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Dieses Thema hat 56 Antworten
und wurde 7.924 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Jan Offline




Beiträge: 1.308

07.06.2018 08:15
#46 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Die Parallele zu Reineckers Lieblingsthema der "verkommenen" Tochter zu ihren rechtschaffenden Eltern sehe ich in "Nachtrost" nicht in dieser Deutlichkeit. Im Zentrum von Herbert Lichtenfelds Buch steht - meiner Erinnerung nach (ich habe den Film viele Jahre nicht gesehen) - vielmehr der unter Verdacht stehende Marcel Werner und dessen Beziehung zu seinen Eltern. Soweit mich meine Erinnerung nicht trügt, lebte das Mordopfer vor ihrem Dahinscheiden bei einem über die Dauer des Films recht teilnahmslos erscheinenden Onkel oder Großvater. Insofern verlagert sich das eigentliche Beziehungsdrama auf zwei Generationen, die die Filmdauer über lebend gezeigt werden. Reinecker mühte sich zwar auch bisweilen, den Generationenkonflikt auszuweiten, in dem er beispielsweise eine am Leben befindliche Schwester der Toten in die Geschichte aufnahm, wie er es in der "Kommissar"-Episode "Die Tote im Park" tat. Die eigentliche Tote indes ist in "Nachtfrost" vielmehr Beiwerk, währenddessen sie in zahlreichen Reinecker-Büchern als Vertreterin der verrohten Jugend entsprechend bestraft wird, daher zu sterben hat und - als Tote - im Zentrum steht. Lichtenfeld geht ein stellungbeziehendes Gut und Böse recht deutlich ab. Die eigentliche Erklärung für das Arbeiten als Callgirl ist bei Lichtenfeld die schnelle Mark und nicht das Auflehnen gegenüber einer verklemmten Eltern-Generation. Reinecker'sches Gedankengut mischt sich eher schon in die Darstellung des jungen Marcel Werner und seiner recht herrischen Filmmutter Ulaa Jacobssen. Allerdings bleibt Herbert Lichtenfeld hier unparteiischer, bleibt bei den Motiven des Jugendlichen vielschichtiger, auch weil er schlicht 60 Minuten mehr Zeit hat für die Schilderung.

Die Episode "Nachtfrost" lebt aus meiner Sicht vor allem durch den famosen Marcel Werner, unverkennbar in Aussehen und Schauspieltalent der Sohn Hanns Lothars. Es ist jammerschade, dass dieses Talent so jung verstarb. Werner ist ein regelrechter Glücksgriff in der Besetzung. Er deckt die Bandbreite zwischen depressiver Teilnahmslosigkeit und proaktivem Handeln überaus eindrucksvoll ab, bleibt für den Zuschauer schwer durchschaubar und dennoch stets glaubwürdig, lehnt sich gegen seine Filmeltern auf und sucht dorch wieder Zuflucht. Das ist behutsam geschrieben und hervorragend verkörpert.

Wenn man hätte kürzen wollen, dann aus meiner Sicht am ehesten am Ende. Die auffahrende Hundertschaft der Polizei ist zwar optisch reizvoll in Szene gesetzt, jedoch letztlich überflüssig. "Alle gegen einen" oder eine Art "Jagd auf das wilde Tier" waren vermutlich Petersens Intention hinter dieser Szene. Das ist ihm gelungen, wenngleich das Ganze sicher noch einmal zehn Minuten Spielzeit einfordert. Für Wofgang Petersen darf diese Massenszene indes als gutes Arbeitszeugnis für spätere Hollywood-Großproduktionen gelten. Hier zeigte sich schon früh, wie fingerfertig Petersen in der Inszenierung derartiger Aufzüge ist.

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 972

09.06.2018 01:01
#47 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Fall Nr. 5: Kurzschluss (Tatort-Folge 58, BRD 1975)

Regie: Wolfgang Petersen

Darsteller: Klaus Schwarzkopf, Wolf Roth, Günter Lamprecht, Dieter Laser, Georg Lehn u.a.



