Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 6.044 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Seiten 1 | 2
Georg Offline




Beiträge: 3.221

30.01.2016 16:31
#16 RE: Graf Yoster gibt sich die Ehre (62 Folgen mit Lukas Ammann und Wolfgang Völz) Zitat · Antworten

Ich denke, Pauschalisierungen à la "alle Vorabendserien sind leichte Kost" und "Geringe Lauflänge = schlechtes Format" muss man diskuteren.
Natürlich hat jeder seinen eigenen Geschmack. Was deutsche Vorabendkrimiserien betrifft, so darf man hier jedoch nicht alles in einen Topf werfen!

Generell würde ich hier zunächst drei Gruppen unterscheiden:

a) realistische, auf wahren Fällen beruhende Serien (dazu zählen neben dem teils dokumentarisch wirkenden Kommissariat 9 und Berlin - Keithstraße 30, die Hamburger-Krimitrilogie Hafenpolizei, Polizeifunk ruft und Hamburg Transit. Vor allem Hafenpolizei besticht durch hohen Produktionsaufwand, sehr gute Gaststars und realistische, unterhaltende Episoden - wer Stahlnetz mag, wird hier sehr gut bedient, auch Kommissar Freytag basiert auf realen Fällen, natürlich auch Isar 12, später die Hamburger Serie Gesucht wird ...; aus dem DDR-Fernsehen: Drei von der K)

b) realistische, fiktive Serien(Kommissar Brahm, Die Protokolle des Herrn M., eventuell Gestatten, mein Name ist Cox, Jörg Preda, Intercontinental-Express, Mordkommission)

c) unrealistische Serien (Graf Yoster, Percy Stuart, Im Auftrag von Madame, Okay S.I.R., John Klings Abenteuer, Cliff Dexter, Slim Callaghan greift ein, Macky Pancake, Die Karte mit dem Luchskopf, Das ist Stern schnuppe, Die Tintenfische, Ein Fall für Titus Bunge ...)

Die Gefahr bei Gruppe (a) ist, dass sie durch dokumentarische Erzählweise und allzu banaler Fälle etwas langatmig wirken (was bei Hafenpolizei aber nicht gegeben ist). Gruppe (c) hat meist amerikanische oder englische Serien als Vorbild. Sowohl Yoster als auch Okay SIR berufen sich mit den Geschichten auf Mit Schirm, Charme und Melone. Während diese Bavaria-Serien meist auch durch eine tolle Besetzung der Gastrollen (u.a. mit vielen Wallace-Stars) und aufwendige Außendrehs in zahlreichen Ländern punkten, sind Serien aus der Hamburger Produktionsschmiede wie Percy Stuart und Im Auftrag von Madame wirklich haarsträubend und haben mit keinerlei bekannten Gesichtern in Gastrollen aufzuwarten. Außerdem musste Spanien für sämtliche Länder der Welt herhalten.

"Leichte, "niveaulose" Kost" ist am ehesten Gruppe (c) zu entnehmen (Percy Stuart ...), anspruchsvolle Produktionen sind v.a. in Gruppe (a) zu finden.

Was Graf Yoster betrifft (um auf das eigentliche Thema zurück zukommen): hier halte ich die Folgen, die zwischen 25 und 36 gedreht wurden für die Gelungensten. In der Anfangsphase gab es zugegebenermaßen einige arg herbeigeholte Storys. Das geniale Gespann Ammann-Völz macht jedoch in meinen Augen auch diese Folgen ansehbar.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

30.01.2016 17:07
#17 RE: Graf Yoster gibt sich die Ehre (62 Folgen mit Lukas Ammann und Wolfgang Völz) Zitat · Antworten

Danke für diese Kategorisierung, @Georg! Ich werde die Liste in Zukunft - je nach Stufe - als Empfehlung oder Warnsignal konsultieren.

Das Grundproblem ist, denke ich, weniger die Länge der Folgen im Allgemeinen, sondern vielmehr der Umstand, dass im Vorabendprogramm eine familientaugliche Ausrichtung der Stoffe verlangt wurde / wird. Da kommt man bei einem Krimi schnell an systemische Grenzen, bei denen man ggf. auftauchende Gewalt durch ein Übermaß Humor oder surrealer Elemente relativieren muss. Insofern kann sich schnell eine Zwickmühle ergeben zwischen "zu langweilig / zu seicht" auf der einen und "zu albern / zu speziell" auf der anderen Seite. Gerade das "K9" (Sorry für das anhaltende Off-Topic) hat hier den "unfairen" Vorteil, dass es eben keine Gewaltverbrechen wie Mord schildert, der in den meisten Serien die höchste und damit auch für den Zuschauer lohnenswerteste Sprosse ist, sondern sich explizit auf eine Art von Verbrechen konzentriert, die unblutig "auf dem Papier" abläuft. Das macht diese Serie sehr effektiv auch in der Schilderung schwerwiegender (= existenzbedrohender) Verbrechen, ohne dabei in Konflikt mit jugendschutzrechtlichen Bedenken und folglich in den Zugzwang zu kommen, Humor als Ausgleich einbauen zu müssen. Bei den meisten anderen Themen ist das so nicht möglich.

Georg Offline




Beiträge: 3.221

31.01.2016 19:13
#18 RE: Graf Yoster gibt sich die Ehre (62 Folgen mit Lukas Ammann und Wolfgang Völz) Zitat · Antworten

Sicherlich konnte man im Vorabend nicht ständig Mord und Totschlag schildern. Gerade das sehe ich aber auch als Vorteil vieler Serien, die es auch ohne dieses im Krimi sonst dominierende Strickmuster schaffen, Spannung aufgrund guter Geschichten und/ oder charismatischer Ermittler aufzubauen.

Mir ist übrigens eingefallen, dass man meine Liste noch um einen vierten Punkt ergänzen könnte

d) literarische Krimis (Adaptionen von Kriminalgeschichten und -Erzählungen). Hierzu zählt natürlich Pater Brown mit Josef Meinrad, aber auch Detektiv Quarles mit Eric Pohlmann.

Ray Offline



Beiträge: 1.859

01.02.2016 20:18
#19 RE: Graf Yoster gibt sich die Ehre (62 Folgen mit Lukas Ammann und Wolfgang Völz) Zitat · Antworten

Folge 2: Gangstermemoiren (BRD 1967)

Regie: Michael Braun

Darsteller: Lukas Ammann, Wolfgang Völz, Ulrich Beiger u.a.



Ein alter Bekannter führt Yoster nach Paris: Modeschöpfer Blisca (Beiger), den Yoster einst für mehrere Jahre hinter Gitter brachte, handelt nicht nur mit Samt und Seide, sondern auch mit Rauschgift. Unter dem Vorwand, dessen Memoiren schreiben zu wollen, will der Krimigraf dessen kriminelle Geschäfte aufdecken...

Nach Wien nun also die Metropole Frankreichs. Auch insoweit bekommt man wider nette Bilder von der Hauptstadt an der Seine. Doch die sind nur Zubrot. Das eigentliche Highlight dieser Folge ist die Präsenz Ulrich Beigers. Wie häufiger ab Mitte der 1960er-Jahre ausgestattet mit einem wahrhaft "haarsträubenden" Toupet, wobei dies bei einem Modeschöpfer womöglich noch Sinn macht. Wie stets in Beigers besten Rollen, schaltet dieser in Windeseile von versnobten Umgangsformen um auf kaltschnäuzige Unverfrorenheit. Da verzeiht man auch gerne die ein oder andere allzu platte Figur unter Bliscas Helfershelfern.


Gaststar Ulrich Beiger macht die Folge zu einem "must see" für Freunde dieses vortrefflichen Mimen. 4,5/5 Punkten.

Seiten 1 | 2
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz