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Dieses Thema hat 21 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Prisma Offline




Beiträge: 7.544

14.04.2013 17:20
#16 Bewertet: "Frauen für Zellenblock 9" (1978) Zitat · antworten



FRAUEN FÜR ZELLENBLOCK 9 / WOMEN IN CELLBLOCK 9 (1978)

mit Karine Gambier, Susan Hemingway, Aida Gouveia, Esther Studer und Howard Vernon





»Ich verstehe nicht warum du so zimperlich bist. Einer Prostituierten müsste das doch Spaß machen!«


Eine Gruppe junger Frauen fällt in die Hände der Militärpolizei. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie Mitglieder einer Untergrund-Organisation sind, und sogleich in ein Gefängnis gesteckt, das sich irgendwo im Dschungel Südamerikas befindet. Dort führt eine sadistisch veranlagte Leiterin dieses Gefangenen-Lagers ein strenges und hartes Regiment. Um die Neuzugänge zum Sprechen zu bewegen, landen sie im berüchtigten Zellenblock 9, wo Dr. Milton (Howard Vernon) mit bestialischen Foltermethoden vorgeht, um an Informationen zu kommen. Nach und nach wird jede von ihnen bearbeitet und gequält, und auch Karine (Karine Gambier), die Anführerin der Frauengruppe, wird ihr Schweigen brechen. Wer auf dieser Folter nicht spricht, ist vermutlich schon längst tot...

Wer sich mit Jess Francos Arbeiten etwas beschäftigt hat, wird auch wissen, dass Frauengefängnis-Filme so eine Art Steckenpferd des Spaniers waren. Immer auf der Suche nach drastischeren Expositionen und neuen Unappetilichkeiten, kommt es einem schon so vor, als ob das Fließband niemals still gestanden habe, Erwin C. Dietrich machte es eben möglich. In "Frauen für Zellenblock 9" bekommt man eine etwas härtere und noch abstrusere Gangart aufgetischt, die mit den herkömmlichen Ingredienzien angereichert wurde. Einen Sinn oder gar eine maßgebliche Handlung wird man auch hier vergeblich suchen, und die Regie beschränkte sich daher auf Brutalität, Sadismus, Folter und (vorzugsweise lesbische) Sex-Rangeleien, wenigstens dieses Mal mit attraktiveren Laiendarstellerinnen als üblich. Schön und gut, im Dickicht des Dschungels geschehen mal wieder ungeheuerliche Abartigkeiten, die Jess Franco nach seinem Geschmack dirigieren konnte. Dabei beschränkt er sich tatsächlich nur auf die Veranschaulichung von Foltermethoden der extremsten Sorte, übliche Nuditäten, zahlreiche inszenatorische Patzer und einige schöne Landschaftsaufnahmen. Wenn man diese Gefängnis-Märchen ganz gerne sieht, ist es bei diesem üblen Film-Exemplar noch lange nicht unbedingt gesagt, ob auch diese Version Kopfnicken beim Zuschauer hervorruft.





Ich persönlich frage mich immer und immer wieder, wo man diese Schauspielerinnen finden konnte, die bereit waren, derartig Strapaziöses vor der Kamera zu liefern, und von denen man in den meisten Fällen ab einem gewissen Zeitpunkt nie mehr etwas gehört und gesehen hat. Jess Franco wusste es, und es wirkt tatsächlich so, als hätten diese besagten Damen neben der meist sehr mageren Schauspielkunst nur Eines zu tun gehabt: Der Regie willen- zügel- und vor allem hüllenlos zu dienen. Karine Gambier (eine empfundene Mischung aus Lina Romay was die Vulgarität angeht, und Heidi Stroh bezüglich ihrer Attraktivität und Ähnlichkeit), liefert eine mit Abstrichen überzeugende Leistung, und macht eben hauptsächlich eine gute Figur, genau wie ihre hübsche Kollegin Susan Hemmingway. Howard Vernon hatte es unter Franco längst nicht mehr nötig, Höchst-, beziehungsweise Durchschnittsleistungen zu bringen, daher wirkt er wie immer, nämlich verlässlich. Immer wenn er seine Handschuhe anzieht und seine schwarzen Koffer nach Utensilien durchsucht, weiß der Zuschauer, was die Stunde für die armen Gefangenen geschlagen hat. Besonders überzeugend wirkt noch die unmenschliche, abartige Aufseherin des Lagers, deren Namen ich allerdings nicht ausfindig machen konnte, denn in Franco-Filmen wird bereits selbst im Vorspann gespart. Die inhaftierten Hauptdarstellerinnen hatten insgesamt nichts anderes zu tun, als sich foltern und erniedrigen zu lassen, und eben splitternackt zu sein, und egal wie schlimm es ihnen auch ergeht, ihre Frisuren und vor allem das Make-Up sitzen stets perfekt.

Mit diesem Film schaffte es Franco erneut, dem schlechten Geschmack die Krone aufzusetzen, was man vor allem angesichts der üblen Foltermethoden sagen muss. Eine der Frauen ist kurz vorm Verdursten, muss die Aufseherin vor ihrem Drink (in den Vernon aber noch Salz hinein kippt) jedoch zuerst noch oral bedienen, eine andere wird nackt auf eine spitze Klinge gesetzt, und Karine bekommt eine Spezialbehandlung, unter anderem mit einer Art Sonde angetan, die wirklich besser nicht näher erläutert sein soll. Die degenerierte Fantasie kennt eben keine Grenzen. Die Kulissen sind schäbig, die Darsteller meistens mäßig, die Logik wird ultimativ mit Füßen getreten, und ein Fließband der Patzer gibts obendrein. Um fliehen zu können, funktionieren die vier Gefangenen ihr Verlies kurzerhand zu einem lesbischen Liebesnest um, worauf der Aufseher schnellstens anspringt, und man ihn überwältigen kann. Auf der Flucht dezimiert sich die Zahl der Anwesenden erheblich, und eine von ihnen wird leider angeschossen, aber man die Kugel mit bestimmten !Gräsern! entfernen. Hungrige Krokodile werden beim Durchschwimmen der Lagune aufgeschreckt, und hier kommt eine, für diesem Film ungewöhnliche Spannung auf, die aber durch einen erneuten Patzer im Nichts verpufft. Man legt sich erschöpft ans Land und muss erst einmal ein Nickerchen halten, denn die wilden Krokodile und die bestialischen Aufseher werden schon keinen Marathon veranstalten, um sie wieder dingfest zu machen. Das Finale ist für Franco-Verhältnisse gelungen, da man etwas nicht gerade Vorhersehbares serviert bekommt, was aber einen plötzlichen Abriss des Films zur Folge hat. Könnte man allerdings auch positiv werten. "Frauen für Zellenblock 9" muss, oder sollte man vielleicht nicht gesehen haben, da Franco hier offenbar noch mehr als sonst außer Rand und Band war. Die inszenatorische Inkompetenz dieses Streifens wirkt schlussendlich noch wesentlich grausamer als seine Exposition.

