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 Edgar-Wallace-Forum
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Ray Offline



Beiträge: 1.517

04.01.2016 15:08
#121 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Danke für deine ergänzenden Anmerkungen, die beweisen, dass du a) die Filme (sehr) gut kennst und b) meinen Text sehr aufmerksam gelesen hast!

Um Null Uhr schnappt die Falle zu (BRD 1966)

Regie: Harald Philipp
Darsteller: George Nader, Heinz Weiss, Richard Münch, Horst Frank, Gert Günther Hoffmann, Helga Schlack, Ilse Pagé u.a.


Jerry-Cotton-Fall Nr. 3

Nach dem Dreh zu "Mordnacht in Manhattan" wechselte man nur schnell die Studios – man verlegte die Studio-Dreharbeiten von München nach Berlin – , um direkt Fall Nr.3 "Um Null Uhr schnappt die Falle zu" abzudrehen. Wie beim Vorgänger saß auch hier Harald Philipp auf dem Regiestuhl. Das Drehbuch lieferte Fred Denger, der zuvor bereits als Autor an Der unheimliche Mönch beteiligt war.

Neben dem mittlerweile arrivierten Trio bestehend aus George Nader, Heinz Weiss und Richard Münch versammelte man einige illustre Gaststars, allen voran natürlich der großartige Horst Frank, der mit Abstand den besten Fiesling der Reihe abgibt. Er liefert eine grandiose Mischung aus Snobismus, Diabolik und Kaltschnäuzigkeit ab. Großartig die ersten Szenen, in denen er mit Füßen im Wasser in seiner luxuriösen Wohnung „abhängt“ oder sich massieren lässt und dabei seine Handlanger zurechtweist. Nicht minder bravourös, wie er seine Gefolgsleute als „Boten“ für seine Fragestellugen verwendet, d.h., obwohl er mit demjenigen, an den er die Frage richten will, in einem Raum ist, einen seiner Leute quasi „zwischenschaltet“, damit sie die Frage wiederholen. Des Weiteren sieht man Synchronlegende Gert Günther Hoffmann in der Rolle des Lew Hutton, dem Dieb des Nitroglycerins. Hoffmann lieh nicht nur in späteren Cotton-Filmen kurioserweise George Nader seine Stimme, sondern auch Sean Connery und George Lazenby bei James Bond oder Patrick MacNee in der Serie Mit Schirm, Charme und Melone. Darüber hinaus übernahm Regisseur Philipp persönlich eine kleine Rolle als Zeitungsverleger. Schließlich sieht man Ilse Pagé als Telefonistin. Am Ende des Films kehrt Sekretärin Helen alias Helga Schlack aus dem Urlaub zurück.

Der Film bietet eine durchaus spannende Story, die diesmal aufgrund des Ausmaßes der Bedrohung gar ein wenig an James Bond erinnert. Nicht von ungefähr stoppt der Countdown vor der Explosion bei 007 Sekunden. Damit tat man sich aber nur bedingt einen Gefallen, weil man eine solch große Geschichte mit den gegebenen finanziellen Möglichkeiten nur unzureichend umsetzen konnte. So reihen sich bei den „Spannungssequenzen“ Rückprojektionen aneinander. Viele Kürzungen tun ihr Übriges, so dass letzten Endes wenig „handfeste Action“ übrig bleibt. Wäre nicht der großartige Horst Frank und die abermals hochklassige Musik – diesmal mit einer weiteren interessanten Variation („J-E-R-R-Y C-O-T-T-O-N“), so würde der Film wohl ganz im Mittelmaß versinken.

3,5/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.517

05.01.2016 18:06
#122 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Die Rechnung - eiskalt serviert (BRD 1966)

Regie: Helmuth Ashley
Darsteller: George Nader, Heinz Weiss, Horst Tappert, Richard Münch, Walter Rilla, Rainer Brandt, Helga Schlack, Arthur Brauss u.a.


Jerry-Cotton-Fall Nr. 4

Harald Philipp hatte mit seinen beiden ad hoc inszenierten Streifen weiter zum Erfolg beigetragen, nun war es an der Zeit, sich nach einem neuen Regisseur umzusehen. Die Wahl fiel letzten Endes auf Helmuth Ashley, der in dem Genre schon für die ein oder andere positive Erscheinung gesorgt hatte ("Das schwarze Schaf", "Mörderspiel", "Das Rätsel der roten Orchidee") und daher eine nachvollziehbare Lösung war. Dieser vierte Fall bedeutete gleichzeitig sowohl Halbzeit für die Jerry Cotton-Reihe an sich als auch das Ende der Schwarzweiß-Ära.

