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Dieses Thema hat 45 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Offline




Beiträge: 2.886

11.12.2011 16:20
Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten


Fritz Eckhardt war wohl der vielseitigste Mann am „Tatort“. So fungierte er nicht nur als Hauptermittler, sondern in allen Fällen auch als Drehbuchautor und zweimal sogar als Regisseur.
Die Figur des Viktor Marek hingegen war keine Erfindung für den „Tatort“, sondern existierte schon seit 1963. In acht schwarz-weiß-Fällen ging Fritz Eckhardt bereits auf Mörderjagd, ehe er 1971 in Farbe im „Tatort“ auftauchte. Für den ORF war ganz klar, dass dieser gemütliche Wiener Ermittler in den österreichischen Beiträgen auftauchen sollte. Immerhin waren die s/w-Marek-Krimis auch in der BRD erfolgreich und so bekannt, dass man 1970 das erste Mal in der deutschen Fernsehgeschichte ein Serien-Crossover mit dem ZDF-„Kommissar“ schuf (Episode: „Drei Tote reisen nach Wien“).
Folgende acht „Marek“-Fälle gab’s bereits vor dem „Tatort“-Einstieg:

01 Vorladung (03.10.1963, Buch: Friedrich Redl, Regie: Herbert Fuchs)
02 Einvernahme (13.11.1964, Buch: Friedrich Redl, Florian Kalbeck, Regie: Herbert Fuchs)
03 Freispruch (14.10.1965, Buch: Friedrich Redl, Regie: Herbert Fuchs)
04 Tödlicher Unfall (21.10.1966, Buch: Friedrich Redl, Regie: Herbert Fuchs)
05 Mädchenmord (21.09.1967, Buch: Fritz Eckhardt, Friedrich Redl, Regie: Herbert Fuchs)
06 An einem einzigen Tag (07.12.1968, Buch: Fritz Eckhardt, Regie: Georg Lhotzky)
07 Einfacher Doppelmord (21.11.1969, Buch: Fritz Eckhardt, Regie: Georg Lhotzky)
08 Perfekter Mord (26.11.1970, Buch: Fritz Eckhardt, Regie: Georg Lhotzky)

Genauere Infos dazu auf meiner Seite: http://krimiserien.heimat.eu/o/oberinspektor_marek.htm
Zudem sind diese acht Folgen auf DVD erschienen, und zwar als Straßenfeger-Box Nr.15.
Außerdem gibt's eine ausführliche Besprechung der Folgen hier im Forum: "Oberinspektor Marek" mit Fritz Eckhardt

Alle „Marek“- und „Tatort“-Folgen charakterisieren sich durch folgende Punkte:
• Fritz Eckhardts Motto: „Zehn Szenen à zehn Minuten sind ein 90-Minuten-Film“
• dementsprechend gab’s auch immer nur wenige Sets, vor allem in den 70ern spielte sich 70-80% der Handlung im Kommissariat 24 ab
• Wiener Schmäh, Gemütlichkeit, etwas Langeweile
• Scheinbar falsche Spuren und unnötige Szenen, die dann aber doch irgendwie entscheidend sind
• Clinch mit dem vor allem von Bezirksinspektor Wirz (Kurt Jaggberg) abgewerteten Sicherheitsbüro, das eigentlich für Mordfälle zuständig ist
• einige Schlamperein im Drehbuch (in einer Folge wurde gar der Mörder eines Taxifahrers nicht ermittelt, was aber so gut wie niemandem auffiel, beim ORF gab’s laut damaligen Redakteur nur einen einzigen Anrufer, der wissen wollte, wer den Fahrer ermordet hatte)
• keine Gewalt, keine Action, keine Musik, nur Dialoge
• ungewöhnliche große Rollen für die Gastkommissare, die mitunter in den Fall verwickelt sind
• bei fast allen Folgen: Studiokameras und Filmaufnahmen, wobei vor allem in den frühen Folgen 95% Studioaufnahmen sind

Marek charakterisiert sich selbst wie folgt: „Ich bin kein Sherlock Holmes, ich bin kein Übermensch, aber ich kenne die Menschen“. Das erfahren wir in der Episode „Frauenmord“, dem 3. „Tatort“, in dem Marek auch von sich gibt, er trage nie geladene Dienstwaffen.

Folgende offizielle „Marek“-Fälle gibt es (Buch sämtlicher Folgen: Fritz Eckhardt):

1 | Tatort Nr. 012 | Mordverdacht | 07.11.1971 | Regie: Walter Davy
2 | Tatort Nr. 023 | Die Samtfalle | 12.11.1972 | Regie: Walter Davy
3 | Tatort Nr. 035 | Frauenmord | 09.12.1973 | Regie: Fritz Eckhardt
4 | Tatort Nr. 044 | Mord im Ministerium | 13.10.1974 | Regie: Fritz Eckhardt
5 | Tatort Nr. 055 | Urlaubsmord | 28.09.1975 | Regie: Peter Weck
6 | Tatort Nr. 066 | Annoncen-Mord | 12.09.1976 | Regie: Peter Weck
7 | Tatort Nr. 079 | Der vergessene Mord | 11.09.1977 | Regie: Peter Patzak
8 | Tatort Nr. 092 | Mord im Krankenhaus | 08.10.1978 | Regie: Michael Kehlmann
9 | Tatort Nr. 105 | Mord im Grandhotel | 21.10.1979 | Regie: Georg Lhotzky
10| Tatort Nr. 117 | Mord auf Raten | 19.10.1980 | Regie: Georg Lhotzky
11| Tatort Nr. 129 | Mord in der Oper | 18.10.1981 | Regie: Wolfgang Glück
12| Tatort Nr. 142 | Mordkommando | 17.10.1982 | Regie: Jochen Bauer
13| Tatort Nr. 150 | Mord in der U-Bahn | 18.09.1983 | Regie: Kurt Junek
14| Tatort Nr. 199 | Der letzte Mord | 29.11.1987 | Regie: Kurt Junek

Dazu gesellen sich sechs weitere Auftritte als Gastkommissar und ein Spin-Off aus dem Jahre 1992 mit dem Titel „Mord im Wald“.
Unnötig zu erwähnen, dass der vielseitige Fritz Eckhardt ganz nebenbei noch Drehbücher für andere „Tatorte“ schrieb, z. B. für seinen Kollegen Lutz (Werner Schumacher).

Georg Offline




Beiträge: 2.886

11.12.2011 16:29
#2 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

TATORT WIEN - Mareks Fälle (1) (bzw. (9)):
Mordverdacht

(Tatort Nr. 12)
Erstsendung (ARD/ ORF): 07.11.1971
Buch: Fritz Eckhardt
Regie: Walter Davy
Dauer: 88‘30‘‘
Darsteller: Fritz Eckhardt (Oberinspektor Marek), Kurt Jaggberg (Bezirksinspektor Wirz), Albert Rolant (Inspektor Berntner), Lieselotte Plauensteiner (Susi Wodak, Vertragsangestellte), Werner Hinz (Harald Tüllmann), Walter Richter (Kommissar Trimmel aus Hamburg), Liselotte Ebnet (Miriam Reinhold), Herwig Seeböck (Zenz, der „Tschusch“), Ida Krottendorff (Die „Nebel Theres“), Paul Hörbiger (Der alter Wybiral), Oskar Wegrostek (Oberinspektor Nehoda), Gerhard Mörtl (Ministerialrat Kalz), Willy Kralik (Theodor Karlik, Sekretär der Industriellenvereinigung), Franz Stoß (Hotelportier Lehner), Götz Kaufmann (als Gottfried Kauffmann im Abspann (als Zollbeamter Kaukul)), Willy P. Egger (Polizist Keil), Friedl Werner (Polizist Werner), Stephan Paryla (Polizist Wokaun), Marianne Gerzner (Frau Riedel), Maria Menzel (Frau Howorka)

In der Nähe der Donau wird die Leiche von Frau Tüllmann aufgefunden. Die Dame war die Ehefrau eines reichen Großindustriellen aus Hamburg. Marek wird der Fall gegen seinen Willen übertragen. Alle Verdachtsmomente weisen auf den reichen Ehemann hin. Doch als Hauptkommissar Trimmel aus Hamburg auftaucht und von einem anderen Fall berichtet, wegen dem er in Wien ist, tut sich eine neue Spur auf ...

Nachdem Oberinspektor Viktor Marek bereits acht Fälle im österreichischen Fernsehen gelöst hatte, wurde er zum „Tatort“-Ermittler befördert. Getan hat sich im Büro und in der Art der Inszenierung nichts. Fritz Eckhardts Motto „10 Szenen à 10 Minuten sind ein 90-Minuten-Film“ kommt auch hier zu tragen. Es gibt fast ausschließlich Dialoge und null Action. Mehr als zehn Szenen gibt es auch nicht und lediglich drei Studiodekorationen (das Büro, das Hotel und die Wohnung der Nebel Theres). Und dennoch hat Mareks Fall Charme. Das liegt an den kleinen Besonderheiten, die in den Fall eingestreut werden. Immer wieder kommt der Alltag im Büro durch, Fälle, die nichts mit dem Hauptfall zu tun haben. Der Runninggag mit der neuen Büroeinrichtung zieht sich durch die ganze Episode (auf die neue Wanduhr gibt’s 50 Jahre Garantie!) und die so (stereo)typische Wiener Gemütlichkeit kommt in jeder Minute zum tragen. Sätze wie „Susi, gehen’s, machen’s an Kaffee!“ tragen dazu ebenso bei, wie die lockere, sanfte und ruhige Art, mit der Marek den Fall angeht. Hinzu kommen die österreichischen Titelhaschereien à la „Herr Hofrat“, „Herr Sektionschef“ und sogar „Herr Nachtportier“. Eine weitere wichtige Zutat sind die beliebtesten österreichischen Schauspieler jener Zeit, allen voran Paul Hörbiger als gelernter (sic!!) Taschendieb, der sein Geschäft einst in Bukarest erlernte und auf Mareks Aussage „Sie sind aber alt geworden“ geschickt mit „Sie sind aber auch keine Venus mehr“ kontert. Kurt Jaggberg als Bezirksinspektor Wirz ist der geeignete Gegenpart zum ruhigen Marek. Er ist schroff und bestimmt, wird als „scharfer Hund“ bezeichnet.
Die Geschichte selbst ist einfach und stringent, keine Umwege, keine Verwicklungen. Geschickt führen Trimmels und Mareks Fall am Ende zur Lösung. Die relativ große Rolle Paul Trimmels (Walter Richter) erfreut ebenso. Er wird großzügig zu Marek nach Hause zum „Nachtmahl“ eingeladen, um anschließend mit Marek und Gattin zum Heurigen zu gehen. Und schließlich trägt er auch noch zur Aufklärung zweier Morde bei. Im Übrigen wird auch auf das Telefonat verwiesen, das Wirz und Trimmel zwei „Tatort“-Folgen zuvor in „AE 612 ohne Landeerlaubnis“ geführt haben.
Der österreichische „Tatort“ jener Zeit ist zu 95% eine reine Studioproduktion, die mit drei Sets und fast ohne Filmaufnahmen auskommt. Dennoch ist der Fall charmant und doch ein wenig spannend. Marek und österreichischen Schauspielgrößen sei Dank.

Georg Offline




Beiträge: 2.886

11.12.2011 18:52
#3 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

TATORT WIEN - Mareks Fälle (2) (bzw. (10)):
Die Samtfalle

(Tatort Nr. 23)
Erstsendung (ARD/ ORF): 12.11.1972
Buch: Fritz Eckhardt
Regie: Walter Davy
Dauer: 89‘11‘‘
Darsteller: Fritz Eckhardt (Oberinspektor Marek), Kurt Jaggberg (Bezirksinspektor Wirz), Albert Rolant (Inspektor Berntner), Lieselotte Plauensteiner (Susi Wodak, Vertragsangestellte), Maria Emo (Marion Kremer), Ursula Siller (Isabell Kremer), Susanne Granzer (Lisa, Zofe), Sieghardt Rupp (Kressin), Alexander Hegarth (Terp), Guido Wieland (Prendergast), Heinz Reincke (Schlüter), Tom Krinzinger (Roya, Polizeizeichner), Kurt Radlecker (Oberinspektor Kramer), Bibiana Zeller (Frau Thomas), Kurt Sobotka (Herr Kriegel), Hannes Schiel (Herr Kral), Heinz Payer (Dr. Stoll, Rettungsarzt), Otto Beier (Leiter des Unfallkommandos), Dieter Hofinger (Bütt, Polizist) und andere

Bezirksinspektor Wirz wird zufällig Zeuge, wie auf einer winterlichen Landstraße eine Leiche gefunden wird. Es handelt sich dabei offenbar um den ermordeten Spediteur Kremer. Mareks Ermittlungen führen in das Haus des Toten, wo er herausfindet, dass die Tochter und die Frau Kremers sich hassen. Frau Kremer hat zudem angeblich einen neuen Freund: Zollfahnder Kressin aus Köln. Gleichzeitig beschäftigt Marek der Diebstahl von 80 Tonnen Uran. Beide Fälle hängen natürlich zusammen...

