu gelangen und sie vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren ...


Erneut ist es der Staffelabschluss, der die düstersten Thematiken und die gefährlichsten Aufgaben bereithält: Für das Finale der zweiten Season erdachten die Serienmacher einen Plot, der der Doppelepisode „Murder in the Dark“ / „King Memses’ Curse“ aus Staffel 1 fast ebenbürtig ist und es in puncto Nervenkitzel mit dem Ende Murdoch Foyles problemlos aufnehmen kann. Zwar erinnert der kritische Blick auf das Kloster an die Folge „Death at Victoria Dock“ aus der ersten Staffel, doch rund um diese Parallele entfalten sich noch andere Schmutzigkeiten, die die losen Fäden aus „Murder Most Scandalous“ sauber zusammenknoten und keine Frage bzw. keinen Wunsch mehr offenlassen.

Für Dot und Hugh brachte Staffel 2 große Neuerungen, während Phryne und Jack noch immer umeinander herumschleichen wie die Katze um den sprichwörtlichen heißen Brei. Das Versöhnliche ist jedoch, dass trotz vieler Höhen und gelegentlicher Tiefen keine abgehalfterten Eifersuchtsdramen vorgespielt werden, sondern Vertrauen und Loyalität der Hauptfiguren unangetastet bleiben. Nathan Page hat in „Unnatural Habits“ einige fordernde Momente, die er hervorragend umsetzt, womit er zum Star und ausnahmsweise auch einmal zum Dreh- und Angelpunkt der Folge avanciert.

Die inhaltliche Schwere wird durch Dialoge aufgefangen, die sich durch eine sprühende Schlagfertigkeit auszeichnen. Das ist zwar bei „Miss Fisher“ immer üblich, fällt hier aber noch einmal als besonders gelungen auf, wenn Phrynes, Jacks und Prudences Kommentare für unvermittelte (teilweise erstickte) Lacher sorgen. Die Verbrecherseite fährt ebenfalls mit Spitzenqualität auf; wie das Foyle-Finale profitiert auch „Unnatural Habits“ davon, dass die Hauptschurken eigentlich schon vorher bekannt sind. Da verzeiht man gern, dass die Folge – wohlgemerkt: nur für die hohen „Miss Fisher“-Standards – etwas weniger fotogen ausfällt als die unmittelbare Konkurrenz, weil Tempo und Dramatik in Tony Tilses bewährter Regie höhere Priorität einnehmen als Vorzeigeeinstellungen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.975

05.04.2016 23:00
#48 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten



Miss Fisher’s Murder Mysteries: Murder Under the Mistletoe

Episode 26 der TV-Kriminalserie, AUS 2013. Regie: Tony Tilse. Drehbuch: Elizabeth Coleman (frei nach Kerry Greenwood). Mit: Essie Davis (Phryne Fisher), Nathan Page (Det. John Robinson), Hugo Johnstone-Burt (Hugh Collins), Ashleigh Cummings (Dorothy Williams), Miriam Margolyes (Aunt Prudence), Travis McMahon (Bert), Anthony Sharpe (Cec), Richard Bligh (Mr. Butler), Ruby Rees Wemyss (Jane), Tammy Macintosh (Dr. Mac), Simon Burke (Nicholas Mortimer), John Noble (Edward Stanley), George Shevtsov (Chester Groves), Greg Saunders (Quentin Lynch), Alicia Gardiner (Birdie Fowler) u.a. Erstsendung: 22. Dezember 2013.

Zitat von Murder Under the Mistletoe
Eine weihnachtliche Fahrt ins Gebirge entwickelt sich für Miss Fisher und Tante Prudence zur Tragödie, als die Gäste des Bergschlosses nacheinander ermordet werden. Es ist davon auszugehen, dass die Verbrechen der späte Racheakte für ein Stollenunglück sind, bei dem am Heiligabend vor zehn Jahren in der nahegelegenen Stanley-Mine eine ganze Truppe Bergleute tödlich verunglückten. Miss Fisher spürt der Vergangenheit nach und findet hilfreiche Hinweise auf die Mordserie in der Gegenwart: Die einzelnen Anschläge richten sich akribisch nach dem Lied „Twelve Days of Christmas“!


Nach dem abermals furiosen Staffelfinale hätte die einen Monat später ausgestrahlte Weihnachtsfolge leicht zu einem enttäuschenden Anhängsel werden können, wenn ... ja wenn die Autoren von „Miss Fisher’s Murder Mysteries“ nicht einen Höhepunkt nach dem anderen abliefern würden. Woher die Inspiration zu dieser Staffelbrücke kommt, dürfte offensichtlich sein: Man bediente sich bei niemand Geringerem als Agatha Christie und ihrem Klassiker „Zehn kleine Negerlein“, den man wie 1965 Harry Alan Towers auf einen verschneiten Berg verlegte, dem Geschehen aber auch einen richtigen Schneesturm mitsamt Stromausfall und eingefrorenen Automotoren hinzufügte, um die Ausweglosigkeit der „Einer nach dem Anderen segnet das Zeitliche“-Situation unmittelbar spürbar zu machen. Wie im Original entsprechen die großteils sehr originellen Mordmethoden der Beschreibung im gereimten Liedgut; anders als in der Vorlage bricht jedoch weder Panik noch Misstrauen aus, da sich die meisten Charaktere untereinander kennen und ein Sündenbock (ob sie da wohl den richtigen ausgewählt haben?) schnell gefunden ist.

Auf der Südhalbkugel macht das typisch europäische Weihnachtsflair nötig, das Fest der Liebe in den Juli zu verlegen, um wenigstens in den höheren Lagen eine winterliche Atmosphäre zu spüren (in Melbourne ist es warm und sonnig wie eh und je). Für Australier ist es nichts Ungewöhnliches, „Christmas in July“ zu feiern – ein Begriff, der auch in dieser Episode reichlich Verwendung findet. Obwohl das Flair durch Dekoration und Leitmotiv dezidiert weihnachtlich ist, lenken die Festivitäten kaum vom Verlauf des kriminalistischen Interessensgegenstands ab – der Fall kommt diesmal sogar besonders vielschichtig daher, da es immerhin zwei zeitliche Handlungsebenen und zwölf potenzielle Mordopfer unterzubringen gilt.

Nachdem in dieser Staffel jeder Hauptfigur mindestens ein Fall speziell gewidmet wurde, ist nun endlich auch Tante Prudence an der Reihe, die mit dem Grubenunglück einen besonders dunklen Schatten über ihrer Vergangenheit trägt. Man erfährt in diesem Zuge aber auch, woher das Familienvermögen stammt – kein Wunder, dass Mrs. Stanley sich als Witwe eines Goldminenbesitzers in den höchsten sozialen Kreisen bewegt. Auf höchstem Niveau befinden sich auch wieder Kameraarbeit und Kostümierung, die für unsagbar attraktive Motive sorgen. Style und Substanz – das ist die ideale Mischung, die „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ so vergnüglich macht.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.975

05.04.2016 23:30
#49 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Miss Fishers Lieblinge (VIII)
Every mystery needs a leading lady!


24. Dead Air | Im kleinen Kreis spielt sich eine für die üppigen Serienverhältnisse eher bescheiden inszenierte Geschichte ab, die das Metier Radio hervorragend in den Mordfall einbindet und mehrere von den Darstellern vorgetragene Gesangsnummern enthält. 4,5 von 5 Punkten.

25. Unnatural Habits | Vom Kloster geradewegs in den Hafen – Mädchenschmuggel funktioniert bei Miss Fisher wie bei Edgar Wallace. Die Folge bringt den übergreifenden Handlungsbogen von Staffel 2 sauber und spannend zu Ende und überzeugt als einer der eher actionlastigen Fälle. 5 von 5 Punkten.

