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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 389 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Georg Offline




Beiträge: 3.031

28.09.2011 22:02
Knife of Ice (1972) Zitat · Antworten

Il coltello di ghiaccio
wörtlich: Das Messer aus Eis
Spanischer Titel: Detrás del silencio (= Hinter der Stille)
Italien / Spanien 1972

"La paura è un coltello di ghiaccio" - "Die Angst ist ein Messer aus Eis". Dieses Zitat stammt von Edgar Allan Poe, wird unmittelbar nach dem Vorspann eingeblendet und gibt dem Film den Titel. Kein Killer mit einem Eis-Messer also. Im Mittelpunkt der Handlung steht die stumme Marta, die mit ihrem Onkel Sir Ralph in einem abgelegenen Haus in Montsery in Katalonien wohnt. Ihre Stimme verlor sie in Folge eines Schocks, als sie mitansehen musste, wie ihre Eltern bei einem Zugsunglück umkamen. Nun besucht ihre Cousine Jenny, die eine berühmte Sängerin geworden ist, die Familie. Doch mit ihrem Auftauchen kommt es zu unheimlichen Todesfällen, bei denen stets das gemalte Gesicht eines Teufels am Tatort auftaucht. Der unbekannte Täter verschickt die Zeichnungen auch per Post oder malt sie an Bäume. Die stumme Marta steht weiter im Mittelpunkt des Geschehens, während die Polizei meint, es mit einem Satanisten zu tun zu haben, was natürlich ein Irrtum ist ...

Weniger als Durchschnitt. So könnte man diesen Giallo von Umberto Lenzi kurz und bündig beschreiben. Die Handlung plätschert vor sich hin, hier und da gibt es ein paar nette Einfälle, die spanische Location ist ganz interessant und teilweise unheimlich, richtige Gruselspannung will aber nicht aufkommen. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass in den entscheidenen spannenden Szenen keine Musik vorkommt. Umberto Lenzi, der in Filmen wie "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" ja auf äußerst brutale, zweifelhaft orginelle Mordmethoden zurückgriff (ich denke da etwa an die Bohrmaschine), verzichtet in "Il coltello di ghiaccio" fast gänzlich auf Gewalt (und übrigens gänzlich auf Erotik). Das meiste Blut fließt noch in dem völlig sinnlosen und tierquälerischen Stierkampf, der während des Vorspanns dieser italienisch-spanischen Coproduktion gezeigt wird. Ach ja, das Ende ist überraschend, aber nicht besonders glaubwürdig. Der Titel passt auch nicht besonders, da gefällt mir der spanische Kinotitel "Detrás del silencio" (wörtlich "Hinter der Stille") schon viel besser, weil er auch gelungen zur Auflösung passt.

Fazit: eine eher langweilige Angelegenheit, die wohl nicht umsonst nicht auf Deutsch synchronisiert wurde.

Regie: Umberto Lenzi, Drehbuch: Umberto Lenzi nach einer Idee von Antonio Troiso, Umberto Lenzi, Musik: Marcello Giombini, Kamera: José F. Aguayo (Sohn), Produktion: Mundial Film, Tritone Cinematografica, Mit: Carroll Baker, Alan Scott, Ida Galli (als Evelyn Stewart), Eduardo Fajardo, Silvia Monelli, George Rigaud, Franco Fantasia

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

29.09.2011 17:45
#2 RE: Knife of Ice (1972) Zitat · Antworten

Kann diese Kritik an "Knife of Ice" nicht ganz nachvollziehen ...

Ein sehr ruhiger, gut gespielter und sehr stilvoll inszenierter Thriller von Umberto Lenzi - wie eigentlich alle seine frühen Gialli. Hier kommt es eben nicht auf Schauwerte (blutige oder nackte), sondern auf die Story und die Stimmung an. Von Langeweile keine Spur! Und auch die Abwesenheit von Musik kann eine Szene hervorheben, ihre Wirkung verstärken.

Allerdings verliert er den direkten Vergleich mit "Paranoia" allein schon durch die Besetzung, die dort noch gelungener ist.

Ich sage nur: Schade, dass der Film bei uns nie gelaufen ist!

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Georg Offline




Beiträge: 3.031

29.09.2011 18:26
#3 RE: Knife of Ice (1972) Zitat · Antworten

Zitat von kaeuflin im Beitrag #2
Hier kommt es eben nicht auf Schauwerte (blutige oder nackte), sondern auf die Story und die Stimmung an.

Das ist vollkommen richtig. Ich lege auch mehr Wert auf Spannung, die durch die Handlungen der Personen erzeugt wird, als auf solche, die durch billige Schaueffekte Grusel erzeugen wollen. Im Falle von "Coltello di ghiaccio" zieht sich die Handlung jedoch in meinen Augen ziemlich.
Zitat von kaeuflin im Beitrag #2
Und auch die Abwesenheit von Musik kann eine Szene hervorheben, ihre Wirkung verstärken.

Ebenfalls richtig, gerade heute wird vielzuviel Musik in (TV-)Filmen verwendet, aber gerade bei der einen oder anderen unheimlichen Szene in Lenzis Film hätte ich mir doch irgendeine Untermalung gewünscht. Und wenn es nur irgendwelche Geräusche gewesen wären. Ich finde, gerade das hätte zu subtiler Spannung beigetragen.

Schön, dass du den Film magst.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

29.09.2011 23:35
#4 RE: Knife of Ice (1972) Zitat · Antworten

Georg nimmt eben eine Ausnahmestellung ein (bei den Gialli etc.) - er ist ein "echter" Kritiker. Wie auch bei "Don't Torture a Duckling", wo ich die Musik und den Film auch als sehr gelungen bezeichnen möchte. Von "Knife" habe ich bis jetzt nur den Trailer gesehen, der spannend aussah, und die Musik war auch in Ordnung, auch wenn sie in dem Buch "Giallo - Farbe des Todes" als nervig bezeichnet wird.


MfG
Janek

Blap Offline




Beiträge: 1.128

30.09.2011 19:21
#5 RE: Knife of Ice (1972) Zitat · Antworten

Ein lobender und dankbarer Zwischenruf.

Ich teile zwar Georgs Meinung nicht allzu häufig, finde es jedoch sehr erfrischend und lobenswert, dass hier auch Filme abseits der üblichen DVD-Veröffentlichungen zur Sprache kommen.

***

Vom Ursprung her verdorben

Gubanov Offline




Beiträge: 16.040

18.08.2019 13:30
#6 RE: Knife of Ice (1972) Zitat · Antworten



Knife of Ice (Il coltello di ghiaccio)

Gruselthriller, IT / ES 1972. Regie: Umberto Lenzi. Drehbuch: Umberto Lenzi, Antonio Troisio (Story: Umberto Lenzi). Mit: Carroll Baker (Martha Caldwell), Alan Scott (Dr. Laurent), George Rigaud (Onkel Ralph), Evelyn Stewart (d.i. Ida Galli) (Jenny Ascot), Olga Gherardi (Rosalie), Franco Fantasia (Inspektor Duran), Eduardo Fajardo (Diener Marcos), Silvia Monelli (Hausmädchen Annie Britton), Mario Pardo (Woody Mason), José Marco (Pater Martin) u.a. Uraufführung (IT): 24. August 1972. Uraufführung (ES): 23. Juli 1973. Eine Produktion von Tritone Cinematografica Rom und Mundial Film Madrid.

Zitat von Knife of Ice
Nach mehreren Jahren besucht die weitgereiste Jenny ihre Schwester Martha und deren Onkel Ralph in dem kleinen Dorf, wo beide sich in einem Haus unweit des Friedhofs niedergelassen haben. Martha, deren Eltern bei einem Eisenbahnunglück starben, hat seit dem tragischen Unfall die Stimme verloren. Die unheimliche Atmosphäre des Wiedersehens beider Schwestern verdichtet sich rasch zu einem Mord: Martha findet Jenny erstochen in der Garage – am Tatort wurde eine satanische Zeichnung zurückgelassen. Jenny ist damit nicht das letzte Opfer im Haushalt. Während Inspektor Duran von der örtlichen Polizei vermutet, dass ein drogenabhängiger Teufelsanbeter hinter den Morden steckt, ist die Wahrheit weit tragischer ...


Ähnlich wie der Film noir wird der Giallo oft als ein urbanes Genre (miss-)verstanden. Während die Schilderungen von modernem Lasterleben und abgebrühter Mordlust oft in anonymen Wohnblocks oder den Häusern und Villen der italienischen oberen Mittelklasse angesiedelt sind, so gibt es doch mit verlässlicher Regelmäßigkeit auch immer wieder Ausnahmen von dieser Regel zu verzeichnen. Bevor Luigi Fulci im September 1972 mit seinem ebenfalls sehr ländlichen, aber durch und durch diabolischen „Don’t Torture a Duckling“ ein entsprechendes Ausrufezeichen setzte, kam einen reichlichen Monat vorher das hier vorliegende Werk seines Regiekollegen Umberto Lenzi in die Kinos. Es handelt sich dabei um einen Grenzgänger zwischen klassischem Giallo (Messermorde, eine bedrohte Protagonistin mit psychischem Knacks, eine überforderte Polizei mit falschen Verdächtigungen) und Gruselfilm (satanische Motive, Friedhofsszenen, eine gehörige Portion Nebel, zahllose Nachtaufnahmen, gern mit großem Gewitterdonner), der zudem durch seine recht große spanische Produktionsbeteiligung ein sehr eigenständiges Gesicht erhält.

