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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 1.911 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 2.920

27.08.2011 12:44
Der letzte Zeuge (1960) Zitat · antworten

Der letzte Zeuge

Die wenige Monate alte Tochter der 26jährigen Ingrid Bernhardy wird mit einem Gürtel erwürgt aufgefunden. Der Vater des Kindes ist der wesentlich ältere Industrielle Direktor Werner Rameil, der jedoch verheiratet ist. Rameil hatte Ingrid immer wieder versprochen, sie zu heirateten, aber nie die Absicht besessen, seine Frau zu verlassen. Die einseitig geführten Ermittlungen der Kriminalpolizei führen dazu, dass Ingrid und ihr Freund, der Arzt Dr. Heinz Stephan, des Mordes verdächtig verhaftet werden. Es beginnt ein aufregender Prozess, bei dem der renommierte Rechtsanwalt Dr. Fox das Gericht mit immer neuen entlastenden Materialen überrascht und am Ende die wahren Hintergründe und den wahren Täter überführt ...

Was für ein spannender Film, der sich am Ende als hervorragender Gerichtskrimi erweist! Die Spannung wird ganz langsam aufgebaut. Die Dramaturgie des Films lässt den Zuschauer immer wieder aufs Neue verblüfft zurück und die letzten 40 Minuten im Gerichtssaal sind Nerven aufreibend. Ganz langsam enttarnt Anwalt Fox, hervorragend gespielt vom großartigen Hanns Lothar (Neutze), die Lücken der polizeilichen Ermittlungen (die übrigens u.a. von Harald Juhnke geführt werden). Martin Held glänzt in der Hauptrolle als kalter Industrieller mit Geliebter, Hanns Lothar gibt einen erstklassigen Verteidiger ab, Ellen Schwiers überzeugt als verzweifelte Mutter und Jürgen Goslar gibt glaubhaft den unschuldig Verdächtigen, dessen Karriere nach knapp 50 Tagen Untersuchungshaft ruiniert ist. Nebenbei gibt der Film noch ein interessantes Gesellschaftsbild ab und beleuchtet damalige Tabuthemen wie Schwangerschaftsabbruch. 97 Minuten, bei denen man gebannt vor dem Fernseher sitzt!

Regie: Wolfgang Staudte, Drehbuch: Robert A. Stemmle, Thomas Keck nach dem Kriminalroman von Maximilian Vernberg, Kamera: Ekkehard Kyrath, Musik: Werner Eisbrenner, Produzent: Kurt Ulrich
Mit Martin Held, Hanns Lothar, Ellen Schwiers, Jürgen Goslar, Adelheid Seeck, Werner Hinz, Lore Hartling, Siegfried Wischnewski, Harald Juhnke, Otto Graf, Albert Bessler, Herbert Tiede, Tilly Lauenstein u.a.


Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

09.08.2012 21:40
#2 RE: Bewertet: "Der letzte Zeuge" (BRD 1960) Zitat · antworten

"Der letzte Zeuge" ist ein atemberaubender Film, ja. Toll die Besetzung: angefangen von Martin Held, über Hanns Lother, Ellen Schwiers und Jürgen Goslar bis hin zu Harald Juhnke und Albert Bessler.
Gerichtskrimis haben ja überhaupt immer etwas für sich, diese ganz spezielle Dramaturgie ist ja immer etwas ganz Besonderes. Die Regie von Wolfgang Staudte trägt hier das Übrige dazu bei. Jürgen Goslar hat glaube ich im Straßenfeger-Bonus-Interview zur Fünften Kolonne erwähnt, dass Staudte ihn nicht wollte und sogar auf Großaufnahmen von ihm verzichtete. Unglaublich!
Warum ist dieser Film eigentlich noch nicht auf DVD erschienen? Er ist zwar keine Epigone, reiht sich aber mit einigen anderen Krimis aus diesen Jahren in eine Palette von gut gemachten Kriminalfilmen ein. Ein solcher ist auch "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" von Wallace-Regisseur Harald Philipp mit Peter van Eyck in der Hauptrolle.

Prisma Offline




Beiträge: 7.536

04.10.2013 11:33
#3 RE: Bewertet: "Der letzte Zeuge" (BRD 1960) Zitat · antworten



DER LETZTE ZEUGE (1960)

mit Ellen Schwiers und Martin Held
Jürgen Goslar, Adelheid Seeck, Werner Hinz, Siegfried Wischnewski, Lore Hartling, Harald Juhnke, Herbert Tiede und Hanns Lothar
eine Kurt Ulrich Filmproduktion im Europa Filmverleih
ein Film von Wolfgang Staudte






»Ich habe mein Kind nicht getötet!«


In ihrer Wohnung findet Ingrid Bernhardy (Ellen Schwiers) ihre wenige Monate alte Tochter Christiane tot auf. Das Kind wurde mit einem Gürtel erwürgt. Der Vater des Kindes ist der um einige Jahre ältere Großindustrielle Werner Rameil (Martin Held), der der Mitte zwanzigjährigen Frau immer wieder die Ehe versprochen hatte, sich aber noch nicht von seiner Frau Gerda (Adelheid Seeck) trennen konnte. Durch die Ermittlungen der Polizei landet Ingrid in einem Alptraum, denn schnell sieht sie sich aufgrund ihres Lebenswandels vorverurteilt und landet genau wie ihr ehemaliger Freund Dr. Heinz Stephan (Jürgen Goslar) in Untersuchungshaft. Beide gelten ab sofort als Hauptverdächtige in diesem Mordfall. In einem spektakulären Prozess übernimmt Rechtsanwalt Dr. Fox (Hanns Lothar) die Verteidigung der jungen Frau und versucht den Fall anhand ignorierter Indizien in andere Bahnen zu lenken. Wird er den wahren Mörder entlarven können..?

Für mich zählt Wolfgang Staudtes Beitrag zu den Klassikern des deutschen Gerichtsfilms, der es sich nicht nehmen lässt das Justiz-System und die damalige Gesellschaft kritisch zu betrachten, ohne jedoch lauthals Wertungen vorzunehmen. Der Aufbau des Films ist hervorragend und die Thematik wird schraubzwingenartig geschildert. Mit Kindsmord wählte man das wohl erschütterndste Verbrechen von allen aus, so dass sich der Zuschauer auch vollkommen ohne reißerische Elemente berührt, und unmissverständlich angesprochen fühlt und Aufklärung verlangt. Spannung und Tempo wirken im ersten Drittel stark gedrosselt, um dann allerdings ein regelrechtes Überholmanöver zu starten, "Der letzte Zeuge" erweist sich schließlich als ausgezeichneter Gerichtsfilm, der mit seinen hervorragenden Darstellern einen perfekten Verlauf garantiert. Staudte setzt auf wohldosierte, wenn auch harte Akzente. Außerdem bieten alle Charaktere bis in die Kleinstrollen klare Konturen an und im gesamten Verlauf kommen eigentlich nur wenige Hoffnungsschimmer zum Vorschein, was dem Film sehr gut steht, da er ohne falsche Untertöne auskommt und man es sich dem prosaischen Charakter entsprechend aufsparte, ein unangebrachtes Happy End anzubahnen, wie es in zeitgenössischen Produktionen schließlich so oft der Fall war.

Mit Ellen Schwiers sieht man einen Besetzungscoup, da man ihr aufgrund diverser Besetzungen von zweifelhaften Charakteren so einiges Zutrauen würde. Auch hier erscheint sie nicht über jeden Verdacht erhaben zu sein, da sie zunächst als sehr unsympathisch wirkende Frau in den Fokus gerückt wird. Auch die Justiz spricht bei jeder sich bietenden Gelegenheit gerne die »Fragwürdigkeit ihres Lebenswandels« an. Als Kontrast sieht man die stets überzeugende Adelheid Seeck zur Geliebten ihres Mannes, die alle Tugenden zu vereinen scheint und somit ebenfalls am Bild von Ingrid Bernhardy nagt. Ellen Schwiers spielt wie immer sehr eindrucksvoll, hier überrascht sie mit einem Rundumschlag im Spektrum der Emotionen. Martin Held reiht sich in das Karussell der kontrastreichen Darbietungen ein, er gibt den sachlichen und unempfindlichen Geschäftsmann sehr überzeugend, Jürgen Goslar wirkt im Kreise der Verdächtigen zwar sympathisch, aber man kann eher lange nicht genau einschätzen, wem man trauen kann und wem nicht, was sich insgesamt als große Stärke herausstellen wird. Hanns Lothar geht in seiner Rolle als Verteidiger förmlich auf, es ist erfrischend zu sehen, dass er sich auch manchmal gerne alternativer Methoden bedient, um einen deutlichen Schritt weiterzukommen. In ausgeprägten bis kleineren Nebenrollen sieht man etliche bekannte Gesichter des damaligen Film und TV, wie beispielsweise Albert Bessler, Siegfried Wischnewski, Blandine Ebinger oder Harald Juhnke.

"Der letzte Zeuge" erweist sich also durchgehend als abwechslungsreich, denn man kann sich quasi aussuchen, welche Komponenten einem am besten gefallen. Ob es die gut geschilderte Polizei-Arbeit ist, oder die Versuche der beteiligten Personen, irgendwie diskret aus dieser Sache herauszukommen, ob es der spannende Alleingang von Dr. Fox mit seiner Assessorin ist, oder das Verfahren an sich in dem die Hauptverdächtige bloßgestellt wird. Man hat es einfach mit einem gut durchdachten und runden Ergebnis zu tun. Im Gerichtssaal bildet sich ein Vakuum, das durch die versteinerten Mienen in Großaufnahmen dokumentiert wird. Jedes Mittel scheint bei dieser einseitigen Beweisführung recht zu sein, es werden intime Fotos und erotische Fotoserien von Ingrid umher gereicht, immer wieder wird die vermeintliche Leichtlebigkeit mit dem Zeigefinger angestupst, das hohe Gericht jongliert mit Paragrafen , der Richter lässt die Säbel rasseln, wieder einmal sieht man seine Drohgebärden in Großaufnahme. Ja, das wirkt nicht nur sehr klassisch inszeniert, sondern für den Zuschauer mitreißend und auch spannend. Zurück bleibt eine hervorragende und glasklar aufgebaute Arbeit von Wolfgang Staudte, die den Zuschauer nicht unberührt lässt. Wieder einmal wurde somit die Frage aufgeworfen, ob Justitia es anstelle von verbundenen Augen einmal mit einer Lupe versuchen sollte. Ein sehr gelungener Film mit teilweise spektakulärem Verlauf, der absolut sehenswert ist.

Giacco Offline



Beiträge: 1.595

04.10.2013 19:56
#4 RE: Bewertet: "Der letzte Zeuge" (BRD 1960) Zitat · antworten

"Der letzte Zeuge" erhielt das Prädikat "besonders wertvoll".
Hanns Lothar und Blandine Ebinger wurden als beste Nebendarsteller mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Obwohl der Film damals gute Kritiken erhielt, war das Interesse der Kinobesucher nicht allzu groß.
Film-Echo-Note: 4,0 ( = zufrieden )
In der Erfolgsrangliste 1961 landete er auf Platz 157.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.516

16.08.2015 13:33
#5 RE: Bewertet: "Der letzte Zeuge" (BRD 1960) Zitat · antworten

BEWERTET: "Der letzte Zeuge" (Deutschland 1960)
mit: Ellen Schwiers, Martin Held, Hanns Lothar, Jürgen Goslar, Adelheid Seeck, Werner Hinz, Lore Hartling, Hans Hessling, Siegfried Wischnewski, Harald Juhnke, Herbert Tiede, Lucie Mannheim, Albert Bessler, Blandine Ebinger, Otto Graf, Tilly Lauenstein u.a. | Drehbuch: Robert A. Stemmle und Thomas Keck nach dem gleichnamigen Kriminalbericht von Maximilian Vernberg | Regie: Wolfgang Staudte

Die Dolmetscherin Ingrid Bernhardy hat seit zwei Jahren ein Verhältnis mit dem verheirateten Großindustriellen Werner Rameil. Er ist der Vater ihrer vier Monate alten Tochter Christiane. Als diese mit einem Gürtel erdrosselt wird, fällt der Verdacht auf die Kindsmutter und deren Freund Dr. Heinz Stephan, ein Arzt, der Ingrid sehr verbunden ist. Die beiden jungen Leute kommen in Untersuchungshaft. Während Dr. Stephan nach knapp zwei Monaten entlassen wird, eröffnet das Landesgericht gegen Ingrid das Hauptverfahren. Ihr droht bei Verurteilung eine lebenslange Zuchthausstrafe. Rechtsanwalt Dr. Fox verteidigt Ingrid und ermittelt zusammen mit seiner Mitarbeiterin weiter. Diese Nachforschungen werfen ein ungünstiges Licht auf Werner Rameil und dessen vermögende Frau....



Ellen Schwiers steht im Scheinwerferlicht des Interesses. Ihre Ingrid Bernhardy wurde optisch an die Lebedame Rosemarie Nitribitt angelehnt ('blond und flatterhaft'), um sie von Beginn an zweifelhaft erscheinen zu lassen. Die Mutter - des Deutschen liebstes Ideal - ist offensichtlich keine häusliche Biederfrau, sondern leistet sich ein eigenes Leben, das auf dem Streben nach Unabhängigkeit fußt. Dies geht mit dem Selbstverständnis einher, dass sich auch frau Liebhaber nehmen darf, ganz so wie es dem erfolgreichen Wirtschaftswundermann zugestanden wird. Ihr Entsetzen über das Verbrechen und die Beschuldigung an sich dominieren die Voruntersuchung und den Prozess und lassen sie ihr gesundes Urteilsvermögen ausschalten. Sie wird blind gegenüber dem Naheliegenden und begibt sich in eine emotionale Abhängigkeit, die so gar nicht dem Bild entspricht, das Polizei und Richter von ihr zeichnen.

Hanns Lothar als eigenwilliger Rechtsanwalt geht in nonchalanter Routine an den Fall heran, ohne jedoch voreingenommen zu sein. Sein Bedürfnis anzuecken, sich den Buchstaben des Gesetzes im Rahmen seiner Möglichkeiten entgegenzustemmen, wenn er dies für gerecht und notwendig erachtet, machen ihn zu einem freien Geist inmitten unkritischer Vollstrecker. Wolfgang Staudte lässt hier durchblicken, dass er die Ansicht teilt, Deutschland habe nach 1945 nicht gründlich genug mit den Altlasten der Naziherrschaft aufgeräumt. Das in jahrzehntelanger Gewöhnung entstandene Gedankengut und die entsprechende Geisteshaltung war freilich noch in vielen Köpfen vorhanden und ließ sich nicht so leicht wegpusten wie Asche und Betonstaub auf Trümmerbergen. Lothar porträtiert den Rechtsanwalt in einnehmender, fesselnder Weise und reißt mit seiner brillanten Argumentation Zäune ein, die der in sturer Voreingenommenheit verharrende Hans Hessling gegen die Verteidigung errichtet. Lothars Engagement und der Wille, gegen Konventionen der Gleichgültigkeit und Duldung von Missständen vorzugehen, lassen ihn erneut zu darstellerischer Hochform auflaufen. Im Zusammenspiel mit der beharrlichen Lore Hartling beweist er, wie wichtig es ist, alle Möglichkeiten auszuloten.

Martin Held zeigt hier in Abweichung von seinem Image als eiskalter Verstandesmensch Unsicherheit und eine gewisse Zögerlichkeit. Man ist es nicht gewohnt, ihn zaudernd oder konfus zu sehen und kann seine Bedeutung für den Tathergang deshalb zunächst schwer einschätzen. Seine Berufung sind Patriarchen der Gesellschaft, Leitfiguren und Vorbilder wirtschaftlicher Tatkraft, während Gefühle und Leidenschaften diesen Mann schwächen und 'menschlich' machen, was ihn hilflos und unberechenbar werden lässt. Adelheid Seeck, von einer unaufdringlichen Eignung für höchste gesellschaftliche Kreise, ist die perfekte Ergänzung für einen Mann wie ihn, da sie im Privaten durchaus kritisch ist, in der Öffentlichkeit aber nichts tun wird, was dem Ansehen der Firma und der Ehe (in dieser Reihenfolge) schaden könnte. Sie verinnerlicht die gerade Haltung einer bis in die Fingerspitzen beherrschten Frau ohne Skandale, eine Vertreterin des alten Preußen.

Die Szenen in der Justizvollzugsanstalt Moabit in Berlin zeigen die hermetische Abgeschlossenheit unter Verdacht geratener Bürger, die eben noch ihrem Beruf nachgingen. Von einem Augenblick auf den anderen verlieren sie nicht nur ihre Freiheit, sondern auch ihre Würde und es haftet ihnen der Ruch an, schuldig zu sein, auch, wenn es sich bei den Untersuchungsgefangenen noch nicht um verurteilte Verbrecher handelt. Dieser Makel bleibt auch nach einem Freispruch haften, wie Jürgen Goslar als Dr. Stephan aufzeigt. Banalitäten wie frische Kleidung oder ein sauberes Umfeld markieren den Unterschied zwischen jenen drinnen und denen draußen. Der Regisseur zeigt hier deutlich sein Gespür für signifikante Details und Stimmungen. Der Film ist deshalb nicht nur ein äußerst spannender Gerichts- und Kriminalfilm, sondern ein Plädoyer für eine Justizreform, die alte Zöpfe abschneidet und es allen Beteiligten erleichtert, Recht und Unrecht zu sprechen und umzusetzen.

Ein überragendes Ensemble markanter Mimen macht "Der letzte Zeuge" zu einem packenden Erlebnis, das unterhält und zum Nachdenken verleitet. Der Film erhielt zu Recht das Prädikat "Besonders wertvoll". 5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.006

20.05.2018 15:46
#6 RE: Bewertet: "Der letzte Zeuge" (BRD 1960) Zitat · antworten

Der aktuelle Mangel an DVD-Neuveröffentlichungen deutscher Kinofilme im Krimifach lädt dazu ein, sich die ein oder andere DVD-Erwerbung der letzten Jahre mal wieder zu Gemüte zu führen...


Der letzte Zeuge (BRD 1960)

Regie: Wolfgang Staudte

Darsteller: Martin Held, Hanns Lothar, Ellen Schwiers, Jürgen Goslar, Lore Hartling, Siegfried Wischneski, Harald Juhnke, Blandine Ebinger, Albert Bessler, Adelheid Seeck, Werner Hinz, Herbert Tiede u.a.



Ingrid Bernhardy wird verdächtigt, ihr eigenes Kind getötet zu haben und erlebt in Untersuchungshaft und vor Gericht eine Vorverurteilung in moralischer wie in rechtlicher Hinsicht. Ihre letzte Hoffnung ist der gewiefte Strafverteidiger Dr. Fox...

Wolfgang Staudtes "Der letzte Zeuge" führt zu Beginn der 1960er-Jahre die Tradition packender Kriminaldramen fort, welche im vorherigen Jahrzehnt das bundesdeutsche Kino zu bereichern wusste ("Alibi", "Gestehen Sie, Dr. Corda!"). Ellen Schwiers spielt eine junge attraktive Frau, die trotz vieler anderer Verehrer dem Werben eines verheirateten Biedermannes namens Rameil erlegen ist und mit ihm ein Kind in die Welt gesetzt hat in der festen Hoffnung, Rameil werde sich scheiden lassen und mit ihr ein neues Leben beginnen. Doch Rameil, grandios verkörpert von Martin Held, denkt gar nicht an Scheidung, da er im Falle der Scheidung jegliche Anteile an der Firma, der er als Direktor vorsteht, verlieren würde. Das sieht das Testament seines Schwiegervaters, dem Gründer der Impex-Werke, vor. Nachdem Bernhardy kurz nach Entdeckung des toten Kindes aufgrund von verdächtigen Briefen, in denen ihr alter Liebhaber Dr. Stephan (Jürgen Goslar) sie dazu auffordert, das Kind zurückzulassen und mit ihm in eine gemeinsame Zukunft zu gehen, und anzüglichen Fotos schnell in Untersuchungshaft gerät, zeigt Rameil ihr die kalte Schulter und meldet sich nicht mehr bei ihr. Selbst als Bernhardys Mutter unangekündigt bei den Rameils aufschlägt, komplementiert er sie nur heraus und lässt unpersönliche Grüße an die Tochter ausrichten.

Diese erlebt, wie vor Gericht die Grenze zwischen Moral und Recht zu verschwimmen droht. Zum Beweis ihrer Täterschaft werden vor Gericht Pin-Up-Fotos von Bernhardy herumgereicht, die ihren fragwürdigen Lebenswandel dokumentieren und als Indiz für ihre rechtliche Schuld am Tod ihres Kindes taugen sollen. Zum Glück hat sie mit Dr. Fox (Hanns Lothar) einen fähigen Anwalt auf ihrer Seite, der gemeinsam mit einer in seiner Ausbildung befindlichen Referendarin quasi nachträglich die Ermittlungsarbeit der Polizei übernimmt und so letzten Endes in spektakulärer Art und Weise vor Gericht den wahren Täter enttarnt. Der Schaden, den Bernhardy wie auch Dr. Stephan durch die Vorverurteilungen seelisch wie gesellschaftlich erlitten haben, ist indes kaum wieder gutzumachen.

Wolfgang Staudte gelingt es einerseits, berechtigte Kritik an der deutschen Justiz zu seiner Entstehungszeit zu üben und anderseits einen packenden Kriminalfilm abzuliefern. Der erstklassige Cast um Martin Held, Hanns Lothar und Ellen Schwiers füllt den Film mit Leben, die dramaturgisch stark konstruierte Story sorgt dafür, dass der Film ohne Längen auskommt und die Spannung gerade im letzten Drittel dank der fesselnden Szenen vor Gericht nochmal gehörig anzieht. "Der letzte Zeuge" ist daher uneingeschränkt zu empfehlen.

Zum Glück wird die DVD von Filmjuwelen dem Film gerecht. Sie präsentiert den Film in guter Qualität in der Original-Breitbild-Fassung.


Fesselndes Kriminaldrama von Wolfgang Staudte mit erlesener Besetzung, das in jeder Phase zu überzeugen weiß. 5 von 5 Punkten.

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