26. Murder Under the Mistletoe | Weihnachten wie bei Agatha Christie: Mit wildem Schneegestöber und einer bedrohlichen Mordserie feiert es sich gleich nochmal so gut. Die an „Zehn kleine Negerlein“ angelehnte Episode ist vielleicht sogar die bisher beste: ein hochspannendes, komplexes und absolut kreatives Landhaus-Mystery ganz nach europäischem Strickmuster. 5 von 5 Punkten.

Ausflug zu den Serien-Drehorten (IV)

Tante Prudence’ Anwesen nimmt in der ersten Staffel gleich in mehreren Folgen eine sehr wichtige Rolle als Mord- und Entführungsschauplatz ein. Man drehte die dafür nötigen Szenen im Südosten Melbournes auf dem renommierten Rippon Lea Estate, das als Museum und Ausstellungsgebäude im perfekt restaurierten viktorianischen Stil auch für Miss-Fisher-Fans öffentlich zugänglich ist. Die ältesten Teile des mehrfach erweiterten Baus datieren auf das Jahr 1868, als es für den Händler Frank Sargood als Landhaus mit Farmbetrieb gebaut wurde. Rippon Lea House, nach dem später der umliegende Stadtteil benannt wurde, war für seine Erbauungszeit überaus fortschrittlich, verfügte es doch von Anfang an über ein ausgeklügeltes Wasserleitungssystem, Elektrizitätsversorgung und innerhäusliche Toiletten. Der mondäne Swimming Pool entstand in den 1930er Jahren an der Stelle, an der sich früher ein Tanzsaal befand. Im 56’000 Quadratmeter großen parkähnlichen Garten finden sich ein Tennisplatz, ein See sowie zahlreiche Palmen- und Farnarten.

• Mehr Informationen über Rippon Lea House: Rippon Lea: Offizielle Website / Zinc Moon: Costume Exhibition
• Nächster Bahnhof: Ripponlea (Metro Trains)
• Nächste Haltestelle: Hotham Street (Straßenbahnlinie 67)

schwarzseher Offline



Beiträge: 461

06.04.2016 09:33
#50 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Da ich die Serie erstmal nur im TV schaue, bin ich natürlich arg zurück. Gestern lief "Tod im Hafen". Grundsätzlich kann ich wohl nur zustimmen, was das bisher Geschriebene betrifft, inklusive des Umgangs mit Themen wie Religion und Politik (keine übliche Schwarzweiß-Darstellung wie z.B. bei Pater Brown). Bei dieser Folge fiel mir nur auf, dass die Figur des Constable Collins etwas zu ... ja was? ... naiv gewollt herausgearbeitet war, einschließlich eines Vorgesetzten, der das Unterschlagen von Beweismaterial usw. mit einem Lächeln abtut. Also grundsätzlich finde ich die Figur Collins gut, aber ich bin gespannt, ob sich das "entsetzte / überraschte" Gesicht des Constable im Laufe der Zeit etwas verändert.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.975

06.04.2016 14:30
#51 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Da kann ich dich in gewisser Weise beruhigen: Constable Collins ist zwar durchaus sehr naiv und tollpatschig angelegt, macht aber spätestens in Staffel 2 eine Wandlung zu einem etwas ernster zu nehmenden Charakter durch. Dass Jack Robinson allerdings manchmal das Recht zugunsten von Phryne Fisher beugt, wird sich im Laufe der Reihe mehrfach wiederholen. Das kann man mögen oder nicht – ich finde, es macht einen besonderen Charme aus, dass sich ihre Turtelei auch auf das Berufliche bezieht und beiden Detektiven damit ein etwas größerer Ermessensspielraum zugestanden wird.

