Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 56 Antworten
und wurde 8.167 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Seiten 1 | 2 | 3 | 4
Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

04.12.2011 17:12
#16 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Und genau das meine ich!

Charisma definiert sowieso jeder anders.
Aber ein Mann, von dem eine Frau ein solches Verhalten toleriert - wenn das überhaupt möglich ist! - müßte ganz anders beschaffen sein...

Georg Online




Beiträge: 2.959

04.12.2011 21:30
#17 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

TATORT KIEL - Finkes Fälle (7):
Himmelfahrt

Erstsendung (ARD): 13.08.1978
Buch: Herbert Lichtenfeld
Regie: Rainer Wolffhardt
Darsteller: Klaus Schwarzkopf, Gerhard Dressel, Diether Krebs, Volker Eckstein, Peter Drescher, Eckhardt Heise, Mathias Einert, Andreas Seyferth, Britta Fischer, Susanne Schäfer, Bert Breit, Barbara Breit, Dominique Horwitz, Eos Schopohl,
Hans Peter Sternberg, Ferdinand Dux, Ingar Werdenigg, Henry Kielmann, Curt Timm, Egdar Bessen u. v. a.

Auf eine Gruppe von freiwilligen Feuerwehrmännern wird nach der Reihe geschossen. Niemand wird getötet, aber alle werden schwer verletzt. Der unbekannte Schütze zielt auf den Unterleib der Herren. Kommissar Finkes ermittelt in einem menschlichen Drama ...

Der letzte Fall von Kommissar Finke wurde von Rainer Wolffhardt – einem profilierten Fernsehspielregisseur – inszeniert. Das bedeutet: andere Kameraführung und andere Musik. Letztere steuerte nun nicht mehr Nils Sustrate bei, sondern der Österreicher Bert Breit, mit dem Rainer Wolffhardt 12 Jahre zuvor schon bei den ersten beiden Staffeln der Serie Pater Brown mit Josef Meinrad zusammen gearbeitet hatte. Dementsprechend unspektakulär ist auch der Soundtrack. Interessant ist umsomehr, dass Bert Breit auch die Schlüsselfigur im Film spielt. Er gibt den melancholischen Vater, der gemeinsam mit seinem jungen Angestellten die Vergewaltigung der Tochter durch eine Gruppe Feuerwehrmänner am Himmelfahrtstag 1977 rächt, sehr glaubwürdig und legt die Rolle recht depressiv an. Den Part des Opfers spielte offenbar seine eigene Tochter, da hier die äußerliche Ähnlichkeit nicht abzustreiten ist und die Darstellerin den selben Nachnamen trägt. Getragen wird die Episode, in der Kommissar Finke gewohnt menschlich agiert (aber viel zu wenig auf dem Bildschirm ist), von Diether Krebs. Er spielt hier einen rücksichtslosen, egoistischen Rowdy, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, um seine Interessen zu wahren. Die Rollen der anderen Feuerwehrmänner sind recht gut besetzt, unter anderem sind hier vor allem Volker Eckstein und Andreas Seyferth hervorzuheben.
Die Inszenierung arbeitet immer wieder mit kurzen Rückblenden, so dass schnell klar wird, was an besagtem Himmelfahrtstag tatsächlich passiert ist. Da man im Februar/ März 1978 drehte, ist in der Rückblende, die im Mai 1977 spielt, leider auch die Natur viel zu kahl. Doch das nur nebenbei. Insgesamt erzählt Herbert Lichtenfeld hier neuerlich ein menschliches Drama, ist an den Figuren und weniger am Krimi interessiert, sodass Himmelfahrt in meinen Augen der am wenigsten kriminalistische Film der Finke-Tatorte ist und im Vergleich zu allen anderen Fällen etwas seltsam (und das soll nicht negativ klingen) und wie ein Außenseiter anmutet.
Insgesamt aber kein würdiger Abschied für Finke, der - wie schon bemängelt - viel zu selten auftaucht. Klaus Schwarzkopf wollte danach nicht mehr, man versuchte zwar mehrfach ihn zurückzuholen, aber vergebens. Dafür spielte schon sieben Tatort-Fälle und ein gutes halbes Jahr später Hauptdarsteller Diether Krebs den Kommissar Nagel im nächsten NDR-Tatort Alles umsonst unter der kompetenten Regie von Hartmut Griesmayr.

Georg Online




Beiträge: 2.959

04.12.2011 21:34
#18 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Abschließendes Fazit: Klaus Schwarzkopf war eine unglaubliche Bereicherung für die Tatort-Reihe. Seine Präsenz, seine ruhige, menschliche Anlage der Rolle, in der er ständig unterspielt (so nannte er es selbst in einem Interview), verleiht den Filmen ein gewisses Etwas. Finke war bewusst kein Superheld, der sofort alles weiß und kann, sondern ein unscheinbarer Ermittler, der sich auch mal verrennen durfte, ehe er klar sah.
Hinzu kommen menschliche, spannende Geschichten von Herbert Lichtenfeld, der nur einmal wirklich von Anfang an auf ein Whodunit-Muster setzt, in den anderen Fällen aber aus anderen Zutaten die Spannung erzeugt. Dazu gesellt sich ein unglaublich tolles Lokalkolorit aus Schleswig-Holstein und eine außergewöhnlich gute, sanfte und teilweise unheimliche Musikuntermalung von Nils Sustrate. Gerade das Lokalkolorit machte das Besondere der damaligen Tatorte aus.
Es war eine Freude, all diese Filme wiederzusehen ...

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

05.12.2011 18:07
#19 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Eine wunderbare Einschätzung, die ich voll und ganz teile!

Übrigens hat Klaus Schwarzkopf für seine Rolle als Kommissar Finke auch von einem Kollegen sehr viel Lob erhalten. Hansjörg Felmy (als Heinz Haferkamp selbst ein sehr erfolgreicher "TATORT"-Kommissar) hat in einer Dokumentation auf die Frage, wer ihm als "Tatort"-Ermittler am besten gefallen hat, geantwortet: "Kläuschen Schwarzkopf, weil er der mit den besten und schönsten Zwischentönen war. Der leiseste eben und mit so ganz stillen Mitteln ..."

Gubanov Offline




Beiträge: 15.498

11.02.2012 00:30
#20 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

„Tatort“ #8: Blechschaden
Hauptkommissar Finke ermittelt in Sieverstedt

Regie: Wolfgang Petersen. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Das Polizeiteam: Klaus Schwarzkopf (Hauptkommissar Finke), Wolf Roth (Kriminalassistent Jessner), Horst Stark (Wachtmeister Brinkmann), Dieter Traier (Wachtmeister Schult), Walter Richter (Hauptkommissar Trimmel). Die Gastdarsteller: Friedrich Schütter, Ruth-Maria Kubitschek, Götz George, Volker Eckstein, Horst Beck, Eva Astor, Monica Kaufmann, Herbert A.E. Boehme u.a. Erstsendung: 13. Juni 1971.

Zitat von Tatort: Blechschaden
An diesem Abend geht für ihn alles schief: Weil seine Frau bemerkt hat, dass er sich eine Geliebte hält, gerät Bauunternehmer Alwin Breuke in eine solche Aufregung, dass er auf dem Nachhauseweg einen Fahrradfahrer überfährt und vom Tatort flüchtet. Um die Unfallspuren am Auto zu kaschieren, fährt er in seiner eigenen Auffahrt gegen einen Pfeiler – doch es ist unwahrscheinlich, dass er Hauptkommissar Finke damit täuschen kann.


Nach Heinz Drache stand auch bei mir Klaus Schwarzkopf ganz oben auf meiner Interessensliste der Tatort-Ermittler, weil der kleine Brandenburger im Film- und Fernsehgeschäft der Siebzigerjahre zu den größten Charakterköpfen zählte, die eine Produktion aufbieten konnte. Und tatsächlich ist es zuallererst seine Interpretation der Rolle des erfahrenen Kriminalers, mit der er diesen etwas länglichen „Tatort“ enorm aufwertet und zu einer Art Kabinettstück macht: Halbwegs zwischen sympathischer Bodenständigkeit und kaltschnäuziger Routine legt er ihn an, vermittelt stellenweise das Gefühl, ein Ziehvater für seinen Assistenten zu sein, stellenweise aber auch abschätzend auf ihn und auf die ländliche Umgebung, in die man ihn steckt, herabzublicken. Nie macht ihn das hochnäsig – dazu ist er zu gutmütig. Wozu auch den Unfallort besichtigen, wenn man erstmal einen Kaffee und ein Mittagessen bekommen kann?
Als eine weitere schauspielerische Granate hat man Friedrich „die Stimme“ Schütter verpflichtet, ein Ekel zu spielen, von dem sich nach und nach herausstellt, dass ein guter Teil der Darsteller eigentlich noch viel ekelhafter ist. Schütter macht sich sehr passabel in der Wandlung vom Täter zum Opfer und wirkt am verletzlichsten nicht etwa in seiner Unsicherheit, erpresst zu werden, sondern, als er erfährt, wem Finke letztlich noch auf die Schliche gekommen ist.
Abgesehen von dem zweiten Todesfall der Folge passiert in „Blechschaden“ aber ansonsten nur recht wenig Unerwartetes; als nicht ganz flüssig verkauft sich der Mittelteil, der zwar regelmäßig geschickte kleine inhaltliche Fortschritte aufführt, aber belegt, dass auch ein Wolfgang Petersen sich erst in das „Tatort“-Format eindrehen muss. Insgesamt würde er für sechs der sieben Finke-Fälle verantwortlich sein, aber nie Hand an den Ermittlungen eines anderen Kommissars anlegen. Herbert Lichtenfeld war da nicht so wählerisch und fertigte nach „Blechschaden“ noch 18 weitere Scripts an – es sei hierbei auch noch einmal an Draches Schlammschlacht mit ihm im Jahr 1987 erinnert.

Schwarzkopf und Schütter liefern sich ein stimmiges Duell, in dem Götz George und Ruth-Maria Kubitschek als zentrale, aber dennoch irgendwie undefinierbare und abstoßende Randfiguren agieren. Auch wenn das Setting schon überzeugt, darf für die kommenden Folgen gern noch etwas Dynamik aufgestockt werden. Noch 4 von 5 Punkten, da Erstlingsbonus.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.498

13.02.2012 09:00
#21 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

„Tatort“ #19: Strandgut
Hauptkommissar Finke ermittelt auf Sylt

Regie: Wolfgang Petersen. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Das Polizeiteam: Klaus Schwarzkopf (Hauptkommissar Finke), Wolf Roth (Kriminalassistent Jessner), Klaus Höhne (Hauptkommissar Konrad). Die Gastdarsteller: Wolfgang Kieling, Ingeborg Schöner, Dieter Kirchlechner, Rolf Zacher, Heidy Bohlen, Ulrich Matschoss, Wika Krautz, Fritz Hollenbeck u.a. Erstsendung: 25. Juni 1972.

Zitat von Tatort: Strandgut
Weil ihnen die Lockvögel abspringen, kommen zwei Erpresser, die kompromittierende Fotos an Personen des öffentlichen Lebens verkaufen, in arge Schwierigkeiten. Wer soll nun für ihren Unterhalt sorgen? Reicht die Verbitterung der beiden aus, die schöne Christa zu töten, oder muss Kommissar Finke den Mörder woanders suchen?


Georg schreibt, „Strandgut“ könne keine Steigerung im Vergleich zu „Blechschaden“ verbuchen. Da bin ich anderer Meinung: Von Anfang an weht eine unheilschwangere Brise über die Sanddünen und Reethäuser hinweg; das Treiben der beiden Erpresser wird so eindringlich in Szene gesetzt, dass sie als ultimative Gewissenlosigkeit erscheinen, ohne dabei, obwohl der Grat schmal ist, ins Chargieren abzufallen. Besondere Freude machen der Fluchtversuch Christas in Taxi und Eisenbahn, die Schlägerei in den Dünen und der fatale Abend, an dem sich der erste Todesfall ereignet – alle drei Momente zeugen von der handwerklichen Begabung Petersens, denn sie sind nicht nur rasant, sondern mit einigen optischen Raffinessen („Schlagschnitte“ etc.) in Szene gesetzt.
Um die Atmosphäre aber nicht zu düster zu gestalten, erfolgt die Einführung von Finke und Jessner auf sehr amüsante Weise: Undercover sollen sie auf Sylt ermitteln, als Vater-Sohn-Gespann – eine Situation, die so gut zu den Charakteren passt, dass man sogar noch mehr daraus hätte machen können, wäre man länger am Ball geblieben. – Dennoch bekommen Schwarzkopf und Roth einige hervorragende Szenen, die ihre Charakterisierung aus der vorangehenden Episode lückenlos fortsetzen. Anstatt stur hintereinanderweg zu ermitteln, meint Finke, er habe sich eine Badehose gekauft, denn die Gelegenheit am Strand müsse man doch ausnützen (x Jahre war er schon nicht mehr auf der Insel). Und die Szene, in denen Schwarzkopf und Roth aus den Fluten steigen und sich anschließend in einen Strandkorb setzen, lässt schließlich einerseits sehr wohl Assoziationen zur Vater-Sohn-Urlaubsstimmung aufkommen, andererseits aber auch entfernte Gedanken daran, wie lange Klaus Schwarzkopf, der an AIDS starb, mit seiner Homosexualität hinterm Berg hielt.
Das Urlaubsflair kommt in „Strandgut“ wunderbar zur Geltung. Gegenüber „Blechschaden“ gewinnen die Schauplätze eindeutig an Reiz. Aber auch darstellerisch gibt es wieder einigen Grund zur Freude, wenngleich ich Leser, die die Episode noch nicht kennen, hier vor Spoilern im Rest des Absatzes warnen muss. Man kennt die alte These, die besagt, dass berühmte Namen sich für kleine Rollen nur dann hergeben, wenn mehr dahintersteckt, als man zunächst vermuten würde. Diese Binsenweisheit brachte mich darauf, dass nur Wolfgang Kieling der Täter sein kann, wobei die Auflösung dennoch mit einigen Überraschungen aufwartet. Durch die doppelbödige Inszenierung wird beispielsweise offengelassen, ob nicht auch beim Tod von Christa etwas „nachgeholfen“ wurde; auch verrät die eindeutige Doppelbesetzung der hübschen Ingeborg Schöner nicht allzu viel, da ich sie für einen langen Teil der Spielzeit für die typische Praxis der unglaubwürdigen Geschwisterbesetzung jener Tage hielt. In Wahrheit entpuppt sie sich als raffinierter Trick, um eine Lösung aus dem Hut zu ziehen, die überraschend und ergreifend zugleich ist und bei der man einzig ahnen konnte, dass die Posskys nichts damit zu tun haben. Wie gesagt: Kirchlechner und Zacher sind richtig schöne Gangstertypen, aber sie wären am Ende als Mordbuben doch zu naheliegend gewesen.

Starke Folge, sowohl mit unvermitteltem Einstieg als auch überzeugendem Schluss. Die Laufzeit von 105 Minuten erscheint mir hier angemessener als beim Vorgänger. Ich lasse mich zu 5 von 5 Punkten hinreißen und verabschiede mich mit diesen Impressionen ebenfalls in den Urlaub. Für die Badehose dürfte es allerdings die falsche Jahreszeit sein.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

06.12.2015 18:00
#22 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten





● Folge 19: TATORT - STRANDGUT (D|1972)
mit Klaus Schwarzkopf, Wolf Roth und Klaus Höhne
Gäste: Ingeborg Schöner, Wolfgang Kieling, Rolf Zacher, Dieter Kirchlechner und Heidy Bohlen
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem O.R.F | eine Sendung des NDR
Regie: Wolfgang Petersen




Auf Sylt betreiben die Brüder Helmut und Karli Possky (Dieter Kirchlechner und Rolf Zacher) ein sehr lukratives Geschäft, indem sie solvente Herren in ihrem Urlaub erpressen. Zu diesem Zweck setzen sie die beiden attraktiven Damen Christa (Heidy Bohlen) und Manuela (Ingeborg Schöner) auf lohnende Objekte an, um in eindeutigen Situationen kompromittierende Fotos zu schießen. Als sich Christa mit dem angehenden Staatssekretär Warrlau (Ulrich Matschoss) einlässt, sich aber in ihn verliebt, beschließt sie, aus dem Geschäft auszusteigen, sehr zum Unmut der beiden Brüder, zumal Manuela sich mit dem selben Gedanken trägt, da sie mittlerweile mit dem Arzt Dr. Kühne (Wolfgang Kieling) liiert ist. In der Zwischenzeit reist Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) mit seinem Assistenten Jessner (Wolf Roth) nach Sylt, um die Erpressungsserie aufzudecken, und als nach einem Discobesuch auch noch die Leiche von Christa am Strand angespült wird, beißen sie bei den ohnehin schon schwierigen Befragungen endgültig auf Granit...

Wolfgang Petersen inszenierte in den Jahren von 1971 bis 1977 sechs "Tatort"-Fälle, die mir seinem Klassiker "Reifezeugnis" ihren Abschluss fanden. Der Kommissar-Finke-Fall "Strandgut" war bereits der zweite Beitrag des Emdener Regisseurs und kann zunächst mit dem herrlichen Schauplatz Sylt auftrumpfen, der in dieser neunzehnten Episode nicht nur für Nötigung und Erpressung, sondern auch für Mord dienen wird. Der Einstieg wird mit der klassisch gefärbten, und der trügerisch-einladenden Musik von Nils Sustrate geebnet, man sieht den Tatort Strand und die Wellen des Meeres, die verheißungsvoll das repräsentieren, was in diesem teilweise kraftvollen Verlauf alles noch zutage gebracht werden wird. Das Thema wird schnell durch zwei vermeintliche Voyeure eingeleitet, die sich in den Dünen verbergen, um eine pikante Situation, die allerdings selbst von ihnen konstruiert wurde, im Bilde festzuhalten. Die Bildgewalt entsteht nicht nur durch das besondere Setting, sondern vor allem durch die atemberaubende Heidy Bohlen, die wie so oft ohne Textilien auszukommen hatte, um hier ihre Strandgüter präsentieren zu können. Petersen gelingt es trotz der Zurschaustellung dieser Angelegenheit blendend, eine gewisse Intimität und Ruhe zu vermitteln. Hinzu kommt, dass in dieser dennoch überaus exponierten Situation nahezu spürbare Eindrücke zu greifen beginnen, die für Atmosphäre sorgen. Man hört den Wind, glaubt ihn beinahe zu spüren, die charakteristische Geräuschkulisse wird lediglich durch die beiden Fotografen gestört, die hin und wieder fluchen, wenn ihr Lockvogel Christa das Bild verdeckt und die Kamera gewährt insgesamt eine bemerkenswerte Nähe, vor allem im Zusammenhang mit Heidy Bohlen. Der Dialog mit ihrem wesentlich älteren Liebhaber diktiert eine nervöse Marschroute, die von Besorgnis und Angst durchzogen ist und bereits nach kürzester Zeit ahnt der Zuschauer nichts Gutes.

In der Anfangsphase wird man daher Zeuge eines recht straffen Tempos, bis es zu den Nachforschungen durch Kommissar Finke und seinen Assistenten Jessner kommt. Die Inszenierung erlaubt sich den Luxus der breit gefächerten Ermittlungsarbeit, die auch den Löwenanteil dieser Folge mit einer überdurchschnittlichen Länge ausmachen wird. Es ist daher nicht zu leugnen, dass sich gewisse Aussetzer in diesem bewusst detaillierten Verlauf breit machen, der phasenweise etwas zu behäbig im Erzählfluss wirkt, jedoch die Aufmerksamkeit glücklicherweise mit gelungenen Ergebnissen und Kehrtwendungen immer wieder forcieren kann. Hierzu trägt zunächst weniger der Kriminalfall, als der Kreis der Schauspieler bei, der durch die Bank mit dynamischen Leistungen überzeugen kann. Klaus Schwarzkopf als Kommissar vermittelt eine Ruhe und Besonnenheit, die in wichtigen Situationen allerdings auch dominante Formen annehmen kann. Wolf Roth als seine rechte Hand wirkt wie das eigentliche Pendant zu ihm, als welches er sich vermutlich mit viel diplomatischen Verstand an die Bedürfnisse seines Chefs angepasst hat. Da beide diese Episode so gut wie tragen werden, ist es als Glücksfall zu bezeichnen, dass dieses Duo so gut miteinander harmoniert und schließlich auch funktioniert, denn die darstellerischen Leistungen offerieren Finessen und Fingerspitzengefühl. Als weiteres erwähnenswertes Gespann verfolgt man Rolf Zacher und Dieter Kirchlechner mit kritischem Auge, beide geben den schmierigen Kleinkriminellen mit der lukrativen Geschäftsidee die passenden Gesichter. Wolfgang Kieling und Klaus Höhne erfreuen ebenfalls mit Interpretationen des gehobeneren Niveaus und überhaupt stellt "Strandgut" einen der frühen Besetzungsknüller der laufenden Serie dar. Die heimlichen Stars der Episode nehmen schlussendlich durch Ingeborg Schöner und Heidy Bohlen Gestalt an, und man sieht mit ihnen Charaktere, die das Schicksal von Täter und Opfer zugleich teilen.

Die beiden Frauen, und attraktiven Zugpferde für Erpressung, wollen endgültig aussteigen. Allerdings stellt sich in Windeseile heraus, dass es leichtere Vorhaben gibt. Ingeborg Schöner konnte man insbesondere innerhalb dieses Zeitfensters in für sie alternativ angelegten, und tiefgründigeren Rollen sehen, was ihre schauspielerischen Fähigkeiten in einem beeindruckenden Licht erscheinen ließ. Heidy Bohlen hingegen beobachtet man sehr interessiert in einer ihrer obligatorischen Rollen, doch man vernimmt auch bei ihr deutliche Unterschiede. Als sie am Strand angespült wird, entstehen ganz bemerkenswerte, beziehungsweise sogar empfunden authentische Szenen, als die Wellen die Bewegungen ihres leblosen Körpers choreografieren und zweifellos sieht man eine von Bohlens bestechendsten Leistungen in ihrer leider so übersichtlichen Filmografie. Das anfängliche Gaunerspiel weicht somit zugunsten der Frage, ob es sich um Mord gehandelt hat oder nicht, und es entstehen interessante Verstrickungen, bei denen man die unterschiedlichsten Personen kennenlernt. Kommissar Finke und Jessner haben ab sofort alle Hände voll zu tun, daher teilt man sich die Arbeit auf, für ein synchrones Ablaufen der Ermittlungen. Die unterschiedlichen Richtungen transportieren ein breites Spektrum und die vielen Möglichkeiten der verschiedenen Plot-Fragmente werden in ein überzeugendes Finale münden. Diese späte Twist-an-Twist-Strategie kann sicherlich als etwas zu konstruiert bezeichnet werden, allerdings gibt es Überraschungsmomente, die nachhaltig in Erinnerung bleiben, nicht zuletzt aufgrund eines verwirrenden Elements. Insgesamt stellt Wolfgang Petersens "Tatort"-Beitrag einen elegant und sicher inszenierten Kriminalfall mit Weitsicht und Raffinesse dar, der unterhaltend, überraschend und tragisch zugleich wirkt. Die herrliche Kulisse lässt zusätzlich eine bedeutende Atmosphäre entstehen, sodass sich bei diesem Fall abschließend nur sagen lässt, dass er sehr gelungen ist.

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

09.12.2015 16:45
#23 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Für mich gehören einige Folgen mit meinem verehrten Namensvetter Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke zu den Höhepunkten der Tatort-Reihe, auch wenn selbige schon eine halbe Ewigkeit zurückliegen. Kein Wunder, denn Schwarzkopf erinnerte mich nicht nur durch seine Stimme ein wenig an Inspektor Columbo, auch wenn ihm dessen manchmal etwas nervende Schusseligkeit und Zerstreutheit sowie Unterwürfigkeit gegenüber einem Tatverdächtigen glücklicherweise fehlte. Aber auch Finke ermittelte eigentlich immer ruhig und sachlich, wobei ich mich an einen richtigen Ausraster von ihm nicht erinnern kann. Insofern hebt er sich von anderen Tatort-Ermittlern im Stile von Schimanski & Co. wohltuend ab.

Prismas spitzenmäßige Rezension zu "Strandgut" kann ich vorbehaltlos unterschreiben, die Folge zeigt ja ebenso wie die bekannteste Episode "Reifezeugnis" an einigen Stellen nackte Haut, wobei die höchst attraktive Heidy Bohlen im Gegensatz zur kindlichen Nastassja Kinski meinen Blutdruck in schwindelerregende Höhen ansteigen ließ!

Für mich persönlich ist die beste Finke-Folge jedoch "Blechschaden", gefolgt von "Reifezeugnis" und "Strandgut". Die Episode "Kurzschluss" habe ich aktuell nicht auf dem Schirm, wobei "Jagdrevier" nicht ganz so mein Fall ist. Und "Himmelfahrt" steht als letzte Folge in meinem persönlichen Ranking tatsächlich an letzter Stelle, wobei Krebs als höchst unsympathischer Kotzbrocken daran einen ganz erheblichen Anteil hat.
Jedenfalls bleibt Klaus Schwarzkopf für mich als Schauspieler und Columbo-Synchronsprecher unvergessen! Darauf ein Bier, das er in einigen Folgen auch mal gerne getrunken hatte.

Gruß
Klaus

"Henry Lightman, nochmal werd' ich Ihren Tee nicht trinken!"

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

09.12.2015 18:38
#24 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Nebenbei bemerkt, sind auf dem obigen Bild Heidy Bohlen und Ulrich Matschoss beim gemeinsamen Liebesspiel in den Dünen zu sehen. Diese (Ein)stellung dürfte Matschoss erheblich mehr Freude bereitet haben als ca. zehn Jahre später etc. pp. das ständige Rumärgern mit Hauptkommissar Horst Schimanski als dessen Vorgesetzter Kriminaloberrat „Klops“ Königsberg...

Gruß
Klaus

"Henry Lightman, nochmal werd' ich Ihren Tee nicht trinken!"

Peter Offline




Beiträge: 2.817

09.12.2015 19:09
#25 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Zitat von Klaus1959 im Beitrag #23
... Für mich persönlich ist die beste Finke-Folge jedoch "Blechschaden", gefolgt von "Reifezeugnis" und "Strandgut". Die Episode "Kurzschluss" habe ich aktuell nicht auf dem Schirm, ...

Bitte nimm "Kurzschluss" mal lieber ganz schnell auf den Schirm, denn dieser Beitrag gehört - selbst unter den auch von mir als Komplett-Kollektion verehrten Finke-Tatorten - zu den allerbesten......

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

11.12.2015 09:34
#26 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Danke Peter, werde ich machen, falls diese Folge irgendwann nochmal wiederholt werden sollte. Ich hab in diesem Zusammenhang nämlich gerade zufällig gelesen, dass "Kurzschluss" letzten Samstag im HR Fernsehen gelaufen ist und ich das glatt übersehen habe, was richtig ärgerlich ist. Möglicherweise hatte ich an diesem Tag selbst einen Kurzschluss...

Gruß
Klaus

"Henry Lightman, nochmal werd' ich Ihren Tee nicht trinken!"

brutus Offline




Beiträge: 12.901

11.12.2015 10:37
#27 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Zitat von Klaus1959 im Beitrag #26
Danke Peter, werde ich machen, falls diese Folge irgendwann nochmal wiederholt werden sollte. Ich hab in diesem Zusammenhang nämlich gerade zufällig gelesen, dass "Kurzschluss" letzten Samstag im HR Fernsehen gelaufen ist und ich das glatt übersehen habe, was richtig ärgerlich ist. Möglicherweise hatte ich an diesem Tag selbst einen Kurzschluss...

Gruß
Klaus


Um das zu vermeiden, schau ab und zu einfach mal auf diese Seite:

http://www.tatort-fundus.de/web/folgen/d...erholungen.html

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

11.12.2015 12:33
#28 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Zitat von brutus im Beitrag #27
Um das zu vermeiden, schau ab und zu einfach mal auf diese Seite:

http://www.tatort-fundus.de/web/folgen/d...erholungen.html


Und genau DAS ist ja so ärgerlich, da ich den tatort-fundus schon seit einigen Jahren unter meinen Favoriten verlinkt habe, jedoch einfach zu selten reinschaue. Aber dank Deines Beitrages habe ich noch rechtzeitig gesehen, dass einer meiner Lieblings-Tatorte "Rot - rot - tot" mit dem nicht nur körperlich großen Curd Jürgens am morgigen Samstag gesendet wird. Merci mein Sohn Brutus (ach nee, geht ja nicht, da ich ein Jahr später als Du das Licht der Welt erblickte).

Gruß
Klaus

"Henry Lightman, nochmal werd' ich Ihren Tee nicht trinken!"

brutus Offline




Beiträge: 12.901

11.12.2015 13:15
#29 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Gern geschehen, wenigstens eine gute Tat heute


Vielleicht sollte ich nochmal erwähnen, das man diese Lutz-Folge anlässlich des 100. Geburtstages von Curd Jürgens zeigt. Ich müsste mal suchen, ob und was da deswegen sonst noch geboten wird.

TV-1967 Offline



Beiträge: 438

11.12.2015 15:07
#30 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Finke (Klaus Schwarzkopf) Zitat · antworten

Das mit Bohlen (nicht der Dieter) und Matschoss ist eine interessante These!

Seiten 1 | 2 | 3 | 4
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen