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Gubanov Offline




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02.07.2012 23:40
Jutta Speidel: Richterin ohne Robe Zitat · Antworten



Richterin ohne Robe

Fernsehkrimi, BRD 2008. Regie: Ulrich Zrenner. Drehbuch: Leo P. Ard, Birgit Grosz. Mit: Jutta Speidel (Bettina Hinrichs), Josefine Preuß (Nele Hinrichs), Udo Wachtveitl (Peter Röttger), Kai Scheve (Robert Wrengler), Stephan Kampwirth (Markus Drösser), Tobias Oertel (Dirk Jahn), Jan Gregor Kremp (Anwalt Lamprecht), Anke Sevenich (Staatsanwältin Simkeit), Peer Jäger (Richter Range), Andreas Hoppe (Richter Kawalun), Peter Ketnath (Richter Ansorge), Peter Rühring (Schöffe Edgar Ahrens) u.a. Erstsendung: 28.12.2009, ZDF.

Zitat von Richterin ohne Robe
Blumenverkäuferin Bettina Hinrichs staunt nicht schlecht, als sie eine Bestellung zur Schöffin aus der Post zieht. Zur selben Zeit explodiert in einem Villenviertel von Frankfurt eine Briefbombe. Eine Frau erliegt den Verletzungen. Ihr Mann, Robert Wrengler, wird angeklagt, sie ihres Vermögens wegen ermordet zu haben. Bettina muss in diesem Fall über Recht und Unrecht urteilen und bemerkt bald, dass ihre Entscheidung nicht nur für den Angeklagten von großer Bedeutung ist ...


Für gewöhnlich schaue ich nur verschwindend wenige aktuelle Fernsehspiele, doch die Vorschau auf den ZDF-Fernsehkrimi „Richterin ohne Robe“ machte mich neugierig. Und tatsächlich entpuppte sich das Dargebotene als überraschend erfreulich, weil sich die Handlung einer Gegenwartsproduktion einmal nicht sensationsgierig auf familiäre, soziale oder rassistische Probleme stürzt, sondern sich damit begnügt, eine gute Geschichte zu erzählen. Alles fängt schon einmal damit an, dass Bettina Hinrich keine verbitterte Kampfemanze ist, obschon sie offenbar bislang keine glückliche Hand bei der Wahl ihrer Männer hatte. Sie hat sich ein Blumengeschäft aufgebaut und wird mit ihrer Heranziehung zur Schöffin mit einer völlig anderen, weniger bunten, schwerwiegenderen Welt konfrontiert.

Dieser Kontrast äußert sich nicht nur in Unsicherheit über die Person des Angeklagten und die zwei Seiten, von denen seine Geschichte präsentiert wird, sondern auch in Übergriffen auf das Privatleben Bettinas. Anscheinend sind dubiose Hintermänner daran interessiert, ihr Urteil zu beeinflussen. Wie sie sich entscheidet und welche Konsequenzen das nach sich zieht, kann an dieser Stelle natürlich unter keinen Umständen offengelegt werden, entbehrt aber weder der Dramatik noch der Vielschichtigkeit, die man von einem gelungenen Kriminalfilm erwartet. Gerade das letzte Drittel des Films ist voller Überraschungen und Wendungen; Aktionen und Personen erscheinen plötzlich in anderem Licht und machen deutlich, dass man sich auf erste Eindrücke nicht immer verlassen kann.

Jutta Speidel gehört zu den grandes dames des deutschen TV. Ihre Karriere begann in den Sechzigerjahren, in denen sie unter anderem als Schülerin in der Kinofilmreihe „Die Lümmel von der ersten Bank“ zu sehen war. Seitdem hat sie sich (sollte das jemanden wundern?) selbstverständlich gehörig weiterentwickelt und mimt eine entschlossene, aber nicht verbohrte Rolle, die als eine der wenigen Personen im Film nicht an persönlichen Interessen, sondern an der zentralen Frage nach Schuld oder Unschuld interessiert ist. Sie hat zudem als Schöffin den Vorteil, nicht so stark wie etwa der von Peer Jäger („Edgar Wallace: Das Schloss des Grauens“) dargestellte weitsichtige Richter in formale Zwänge gepresst zu werden. In das Bild einer Freidenkerin fügt sich auch die Tatsache ein, dass sie sich zwischen den Gerichtssitzungen gern einmal eine Zigarette gönnt – ein seltenes Bild im Fernsehen unserer Tage.

Der Weser-Kurier spricht von einem „aufreibenden, wenngleich durchschaubaren Justiz-Thriller.“ So viel Weitsicht, das Dickicht aus Lügen und Doppel-Lügen zu durchschauen, traue ich einem herkömmlichen Regionalzeitungskolumnisten allerdings nicht ohne Weiteres zu. Vielmehr entpuppt sich die Einschätzung als übereinstimmend mit der auch im Rest des Artikels vorherrschenden, herabschauenden Skepsis: „Es hat fast was von Hitchcock, wie Jutta Speidel als Frau von nebenan unverschuldet zwischen die Fronten gerät. [...] Zuschauern mit durchschnittlich entwickelten Kombinationsfähigkeiten verspricht der ZDF-Thriller ‚Richterin ohne Robe’ spannende Krimiunterhaltung bis zuletzt. Doch auch erfahrene Kriminologen sollten sich am paranoiden Suspense des Films erfreuen können – und über manch gestelzten Dialog besser hinweghören.“ – Vielleicht wird eine Prise Sozialdrama, die hier angenehm abwesend ist, unterdessen doch als notwendig vorausgesetzt?

Stimmige Geschichte einer schweren Aufgabe, die spannend und ohne zu große Ablenkungen in Szene gesetzt wurde. Zrenner, der seit 2011 auch für acht „Der Alte“-Folgen verantwortlich zeichnete, bewies 2008 mit „Richterin ohne Robe“ bereits sein Gespür fürs Kriminelle. Es würde mich nicht wundern, wenn sich seine Serienverpflichtung auf diese Arbeit gründen würde. 5 von 5 Punkten.

PS: Die heute zur Primetime wiederholte „Richterin ohne Robe“ kann in der ZDF-Mediathek unter diesem Link in voller Länge angesehen werden.

Edith fügt hinzu: Wer nicht gleich anderthalb Stunden investieren möchte, kann auch den bereitgestellten Trailer begutachten.

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