Neben den „üblichen Verdächtigen“ bot die Produktion einige interessante Gaststars auf, allen voran natürlich Horst Tappert, der kurz zuvor bereits in dem TV-Mehrteiler "Die Gentlemen bitten zur Kasse" den „Kopf“ einer Bande für spektakuläre Überfälle gemimt hatte, insofern eine gleichsam logische wie treffende Besetzung war, zumal er durch sein selbstsicheres Auftreten das schauspielerische Niveau merklich anhob. Walter Rilla, ein ganz Großer des deutschen Kriminalfilms, wurde leider synchronisiert, ein „Phänomen“, was bei der Jerry Cotton-Reihe in nahezu jedem Film gleich mehrfach zu Tage trat. Dies und der Umstand, dass Rillas Rolle (zu) klein ausfiel, schmälerte ein wenig das Vergnügen. Schließlich stand auch Synchron-Ikone Rainer Brandt (u.a. Tony Curtis in "Die 2") auf der Besetzungsliste.

Wie bereits im damaligen Ankündigungstext im Verleihprogramm der Constantin zu lesen, begeht Jerry Cotton in diesem Film seinen ersten „verhängnisvollen Fehler“. Dies macht die Entwicklung der Handlung ein Stück weit interessanter, wobei insbesondere der Umstand, wie sehr es bei Mr. High, Phil Decker und Jerry „menschelt“, zum Schmunzeln einlädt. Der Überfall auf der Autobahn ist vergleichsweise spektakulär inszeniert, getoppt noch durch den Showdown, der aufgrund seiner grenzenlosen Übertreibung Spaß macht und für die damalige Zeit spektakulär auf die Leinwand gebracht wurde. Diese Aspekte führen letzten Endes dazu, dass "Die Rechnung – eiskalt serviert" der wohl beste Cotton-Film der Schwarzweiß-Ära sein dürfte. Bemerkenswert erscheint noch, dass man in diesem Film auf vergleichsweise wenige der mittlerweile schon bestens bekannten Archivaufnahmen zurückgriff. Die sich anschließende Farbphase sollte freilich noch den einen oder anderen (deutlich) besseren Beitrag in petto haben. Auf Ashley war also einmal mehr Verlass.

Die Schwarzweiß-Ära der Cotton-Reihe endet mit dem bis dato besten Beitrag. 4/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.517

06.01.2016 18:07
#123 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Der Mörderclub von Brooklyn (BRD 1967)

Regie: Werner Jacobs
Darsteller: George Nader, Heinz Weiss, Richard Münch, Helmut Förnbacher, Karl Stepanek, Helga Anders, Paul Müller, Horst Michael Neutze u.a.


Jerry-Cotton-Fall Nr. 5

Für Sommer 1967 war die Einführung des deutschen Farbfernsehens angekündigt, auch die ebenfalls im Constantin-Verleih erscheinende Edgar Wallace-Reihe wurde seit 1966 in Farbe produziert. So war es nun gleichfalls für die Jerry Cotton-Reihe Ende 1966 an der Zeit, den Schritt von Schwarzweiß zu Farbe zu gehen, denn Fall Nr. 5 mit dem Titel "Der Mörderclub von Brooklyn" sollte im Frühjahr 1967 erscheinen. Etwas misslich erwies sich dabei der Umstand, dass Helmuth Ashley beim letzten Film eine aufwendige Eröffnungssequenz gedreht hatte, die aber in der Endfassung keine Verwendung fand, weil die Länge des Films sonst über 100 Minuten betragen hätte. Bei den Cotton-Filmen kalkulierte man wie seinerzeit üblich mit 90-95 Minuten. Freilich war die Szene in Schwarzweiß gedreht worden. Dennoch wollte man sie gerne im neuen Film unterbringen und so bekommt der Zuschauer den Übergang von Schwarzweiß zu Farbe von der Eröffnungssequenz bis zum regulären Filmbeginn im wahrsten Sinne des Wortes bildlich vor Augen geführt. Für die Regie engagierte man diesmal Werner Jacobs, die Story lieferte wie schon zu Fall Nr. 2 Alex Berg alias Herbert Reinecker, das Drehbuch wurde schließlich von Manfred R. Köhler, einem zur damaligen Zeit vielbeschäftigten Regisseur und Drehbuchautor, überarbeitet.