Nachdem der Kleinkriminelle Kallweit mit Erfolg eine kleine Bankfiliale überfallen hat, "streikt" plötzlich sein Fluchtauto. Kurz entschlossen nötigt er einen ihm Unbekannten, ihn mit dessen Fahrzeug vom Tatort wegzubringen. Polizeiobermeister Friedahl befindet sich gerade auf Streife und nimmt alsbald die Verfolgung auf. Es entwickelt sich eine Verfolgungsjagd. In einer Kurve springt Kallweit aus dem Wagen und versteckt die Beute. Freidahl, der auch zu Fuß die Verfolgung aufgenommen hatte, erwischt den Bankräuber nicht. Dafür entdeckt er die Beute, lässt diese aber am Fundort zurück...

Anders als bei der Vorgänger-Folge „Nachtfrost“ bekommt man in „Kurzschluss“ eine Story geboten, die ohne Wenn und Aber eine Lauflänge von über 90 Minuten rechtfertigt. Ähnlich wie in den besseren Haferkamp-Folgen wird hier auch ohne Whodunit beste Spaannung geboten. Es ist schlicht und ergreifend fesselnd, den Beteiligten und ihrem Schicksal beizuwohnen und zu erahnen, wie sie reagieren werden. Wer holt sich zuerst die versteckte Beute? Der unberechenbare Bankräuber Kallweit oder der verschuldete Polizeiobermeister? Wird der von Georg Lehn dargestellte Vertreter Höllbrock, dessen sich Kallweit bemächtigte und zu seinem Fluchtfahrer wider Willen machte, zur Polizei gehen, obwohl ihm der Führerschein entzogen wurde und er so selber Konsequnezen fürchten muss?

Nicht minder spannend gestalten sich die Ermittlungen. Finke geht zuerst von zwei Tätern aus und der mit überlegenem Wissen ausgestattete Zuschauer fragt sich zwangsläufig, wie der sympathische Kommissar den Tathergang wird korrekt konstruieren können und dem wichtige Informationen zurückhaltenden Polizeiobermeister wird unter Druck setzen können. Die Spannung bleibt konstant, da sich in regelmäßigen Abständen dramatische Wendungen ereignen. Der actionreiche Showdown ist ein stimmiger Abschluss für die sich im Laufe der Handlung immer tiefer hineinreitenden Beteiligten, für die es am Ende um „Alles oder nichts“ geht.

Dieter Laser als Bankräuber Kallweit sowie Günter Lamprecht als Polizeiobermeister Freidahl setzen mit ihren schauspielerischen Darbietungen der Folge ihen Stempel auf. Nach Abstinenz in der letzten Folge sieht man wieder Wolf Roth an der Seite von Kommissar Finke. Er hat dank seiner Kombinationsgabe entscheidenden Einfluss auf die Lösung des Falles.


„Kurzschluss“ geizt nicht mit spannungssteigernden Momenten und fesselt so den Zuschauer über weite Teile der über 90 Minuten Laufzeit. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 972

12.06.2018 21:55
#48 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Fall Nr. 6: Reifezeugnis (Tatort-Folge 73, BRD 1977)

Regie: Wolfgang Petersen

Darsteller: Klaus Schwarzkopf, Nastassja Kinski, Judy Winter, Christian Quadflieg, Markus Boysen, Rüdiger Kirschstein, Friedrich Schütter u.a.



Die 17-jährige Schülerin unterhält eine intime Beziehung zu ihrem Lehrer Fichte. Als der mit Sina durch platonische Freundschaft verbundene Michael die beiden eines Tages im Wald beim Liebesakt beobachtet, setzt Michael Sina unter Druck, ihm auch Geschlechtsverkehr mit ihr zu erlauben, andernfalls werde er das strafbare Verhältnis öffentlich machen...


Besprechung enthält leichte Spoiler.

Da ist er nun, der wohl bekannteste „Tatort“ aller Zeiten. Die Grundkonstellation dürfte damals wie heute Wallace-Fans nicht neu erscheinen: der männliche Teil eines an der gleichen Schule unterrichtenden Lehrerehepaares betrügt seine Frau mit einer seiner Schülerinnen. Der Lehrer gerät im Laufe der Tat unter Mordverdacht. Die Ehe erscheint am Ende (wohl?) gerettet. Soweit die Parallelen. Anders als in „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ geht in „Reifezeugnis“ indes kein Frauenmörder um, sondern die von Nastassja Kinski verkörperte Sina erschlägt ihren aufdringlichen Freund Michael, der Sina mit ihrem Lehrer beim Geschlechtsverkehr im Wald beobachtet hatte und sie in der Folge ebenfalls zum Beischlaf nötigen wollte.

Da sich größere Wendungen im Laufe der Handlungen nicht einschleichen, ist auch diese Episode zu lang geraten. Was den Film neben der auch heute noch aktuellen, aber nicht mehr ganz so „brandheißen“ Thematik zu einer gelungenen Folge macht, ist die Figurenzeichnung der Hauptakteure durch Herbert Lichtenfeld sowie die Leistungen der sie verkörpernden Darsteller. Bemerkenswert ist vor allem die Figur Frau Dr. Fichtes, angenehm dezent gespielt von Judy Winter. Sie erfährt von der Affäre ihres Mannes und zeigt sich Sina gegenüber erstaunlich menschlich und nachsichtig und zwar in einem Maße, dass es fast schon wieder unrealistisch ist. Dank des zurückhaltenden Spiels von Winter geht jedoch die Rechnung auf. Sie ist im Grunde die sympathischste Figur. Nastassja Kinski macht ihre Sache als schmollmündige junge Schönheit ebenfalls sehr gut, da es ihr gelingt, trotz gewisser altersmäßig nachvollziehbarer Naivität in ihrem Verhalten und Reden nicht nervend auf den Zuschauer wirken. Christian Quadflieg muss sich da ein wenig hinten anstellen. Seine Figur sieht sich natürlich zum einen rechtlichen und moralischen Vorwürfen ausgesetzt, reagiert aber auch zwischenmenschlich nicht immer so, dass man wirklich Mitleid für ihn und seine Situation empfindet. Ähnlich scheint Kommissar Finke zu denken. So unterbricht er seinen Kollegen Franke, der diesmal anstelle von Jessner mit von der Partie ist, bei seinen Ausführungen, wonach Fichte und Sina seiner Meinung nach ein schönes Paar abgäben, wenn Fichte nicht verheiratet und Sinas Lehrer wäre. Am Schluss hält er Fichte zurück, als er Sina in den Arm nehmen will. Von den drei Hauptfiguren bleibt der von Quadflieg gegebene Lehrer mithin die blasseste.

Auf die inhaltlichen Fehler, dass verheiratete Lehrer nicht dieselbe Klasse unterrichten dürfen und eigenen Schülern keinen Nachhilfeunterricht geben dürfen, wurde oben schon hingewiesen. Insgesamt dürfte der Film seinen Klassiker-Status zu einem erheblichen Teil dem Zeitpunkt seines Erscheinens sowie Nastassja Kinskis frühreifer Ausstrahlung zu verdanken haben, dennoch ist er ein äußerst reizvolles Zeitdokument und unterhält auch heute noch sehr gut.


Etwas lang geratener, aber dank kluger Figurenzeichnung und guten Schauspiels dennoch fesselnder ehemaliger „Skandal“-Tatort. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 972

16.06.2018 09:51
#49 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Bevor nachher wieder der Ball rollt, reiche ich hiermit noch meine Bewertung des letzten Finke-Tatorts nach...