Ich möchte an dieser Stelle noch eine Zusammenfassung zu meinen Staffel-2-Eindrücken und zu aktuellen Neuerungen geben:



Fazit und Aktuelles

  • Was ich nicht für möglich hielt, wurde eingehalten: Die zweite Staffel fand ich – punktetechnisch sogar ganz exakt – gleich gelungen wie die erste. Die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren werden sinnvoll weiterentwickelt und müssen Hürden überwinden, ohne dass diese Seitenhandlungen ins Soaphafte abgleiten. Gleichzeitig wird man aber auch weiterhin mit runden, logischen und teilweise auch zum Nachdenken anregenden Kriminalfällen verwöhnt, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen der späten 1920er Jahre beschäftigen, sich aber häufig auf die Jetztzeit spiegeln lassen. Soziale und politische Einsprengsel werden mit Bedacht abgewogen. Darüber hinaus bleibt die Produktionsqualität auf außerordentlich hohem Niveau: Die Folgen sind einfach ein wahrer Augenschmaus.
  • Lord Peter hat in Beitrag #28 schon die deutsche DVD-Veröffentlichung der zweiten Staffel angekündigt. Wie auch die ersten dreizehn sollen die Folgen 14 bis 26 von Polyband erscheinen (Cover siehe oben). Als VÖ-Datum ist der 27. Mai 2016 angesetzt. Während sich an den digitalen Rahmenparametern nichts ändert (deutscher und englischer Ton und Untertitel, Übernahme des englischsprachigen Bonusmaterials), müssen allerdings an der Verpackung Abstriche gemacht werden. Season 1 kam im Digipak, Season 2 soll „nur noch“ als Softbox im Schuber ausgeliefert werden; von einem Booklet ist auf der Polyband-Seite ebenfalls nichts mehr zu lesen. In Anbetracht der Tatsache, dass die internationalen Veröffentlichungen auch ohne Booklet auskommen, sicher keine Tragödie, aber schön wäre eine einheitliche und hochwertige Vermarktung schon gewesen.
  • Im deutschen Pay-TV wird die Synchronisation der zweiten Staffel bereits jetzt gezeigt. Sony Entertainment TV ist wieder als erster dran und strahlt seit 30. März die Folgen 14 bis 26 immer mittwochs um 20:15 Uhr aus. Heißt: Heute kann man noch die zweite Folge, „Death Comes Knocking“ erwischen. Wie auch schon bei Staffel 1 schweigt sich Sony über die deutschen Episodentitel aus.
  • Nach dem Erfolg der ersten drei Staffeln haben die Produzenten von Every Cloud weiterhin Interesse an der Fortsetzung der Serie mit einer vierten Season. Offen ist allerdings noch, ob, wann und in welchem Umfang ABC diese auch bestellt. Wie schon nach Staffel 2 lässt man sich beim Sender in Sydney mit der Entscheidung über eine mögliche Verlängerung Zeit. Die Verhandlungen laufen, man möchte sich öffentlich aber noch nicht dazu äußern.
  • Sollte aus der vierten Staffel (vorerst) nichts werden, kennt die Gerüchteküche noch ein Hintertürchen für Miss-Fisher-Fans. Angeblich stehen Deborah Cox und Fiona Eagger in Verhandlungen über einen Miss-Fisher-Spielfilm, der in England entstehen und dem Hang der Detektivin zu actionreichen Ermittlungen in ausgiebiger Länge Rechnung tragen soll. Eine sehr optimistische Meldung wurde diesbezüglich schon am 5. Mai 2015 vom Nachrichtenportal News.com.au veröffentlicht. Every Cloud stellte daraufhin allerdings klar, dass die Prioritäten für Miss Fisher weiterhin im TV-Bereich liegen und dass für einen Spielfilm keinerlei Finanzierungsgrundlagen vorliegen.
Rangliste der Episoden (Staffel 2)

5 von 5 Punkten: Platz 01: Folge 26 – Murder Under the Mistletoe | Platz 02: Folge 20 – Blood at the Wheel | Platz 03: Folge 14 – Murder Most Scandalous | Platz 04: Folge 25 – Unnatural Habits | Platz 05: Folge 22 – Framed for Murder | Platz 06: Folge 16 – Dead Man’s Chest | Platz 07: Folge 18 – Murder à la Mode | 4,5 von 5 Punkten: Platz 08: Folge 15 – Death Comes Knocking | Platz 09: Folge 24 – Dead Air | Platz 10: Folge 23 – Death on the Vine | 4 von 5 Punkten: Platz 11: Folge 19 – Marked for Murder | Platz 12: Folge 21 – The Blood of Juana the Mad | Platz 13: Folge 17 – Deadweight