Prisma Offline




Beiträge: 7.544

30.05.2013 23:43
#17 Bewertet: "Der Todesrächer von Soho" (1971) Zitat · antworten


DER TODESRÄCHER VON SOHO (1971)

mit Fred Williams, Horst Tappert, Elisa Montés, Siegfried Schürenberg, Eva Garden, Rainer Basedow, Mara Laso, Andrés Monales, Ángel Menéndez und Barbara Rütting





»Sind Sie wahnsinnig geworden? Nehmen Sie sofort diese Ferkelei da weg!«


Eine rätselhafte Mordserie erschüttert London. Ein Unbekannter rechnet mit seinen Opfern ab, indem er ihnen zuerst die Koffer packt und anschließend überaus präzise mit einem Wurfmesser zuschlägt. Doch warum kommt es zu dieser makaberen Besonderheit? Inspektor Redford (Fred Williams) und Kriminalschriftsteller Charles Barton (Horst Tappert), der gemeinsam mit ihm ermittelt, stehen vor einem Rätsel. Als am Tatort auch noch der Koffer des Ermordeten gestohlen wird, führt die Spur zu dem undurchsichtigen Arzt Doktor Bladmore (Siegfried Schürenberg), da man diesen auf Polizeifotos erkennen konnte. Beim nächsten Mord des sogenannten Messermörders verstärkt sich der Verdacht erneut, da Bladmore den Ermordeten kurz zuvor betreut hatte. Als Helen (Elisa Montés), die Sprechstundenhilfe des Arztes, dem Inspektor berichtet dass sie den Koffer in der Praxis gefunden, und darin einen bedeutenden Inhalt gefunden habe, tun sich neue Gesichtspunkte auf, und Redford will zuschlagen. Doch Doktor Bladmore ist spurlos verschwunden. In der Zwischenzeit ereignen sich weitere Morde und einige Anschläge. Wer wird das nächste Opfer sein, und wer wird seinen Hals aus der Schlinge ziehen können..?

Die Zusammenarbeit zwischen Artur Brauner und Jess Franco zählt zu einer sehr abwechslungsreichen und erfolgreichen Schaffensperiode, vor allem auch quantitativ gesehen. Da der spanische Regisseur vielleicht nicht vordergründig ein Garant für Qualität war, ist es umso erfreulicher, dass er ein Unterhaltungskünstler war, was sich auch in seiner Bryan Edgar Wallace-Interpretation zeigt. "Der Todesrächer von Soho" ist ein denkbar ungünstiger und im Endeffekt schwacher Titel für diesen Film, denn er sagt entweder gar nichts oder doch zu viel über den Verlauf aus, aber wie gesagt halte ich diese Neuauflage von 1971 im direkten Vergleich mit dem Langweiler "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" für die wesentlich ansprechendere, interessantere und deshalb gelungenere Variante. Bei Filmen von Jess Franco sollte man natürlich Relationen nicht unterschlagen, denn handwerkliche Schwächen lassen sich hier dutzendweise finden, die zum Teil noch nicht einmal charmant wirken. Aber die Vorzüge dieses Films erschließen sich erst beim mehrmaligen Anschauen! Die Grundidee, beziehungsweise die Geschichte um den Mörder, der seinen Opfern die Koffer packt, bevor er zuschlägt, ist nicht uninteressant, auch wenn es insbesondere unter Francos Regie zu diversen Ungereimtheiten kommt, und sich fehlende Logik bemerkbar macht. Ansonsten zeigt sich der Verlauf recht flüssig, oftmals sieht man über weite Strecken auch sehr spannende Phasen, auch an der gut dosierten Prise Humor sollte es nicht fehlen. Auch die Besetzung ist ansprechend und in weiten Teilen typisch für Filme des Spaniers.





Einige Einschätzungen bezüglich der beteiligten Darsteller haben sich mit den Jahren grundlegend geändert, und zwar im positiven Sinne. Obwohl ich beispielsweise Fred Williams immer noch nicht für den überzeugendsten Schauspieler halte, finde ich seine seine Leistung hier (und anderswo) mittlerweile jedenfalls ganz annehmbar, und er funktioniert besonders als Gegenpol zu Horst Tappert recht gut, den man allerdings sicherlich auch schon besser gesehen hat. Aber der letztliche Einsatz hing sicherlich auch viel von den allgemeinen Anforderungen der Produktion, und von der Leitung der Regie ab, die ich mir beim besten Willen nicht ganz lupenrein und konsequent genug vorstellen kann. Barbara Rütting mutete zunächst immer ein bisschen durchschnittlich an, doch ihre Rolle ist wesentlich interessanter angelegt, als man auf den ersten, und vielleicht auch zweiten Blick meinen könnte. Ich bleibe dabei, dass sie hier schrecklich ausgebrannt wirkt und heruntergekommen aussieht, doch dieser Anstrich untermalt ihre Glaubwürdigkeit recht gut. Ihr steht der herzlose Charakter, der zufrieden dabei zusieht, wenn ein Mord verübt wird, und es wirkt überaus befremdlich sie zu sehen, wenn sie ihre kriminellen Aktivitäten stets mir einem teilnahmslosen »Das wärs!« quittiert. Barbara Rütting blieb auch hier in ihrem typischen Rollenfach der Einzelgängerin, doch ihr kriminelles und aggressives Potential sorgen für überraschende Momente. Siegfried Schürenberg tut es seiner Kollegin in diesem Bereich gleich, und es ist schön zu sehen, dass er gerade unter Jess Franco hochinteressante Charaktere interpretieren durfte. Des Weiteren fällt noch die attraktive Elisa Montés sehr positiv auf, die weitere Besetzung auf deutscher Seite sorgt aufgrund der kurzen Auftrittsdauer nur für einen angenehmen Wiedererkennungswert.

Großartig finde ich persönlich die Leistung der Schauspielerin, die Linda, die Nichte und gleichzeitig Geliebte von Lord Cronsdale interpretiert. Überall wird ihre Identität mit Eva Garden angegeben, doch ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es sich tatsächlich um sie handelt, und nicht eher um Lola, die Freundin des Inspektors. Überhaupt kam man vielerorts mit den Darstellerinnen und den dazugehörigen Namen im Film durcheinander. Bei Mara Laso handelt es sich vermutlich nicht um Lizi, wer immer das übrigens auch sein sollte, aber es auf der DVD steht, sondern um Millie, die Tänzerin und enge Bekannte Bartons aus dem Flamingo-Club. Die Darstellerin der Linda spielte jedenfalls oft unter Jess Franco und ist bekannt für ihre zahlreichen Expeditionen in den Sex- und Erotikfilm, aber meistens sah man sie eben nur uncredited, so dass mir trotz vieler bekannter Rollen mit ihr leider die Vergleiche fehlen. Falls sich hier jemand auskennt, wäre ich für sachdienliche Erklärungen und Hinweise sehr dankbar. Jedenfalls entstehen köstliche Szenen mit Linda und ihrem Onkel oder auch mit Celia, denn vor allem die Dialoge machen dabei einen enormen Spaß.

Schön und gut, der Film hat also selbst im Bereich Vorzüge doch einiges zu bieten, auch wenn es gerne bestritten wird. Das die Inszenierung global gesehen dennoch schlampig und teilweise eckig ausgefallen ist, muss sich "Der Todesrächer von Soho" als Kritik verständlicherweise auch gefallen lassen. Auffallend ist die vollkommen miserable Ausleuchtung, die sich insgesamt negativ auf die allgemeine Bildgestaltung auswirkt, denn viele Teile die in der Dunkelheit spielen sollten, wurden offensichtlich bei hellichtem Tag gedreht, ein merkwürdiger Filter über die Kamera gelegt und man ließ das Archiv-Käuzchen rufen. Viele Bilder sehen daher verwaschen und milchig aus und wirken überaus gekünstelt, leider jedoch ohne notwendigen künstlerischen Anspruch. Ansonsten deckt das Set wirklich beinahe alles zwischen schäbig und modern ab, viele Kamera-Einstellungen sind tatsächlich gelungen, aber doppelt so viele wohl ungünstigerweise auch misslungen. Beim Thema Spannung hat Jess Franco für meine Begriffe zu sehr auf die Bremse getreten, obwohl es gute Ansätze gibt. Was aber verwunderlich bleibt ist, dass man im Bereich Effekte und obligatorischer Sex-Rangeleien so gut wie gar nichts geboten bekommt, was diesem Film nicht unbedingt Schaden zufügt. Im Endeffekt kann ich nur wieder betonen, dass der Film unterhält und Spaß machen kann, vorausgesetzt, dass man ihn nicht gerade unter ein Mikroskop legt. Oh ja, ich sehe dich als meine damalige Franco-Premiere wirklich gerne, "Todesrächer"!
Prisma Offline




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15.12.2013 13:21
#18 "Der Teufel kam aus Akasava" (1971) Zitat · antworten



DER TEUFEL KAM AUS AKASAVA (1971)

mit Fred Williams, Susann Korda, Horst Tappert, Siegfried Schürenberg, Blandine Ebinger, Walter Rilla, Paul Muller und Ewa Stroemberg
eine deutsch-spanische Co-Produktion der CCC Filmkunst | Fénix Cooperativa Cinematográfica
im Verleih der Cinerama
ein Film von Jess Franco





»Und dich hasse ich!«


Im Dschungel von Akasava macht Professor Forrester (Ángel Menéndez) einen spektakulären Fund. Er kann einen seltsamen Stein sicherstellen, dessen Strahlkraft ein bislang unbekanntes Ausmaß besitzt. Nach kürzester Zeit wird in diesem Zusammenhang der Assistent des Professors durch einen Unbekannten mit den Strahlen des Steins ermordet und Forrester ist ab diesem Zeitpunkt verschwunden. In seinem Londoner Büro wird unmittelbar danach ein Geheimagent erstochen aufgefunden. Lord Kingsley (Walter Rilla), ein Freund des Professors, bittet Sir Philipp (Siegfried Schürenberg), den Chef von Scotland-Yard, um Hilfe bei der Klärung des rätselhaften Falles, und man stellt umgehend die Geheimagentin Jane Morgan (Susann Korda) nach Akasava ab, um Licht ins Dunkel zu bringen. Wer hat den Stein gestohlen, der angeblich Erz in Gold verwandeln kann..?

Mit "Der Teufel kam aus Akasava" schickte Artur Brauner nach "Der Fluch der gelben Schlange" (1963) seinen zweiten, echten Edgar Wallace ins Rennen, und er stellt wirtschaftlich gesehen, mit lediglich etwa 300000 Kino-Besuchern, das Schlusslicht der Serie dar. In Fan-Kreisen wird Jess Francos Beitrag überwiegend auf dem gleichen Rang gehandelt, was auf die teils schlampige Inszenierung, und die große Diskrepanz zu Vertretern der Rialto-Film zurückzuführen ist. In der Regel gibt die erzkonservative Wallace-Fraktion dem Film also keine weitere Chance (falls überhaupt eine gegeben wurde), weil die typischen Elemente der sogenannten Klassiker vollkommen fehlen. Es bietet sich daher an, gerade an diesen Film so erst gar nicht heranzugehen, und er wird einige kleinere Offenbarungen liefern können. Eines muss man diesem exotisch wirkenden Beitrag nämlich lassen: Er besitzt einen enormen Unterhaltungswert und man konspiriert nach Herzenslust gegen die Konkurrenz von gestern. Leider wird die ambitionierte Geschichte immer wieder durch inszenatorische Patzer, und unklare Handlungen verwässert, was einerseits das Franco-Herz höher schlagen lässt, aber das Wallace-Empfinden andererseits etwas brüskiert. Die Geschichte um den sagenumwobenen Stein, der »Stroh zu Gold« machen kann, ist nicht uninteressant, jedoch erweist sich die Bearbeitung mit den verbundenen Seheindrücken als ziemlich krude. Was Jess Franco insgesamt gesehen einfach nicht besonders gut transportieren konnte, ist das aufrecht Erhalten von Spannung auf konstantem Niveau. Viel zu oft musste man dabei zusehen, dass viel zu früh die Luft aus der Angelegenheit gelassen wurde, so leider auch hier. Für Wallace-Verhältnisse kann man allerdings auch einiges entdecken, was beispiellos geblieben ist. Natürlich muss hier im positivsten Sinne die vollkommen irre-begeisternde Musik von Hübler und Schwab genannt werden, und das wahrscheinlich atemberaubendste Darstellerinnen-Duo der EW-Geschichte: Susann Korda alias Soledad Miranda und Ewa Stroemberg, die ich nie wieder so exemplarisch schön gesehen habe!