George Nader wurde in diesem Film einmalig von Harald Leipnitz synchronisiert, zuvor lieh ihm Heinz Engelmann seine Stimme. Richard Münch gab mit diesem Film seinen Ausstand als FBI-Chef Mr. High. In den folgenden Filmen wurde er jeweils von verschiedenen Darstellern vertreten. Helmut Förnbacher und Paul Müller sah man in ihrem zweiten Auftritt bei Jerry Cotton. Horst Michael Neutze gab ein Gastspiel.

War die Besetzung auch nicht so hochkarätig wie zuletzt, so konnte der erste Farbfilm dennoch als äußerst gelungen bezeichnet werden, es handelte sich sogar um den bisher besten Film der Reihe. Der Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe gab der Reihe nochmal einen spürbaren Schub. Nicht nur, dass Cottons Jaguar jetzt in schönstem rot strahlte, auch sonst machte man sich die Farbe zunutze und drehte vergleichsweise viel „im Grünen“. Was die Drehorte anging, war das Ganze wesentlich reizvoller als bisher. Der Cotton-Serie, die entgegen Edgar Wallace nicht auf Gruselatmosphäre, sondern auch auf „handfeste Action“ aus war, taten bunte Bilder gut. Einen James Bond-Film könnte man sich schließlich ebenso kaum in Schwarzweiß vorstellen. Auch an der Actionschraube wurde nochmal ordentlich gedreht, insbesondere die Szene auf den Schienen ist noch heute beeindruckend und mit Abstand das Beste, was die Reihe in dieser Hinsicht bisher zu bieten hatte. Schließlich überzeugt die Story, die nicht von ungefähr etwas an Wallace erinnert, – Drehbuchautor Reinecker war zu dieser Zeit viel für Wallace tätig – und lädt zum freudigen Mitraten ein. Die musikalische Untermalung ist gut wie eh und je, Nader ist endgültig „eins“ mit seiner Rolle, kurz und gut: ein starkes und vielversprechendes Farbdebüt!

Das Farbdebüt ist geglückt, es ist der Produktion gelungen, den Schwung des Vorgängers mitzunehmen. 4,5/5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.500

06.01.2016 19:56
#124 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Sehe ich bezüglich des "Mörderclubs" ebenso. Meines Erachtens zusammen mit "Dynamit in grüner Seide" der Höhepunkt der Reihe. Der Film ist schwungvoll inszeniert, bietet einen tollen Peter-Thomas-Sound und die Farbe tut den Cottons in der Tat sehr gut. Warum die Vortitelsequenz nun in Schwarzweiß sein musste, naja ... Besonders beeindruckend natürlich auch deswegen, weil mit Werner Jacobs ja nicht gerade ein ausgewiesener Krimifachmann am Werk war. Schade, dass er nicht häufiger Gelegenheit erhielt, das Genre zu bedienen.

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.517

07.01.2016 19:52
#125 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Dynamit in grüner Seide (BRD 1968)

Regie: Harald Reinl
Darsteller: George Nader, Heinz Weiss, Marlies Dräger, Günther Schramm, Dieter Eppler, Claus Holm, Richard Haller, Albert Bessler, Alexander Engel u.a.


Jerry-Cotton-Fall Nr. 6

Mit "Der Mörderclub von Brooklyn" war der Reihe also das erhoffte gelungene Farbdebüt geglückt, so dass man sich gleich an weitere Planungen heranwagen konnte. Für Fall Nr. 6 hatte man Alfred Vohrer, für Fall Nr. 7 abermals Werner Jacobs vorgesehen. Doch es kam alles anders, als es gelang, Harald Reinl für eine Arbeit am kommenden Film zu gewinnen. Letzten Endes sollte Reinl nicht nur diesen, sondern auch die beiden anderen restlichen Cotton-Streifen inszenieren. George Nader äußerte sich in einem Interview kurz vor seinem Tod folgendermaßen zu Reinl:

„Totalitär, diktatorisch. Konnte nicht mit Schauspielern umgehen. In gewisser Weise unnahbar. Es gab keine Chance, mit ihm zu diskutieren, wenn man mit etwas nicht einverstanden war. Aber am schlimmsten war seine Art, Regie zu führen: Bei ihm gab es für den Cutter am Ende praktisch nichts zu tun. Er hat den Film schon geschnitten, während er ihn gedreht hat. Zum Beispiel hat er bei Actionszenen nie fertig spielen lassen. Wenn ich jemandem einen Schlag verpassen musste, kam es vor, dass er „Schnitt“ rief, während ich noch ausgeholt habe. Dann musste ich mit dem Arm in der Luft verharren, bis die Kameraposition gewechselt hatte. Ich glaube nicht, dass bei ihm auch nur ein Meter Film auf dem Schneidetisch zu finden war. Das war äußerst irritierend...“ (aus: Kramp/Naumann, Die Jerry-Cotton-Filme, S. 80).

Insgesamt gehen die Meinungen über Reinl, der als erfolgreichster Regisseur der Nachkriegszeit gilt, auseinander. Seine Ex-Frau Karin Dor z.B. beschrieb seine Fähigkeiten folgendermaßen:

„Er war ein exzellenter Action-Regisseur mit einem Gespür für tolle Motive. Schauspielerführer kenne ich bessere.“ (aus: Tses, Der Hexer, Der Zinker und andere Mörder, S. 208).

Als Ersatz für Richard Münch, der genug von der Rolle des FBI-Chefs Mr. High hatte, engagierte man für diesen Film mit Claus Holm einen exzellenten Schauspieler, der Münch mehr als souverän vertrat. George Nader wird in diesem Film erstmals von Gert Günther Hoffmann synchronisiert, der in Fall Nr. 3 noch selbst mitgewirkt hatte und zur damaligen Zeit einer der profiliertesten Synchronsprecher war. Zu dessen Arbeit viel Nader hingegen nur Positives ein:

„In den letzten Filmen hat mich ja dieser bekannte Synchronschauspieler gesprochen. Ich öffne den Mund und er legt die wunderbarsten Worte hinein. Ich verstehe es zwar nicht, aber es hört sich vom Klang her wunderbar stimmig an. So etwas erfordert unglaubliches Talent.“ (aus: Kramp/Naumann, Die Jerry-Cotton-Filme, S. 81).

Auch Heinz Weiss wurde synchronisiert, aber dieses „Phänomen“ wurde bereits an anderer Stelle angesprochen. Als Gaststars sah man Günther Schramm, Reinl-Liebling Dieter Eppler, Alexander Engel ("Das indische Tuch" u.a.), Richard Haller ("Der Bucklige von Soho") und Albert Bessler in seiner „Paraderolle“ als Butler. Die Französin Silvia Solar absolvierte nach "Mordnacht in Manhattan" bereits ihren zweiten Einsatz in der Cotton-Reihe, Marlies Dräger gab die „Femme Fatale“. Letztere war im Übrigen nach Aussage des Kameramanns Franz X. Lederle der Auslöser für die Scheidung von Reinl und Karin Dor
(vgl. Kramp/Naumann, Die Jerry-Cotton-Filme, S. 46). Damit dürfte auch die Frage geklärt sein, warum Dor – abgesehen von ihren anderen Filmprojekten zu jener Zeit – in keinem der drei Cotton-Filme unter der Regie Harald Reinls zu sehen war. Vorher hatten sie in einer Vielzahl an Filmen zusammengearbeitet, so etwa bei Edgar Wallace (viermal), Louis Weinert-Wilton, Bryan Edgar Wallace und Dr. Mabuse. Ihre letzte Zusammenarbeit war der Horrorfilm "Die Schlangengrube und das Pendel", der unmittelbar vor diesem ersten Cotton-Film Reinls fertig gestellt wurde.

"Dynamit in grüner Seide" bedeutet nach dem Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe insofern den zweiten schweren Einschnitt innerhalb der Serie, als man von nun an auf den dokumentarischen Stil, insbesondere Erzählungen aus dem Off, verzichtete. Naheliegend, dass Reinl für diese Abkehr verantwortlich war, die grundsätzlich zu begrüßen ist, da man so dem Zuschauer etwas Neues bot und mehr in Richtung reiner Actionfilm ging. Die Story ist annehmbar und bietet die ein oder andere Überraschung bis zum überzeugenden Showdown. Was die Action betrifft, ist die Szene, in der Jerry mit den Beinen voran in ein Auto springt, einer der großen „Cotton-Momente“ schlechthin. Auch die Verfolgungsjagd per Motorrad am Ende bietet etwas Neues. Ansonsten hätte dem Film im zweiten Drittel etwas mehr Action gut getan, auch wirken die Gags z.T. arg George Nader (nachträglich) „in den Mund gelegt“ und stehen ein wenig im Kontrast zu den bisherigen Filmen. Dennoch ist handwerklich eine positive Entwicklung seit dem Wechsel zu Farbe klar erkennbar. Man hatte eine echte „Nische“ gefunden, in der man es sich bequem machte, denn man hob sich nach wie vor – von James Bond einmal abgesehen – durch den eigenen Charme von vielen Produktionen dieser Zeit wohltuend ab.

Gelungener Einstieg für Reinl in die Cotton-Welt mit kleinen Schwächen. 4,5/5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 3.199

07.01.2016 19:58
#126 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #125
Gelungener Einstieg für Reinl in die Cotton-Welt mit kleinen Schwächen. 4,5/5 Punkten.

Reinl hat einfach bei allen Genres, bei denen er mitmischte, die Top-Filme beigesteuert.
Zitat von Ray im Beitrag #125
Ihre letzte Zusammenarbeit war der Horrorfilm "Die Schlangengrube und das Pendel", der unmittelbar vor diesem ersten Cotton-Film Reinls fertig gestellt wurde.

Die letzte Zusammenarbeit war 1968 "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten".

Ray Offline



Beiträge: 1.517

07.01.2016 20:14
#127 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Ups, danke für den Hinweis. Kenne mich bei Karl May nicht aus, habe nur in der Kategorie "Wallace & Co" gedacht.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.314

07.01.2016 22:03
#128 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #125
Insgesamt gehen die Meinungen über Reinl, der als erfolgreichster Regisseur der Nachkriegszeit gilt, auseinander.

Finde ich nicht.

Nader: "Konnte nicht mit Schauspielern umgehen."
Dor: "Schauspielerführer kenne ich bessere."

Die sagen absolut das Gleiche. Frau Dor formuliert es nur etwas diplomatischer.

Ray Offline



Beiträge: 1.517

07.01.2016 22:47
#129 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Die beiden Zitate sollten auch nicht das gesamte Meinungsbild wiedergeben, d.h. sie stehen nicht für "insgesamt". Das waren nur die beiden Meinungen, die ich in den Büchern in Bezug auf Reinls Schauspielerführung gefunden habe. Dass die beiden insoweit in die gleiche Richtung gehen, Dor es nur galanter formuliert hat, sehe ich genauso und hatte es in einer Rohfassung des Textes auch tatsächlich so geschrieben, es dann aber wieder gelöscht, weil ich die Zitate für sich stehen lassen wollte, damit sie jeder für sich deuten kann.

Gleichwohl ist es doch so, dass man bezüglich Reinl häufig unterschiedliche Statements liest, wobei man schon sagen kann, dass diejenigen, die ihm wohlgesonnen sind, vor allem seine fachlichen Fähigkeiten und seinen Fleiß hervorheben und die anderen eben seinen verbesserungswürdigen Umgang mit Schauspielern bemäkeln.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.314

08.01.2016 04:54
#130 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #129
Gleichwohl ist es doch so, dass man bezüglich Reinl häufig unterschiedliche Statements liest, wobei man schon sagen kann, dass diejenigen, die ihm wohlgesonnen sind, vor allem seine fachlichen Fähigkeiten und seinen Fleiß hervorheben und die anderen eben seinen verbesserungswürdigen Umgang mit Schauspielern bemäkeln.

Aber auch das wären ja keine grundsätzlich gegensätzlichen Aussagen, oder?

Ray Offline



Beiträge: 1.517

08.01.2016 15:01
#131 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Gegensätzlich nicht, nein. Nur überwiegen bei manchen eben die positiven Erinnerungen (= positive Meinung) und bei anderen die negativen Aspekte (= negative Meinung). Nur insofern (positiver Eindruck vs. negativer Eindruck) gehen die Meinungen auseinander. Was freilich an subjektiven Befindlichkeiten liegt. Manche kommen mit einem Typen eben besser klar und andere schlechter. Um es zu verbildlichen: jeder hat eine Waage, auf der er die positiven und negativen Eigenschaften eines Menschen gewichtet. Beim einen schlägt sie am Ende nach links, beim anderen nach rechts aus.

Ich gebe aber zu, dass die Passage meiner Rezension missverständlich war.

Ray Offline



Beiträge: 1.517

08.01.2016 18:57
#132 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Der Tod im roten Jaguar (BRD 1968)

Regie: Harald Reinl
Darsteller: George Nader, Heinz Weiss, Grit Boettcher, Carl Lange, Harry Riebauer, Gert Haucke, Herbert Stass, Ilse Steppat, Daniela Surina, Kurt Jaggberg, Hans Epskamp, Susanne Hsiao, Robert Fuller u.a.


Jerry-Cotton-Fall Nr. 7

Nachdem Fall Nr. 6 wieder ein Erfolg geworden war und Nader wegen der dazugehörigen Premierentour ohnehin in Deutschland weilte, konnte man direkt mit der Produktion für Fall Nr. 7 fortfahren. Harald Reinl hatte einen ordentlichen Job gemacht, so dass es wenig verwundert, dass man auch mit ihm weiter machte. Das Drehbuch wurde zum bereits dritten Male von Herbert Reinecker alias Alex Berg beigesteuert. Die Außenaufnahmen legte man diesmal wesentlich breiter an, so flog ein Team ohne Darsteller in Jerry Cottons Heimat und machte wirkungsvolle Aufnahmen u.a. in San Francisco.

Bei einem Blick auf die Darstellerriege wird deutlich, wie stark dieser siebte Film der Jerry Cotton-Reihe besetzt ist. Der damalige US-amerikanische TV-Star Robert Fuller war zufällig für Dreharbeiten in Berlin, schaute am Set vorbei und ließ sich kurzerhand überreden, eine kleine Rolle zu übernehmen, weswegen man eigens eine actionreiche Vorspannsequenz einbaute. Des Weiteren sah man neben George Nader und Heinz Weiss viele bekannte Gesichter des deutschen Kinos der 1960er-Jahre. Harry Riebauer, bekannt aus einigen Edgar und Bryan Edgar Wallace-Filmen, übernahm die Rolle des Steve Dilaggio und fungierte so als Ersatz für Richard Münch alias Mr. High, der sich nach dem fünften Teil von der Reihe losgesagt hatte und hier nur kurz mit Jerry Cotton telefoniert, freilich dabei nicht zu sehen ist. Grit Boettcher, ebenfalls Darstellerin mehrerer Wallace-Filme, war hier gleichsam erstmals in einem Cotton-Streifen zu sehen. Gleichfalls dürfte Carl Lange Wallace-Fans ein Begriff sein ("Der Frosch mit der Maske", "Der Hexer", "Die blaue Hand"). Er spielte die Schlüsselrolle des Dr. Saunders. Damit nicht genug, auch die spätere Juhnke-Gattin Susanne Hsiao ("Der unheimliche Mönch", "Der Bucklige von Soho", "Der Mönch mit der Peitsche"), der Österreicher Kurt Jaggberg ("Die seltsame Gräfin"), Hans Epskamp ("Der grüne Bogenschütze" u.a.) und Ilse Steppat ("Der unheimliche Mönch" u.a.) wiesen ebenso Wallace-Erfahrung auf. Steppat sollte ein Jahr später kurz vor ihrem Tod zu Weltruhm kommen: sie war es, die im tragischen Finale des James Bond-Streifens Im Geheimdienst Ihrer Majestät Diana Rigg alias Mrs. Bond erschoss. Aber auch fernab von diesen „Wallace-Tätern“ stimmte die Besetzung. Besonders eindrucksvoll sicherlich Gert Haucke als psychotischer Killer Kit Davis. Die italienische Darstellerin Daniela Surina lieferte einen sympathischen Part als Ria Payne, welche Jerry tatkräftig unterstützt. Auch sie sollte, wenn man so will, noch (entfernte) Wallace-Erfahrung sammeln, wirkte sie doch 1972 in "Das Geheimnis des gelben Grabes", der hierzulande als Bryan Edgar Wallace-Film vermarktet wurde, mit. Herbert Stass gab den „Saubermann“ Privatdetektiv Sam Parker.