Auch „Die Samtfalle“ ist deutlich nach Eckhardts Muster gestrickt: wenige Szenen, drei Sets und Studiokameras, mit Ausnahme der ersten Szene keine Außenaufnahmen. Geschätzte 80% spielen sich im Kommissariat 24 ab. Keine Action, keine unheimlichen oder spannenden Szenen. Nur Verhöre, Gespräche, Telefonate. Ein bisserl Schmäh. So einfach ist das Rezept, das den Wiener Oberinspektor so erfolgreich machte. Zugegebenermaßen sind die Fälle aber auch von ein wenig Langeweile geprägt.
Eckhardt hat es wie kein anderer „Tatort“-Autor verstanden, die Gastkommissare in die Handlung perfekt einzubinden. War in „Mordverdacht“ der Hamburger Paul Trimmel (Walter Richter) noch ein wesentliches Glied in der Kette, so ist diesmal Zollfahnder Kressin (Sieghardt Rupp) offenbar der neue Freund der Witwe. Marek ist ganz erstaunt darüber, dass er ein „Techtelmechtel“ mit „der Alten“ hat, wie er es nennt. Kressin gibt Marek gegenüber an, dass er derzeit ohne Beruf ist und wegen irgendwelcher „Weibergeschichten“ den Posten verloren hat. Außerdem verkündet er die Weisheit: „Bei Frauen ist alles möglich!“. Am Ende kristallisiert sich dann aber doch heraus, dass Kressin als verdeckter Ermittler tätig ist und er darf sogar in der finalen Szene dem Mörder ausgeliefert sein.
Von Marek erfahren wir, dass er seinen Revolver immer ungeladen trägt und das letzte Mal vor zwei Jahren beim Schießen war. In der letzten Szene, als er den Täter stellt, muss er dann bluffen. Zu Wirz meint er schließlich: „Der Kressin hat eine geladene Pistole gehabt – und die hat ihm auch nichts geholfen“. Von Inspektor Berntner erfahren wir, dass er noch immer daran nagt, dass er in der vorhergehenden Folge „Mordverdacht“ den Täter in Notwehr erschossen hat. Susi Wodak hingegen befindet sich im ständigen Clinch mit der Putzfrau Frau Pekarek und bittet Marek, diese zu entlassen, worauf der Oberinspektor meint: „Ich hab zwei Kriege überstanden, ich fang jetzt keinen dritten an!“. Der ständige Clinch des vor allem von Bezirksinspektor Wirz verabscheuten Sicherheitsbüros kommt auch in dieser Folge wieder zu tragen.
Schließlich bleibt zu erwähnen, dass die scheinbar von Eckhardt nur zur Streckung der Folgen eingebauten (durchaus amüsanten) Szenen wie jene der drei Zeugen, die einen Bankräuber beschreiben müssen oder das Verhör des drogensüchtigen tuntigen Friseurs (erstklassig gespielt von Heinz Reincke!!), schließlich doch ihren Sinn haben und dann doch noch irgendwie dazu beitragen, den Täter zu finden.
„Die Samtfalle“ bietet wieder viel Wiener Schmäh und zahlreiche gerngesehene österreichische Schauspieler sowie viel Gemütlichkeit. Etwas fad, aber doch sehenswert.

Matze K. Offline



Beiträge: 1.037

11.12.2011 19:25
#4 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

Hammer - das habe ich nicht gewusst !!! Wir lieben den alten OI Marek und waren etwas traurig als wir den letzten der Film der Straßenfeger Box geschaut haben, weil es keine mehr gab. Nun bin ich natürlich ssseeeeerrr begeistert, dass dies ein Trugschluss war. Ich hab geschaut - bisher gibts nur 3 Folgen als Marek-Tatort-Box auf DVD oder gibts noch andere Quellen?

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

11.12.2011 19:36
#5 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

“Mordverdacht”

“Wir machen das mit aller Rücksicht!”
(Oberinspektor Nehoda)
“Rücksicht - das kenne ich noch vom letzten Jahr, wie ihr den Safe gebracht habt. Gegen diese Möbelträger war eine Elefantenherde das Opernballett...”
(Bezirksinspektor Wirz)

“Das kann schon sein. Das Opernballett bringt auch keine Möbel ... Jetzt wollen wir doch mal nachschauen, ob ihr Möbeltype A oder B kriegt.”
(Oberinspektor Nehoda)
“Was ist denn da für ein Unterschied?”
(Bezirksinspektor Wirz)
“Gar keiner! Das ist ja nur wegen der Statistik ...”
(Oberinspektor Nehoda)


“Wenn die so schnell mit dem Arbeiten wäre, wie sie mit dem Wegrennen beim Telefon ist...”
(Oberinspektor Marek über seine Vertragsangestellte Susi Wodak)


“Ich schaue mir doch keine Wasserleiche an, wenn ich nicht muß ...”
(Oberinspektor Marek)

“Wie oft soll ich Ihnen noch sagen, wenn ein Fremder da ist, trinke ich keinen Kaffee!”
(Oberinspektor Marek)
“Weil er sonst dem Fremdling natürlich auch einen anbieten muß ...”
(Bezirksinspektor Wirz)

“Niemand ist über jeden Verdacht erhaben!”
(Oberinspektor Marek)

“Ich bemerke schon, das ist ein stinkfeines Hotel, aber ich sage Ihnen eins, Herr Nachtportier, wenn Sie glauben, Sie können mich weiter so von oben herab behandeln, dann werden Sie sich wundern, wie ich Ihnen hinaufsteige...”
(Bezirksinspektor Wirz)

“Das ist kein Amt mehr, das ist ein Zirkus!”
(Bezirksinspektor Wirz)

“So eine hohe Position wie die Ihre die erringt man nicht mit Rücksicht und mit Zartgefühl. Und wenn man fällt, dann fällt man tief ...”
(Oberinspektor Marek)

“Nur keine Angst! Das ist sowieso ein Beamtenkaffee, den die Frau Wodak macht. Mehr Wasser als sonstwas...”
(Bezirksinspektor Wirz)
“Sie kriegen überhaupt keinen!”
(Susi Wodak)

“Das ist ein lustiges Büro - wie in der “Fledermaus” ...”
(Oberinspektor Marek)

“Hier wird keine Konversation gemacht und keine Reminiszenzen aufgewärmt. Das ist ein Polizeikommissariat und kein Kaffeehaus, verstanden?”
(Bezirksinspektor Wirz)
“Das ist ein Scharfer, das habe ich gern. Schauen Sie her wie ich zittere - wie ein Striptease-Girl am Nordpol!”
(Emil Karl Maria Wybiral)

“Du alter Gauner, du hälst uns wohl für deppert!?”
(Bezirksinspektor Wirz)
“In einer Demokratie kann jeder jeden für das halten, was er ist ...”
(Emil Karl Maria Wybiral)

“Du bist wirklich ein Trottel!”
(Oberinspektor Marek)
“Danke für die freundliche Mitteilung!”

(Bezirksinspektor Wirz)

Allein solche und ähnliche Zitate machen die Fälle um Oberinspektor Viktor Marek - ob in seiner Schwarz-Weiß-Ära oder in seiner Ägide in Farbe im “Tatort” - so überaus liebenswert.
Wer verbal so scharf schießt, der muß es nicht mehr mit einer Waffe tun.

Auf diesem Kommissariat menschelt es ungeheuer. Es werden Unmengen von Kaffee und Zigaretten konsumiert, es wird gefrühstückt (oder es wird wenigstens versucht) und überdies werden Kriminalfälle aufgeklärt.

Neben dem eigentlichen Kriminalfall werden außerdem die Auswüchse von Bürokratie, alltäglichem Behördenwahnsinn und Obrigkeitsdenken karikiert.

All das ist einfach nur ein Vergnügen anzuschauen.

Georg Offline




Beiträge: 2.886

11.12.2011 20:05
#6 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

@ Cora Ann Milton:
Vielen Dank für die unglaublich vielen und treffenden Zitate (hast Du die alle selbst herausgesucht?) und die treffende und kompetente Analyse, was den Charme der Marek-Folgen ausmacht!

@ Matze:
Keine Ahnung, wieviele Folgen auf DVD veröffentlicht wurden, diese Tatort-Veröffentlichungen sind leider in meinen Augen pure Abzocke und völlig willkürlich. Anstatt Gesamtboxen mit den entsprechenden Ermittlern zu veröffentlichen, kommen da etwa kleine "Städte"-Boxen mit den unterschiedlichsten Typen daher. Wer etwa Heinz Drache in "Keine Tricks, Herr Bülow" sehen will, muss Dominic Raacke und Günter Lamprecht als Tatort-Kommissare mitkaufen.

Im Übrigen habe ich in meinem Booklet-Text zur Straßenfeger-Box "Oberinspektor Marek" erwähnt, dass es weitere Tatort-Folgen mit Viktor Marek gibt ;-)

Matze K. Offline



Beiträge: 1.037

11.12.2011 20:10
#7 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

*gg* kann sein, aber ich bin doch ein "Gucker" und kein "Leser" - wobei es immer so ist - Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Aber wer nur liest kriegt nix mehr mit was um sich rum überhaupt passiert *gg*

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

11.12.2011 20:19
#8 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

Zitat von Georg
@ Cora Ann Milton:
Vielen Dank für die unglaublich vielen und treffenden Zitate (hast Du die alle selbst herausgesucht?) und die treffende und kompetente Analyse, was den Charme der Marek-Folgen ausmacht!



Danke schön, Georg!
Die Zitate habe ich gerade eben im Schnelldurchlauf aus der DVD herausgesucht. Wenn einem etwas gefällt, dann macht man das wirklich gern.

Ich kenne nur die "Oberinspektor Marek"-DVDs in der "Sraßenfeger"-Edition und die "Tatort"-Box (alle drei Filme haben mir übrigens sehr gut gefallen)

Übrigens habe ich die Berlin-Tatorte nur wegen "Keine Tricks, Herr Bülow" mit Heinz Drache erworben. Seine Fälle werden im Fernsehen überaus stiefmütterlich behandelt, weil sie ewig nicht wiederholt wurden (andere dagegen alle paar Wochen) und auf DVD gar nicht erschienen sind. Was will man als absoluter Fan da machen?

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.356

11.12.2011 20:37
#9 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

Ewig ist relativ - 2007/2008 wurden immerhin vier der sechs Bülow-Tatorte im RBB wiederholt. Da gibt es noch krassere Fälle. So hat der SWR seit fast 10 Jahren keinen Lutz-Tatort mit Werner Schumacher mehr gezeigt - am 27.12. läuft endlich mal wieder einer (rot...rot...tot!). Aber ob jemals wieder ein Marek im deutschen Fernsehen gezeigt wird? Ich habe ihn bisher nur als Gastermittler im Brinkmann-Tatort "Automord" gesehen - da war er das absolute Highlight diese ansonsten sehr mäßigen Folge.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

11.12.2011 20:42
#10 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

Meine Videos datieren aus dem Jahre 2002, glaube ich - da liefen die Bülow-Tatorte im HR. Aber DVD ist doch ganz was anderes in Sachen Qualität, und ein bißchen Bonusmaterial gibt es obendrauf.

Weiß der Himmel, was im Gehirn der verantworlichen Programmplaner vorgehen mag ...

Georg Offline




Beiträge: 2.886

11.12.2011 20:55
#11 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

TATORT WIEN - Mareks Fälle (3) (bzw. (11)):
Frauenmord

(Tatort Nr. 35)
Erstsendung (ARD/ ORF): 09.12.1973
Buch: Fritz Eckhardt
Regie: Fritz Eckhardt
Dauer: 89‘15‘‘
Darsteller: Fritz Eckhardt (Oberinspektor Marek), Kurt Jaggberg (Bezirksinspektor Wirz), Albert Rolant (Inspektor Berntner), Lieselotte Plauensteiner (Susi Wodak, Vertragsangestellte), Leopold Rudolf (Erwin Rahl, Großindustrieller), Gert Westphal (Konsul Brink), Christiane Rücker (Ilse, seine Tochter), Harry Fuss (Harald Höss), Maria Urban (Klara Höss), Clemens Klingelmayer (ihr Sohn), Dolores Schmidinger (Lissy Hlavacek), Albert Rueprecht (Lahmann, Sekretär), Peter Hofer (Künzl, Butler), Jitka Frantova (Marja, seine Frau), Otto Tausig (Sammy Klein, vom Erkennungsamt), Walter Langer (Pfeiffer, der Zeuge), Hilde Rom (die dicke Cissy), Elisabeth Danihelka (Dienstmädchen), Bernd Hall (Weiss, von der Versicherung), Peter Frick (Polak, der Computermann), Ingold Platzer (Frau Schmahsal), Gaby Banschenbach (Frau Binder), Toni Niessner (Hofrat vom Sicherheitsbüro), Erwin von Gross (Arzt des Erkennungsamtes), Peter Göller (Hiess, Funkstreifenkommandant), Ferry Wondra (Betrunkener), Gerhard Tötschinger (Kaffeehausbesucher), Margit Gara (Kellnerin), Peter Vilnai (Aufseher am Karlsplatz), Peter Josch (Polizist), Helmut Randers (Passant), Max Strecker (Hauptkommissar Brauchle)

Im Wiener Prater wird die Frau des Großindustriellen Erwin Rahl ermordet aufgefunden. Marek übernimmt den Fall. Die Frau wurde am Vorabend aus dem Garten der riesigen Villa entführt. Ihr Gatte erhielt mehrere Drohanrufe mit Lösegeldforderungen. Wie der Oberinspektor dann aber ermittelt, ist nicht alles so gewesen, wie es dargestellt wird. Denn irgendwas kann in dem Zeitplan nicht stimmen ...

Diesmal fungiert Fritz Eckhardt als Hauptdarsteller, Autor und Regisseur in Personalunion. Das ist ein Unikum innerhalb der „Tatort“-Reihe. Der Fall an sich ist typisch für ihn konstruiert, immerhin gibt es jetzt schon mehr Außenaufnahmen und insgesamt fünf verschiedene Studiodekorationen. Die Geschichte selbst mag, wenn man richtig aufpasst, ganz gut konstruiert sein, auch wenn sie ob der vielen Alibis und Falschaussagen etwas komplex erscheint. Insgesamt durchzieht auch diesen Fall viel Schmäh und Gemütlichkeit, keine Action, keine Musik, nur Dialoge. „A bisserl fad“ würde der Wiener sagen. Bezirksinspektor Wirz geht mit Frauen etwas grob um, in einer Szene ist er zweimal kurz davor, eine Prostituierte (gespielt von Dolores Schmidinger, im Abspann als „Dolly Schmidinger“ bezeichnet) zu schlagen. Von Sekretärin „Bringen’s ma an Kaffee!“-Susi muss er sich daher mehrfach anhören: „Manchmal glaub ich, Sie sind ein Weiberfeind!“. Er negiert dies natürlich. Für Aufregung und als Running Gag sorgt eine computerelle Datenerfassung der Kommissariat-24-Mitarbeiter. In der finalen Szene versammelt Marek nochmals alle Verdächtigen und gibt folgende Weisheit von sich: „Ich bin kein Sherlock Holmes, ich bin kein Übermensch, aber ich kenne die Menschen!“. Damit kauft er sich die Täter „mit der bloßen Hand“, wie er es nennt, als Wirz ihn fragt, ob er eine Pistole dazu mitnehmen soll.
Als Gastkommissar ist diesmal Max Strecker als Kommissar Brauchle mit dabei, der sich als „Gulasch mit Bier“-Fan entpuppt und nur zwei „Tatort“-Auftritte hatte und zwar in den beiden Lutz-Fällen „Kennwort: Fähre“ (1972) und „Stuttgarter Blüten“ (1973).
Insgesamt zeigt diese Episode mehr Lokalkolorit und ist Zeitdokument, denn der Bau (und die Baustelle) der U-Bahnstation am Karlsplatz wird dramaturgisch in die Handlung eingebaut. Insgesamt kein Reißer, aber aufgrund der humorigen Szenen und der liebevollen Darstellungsweise der Hauptfiguren sehenswert.

Georg Offline




Beiträge: 2.886

11.12.2011 21:59
#12 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

TATORT WIEN - Mareks Fälle (4) (bzw. (12)):
Mord im Ministerium

(Tatort Nr. 44)
Erstsendung (ARD/ ORF): 13.10.1974
Buch: Fritz Eckhardt
Regie: Fritz Eckhardt
Dauer: 90‘10‘‘
Darsteller: Fritz Eckhardt (Oberinspektor Marek), Kurt Jaggberg (Bezirksinspektor Wirz), Albert Rolant (Inspektor Berntner), Lieselotte Plauensteiner (Susi Wodak, Vertragsangestellte), Gustav Dieffenbacher (Sektionschef Ehmann), Marte Harell (Frau Ehmann), Bert Fortell (Sektionsrat Radler), Susi Nicoletti (Gerda, seine Frau), Robert Tessen (Ministerialrat Wiesiewicz), Erni Mangold (Kora, seine Frau), Kurt Radlecker (Oberinspektor Kramer von der Staatspolizei), Carl Bosse (Hofrat Gleiner, Chef des Sicherheitsbüros), Robert Horky (Oberinspektor Swoboda), Wolfgang Lesowsky (Oberinspektor Gareis), Gretl Schörg (Frau Mantler, Sekretärin), Luzi Neudecker (Frau Zambusch, Sekretärin), Peter Hey (Adamek, Trödler), Gertrud Ramlo (Frau Grete), Rudolf Jusits (Scholz), Peter Garell (Lorenz), Ivan Desny (Alfonse Dubois), Marina Genschow (Mia), Dagmar Koller (Helga), Inge Wolffberg (Lotte Thöne), Horst-Hans Joachmann (Ein Berliner), Stephan Paryla (Ein Wachmann), Jaromir Borek (Stranzer), Paul Esser (Kommissar Kasulke aus Berlin)

Kurz nachdem der Minister sein Ministerium verlässt, passiert auf einer Party, die dort stattfindet ein Mord. Ein Sektionschef wurde vergiftet. Marek ermittelt und verfolgt eine Spur sogar nach Berlin. Doch diese verläuft im Sande. Ein zweiter Mord geschieht und der Oberinspektor sieht allmählich klar ...

Mit „Mord im Ministerium“ tauchen wir in eine Welt ein, die der gelernte österreichische Staatsbürger nur zu gut kennt: eine Welt, in der es vor Sektionschefs, Sektions-, Hofräten und anderen Titelträgern nur so wimmelt. Und praktischer Weise lernen wir auch gleich deren Gattinnen kennen, die selbstverständlich die Titel ihrer Männer mit übernehmen. Die Gattin des Herrn Sektionschefs wird so mit „Frau Sektionschef“ angeredet, wie man im Übrigen hier in Österreich auch gelegentlich noch die Ehefrau des Arztes völlig unkorrekter Weise mit „Frau Doktor“ anspricht. Die feinen Damen prahlen mit Nerzen und spielen Bridge, haben in ihrem Leben allerdings nichts erreicht, außer dass sie sich eben die genannten Beamten geangelt haben. Im Endeffekt steckt hinter den Morden folglich auch eine Beziehungstat. Der zuerst ermittelnde Inspektor Gareis von der Staatspolizei wird von einem Sektionschef gleich übel angeredet, indem ihm mit einer Beschwerde bei seinem Chef gedroht wird. Prompt setzt in der zuständige Hofrat auf einen anderen Fall an, er wird praktisch zu einem Sondereinsatz (ein Staatsbesuch aus Uganda) weggelobt, um im pikanten Mordfall nicht weiter herumzuschnüffeln.
Schließlich macht sich Eckhardt mit dieser Folge ein wenig über die österreichische Bürokratie und die Titelverliebtheit in diesem Land lustig. Gleichzeitig erzählt er aber auch eine halbwegs spannende Kriminalgeschichte, die ihn als Marek sogar nach Berlin führt, wo er nur kurz mit „Tatort“-Kommissar Kasulke (Paul Esser, der allerdings selbst nur zwei Fälle löste und 1974 schon zwei Jahre keinen Fall mehr hatte) zusammentrifft, aber dafür um so mehr vor der Kulisse des Ku‘damms mit dem Gentlemanagenten Alfonse, wunderbar gespielt von Ivan Desny, zusammentrifft. Ansonsten hat diese Episode sehr viel Charme. Nett ist die Idee mit Mareks altem Anzug, die zum Running Gag dieser Folge wird. Am Beginn der Geschichte ruft Frau Marek Bezirksinspektor Wirz an, und bittet ihn, ihren Mann endlich davon zu überzeugen, dass er seinen 12 Jahre alten Anzug wegwirft und einen neuen kauft. In der Tat trägt Marek immer das gleiche Kleidungsstück, was auch Wirz aufgefallen ist. Doch der Bezirksinspektor wartet mit dem Gutzureden bis Marek „wieder besser gelaunt ist“. Nach einer weiteren humorvollen Szene im Ministerium, bei der es Wirz natürlich nicht gelingt, Marek zu überzeugen, taucht der Oberinspektor mit einem neuen grauen Anzug auf. Nach seiner Rückkehr aus Berlin ärgert er sich allerdings darüber, dass seine Frau sein ganzes altes Gewand verschwinden ließ. Dieses taucht aber am Ende der Episode wieder auf, denn der von Jaromir Borek dargestellte kleine Ganove wird nur des Einbruchs überführt, weil er Mareks alten Anzug trägt.
Bei der Rollenlegende von Inspektor Bernter (Albert Rolant) kommt es in dieser Folge zu Ungereimtheiten. Hieß er in den s/w-Folgen noch „Rudi“, so gibt er in dieser Episode an, den Vornamen Engelbert zu tragen.
Ganz nebenbei wird nach einem Prostituiertenmörder gesucht, der schon vier leichte Mädchen auf dem Gewissen hat. Humorvoller Punkt: das Phantombild sieht Bezirksinspektor Wirz zum verwechseln ähnlich. Dieser wiederum streitet jegliche Ähnlichkeit ab. Aufgrund eben dieser wird er später in einer sehr humorvollen Szene von Dagmar Koller als verdeckter, Kärntnerisch sprechenden Ermittlerin aus Klagenfurt in ein Hotelzimmer gelockt und beinahe verhaftet.
Die Besetzung ist durchwegs passend, nur beispielhaft seien hier Susi Nicoletti und Erni Mangold in passenden Parts erwähnt.
Fazit: „Mord im Ministerium“ unterhält mehr durch Charme als durch Spannung. Wer harte Krimiaction sucht, wird sich aber ohnehin keine Marek-Episode anschauen.

Georg Offline




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14.12.2011 17:07
#13 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

TATORT WIEN - Mareks Fälle (5) (bzw. (13)):
Urlaubsmord

Tatort Nr. 55
Erstsendung (ARD/ ORF): 28.09.1975
Buch: Fritz Eckhardt
Regie: Peter Weck
Dauer: 89‘56‘‘
Darsteller: Fritz Eckhardt (Oberinspektor Marek), Kurt Jaggberg (Bezirksinspektor Wirz), Albert Rolant (Inspektor Berntner), Lieselotte Plauensteiner (Susi Wodak, Vertragsangestellte), Heinrich Schweiger (Tornay), Heinz Ehrenfreund (Boy), Herbert Propst (Kemater), Elisabeth Terval (Mimi Tornay), Grete Zimmer (Frau Pretzel), Walter Starz (Herr Kunze), Kunibert Gensichen (Herr Rascher), Gerti Gordon (Frau Tandler), Claudia Messner (ihre Tochter), Hubert J. Repnig (Kurarzt), Hanns Eybl (Gendarmerie-Bezirksinspektor Toitschnigg), Christian Futterknecht (Ministerialsekretär Vodicka), Hanns Obonya (Hofrat Neloda), Ingrid Burkhard (Frau Nager), Julia Gschnitzer (Frau Kelter), Tilla Hohenfels (Katja), Brigitte Neumeister (Thea), Brigitte Wasitzky (Stubenmädchen), Hilke Ruthner (Krankenschwester), Maria Englstorfer (Frau Gurka), Luise Prasser (Frau Frischler), Emanuel Schmied (Herr Koranda), Helmut Schleser (Herr Leitner), Karl Augustin (Herr Knoll), Erich Glavica (Winkler), Karl Mittner (Oberinspektor Müller), Ferdinand Kaup (Funkstreifenpolizist) und Gustl Bayrhammer (Gastkommissar Oberinspektor Veigl)

Oberinspektor Marek war drei Wochen in Kärnten auf Kur und hat 25 Pfund (das sind in Österreich 12,5 Kilo) abgenommen. Am letzten Tag kommt es zu einem Mord. Ein Drogendealer, der sich mit Oberinspektor Veigl von der Münchner Mordkommission treffen wollte, um ihm wertvolle Informationen zu geben, wurde erschossen. Zurück in Wien findet Marek selbst eine Leiche. Es handelt sich um Mia, eine Prostituierte. Natürlich hängen beide Fälle zusammen...

„In meinem Leben hab ich schon Hunderte von Kilos abgenommen ... und anschließend wieder zugenommen“ – diese Weisheit gibt Oberinspektor Marek an Oberinspektor Veigl (Gustl Bayhrammer) weiter, als sie beide im Kräuterbad sitzen. Marek ist in Kärnten auf Kur und hat – so ein Mitarbeiter der Kuranstalt – in drei Wochen 25 Pfund abgenommen. Veigl ist dort, um einen Rauschgiftdealer zu treffen, der aber erschossen wird. Natürlich gehört dieser Mord später zu jener Leiche, die Marek – wie er es selbst nennt – „praktischer Weise gleich selber (in Wien) findet“. Denn einmal im („Tatort“)-Jahr, bekommt das Kommissariat 24 „einen Mord vom Sicherheitsbüro zugeteilt“, so ebenfalls der nun wirklich etwas „schlankere“ Oberinspektor. Die Folge „Urlaubsmord“ ist der 5. „Tatort“-Beitrag und die in meinen Augen bisher beste und unterhaltsamste Folge. Das mag einerseits an dem witzigen aber auch spannenden Drehbuch von Fritz Eckhardt liegen, andererseits an der guten Inszenierung von Peter Weck, der fünf Jahre zuvor gemeinsam mit Eckhardt in der vorzüglich unterhaltsamen und liebenswerten Serie „Wenn der Vater mit dem Sohne“ die Hauptrolle spielte und nun für seinen alten Freund Eckhardt einen „Tatort“ inszenierte (nachdem dieser selbst zwei Mal am Regiestuhl gesessen hatte). Weck setzt auf eine ausgeglichene Verteilung der Szenen, diesmal spielt nur mehr rund ein Drittel der Handlung im Kommissariat, ansonsten gibt es neben den Außenaufnahmen im sommerlichen Kärnten zahlreiche andere Schauplätze. Interessant sind auch die Figuren und deren Darsteller, allen voran Heinz Ehrenfreund als heiterer Streifenpolizist (der so unweigerlich an seine Rolle als Alan Armadale in „Der rote Schal“ erinnert) und Heinrich Schweiger als psychisch kranker Ehemann, der Marek bittet, ihn vor seiner eigenen Triebhaftigkeit zu schützen und ihm gesteht, wie sehr er sich zu jungen Menschen (Kindern??) sexuell hingezogen fühlt. Genau aus diesem Grunde will er auch seine Frau umbringen. Er bittet Marek, ihn vor sich selbst zu schützen.
Inspektor Wirz trägt diesmal Schnauzbart und geht ziemlich forsch gegen seine Mitmenschen vor. Das betrifft sowohl den Kollegen Berntner, der diesmal sogar lebensgefährlich verletzt wird, als auch andere Personen. Ein Beispiel? Einer ehemaligen Prostituierten gibt er sich „als Vorstadtkiberer“ aus, „der nicht wie die Gentlemankollegen vom Sicherheitsbüro die Damen abholen und vorführen lassen, sondern direkt ins Haus kommt“. Danach „schmeichelt“ er ihr noch mit dem Kompliment: „Mit Ihrem G’sicht können’S auch keinen Picasso begeistern!“. Und auf die Aussage einer anderen leichten Dame „Bei Ihnen sieht man gleich, was Sie für einen Beruf haben“ kontert er mißbilligend: „Bei Ihnen auch!“. Überhaupt soll Wirz vom Minister ein Orden verliehen werden, weil er ein Kind aus der Donau gerettet hat. Wie diese Ordensverleihung am Ende der Folge (der Minister ist natürlich nicht da und lässt sich durch einen Sektionschef vertreten) aussieht, ist ein gelungener Abschlussgag für diese Episode. Überhaupt gibt es sehr viele komische Passagen – ein Beispiel: ein Kurarzt teilt einem Patienten mit, dass er am nächsten Tag wegen seines schwachen Herzens Gymnastik machen soll. Darauf der Kurgast: „A schwaches Herz hab i nit, höchstens a schwaches Hirn!“.
Fritz Eckhardt baut auch diesmal wieder die österreichische Bürokratie mit einem Augenzwinkern mit ein. Abgesehen davon, dass nun überall der damals neu amtierende Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger an den Wänden hängt, wimmelt es auch hier wieder an Ministerialsekretären, Sektionschefs und Hofräten. Über die Verleihung des Hofrattitels an seinen „jungen“ Freund Neloda wundert sich Marek: „Was, der is schon Hofrat?“. Fehler gibt es in der Geschichte samt gelungener Auflösung (auch wenn man als gelernter Krimischauer schon recht früh ahnen kann, wer der Täter ist) kaum. Lediglich die Außenaufnahmen in Kärnten (in der Reihenfolge, wie sie bei einer Autofahrt gezeigt werden) und die Alibis stimmen nicht ganz. Da ein Teil der Folge in meiner Heimat Kärnten gedreht wurde, erkennt man als Einheimischer natürlich sofort, dass die als Alibi angegebenen Kilometerangaben z.B. nicht stimmen können. Von Friesach (ich nehme an, der nicht genannte Kurort ist Treibach-Althofen, da man auch die Burg Hochosterwitz sieht) nach Klagenfurt, Pörtschach, Villach und retour, sind es z.B. niemals 500 km, sondern maximal 180-200. Schließlich ist anzukreiden, dass der Inspektor vom Gendarmerieposten Friesach – trotz typisch Kärntnerischen Nachnamens – nicht Kärntnerisch spricht, sondern einen nordösterreichischen Dialekt.
Ansonsten überzeugt „Urlaubsmord“ vollkommen, eine ebenso amüsante wie spannende Folge mit Viktor Marek!
P.S.: Dass Marek „Viktor“ mit Vornamen heißt, könnte den Grund haben, dass Eckhardts Vater – der als Jude im KZ gestorben ist – so hieß und der Schauspieler und Autor als Hommage an diesen Mann seine Figur so genannt hat.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

14.12.2011 17:36
#14 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

Eine köstliche und zutreffende Analyse der Folge, Georg, die mich beim Lesen ein paar Mal schmunzeln ließ. Auch für mich ist "Urlaubsmord" eine der besseren Episoden (wenn auch vielleicht Heinrich Schweiger in der Kommissariats-Szene etwas übertreibt), die Folgen aus der zweite Häfte der 70er-Jahre zählen aus meiner Sicht überhaupt - zusammen mit einigen Schwarzweiß-Vor-Tatort-Episoden - zu den gelungensten der Marek-Ära. Einziger Ausreißer ist "Der vergessene Mord", was vielleicht auch auf die gegensätzliche künstlerische Auffassung von Eckhardt und dem Regisseur dieser Folge, Peter Patzak, zurückzuführen ist.

Georg Offline




Beiträge: 2.886

16.12.2011 16:54
#15 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Marek (Fritz Eckhardt) Zitat · antworten

TATORT WIEN - Mareks Fälle (6) (bzw. (14)):
Annoncen-Mord

(Tatort Nr. 66)
Erstsendung (ARD/ ORF): 12.09.1976
Buch: Fritz Eckhardt
Regie: Peter Weck
Dauer: 87‘48‘‘
Darsteller: Fritz Eckhardt (Oberinspektor Marek), Kurt Jaggberg (Bezirksinspektor Wirz), Albert Rolant (Inspektor Berntner), Lieselotte Plauensteiner (Susi Wodak, Vertragsangestellte), Helma Gautier (Lona Heller), Axel von Ambesser (Udo von Kahlreuth), Michael Toost (Pondra), Edd Stavjanik (Kramreiter), Gusti Wolf (Grete Bändler), Elisabeth Stiepl (Maria Hillmann), Bibiane Zeller (Frl. Neumann), Kitty Mattern (Frau Zwerschina), Ulli Fessl (Johanna Hassmann), Reinhold Tischler (Betriebsleiter Kellner), Kurt Sobotka (Nachtportier Ullrich), Carlo Böhm (Hausdiener), Mircea Krishan (Mirko Kolarovic), Bruno Thost (Korf), Helmi Mareich (Gerda), Mizzi Tesar (Frau Hess, Hundebesitzerin), Ingrid Malinka (Stubenmädchen), Karl Winkler (Barmanager), Franz Waldeck (Beamter vom Erkennungsdienst), Wilhelm Sedelec (Funkstreifenbeamter), Helmut Nymec (Polizist in der Bar), Friedrich Jores (Ober), Fritz Widhalm-Windegg (Kegel, Polizist), Thomas Pascher (Bub am Fahrrad), Knut Hinz (Hauptkommissar Brammer)

Der Tote aus der Donau ist ein Mann namens Kreiwild, der sich auf eine Heiratsannonce gemeldet hatte, deshalb nach Wien fuhr und seitdem verschwunden war. Marek ermittelt in dem Fall von Giftmord, der allerdings nicht der einzige dieser Art ist. Schon wenig zuvor gab es nämlich eine andere Wasserleiche ...

„Wieder ein Mord? Dann wird wieder die ganze Zeit mit Ihnen nicht zu reden sein?“ - „Mit mir ist nie zu reden!“ – So antwortet Oberinspektor Marek auf eine Feststellung seiner Sekretärin Susi Wodak. Ein Fall, der es in sich hat. Peter Weck inszenierte diesen sechsten Fall und bannte diesmal endlich alles auf Film. Die Geschichte selbst lebt von großen und kleinen Pointen, ist hinreißend um den älteren Mann ärmlicher gräflicher Abstammung und mit „von“-Titel-Tick (hervorragend gespielt von Axel von Ambesser) konstruiert, der Damen mit Abführmittel verabreichte Pralinen verabreicht, um sie anschließend ausrauben zu können. Zudem erfahren wir etwas aus Mareks Vergangenheit und Gegenwart. Die Spur führt in eine Firma, in der Mareks Jugendliebe die Chefin war. Voller Vorfreude begibt sich der schwergewichtige Ermittler dorthin und meint zum Kollegen Wirz: „Sie war eine Jugendliebe von mir, bin gespannt, wie sie heute ausschaut!“ Daraufhin seufzt Wirz, blickt den vülligen Marek von oben bis unten an, schüttelt den Kopf und meint: „Wenn die nach Dir geht ...“. In der Firma muss er dann erfahren, dass die Dame seit zwei Jahren tot ist. Ihre Tochter erzählt aber, dass ihre Mutter oft von „Viktor“ (Marek) gesprochen hat, den sie „Wickerl“ genannt hat. Daraufhin Marek zu ihr: „Beinah‘ wären Sie mein Sohn geworden, i hab mir immer an Sohn gewünscht, aber dann hab‘ i a Tochter bekommen“. Als sich die Fast-Tochter ziemlich stur anstellt meint sie: „Den Dickschädl hab i von meinem Vater“, worauf Fast-Vater Marek erwidert: „Ja, den hätten‘S von mir auch gekriegt!“
Wunderbar resch agiert wieder Kollege Wirz, der zwei ältere Damen verhört, die auf den Schwindler hereingefallen sind. Wirz: „Mich interessieren keine erotischen Details“. Die ältere Dame: „Sie denken bei mir an Erotik?“. Wirz schaut sie an und schüttelt „charmant“ den Kopf: „Nein, ganz sicher nicht.“
In einer anderen Szenen wiederholt sich etwas, das so ähnlich schon eine Folge zuvor vorgekommen ist. Wirz wird von einem zwielichtigen Typen angesprochen: „Herr Inspektor?“ – Wirz: „Woher wissen Sie das?“ – der Typ: „Ich erkenn Ihresgleichen am Gesicht“. Wirz: „Wie lange waren Sie drinnen?“ – „5 Jahre - Woher wissen Sie das?“ Darauf Wirz: „Ich erkenn Euresgleichen auch am G‘sicht“.
Wunderbar ist Wirz‘ Kombinationsgabe. Als der Nachtportier, den er wie alle dubiosen Gestalten grundsätzlich duzt, sich bei ihm wie folgt beschwert: „I hab über 100 Strafzettel, wissen Sie was das heisst?“, erwidert er: „Dass sie mindestens 200 Mal falsch geparkt haben!“
Als Wirz nicht weiß, wo er die Nacht verbringen soll, redet ihm Marek das Büro aus: „Hier kannst nicht schlafen - obwohl, das würd‘ ja auch nicht auffallen!“ - darauf Wirz: „Oh ja, ich schnarche!“
Das sind nur einige wenige Beispiele für die ständigen unterhaltsamen Nörgeleien und charmanten Dialoge. Beinahe ein slapstickartiger Sketch für sich ist jene Szene, in der Inspektor Berntner den jugoslawischen Wirt befragt und dieser nach Beantwortung jeder Frage zu seiner Flasche Schnaps mit den Worten „Muss ich trinken Sliwowitz“ greift. Dies wiederholt sich gefühlte zehn Mal, als endlich das Essen serviert wird. Daraufhin steht der Wirt erneut auf, schenkt sich ein und verkündet: „Vor Essen ich immer trinken Sliwowitz!“
Aber die Klärung des Mordfalls gestaltet sich nicht nur unterhaltsam, sondern auch spannend. Fritz Eckhardt konstruiert eine durchaus mitreißende Kriminalgeschichte (natürlich völlig ohne Gewalt), die diesmal sogar in einen Nachtclub führt. In dieser Szene wird Hauptkommissar Brammer (Knut Hinz) als Gastkommissar eingebaut, der in den Jahren 1974-1977 vier Mal auf Verbrecherjagd ging (davon zweimal unter der Regie von Jürgen Roland). Am Ende spielt Marek selbst den Lockvogel, indem er auf die gefährliche Annonce selbst antwortet und gerät so in Gefahr. Anders als in den Fällen zuvor ist seine Waffe diesmal allerdings geladen, um sich gegen den Täter wehren zu können.
Peter Weck – der diesmal seltsamer Weise auf Titeleinblendungen im Vorspann völlig verzichtet – ist ein sehr guter, unterhaltsamer Film gelungen, der von Anfang bis Ende unterhält und natürlich wie bei Eckhardt obligatorisch mit einer Schlusspointe endet. Diesmal damit, dass Wirz eine mit Abführmittel gefüllte Praline isst. Durch den anschließenden – wohl durch mehrfachen Toilettenbesuch bedingten – Ausfall des Bezirksinspektors muss Marek auf Wirz‘ Weisheiten wie „Wien ist groß!“ (auf die er mit „Das is‘ a Neuigkeit, darauf wär‘ i gar nit gekommen! Dankeschön!“ kontert) oder „Normalerweise reiß‘ i mi um keine Arbeit!“ (Marek: „Ist mir bekannt!“) verzichten.
Fazit: „Annoncenmord“ macht Lust auf mehr!

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