Fall Nr. 7: Himmelfahrt (Tatort-Folge 90, BRD 1978)

Regie: Wolfgang Petersen

Darsteller: Klaus Schwarzkopf, Gerhard Dressel, Diether Krebs, Volker Eckstein, Bert Breit, Barbara Breit, Dominique Horwitz u.a.



Mehrere Mitglieder der Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Doetersen werden kurz hintereinander durch Gewehrschüsse aus dem Hinterhalt schwer verletzt. Schon bald stellt sich heraus, dass die Männer ein Geheimnis verbindet...

Zum Abschluss gibt es einen gewissen Bruch innerhalb der Finke-Ära, denn erstmals sitzt nicht Wolfgang Petersen auf dem Regiestuhl und auch Komponist Nils Sustrate, der ein eigenes „Finke-Thema" kreiert hatte, war nicht an der letzten Produktion beteiligt. Daher kann man diese Folge durchaus für überflüssig ansehen, geht mit ihr doch eine gewisse Geschlossenheit verloren. Der Film selbst ist solide, wenngleich einmalmehr ein Schwerpunkt auf dem dramatischen Moment liegt und mitunter ein wenig dick aufgetragen wird. Der Hintergrund der Taten wird durch mehrere Rückblenden früh klar. Keiner besonderen Kombinationsgabe bedarf es in der Folge, um den Täterkreis auf zwei Personen zu minimieren. Das nimmt dem ganzen freilich ein wenig die Spannung. Immerhin ist die Episode gerade unter den „bösen Buben“ gut besetzt. Es agieren u.a. Diether Krebs sowie Volker Eckstein, der schon in „Blechschaden“ einen guten Eindruck hinterlassen hat.

Als Ausstands-Folge für Finke taugt „Himmelfahrt“ insofern nur sehr bedingt, als er verhältnismäßig wenig Auftritte hat. Das liegt ein Stück weit auch daran, dass die Episode vergleichsweise kurz daher kommt. Gingen einige andere Folgen 105 Minuten und länger, dauert die finale Episode nur knapp 85 Minuten. Erneut hat der Kommissar zudem einen neuen bzw. anderen Partner. Es ist ein wenig schade, dass man hier außerhalb von Wolf Roth für keine Kontinuität sorgte.


Solide Folge mit etwas viel dramatischem Ballast, die formal aufgrund der Abwesenheit von Petersen und Sustrate einen gewissen Bruch darstellt und Finke nur wenig Screentime verschafft. 3 von 5 Punkten.

Jörg-Peter Bartling Offline



Beiträge: 1

16.06.2018 20:06
#50 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Dieter Krebs war danach bei Rudi Carrell im laufenden Band, Rudi sprach von einer undankbaren Rolle, weil Dieter halt der (gut gespielte) Bösewicht war.

Ray Offline



Beiträge: 972

18.06.2018 07:15
#51 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Interessant. Ja, bei Krebs läuft man leicht Gefahr, ihn auf seine komödiantischen Rollen ("Ein Herz und eine Seele", "Sketchup" usw.) zu reduzieren. Was ich bisher von ihm im Krimifach gesehen habe, kann sich aber auch durchaus sehen lassen. So auch seine Darbietung hier. Kennt jemand eigentlich sein einmaliges Gastspiel als Tatort-Kommissar und kann was dazu sagen?

Havi17 Offline




Beiträge: 3.001

18.06.2018 11:46
#52 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Dieter Krebs kann auch hervorragend Krimirollen spielen z.B. in Roter Kaviar (Polizeiruf 110 Volpe
unter der bewährten Regie von Ulrich Stark "Soko5113")

Gruss
Havi17

Jan Offline




Beiträge: 1.308

18.06.2018 22:09
#53 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #51
Kennt jemand eigentlich sein einmaliges Gastspiel als Tatort-Kommissar und kann was dazu sagen?

Ich habe das vor x Jahren mal gesehen und war nur so halb begeistert. Ziemlich dröge Kost, wenn ich's noch recht weiß.

Krebs war ja auch bei Ringelmann und Gräwert beschäftigt. Ein durchaus wandelbarer und sehr überzeugender Darsteller; leider auch viel zu früh verstorben, wenn man mal bedenkt, dass Krebs bald 20 Jahre (!) tot ist.

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 972

19.06.2018 20:05
#54 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Danke für deine Rückmeldung. Bei einem einzelnen Auftritt ist eine DVD-Veröffenlichung ja ohnehin unwahrscheinlich, Ausstrahlungen scheint es auch nicht allzu oft zu geben. Könnte öchstens vielleicht mal wieder bei einem runden Geburtstag von Krebs passieren, aber das hatten wir ja erst letztes Jahr. Aber das scheint nach deiner kurzen Einschätzung auch keine allzu große Entbehrung zu sein.


Hier noch mein Abschlussfazit zur Ära Finke:


Nach den Tatorten mit Hansjörg Felmy mit Kommissar Haferkamp waren die Fälle um Kommissar Finke die ersten, die ich aus dieser Zeit von einem einzelnen Ermittler chronologisch durchgesehen habe. Finke nimmt in den einzelnen Folgen längst nicht so viel Raum ein wie Haferkamp, nicht zuletzt deshalb weil anders als beim Essener Kollegen das Privatleben gänzlich unbeleuchtet bleibt. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Finke keinen in allen Folgen auftauchenden Partner hat. Wolf Roth ist immerhin in vier Episoden an seiner Seite, in den anderen Fällen hat Finke indessen leider jeweils wechselnde und völlig austauschbare Kollegen. Finke agiert zurückhaltender als Haferkamp, ist aber ebenfalls kein Übermensch, der einen Fall in Windeseile oder aufgrund überragender Kombinationsgabe löst. Er tastet sich vielmehr in der Regel langsam an die Lösung des Falles heran. Schwarzkopf besticht durch seine zurückhaltende, unterkühlte Art. Erheblich zehrt er zudem von seiner charismatischen Stimme, die seinem Auftreten eine ureigene Ruhe veleiht. Dadurch, dass man ihn nie im privaten Bereich sieht, wird auch nicht recht klar, inwiefern Finke die Arbeit samt ihrer Probleme „mit nach Hause nimmt“.

Vom Krimi-Typ her hat man es in den sieben Fällen nur einmal mit einem typischen Whodunit zu tun, ansonsten wird die Spannung wie auch oft in der Ära Haferkamp aus anderen dramatischen Kniffen erzeugt, was überwiegend aufgeht. Vor allem die auswärtigen Einsätze Finkes und dabei in besonderem Maße „Strandgut“ verleihen dem Ganzen ein angenehmes (Urlaubs-)Flair. Nils Sustrate komponierte ein gelungenes „Finke-Thema“ und sorgt in den sechs Folgen, in denen er mit von der Partie ist, für eine stimmige musikalische Untermalung. Die Inszenierung durch Wolfgang Petersen – ebenfalls sechs von sieben Folgen – weiß ebenfalls überwiegend zu gefallen. Inhaltlich scheut man nicht vor „heißen Eisen“. Vergewaltigung samt traumatischer Folgen für die Opfer sowie intime Beziehungen zwischen Lehrern und Schülerinnen gehören zu den behandelten Themen. Typisch 1970er-Jahre gab man sich generell recht freizügig.

Wer wie ich großen Wert auf Gaststars vor allem mit Background 1960er-Jahre-Krimi legt, muss in einigen Folgen Abstriche machen. Dennoch sind in den sieben Folgen u.a. Wolfgang Kieling, Götz George, Ruth Maria Kubitschek, Ingeborg Schöner, Judy Winter, Heidy Bohlen, Nastassja Kinski, Jürgen Prochnow, Diether Krebs, Volker Eckstein, Friedrich Schütter oder Günther Lamprecht zu sehen.

Im Hinblick auf die einzelnen Folgen hat mir „Strandgut“ aufgrund der Atmosphäre, den überraschenden Wendungen und dem bedrückenden Finale am besten gefallen. Dahinter reiht sich der „Skandal“-Tatort „Reifezeugnis“ dank seiner geschickten Figurenzeichnung ein. Komplettiert wird das Treppchen durch den spannenden „Kurzschluss“. Im Einzelnen ergibt sich folgendes Ranking:

1. Strandgut (4,5/5)
2. Reifezeugnis (4,5/5)
3. Kurzschluss (4,5/5)
4. Blechschaden (4/5)
5. Nachtfrost (3,5/5)
6. Himmelfahrt (3/5)
7. Jagdrevier (2,5/5)


Rein objektiv bewegt sich die Ära Finke sicher auf einem Niveau mit jener Haferkamps. Aus dem Grunde, dass mir die Figur Haferkamp näher steht als diejene Finkes, im Essener „Tatort“ mehr Gaststars nach meinem Gschmack und in höherer Frequenz auftreten und bei Finke eine 5-Punkte-Folge fehlt, tendiere ich jedoch insgesamt zu Haferkamp.


Abschließend noch ein paar Worte zur DVD-Veröffentlichung. Keine „Tatort“-Klassiker-Box von Icestorm ohne Panne. Nachdem bei Trimmel Episoden fehlten und bei Haferkamp zwei in um rund 10 Minuten gekürzter Fassung vorlagen, liegen in der Finke-Box drei Episoden im falschen Bildformat, nämlich 16:9 vor. Immerhin, die Mängel nehmen qualitativ ab. Die Bildqualität ist im Schnitt „okay“. Wieerum erfreulich ist demgegenüber das Layout der Box, das im für die Klassiker-Boxen typisschen rot daherkommt und diesmal alle Folgen in separaten, dünnen DVD-Hüllen präsentiert. Auf diesen finden sich wie bei Haferkamp vorne und hinten Motive aus der entsprechenden Episode sowie Angaben zu Inhalt, Cast und Crew. Zusätzlich finden sich kursiv Fakten und/oder Kritiken (TV Movie, TV Spielfilm, Krimihomepage...) zur Folge. Letztlich gilt das, was auch für die Haferkmap-Box gilt. Wer von sämtlichen Folgen private Aufnahmen hat, kann getrost auf einen Kauf verzichten, wenn er keine Box im Regal stehen haben muss. Alle anderen können mit Abstrichen durchaus zugreifen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.315

19.06.2018 20:59
#55 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #54
... liegen in der Finke-Box drei Episoden im falschen Bildformat, nämlich 16:9 vor.

Danke für die "Warnung". Also doch lieber TV-Aufzeichnungen. Welche Folgen sind denn betroffen?

Ray Offline



Beiträge: 972

Gestern 14:59
#56 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #55
Zitat von Ray im Beitrag #54
... liegen in der Finke-Box drei Episoden im falschen Bildformat, nämlich 16:9 vor.

Danke für die "Warnung". Also doch lieber TV-Aufzeichnungen. Welche Folgen sind denn betroffen?


Es handelt sich um die Folgen "Blechschaden", "Strandgut" und "Himmelfahrt". Wer übrigens erwägt, sich die Box zuzulegen, sollte unbedingt Preise vergleichen, diesbezüglich geht die Schere aktuell ziemlich weit auseinander (14- ca. 40 €).

Havi17 Offline




Beiträge: 3.001

Gestern 22:33
#57 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Es lohnt sich die Filme digital im TV (DVB-S) aufzuzeichnen, hier wird
auf Qualität geachtet und die Bitraten lassen sich sehen.

Gruss
Havi17

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