"Der Teufel kam aus Akasava" bedient sich im Verlauf einiger Klischees, jongliert aber auch mit genau solchen. Es ist doch ziemlich reizvoll zu sehen, dass die weibliche Hauptrolle keine Kloster-Schülerin mehr zu sein braucht, nicht bieder aussehen, und unbedingt vor lauernden Bösewichten gerettet werden muss. »Selbst ist die Frau« hat man in der langjährigen Serie zwar vereinzelt wahrnehmen dürfen, doch dies war meistens an eine dramaturgische Klausel angesichts der irgendwann bevorstehenden Auflösung gekettet. Auch darf sich der Protagonist im Jahre 1971 von mehreren Damen gleichzeitig verrückt machen lassen, ohne dabei zwangsläufig auf der falschen Seite des Gesetzes zu stehen, und für diese Strategie hatte man durchaus die richtigen Leute an Bord. Die makellos schöne Susann Korda darf neben ihren Ermittlungen noch als Stripperin auftreten, und nur der Zuschauer darf entscheiden, in welchem Bereich sie sich talentierter zeigt. Fred Williams, mit dem ich mich über die Jahre langsam anfreunden konnte, den ich aber nach wie vor für keinen blendenden Schauspieler halte, bekommt den Damen irgendwie besser als dem Zuschauer, aber er ist aus dem Szenario auch irgendwie nicht wegzudenken. Ja, und Schwedens Export N°1 Ewa Stroemberg, die in der Reihe bei zuvor drei Auftritten nur schmückendes, aber eigentlich irrelevantes Beiwerk war, bekommt sogar die Bühne, um ihre darstellerischen Kompetenzen unter Beweis zu stellen. Horst Tappert, ebenfalls in seinem vierten Einsatz, sehe ich in seiner ansprechendsten Rolle bei Wallace, und der Rest vom Schützenfest ist ein überzeugendes Konglomerat aus der Rialto- und der obligatorischen Franco-Schmiede. Für meinen Geschmack eine bis ins Detail ausgewogene Besetzung! Der Aufbau des Films wirkt insgesamt klar, doch die Wahrscheinlichkeit geht bei zunehmenden Schilderungen irgendwie komplett verloren. Aber damit hatten schon ganz andere Filme zu kämpfen. Für mich persönlich war es schon seit jeher so, dass eine Produktion unter dem Banner Edgar Wallace auch ein solcher bleibt, egal ob er von Nebelschwaden durchzogen ist, in London oder Rom spielt, von Vohrer Reinl, Dallamano oder eben Franco inszeniert wurde, von Fuchsberger oder Williams angeführt wird, und was es sonst noch so geben könnte. "Der Teufel kam aus Akasava" ist und bleibt ein Unikat der unbändigen Sorte, wie immer man das auch definieren möchte, und vertreibt die Zeit mal mindestens genauso angenehm und flott wie Seinesgleichen. Die inszenatorischen Kapriolen, chaotische Anflüge und diverse Aussetzer bei der qualitativen Umsetzung stellen objektiv gesehen genügend Diskussionsstoff dar, den der Film allerdings mit einem gelassenen Augenzwinkern wegstecken kann. Edgar Wallace-Vandalismus der erfrischenden Sorte!

Prisma Offline




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25.10.2014 20:45
#19 "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu" (1968) Zitat · antworten


Christopher Lee   Tsai Chin   Götz George   in



● DER TODESKUSS DES DR. FU MAN CHU / THE BLOOD OF FUMANCHU (1968)
mit Loni von Friedl, Maria Rohm, Howard Marion-Crawford, Ricardo Palacios, Frances Kahn sowie Richard Greene und als Gast Shirley Eaton
eine Gemeinschaftsproduktion der Terra Filmkunst | Ada Films | Udastex Films | im Verleih der Constantin
ein Film von Jess Franco





»Und wenn es mir gefällt, wirst du sterben!«


Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) lebt und möchte erneut die Weltherrschaft an sich reißen. Zu diesem Zweck hat er sich in den südamerikanischen Regenwald zurückgezogen um dort mit seiner teuflischen Tochter Lin Tang (Tsai Chin) gegen die Menschheit zu konspirieren. Mit Hilfe eines alten Inka-Giftes will er seine Kontrahenten ausschalten und dabei sollen ihm eine Reihe hübscher Mädchen behilflich sein, die mit diesem Gift infiziert werden und durch deren Kuss seine Gegner zunächst erblinden, bis sie schließlich beim nächsten Vollmond qualvoll sterben müssen. Zuerst nimmt er seinen Erzfeind Nayland Smith (Richard Greene) ins Visier, der den Todeskuss von seiner Sklavin Celeste (Loni von Friedl) erhält. Die Zeit für ihn wird denkbar knapp, denn der nächste Vollmond ist nicht mehr weit entfernt, also macht man sich auf die Suche nach einem Gegengift sowie dem Geheimversteck des Dr. Fu Man Chu...

Der Tag an dem Jess Franco das Regiment bei Fu Man Chu übernehmen sollte, wird in der Regel mit gemischten Gefühlen wahrgenommen. Viele sehen ab diesem Zeitpunkt den vorweg gegriffenen Todeskuss für die laufende Reihe, andere erkennen die Art und Weise, neue Impulse zu platzieren und die unbändige Lust, gegen bestehende, sozusagen konventionelle Formate zu wirtschaften kopfnickend an. In der Gesellschaft der zweitgenannten Fraktion fährt man mit diesem Beitrag erstaunlich gut, denn die vorhandenen Bindeglieder zur Reihe werden hier nicht nur aufgegriffen, sondern erfahren einige bemerkenswerte Erweiterungen. Von einer Verfeinerung kann man allerdings nicht sprechen, dafür tauchen zu viele Ungereimtheiten auf. Versucht man den kompletten Verlauf eher nüchtern zu betrachten, so hat man es stilistisch und inhaltlich nahezu mit einem wirren Schnipsel-Sammelsurium von zahlreichen Fragmenten zu tun, die keine Ordnung finden konnten, so dass der Verlauf eine auffällige Inkohärenz vermittelt. Dieser Eindruck mag vielleicht nicht zuletzt an den Vergleichen zu den Vorgänger-Filmen liegen, die einfach klassischer, und Auf Jess Franco bezogen, sicherlich konservativer inszeniert wurden. Besonders unklar erscheint in "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu" das Zeitfenster zu sein, da man es dem Empfinden nach mit einer Reise durch gleich mehrere Dekaden zu tun hat. Nichtsdestotrotz weiß diese beschwerliche Reise durch die südamerikanischen Regenwälder zu unterhalten und wartet erneut mit einer spektakulären Besetzung auf.