Lenzi inszeniert vielleicht nicht auf dem sehr hohen Niveau von „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“, stellt aber trotzdem seine Fähigkeit unter Beweis, eine dichte Atmosphäre und echtes Interesse an der Aufklärung der Morde zu erzeugen. Das liegt vor allem an den starken Auftaktszenen, die eine recht ungemütliche Stimmung im Haus von Martha und Onkel Ralph vermitteln, und daran, dass Lenzi mit der Wahl seines ersten Mordopfers gleich in die Vollen geht: Niemand geringerer als Genre-Königin Evelyn Stewart aka Ida Galli muss ins Gras beißen, was zwar schade für den restlichen Verlauf des Films, aber zugleich ein sehr effektiver Schock ist. Im Gegensatz zum „Halbmond“ verzichtet Lenzi auf explizite Darstellungen der Tötungen; vielmehr überlässt er die schmutzigen Details der Fantasie des Zuschauers. Das gilt auch für die zahlreichen Verdächtigen, die der Film mühelos aus dem Ärmel schüttelt und die den Ausgang der Handlung tatsächlich bis zum Ende hin offenlassen – sei es der mysteriös umherschleichende Diener und Chauffeur, der allzu freundliche Familienarzt oder der heimtückisch wirkende Onkel, der zwischenzeitlich einen verdächtigen Offscreen-Tod im Krankenhaus stirbt – wir erinnern uns an diverse ähnliche Tricks in vergleichbaren Filmen ...



Carroll Baker (sonst auch aus „Der schöne Körper der Deborah“ bekannt) war schon mehrfach von Umberto Lenzi zur Hauptdarstellerin seiner Thriller erkoren worden, übernimmt hier aber eine besonders interessante Rolle als stumme Heldin in Angst, die zur Zielscheibe des Killers zu werden droht, nachdem (fast) alle anderen Hausbewohner das Zeitliche segnen mussten. Kritiker vergleichen Bakers Rolle gern mit Robert Siodmaks „Die Wendeltreppe“ und tatsächlich spürt man die besondere Bedrohung, die sich aus dem Handicap der Protagonistin ergibt, in den vielen Szenen, die dazu dienen sollen, sie einzuschüchtern bzw. ihre Aufregung zu verdeutlichen. Geübte Zuschauer wissen aber, dass auch ein gewisses Monica-Ranieri-Moment bei psychisch angegriffenen Frauen nicht ganz ausgeschlossen werden kann ...

Ein wenig Potenzial verschenkt der sonst ziemlich gelungene Film bei der etwas flapsigen Charakterisierung seiner übrigen Figuren. Insbesondere die Rollen von Onkel Ralph und Dr. Laurent scheinen unterdurchschnittlich ausgearbeitet zu sein und fordern Alan Scott und George Rigaud nicht gerade über die Maßen. Auch verläuft sich die Handlung im Mittelteil ein wenig, sodass man dort mit Längen rechnen sollte, die der vielversprechende Einstieg und das beeindruckende Ende wieder weitgehend ausgleichen. Man wundert sich allerdings über die Notwendigkeit der unappetitlichen Vorspann-Szene, die ungeschönt einen blutigen Stierkampf zeigt. Der dazu servierte Spruch von Edgar Allan Poe ergibt immerhin einen vagen Sinn, wenn man die Lösung kennt. Auch die unwirsche Musik von Marcello Giombini überzeugt mit einer fast hypnotischen Melodieführung, wenngleich diese im Verlauf des Films sicher häufiger und prägnanter zum Einsatz hätte kommen können. Insgesamt ist der Film für Freunde von psychologischer angelegten Gialli eine Sichtung wert – auch weil ihm das Billige und Effektheischende mancher Publikumsfavoriten des Genres abgeht und er deshalb alles in allem ausgewogener wirkt.

In der Nacht und der Einsamkeit eines abgelegenen Anwesens wirkt die Bedrohung gegen die stumme Martha Caldwell umso präsenter. Auch wenn der Film nie wirklich unheimlich (z.B. im Sinne eines Argento-Schockers) wird, ist Lenzi ein verhältnismäßig atmosphärischer Giallo mit einer guten Mischung klassischer Gruselelemente geglückt, der sich traditioneller präsentiert als viele andere seiner Filme. Carroll Baker spielt überzeugend, Ida Galli tritt leider zu früh von der Bildfläche ab. Insgesamt: 4 von 5 Punkten.

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