Lord Peter Offline




Beiträge: 503

26.05.2016 10:56
#52 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Nach Lektüre des ersten Bandes - "Miss Fisher und der Schneekönig" - muß ich konstatieren: gut, daß ich die Serie zuerst gesehen habe, denn der Roman verfügt bei weitem nicht über den Reiz der TV-Umsetzung. Das hat in diesem Fall allerdings nichts mit den zahlreichen Veränderungen der Verfilmung zu tun, sondern mit der wenig originellen Erzählweise. Der Stil ist zwar durchaus gefällig und die Übersetzung auch gut lesbar, aber die Magie der Verfilmung wird einfach nicht erreicht. Natürlich krankt ein Serienauftakt immer etwas daran, daß die Charaktere erst mal vorgestellt werden müssen, aber abgesehen von Phryne, Dot sowie mit Abstrichen Dr. Mac und den Russen bleiben die meisten Charaktere erschreckend blaß, selbst Lydia Andrews. Einmal lesen, dann ab ins Regal. Ich werde zwar die übrigen drei Bände auch noch lesen, aber eilig habe ich es damit nicht.

Zu den Unterschieden der Verfilmung:

Phryne stimmt als einzige Figur sowohl optisch als auch charakterlich mit der Vorlage überein (sieht man mal über den Altersunterschied zwischen Essie Davis und der Roman-Phryne hinweg, der allerdings nicht ins Gewicht fällt). Dr. Mac wird als älter und übergewichtig beschrieben (ich hatte beim Lesen Kathy Bates vor Augen), Dot ist im Buch dunkelhaarig und wirkt deutlich reifer (und auch bei weitem nicht so weltfremd wie in den frühen TV-Folgen). Der Rest bleibt wie gesagt etwas blaß, erwähnenswert ist noch, daß Constable Hugh Collins im Buch nicht vorkommt, Robinson führt hier einen älteren Constable namens Ellis mit sich und setzt gelegentlich eine weibliche Polizistin namens Jones ein. Phryne und Lydia kennen sich noch nicht und sind auch später durchaus nicht freundschaftlich verbunden, dafür schleppt Sascha noch eine lesbische Zwillingsschwester und seine Großmutter mit sich herum, alle drei mehr oder weniger bösartige Karikaturen von russischen Adeligen ohne Geld. Zu guter Letzt werden Bert und Cec im Buch mehr oder weniger deutlich als Halbkriminelle und Kommunisten porträtiert, was die Verfilmung deutlich entschärft hat.

Auch Murdoch Foyle scheint eine Erfindung der Drehbuchautoren zu sein, im Roman findet er keine Erwähnung (Phrynes Schwester wurde nicht ermordet, sondern starb an Unterernährung).

Der Fall mit dem Engelmacher wird in der Fernsehfassung zwar stark gerafft (u.a. wird Berts romantisches Interesse an dem Auftaktopfer ausgespart), aber durchaus der Vorlage entsprechend wiedergegeben, sieht man mal davon ab, daß hier WPC Jones anstelle von Dot den Lockvogel gibt.

Der Schneekönig-Plot wird dagegen stark abgewandelt. So wird Mr. Andrews hier nicht ermordet, sondern steht unter Verdacht, seine Frau zu vergiften, seine Casanova-Ader gibt es im Buch nicht und daher auch keine Verbindung zum Engelmacher-Fall. Das Finale ist im Film auch deutlich gefälliger ausgeführt, im Buch wirkt das nacheinander Ausschalten der drei Gangster nur wie das Abhaken einer Checkliste, und die Überwältigung des Schneekönigs kommt dort auch eher albern rüber.

"Miss Fisher" ist ein prachtvolles Beispiel dafür, daß eine gute Adaption nicht unbedingt wortwörtlich das Original auf Film bannen muß, denn der Serie ist es vortrefflich gelungen, alle Stärken des Buches zu adaptieren und die Schwächen auszulassen. Mal neugierig, wie sich das bei den nächsten Bänden verhält ...

Markus Offline



Beiträge: 646

26.05.2016 11:10
#53 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Interessant ... und überraschend, hätte ich doch erwartet, dass man die Vorlage lediglich zurechtgekürzt hat.
Danke für den Bericht!

Gruß
Markus

Lord Peter Offline




Beiträge: 503

27.05.2016 10:17
#54 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Staffel 2 trudelte soeben ein. Leider wurde die Verpackung wirklich geändert (statt Digipack nun ein Alphacase im Schuber, das minimal höher ist als Staffel 1), aber immerhin ist ein kleines Booklet vorhanden (zwar nur mit einer halbseitigen Charakterisierung von Phryne sowie einem Episodenführer mit Inhaltsangaben, aber besser als nichts).

Gubanov Offline




Beiträge: 15.975

27.05.2016 14:44
#55 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Die Serie hat trotz ihres 20er-Jahre-Settings ein sehr modernes Flair, sodass es mich nicht weiter wundert, dass die Produzentinnen die Bücher noch etwas "abgestaubt" haben, auch wenn die ja ebenfalls noch nicht wirklich alt sind. Es ist aber doch irgendwie immer ein merklicher Unterschied zwischen dem, was in den 80er Jahren "modern" war und dem, was man heute darunter versteht. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich die Bücher nach und nach in Richtung der Serie entwickeln - "Cocaine Blues" (Miss Fisher und der Schneekönig) war ja der erste Band der Reihe.

Was Bert und Cec angeht, wundert mich, was du als Unterschied anführst. Bekennende Kommunisten sind sie auch in der Serie (geht das evtl. in der Synchronisation verloren?) und dass sie kein Problem damit haben, Jobs jenseits des Gesetzes auszuführen, zeigt sich auch hier und da. Daraus ergibt sich z.B. das schöne Zusammenspiel mit dem ehrwürdigen Mr. Butler und der gottesfürchtigen Dot.

Bin gespannt auf dein Urteil zu den Folgen der zweiten Staffel und auf weitere Buch-TV-Vergleiche.

Lord Peter Offline




Beiträge: 503

27.05.2016 16:26
#56 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Sagen wir so, Bert und Cec wirken im Buch deutlich skrupeloser und auch zu weit unangenehmeren Aktionen fähig, als es in den Filmen rüberkommt. "Nett" ist z.B., daß Bert - mit Duldung der anwesenden Constables Ellis und Jones - den Engelmacher krankenhausreif prügelt. Die Verfilmung spart zwar nicht komplett aus, hat aber doch etwas entschärft.

Mr. Butler taucht im ersten Band noch nicht auf, aber er ist ja auch erst ab der zweiten Folge dabei, in den Büchern lebt seine Frau allerdings noch. Dot wirkt wie gesagt deutlich reifer, und die Gottesfürchtigkeit ist auch nicht so ausgeprägt. Immerhin lernt Phryne sie nicht bei den Andrews kennen, sondern sie fällt ihr auf, wie sie mit einem Messer in der Hand einem jungen Mann folgt. Wie sich herausstellt, ist es der Sohn ihrer ehemaligen Arbeitgeber, der ihr an die Wäsche wollte, einen Tritt in die Weichteile bekam und seinen Eltern daraufhin erzählte, sie habe ihm nachgestellt, woraufhin sie ohne Zeugnis entlassen wurde. Phryne löst das Problem, indem sie ihm im Gedränge die Hosenträger durchschneidet und ihn so im wahrsten Sinne des Wortes bloßstellt ...

Weitere Vergleiche kann ich gerne nach erfolgter Lektüre machen, wobei Band 2 "Miss Fisher in Turbulenzen" / "Flying Too High" anscheinend gar nicht verfilmt wurde ...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.975

27.05.2016 21:05
#57 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Zitat von Lord Peter im Beitrag #56
Weitere Vergleiche kann ich gerne nach erfolgter Lektüre machen, wobei Band 2 "Miss Fisher in Turbulenzen" / "Flying Too High" anscheinend gar nicht verfilmt wurde ...

Bei Miss Fisher ist es relativ schwierig, zu überblicken, was verfilmt wurde und was nicht. In Staffel 1 entsprachen die Episoden- den Romantiteln, wobei es für Folgen 10 und 13 keine Entsprechungen gibt und von freien Umsetzungen auszugehen ist (Einschränkung: FantasticFiction.com listet "Cocaine Blues" auch unter dem Alternativtitel "Death by Misadventure", der phonetisch dem Titel von Folge 10, "Death by Miss Adventure" entspricht. Eventuell finden sich in dem Buch auch Elemente von Folge 10?)

In den späteren Staffeln gibt es nur noch zwei Übereinstimmungen - Folge 16, "Dead Man's Chest", und Folge 21, "Unnatural Habits", wobei der Episodenführer in der englischen Wikipedia nur bei "Dead Man's Chest" auf den Roman verweist.

Völlig obskur wird es dann, wenn eine Episode auf einer Kurzgeschichte aus dem Sammelband "A Question of Death" basiert. Das ist dank des Blogs TheFabulousMissFisher für Episoden 19 und 21 geklärt (siehe die entsprechenden Credits). Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Ausgangssituationen oder Milieus anderer Geschichten ebenfalls (mehr oder weniger frei) aufgegriffen wurden. Eventuell finden sich also auch Spuren des Romans "Flying too High" in einer der 34 Episoden.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

10.06.2016 14:54
#58 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

So, nun habe ich die 2. Staffel auch geshen - angesichts der ausführlichen und tollen Besprechungen von Gubanov verzichte ich nach der Erstsichtung auf eine Besprechung Episode für Episode.

Was ich allerdings sagen muss: Ich verstehe die überwiegend negativen Stimmen im Internet zur zweiten Staffel überhaupt nicht, sondern kann mich grundsätzlich dem Lob anschließen, denn Miss Fischer hält die Qualität. Es gibt wie in Staffel 1 Favoriten und durchschnittliche Folgen, aber keine Totalausfälle - mache Details finde ich sogar gelungener als in Staffel 1.

Punkten kann die Serie wie immer mit den Darstellern, der Ausstattung und dem Setting und bei den Geschichten immer dort, wo eine gewisse Tragik auf durchaus bissigen Humor stößt. Für mich schwächer waren die Episoden, die einen Style- und Grusel-Overkill erzeugen wollten - in dem Fall "The Blood of Juana the Mad" und "Murder Under the Mistletoe". Die erste ist voll mit Symbolik, die zweite "Zehn kleine Negerlein" in einer Pappmaschee-Mine ...

Meine Highlights waren "Death Comes Knocking", "Death on the Vine" und "Unnatural Habits".

Die staffelübergreifende Rahmenhandlung fand ich dieses Mal gelungener, auch wenn sie die Auftaktfolge ein wenig unbefriedigend enden lässt. Schade fand ich, dass man Jane mehr oder weniger aus der Serie geschrieben hat und sie in ihren zwei Mini-Auftritten nichts von ihrer frechen, aber cleveren Art zeigen kann - so wirkt es letztlich nur so, als wäre sie dazu da gewesen, Phryne eine Schwachstelle für den großen Gegner der ersten Staffel zu geben.

Bleibt zu hoffe das Staffel 3 die Qualität hält. Top Serie - und das von mir, der sonst eher ein Serien-Verweigerer ist.

Happiness IS the road! (Marillion)

Markus Offline



Beiträge: 646

27.06.2016 12:25
#59 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Den Angaben in der Synchronkartei nach ist auch Staffel 3 schon synchronisiert worden.

Gruß
Markus

Lord Peter Offline




Beiträge: 503

27.06.2016 12:39
#60 RE: Miss Fisher's Murder Mysteries (2012-...) Zitat · antworten

Dann hoffen wir mal, daß Polyband da auch schnell nachzieht und die DVDs / BDs rausbringt ...

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen