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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 570 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Georg Offline




Beiträge: 2.745

04.10.2011 20:45
The Night Child (1975) Zitat · antworten

Il medaglione insanguinato (Perché?!)
wörtlich: Das blutige Medaillon (Warum?!)
Italien / Großbritannien 1975

Der BBC-Journalist Michael Williams (Richard Johnson) soll im italienischen Spoleto eine Dokumentation über Bilder mit Dämonen drehen. Er nimmt seine Tochter Emily (Nicoletta Elmi) mit, die noch immer vom Tod der Mutter – sie starb bei einem Brand – gebrandmarkt ist. Auch Jill (Evelyne Stewart), die Gouvernante, kommt mit. In Spoleto angekommen beginnen sich die Dinge seltsam zu entwickeln. Während Michael die Unterstützung einer seltsamen Gräfin (Lilo Kedrova) sucht, bekommt Emily seltsame Visionen, in denen sie sich selbst im Jahre 1784 sieht, wie sie von Menschen in Spoleto verfolgt wird. Schon damals trägt sie jenes Amulett, dass sie nun nach dem Tod der Mutter von ihr geerbt hat. Es kommt zu einem richtigen Mord (an der Gouvernante), aber auch zu seltsamen übersinnlichen Ereignissen und einem packenden Finale ...

Massimo Dallamano, der hier übrigens in einem Cameo als Mann am Flughafen auftritt, zeigt mit "Il medaglione insanguinato (Perché?!)", erneut was er kann. Er mischt die realen Geschehnisse mit zahlreichen mysteriösen Rückblenden, von denen man nicht weiß, ob es sich dabei um tatsächliche Ereignisse handelt, oder um Einbildung der kleinen Emily. Schön langsam lässt er aber klar werden, dass es keine rationale Erklärungsmöglichkeit gibt und dass Emily eine Besessene ist, auf der ein Jahrhunderte alter Fluch liegt. Es fließt kein Tropfen Blut, der Titel "Das blutige Medaillon" ist metaphorisch zu verstehen. Dennoch kann man dem Film Spannung nicht absprechen. Ganz suggestiv arbeitet Dallamano, der hier eindeutig zeigt, dass er früher Kameramann war, mit originellen Zooms, Blenden und Filtern und erzeugt so unheimliches Thrilling. Das Ende ist Böse, kündigt sich aber durch die immer wieder angedeuteten Ereignisse an. Für die Whodunit-Fans gibt‘s dann auch noch eine "irdische" Erklärung, wer die Gouvernante Jill ermordet hat. Für Anhänger des Übernatürlichen gibt es auch eine befriedigende Lösung. Das nächtliche mittelalterliche Spoleto ist eine hervorragende unheimliche Kulisse für die Handlung, Stelvio Ciprianis Musik, die eigentlich gar keine Spannungsmusik ist, passt wunderbar zum Geschehen. Auch die London-Aufnahmen hinterlassen einen guten Eindruck.

Das Ganze schließt – für einen Spielfilm sicherlich ungewöhnlich – mit einem Zitat des damaligen Papstes Paul VI. über Dämonen.

Der Arbeitstitel des Films war einfach "Perché?!" (Warum?!). Damit wurde er auch in die Kinos gebracht, um wenige Wochen später in "Il medaglione insanguinato" (Das blutige Medaillon) umbenannt zu werden.

Fazit: Kein Giallo (oder vielleicht ein bisschen, immerhin gibt es einen Mord), aber für Fans von Massimo Dallamano oder Übersinnlichem doch ganz empfehlenswert. Der Film wurde übrigens beim 67. Filmfestival in Venedig 2005 nochmals restauriert aufgeführt. Das spricht für seine Qualität.

Regie: Massimo Dallamano, Buch: Franco Marotta, Massimo Dallamano, Laura Toscano, Musik: Stelvio Cipriani, Kamera: Franco delli Colli, Produzenten: Fulvio Lucisano, William Reich, Mit Richard Johnson, Joanna Cassidy, Evelyne Stewart, Edmund Purdom, Nicoletta Elmi, Lila Kedrova

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

23.12.2012 13:55
#2 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten



THE NIGHT CHILD / IL MEDAGLIONE INSANGUINATO (1975)

mit Richard Johnson, Joanna Cassidy, Nicoletta Elmi, Edmund Purdom, Dana Ghia sowie Ida Galli und Lila Kedrova


Michael Williams (Richard Johnson), ein englischer Journalist und Produzent von Dokumentationen, soll in Spoleto einen Film über die Darstellungen von Teufeln und Dämonen in der Kunst drehen. Er nimmt seine Tochter Emily (Nicoletta Elmi) und deren Kindermädchen Jill (Ida Galli) mit auf diese Reise. Emily soll den schrecklichen Tod ihrer Mutter (Dana Ghia) vergessen, doch die Dinge beginnen sich merkwürdig zu entwickeln. Das Mädchen legt Verhaltensweisen an den Tag, die alle Beteiligten verwirren, nachdem Michael die Bekanntschaft mit der eigenartigen Contessa Cappelli (Lila Kedrova) gemacht hat. Fortan hat Emily eigenartige Visionen und Tagträume, die in Verbindung mit einem Medaillon stehen, welches ihr Vater einst ihrer Mutter schenkte. Auch sieht sie sich selbst in Situationen der Verfolgung, allerdings liegen diese Szenen zwei Jahrhunderte zurück, und werden im Detail auf einer Malerei gezeigt, die für die Dokumentation ihres Vaters relevant ist. Die Contessa warnt Michael eindringlich, Spoleto so schnell wie möglich zu verlassen, da er das Unheil sonst nicht mehr aufhalten könne. Doch er reagiert zu spät, denn der erste Mord ist bereits geschehen ...

Mit 'The Night Child' hat man es mit einem hochinteressanten Beitrag von Massimo Dallamano zu tun, welcher lange Zeit nicht preisgibt, in welche Richtung es genau gehen wird. Zunächst lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine Art Exorzisten-Interpretation handeln würde, und als Nicoletta Elmi nach geraumer Zeit ähnliche Zustände bekommt wie Linda Blair in "Der Exorzist", fühlt man sich schließlich bestätigt. Doch es handelt sich dabei nur um wenige Sequenzen und der Film Zeigt eindrucksvoll, dass er in eine völlig andere Richtung gehen möchte, und das tut er auch. Das übersinnliche Thema ist alles andere als uninteressant, und die gelungene Umsetzung macht insgesamt eine große Überraschung aus diesem traumwandlerischen Film, der vielleicht ein zu behäbiges Erzähl-Tempo mit sich bringt, aber seine relativ komplexen Inhalte langsam in kunstvoller Façon präsentiert. Es gibt keinen einzigen Tropfen Blut zu sehen, keine unnötigen Abartigkeiten, die sparsamen Effekte sind wohl dosiert und der Gesamteindruck vermittelt eine gewisse Raffinesse. Das Sahnehäubchen des kompletten Films ist das wunderschöne und idyllisch wirkende Musik-Thema von Stelvio Cipriani, das in verschiedenen Variationen jeden einzelnen Moment hervorragend unterstützt, und einen spürbaren Kontrast zum Geschehen darstellt. Nach dem Anschauen bleibt es noch Tage lang in den Gedanken hängen. Als solide Verstärker im Rahmen der Überzeugungskraft hat sich eine hervorragende Besetzung versammelt.

Richard Johnson sieht man als Witwer, der sich offenbar mit Arbeit ablenkt, und für den es seit dem Tod seiner Frau nur noch seine Tochter gibt. Vielleicht fehlen ihm daher auch die Antennen für die stille Liebe von Emilys Gouvernante ihm gegenüber. Als er Joanna Morgan kennen lernt, die ihm für seine Dokumentation zur Verfügung steht, wendet sich das Blatt und die beiden beginnen eine überschnelle Affäre miteinander. Richard Johnson spielt mehr als solide, seine schöne Partnerin Joanna Cassidy sogar leichtfüßig, und als Hauptrollen hinterlassen die beiden einen sehr guten Eindruck, auch wenn sie im Geschehen immer wieder von einer omnipräsenten Nicoletta Elmi überlagert werden. Sie stellt für mich DAS böse und unberechenbare Gesicht des zeitgenössischen Genre-Kinos dar. Diese Mischung aus unschuldiger Erscheinung und potentieller Gefahr ist schon erstaunlich. Ein wirklich schreckliches Kind, das einen das Fürchten lehren kann, da man in keiner Sekunde ahnt, was sie als nächstes tun wird. Ihre Szenen sind hervorragend dargestellt und perfekt choreografiert worden. Ida Galli als Kindermädchen wirkt bieder und blutleer, es ist kein Wunder, dass sich ihr Chef nicht für sie interessiert. Die Italienerin spielt wie immer glaubhaft und erfreut besonders in ihren Szenen, in denen sie zu Temperament und Reaktion gezwungen wird. Dana Ghia ("Sieben Tote in den Augen der Katze") bekommt man lediglich in wenigen Momenten zu Gesicht, die als Rückblenden angelegt sind. Auffällig dabei ist die Optik, denn sie unterscheidet sich äußerlich kaum von ihrer Kollegin Ida Galli. Eine weitere großartige Figur stellt Lila Kedrova (bekannt aus "Der zerrissene Vorhang" oder "Claire de femme") als mysteriöse Gräfin dar, die wie eine Botin des Unheils wirkt. Ihre Vorahnungen schweben wie ein Fluch über der Geschichte, und über sie wird letztlich auch eine subtile Spannung aufgebaut. Ein ausgewogenes Ensemble!

'The Night Child' wird dank der unkonventionellen aber auch kompetenten Regie von Massimo Dallamano zu einem Volltreffer. Mangels Effekthascherei entsteht sogar manchmal die eigenartige Empfindung, die in Richtung Plausibilität des Ganzen geht, natürlich mit deutlichen Abstrichen. Die Inszenierung gleicht oft einem Traum, der sich einerseits kunstvoll präsentiert, andererseits aber auch aus dem Nichts seine bösen Hände nach den Personen ausstrecken kann. Die dazu angefertigten Sequenzen können oftmals weder von den beteiligten Personen, noch vom Zuschauer richtig auseinander gehalten werden. Ein Labyrinth aus Traum und Wirklichkeit, was trotz mäßigen Tempos fesseln kann. Vom Prinzip her erinnert das Konzept an den unter der Regie von James Kelly, im Jahre 1972 entstandenen Film "Diabolisch / Night Child", wobei sich angesichts einer Genre-Zugehörigkeit auch wieder nur schwer Parallelen finden lassen. Insgesamt erteilt "Il medaglione insanguinato" eine kleine Lehrstunde im Bereich der Optik, denn die Kamera-Arbeit ist ausgezeichnet und begünstigt immer wieder aufkommende Spannung, die selbst in Sequenzen der vermeintlichen Ruhe aufkommt. Viele Zooms lassen die Personen oder deren Emotionen hautnah erscheinen und ungewöhnliche Perspektiven sorgen für den kleinen Thrill. Des Weiteren kann es nicht oft genug betont werden, wie wichtig die Musik von Stelvio Cipriani für diese Produktion ist. Dass die Dialoge doch recht einfach ausgefallen sind, oder die Absturz-Szenen einiger Personen selbst für Mitte 70er Verhältnisse miserabel erscheinen, ist nicht weiter schlimm, denn es wird weitreichend versucht, höhere kognitive Ebenen anzusprechen. Ein Film voller Symbolik und Metaphorik, voller Schönheit und Sinnlichkeit, aber auch brodelnder Gefahr und Nachdenklichkeit, darüber hinaus exzellent choreografiert und fotografiert, was will man eigentlich mehr? Top!

Blap Offline




Beiträge: 1.128

23.12.2012 14:32
#3 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten

Il medaglione insanguinato (Italien, Großbritannien 1975, Originaltitel: Il medaglione insanguinato)

Für die BBC soll Michael Williams (Richard Johnson) nach Italien reisen, um in dem beschaulichen Städtchen Spoleto -und dessen Umfeld- eine Dokumentation mit okkulter Thematik zu drehen. Eigentlich möchte der Journalist die Reise von London nach Spoleto alleine antreten, doch seine Tochter Emily (Nicoletta Elmi) bereitet ihm in der letzten Zeit arge Sorgen. Michaels Gattin, gleichzeitig Emilys Mutter, kam bei einem tragischen Unfall auf grausame Art ums Leben. Seither wird das kleine Mädchen von fürchterlichen Albtäumen gepeinigt, aus denen sie panisch und völlig verstört erwacht. Der Arzt rät dem Vater ausdrücklich dazu, mehr Zeit mit seinem Kind zu verbringen, es auch mit auf die Dienstreise zu nehmen. Kindermädchen Jill (Ida Galli) begleitet Vater und Tochter, man freut sich auf eine entspannte, schöne Zeit. In Spoleto muss sich Williams aber vornehmlich um seine Arbeit kümmern, wodurch er sich den Unmut seiner Tochter zuzieht. Zunächst drangsaliert Emily ihre Nanny. Als sie bemerkt, dass sich ihr Vater und die hübsche Joanna (Joanna Cassidy) näherkommen, wird das Mädchen zunehmend aggressiv, täuscht Albträume und Angstattacken vor. Michael wurde bereits vor diesen Ereignissen von der ein wenig verschrobenen Contessa Cappelli (Lila Kedrova) gewarnt, er soll Spoleto den Rücken kehren, zum Schutze seiner Tochter und seiner Selbst. Der bodenständige Journalist tut die Ausführungen der Contessa zunächst als Spinnereien ab. Als sich jedoch immer wieder befremdliche Dinge zutragen, und schliesslich sogar eine nahestehende Person zu Tode kommt, beginnt Michael ernsthaft über die Worte der Contessa nachzudenken. Welche Bedeutung hat das Medallion, welches Michael einst seiner Ehefrau schenkte? Seine Tochter wollte dieses Schmuckstück der verstorbenen Mutter unbedingt an sich nehmen und trägt es mit Vorliebe. Was hat es mit dem alten Gemälde auf sich, das in einer leerstehenden Villa hängt, die eine zentrale Rolle in Michael Dokumention spielt?

Hui...! Nach dem Genuss dieses Films saß ich völlig entrückt und entzückt auf dem Sofa. Als ich mich nach einigen Minuten wieder halbwegs gefangen hatte, wollte ich am liebsten umgehend meinen üblichen Kurzkommentar in die Tastatur klopfen. Doch dann fiel der Entschluss zunächst eine Nacht darüber zu schlafen, um nicht vor lauter Begeisterung vollends die Contenance zu verlieren. Naja, schlafen konnte ich sowieso nicht. Aber obwohl meine Freude über diese Perle noch immer keine Grenzen kennt, kann ich meine wirren Gedanken mit ein paar Stunden Abstand vielleicht ein wenig besser ordnen. Lese ich den Namen Massimo Dallamano, denke ich umgehend an sehr starke Filme wie den prächtigen Giallo "Cosa avete fatto a Solange?" (Das Geheimnis der grünen Stecknadel, 1972), mir fällt der packende Giallo/Poliziesco Hybrid "La polizia chiede aiuto" (Der Tod trägt schwarzes Leder, 1974) ein. Nicht zu vergessen der Poliziesco Reisser "Quelli della calibro 38" (Kaliber 38 - Genau zwischen die Augen, 1976). Mit "Il medaglione insanguinato" -der ausserhalb Italiens offensichtlich nahezu unbeachtet blieb- begibt sich Dallamano auf ein anderes Terrain, den Horrorfilm! Wer nun sofort wilde Metzeleien, Blut, Gedärm und Orgien der Gewalt assoziiert, der liegt in diesem Fall völlig daneben! Regisseur Dallamano setzt hier nicht auf vordergründige Schauwerte, sondern präsentiert uns ein wundervoll inszeniertes Werk, prächtig fotographiert von Franco Delli Colli, mit erstklassigen und motivierten Schauspielern besetzt.

Zunächst ein paar Worte zu den Darstellern. Richard Johnson kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Er war in diversen Horrorfilmen zu sehen, doch sein Wirken beschränkt sich nicht auf dieses Genre. Trotzdem möchte ich zwei prachtvolle Klassiker des Horrors anführen, in denen Johnson vor der Kamera stand. Zwei Filme die bei oberflächlicher Betrachtungsweise in eine Schublade zu passen scheinen, tatsächlich aber völlig unterschiedlicher Natur sind. Den Status "Klassiker" dürfen sich jedoch beide Streifen voller Stolz an die Brust heften: "The Haunting" (Bis das Blut gefriert, 1963) und "Zombi 2" (Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies, 1979). Johnsons Gesicht sollte also geläufig sein, jüngere Zuschauer werden ihn vermutlich aus "Lara Croft: Tomb Raider" kennen (Wobei ich "Tomb Raider" eher nicht zu den Highlights in der Filmographie des guten Mannes zählen möchte). Aber zurück zum Kern der Sache. Johnson macht seinen Job hier sehr ordentlich, zwar setzen andere Mitwirkende die wahren Glanzlichter, doch Johnson geht trotzdem nicht unter, er ergänzt das Geschehen vortrefflich, spielt nicht abgehoben, aber zu jeder Zeit überzeugend. Wer sind nun die wahren Stars in "Il medaglione insanguinato"? Natürlich die kleine Nicoletta Elmi, die man aus Dario Argentos "Profondo Rosso" (Rosso - Die Farbe des Todes, 1975) kennt. Hier darf sie nicht nur eine Nebenrolle bekleiden, sondern als zentrale Figur massiven Einfluss auf das Gelingen des Gesamtwerkes nehmen. Nicoletta Elmi wurde 1964 geboren, während der Dreharbeiten wird sie also erst zehn, elf Jahre jung gewesen sein. Was dieses kleine Mädchen leistet ist mehr als eindrucksvoll! Wenn Kinder in Filmen wichtige, entscheidende Rollen ausfüllen sollen, neige ich dazu sehr skeptisch und leicht angenervt zu reagieren. Nicoletta wischt aber von der ersten Sekunde an sämtliche Bedenken vom Tisch, nicht dass ich bei ihr überhaupt Bedenken gehegt hätte, ich kenne sie ja auch einigen anderen Filmen, sie überzeugt immer. Sie meistert alle Gefühlslagen mit Bravour, wir sehen das brave Mädchen, das panische und verstörte Mädchen, geplagt von schlimmen Träumen und Erinnerungen, die bösartige, intrigante Göre... ...egal welche Stimmungen ihre Figur gerade durchlebt, man nimmt Nicoletta ihre Darbietung zu jeder Sekunde ab, phantastisch! Zusätzlich muss erwähnt werden, dass sich diese Intensität nicht aus Special Effects ableitet, hier wird nicht erbrochen und Blut gespuckt, hier wird Schauspielkunst zelebriert! Leider ist Nicoletta Elmi seit über zwanzig Jahren nicht mehr im Geschäft, was ich wirklich sehr, sehr schade finde. Mein anderes Glanzlicht ist Lila Kedrova. Sie gibt die verschrobene Edeldame in den besten Jahren, greift dabei aber auch zu keiner Zeit auf vordergründiges Gegeifer zurück, ebenfalls eine ganz vorzügliche Leistung! Joanna Cassidy als Love Interest des Vaters macht eine gute Figur, was auch für Ida Galli in der Rolle des unglücklich verliebten Kindermädchens gilt. Frau Cassidy ist übrigens noch heute sehr aktiv, mir gefiel sie in der HBO Serie "Six Feet Under" sehr gut.

Das in Umbrien gelegene Städtchen Spoleto bietet eine prachtvolle Kulisse für den Film. Doch Dallamano lässt den Ort nicht wie ein Gruseldorf aus einem Gothic Horror Werk erscheinen, er verneigt sich vor der Schönheit der Architektur, vor den Reizen der bezaubernden Landschaft. Selbst die alte Villa atmet -zumindest in erster Linie- noch immer die überall sichtbare Schönheit, der Grusel packt auf eine eher subtile Art zu. Hier spielt der Regisseur immer wieder mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Teils kommt es zu den bereits vermuteten Ereignissen, dann aber passiert doch etwas anderes, vielleicht harmlose Dinge, vielleicht grausige Dinge. Obwohl auf die besagten "Schauwerte" fast vollständig verzichtet wurde, packte es mich mehrfach eiskalt im Nacken. Ein Beispiel: Der Vater betrachtet das unheimliche Gemälde, ein schneller Schnitt, er sieht in Gedanken seine panische Tochter auf sich zurennen... ...wuaaah... Wenn in diesem Moment jemand unerwartet im Türrahmen unseres Wohnzimmers gestanden hätte, ich würde nicht mehr unter den Lebenden weilen, da bin ich mir absolut sicher! Es wundert nicht, dass der Score von Stelvio Cipriani ebenfalls ganz vorzüglich geraten ist, die Bilder vortrefflich untermalt und die Wirkung dieses bezaubernden Werkes dadurch noch weiter verstärkt! Da ein "Kurzkommentar" nicht gleich einige Seiten füllen soll, will ich -schweren Herzens- langsam aber sicher zum Ende kommen. Ich möchte diesen Film jedem Freund gepflegter Gruselunterhaltung ans Herz legen! Wer sich sonst von Horror wegen befürchteter Gewalt und unerwünschten Gedärmen fernhält, aber dem Genre ansonsten nicht grundsätzlich abgeneigt ist, der sei hiermit ausdrücklich dazu ermutigt sich diesen wunderschönen Film anzusehen! Massimo Dallamano gewinnt der "Possessed Child" Sparte neue Facetten ab, schenkt dem Filmliebhaber eine betörend schöne Perle der Filmkunst! Mit "Il medaglione insanguinato" hat der -leider viel zu früh verstorbene- Regisseur ein kleines Meisterwerk hinterlassen, ein echtes Schätzchen, liebenswert und unvergesslich!

Die DVD aus Italien stammt von IFF Home Video und ist sehr empfehlenswert. Der italienische Originalton kann wahlweise durch italiensche oder englische Untertitel ergänzt werden. Da die Untertitel handwerklich solide ausgeführt sind, kann man ihnen ohne Probleme folgen, der Filmgenuss wird nicht beeinträchtigt. Das Label hat auch eine schöne DVD zu "Cosa avete fatto a Solange?" (die ich vor kurzer Zeit im Player hatte) veröffentlicht, wie gehabt ist die Bildqualität sehr ansprechend. Man findet "Il medaglione insanguinato" z.B. bei eBay sehr günstig. Ein seriöser Händler aus Italien bietet den Film zu einem mehr als sehr fairen Preis an. Inklusive Porto habe ich keine 10€ gezahlt, die DVD erreichte mich bereits nach fünf Werktagen, sicher in einem Luftpolsterumschlag verpackt!

Überragend und wundervoll! Hier muss ich ganz dicke 9/10 ziehen!!!

Lieblingszitat:

"Living here is like living out of time"

***

Vom Ursprung her verdorben

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

23.12.2012 14:37
#4 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten

@Blap, da hatten wir die Tage wohl beide dasselbe Vergnügen und, was die Besprechung angeht, die gleiche Idee! Ich bin mir sicher, dass der Film so manchem hier gefallen würde! Um einen kleinen Eindruck zu gewinnen, hier noch der Trailer. Ebenfalls sehr empfehlenswert die wunderschöne Musik von Stelvio Cipriani.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

24.12.2012 12:47
#5 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten

Meine Anmerkungen sind schon etwas älter, ich habe sie nach Entdeckung des Threads ausgegraben. Man kann nicht häufig genug auf diesen wundervollen Film hinweisen.

***

Vom Ursprung her verdorben

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

24.12.2012 12:50
#6 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten

Na, wenn das so ist. Sonst heißt es nachher noch, wir zwei hätten uns abgesprochen. Aber Du hast vollkommen recht, dieser Film, den ich die Tage zum ersten Mal sehen durfte, ist wirklich großartig geworden! Auch die Musik schwirrt mir noch pausenlos im Kopf herum ...

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.251

27.12.2012 16:26
#7 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten

Der Film ist genial - auch bei wiederholtem Ansehen. Würde auf jeden Fall die italienische DVD empfehlen, die hat meiner Meinung nach ein angenehmeres Bild als die US-Disc von Code Red.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.424

09.02.2017 13:15
#8 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten



The Night Child (Il medaglione insanguinato – Perché?!)

Horrorfilm, IT 1975. Regie: Massimo Dallamano. Drehbuch: Franco Marotta, Massimo Dallamano, Laura Toscano. Mit: Richard Johnson (Michael Williams), Nicoletta Elmi (Emily Williams), Joanna Cassidy (Joanna Morgan), Evelyne Stewart (d.i. Ida Galli) (Jill Perkins), Lila Kedrova (Gräfin Cappelli), Dana Ghia (Emilys Mutter), Riccardo Garrone (Inspektor), Edmund Purdom (Arzt), Eleonora Morana (Hausmädchen der Gräfin), Aristide Caporale (Nazareno, Pensionsgehilfe) u.a. Uraufführung (Italien): 22. April 1975.

Zitat von The Night Child
Als der Journalist Michael Williams seiner Tochter Emily ein Medaillon schenkt, das seiner verstorbenen Frau gehörte, kann er nicht ahnen, dass er Emily damit in einen wahren Teufelskreis bringt: Das Mädchen, das ohnehin schon von Alpträumen vom Tod seiner Mutter geplagt wird, entwickelt eine zunehmende Neurose, die die Dreharbeiten zu Michaels neuer Dokumentation über satanische Einflüsse auf italienische Kunst erschwert. Die Gräfin Cappelli, die über das zweite Gesicht verfügt und die Produktion als Expertin unterstützt, warnt vor weiterem Unheil und sogar vor Todesfällen. Im Mittelpunkt des Geschehens scheint ein Gemälde zu stehen, das der Teufel selbst gemalt haben soll ...


Bei der Personalie Massimo Dallamano hält der geneigte Italo-Fan gespannt inne – umso mehr in diesem Forum, als „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ hier für so ziemlich jeden Giallo-Freund Einstiegsdroge Nummer 1 gewesen sein dürfte. Dallamano, der ein ausgezeichneter Handwerker war, schämte sich nicht, auf die jeweils aktuelle Welle filmischer Modeerscheinungen aufzuspringen. Während „Stecknadel“ in der Tradition der Argento-Thriller, die hierzulande als BEW-Titel vermarktet wurden, stand, und Dallamano auch an der italienischen Polizeifilm-Schwemme der Mittsiebziger fleißig partizipierte, nahm er sich für „The Night Child“ den Erfolg des Horrorfilms „Der Exorzist“ von William Friedkin von 1973 zum Vorbild. Und während man einerseits den eher psychologisch-zurückhaltenden, etwas feinsinnigeren Umgang mit der Teufelsaustreibungsthematik in „The Night Child“ loben muss, kommt man nicht umhin, die Schockmechanismen des hier vorliegenden Films als genretypisch und weitgehend logikbefreit zu bezeichnen. Ob man ihn letztlich mag, wird also weniger vom unzweifelhaften Können Dallamanos abhängen, der wieder einmal eine exzellente Palette demonstriert, als vielmehr von der persönlichen Einstellung zu übersinnlichem Exorzismus-Horror, abseits dessen der Film inhaltlich kaum etwas zu bieten hat.

Inszenatorisch dagegen versorgt uns Dallamano mit exzellenten Spannungsbildern. Während man auf die Rahmenhandlung in London, die ein wenig zu offensichtlich der britischen Produktionsbeteiligung zuzuschreiben ist, gut hätte verzichten können, nimmt „The Night Child“ voll an Fahrt auf, sobald die Figuren ins malerisch-unheimliche umbrische Spoleto eintauchen. Dallamano verbildlicht die Stadt, als sei sie mit einer Zeitmaschine ins Jahr 1975 katapultiert worden, sodass sie für die historischen Flüche und Geheimnisse genau das richtige Umfeld zur Entfaltung bietet. Vor allem die Szenen in der nächtlichen Altstadt und der einsamen Villa gelingen gemäldegleich und sind mit Anspielungen auf diabolische Vorkommnisse (man denke nur an den dreibeinigen Hund) gespickt.



Die Kernfaszination des Films geht freilich von der bewundernswerten Kinderdarstellerin Nicoletta Elmi aus. Elmi, das ultimative Mädchengesicht des Genres, verbindet kindliche Unschuld mit mörderischer Durchtriebenheit auf einem für ihr Alter schier unfasslichen Niveau. Bekannt aus „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“ und „Rosso – Die Farbe des Todes“, drückt sie auch diesem Werk ihren unverkennbaren Stempel auf, indem sie nach außen hin ’mal freundlich, ’mal bedrückt, hinter der Fassade aber heimtückisch und besessen agiert. Die Momente, in denen Dallamano ihre Anfälle in Szene setzt, sollten wegen Elmis Leistung aber nicht automatisch mit den Höhepunkten des Films gleichgesetzt werden, die vielmehr in den stilleren Momenten und psychologischen Abgründen ihrer Rolle zu verorten sind.

Ebenfalls sehr solide an ihrer Seite agiert Richard Johnson als ihr Vater, dessen enge familiäre Bindung ihn blind für das gefährliche Spiel seiner Tochter macht. In seiner Rolle spielt der Film die Trumpfkarte eines ausweglosen Untergangs aus, die der Produktion eine düster-pessimistische Note verleiht. Nur stellenweise wird diese von der leichtherzigen Joanna Cassidy unterbrochen, die aber keine nennenswert nachhaltige Leistungen verbuchen kann. Hervorhebenswerter scheint mir die medial veranlagte Gräfin (Lila Kedrova) zu sein, die als unerklärter deus ex machina dieses Films dessen unheilvolle Stimmung wesentlich mitbefeuert. Sie hätte am Ende unbedingt noch einmal einen zusammenfassenden Auftritt verdient gehabt, der mehr Aufschluss über ihre persönliche Beziehung zu der zentralen Malerei gibt!

Über das Optische hinaus verzückt die Musik von Stelvio Cipriani die Ohren der Zuschauer, wobei der Score – wie für Ciprianis Musiken üblich – erst bei mehrfachem Hören ins Ohr geht. Seine Kompositionen passen insofern zum teuflischen Thema, als sie süß und verlockend klingen, was in einigen Klavierstücken, die von der jungen Emily dargeboten werden, besonders heraussticht. Insgesamt bietet der Film ein erwartbar rundes Gesamtkonzept, das die zahlreichen ausdrücklichen Lobeshymnen, die man über „The Night Child“ liest, gut nachvollziehbar macht. Man sollte jedoch bedenken, dass es sich nicht um einen Giallo im eigentlichen Sinne handelt, sondern um einen wild umherfantasierenden Horrorfilm, der sich leider zu keinem Zeitpunkt die Mühe macht, seine Schocks in Bezug zur Realität zu setzen.

Vom Teufel besessen, spielt Nicoletta Elmi alle erwachsenen Schauspieler locker an die Wand. Der größte Pluspunkt des Films ist zugleich seine Schwäche – Dallamano verlässt sich allzu sehr auf die Wirkkraft seiner Kinderdarstellerin und vernachlässigt dabei inhaltliche Fragen zugunsten einer furiosen (sauber gefilmten und absolut unterhaltsamen) Horror-Mischpoke. 3,5 von 5 Punkten. Eine Empfehlung nur für Freunde übersinnlichen Grusels.



Die DVD von Arrow Films (UK-Import): Die Personalie Dallamano sorgte dafür, dass „The Night Child“ gleich in mehreren guten, anglophilen DVD-Fassungen in Italien (von 01 Distribution / IIF), den USA (von Code Red und von Sinister Cinema) sowie Großbritannien (von Arrow) herausgebracht worden ist. Die ständige Betonung im Booklet der Arrow-Scheibe, die mir vorliegt, wie overlooked und unterschätzt der Film und sein Regisseur doch sein sollen, kann ich daher nicht so ganz nachvollziehen. Abgesehen vom eher schwachen Booklet, das praktisch einer kommentierten Filmografie gleicht, bietet die Arrow-Scheibe ein rundum gelungenes Filmvergnügen mit einem Transfer, der der italienischen DVD ebenbürtig und besser als der der amerikanischen ausfällt sowie auch solche Szenen enthält, die die US-Fassung unter den Tisch fallen lässt (detaillierter Review). Der Zuschauer hat die Wahl zwischen englischem und italienischem Ton – beide Spuren werden auf Wunsch von englischen Untertiteln begleitet. Nach der Filmsichtung bietet sich die Kurzdokumentation über die Hoch- (und Tief-)Punkte des italienischen Exorzistengenres an, die einen gelungenen Kurzeinstieg in die Thematik bietet, auch wenn man sie nicht gerade als Werbeplattform für die meisten der angesprochenen Filme bezeichnen kann. Italienischer und amerikanischer Trailer sind ebenfalls im Bonusbereich zu finden – darüber hinaus bietet Arrow als Schmankerl ein Wendecover an, wobei es schwer fällt, sich zwischen den beiden sehr ansprechenden Artworks zu entscheiden. Insgesamt ein ausgezeichnetes DVD-Package, das seit geraumer Zeit zum Spottpreis um die 5 Pfund verhökert wird.

Mark Paxton Online




Beiträge: 331

13.02.2017 13:16
#9 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten

Gibt es denn einen Grund dafür, warum plötzlich alle nichtsynchroniserten Titel mit dem bescheuerten englischen Titel als Threadüberschrift erscheinen? Man sucht doch immer mit dem Originaltitel und nicht mit dem englischen. Es gibt schließlich auch Leute hier, die Italienisch beherrschen bzw. die Filme mit Untertiteln im Original ansehen. Das ist ziemlich unübersichtlich.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.424

13.02.2017 13:45
#10 RE: The Night Child (1975) Zitat · antworten

Unübersichtlich. Sorry, dass ich da jetzt ein bisschen schelmisch grinse, aber im Giallo-Bereich sind englische Titel schlichtweg die jeweils bekanntesten, wenn die Filme nicht ins Deutsche synchronisiert wurden. Schau dir z.B. 'mal an, wie andere Giallo-Foren ihre Themen benennen und damit den Fansprech prägen, wie OFDb die Titel listet oder wie viele Treffer Google jeweils für die Kombo der englischen bzw. italienischen Titel mit dem entsprechenden Produktionsjahr auswirft. Da würden wir hier höchstens mit italienischen Threadtiteln aus der Reihe tanzen. Deshalb helfe ich der Übersichtlichkeit momentan ein bisschen nach und benenne sukzessive die italienischen Threads in ihre jeweils bekanntesten AT um. Die Themen findet man über die Suche trotzdem, wenn man auf die italienischen Titel besteht, denn alle rücksichtsvollen Kommentatoren verwenden natürlich sowohl den gängigen Filmtitel als auch den OT in ihren Rezensionen.

Nett übrigens, dass du mir nebenher unterstellst, ich hätte den Film nicht in OmU gesehen und könnte mit Italienisch sowieso nichts anfangen.

Aber vielleicht hast du ja auch etwas direkt zum Film zu sagen? Nachdem er Georg so gut gefallen hat, vermute ich, dass er auch deinen Geschmack traf.

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