Christopher Lee stattet die Titelrolle erneut mit einer mysteriösen und gleichzeitig beunruhigenden Aura aus, wobei seine neuste Idee, die Weltherrschaft an sich zu bringen, ohne jeden Zweifel auch seine abstruseste geworden ist. Dr. Fu Man Chu wirkt boshaft genug, dass man ihm gebannt dabei zuschauen möchte, wie er seine Kontrahenten manipuliert, foltert und liquidiert, erneut liegt es zumindest im Bereich des Möglichen, dass er seinem Ziel mit Skrupellosigkeit und Unerbittlichkeit einen bedeutenden Schritt näher kommen könnte. Mit ihm im Bunde ist seine diabolisch wirkende Tochter Lin Tang, die im Großen und Ganzen neben Christopher Lee an meisten überzeugen konnte. Tsai Chin wirkt unter der Führung von Jess Franco allerdings leicht konträr zu ihren vorausgegangenen Darbietungen, sie ist auf einmal nicht nur die willenlose, sadistische Dienerin ihres Vaters, sondern neuerdings liegt das Augenmerk auf einmal auch auf ihren femininen Qualitäten, zumindest dem Eindruck nach, da man mehr Emotionen sieht. In diesem Zusammenhang ist auch Shirley Eaton zu nennen, die man als "Sumuru", alias Li Hong zu sehen bekommt. Diese Figur in die laufende Geschichte zu integrieren ist, außer dass man einen namhaften Gaststar mit an Bord hatte, vollkommen verwirrend und nahezu überflüssig. Ihre Szenen fallen besonders im optischen Sinne komplett aus dem bestehenden Zeitfenster und der Kontakt zu ihr ist technisch, sowie inhaltlich gesehen, vollkommen vermessen. Des Weiteren sieht man Maria Rohm, die in ihrer ungünstig angelegten Rolle und Erscheinung nicht in die gewohnte Freude versetzen kann und Götz Georges damalige Ehefrau Loni von Friedl zeigt sich in ihrem kurzen Auftritt als Überbringerin des Todeskusses von einer sehr interessant-ansehnlichen Seite.

Götz George selbst, sorgt für die agilen Momente in der turbulenten Geschichte, erscheint für die Handlung jedoch weitgehend irrelevant zu sein, genau wie Fu Man Chus Erzfeind Nayland Smith, nun zu sehen in Form von Richard Greene, der leider eine blasse Figur macht und bei Weitem nicht so überzeugend wirkt, wie beispielsweise ein Nigel Green aus dem ersten Teil "Ich, Dr. Fu Man Chu". Allerdings muss man sich gerechtfertigterweise auch fragen, ob die Herren der Schöpfung in Jess-Franco-Filmen jemals relevant waren, zumindest verglichen mit den Damen? So bekommt das entzündete Auge neben allerlei angedeuteten Grausamkeiten und Folterpraktiken auch die übliche Exposition und Prise Erotik geboten, so dass die Darstellerinnen erst gar nicht sparsam mit ihren körperlichen Reizen umzugehen brauchten. Dieser Beitrag vermittelt insgesamt nicht mehr den temporären Charme der Vorgänger und wirkt im Gegensatz dazu viel zu getuned, so dass dieser Fortschritt in sich eher einen Rückschritt darstellt. Die Schauplätze sind zwar immer wieder nett anzusehen, wirken aber fremd und die Ortsgebundenheit entwickelt sich schnell zu einem Vakuum, musikalisch bekommt man in jeder Fassung sehr passende Klänge geboten. Die ohnehin eher spärlich vorhandene Spannung wird in einem hastig abgespulten Finale komplett fallen gelassen, so dass der größenwahnsinnige Doktor wenigstens noch schnell und verheißungsvoll verkünden kann, dass man garantiert wieder von ihm hören werde. "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu" weiß trotz offensichtlicher Schwächen jedenfalls gut zu unterhalten, gewissermaßen auch zu erstaunen, so dass der Film bei jeder erneuten Ansicht auch nicht eintönig wird.

Prisma Offline




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13.12.2014 01:10
#20 RE: "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" (1969) Zitat · antworten


Christopher Lee   Tsai Chin   Maria Perschy   in



● DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU / EL CASTILLO DE FU-MANCHU / IL CASTELLO DI FU MANCHU / THE CASTLE OF FUMANCHU (D|E|I|1969)
mit Günther Stoll, Howard Marion-Crawford, Werner Abrolat, Rosalba Neri, José Manuel Martín und Richard Greene
eine Gemeinschaftsproduktion der Terra Filmkunst | Italian International Film | Tilma Films | Balcázar Producciones Cinematográficas | im Verleih der Constantin
ein Film von Jess Franco





»Die Foltern des Fu Man Chu sind grausamer als der Tod!«


Super-Schurke Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) lässt in der Karibik einen künstlichen Eisberg entstehen, mit dem er ein großes Passagierschiff kollidieren lässt. Hunderte Menschen kommen ums Leben. Mit dieser Demonstration ist die Ankündigung verbunden, die Menschheit auszurotten, falls die Regierungen aller Länder sich nicht seinem Willen beugen. Dieses Verfahren wurde von Professor Henderson (Gustavo Re) entwickelt, der sich in der Gewalt Fu Man Chus befindet, doch der Wissenschaftler ist schwer herzkrank, so dass er seine Erfindung nicht verfeinern kann. Lin Tang (Tsai Chin) wird beauftragt, den Chirurgen Dr. Kessler (Günther Stoll) und dessen Assistentin Dr. Koch (Maria Perschy) zu entführen, damit die beiden eine Herztransplantation bei Henderson vornehmen können. Falls sie sich weigern, werden sie in der Folterkammer landen. Nayland Smith (Richard Greene) von Scotland-Yard nimmt erneut die Verfolgung auf, doch wird er den größenwahnsinnigen Verbrecher noch aufhalten können..?

Nach diesem fünften Teil wurde der Plan einer weiteren Fortsetzung schnell zu den Akten gelegt, da Jess Francos zweite Fu-Man-Chu-Adaption sowohl bei der Kritik als auch bei der Zuschauergunst nicht unbedingt erfreut aufgenommen wurde. Und tatsächlich ist Film N°5 noch verworrener und umständlicher konstruiert worden als sein eigentlich unterhaltsamer Vorgänger. Bereits der Beginn lässt den Eindruck entstehen, dass man hier nicht nur schnell inszeniert hat, sondern dass wesentliche Fragmente lediglich eilig zusammen gebastelt wurden, so dass kein rundes Gesamtbild entsteht. Minutenlanges Archiv-Material lässt eine frühe Langeweile entstehen und eine kaum zu überbietende Zusammenhanglosigkeit windet sich durch den kompletten Verlauf. Auf der anderen Seite bekommt man es zusätzlich auch noch mit einem durch und durch konservativen Franco zu tun, was die Aufmerksamkeit nicht gerade unterstützend fordert. Erneut ist es der Regie in keinem Moment gelungen, an das bestehende Zeitfenster anzuknüpfen und es sieht tatsächlich so aus, als würde Dr. Fu Man Chu seine Rachepläne im Jahr 1969 schmieden. Diese Zeit- und Gedankensprünge machen die ohnehin ausgelutschte Geschichte nicht gerade interessanter, es haben einfach ein paar zündende Einfälle gefehlt, um der Reihe zu einen neuen Schub zu verhelfen. Aber die Inszenierung stellt ja insofern quasi eine Expertise dar, dass man sich diese Strategie wohl schon vorher aus dem Kopf geschlagen hatte. Jess Francos Eigensinn überlagert somit resolut das tatsächliche Serien-Konzept und der Zusammenhang wird nur noch durch die boshaften Protagonisten und deren Gegenspieler am Leben gehalten. Die Zusammenstellung der Stammbesetzung und der immer wieder neu integrierten Charaktere sorgt für eine willkommene Abwechslung, hochkarätige Darsteller für Wiedersehensfreude, wenngleich sie unter der Regie beinahe nur noch Sekundär-Charakter haben.

In "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" ist es beonders seltsam und unverständlich, aber Christopher Lee und Tsai Chin wollen hier nicht die gewohnte Freude aufkommen lassen. Sie wirken erstens recht konträr zu der jeweiligen Strategie aus Vorgängerfilmen inszeniert, außerdem fehlt zweitens die diabolische Note. Dr. Fu Man Chu möchte erneut die Weltherrschaft für sich gewinnen, doch in keinem der anderen Beiträge ging es so konfus zu, wie hier. Christopher Lee wirkt nahezu so, als sei er lediglich zum Stichwortgeber degradiert worden und Tsai Chin plätschert ohne die bekannte und gerne wahrgenommene Vehemenz nebenher, so dass es von vorne herein klar erscheint, dass auch hier kein Blumentopf zu gewinnen ist. Dieser Eindruck nimmt dem Szenario in schwerwiegender Art und Weise die sowieso nicht vorhandene Spannung und Francos zweiter Beitrag verkommt zu einem unausgereiften Abenteuer-Film. Maria Perschy kann ihrre Unterforderung leider zu keinem Zeitpunkt verbergen, also beschloss sie offenbar als Ablenkungsmanöver, besonders schön und elegant wie selten auszusehen. Ihre Rolle gestaltet sich im Serien-Kontext nur noch als obligatorisch und geht schließlich unter, was sehr schade ist. Günther Stoll teilt das gleiche Schicksal, denn seine - im eigentlichen Sinne Schlüsselfigur - verblasst ebenfalls im Dickicht der Inszenierung. Richard Greene und Howard Marion Crawford messen zwar gewohnt ihre Kräfte, was jedoch hier nichts anderes als ausgemergelte Routine bedeutet und eine mit Maschinenpistolen herumballernde Rosalba Neri verleitet bestenfalls zum Träumen, andernfalls eher zum Schmunzeln. Darsteller und Stab läuten das Ende der Serie also mit Pauken und Trompeten ein und man wundert sich, dass hier durchgehend derartig schlampig und verworren inszeniert wurde. Im Großen und Ganzen hat Jess Franco wenig empathische Fähigkeiten bei der Bearbeitung des Stoffes angesichts bestehender Regeln einer laufenden Serie bewiesen und wirklich alles hier wirkt isoliert voneinander, als habe jeder aneinander vorbei gearbeitet. Hin und wieder kommen einige schöne Bilder und gelungene Veranschaulichungen zum Vorschein, die die Wurzeln in Erinnerung rufen, allerdings folgen darauf unmittelbar wieder Stilbrüche und unwirsche Bearbeitungsmethoden, so dass man es schlussendlich mit dem wohl schwächsten "Fu Man Chu"-Teil zu tun hat. Insgesamt gesehen ist "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" als unkonventioneller Versuch im Sinne der Reihe gescheitert, aber eigenartigerweise gibt es dennoch genügend Unterhaltungspotential aufzuspüren. So lala!

Prisma Offline




Beiträge: 7.544

15.11.2015 12:50
#21 Jess Franco Filme Zitat · antworten


Christopher Lee   Maria Schell   in
DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR

● DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR / IL TRONO DI FUOCO / EL PROCESO DE LAS BRUJAS / THE BLOODY JUDGE (D|E|I|FL|1970)
mit Maria Rohm, Hans Hass, Margaret Lee, Peter Martell, Howard Vernon, Werner Abrolat, Milo Quesada, Diana Lorys und Leo Genn
eine Produktion der Terra Filmkunst | Fénix Film | Prodimex | im Verleih der Constantin
ein Film von Jess Franco





»Warum gibst du nicht zu dass du eine Hexe bist? Dann wirst du nur verbrannt!«


1685. Die blinde Hellseherin Rosa (Maria Schell) sagt entsetzliche Zeiten und Schmerz voraus, den niemand ertragen kann. In England herrscht Angst und Schrecken, denn der fanatische Lord-Richter Jeffries (Christopher Lee) ist überall auf der Suche nach vermeintlichen Hexen, die er reihenweise aufspüren, foltern, und anschließend hinrichten lässt. Auch die junge Alicia Gray (Margaret Lee) wird trotz eines Gnadengesuches ihrer Schwester Mary (Maria Rohm) auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da sie sich dem obersten Richter nicht hingeben wollte. Sie tut sich mit Harry Sefton (Hans Hass junior), dem Sohn des einflussreichen Earl of Wessex (Leo Genn) zusammen, um Jeffries das Handwerk zu legen, doch Mary wird von den Handlangern des Hexentöters entführt, und Harry für Vogelfrei erklärt. In der Zwischenzeit geht es weiter mit unmenschlichen Foltermethoden und Hinrichtungen, es scheint so, als könne niemand die Willkürherrschaft des Lord-Richters stoppen. Kann der Earl of Wessex seinen Einfluss geltend machen und seinem Sohn und seiner Geliebten Mary das Leben retten..?

Jess Francos "Der Hexentöter von Blackmoor" stellt einen nicht uninteressanten Hexen-Reißer dar, der mit vagen geschichtlichen Zusammenhängen und zusätzlichen erotischen Einlagen angereichert wurde. Der Film ist für die Verhältnisse des Spaniers vergleichsweise nahezu konventionell ausgefallen, präsentiert sich aber auf die damalige Zeit bezogen im Fahrwasser angesagter Formate. Der Reiz entsteht hier nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen Bausteine des Films, die für eine gelungene Abwechslung innerhalb dieses weitgehend turbulenten Verlaufs sorgen, außerdem bedeuten Weltstarbesetzung und Franco-Würze naturgemäß eine überaus ansprechende Mischung. Schaut man sich die Exposition an, so hinterlässt sie einen zwiespältigen Eindruck. Wie gesagt wirken viele Bilder und Szenen für die Verhältnisse des Regisseurs verhalten, allerdings gefällt er sich auch im Schildern von einigen Folterszenen die versuchen, ein bisschen weiterzugehen als es vielleicht üblich war. So wird der weitgehend spekulative Charakter dieses Hexen-Beitrags zum unfreiwilligen Aushängeschild dieser Produktion. Starke Szenen entstehen im Rahmen der Haupt-Thematik, vor allem wenn man Howard Vernon in seinem Folterkeller begleiten darf. Seine beunruhigende Erscheinung macht hier einen Großteil der Atmosphäre aus und unter ihm wird es nicht lange dauern, bis die Schüreisen zischen, die Ketten rasseln und die gequälten Frauen vor Angst und Pein schreien. Gespickt ist das Ganze mit kleineren Brutalitäten nach Art des Hauses, sodass das Kunstblut fließen, und die anatomischen Attrappen purzeln können. Der Verlauf überzeugt durch seinen klaren Aufbau, es ist jederzeit zu sehen, wo der Film hinlaufen wird. Selbstverständlich schleichen sich auch einige Phasen des empfundenen Leerlaufs ein, allerdings wimmelt es in diesen geradezu von einer außergewöhnlichen Dichte an beliebten Darstellern, die diesen Eindruck glattbügeln werden und die es in späteren Jahren bei Jess Franco leider nicht mehr in dieser hohen Konzentration gegeben hat.

Christopher Lee stattet die Titelrolle vor allem mit der erforderlichen Präsenz aus. Als unerbittlicher Lord-Richter Jeffries verbreitet er mit seinen willkürlichen Urteilsverkündungen wie etwa: »Du kommst mit dem übrigen Pack an den Galgen!« Angst und Schrecken im Land, und hinter vorgehaltener Hand hört man sehr deutliche Aussagen über ihn. »Überall schnüffelt er nach Hexen rum«, und diejenigen, die unter dem Deckmantel des Gesetzes aus dem Weg geschafft werden müssen, macht er kurzerhand zu solchen. Seine rechte Hand Howard Vernon funktioniert dabei wie ein Uhrwerk und führt empfindliche Tests durch, die schließlich immer das gleiche Ergebnis hervorbringen werden. Als Gegenspieler und Sympathieträger werden beispielsweise Leo Genn und sein Filmsohn Hans Hass aufgebaut, die ihre Rollen routiniert bis überzeugend präsentieren. Dabei dient Hans Hass nebenbei, oder vielleicht sogar hauptsächlich dazu, um die eilig zusammengebastelte Liaison mit Franco- und Erotik-Expertin Maria Rohm aufgehen zu lassen. Die Österreicherin macht wie gewohnt eine ansprechende Figur im Rahmen universeller Anforderungen, genau wie ihre Filmschwester Margaret Lee, die hier zur Projektionsfläche für diverse praktische Veranschaulichungen auf der bestialischen Folter dient. Dann wäre da noch Maria Schell zu erwähnen, deren Rolle hier auf den ersten Blick vielleicht nicht allzu viel hergeben mag, allerdings wertet alleine ihr Star-Bonus jede Produktion pauschal auf. Als blinde Hellseherin fungiert sie quasi als Orakel, welches düstere Zeiten voraussagen, allerdings gleichzeitig einen Hoffnungsschimmer in Aussicht stellen wird. Insgesamt ist in "Der Hexentöter von Blackmoor", dessen Titel verdächtig nahe an bekannte Kriminalfilme der vorangegangenen Jahre angelehnt zu sein scheint, ein interessanter Streifen mit vielen bunten Inhalten geworden, der trotz seiner deutlichen Vorhersehbarkeit eine Art Unterhaltungstechnikum geworden ist. Einen Jess Franco außer Rand und Band wird man hier jedoch vergeblich suchen, aber gerade diese soliden Arbeiten des Spaniers haben durchaus ihren Reiz.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.578

21.11.2018 12:47
#22 RE: Jess Franco Filme "Sie tötete in Ekstase" Zitat · antworten

BEWERTET: "Sie tötete in Ekstase" (She killed in Ecstasy) (Deutschland / Spanien 1971)
mit: Susann Korda, Fred Williams, Paul Muller, Howard Vernon, Ewa Strömberg, Horst Tappert, Jesús Franco, Rudolf Hertzog, Karl Heinz Mannchen u.a. | Drehbuch und Regie: Jess Franco

Der Mediziner Dr. Johnson forscht an menschlichen Embryonen, die er mit tierischen Genen versetzt, um sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen. Seine Kollegen reagieren auf die Vorstellung seiner Arbeit entsetzt und beschließen einstimmig, ihm Berufsverbot zu erteilen, weil er gegen den hippokratischen Eid verstoßen und die ethischen Prinzipien überschritten hat. Dr. Johnson ist am Boden zerstört und sieht keinen Ausweg als Selbstmord. Seine junge Witwe kann den Tod ihres Mannes nicht verwinden und behält die Leiche in ihrem Haus, während sie Rache an den Berufskollegen von Dr. Johnson schwört. Sie sucht einen nach dem anderen auf, mit der Absicht, ihn in eine tödliche Falle zu locken....



Die Fronten der Handlung werden innerhalb weniger Minuten klar abgesteckt: Dr. Johnsons Tod hat seine Frau in ein emotionales Loch gestürzt, ihre Gefühle verlangen nach einem Ausweg, der die Ungerechtigkeit beseitigt - und damit deren Urheber - welche für den Tod des ehrgeizigen Mediziners verantwortlich ist. In offenen Worten sprechen die Wissenschaftler aus, was sie von den Experimenten Dr. Johnsons halten. Ihre harten Anschuldigungen reichen von Scharlatanerie bis Gotteslästerung, selbstgerecht sitzen die vier Kollegen über Dr. Johnson zu Gericht und sparen nicht mit Vorwürfen. Die Riege der versammelten Richter über Sein oder Nichtsein thront über den eifrigen Zuhörern, die wissbegierig alles aufsaugen, was ihnen von höherer Stelle vermittelt wird. Die moralische Integrität des Quartetts will aber nicht so recht überzeugen, vielmehr scheint eine persönliche Rechnung mit Dr. Johnson offen zu sein, der eigenmächtig den vorgegebenen Weg verlassen hat, um Neues auszuprobieren und auch ohne den Segen des Kuratoriums umzusetzen. Das Versagen der Autoritäten bildet den Kern der Handlung: Das Gefüge der geistlichen und weltlichen Ordnungshüter zeigt Risse und erklärt - oder rechtfertigt? - zumindest zum Teil die Reaktion der weiblichen Hauptfigur. Heuchelei, Doppelzüngigkeit, Bigotterie, Realitätsferne und Selbstüberschätzung dominieren die Führungsstrukturen quer durch alle Bereiche. Der Pfarrer spricht die versammelten Frauen und Mädchen in der Kirche mit "Meine Brüder" an; Professor Walker holt sich eine vermeintliche Prostituierte aufs Zimmer und faltet die Hände zum Gebet; Dr. Houston bietet der weinenden Frau ziemlich aufdringlich seine Hilfe an, obwohl sie verheiratet ist und der Inspektor will die Mordserie erst einmal laufen lassen, um zu sehen, welche Erkenntnisse sie liefert. Das Grundvertrauen ist erschüttert, weswegen sich das Ehepaar Johnson in einen privaten Kokon zurückzieht, der jedoch für den Mann bald zu eng wird. Die Isolation entzieht ihm nicht nur seine Lebensgrundlage, sondern auch den Sinn seines Daseins. Er lässt seine Frau ohne ein Wort zurück, was sie zum Anlass nimmt, künftig für ihn zu sprechen und zu handeln.



Soledad Rendón Bueno, die hier unter dem Künstlernamen Susann Korda spielt, wird von Regisseur Franco einiges abverlangt. Als Tänzerin ist sie es gewohnt, jede Bewegung ihres Körpers zu beherrschen und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das Wechselspiel von Aggression und Niedergeschlagenheit sorgt für vermeintliche Ruhepausen zwischen den Morden, die jedoch mindestens so verstörend sind wie der Kampf mit Messer, Schere und Kissen. Nach den Taten weicht der tobende Hass einer bitteren Verzweiflung, wenn sich Mrs. Johnson nach dem bereits Spuren der Zersetzung zeigenden Körper ihres Mannes verzehrt und in stummer Hoffnungslosigkeit mit rasendem Herzen auf dem Sofa kauert. Der fehlende Zuspruch, die ausbleibende Absolution für ihre Taten und die Erkenntnis, dass die Toten durch ihr Ableben den Schmerz über den Verlust ihres Mannes nicht aufheben können, lassen sie immer schneller und zerstörerischer zu Werke schreiten. Die Taten dienen nicht nur dazu, die Personen zum Schweigen zu bringen, sie zu erniedrigen und zu bestrafen, sondern auch dem Beweis, die Stärkere zu sein und aus dem Schatten ihres Mannes herauszutreten. Susann Kordas schwarze Augen blitzen voller Abscheu, wenn sie vor Wut explodiert und ihre Opfer vernichtet, ebenso weiten sie sich tränenerfüllt, sobald die Präsenz ihres toten Mannes sie an die Ausweglosigkeit ihrer Situation erinnert. Horst Tappert erweist sich nicht als ebenbürtiger Gegenspieler, sondern lässt ihr freie Bahn durch sein Desinteresse an der Aufklärung der Mordfälle. Er agiert gelassen und mit ironischer Note, Oberinspektor Derrick ist noch weit, weit weg. Ewa Strömberg gibt sich zunächst unerbittlich im Dienste der Wissenschaft, offenbart jedoch eine private Seite, die allein durch das Rot ihres Anzugs enttarnt wird. Im direkten Vergleich mit Susann Korda kann sie durch ihr harmonisches Gesamtbild punkten, Korda zieht hier durch Perücke und Kleidung den Kürzeren, wirkt auch ausgezehrt und müde. Ewa Strömberg ist wie ein Sonnenstrahl, der die düstere Nachtkerze Susann Korda in den Schatten verweist, wo diese ihre Faszination weitaus besser entwickeln kann als in Alltagssituationen wie beim Nachmittagstee auf einer lichtdurchfluteten Terrasse.

Die Logik des Films bleibt teilweise natürlich arg auf der Strecke, weil Franco glaubt, sein Publikum lasse sich durch die exzessiven Mordszenen ablenken und hinterfrage aus Sympathie zur trauernden Witwe keine ihre Handlungen. Die Tatsache, dass Mrs. Johnson keinem der Arbeitskollegen ihres Mannes bekannt ist und selbst nach Bekanntwerden der ersten Morde sich noch frei in der Umgebung der Wissenschaftler bewegen kann, ohne enttarnt oder aufgehalten zu werden, spricht für die kriminalistisch schwach ausgeprägte Ader des exzentrischen Regisseurs. Die Kamera gefällt sich in einem ständigen Vor- und Zurückweichen vor den handelnden Personen, rückt deren Gesichter erbarmungslos in den Fokus und holt den Zuschauer auf diese Weise hautnah an die Charaktere heran, um entweder Abscheu zu erregen oder das Publikum in die Intimität der Gespräche und Aktionen zu ziehen. Kompromisslos wiederholen sich diese Vorgänge mit leichten Abwandlungen, wobei die Energie der Hauptdarstellerin ausschlaggebend für den Erfolg dieser Szenen ist, die Franco genüsslich auskostet und es sich nicht nehmen lässt, sich selbst in die Hände seiner Hauptdarstellerin zu begeben. Nach der eher schwachen Leistung dieser Szene, schafft es der Film, doch noch zu einer runden Lösung zu finden, die freilich angesichts des Todes von Susann Korda im gleichen Jahr wie ein Vorwegnehmen der Realität ist. Der Todesengel im violetten Häkelumhang schwebt leichtfüßig durch die Szenerie, die zu neunzig Prozent vom Spiel der andalusischen Darstellerin profitiert. So kann man mit Fug und Recht behaupten, dass "Sie tötete in Ekstase" ein Soledad-Miranda-Film ist, mehr noch als ein Jess-Franco-Film. Das Spektakel ist zwar weitgehend vorhersehbar und nicht übermäßig originell, baut aber auf die starke Wirkung der Hauptfigur und federt einige Drehbuchschwächen dadurch ab. Man kann sogar sagen, dass sich Franco auch auf die leisen Töne verstand, was in den poetischen Szenen mit Mrs. Johnsons Stimme aus dem Off zu Beginn des Films für einen nachhaltigen Eindruck sorgt und den Kreis zwischen Tod und Leben als untrennbare Verbindung schließt.

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