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Dieses Thema hat 28 Antworten
und wurde 5.930 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

12.11.2011 20:26
Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten

Im November 2011 hat das Label PIDAX diese mir bisher unbekannte Mystery-Reihe aus dem Jahr 1970 auf DVD veröffentlicht. Ich habe die Edition auf gut Glück gekauft und werde sie nun in diesem Thread bewerten. Fritz Umgelter führt bei allen Episoden Regie und eine Reihe von bekannten Darstellern aus Film und Fernsehen gibt sich die Ehre.



BEWERTET: "Anruf aus dem Jenseits"
mit: Bruno Dietrich, Flory Jacobi, Viktoria Brahms, Dietrich Kerky, Nino Korda, Dunja Lock

Peter Balk, Angestellter einer Mineralölfirma, fliegt alle vier Wochen geschäftlich nach New York. Er ist mit der Stewardess Vera Nikes verlobt. Die beiden haben sich nach einem Streit wieder versöhnt und Peter freut sich deshalb besonders auf das Wiedersehen. Als er in seine Wohnung kommt, wartet dort jedoch nur seine Haushälterin auf ihn. Von Vera hat sie seit einer Woche nichts mehr gehört. Als Peter in der Post eine leere Ansichtskarte von Vera findet, ruft er bei der Fluggesellschaft an, die ihm die Auskunft gibt, seine Verlobte sei bei einem Autounfall in Beirut ums Leben gekommen. Die Rückführung der Leiche und die Beerdigung haben bereits stattgefunden. Abends sitzt Peter schmerzerfüllt in seiner Wohnung, als plötzlich das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Vera....

Die Ausgangssituation ähnelt dem Dreiteiler "Der Tod läuft hinterher": Ein Mann kommt nach längerer Abwesenheit nach Hause und erfährt, dass eine ihm nahestehende Frau in der Zwischenzeit bei einem Autounfall getötet wurde - was ihm seltsam vorkommt. So auch hier. Peter Balk kann es - wie Guy Foster in "Melissa" - zunächst kaum glauben, die Stimme der geliebten Frau am Telefon zu hören und als sie dann wenig später vor seiner Balkontür steht, zweifelt er natürlich an der offiziellen Version von Vera Nikes Tod. Er stellt Nachforschungen an, um herauszufinden, was wirklich passiert ist.

Es empfiehlt sich, die Farbe bei Sichtung der Folgen herauszufiltern. Die düsteren Bilder in den nächtlichen Straßen, im Treppenhaus und im Garten des Wohnhauses wirken sogleich noch atmosphärischer und unterstreichen die Aussage der Reihe. Bruno Dietrich überzeugt als zielstrebiger Mann, der keine Ruhe geben kann, bevor er nicht weiß, woran er ist. Flory Jacobi (aus: "ICE - Die Reise nach Rom") steht ihm mit Besorgnis zur Seite, während Viktoria Brahms als Nachbarin und Kollegin von Vera in der Rahmenhandlung die Geschichte erzählt. Ihr obliegt es auch, das Fazit zu ziehen, das zwar das Geheimnis zum größten Teil erklärt, jedoch nicht alle Aspekte bis ins Detail entzaubert. Das mysteriöse Element bleibt erhalten und entlässt den Zuseher ebenso wie Peter Balk in eine rationale Welt, in der es immer wieder einmal Zwischenfälle gibt, die sich nicht restlos erklären lassen. "Anruf aus dem Jenseits" überzeugt durch konstante Spannung, die mit einfachen Mitteln erzeugt wird. Man muss keine weißen Leintücher durch Treppenhäuser flattern lassen, um eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen - es genügt, den Geist des Publikums anzuregen.

Gubanov Online




Beiträge: 15.573

12.11.2011 20:30
#2 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #1
Fritz Umgelter führt bei allen Episoden Regie und eine Reihe von bekannten Darstellern aus Film und Fernsehen gibt sich die Ehre.

Gibt es nennenswerte Drehbuchautoren?

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

12.11.2011 20:31
#3 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten

Die Drehbücher stammen von Jan Lester, den ich bisher nicht kannte. Vielleicht kann uns Georg mehr zu ihm sagen?

Georg Offline




Beiträge: 2.974

12.11.2011 21:46
#4 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten

Über Jan Lester weiß ich leider auch nicht viel zu berichten (möglich, dass es sich dabei um ein Pseudonym handelt!). Jedenfalls lieferte er mit Merkwürdige Geschichten eine solide Arbeit ab, Infos zu allen Folgen usw. gibt's ja schon länger auf meiner Seite. 10 Jahre später schrieb er nochmals 13 Folgen für die "Fortsetzung" der Serie mit dem Titel Unheimliche Geschichten, die Joachim Hess und Dieter Kehler inszenierten und die ebenso eine prominente Besetzung hatten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

13.11.2011 13:34
#5 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Ein Brief aus der Vergangenheit"
mit: Ulrich von Dobschütz, Helmut Schneider, Siegurd Fitzek, Franziska Liebing, Eva-Maria Böhme, Robert Klupp

Ein Bautrupp arbeitet an einer neuen Bundesstraße und muss wegen eines heftigen Wolkenbruchs eine kurze Pause einlegen. Als die Männer in ihrem Unterschlupf sitzen, berichtet der Vorarbeiter von einem Zwischenfall, der es erforderte, dass er vor Gericht aussagen musste. Ferdinand Winkelmann, Lehrer für Erdkunde und Biologie, unterrichtet in einer kleinen Stadt an der Salzach, wo er mit seiner Schwester Ruth das Haus seines gelehrten und bereits verstorbenen Vaters bewohnt. Anscheinend hatte dieser jedoch kurz vor seinem Tod geplant, ein abgelegenes Landhaus an einem kleinen Gewässer zu erwerben, denn mit beträchtlicher Verspätung trifft der Brief eines Häusermaklers ein, der das Anwesen im Detail beschreibt. Neugierig geworden, begibt sich der junge Mann zu dem Häuservermittler, der sich mittlerweile vom Geschäft zurückgezogen hat. Das Landhaus steht seit dem Verschwinden der siebzehnjährigen Christine von Ammelungen leer; da sie die einzige Erbin ihres Vaters ist, darf am Haus ohne ihre Zustimmung nichts verändert werden. Deshalb verfällt es nach und nach und die Anwohner halten sich davon fern. Ferdinand macht sich auf den Weg dorthin und trifft auf mehrere Menschen, die ihm etwas über die Familie und das Haus erzählen.

Nachdem er seinen Wagen wegen der sumpfigen Umgebung abseits des Grundstücks geparkt hat, kämpft er sich durch das Dickicht der Büsche und Farne, die im Garten wuchern. Plötzlich sieht er ein junges Mädchen, das ein Lied summend in einer Lichtung tanzt. Es stellt sich heraus, dass sie des öfteren hierher kommt - zum Sonnenbaden und zum Alleinsein, die Ruhe und Abgeschiedenheit des Anwesens sind prädestiniert dafür. Ferdinand erkundet das Haus und sieht sich die leerstehenden Räume an. Als er einen gellenden Schrei hört, eilt er auf den Balkon und sieht in den Garten hinunter, in dem eben noch das Mädchen saß. Sie ist verschwunden. Unruhig geworden, will er nach draußen, als der Bauleiter des Arbeitstrupps vor ihm steht und ankündigt, dass das Haus am nächsten Tag eingeebnet würde; die neue Bundesstraße muss durch das Grundstück.

Ulrich von Dobschütz als Ferdinand führt das Publikum durch die Episode, die eine gelungene Mischung aus Nachforschungsarbeit und beklemmender Bedrohung aus dem Hinterhalt darstellt. Der Besuch beim geheimnisvollen Makler; das Gespräch mit der Bäuerin (hoch auf dem Traktor: Franziska Liebing, die Haushälterin Frau Burgmüller aus der Serie "Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger") deutet in Richtung ländlicher Aberglaube; der Jagdaufseher, der das Porträt von Christine aus dem verlassenen Haus geholt hat, um es vor dem Verfall zu bewahren und das junge Mädchen im Garten, deren Melodie die Anspannung stimmungsvoll untermalt, sind Faktoren, die es ermöglichen, dass die nur 25 Minuten lange Folge eine runde Geschichte erzählt. Die fast poetischen Bilder in und um das Landhaus verstärken den Eindruck, dass die Zeit wieder einmal ein Verbrechen verschleiern soll. Einen Mord, den erst die Bulldozer des Straßenbaus ans Tageslicht befördern. Helmut Schneider schildert die Ereignisse in der Rahmenhandlung und zitiert dabei den Pressebericht nach Abschluss der Verhandlung.

So erscheint diese Episode abgerundeter als die Vorgängerfolge und überlässt den Zuseher dennoch seinen schaurigen Bildern, die er sich aufgrund der Tatsachen im Kopf zurechtgemacht hat.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

13.11.2011 20:34
#6 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Die Kälte einer Sommernacht"
mit: Heidi Leupolt, Georg Hartmann, Günter Spörrle, Hartmut Rütting

Das Ehepaar Hubert und Sissi Andersen hat sich ein Ferienhaus auf einer Insel an der deutsch-dänischen Grenze gemietet. Vier Wochen lang möchten sich der Theaterschauspieler und seine Frau dort erholen. Die Abgeschiedenheit des Ortes bereitet ihnen schon bei der Anreise Schwierigkeiten. Bis sie ihr Ziel erreicht haben, ist es Nacht. Eines der Betten wurde vor kurzem benutzt, die Haustür ist nicht abgesperrt und ein Fenster im Erdgeschoss steht offen. Zudem hört man immer wieder einen Mann husten. Am nächsten Morgen erhält Hubert Andersen den Telefonanruf eines Theaterintendanten, der ihn bittet, seinen Urlaub abzubrechen, um für einen erkrankten Schauspieler einzuspringen. Er nimmt die nächste Fähre und seine Frau bleibt allein zurück. Bei ihrer Rückkehr zum Haus steht schon wieder ein zuvor abgeschlossenes Fenster offen und nachts hört sie erneut den trockenen Husten. Als ihr Mann anruft, steht plötzlich ein Fremder mit einer Jagdflinte vor der Tür. Es ist der Aufseher über das Gebiet und er erzählt Frau Andersen, dass das Haus manchmal wochenlang leersteht und sich dann Landstreicher darin ein warmes Plätzchen suchen.

Eines Tages kommt Sissi von einem Spaziergang zurück und findet vor dem Kaminfeuer einen Mann, der sie bittet, im Haus übernachten zu dürfen, da er sich erkältet habe. Die Frau lehnt ab, gibt ihm jedoch Geld für eine warme Mahlzeit und Bettzeug. Erleichtert, das Rätsel um den Eindringling geklärt zu haben, geht sie schlafen, wird jedoch von tropfendem Wasser im Keller geweckt....

Die frische Meeresbrise ist förmlich zu spüren, wenn die Hauptdarstellerin das Haus verlässt. Doch auch in den engen Räumen des reetgedeckten Häuschens wechseln sich Behaglichkeit und unerklärliche Geräusche ab. Die Spannung wird auch nach Klärung der Anwesenheit des Fremden raffiniert gehalten. Die letzten Minuten versetzen Frau Andersen und den Zuseher noch einmal in Todesangst, lösen sich dann aber in sympathischer und nachvollziehbarer Weise auf.

Eine weitere interessante Folge, die des Zuschauers Phantasie anregt, ohne auf Effekte zu setzen, oder - um es mit Richter Adam aus dem "Zerbrochenen Krug" (Heinrich von Kleist) zu sagen: "Mein Seel, ihr Herrn, die Sache scheint mir ernsthaft."

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

16.11.2011 19:46
#7 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Die verhexte Bahnstation"
mit: Karl-Walter Diess, Harry Hardt, Robert Rathke, Werner am Rhein

Der Rechtsanwalt Dr. Kreuzer verbringt ein paar Tage auf Schloss Lichtenau. Er ist mit dem Baron befreundet und beobachtet dessen Enkelsöhne beim Spiel mit ihrer Modelleisenbahn-Anlage. Als diese wegen eines losen Steckers kurz ausfällt, erzählt er ihnen sein Erlebnis an der Bahnstation, als er den Baron das erste Mal besuchen wollte. Es war ein schwüler Tag und man musste mit baldigen Gewitterschauern rechnen. Dr. Kreuzer sollte am Bahnhof mit einem Wagen des Schlosses abgeholt werden, doch als der Rechtsanwalt mit dem Zug eintraf, wartete niemand auf ihn. So erkundigte er sich beim Stationsvorsteher nach dem kürzesten Aufstieg zum Schloss. Dieser bediente die Weichen und Signale, schlief aber immer wieder zwischendurch ein. Er warnte den Fahrgast vor dem Unwetter, in das dieser mit Sicherheit geraten würde, wenn er jetzt aufbräche. Dr. Kreuzer nahm den Weg dennoch auf sich. Plötzlich sah er im Wald einige Meter vor sich den Stationsvorsteher, rief ihn, bekam jedoch keine Antwort. Nach einer Weile merkte er, dass er offenbar im Kreis gelaufen war, denn er befand sich wieder vor der Bahnstation. Dort stand, an einen Holzstapel gelehnt, der Stationsvorsteher und achtete nicht auf das schrillende Telefon und die Signale. Als Dr. Kreuzer nähertrat, merkte er, dass der Mann tot war. Wer sollte nun die Weichen bedienen und verhindern, dass der Personenzug auf der eingleisigen Strecke mit dem Gegenzug kollidiert?

Schöne Eisenbahnaufnahmen und eine Fahrt über rauschende Gebirgsbäche und durch enge Schluchten verleihen der Folge das Lokalkolorit alpenländischer Verkehrswege. Karl-Walter Diess hier einmal in einer positiven Rolle, die er ruhig und gefasst meistert und seiner Erzählung deshalb Glaubwürdigkeit verleiht. Teilweise fühlte ich mich an "Der Geisterzug" erinnert (das heruntergekommene Bahnhäuschen, die Lichter eines sich nähernden Zuges), mit dem Abstrich, dass es wenig Gruselatmosphäre gibt und der plötzliche Tod des Bahnbeamten für den Fahrgast mehr technische Probleme als emotionale Schrecken bereithält.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

16.11.2011 20:23
#8 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Bild aus der Zukunft"
mit: Jörg Schleicher, Dagmar Heller, Dietrich Thoms, Wolf Petersen, Imo Heite, Gaby Go

Eine Gruppe Studenten trifft sich bei einem Konsul zum Tennisspielen. Da auch ein Mediziner anwesend ist, spricht man über bewusstseinserweiternde Drogen, wobei zum Erlebnis einer Kunstgeschichte-Studentin übergeleitet wird. Wer nun jedoch vermutet, es ginge um dieses Thema, liegt falsch.

Konstanze Wagner erfährt durch Zufall, dass der Antiquitätenhändler Beneckendorff eine studentische Hilfskraft für sein Geschäft sucht. Sie stellt sich vor und wird sofort genommen. Bedingung ist allerdings, dass sie ein Zimmer über dem Laden bezieht. Nachdem der Alte einen Besuch seines Rechtsanwalts erhalten hat, bittet er die junge Frau, ihn zur Zwangsversteigerung der Habe eines Bauern zu fahren und dort ein Bild für ihn zu ersteigern. Es handelt sich um einen geschmacklosen Ölschinken, den die Bäuerin jedoch partout nicht hergeben will. Der Antiquitätenhändler und seine Angestellte werden nach dem Zuschlag für das Bild von der Landfrau wüst beschimpft und vom Hof gejagt. Von nun an schließt sich Herr Beneckendorff in seinem Zimmer ein und möchte niemanden sehen. Konstanze Wagner ist die Sache nicht geheuer und sie bittet zunächst ihre Freundin und dann ihren Freund, sowie den Herrn Konsul um Hilfe. Als der Mediziner die Tür gewaltsam aufbricht, findet er den Händler tot neben dem Bild sitzen. Der Mann hatte die obere Farbschicht des Bildes abgetragen und das ursprüngliche Porträt - das Bildnis eines Dogen (historischer Titel des Staatsoberhauptes in Venedig und Genua) vom italienischen Maler Gentile Bellini (1429 - 1507) - wieder hergestellt. Da er die gleiche Kleidung wie der Abgebildete trägt und ihm zudem wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht, forscht der Konsul ein wenig in der Vergangenheit des Antiquitätenhändlers und fördert zu Tage, dass dieser aus einer alten venezianischen Familie stammte. Nachahmung, Wiedergeburt, Seelenwanderung, Zukunftsblick eines begabten Malers? Hier schließt sich der Kreis, indem erneut behauptet wird, der Maler habe sich einer Droge bedient.

Leider ärgert mich die Studenten-Clique mit ihren albernen Spekulationen über die Wirkung solcher Präparate. Die gesamte Rahmenhandlung hätte stark gekürzt und seriöser aufgearbeitet werden sollen. So fällt diese Folge im Vergleich zu den Vorgänger-Episoden deutlich ab.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

20.11.2011 13:40
#9 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Die tödliche Flamme"
mit: Claudia Wedekind, Sky du Mont, Alexis von Hagemeister, Ernst Dietz, Ursula Ludwig

Dipl.Ing. S. Michaelis für Statik und Konstruktion ist mit einer zwanzig Jahre jüngeren Frau verheiratet. Einer Frau, die ihn seit dem gemeinsamen Urlaub in Portofino vor drei Jahren mit dem Tankstellenbesitzer Bernd Schrauter betrügt. Ilse und Bernd hecken einen raffinierten Plan aus: Sie haben eine Frau entdeckt, die Ilse Michaelis bis aufs Haar gleicht. So wollen sie dem Ehemann weismachen, seine Gattin sei an zwei Orten gleichzeitig und ihn so um den Verstand bringen.

Der Tankstellenbesitzer mit Vorliebe für schnelle Motorräder wird vom smarten Sky du Mont gespielt. Der Sohn eines Deutschen und einer Engländerin verbrachte seine ersten Lebensjahre in Argentinien und erhielt seine Schulausbildung in England. Durch sein poliertes, distinguiertes Aussehen empfiehlt er sich für zwielichte Rollen ebenso wie für die des ergrauten Gentleman. Abstriche muss man jedoch bei seiner Partnerin Claudia Wedekind machen. Sie trägt zwar in den meisten Szenen einen teuren Pelzmantel, hat dabei aber vergessen, ihre Haare zu kämmen. Eine so schlampig frisierte Frau würde der Privatmann du Mont, der zum vierten Mal verheiratet ist, niemals an seiner Seite dulden. Es sind solche kleinen Unachtsamkeiten, die den Gesamteindruck schwächen. Dies ist umso bedauerlicher, als Fritz Umgelter sonst besonders auf die Wirkung der Bilder setzt und die Kamera mit Großaufnahmen, Bildmontagen und Überlagerungen mehrerer Abläufe arbeitet.

Das unheimliche Element ist in dieser Geschichte kaum präsent, handelt es sich doch um den Mordplan eines Pärchens, das sich in Sicherheit wiegt und nicht mit der Anwesenheit eines aufmerksamen Psychologen rechnet, der das Vertauschen des Feuerzeugs bemerkt und die Kriminalpolizei informiert.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

20.11.2011 14:27
#10 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Nicht von dieser Welt"
mit: Karl-Heinz Fiege, Christiane Pauli, Georg Lehn, Eva Kinsky, Hans Schellbach

Franz Hemberger, selbständiger LKW-Fahrer, kehrt während eines Regenschauers in einer Autobahnraststätte ein, wo er einen alten Kollegen trifft, dem er erzählt, was er in den letzten zwei Jahren gemacht hat. Er hat als Friedhofswärter in einer kleinen Landgemeinde gearbeitet und eine kostenlose Dienstwohnung - über der Leichenhalle des Dorfes - bewohnt. Die ruhige Arbeit, bei der er mit dem Leichenwagen mehrere kleine Transporte und Umzüge abwickelte, gefiel ihm recht gut, bis er eines sonnigen Tages eine Anhalterin mitnahm, die er nicht mehr aus dem Kopf brachte. Die junge Frau bat ihn am Waldrand anzuhalten, kurz bevor ein Düsenjäger ein Maschinenteil verlor und dieses in der Wiese hinter dem Auto einschlug. Bevor sich der Mann von seinem Schreck erholte, war die Frau schon verschwunden. Nur eine blonde Perücke blieb im Wagen zurück.

Als er am Abend vor dem Fernsehgerät einschlief und erst nach Sendeschluss erwachte, erschien plötzlich die blonde Frau auf dem Bildschirm. Sie sprach, doch es war kein Ton zu hören. Der Ehefrau von Franz Hemberger gefiel das neue Zuhause nicht. Die Tatsache, dass in der Halle im Erdgeschoss Särge lagerten, so wie es für ein Leichenhaus nun einmal üblich war, jagte ihr Angst ein und sie drängte ihren Mann, wegzuziehen und wieder als LKW-Fahrer für eine große Speditionsfirma zu arbeiten. Nachdem eines Tages der Sarg einer jungen Frau geliefert wird, quälen den Mann Gedanken nach dem Verbleib der Anhalterin und er bittet seinen Freund um Hilfe. Dessen Schäferhund nimmt anhand der Perücke die Fährte auf und führt die beiden Männer in den Wald. Dort sitzt an einen Baumstamm gelehnt die junge Frau - tot. Sie hat sich vergiftet.

Die Geschichte fängt trotz sommerlicher Wald- und Wiesenatmosphäre viele schaurige Momente ein, die jedoch nüchtern und ohne Effekte dargestellt werden und deren Bedeutung sich am Ende logisch erklären lässt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

20.11.2011 14:45
#11 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Drei Stunden meines Lebens"
mit: Monika Bleibtreu, Wolf Oeser, Dieter Groest, Herbert Weicker, Silva Simon

Ralf Becker von der Interair Junior will übers Wochenende nach Amsterdam fliegen. Gerade als er sich zum Gate begeben will, meldet ihm seine Kollegin, dass eine junge Frau unbedingt mit der Maschine mitgenommen werden will. Es ginge um Leben und Tod. Zunächst versucht er, die Frau, die sich ihm als Karin Vandenesch vorgestellt hat, zu überzeugen, dass das Flugzeug ausgebucht sei, doch ihr durchdringender Blick scheint ihn zu lähmen. Er lenkt schließlich ein und überlässt der dunkelhaarigen Frau seinen Platz in der Maschine. In der Eile lässt sie einen Handschuh liegen. Kurze Zeit später kommt vom Tower die Meldung, dass die Maschine in einem Waldstück abgestürzt ist. Es gibt keine Überlebenden. Ralf Becker ist zutiefst betroffen und deutet die Worte der Frau ("Es geht um Leben oder Tod eines Menschen!") als Hinweis auf seine Person. Monate später sieht er Karin Vandenesch unerwartet in der Fußgängerzone. Er kann zunächst nicht glauben, dass sie den Absturz überlebt hat und möchte deshalb mehr über die geheimnisvolle Frau erfahren. Er sucht ihre Wohnung auf und trifft sie überraschend dort an, woraufhin er sie zum Essen einlädt. Er erzählt ihr die ganze Geschichte, Karin Vandenesch streitet jedoch ab, in der fraglichen Nacht in seinem Büro gewesen zu sein. Erst nach und nach erinnert sie sich, dass ihr von ihrem damaligen Arbeitgeber, einem dubiosen Diamantenhändler, für den sie regelmäßig nach Amsterdam geflogen ist, ein Cognac angeboten worden ist. Sie fürchtete um ihr Leben und täuschte deshalb vor, die Maschine zu besteigen, versteckte sich aber im Flughafenbus. Erst nach dem Absturz der Maschine fühlte sie sich sicher, da ihr Arbeitgeber natürlich glaubte, sie sei unter den Todesopfern.

Monika Bleibtreu mit ihren dunklen Augen und dem dominanten Mund erhält sehr viele Großaufnahmen, die ihre starke Persönlichkeit ins Bild rücken. Sie ist kein Püppchen, was man besonders deutlich im Kontrast mit der toupierten blonden Flugbegleiterin sieht. Und auch kein Geist, wie sie lächelnd bemerkt.

Wiederum eine spannende Episode mit Rätselfaktor und konsequenter Aufklärung am Ende.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

27.11.2011 13:06
#12 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten



BEWERTET: "Überirdische Melodie"
mit: Judith Holzmeister, Will Danin, Susanne Beck, Hans Beuthner, Achim Strietzel, Wilfried Klaus, Peter Capell

Der Musiker Fred Hammer und seine Freundin finden bei einem Strandspaziergang eine Flaschenpost. Sie enthält die Partitur eines Stückes, das 1941 während des Zweiten Weltkriegs an Bord des Frachters "Rio Gandria" verfasst wurde und den Zusatz "Gott sei meiner Seele gnädig!" enthält. Fred Hammer spielt das Stück mit seiner Band während eines Tanzabends in einem Lokal. Als die Melodie erklingt, sitzen zwei der Gäste wie erstarrt auf ihren Stühlen; der Mann zerdrückt gar ein Glas. Anschließend wartet er auf Fred Hammer und wünscht eine Unterredung mit ihm. Er will die Herkunft des Stückes erfahren und berichtet, dass ein Mann namens Christoph Glinzky die Melodie komponiert hatte, bevor er mit einem Schiff, das zur Reederei des Konsuls gehörte, unterging. Hammer macht Andeutungen, dass er die Partitur von Glinzky erhalten hätte, woraufhin der Konsul einen Herzinfarkt erleidet und stirbt. Neugierig geworden, suchen Hammer und seine Freundin die Witwe des Konsuls auf, um die Hintergründe der Geschichte zu erfahren. Es stellt sich heraus, dass Glinzky und Frau Henning zu Beginn des Kriegs ein Liebespaar waren; Frau Henning lebte damals mit ihrem Mann im von den Deutschen besetzten Norwegen. Glinzky schrieb die "Schottische Rhapsodie" nur für sie. Um ihm eine Flucht nach Amerika zu ermöglichen, schmuggelte Frau Henning ihren Geliebten als Hilfsmatrosen an Bord eines Schiffes ihres Mannes. Ein britischer Torpedotreffer sorgte jedoch dafür, dass der Frachter unterging. Der Hausdiener, der damals ebenfalls an Bord war, berichtet, dass Konsul Henning das Schiff durch eine Sprengladung versenken ließ, um die Versicherungssumme zu kassieren. Am Ende stellt sich heraus, dass der Musiker, der das Stück zu Beginn der Folge vorträgt und damit beim Musikverleger Ralph Arthur Siegmann Erstaunen hervorruft, der verschollene Christoph Glinzky ist.

Die sehnsüchtige Melodie, die das Schicksal der beiden Liebenden vorausnimmt, durchzieht die Episode wie ein roter Faden. Der Bogen wird vom Büro des Musikverlegers über den unbeschwerten Spaziergang durch die brandenden Wellen bis zum steifen Ambiente in der Villa des Konsuls gespannt. Die Frage nach dem Verbleib des Komponisten treibt die Handlung voran und erlaubt dem jungen Paar ein wenig Detektivarbeit und dem Publikum knisternden Suspense. Das runde Ende der Folge befriedigt sowohl Fred Hammer als auch den Zuschauer und zeigt, wie hoch der Standard ist, den der Drehbuchautor in 25 Minuten gepackt hat.

Gubanov Online




Beiträge: 15.573

27.11.2011 14:19
#13 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #12
Musikverleger Ralph Arthur Siegmann

Hui, hierbei scheint es sich wirklich um einen übernatürlichen Fall von Voraussicht zu handeln. Wem dieser Name ähnelt, muss wohl nicht weiter betont werden, doch die Eurovisions-Legende steckte 1970 kompositorisch noch in der Wachstumsphase. Wer hätte gedacht, dass der HR damals schon mit Siegels Namen spielen würde?!

Prisma Offline




Beiträge: 7.543

27.11.2011 18:01
#14 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten

Bei "Merkwürdige Geschichten" ging es mir ähnlich wie Percy Lister, denn ich habe mir diese DVD auch auf gut Glück bestellt, im Nachhinein kann ich sogar sagen glücklicherweise, naja und eben aus purer Neugierde. Außerdem ist man von Pidax ja eine wirklich gute Arbeit gewöhnt...Bezüglich des Themas erweckt diese Serie unweigerlich große Erwartungen, und wenn diese zu hoch sind, kann man erfährungsgemäß auch schneller enttäuscht werden. Ich kann ohne zu zögern vorausschicken, dass das bei dieser Veröffentlichung bestimmt nicht der Fall war. Es kommt bei mir sehr selten vor, dass ich etwas wie "Merkwürdige Geschichten" so überaus positiv reflektieren kann, wenn doch wie hier die Besetzung in meinen Augen so unspektakulär aussieht. Keine Frage, das wird der große Kritikpunkt bleiben, aber auch der einzige. Wohin haben sich aber bitteschön die A-Damen der 70er Jahre verkrochen??? Da hat man es fast, bis auf wenige rühmliche Ausnahmen, mit einer dritten Garnitur zu tun... Bei den Herren ist das glücklicherweise etwas ausgeglichener...

Jede der (selbstverständlich) 13 Episoden verfügt über den gleichen Aufbau. Man sieht Leute, die man mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst treffen könnte, oder mit welchen man längst schon Kontakt hatte, die zufällig aufeinandertreffen, die zusammen arbeiten, die im Freundeskreis zusammensitzen und sich jeweils über eine merkwürdige, selbst erlebte Geschichte unterhalten, beziehungsweise eine solche geschildert bekommen. So empfindet der Zuschauer direkt einen nicht nur möglichen, sondern spürbaren Alltagstransfer, bei mir ging es sogar so weit, dass ich über persönliche, merkwürdige Geschichten nachgedacht habe. Diese Serie bedient sich nicht schamlos des Aberglaubens und unterliegt nicht irgend welchen hysterischen Anwandlungen, sie bleibt bodenständig, trotz des Themas sachlich und vollkommen im Bereich des Möglichen. Der Verzicht von Gewalt, Brutalität und überspitzten Effekten kommt "Merkwürdige Geschichten" erstaunlich zu Gute, die Leitmotive hier sind eigentlich durchgehende Spannung, Intensität & Dynamik, es kommt zu einer gelungenen Auseinandersetzung auf hohem, dosiertem Niveau. Man bekommt keine fragwürdigen Ansichten serviert, keine konfusen Geschehnisse vom anderen Stern geboten, vor allem gibt sich die Serie aber unaufdringlich!

Regisseur Fritz Umgelter beweist ein gutes Händchen bei seiner Arbeit, einige Szenen wurden im kleineren Ausmaß spektakulär eingefangen, die gesamte Inszenierung ist für TV-Verhältnisse ein bisschen aufwendiger geraten, hin und wieder gibt es auch gut gemeinte Actioneinlagen. Vor allem punktet Umgelter aber mit der Veranschaulichung durch intensive Bilder, es kommt sehr häufig zu einer ungemütlichen, gruseligen, teils bizarren Atmosphäre und er übertrifft somit die Grundvoraussetzung bei Weitem. Der Zuschauer braucht hier bestimmt keine Nerven wie Drahtseile, er wird eher auf einer subtilen Ebene gefordert. Es wimmelt geradezu von dubiosen Gestalten, aber auch von einfachen, sympathischen Leuten, es tauchen plötzlich Personen aus dem Nichts auf und verschwinden genau so schnell wieder dort hin, man bekommt herrliche Landschaftsaufnahmen von ihrer schmeichelnden, aber auch schaurigen Seite geboten, Personen die vom Schicksal oder vom Zufall gehetzt oder gerettet werden... Bezüglich der kürze der Episoden ist eine hohe Dichte an Spannung und Atmosphäre geboten, an Leerlauf kann ich mich nicht erinnern. Ja, auch die Darsteller untermauern die Qualität, ich muss es zugeben...

Bemerkenswert ist die klassische, wenn auch irgendwie ausgefallen wirkende Musik und vor allem die Farbgestaltung gefiel mir persönlich sehr gut. Man würde wohl themenbezogen eher dunkles, eintönigeres und dezenteres erwarten, doch das ist nicht der Fall. Das Szenario leuchtet in satten, ansprechenden Farben, die ein angenehmes Gefühl der Sicherheit vermitteln. Ein gutes Stilmittel in einer derartigen Produktion, denn so kommen Überraschungseffekte deutlicher zum Vorschein, außerdem finde ich diese seltenere Variante mal erfrischend gegenüber all den morbiden Versuchen. Jede Folge ist trotz der Frage nach der Wahrscheinlichkeit logisch und stilsicher aufgebaut, die Auflösungen sind konsequent und nachvollziehbar.

Der Vorspann fragt nach "Schicksal?" oder "Zufall?"...wird dieses Rätsel aber nicht einwandfrei lösen. Hier bekommt man als Konsument, wie es eher selten der Fall ist, die uneingeschränkte Zuschauergewalt. Es gibt vielleicht tatsächlich mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als man sich vorstellen kann... Deutlicher kann ich jedenfalls einschätzen, dass es mehr Dinge zwischen Horror und Grusel gibt, als man sich vorstellen kann. "Merkwürdige Geschichten" ist so ein Fall.

Das war jetzt nur eine Einschätzung im Pauschalmodus, über die einzelnen Folgen werde ich mir nochmals gesondert Gedanken machen. Zu allen, die jedoch mit "Merkwürdige Geschichten" liebäugeln, kann ich sagen, dass Enttäuschungen definitiv andere, merkwürdige Gesichter haben...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

27.11.2011 19:12
#15 RE: Merkwürdige Geschichten (1970-71) Zitat · antworten

Vielen Dank für diese Einschätzung, Prisma! Du gibst die Ausstrahlung der Reihe sehr gut wieder und machst Skeptiker neugierig auf diese unbekannte und beinahe in den Tiefen der Senderarchive verschwundene Serie.

Wollen wir hoffen, dass die Nachfolgereihe "Unheimliche Geschichten" (Georg erwähnte sie) auch in absehbarer Zeit auf DVD veröffentlicht wird.

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