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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 556 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Georg Offline




Beiträge: 3.049

08.03.2012 20:49
Bewertet Kino: "The Broken Horseshoe" (1953, UK) Zitat · Antworten

The Broken Horseshoe
Kriminalfilm, Großbritannien 1953



Mit Robert Beatty, Elizabeth Sellars, Peter Coke, Hugh Kelly, Janet Butler, Vida Hope, Ferdy Mayne, James Raglan u. v. a.
Drehbuch: A. R. Rawlinson
nach dem sechsteiligen Fernsehspiel (1952) von Francis Durbridge
Produzent: Ernest G. Roy
Regie: Martyn C. Webster



Einige Worte von mir zum Inhalt:
Im Londoner St. Mathews‘ Hospital wird ein Mann namens Charles Constance eingeliefert. Er wurde Opfer eines Verkehrsunfalls. Genauer gesagt raste ein Wagen auf eine Telefonzelle zu, in der er gerade telefonierte. Der Fahrer blieb nicht stehen und beging Fahrerflucht. Behandelt wird Mr. Constance von Dr. Mark Fenton, der seinem Patienten zunächst aber nicht viel helfen kann, da er im Koma liegt. Eine Frau namens Miss Freeman taucht eines Tages bei ihm auf und interessiert sich für Constances Gesundheitszustand. Sie bittet dem Mann ein Blumengesteck zu übergeben. Als Constance erwacht, erklärt er, dass er eine Miss Freeman nicht kenne. Er ist darüber erstaunt, dass das Blumengesteck die Form eines Hufeisens hat. Als Constance entlassen wird, will Dr. Fenton ihn jedoch zu einer Routinekontrolle wiedersehen. Sie vereinbaren den darauffolgenden Mittwoch um 14 Uhr. Da übergibt Constance Fenton einen Brief, der an eine Miss Lynn Kelsey adressiert ist und bittet, diesen aufzugeben, falls er zum Termin nicht erscheinen sollte. Beim Gehen gibt er Dr. Fenton noch einen Tipp fürs Pferderennen am kommenden Mittwoch. Tatsächlich gewinnt dieses Pferd. Constance erscheint jedoch nicht zur Kontrolluntersuchung. Der Arzt beschließt daher, den Brief persönlich zuzustellen, da sich die Wohnung im Dranston Court nicht weit entfernt befindet. Als er vor dem Appartement 27, in dem Miss Kelsey wohnt, steht, hört er laute Klaviermusik. Der Schlüssel steckt von außen. Er betritt das Appartement und findet Mr. Constance ermordet. Auf dem Spiegel im Wohnzimmer findet er ein zerbrochenes Hufeisen gemalt.



Mit „The Broken Horseshoe“ sind nun endlich alle 17 Durbridge-TV-Stoffe in irgendeiner Form zugänglich. Während 11 davon in der BRD verfilmt wurden, sind die anderen durch die entsprechenden Kinoverfilmungen und/ oder Romane verfügbar.
„The Broken Horseshoe“ war 1952 der allererste Fernsehkrimimehrteiler der BBC-(und überhaupt der Fernseh-)Geschichte, wurde live gespielt und an sechs Abenden über sechs Wochen gesendet. Aufzeichnungen davon existieren logischer Weise keine mehr, zumal das damals auch technisch noch nicht möglich war. Deshalb setzte man in den ersten Durbridge-TV-Jahren (bis „Interpul ruft Berlin“ („My Friend Charles“)) die TV-Filme immer auch als Kinofilm mit anderen Darstellern um – stark gekürzt natürlich. Reste der originalen Cliffhanger lassen sich jedoch in allen Filmen finden, so auch in diesem Krimi ca. alle 10-12 Minuten. Besonderheit des Kinofilms (der natürlich nicht auf einem Paul-Temple-Hörspiel beruht, wie dies die DVD anpreist) ist, dass Martyn C. Webster auch als Regisseur und Produzent des TV-Spiels fungierte und so praktisch den Stoff zweimal verfilmte. Webster war was Durbridge betrifft einer der wichtigsten Männer, hatte er doch von Ende der 1930er-Jahre an die Produktion und Inszenierung der Straßen leerfegenden Paul-Temple-Hörspiele über. In „The Broken Horseshoe“ erlaubte man sich außerdem den „Gag“, dass Peter Coke, der jahrelang den renommierten Hobbydetektiv im Radio gesprochen hatte, den Scotland-Yard-Inspektor George Bellamy spielte. Die übrigen Rollen sind auch sehr gut besetzt, Robert Beatty, der unter anderem auch in „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ mitspielte, gibt den obligatorisch des Mordes Verdächtigen Protagonisten sehr sympathisch und erinnert in seinem Aussehen etwas an Jürgen Goslar in den frühen 60ern. Der deutschstämmige Ferdy Mayne, der hier sicherlich jedem ein Begriff ist, weil er häufig mit Christopher Lee, aber auch mit Louis de Funès und nicht zuletzt in „Tanz der Vampire“ spielte, gibt den zwielichtigen Mr. Constance.
Zur Geschichte: ich wiederhole mich, aber auch hier sind die typischen Durbridge-Zutaten alle vorhanden, nur die Geschichte variiert. Bemerkenswert ist übrigens, welche Vorliebe der britische Autor in den 1950ern für Ärzte als Protagonisten hatte. In drei seiner Fernsehspiele („The Broken Horseshoe“, „Operation Diplomat“ und „My Friend Charles“) musste sich jeweils ein Gott in Weiß mit einer geheimnisvollen Mordserie herumschlagen.
Die Zutaten für „The Broken Horseshoe“ sind die folgenden:
• Der geheimnisvolle Gegenstand - hier gibt es derlei gleich zwei: einerseits das titelgebende zerbrochene Hufeisen, das in mehrfacher Form auftritt und andererseits eine am 22. Jänner 1953 abgestempelte Zugfahrkarte von der Victoria Station nach Dover, die alle an sich bringen wollen
• Die kriminelle Geheimorganisation mit dem großen Unbekannten
• Kleine unbedeutende Nebensächlichkeiten, die dann an Bedeutung erlangen
• Der kleine Verdächtigenkreis
• Der Protagonist, der unabsichtlich in eine Mordserie gerät und auf den die Verdachtsmomente gelenkt werden
• Personen, die etwas verraten wollen, werden beseitigt, bevor sie sprechen können
Insgesamt ist „The Broken Horseshoe“ schöne klassische und recht spannende Krimiunterhaltung aus der guten alten Schwarz-Weiß-Krimizeit mit – durch die originalen Cliffhanger bedingten – rasanten Wendungen. Insgesamt sagt mir aber der Nachfolgefilm „Operation Diplomat“ mehr zu. Außerdem fehlen einige Erklärungen, die im Fernsehspiel sicherlich vorhanden waren, im Kinofilm jedoch gestrichen wurden. So bleiben am Ende ein paar Fragen offen. Dennoch: unbedingt sehen!

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

09.03.2012 15:18
#2 RE: Bewertet Kino: "The Broken Horseshoe" (1953, UK) Zitat · Antworten

Sehr interssante Besprechung. Anscheinend gibt es den Film jetzt auf DVD, wenn ja, werde ich ihn mir sofort bestellen. Gab's den auch auf Deutsch?

Georg Offline




Beiträge: 3.049

09.03.2012 15:34
#3 RE: Bewertet Kino: "The Broken Horseshoe" (1953, UK) Zitat · Antworten

Der Film ist am 27.2. auf DVD erschienen und recht günstig über amazon.co.uk zu bestellen. Leider scheint das einer jener Filme zu sein, die nicht synchronisiert wurden. Die englische DVD bietet auch keinerlei Untertitel.

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

06.04.2012 17:28
#4 RE: Bewertet Kino: "The Broken Horseshoe" (1953, UK) Zitat · Antworten

Heute habe ich mir diesen Film auch angesehen und kann ihn jedem Krimifan empfehlen. Eine typische Durbridgesche Handlung erwartet einen mit den von Georg sehr schön erwähnten Zutaten. Die Besetzung fand ich ebenso gelungen und ja - der Hauptdarsteller hat mich auch kurz an Jürgen Goslar in "Es ist soweit" erinnert. Toll, dass dieser Film nun auch auf DVD erschienen ist und das Durbridge-Spektrum immer größer wird.
Wie gesagt: ein sehr klassischer britischer Kriminalfilm. Sehr empfehlenswert.

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