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Dieses Thema hat 21 Antworten
und wurde 2.758 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Peitschenmönch Offline




Beiträge: 536

10.12.2011 13:57
#16 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Liersdahl (Dieter Eppler) Zitat · Antworten

Den ersten Liersdahl fand ich geil, der zweite war mir inhaltlich etwas zu belanglos. Eppler als Cop war aber eine coole Idee. Er harmonierte auch super mit Heidmann.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

21.02.2015 09:15
#17 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Liersdahl (Dieter Eppler) Zitat · Antworten



Tatort: Saarbrücken an einem Montag
Die Hauptkommissare Liersdahl und Schäfermann ermitteln in Saarbrücken


Episode 2 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Karl-Heinz Bieber. Drehbuch: Johannes Niem. Mit: Dieter Eppler (Hauptkommissar Liersdahl), Manfred Heidmann (Hauptkommissar Schäfermann). In Gastrollen: Eva Maria Meineke, Horst Naumann, Erik Schumann, Ellen Frank, Barbara Schmidt, Eva Christian, Wolfgang Lukschy, Wolfgang Weiser, Richard Lauffen, Elisabeth Neumann-Viertel u.a. Erstsendung: 13. Dezember 1970, ARD. Eine Produktion des Saarländischen Rundfunks.

Zitat von Tatort (2): Saarbrücken an einem Montag
Unterschiedliche Fälle beschäftigen die Saarbrückener Kripo an einem ganz normalen Montag: Ein aufgeflogener Betrüger schlägt eine Rentnerin nieder und entkommt mit ein paar hundert Mark, während am anderen Ende der Stadt eine junge Frau spurlos verschwindet. Eva Konalsky, Datenverarbeiterin in einem Stahlwerk, hat einen ostdeutschen Hintergrund, sodass ihr Verschwinden von einigen für einen Hinweis auf eine mögliche Spionagetätigkeit gedeutet wird. Doch Liersdahl und Schäfermann finden andere, persönlichere Gründe für ein Verbrechen. Und dann wird die Frau des Mannes erschossen, der mit Eva ein Verhältnis hatte ...


Bevor man einen Blick in das Polizeirevier werfen darf, entfalten sich zwei Kriminalfälle in sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit: Während die Nebenhandlung um den Räuber des Rentengelds für einen rasanten, wenngleich etwas hausbackenen Einstieg ins Geschehen sorgt, fesselt die zweite Geschichte durch langsamen, sorgfältigen Aufbau, der zwar sicher nicht besonders reißerisch ausfällt, aber eben gerade deshalb eine besondere Atmosphäre mit sich bringt. Im Fall Eva Konalsky scheint Vieles im Bereich des Möglichen zu liegen, weshalb man sich gespannt von Szene zu Szene hangelt und auch erstaunt über die vielen bekannten Gesichter ist, die nach und nach in Verbindung mit diesem Verbrechen auftauchen: Horst Naumann als liebloser, respektabler, aber doch dubioser Ehemann, Eva Maria Meineke als klammernde Hausfrau, Erik Schumann als lügender Jugendfreund, Eva Christian in einer stummen Rolle, die trotz ihrer kurzen Screentime gut im Gedächtnis bleibt. In Mini-Rollen beweisen Wolfgang Lukschy, Richard Lauffen (überzeugend als französischer Sergeant) und Artur Brauss, wie namhaft die Episode bis in die hinteren Reihen besetzt ist. Ein Lob aussprechen möchte ich auch für Ellen Frank, die ein interessantes, manchmal amüsantes Porträt der Zimmerwirtin von Eva Konalsky zeichnet.

Als die besten Treffer erweisen sich jedoch die ermittelnden Beamten. Der SR lebte sozusagen schon 1970 jenes Konzept vor, von dem noch heute viele „Tatort“-Paarungen zehren: Nach dem Motto „Werfen wir zwei unvereinbare Charaktere zusammen“ entstehen zwischen dem lockeren Fußballfan Liersdahl und seinem aus Ludwigshafen zugezogenen, aber von preußischer Genauigkeit erfüllten Kollegen Schäfermann teilweise sehr spannende Szenen und so etwas wie die Andeutung einer Freundschaft. Ein „Tatort“-Team, wie man es sich wünscht – schade, dass Eppler nur zwei Folgen lang „durchhielt“.

Die Episode zählt nicht gerade zu den luftigen oder erfrischenden Fällen. Allerdings schaffte es Karl-Heinz Bieber trotz vieler Studioszenen in den Wohnungen Hartmann und Helgesheim, authentisches Lokalkolorit zu liefern. Hierbei kommen v.a. die Schauplätze zum Tragen, die als „nicht staubfrei“ gelten – allen voran spielt ein Stahlwerk (auf dessen Gelände man offenbar spazieren gehen kann, wie man möchte) gar eine wichtige für die Schlusssequenz der Folge, die so ähnlich schonmal in einem „Stahlnetz“-Fall auftauchte, dort allerdings spektakulärer inszeniert war. „Saarbrücken“ hält sich von spektakulären Szenen fern und schafft dadurch Raum für feinsinnige Krimiunterhaltung, setzt aber gleichzeitig geschickt Spannungshöhepunkte, die von einem angenehmen Score untermalt werden.

Der erste Fall von zweien für Dieter Epplers Liersdahl, von sechsen für Manfred Heidmanns Schäfermann. Das gelungene Drehbuch steht symptomatisch sowohl für die von Anfang an praktizierte Entschleunigung von Fernsehkrimis in der ARD-Reihe verglichen v.a. mit den knackigeren Pendants des ZDF als auch für den Einsatz charismatischer Sonderlinge als Ermittler. Plot und Darsteller bringen „Saarbrücken an einem Montag“ 4,5 von 5 Punkten ein.

Jan Offline




Beiträge: 1.752

21.02.2015 15:34
#18 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Liersdahl (Dieter Eppler) Zitat · Antworten

Eine sehr treffende Bewertung! Ich habe mich lange um diese Episode herumgedrückt, weil mir a) der Regisseur vorab gar nichts sagte, ich b) bezüglich Dieter Epplers Wandlung vom abonnierten Bösewicht hin zum Ermittler einige Vorbehalte hatte und ich c) weder Manfred Heidmann noch Erik Schumann sonderlich gut ausstehen kann. Jüngst sah ich den Film dann und war ebenfalls recht angetan. Gerade das Gespann Eppler und Heidmann funktioniert tadellos. Leider hat man die doch deutlichen Unterschiede der beiden Charaktere in der darauffolgenden und letzten Episode der beiden über weite Strecken aufgegeben. Hier der lockere Dieter Eppler, mit Sportjacke und Fußballtick, dort der stets etwas steife Manfred Heidmann, der sich alles mögliche und unmögliche in ein Notizbuch schreibt und im Dienst selbst den angebotenen Kaffee ablehnt. Hier hätte sich angeboten, die beiden Rollen über weitere Filme hinweg weite zu entwickeln. Besondere Überraschung war für mich im Übrigen vor allem Manfred Heidmann. Leider verbinde ich ihn stets mit seinen nervigen Auftritten in "Tim Frazer - Der Fall Salinger". Als "Tatort"-Kommissar jedoch birgt seine Darstellung des korrekten Beamten sogar einige sympathische Züge.

Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

21.02.2015 17:00
#19 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Liersdahl (Dieter Eppler) Zitat · Antworten

Als Schäfermann ist mir Heidmann sogar sehr sympathisch. Vielleicht hilft, dass ich seinen „Tim Frazer“-Auftritt nur einmal gesehen habe und dieser seitdem reichlich verblasst ist. Ich stimme dir zu, dass man die Unterschiede zwischen Liersdahl und Schäfermann in ihrer zweiten Folge besser hätte ausbauen können – der Charme des ersten Falles ist da ein bisschen verloren gegangen.

Tatort: Das fehlende Gewicht
Die Hauptkommissare Liersdahl und Schäfermann ermitteln in Saarbrücken


Episode 33 der TV-Kriminalserie, BRD 1973. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Bruno Hampel. Mit: Dieter Eppler (Hauptkommissar Liersdahl), Manfred Heidmann (Hauptkommissar Schäfermann). In Gastrollen: Wolfgang Hübsch, Xenia Pörtner, Anita Lochner, Manfred Reddemann, Ann Hölling, Walter Reichelt, Martin Arnhold, Herbert Steinmetz, Heinz Schacht, Hans-Georg Panczak u.a. Erstsendung: 30. September 1973, ARD. Eine Produktion des Saarländischen Rundfunks.

Zitat von Tatort (33): Das fehlende Gewicht
Eine Razzia der saarländischen Polizei in einem Gasthof nahe der französischen Grenze schlägt fehl, obwohl der Tipp von einem verlässlichen Mittelsmann kam. Gibt es ein Leck in den eigenen Reihen? Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der Zollbeamte Ridder mit Rauschgifthändlern gemeinsame Sache macht. Als Ridders Vermieterin, mit der er ein Verhältnis unterhielt und die ihn wegen einer Liebschaft bei der Polizei anschwärzte, erschossen aufgefunden wird, scheinen sich die Fäden zuzuziehen. Doch alles kommt anders als gedacht ...


Bruno Hampels Idee, die Geschichte unumwunden mit der Drogenrazzia in einer scheinbar harmlosen, aber für die Gangster vorteilhaften ländlichen Umgebung beginnen zu lassen, beschert dem „fehlenden Gewicht“ einen dynamischen Einstieg. Man ärgert sich mit den Kripo-Fahndern über das Fehlschlagen der Aktion – weniger weil man aus moralischen Gründen die Drogenhändler verdammt (derlei Belehrungsszenen bleiben glücklicherweise auf eine kurze Sequenz im Krankenhaus beschränkt), sondern vielmehr weil man nach den bärenstarken Auftritten in „Saarbrücken an einem Montag“ automatisch auf der Seite von Eppler und Heidmann steht. Auch in ihrem zweiten Auftritt überzeugen die beiden Schauspieler, wobei darauf verzichtet wurde, die Unterschiede zwischen den Kriminalisten so offensichtlich wie in der Vorgängerfolge herauszustellen. Persönliches sucht man vergebens, die verschiedenen Dispositionen machen sich lediglich in den Ermittlungen bemerkbar.

Man mag bemängeln, dass Hampel mit der Drogengeschichte das Rad nicht neu erfand. Derlei Handlungen hat man bereits häufig gesehen – sie kamen zur selben Zeit oder eher bereits in rauen Mengen im „Kommissar“ zur Sprache. Hier wird sie allerdings nicht aus Opfersicht erzählt, was die Produktion weniger prätentiös wirken lässt. Das Versteck der heißen Ware ist einfallsreich. Der Mord, der die zweite Hälfte des recht kurzen „Tatorts“ einleitet, ist klar von Arthur Conan Doyles „The Problem of Thor Bridge“ inspiriert (wenn man das Wort abgeschrieben vermeiden möchte) – eine ungewöhnliche Hommage, die man so in einem „Tatort“ nicht erwartet hätte.

Was die Folge hinter den Saarbrückener Erstling zurückfallen lässt, ist nach meinem Dafürhalten das Fehlen markanter Gastrollen. Wolfgang Hübsch drückt der Episode seinen Stempel als durchtriebener, liebestoller, aber trotzdem irgendwie sympathischer Zollpolizist auf – eine überzeugende Darstellung, aber eben kein prominentes Gesicht. Sonst gibt es keine darstellerischen Leistungen zu vermerken, die über gesundes Mittelmaß hinausgehen. Gar enttäuschend hölzern tritt Anita Lochner als Gangsterliebchen auf. Xenia Pörtner spielt zwar immerhin glaubhaft, erhält allerdings zu wenig Raum, um die Eifersucht ihrer Figur vollumfänglich auszuspielen.

Nicht so elaborat wie in „Saarbrücken an einem Montag“ spielt sich im vorliegenden „Tatort“ ein Drogenkrimi mit interessanten Verbrecherfiguren ab. Gerade weil die Protagonisten mehr Zündstoff hergegeben hätten, enttäuschen die kurze Laufzeit und die relative Belanglosigkeit einiger Szenen. Wegen Eppler, Heidmann, Wolfgang Hübsch und eines motivierten Kurzauftritt des jungen Hans-Georg Panczak dennoch sehenswert. 3,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.877

25.02.2021 19:03
#20 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Liersdahl (Dieter Eppler) Zitat · Antworten

"Saarbrücken an einem Montag" hat mir tatsächlich sehr gut gefallen. Auch ich hatte mich gefragt, ob Eppler der Wandel vom "Schurken vom Dienst" zum Ermittler gelingen würde. Das ist er, sein Liersdahl ist dem Zuschauer auf Anhieb sympathisch, der Kontrast zum überkorrekten Kollegen wird schön herausgestellt. Dem Entstehungsjahr entsprechend gibt es zudem ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern: Horst Naumann, Erik Schumann, Wolfgang Lukschy, Eva-Maria Meineke und Arthur Brauss.

Schade, dass Eppler abgsehen von Gastauftritten nur zwei Einsätze vergönnt waren!

Jan Offline




Beiträge: 1.752

25.02.2021 19:38
#21 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Liersdahl (Dieter Eppler) Zitat · Antworten

Ich habe gerade einen leichten Schreck bekommen, als ich sah, dass ich im Februar 2015 hier etwas zu "Saarbrücken an einem Montag" geschrieben habe. Ich war bis eben noch davon überzeugt, die Episode nie gesehen zu haben. Jetzt, langsam kommt aber die Erinnerung zurück. Hab's gestern Abend auch aufgenommen und werde das in absehbarer Zeit ansehen. Mal gucken, wie mir das sechs Jahre später gefällt...

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.877

26.02.2021 23:07
#22 RE: Die 1970er-"Tatort"-Kommissare: Liersdahl (Dieter Eppler) Zitat · Antworten

Ein schöner Nebenaspekt an diesem Forum ist, dass es mitunter als eine Art "Ersatzgedächtnis" fungiert...

Nachdem mir "Saarbrücken an einem Montag" sehr gut gefallen hatte, habe ich mir gleich den zweiten und letzten Liersdahl-Tatort "Das fehlende Gewicht" vorgenommen und muss konstatieren, dass Rolf von Sydow ein nahezu gleichwertiger Film gelungen ist. Der einzige Bereich, in dem der vorliegende hinter dem ersten Film zurücksteht, ist in der Tat die Besetzung - die ganz großen Gaststars sucht man vergebens. Dafür kommt "Das fehlende Gewicht" - wohl auch wegen einer Länge von nur knapp 75 Minuten - wesentlich kurzweiliger daher. Rolf von Sydow inszeniert mit einem guten Gespür für Tempo und Prägnanz. Insgesamt kann ich nur wiederholen, was ich schon im letzten Posting geschrieben habe: Schade, dass Dieter Eppler nicht mehr Einsätze vergönnt waren!

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