Die Besetzung war also exzellent, besonders beeindruckend, wie bekannt selbst Kleinstrollen besetzt wurden. Doch damit nicht genug: auch die Action reichte sowohl qualitativ als auch quantitativ für zwei Cotton-Filme. Reinl zeigte in diesem Film endgültig, dass er das Action-Fach beherrschte und dass er auch für Cotton genau der richtige Mann war. Auch die Kameraarbeit von Franz X. Lederle, der bereits bei den letzten drei Cotton-Streifen die Kameraarbeit übernommen hatte, ist erstklassig. Der Film wirkt im Ganzen wesentlich hochwertiger und professioneller als seine Vorgänger. Dazu gesellt sich die vielleicht überzeugendste Story. Herbert Reinecker verstand es wieder mal, eine effektvolle Geschichte um einen ominösen „Chef“ zu konstruieren, wie er es auch bei Wallace tat, und lädt so zum freudigem Mitraten ein. Die Idee, dass ein Psychiater seine Patienten zu Killern ausbildet, ist schlichtweg als „goldig“ zu bezeichnen, auch wenn sie natürlich in ähnlicher Form auch schon bei Wallace auftauchte. Die Musik von Peter Thomas, die ohnehin zu den Stärken der Filme gehörte, konnte ebenfalls alles Bisherige übertreffen. Schließlich hielt sich die Synchronisation diesmal mehr zurück als noch bei "Dynamit in grüner Seide" und legte Nader längst nicht so viele Kalauer in den Mund. Auch die Aufnahmen, wie der diesmal titelgebende rote Jaguar durch die Straßen San Franciscos kreuzt, waren nie besser.

Kurzum: eine effektvolle Story, die ohne wirkliche Länge auskommt und von einem Action-Höhepunkt zum nächsten schreitet sowie bester Sixties-Flair garantieren allerbeste Unterhaltung und machen "Der Tod im roten Jaguar" zu einer Perle des deutschen Kinos. Müßig zu erwähnen, dass es sich um den mit Abstand besten Film der Reihe handelt. Die Serie war auf ihrem absoluten Höhepunkt angekommen: inszenatorisch, darstellerisch und musikalisch. 5/5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.500

08.01.2016 19:56
#133 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Harald Reinl war auch in meinen Augen ein häufig guter Regisseur, allerdings finde ich die Aussage, er habe stets die Topfilme des jeweiligen (Sub-)Genres geliefert, unzutreffend. Zumindest das Resultat des hiesigen Wallace-Oskars lässt daran Zeifwel aufkommen. Reinl war ja Vielfilmer ("Im Falle eines Falles, dreht Harald Reinl alles!") und als solcher verantwortete er natürlich auch einige sehr gelungene Streifen. Sowohl bei Cotton als auch bei Wallace und natürlich bei Karl May. Hingegen brachte die Vielfilmerei eben auch mit sich, dass es Reinl-Filme gibt, die ich für recht missraten halte. Seine beiden letzten Cottons z.B. gehören für mich dazu, wenngleich ich dem "Tod im roten Jaguar" noch eine recht schwungvolle Geschichte zuerkennen will und den Film trotz seiner Schwächen irgendwie mag. Reinls einstmalige Begabung jedoch, wunderbare Sets zu erkunden, ließ ihn beim "Tod" vollends im Stich. Die Außendrehs in den deutschen Städten wirken derart unfreiwillig komisch, dass ich da beim besten Willen kaum noch irgendein Regie-Engagement erkennen kann. Wer so etwas zusammenbrät, dem ist entweder völlig egal, wie das Endergebnis rüberkommt oder er ist einfach unfähig. Da Reinl in vielen seiner Filme bewiesen hat, letzteres nicht zu sein, erscheinen mir seine beiden letzten Cottons einfach als schludrige Machwerke, gemacht von einem Regisseur, der sich selbst irgendwie schon aufgegeben hatte. Sowieso bin ich der Auffassung, dass es mit Reinl nach dem Ende der Karl-May-Ära deutlich bergab ging. In den 1970er Jahren kam da zumindest hinsichtlich des herkömmlichen Unterhaltungskinos kaum noch etwas Nennenswertes. Die Extravaganzen des Erich von Däniken mag man als Nerd ja noch faszinierend finden. Indes umschleicht mich nach wie vor die Befürchtung, auch Harald Reinl könne ernst gemeint haben, was er da drehte.

Was für mich mit Harald Reinl untrennbar verbunden bleibt, ist die Karl-May-Serie der Rialto. Hier hat er den Fans solcher Film Unwiederbringliches beschert. In den allermeisten sonstigen Kinofilmwellen hingegen finde ich mindestens einen Regisseur, der in meinen Augen Besseres abgeliefert hat.

Gruß
Jan

Tarzan Offline



Beiträge: 957

08.01.2016 20:20
#134 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Dass es nach Karl May mit Reinl bergab ging, lag sicherlich an der neuen Art von Filmen und damit verbundenen grottenschlechten Drehbüchern. Da hätte ich auch die Lust verloren. Reinls Regiekunst passte auch viel, viel besser zu den früheren Kinojahrgängen. Die Siebziger waren sicherlich nicht sein Fall.

Bei Cotton war die Setsuche ja begrenzt. Hamburg & Co. sind nun mal in Farbe absolut kein New York.

Was Reinl aus einem richtigen Drehort zu machen vermag, sieht man ja an den Grand-Canyon-Szenen in IM TAL DER TOTEN. Da zeigt er - 1968 - sein ganzes Können.

patrick Offline




Beiträge: 3.199

09.01.2016 15:48
#135 RE: Die Jerry-Cotton-Filmreihe Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #133
Harald Reinl war auch in meinen Augen ein häufig guter Regisseur, allerdings finde ich die Aussage, er habe stets die Topfilme des jeweiligen (Sub-)Genres geliefert, unzutreffend. Zumindest das Resultat des hiesigen Wallace-Oskars lässt daran Zeifwel aufkommen ...

... Was für mich mit Harald Reinl untrennbar verbunden bleibt, ist die Karl-May-Serie der Rialto. Hier hat er den Fans solcher Film Unwiederbringliches beschert. In den allermeisten sonstigen Kinofilmwellen hingegen finde ich mindestens einen Regisseur, der in meinen Augen Besseres abgeliefert hat.

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Meinen hat Reinl auf jeden Fall bestens bedient, obwohl er in vielen Genres nicht allzu viele Filme abgeliefert hat. Wenn ich mal bedenke, dass ...
  • mein Lieblings-Edgar-Wallace Reinls "Frosch"
  • mein Lieblings-BEW zwar Zboneks "Henker", allerdings dicht gefolgt von Reinls "Würger", nach dem einmal lange nichts mehr kommt
  • mein Lieblings-Mabuse Reinls "unsichtbare Krallen", gefolgt von Reinls "Stahlnetz"
  • mein Lieblings-Jerry-Cotton Reinls "Tod im roten Jaguar"
  • und meine Lieblings-Karl-May-Filme Reinls "Winnetou 1", "Winnetou 3", "Schatz im Silbersee" und "Tal der Toten"
... sind, komme ich nicht umhin, Reinl als den besten deutschsprachigen Regisseur der 60er-Jahre zu bezeichnen. Darüber hinaus mag ich auch seine "Nibelungen" und "Letzter Mohikaner"-Verfilmungen sehr gerne. Lediglich sein "Kommissar X"-Beitrag hat mich weniger überzeugt, was aber wohl daran lag, dass es der letzte Film der Reihe war, der nicht mehr meinen geliebten 60er-Jahre-Flair hatte.

Deiner Kritik bezüglich seiner Cotton-Filme kann ich nicht viel entgegenhalten, da ich schon ewig lange keinen Cotton mehr gesehen habe, allerdings die Filme damals immer wieder verschlang und dabei auch nach mehrmaliger Sichtung den Jaguar immer am liebsten mochte. Sollte ich mir allerdings Cotton wieder einmal vornehmen, werde ich mal mein Augenmerk auf deine Kritikpunkte richten. Reinl hatte meiner Meinung nach auf jeden Fall ein unerhört gutes Gespür für Stimmungen, auch waren seine Thriller wirklich Thriller ohne Überhang Richtung Komödie.

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