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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 762 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 2.769

06.09.2011 21:14
Heißer Hafen Hongkong (1962) Zitat · antworten

Heißer Hafen Hongkong (Il segreto di Budda/ Agente 310 spionaggio sexy)

Der deutsche Journalist Holbert (Klausjürgen Wussow) kommt nach Hongkong, um den Mord an Joan Kents (Marianne Koch) Bruder aufzukären. Der Mann war dabei, einen gefährlichen Fall von Industriespionage aufzuklären und wurde dabei ermordet. Angekommen im Hotel, steckt ihm ein Mann im Fahrstuhl eine Packung Zigaretten mit der Bitte zu, diese in Zimmer 105 abzugeben, er komme nicht mehr dazu. Tatsächlich wird der Mann wenig später ermordet im Fahrstuhl aufgefunden. Gemeinsam mit Joan jagt Holbert die Hintermänner und wird dabei selbst zum Gejagten. Vor allem der zwielichtige Frank Marek (Horst Frank) ist omnipräsent...

Mit "Heißer Hafen Hongkong" startete Wolf C. Dietrich seine reihe exotischer Abenteuerkrimis, die in ganz Asien spielten und eigentlich nichts anderes waren, als kaschierte Wallace-Krimis. Die Zutaten für (fast) alle folgenden Filme der Art waren: man nehme einen männlichen und einen weiblichen Star der Wallace-Reihe, einen Komiker (Chris Howland oder Bill Ramsey), die Frau des Produzenten (Dorothee Parker), meistens Brad Harris und ... natürlich Horst Frank als Bösewicht und schon ist der asiatische Krimi fertig. Beim sehen von "Heißer Hafen Hongkong" kam mir die Idee, dass Horst Frank sein Image als Bösewicht wohl ausschließlich aus diesen Produktionen Wolf C. Hartwigs hat, da er ihn hier stets in ähnlichen Rollen (vorzüglich - wohlgemerkt) besetzte. So ist auch die erste Produktion dieser Art ("Das Mädchen mit den schmalen Hüften", das ebenfalls von Gerd Christoph geschrieben und von Hartwig produziert wurde, lasse ich mal weg) ein Genuss für Frank-Fans. Der Schauspieler kann hier sein gesamtes Genrerepertoire großartig ausspielen, was auch schon das Beste an dem Film sein mag. Mit 95 Minuten ist die Produktion nämlich eindeutig zu lang, Jürgen Roland liefert einen eher schwerfälligen weil streckenweise tempolosen und leidlich spannenden Film ab. Hier hat man noch versucht, die etwas dünne Story mit exotischen Schauplätzen zu kompensieren. Wussow und Koch spielen recht ordentlich wie auch die anderen Darsteller (wieder mal Brad Harris, hier sogar als Polizist!). Dass der Film als Whodunit aufgezogen ist, ist zwar kein Nachteil, eine richtig große Auswahl für den Hintermann gibt es allerdings nicht. Hier hat man bei den Folgeproduktionen - vor allem was Gewicht zwischen ungewöhnlicher Landschaft und Spannung betrifft - deutlich dazu gelernt. Auch die zahlreichen Verletzungen von Horst Frank sind unglaubwürdig, jeder normale Mensch wäre schon nach der ersten Schießerei am Filmbeginn tot liegen geblieben. Aber Horst Frank als Mr. Marek überlebt einfach alles. :-) Bemerkenswert ist noch der schöne Soundtrack von Gert Wilden, der nach dem Vorspann sein Thema zu "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" leicht variiert serviert.
Jürgen Roland synchronisiert übrigens den Polizisten, der über Megaphon durchgibt "Das Haus ist umstellt ...". (Die selbe "Rolle" hatte er in seinem TV-Durbridge-Krimi "Der Besuch" von 1982).
Der Film scheint im Ausland schon als Eurospy vermarktet worden zu sein, heißt der Ermittler doch im ital. Alternativtitel übersetzt „Agent 310 – sexy Spionage“,
Insgesamt: Unterhält dennoch, aber bei weitem nicht der beste Film der Reihe.

Regie: Jürgen Roland, Buch: Gerd Christoph, Musik: Gert Wilden, Kamera: Klaus von Rautenfeld, Produzent: Wolf C. Hartwig
Mit Klausjürgen Wussow, Marianne Koch, Horst Frank, Brad Harris, Dorothee Parker, Carlo Timberlani u.v.a.


P.S.: Der Film ist in Farbe!

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.332

31.12.2013 08:46
#2 RE: Bewertet: "Heißer Hafen Hongkong" (BRD/ I 1962) Zitat · antworten

Welche Filme gehören denn zu der Reihe?

Giacco Offline



Beiträge: 1.441

31.12.2013 12:36
#3 RE: Bewertet: "Heißer Hafen Hongkong" (BRD/ I 1962) Zitat · antworten

Heisser Hafen Hongkong
Zwischen Shanghai und St. Pauli (spielt nicht in Fernost)
Der schwarze Panther von Ratana
Das Todesauge von Ceylon
Weiße Fracht für Hongkong
Die Diamantenhölle am Mekong
Ein Sarg aus Hongkong
Die letzten Drei der Albatros
Der Fluch des schwarzen Rubin

Ray Online



Beiträge: 696

08.09.2017 21:53
#4 RE: Bewertet: "Heißer Hafen Hongkong" (BRD/ I 1962) Zitat · antworten

Heißer Hafen Hongkong (BRD/I 1962)

Regie: Jürgen Roland

Darsteller: Klausjürgen Wussow, Marianne Koch, Horst Frank, Dominique Boschero, Brad Harris u.a.



Peter Holberg (Wussow), ein deutscher Journalist aus Hamburg, reist nach Hongkong, um einen befreundeten Kollegen zu besuchen. Dieser entpuppt sich rasch als tot. Mit dessen Schwester (Koch), die unter falschem Nachnamen den Job ihres Bruders bei der Zeitung übernommen hat, um mehr über seinen mysteriösen Tod zu erfahren, strengt Holberg eigene Ermittlungen an. Erste Anzeichen deuten in Richtung Industriespionage...


Da den allgemein und auch hier im Forum ja eher mäßig beleumundeten "Hongkong-Reißern" immer wieder eine Wallace-Verwandtschaft bescheinigt wird, wollte ich mich dem Subgenre mal nähern. Bisher waren mir nur "Ein Sarg aus Hongkong" und "Das Mädchen aus Hongkong" bekannt.

"Heißer Hafen Hongkong" war der erste dieser Streifen, welche von Hartwigs Rapid-Film in Fernost gedreht wurden. Bin positiv überrascht, Roland hat einen handwerklich gut gemachten und recht charmanten Streifen gemacht. Auch hier lässt er es sich nicht nehmen, dem Film einen leichten Doku-Touch zu geben und versorgt den Zuschauer durch einen Taxifahrer zu Anfang mit Zahlen und Fakten rund um Hongkong. Außen- und Innenaufnahmen wechseln sich ab, ein paar kleinere Verfolgungsjagden gibt es dazu, alles in allem macht der Film keinen "billigen" Eindruck. Ansonsten fällt positiv auf, dass Gespräche zwischen den Hauptakteuren und "Einheimischen" anders als gewohnt auf Englisch geführt werden. Das Paar Wussow/Koch hätte so auch in einem Wallace-Film auftreten können. Besonders Koch liefert eine höchst ansprechende Leistung ab. Mit gelbem Kleid, weißen Handschuhen sehr adrett aussehend, spielt sie die vergleichsweise selbstbestimmte Journalistin ausgesprochen charmant. Die verführerische Dominique Boschero rundet das aus weiblicher Sicht gute Gesamtbild ab. Ansonsten gibt Horst Frank wieder einen herrlichen Schurken ab und synchronisiert sich zur Abwechslung sogar selbst, was seiner Darbietung eine noch größere Wirkung verleiht. Brad Harris darf gegen Ende seine "handfesten" Fähigkeiten zur Schau stellen. Die Story geht in Ordnung, eine Mischung aus Spionagefilm und "typisch deutschem Krimi" dieser Zeit, wenngleich man angesichts der quantitativ überschaubaren Besetzung eigentlich kaum von einem "Whodunit" sprechen kann.

Für einen regnerischen Abend allemal geeignet, macht dieser überraschend charmante Streifen durchaus Lust auf mehr. Was die Wallace-Verwandtschaft angeht, so kann ich mich dazu erst nach weiteren Sichtungen dieser Filme vernünftig äußern. Dass die Wallace-Filme zumindest (mit-)ursächlich für die "Hongkong-Reißer" waren, erkennt man aber definitiv. Rollenschema gut aussehender (Hobby-)Ermittler/gut aussehende, ledige Dame und andere Sixties-Klischees (verruchte Bars inklusive Tanz-Auftritt) sind vorhanden. Generell erinnert der Film von der Machart nicht nur wegen der Besetzung aber noch mehr an "Das Geheimnis der chinesischen Nelke". Sicher kein Zufall, entstand Letzterer doch auch unter Gesamtleitung Hartwigs.

Die DVD von Filmjuwelen kommt im ungeliebten 1,66:1-Format daher. Darüber hinaus ist die Bildqualität mäßig. Wer die VHS oder eine alte private Aufzeichnung hat, kann sich die DVD sparen, zumal das Booklet nicht mehr als (z.T. fehlerbehaftete) Basis-Infos zu Cast & Crew bereithält, auf den Film selbst wird nicht näher eingegangen.


Handwerklich ordentlich inszenierter und vor allem dank Marianne Koch (überraschend) charmanter Streifen, der mir gute 4 von 5 Punkten wert ist.

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