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Dieses Thema hat 58 Antworten
und wurde 5.286 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Prisma Offline




Beiträge: 7.468

11.02.2013 20:48
#16 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten



UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI (1970)

mit Jean-Claude Pascal, Werner Peters, Joseph Offenbach, Charles Regnier, Alfred Schieske, Gernot Endemann, Ralf Schermuly und Janie Murray



Im Hamburger Amüsierviertel St. Pauli kommt es zu mehreren schicksalsträchtigen Ereignissen. Hausach (Werner Peters), der sogenannte "König von St. Pauli" steht vor Gericht. Er soll eines seiner Mädchen getötet haben, doch kann sich mit zweifelhaften Alibis aus der Affäre ziehen. Harry (Ralf Schermuly), der Bruder der Toten schwört Rache. Dr. Pasucha (Jean-Claude Pascal) verliert die Nerven, und erschießt seine leichtlebige Frau, die in einem Nachtlokal als Striptease-Tänzerin arbeitet. Er wird von der Polizei gehetzt und nimmt eine Geisel. Studienrat Dr. Himboldt (Joseph Offenbach) ist mit seiner Klasse unterwegs und ahnt noch nicht, dass diese ihn aufs Kreuz legen will. Herzberg (Gernot Endemann), einer seiner Schüler, engagiert eine Prostituierte (Kathrin Ackermann), die mit dem immer korrekten Lehrer eine Liaison einfädeln soll. Da man kurz vor dem Abitur steht, sollen die dabei entstandenen intimen Fotos gegen ihn verwendet werden.

Alfred Weidenmanns Kiez-Beitrag schildert interessante Vernetzungen zwischen Personen. Die vielen unterschiedlichen Abhandlungen in dieser Geschichte sorgen dabei für Abwechslung und sie wurden wirklich sehr gut miteinander gekoppelt. Auch wenn gewisse Personen nichts miteinander zu tun haben, läuft man sich doch irgendwie über den Weg, was einen guten Erzählfluss fabriziert. Die Schauplätze sind authentisch, die Personen wirken ebenso überzeugend, und einige der Nebenhandlungen sind recht originell. Was den Film leider ein bisschen verwässert, ist, das der Haupt-Plot die uninteressanteste Sache hier ist, und leider für kein bisschen Überraschung sorgt. Die Hetze durch St. Pauli ist teils schon spannend angelegt, als Dr. Pasucha zum Beispiel einen neuen Pass auftreiben möchte, gerät er an den betrügerischen Hausach, der ihn zusammen schlagen lässt, aber man weiß dennoch, wo diese ganze Sache enden wird. Die flotte Musik von Peter Thomas ist hervorragend und wirkt in vielen Situationen passend und charakteristisch, ansonsten ist die Regie für meine Begriffe, insgesamt gesehen, dann doch zu vorsichtig vorgegangen, und es ist kein herausragender Genre-Film entstanden, vielleicht eher sogar Durchschnitt. Aber ich muss es sagen wie es ist, bei Weidenmanns Spielfilm-Beiträgen bin ich komischerweise immer schon etwas skeptischer gewesen.

Jean-Claude Pascal in der Hauptrolle kann leider kaum überzeugen. Seine Darbietung wirkt in vielen Situationen schwach angepasst und wenig motiviert, oftmals glaubt man sogar eine gewisse Lethargie zu sehen. Schade, denn sein Part fällt schließlich größer aus. Werner Peters als rücksichtsloser Kiez-Gangster, der sich auch schon mal selbst die Hände schmutzig macht, ist tatsächlich in seinem Element und er wirkt sehr glaubhaft. Charles Regnier als Nachtclub-Besitzer wirkt souverän, doch seine Rolle geht ein wenig unter, da sie nicht sehr ausfüllend ist. Joseph Offenbach nimmt man den Studienrat sofort ab. Er mahnt stets Moral und Werte an, verfällt den Verlockungen St. Paulis allerdings selbst. Ansonsten sieht man in dieser Produktion noch recht gute Leistungen, was im Endeffekt dann auch die halbe Miete darstellt. Die verschiedenen Charaktere wirken abwechslungsreich und meistens prägnant, das Milieu wird stichhaltig präsentiert und die Geschichte wirkt sehr flüssig. Dennoch kann man sagen, dass es weitaus bessere Genre-Beiträge gibt. Die teils schwerfällig auf einem Niveau gehaltene Spannung verpufft in einem wenig originellen Showdown, oftmals schießen dem Zuschauer einige ungünstig formulierte Untertöne entgegen, ja, das Ende der Geschichte ist und bleibt unbefriedigend. Insgesamt bleibt ein mit einigen Abstrichen unterhaltender Spielfilm zurück, den man sich bei Interesse ruhig einmal ansehen kann.

Grabert Offline



Beiträge: 247

25.06.2013 11:26
#17 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Pidax hat einen weiteren Kiezkrimi angekündigt, der am 11. Oktober erscheinen soll: "St. Pauli zwischen Nacht und Morgen" aus dem Jahr 1967 (FSK: 18). Eva Christian, Helmut Förnbacher, Dunja Rajter, Bob Iller spielen unter der Regie von José Bénazéraf.

"St. Pauli zwischen Nacht und Morgen" bei Pidax-Film

Joe Walker Offline




Beiträge: 738

26.07.2013 21:55
#18 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Gerade frisch auf DVD erschienen - Rolf Olsens "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" von 1969:

"Auf der Reeperbahn nachts um halb eins"

Gruß
Joe Walker

Mark Paxton Offline




Beiträge: 341

02.11.2013 15:35
#19 Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN
BR Deutschland 1967, Krimi
Regie: José Bénazéraf
Mit Eva Christian, Helmut Förnbacher, Rolf Eden, Dunja Rajter, Hansi Schönherr, Bob Iller u.v.a.

Die Kriminalpolizei schleust den Kriminalbeamten Helmut (Helmut Förnbacher) in eine Kiezbande ein. Mit einem raffinierten Trick verschafft er sich Vertrauen beim Chef eines Nachtclubs (Rolf Eden) und wird in die Bande aufgenommen. Gemeinsam planen sie den Überfall auf einen Geldtransport. Parallel dazu verliebt sich Helmut in die drogensüchtige Tänzerin Arlette (Eva Christian) und möchte ihr beim Aussteigen helfen ...

"St. Pauli zwischen Nacht und Morgen", kürzlich von Pidax auf DVD erschienen, ist ein Kiezfilm in schönen Schwarz-Weiß-Bildern, der die Hamburger Atmosphäre zwischen St. Pauli und dem Hafengelände, den dunklen Seiten der Hansestadt photographisch gut einfängt. Die Geschichte an sich erinnert streckenweise an französische Gangsterfilme, ist zwischendurch Drama und Alltagsabbildung, schwenkt zwischen Drogensüchtigen, Stripperinnen und typischen Tanzeinlagen hin und her. Was herauskommt, ist eine Mischung aus Krimi und pseudodokumentarischem Kiezfilm, die nicht hundertprozentig gelungen und ausgegoren ist, mich über große Teile dann aber doch gut unterhalten hat. Klischees inklusive. Sicherlich kein Meisterwerk, aber ein Film, der sich in die St.Pauli-Filme ganz gut einreiht. Unter den Darstellern finden sich auch nur B-Prominente, darunter der Schweizer Regisseur und Schauspieler Helmut Förnbacher, der seinen Part sehr gut erledigt und Eva Christian, die hier großteils ungeschminkt zu sehen ist und die heruntergekommene Tänzerin, die sich nach Liebe sehnt, doch glaubhaft gibt. Nachtclub"star" Rolf Eden spielt passender Weise einen Nachtclubbesitzer. Störend wirkt, dass fast alle Darsteller mit fremden Stimmen synchronisiert wurden, darunter auch Dunja Rajter und der Österreicher Hansi Waldherr, der ein gern gesehener Gast in Hamburger Vorabendserien war. Als Produzent fungierte der Schweizer Erwin C. Dietrich, dem wir die Epigonen "Der Würger vom Tower" und "Die Nylonschlinge" verdanken, den Reißer "Jack the Ripper-Der Dirnenmörder von London" mit Klaus Kinski und der später überwiegend durch leichte und inhaltslose Sexfilmchen auf sich aufmerksam machte. Warum der Film ab 16 Jahren (damals ab 18) freigegeben wurde, will mir allerdings nicht ganz einleuchten. Kaum Gewalt, nicht mal ein Hauch von Erotik, ja nicht einmal ein blanker Busen (nur einmal im Hintergrund).

Editiert von Gubanov am 02.11.2013, 18.25 Uhr - Beitrag in bestehendes Thema integriert

Gubanov Offline




Beiträge: 14.853

03.09.2014 18:59
#20 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten



Fluchtweg St. Pauli (Großalarm für die Davidswache)

Kriminalfilm, BRD 1971. Regie: Wolfgang Staudte. Drehbuch: Georg Hurdalek, Fred Denger. Mit: Horst Frank (Willy Jensen), Christiane Krüger (Vera Jensen), Heinz Reincke (Heinz Jensen), Klaus Schwarzkopf (Kommissar Knudsen), Sigurd Fitzek (Timpe), Heidy Bohlen (Liliane Berndorf), Ulrich Beiger (Herr Berndorf), Andrea Rau (Maggy), Gerhard Borman (Kriminalassistent Löffler), Ingeborg Kanstein (Polizistin Fiedler) u.a. Eine Produktion der Allianz Filmproduktion Berlin, der Terra-Filmkunst Berlin und der Walter-Koppel-Film Hamburg. Uraufführung: 15. Oktober 1971.

Zitat von Fluchtweg St. Pauli
Das ungleiche Brüderpaar Jensen hat beim unverhofften Wiedersehen keinen Grund, zu feiern: Willy hatte eine Bank ausgeraubt und floh nun aus dem Gefängnis, um mit den Millionen zu verschwinden. Heinz meint, sein Bruder solle sich lieber wieder bei der Polizei stellen. Willy denkt nicht daran und nimmt seine Frau Vera, die mittlerweile mit Heinz zusammen ist, als Geisel. Mit ihrer Hilfe versucht er, sich den Weg freizumachen und aus Hamburg zu entkommen. Doch das Netz von Kommissar Knudsen legt sich so eng um Willy Jensen, dass er sogar einen Mord begehen muss ...


Die Hansestadt Hamburg lockt ihre Besucher mit dem Flair der weiten Welt. Im Hafen kommen Freiheit, Exotik und Gefahren zu einer besonderen Melange zusammen, die für das Kinopublikum der nach Sensationen suchenden späten 1960er und frühen 1970er Jahre wie gemacht erschien. Hamburg konnte als glaubwürdiger Schauplatz für spannende Gangsterfilme fungieren und dabei gleichzeitig eine Spur des Verbotenen und Anrüchigen vermitteln. „Fluchtweg St. Pauli“ ist ein typisches Beispiel jener Deutschkult-Filme, die heute als „Reeperbahn-Klassiker“ bekannt sind. Wolfgang Staudte lässt nicht viel Zeit verstreichen, dies klarzustellen: Noch während der Vorspann läuft, entblättert sich auf dem Rücksitz eines Taxis eine junge Dame, die der müßiggehenden Lebefrauenwelt angehört und die Vorzüge der nächtlichen Hafenstadt und ihrer Amüsiermöglichkeiten voll ausschöpft. Was zunächst wie überflüssiges Aufsexen wirkt, bekommt später im Film eine weiterführende Bedeutung zugesprochen – denn ebenso rasch setzt die kriminalistische Komponente von „Fluchtweg St. Pauli“ ein.

Im Prinzip handelt es sich um einen „Man on the Run“-Streifen – allerdings mit der Ausnahme, dass der Fliehende keine unschuldige Sympathiefigur darstellt. Dementsprechend unklar bleibt, ob man sich als Zuschauer auf seine Seite gezogen fühlen soll. Kaltblütigkeit ist wohl das Attribut, das Horst Franks Darstellung am treffendsten kennzeichnet. Gleichzeitig legen Regie und Drehbuch einen so großen Fokus auf die Bemühungen des Frank-Charakters, sich seiner Verfolger zu entledigen, dass man doch in gewissem Maße die Welt durch seine Brille zu sehen beginnt. Der Film lebt von Willy Jensens animalischem Freiheitswillen, der ihn zu einem Raubtier macht. Seine Motivation wird glaubhaft in der Beziehung zu seiner Frau Vera verdeutlicht, wenngleich Vera unterdessen einen anderen Weg eingeschlagen hat, damit Willys Wut nur noch weiter entfacht und sich gewissermaßen zu einem Spielball seiner Gewalt macht. Leider gelingt es Christiane Krüger nur stellenweise, die Rolle als eigenständiges Individuum greifbar zu machen. Ihr weitgehend passives Spiel ist allerdings nicht einem eventuellen darstellerischen Unvermögen, sondern einzig dem Drehbuch geschuldet, das Vera zu einer typischen Beauty in Danger abstempelt.

Überhaupt operiert die Handlung mit vielen klassischen Motiven und dramaturgischen Vereinfachungen. Diese sind aber geschickt verzahnt, sodass der Plot fast nie ermüdet und die Spannung durchgehend hochgehalten wird. Einzig das schnelle Aufgeben der zwei Millionen vom Bankraub, nur weil das Versteck in einem alten Abrisshaus gerade dem Erdboden gleich gemacht wird, erscheint unrealistisch: Bei einer solchen Summe und derartigen Strapazen, wie Willy Jensen sie für seine Beute erduldet hat, müsste man ihm eigentlich eine größere Motivation, das Geld doch noch auf der Baustelle aufzufinden, zutrauen.

Peter Schirmanns neckisch einprägsame Musikuntermalung verleiht dem Film eine ebenso wertige Ausstrahlung wie die gute Besetzung der kleineren Rollen, u.a. mit einem Ermittler-Duo, das bereits für Serienehren übte: Klaus Schwarzkopfs Kommissar Knudsen ist dem im gleichen Jahr auf Sendung gegangenen „Tatort“-Beamten Finke nicht unähnlich und auch Gerhard Borman schmaucht schon genauso nonchalant seine Pfeife wie später als Assistent bei „Derrick“. Weiterhin ist die Besetzung des Geschäftsmanns Berndorf mit Ulrich Beiger zu loben, der geschickt Zwischentöne zu setzen versteht. Eindeutiger als auf offensichtliche Wirkungen bedacht zeigt sich die Kameraführung von Giorgio Tonti, der mehrfach auf eigentlich unnötige, aber sehr beeindruckende Schwenks und Kran- oder Flugaufnahmen setzte, um „Fluchtweg St. Pauli“ ein möglichst attraktives Gewand zu verpassen.

Im Großen und Ganzen kommt „Fluchtweg St. Pauli“ ohne Sleazefaktor oder billige Stereotypen aus. Stattdessen bekommt der Zuschauer einen ausgereiften Krimi mit einem starken Horst Frank zu sehen, der sich durch seine hochwertige Machart und sogar durch gewissen Tiefgang auszeichnet. Auf einen Mord wartet man zwar ein ganzes Weilchen, aber die Zeit wird dabei sicher keinem Klassiker-Fan lang werden. 4,5 von 5 Punkten.

Und das meint der Katholische Filmdienst:

Zitat von Filmdienst.de: Fluchtweg St. Pauli
Hintertreppen-Krimi, in dem sich inhaltliche und formale Klischees treffen. Von Staudtes Zorn und Trauer gegenüber gesellschaftlichen Missständen ist nur noch handwerkliche Routine zurückgeblieben.

Giacco Offline



Beiträge: 1.462

04.09.2014 14:12
#21 RE: "Hamburger-Reeperbahn-Filmklassiker-Thread" Zitat · antworten

Film-Echo-Noten der erfolgreichsten St.Pauli-Filme (1967 -1971):

1967: Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn (Rolf Olsen): 3,4 (33 Meldungen)
1968: Der Arzt von St. Pauli (Rolf Olsen): 2,3 (55) Goldene Leinwand
1969: Die Engel von St. Pauli (Jürgen Roland): 3,3 (50)
1969: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (Rolf Olsen): 3,4 (38)
1970: Der Pfarrer von St. Pauli (Rolf Olsen): 2,9 (44)
1970: Das gelbe Haus am Pinnasberg (Alfred Vohrer): 3,0 (57)
1970: Das Stundenhotel von St. Pauli (Rolf Olsen): 3,2 (45)
1970: Unter den Dächern von St. Pauli (Alfred Weidenmann): 3,8 (34)
1971: Käpt'n Rauhbein aus St. Pauli (Rolf Olsen): 4,5 (35)
1971: Fluchtweg St.Pauli (Wolfgang Staudte): 4,8 (28)

Georg Offline




Beiträge: 2.778

04.09.2014 15:25
#22 RE: "Hamburger-Reeperbahn-Filmklassiker-Thread" Zitat · antworten

Die St. Pauli-Filme haben allesamt ein interessantes Flair. Fluchtweg von Wolfgang Staudte ist sicherlich einer der besten, zumal die anderen alle den typischen Olsen-Touch haben, der hier eben fehlt. Ein handfester Krimi und eigentlich von mir schon viel zu lange nicht mehr gesehen. Sollte ich bald mal ändern ...

Gubanov Offline




Beiträge: 14.853

04.09.2014 20:55
#23 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten



Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn

Kolportagekrimi, BRD 1967. Regie und Drehbuch: Rolf Olsen. Mit: Erik Schumann (Danny Sonntag), Fritz Wepper (Till Voss), Marianne Hoffmann (Lottie Norkus), Jürgen Draeger (Hotte), Konrad Georg (Kommissar Zinner), Marlis Draeger (Karin), Heinz Reincke (Uwe Wagenknecht), Herbert Tiede (Wilhelm Voss), Karl Lieffen (Karlchen Dincke), Tanja Gruber (Pinky) u.a. Eine Produktion der Allianz Filmproduktion Berlin. Uraufführung: 13. Oktober 1967.

Zitat von Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn
Schon mehrere Mädchen wurden in Hamburg tot aufgefunden – alle hatten Spuren von LSD im Blut. Welche Verbindung bestand zwischen den Toten und wie kamen sie an die Drogen? Diese Fragen stellt sich auch Zeitungsreporter Danny Sonntag, der sich für seine investigativen Artikel eine brutale Warnung der LSD-Bande einfängt. Aber nun weiß er, dass er in ein Wespennest gestochen hat. Und dass ein Mitglied der jugendlichen Gangster Hotte heißt. Findet er die Spur der Unbekannten auf der Reeperbahn?


Nur in Hamburg kann eine Meile 930 Meter lang sein. Das ist die Reeperbahn – die nach eigenem Bekunden sündigste Meile der Welt. Und die trägt dieser Film nicht nur im Titel: Rolf Olsen, ungekrönter König der St.-Pauli-Filme, stopfte in seine Story alles hinein, was Aufsehen erregen und den Kolportageofen anfeuern konnte. Drogenhandel, Prostitution, Missbrauch, gewaltvolle Übergriffe, tragische Morde und Selbstmorde, Gruppenschlägereien und vieles mehr bekommt man in „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ serviert. Der Film übertrumpft damit paradoxerweise zwar „Fluchtweg St. Pauli“ noch einmal deutlich in dessen krimineller Energie, fällt aber dennoch nicht so klassisch kriminalistisch aus wie Staudtes Anlauf von 1971. Vielmehr hat man es hier mit einer wilden Mixtur aus reißerischem Kintopp, Pseudo-Realismus, Drama und „Sex and Crime“ zu tun. Attribute, die Olsens beinah übereifriges Werk als perfekten Vorgänger für den Kiezschund „Perrak“ qualifizieren – wenngleich man hier doch noch von einer traditionelleren, wertebetonten und weniger exaltierten, obwohl ebenfalls stellenweise gehörig schwarzhumorigen Herangehensweise sprechen kann.

Was „Wenn es Nacht wird“ seine besondere und hervorstechende Qualität verleiht, ist die perfekte Besetzung bis in die kleinsten Rollen. So fallen selbst Figuren, die für die Handlung eigentlich völlig irrelevant sind (z.B. die ganze Nebenhandlung um Uwe Wagenknecht und den von ihm erpressten Hans Henningsen), nicht negativ ins Gewicht, sondern bereiten in ihrer Verkörperung durch einen zum Klönen aufgelegten Heinz Reincke und einen peinlich berührten Rudolf Schündler sogar zusätzliches Vergnügen. Auch Karl Lieffen hätte es nicht zwangsläufig gebraucht, aber auch er fügt irgendwie seinen Teil zum unterhaltsamen großen Puzzlespiel bei. Der Fokus liegt fraglos auf der Rolle von Fritz Wepper, der trotz seines jungen Alters zum Produktionszeitpunkt nicht mehr als Nachwuchsschauspieler durchging und durch seine beeindruckende, emotional aufgeladene Leistung tatkräftig unter Beweis stellte, warum sich der deutsche Film berechtigterweise geradezu um ihn riss.

Eine eher untergeordnete, erst gen Ende erstarkende Position nimmt Konrad Georg als Ermittler ein, der in dem gleichen Maße an Bedeutung gewinnt, wie Erik Schumann als Auf-eigene-Faust-Journalist an Spielraum einbüßt. Generell legte Olsen ein schwereres Gewicht auf die kriminelle Seite als auf die Strafverfolgung, weil sich viele der gezeigten Verbrechen und Verbrecher aus Dummheit und Übermut selbst den Garaus machen. Zudem würde in einer scheinbar gesetzlosen, von Drogenkonsum, Wollust und materiellem Besitz bestimmten Welt, wie sie der Film in überspitzter, aber nachdrücklicher Weise zeigt, eine starke Präsenz von Recht und Ordnung nur stören.

Olsens Inszenierung wandelt ganz gewiss nicht auf den Pfaden von Understatement und zeugt auch nicht immer von gutem Geschmack. Dennoch fackelt er ein vielfältiges Feuerwerk unterhaltsamer Ideen ab, die dem Film ein abwechslungsreiches Flair bescheren. Es finden sich noirige Einsprengsel in Form der Off-Sprecher-Erläuterungen durch „Erzähler“ Erik Schumann, außerdem ein geschicktes Spiel zwischen Hell und Dunkel, das dem Titel des Films zu allen Ehren gereicht. Und auch wenn vieles eher platt in Szene gesetzt wurde, so wäscht sich Olsen mit einer cleveren Montage aus Altherren-Sexorgie und der kurzen Liebe zwischen Till Voss und Lottie Norkus rein, die zwar den Kolportage-Faktor durch die Decke bersten lässt, aber so genau jene Erwartungen erfüllt, die man sich von einem Film wie diesem macht. Hätte sich das ZDF beim familiären Aufeinandertreffen im Edelbordell eine eben solche Deutlichkeit und Kunstfertigkeit zugetraut, wie sie hier demonstriert wird, so wäre der „Kommissar“-Folge „Rudek“, die immerhin nach sechs weiteren Jahren kontinuierlicher filmischer „Aufklärung“ entstand, nicht auf halbem Wege vor heimlicher Scham die Puste ausgegangen.

„Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“, lassen sich weder die vergnügungssüchtigen Geldsäcke noch die stürmischen Jungrebellen lumpen und laufen zu Höchstformen auf, die hier in überkandidelter Deutlichkeit vorexzerziert werden und Rolf Olsens Beitrag damit zu einem perfekten Beispiel für die Verbindung von kompromisslosem Krimi und Schmuddelkino machen. Zugleich aber zeichnet sich der Film durch eine überdurchschnittlich gelungene, hochmotivierte Machart sowie durch eine ideale Besetzung aus. 5 von 5 Punkten.

Und das meint der Katholische Filmdienst:

Zitat von Filmdienst.de: Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn
Ein nach einem Journalisten-Tatsachenbericht inszenierter „Sitten-Krimi“ mit allenfalls in Ansätzen angedeuteter Sozialkritik. Plakativ zeichnet er die Hemmungslosigkeit der Jüngeren und die Gewissenlosigkeit der älteren Generation nach, wobei er in einer selbstzweckhaften Mischung von Sex und Verbrechen erstickt.


Weitere Besprechungen des Films finden sich im Rolf-Olsen-Thema: 1 / 2 / 3

Georg Offline




Beiträge: 2.778

04.09.2014 23:01
#24 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Diese Bewertung findet ich übermäßig hoch. Die vielen guten Darsteller machen natürlich Spaß, aber alleine eine starke Besetzung kann andere Mängel und Unglaubwürdigkeiten nicht kompensieren - und diese sind vorhanden. Sicherlich unterhält Wenn es nachts wird auf der Reeperbahn in gewissem Maße nicht schlecht (die positiven Aspekte habe ich ja auch in dem verlinkten Thread hervorgehoben), aber die volle Punktezahl hat er in meinen Augen bei weitem nicht verdient!

Einen St.-Pauli-Krimi (oder eigentlich St.Pauli-Thriller) der ganz anderen Art hatte ich eben im Player:

SUPERMARKT

BRD 1973
Buch: Roland Klick unter Mitarbeit von Georg Althammer und Jane Sperr
Musik: Peter Hesslein, Udo Lindenberg, Titelsong gesungen von Marius Müller-Westernhagen
Kamera: Jost Vacano
Regie: Roland Klick
Mit Charly Wierzejweski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Hans-Michael Rehberg, Edgar Bessen, Karl Walter Diess u. v. a.

Willi, ein entgleister junger Mann, lebt in St. Pauli und überlebt durch Gaunereien. Sein Leben ist eine Spirale, die abwärts führt. Der fiese Zuhälter Theo nützt ihn aus und will ihn an reiche Herren vermitteln. Einen von ihnen sticht er in einer Auseinandersetzung sogar nieder. Ein erfolgloser Journalist namens Frank nimmt ihn auf, nutzt ihn aber wie alle anderen auch für seine Zwecke aus. Schließlich lässt sich Willi sogar zu einem Überfall auf einen Geldtransporter überreden ...

Roland Klicks Film ist ein St.-Pauli-Film, der eigentlich in diesem Thread gar nichts verloren haben dürfte, zumal er mit den kolportagehaften Inszenierungen eines Rolf Olsen nichts zu tun hat. Der mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnete Film bemüht sich um eine reale Darstellung des Kiez und des Umfelds des Protagonisten, der in einer Abwärtsspirale immer tiefer sinkt. Schmutzige Hinterhöfe, verfallene Häuser, dreckige Bahnhöfe. Das ist das Ambiente, in dem der Film angesiedelt ist. Einzige Ausnahme bildet die edle Villa eines reichen Homosexuellen, der überzeugend von Hans-Michael Rehberg dargestellt wird. Apropos Besetzung: der mir unbekannte Charly Wierzejewski spielt den Titelpart sehr gut, vielmehr erfreut jedoch Walter Kohut als wirklich schmieriger Zuhälter mit zurück gegelten Haaren und extrem langen Kotletten. Für diesen Part hat der österreichische Schauspieler sogar das Filmband in Gold für die beste männliche Nebenrolle erhalten, Roland Klick erhielt ein ebensolches für seine Regieleistung. In weiteren Rollen sind Michael Degen als abgehaflteter Journalist zu sehen sowie Eva Mattes und Witta Pohl.

Die Hintergrundmusik stammt u.a. von Udo Lindenberg, der wirklich absolut geniale Titelsong wurde von Marius Müller-Westernhagen gesungen, der den unbekannten Hauptdarsteller auch synchronisierte und im Vorspann als "Marius West" (damals noch völlig unbekannt) aufgeführt wird.

Alles in allem wirkt der Film recht "undeutsch" wenn man ihn mit den hier in diesem Thread besprochenen Filmen vergleicht. Ein kühler Thriller, der eher mit französischen Produktionen des Genres zu vergleichen wäre.

Das große Personenlexikon des Films urteilte etwa: "Klicks bemerkenswertester Kinofilm wurde 1973 der Krimi Supermarkt, wie die typischsten seiner Werke eine schonungslose (wenngleich mit reißerischen Elementen aufgepeppte) Gesellschaftsbetrachtung aus dem Loser- und Randgruppen-Milieu ohne den für diese Zeit typischen, autorenfilmüblichen Zeigefinger und sozialkritischen Ansatz." Das Lexikon des Internationalen Films meint: "Handwerklich erstaunlich routinierter Thriller von Roland Klick, der sich um geradliniges, emotionales Genrekino bemüht, das eher auf Identifikation als auf kritische Reflexion setzt - womit er sich bewußt vom deutschen Autorenfilm der siebziger Jahre abgrenzt."

Ein Film, auf den man sich einlassen muss und der doch ganz zügig voranschreitet. Beachtliche schauspielerische Leistungen, tolle Mileuaufnahmen, sehr gute Regie!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.853

05.09.2014 20:36
#25 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #24
Diese Bewertung findet ich übermäßig hoch. Die vielen guten Darsteller machen natürlich Spaß, aber alleine eine starke Besetzung kann andere Mängel und Unglaubwürdigkeiten nicht kompensieren - und diese sind vorhanden. Sicherlich unterhält Wenn es nachts wird auf der Reeperbahn in gewissem Maße nicht schlecht (die positiven Aspekte habe ich ja auch in dem verlinkten Thread hervorgehoben), aber die volle Punktezahl hat er in meinen Augen bei weitem nicht verdient!

Geschmackssache. Ich habe mich den ganzen Film über bestens unterhalten gefühlt und neben den darstellerischen auch die handwerklichen Stärken von "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" in meinem Bericht hervorgehoben. Überhaupt sind die Hamburg-Filme generell ein sehr unterhaltsames und lohnendes Pflaster. Einen weiteren Kracher habe ich mir heute zu Gemüte geführt ...

Gubanov Offline




Beiträge: 14.853

05.09.2014 21:08
#26 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten



Zinksärge für die Goldjungen

Gangsterthriller, BRD / IT 1972/73. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Werner Jörg Lüddecke, August Rieger. Mit: Herbert Fleischmann (Otto Westermann), Henry Silva (Luca Messina), Horst Janson (Erik Westermann), Patricia Gori (Sylvia Messina), Veronique Vendell (Kate), Ermelinda de Felice (Lucas Mutter), Sonja Jeanine (Tilly Mautz), Raf Baldassarre (Sergio), Dan van Husen (O’Brian), Peter Lehmbrock (Dutschke) u.a. Eine Produktion der Studio Hamburg Filmproduktion, der Rapid-Film München und der Produzioni Cinematografiche Rom. Uraufführung: 30. November 1973.

Zitat von Zinksärge für die Goldjungen
Otto Westermann wird mit der Ankunft einer unerwarteten Konkurrenz aus seinem Berufsalltag herausgerissen: Westermann hatte mit seinen Gangsterschergen ganz Hamburg unter Kontrolle – bis, ja bis Luca Messina in der Stadt eintrifft und seine italoamerikanischen Methoden dort zu etablieren versucht. Ein wüster Bandenkrieg entfesselt sich, bei dem nicht einmal die Familienmitglieder der Westermanns und der Messinas verschont bleiben. Doch wer das Kräftemessen gewinnt, geht als Kiezkönig vom Parkett ...


Sowohl Regisseur Jürgen Roland als auch die Hamburger Krimi- und Thriller-Welle sind für ihre Bezugnahme auf wahre Verbrechen bekannt. Wer sich aber vom Aufeinandertreffen der beiden ein trocken-dokumentarisches Musterstück erwartet, wird gerade noch die ersten Sekunden des Films in seinen Erwartungen bestätigt. Schon mit den ersten Szenen zeigt sich, welche explosive Reaktion die chemische Gleichung Roland + Reeperbahn erzeugt: „Zinksärge für die Goldjungen“ ist ein lupenreiner Brillant der Europloitation.

Roland bedient sich einer gewieften Film- und Schnitttechnik, die den Zuschauer provokativ mit beißenden Kontrasten und harschen Widersprüchen konfrontiert. Parallelmontagen nutzen den in der Handlung reichlich vorhandenen Sprengstoff bis zum letzten Körnchen aus: Sie beschwören eine äußerst unheilige Mischung aus Liebe und Gewalt, Humor und Gewalt, Krankheit und Gewalt, Verbissenheit und Gewalt – und nicht zuletzt aus Gewalt und Gewalt. Es erscheint beinahe unglaublich, wie es den Machern gelang, zwischen all den Box-, Kampf- und Verfolgungsszenen überhaupt eine einigermaßen stichhaltige Handlung unterzubringen. Noch verwunderlicher ist, dass letztere gar nicht ’mal so übel ist und gar immer noch mit einem doppelten Boden aufwartet: Nichts ist so, wie es scheint, und schon gar nicht so, wie es sich die Protagonisten vorstellen. Getrieben von falschen Verdächtigungen und gegenseitigem Misstrauen greifen sie zu ihren Waffen, weil es ja schließlich schneller geht, zu schießen und zu prügeln, als sich untereinander zu besprechen.

Edgar-Wallace-Fans wird die Idee der konkurrierenden Banden aus „Das Rätsel der roten Orchidee“ bekannt sein. Nicht unähnlich funktioniert das Prinzip auch in „Zinksärge für die Goldjungen“, wobei die Niedlichkeit der Adenauer-Spätphase gegen die Flippigkeit und Unverbindlichkeit der frühen Siebziger eingetauscht wurde. In gewisser Weise mag man den Film sogar als eine ultramoderne Interpretation von „Romeo und Julia“ verstehen, in der die Montagues durch Westermanns und die Capulets durch Messinas ersetzt werden. Und nachdem Shakespeare für Dramen bekannt ist, an deren Ende niemand mehr lebt, erscheint das wenig lebenserhaltende Verhalten der Protagonisten in der Neuauflage gleich gar nicht mehr so abwegig ...

Als in deutsch-italienischer Koproduktion entstandener Film, der sein (bei der Rapid-Film wohl ohnehin nicht allzu reichliches) Budget offensichtlich am liebsten in kaputtgefahrene Autos und explodierende Motorboote investiert, ist auf der Darstellerseite Herbert Fleischmann für den nicht ganz genreerprobten Zuschauer der einzige wirklich prominente Anhaltspunkt. Fleischmann ist als Kerkie Minelli #2 ganz in seinem Element, auch wenn er sicher bei anspruchsvolleren Produktionen mehr von seinem Können zeigen durfte als hier. Abschließend sei als Wermutstropfen angemerkt, dass das Geld wohl auch beim Soundtrack gespart wurde. Man kann sich zwar solcher Namen wie Rolf Kühn, Peter Thomas, Carlos Diernhammer, Erwin Halletz oder Siegfried Franz rühmen – aber jedes der von diesen Herren stammenden, im Film eingesetzten Musikstücke stammt lediglich aus der Konserve.

„Zinksärge für die Goldjungen“ verabschiedet sich mit einer Motorbootjagd, gegen die Dick Maas mit „Verfluchtes Amsterdam“ wie ein blutiger Anfänger aussieht. Überhaupt ist der Film ganz groß im Protzen und damit genau auf der richtigen Welle für die damaligen Hamburg-Filme unterwegs. Sparmaßnahmen zum Trotz verbirgt sich hier ein harter und dennoch skurriler, teilweise abartig komischer Thriller. 4 von 5 Punkten.

Und das meint der Katholische Filmdienst:

Zitat von Filmdienst.de: Zinksärge für die Goldjungen
Ein rüdes Bandenspektakel mit ausgedehnten Gewaltdarstellungen und gleichnishaften Spiegelungsversuchen.


Weitere Besprechungen des Films finden sich in einem separaten Thema: 1 / 2

Gubanov Offline




Beiträge: 14.853

18.09.2014 09:15
#27 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten



Der Arzt von St. Pauli

Kolportagekrimi, BRD 1968. Regie und Drehbuch: Rolf Olsen. Mit: Curd Jürgens (Dr. Jan Diffring), Horst Naumann (Dr. Klaus Diffring), Christiane Rücker (Margot Rau), Heinz Reincke (Willi Nippes), Marianne Hoffmann (Karin Steffen), Fritz Wepper (Hein Jungermann), Monika Zinnenberg (Gerda Heske), Friedrich Schütter (Siegfried Gersum), Suzanne Roquette (Elisabeth Langhoff), Dieter Borsche (Pfarrer Feddersen) u.a. Eine Produktion der Terra-Filmkunst Berlin. Uraufführung: 20. September 1968.

Zitat von Der Arzt von St. Pauli
Dr. Jan Diffring ist die gute Seele von St. Pauli. Man nennt ihn den Nuttendoktor, kümmert er sich doch um jedermanns (und -fraus) Wehwehchen. Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn spielt jedoch auch in andere Interessengebiete hinein: Als er erfährt, dass der Seemann Hein Jungermann in einen Mordfall verwickelt wird, lässt er den unschuldig Verdächtigten bei sich untertauchen und stellt selbst Ermittlungen an. Er stößt darauf, dass das Verbrechen in Zusammenhang mit zügellosen Partys in der Villa eines noblen Geschäftsmannes steht. An diesen beteiligt: ausgerechnet Jans Bruder Klaus ...


Als guter Samariter mit dem Herz am rechten Fleck gelingt Curd Jürgens im ersten seiner zahlreichen St.-Pauli-Filme im Handumdrehen eine glänzende Selbstdarstellung: Er, der Kämpfer für das Recht, lässt Gemeinheiten zunächst stoisch über sich ergehen, um sie dann bei der Wurzel auszureißen. Kleine-Jungen-Romantik im Räuber-und-Gendarm-Stil, die er hier in aller Ernsthaftigkeit und mit Anflügen von Lebensweisheit zum Besten gibt. Für einen simpel gestrickten Film, der eine starke gute Seite benötigt, um seine dunkelschwarzen Schurken aufzuwiegen, ist Jürgens ein Geschenk des Himmels, zumal mit dem nunmehr etwas abgehalfterten Star anno 1968 noch eine gute Kasse zu machen war, wie die Goldene Leinwand für den „Arzt von St. Pauli“ unzweifelhaft beweist.

An die „kleinen Fische“ verteilt der integre Armenarzt höchstens eine Portion Prügel, doch bei den großen muss er mit anderen Geschützen auffahren. Typischerweise schwimmen die echten Haie nicht einfach profan in der Elbe vor St. Pauli, sondern ganz nobel in der Alster vorm Jungfernstieg. „Der Arzt von St. Pauli“ ist sich nicht zu schade, ganz im Stil seiner Zeit das Kleineleutetum zu glorifizieren und andererseits den latent neidischen Zuschauer paternalistisch zu beruhigen: Wenn du keine vollen Taschen hast, gehörst du wenigstens nicht zu den Skrupellostesten unserer Gesellschaft. Offen wurde die ganz platt am Beispiel des Brüderpaars Diffring durchexerzierte Aufrührerei gegen das Establishment auch in der Filmwerbung kommuniziert:

Zitat von IFK Nr. 272: Der Arzt von St. Pauli, S. 8
Dieser Film enthüllt die Fragwürdigkeit so mancher Klischeevorstellungen vom finstren Hafen- und Kneipen-Milieu und – als Gegensatz – von der Integrität einer „besseren“ Gesellschaft. Curd Jürgens, wie einstmals Hans Albers ein Mann von Schrot und Doppelkorn (sic!), ist mit Horst Naumann als seinem direkten Gegenspieler der Helfer in allen Lebenslagen. Dass sein eigener Bruder, ebenfalls Arzt, sich eher wie ein Gentleman-Gangster benimmt, gibt der Filmhandlung das Moment der Spannung.


Die erwähnte Spannung kommt in der zunächst ziellos wirkenden Handlung erst recht spät zum Tragen. Dass der erste Mord – eine Tat, die beste Reinecker-Traditionen vorwegnimmt (ob sich der Erfolgsautor hin und wieder von diesem Film beeinflussen ließ?) – zu so fortgeschrittener Laufzeit geschieht, hat allerdings den Vorteil, dass die Handlung von dort an „keine Zeit mehr zu verlieren hat“ und weitgehend auf die Tube drückt. Bei einer Filmlänge von 96 Minuten wäre es dennoch nicht zu viel verlangt gewesen, einige unnötig plakative und irrelevante Nebenhandlungen einzukürzen – vor allem die Geschichte um das todkranke Pflegekind, dessen leibliche Mutter kurz zuvor selbst verstarb, ist lediglich darauf ausgerichtet, Jürgens eine Bühne für maximale Selbstzufriedenheit zu geben. Auch die überlangen Partyszenen sowie der von Dieter Borsche dargestellte (und sträflicherweise von Friedrich Schönfelder nachsynchronisierte) Pfarrer als redundantes Beispiel für aufopfernden Kiezaltruismus hätten problemlos eingespart werden können.

Die privaten und behördlichen Ermittlungen sind gut und ohne Längen konstruiert. Es ist dem Film sehr zuträglich, dass Fritz Weppers Charakter als Sündenbock aufgebaut wird, wenngleich Olsen diese Zwangslage des jungen Matrosen nicht bis zum Optimum ausnutzte und Wepper demnach keine annähernd so einprägsame Leistung zeigt wie in „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“. Vielleicht auch deshalb, weil sich seine Rolle in die eines klassischen, braven Liebhabers zurückentwickelt, der inmitten der herzlichen, aber losen Kiezmentalität und der abgründigen Bösartigkeit in besseren Kreisen den Glauben des Publikums in eine solide Zukunft hochhalten muss.

Dem „Arzt von St. Pauli“ merkt man besonders deutlich an, dass es sich um einen vorgeschobene durch Erotik-Einsprengsel möglichst unkonventionellen Film für ein von Haus aus möglichst konventionelles Publikum handelt, das Olsen gezielt durch Stereotypen zu manipulieren versucht. Das ist so platt, dass es absolut unterhaltsam daherkommt. Qualitativ lassen sich dennoch nicht mehr als 3,5 von 5 Punkten verteilen.

Und das meint der Katholische Filmdienst:

Zitat von Filmdienst.de: Der Arzt von St. Pauli
Verfilmung eines Groschenromans voller Klischees und Unglaubwürdigkeiten. Einfältig und mit aufgesetzter Scheinmoral inszeniert.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.853

19.09.2014 12:05
#28 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten



Der Pfarrer von St. Pauli

Kriminaldrama, BRD 1970. Regie und Drehbuch: Rolf Olsen. Mit: Curd Jürgens (Pfarrer Konrad Johannsen), Heinz Reincke (Titus Kleinwiehe), Barbara Lass (Dagmar), Werner Bruhns (Hauptkommissar Bossum), Corny Collins (Ingrid Brams), Günther Stoll (Heino Docke), Horst Naumann (Willy Krekel), Walter Buschhoff (Generaldirektor Carl Ostro), Carl Lange (Monsignore), Klaus-Hagen Latwesen (Holger) u.a. Eine Produktion der Allianz Filmproduktion Berlin und der Terra-Filmkunst Berlin. Uraufführung: 18. August 1970.

Zitat von Der Pfarrer von St. Pauli
Die Verbrecherbande, deren Hauptsitz das zweifelhafte Nachtlokal „Goldener Käfig“ ist, kennt keine Gnade: Ein Italiener, der in ihrem Auftrag handelte und dabei in Notwehr einen Mord beging, wird von den Bossen ruhiggestellt, nachdem er bei St.-Pauli-Pfarrer Konrad Johannsen eine Beichte abgelegt hat. Des Pfaffen entledigen sich die smarten Gangster durch einen Trick: Sie bringen ihn bei den Kirchenobersten in Misskredit, sodass er auf eine einsame Nordseeinsel strafversetzt wird und ihnen nicht mehr in die Quere kommen kann ...


Im Gegensatz zum Vorgängerfilm „Der Arzt von St. Pauli“ kommt der Streifen um den zum Kirchenmann mutierten Curd Jürgens gleich von Anfang an ordentlich zur Sache: Rolf Olsen schildert in einer packenden U-Boot-Szene vor dem Vorspann den Grund, weshalb er seinem Publikum Jürgens in der Rolle des Pfarrers präsentiert – die Verzweiflung in einer scheinbar ausweglosen Kriegssituation trieb den sonst mit beiden Beinen auf der Erde stehenden Mann dazu, ein Gelübde abzulegen, das ihm später noch einigen Ärger einbringen wird ...

Gerade zu Beginn arbeitet Olsen mit den genretypischen Schockschnitten und blendet von einem Gottesdienst zu barbusig tanzenden Hippies oder einer auf dem nassen Pflaster liegenden Leiche zu kirchlichen Halleluja-Gesängen über. Damit und mit der ganzen Gegenüberstellung der lasterhaften St.-Pauli-Welt mit den Dogmen der ausgerechnet auch noch katholischen Kirche wirft Olsen teilweise provokativ, teilweise subtil die Frage auf, ob Religion in dieser Form oder sogar Religion generell noch in die moderne Zeit und ihre eher „gottverlassenen“ Städte passt. Die Antwort darauf folgt im zweiten Teil der Films, der – wie auch der Filmdienst trefflich anmerkt – eher in der Form eines nordischen Heimatfilms gehalten ist und sich nur durch diesen rhetorischen Zweisatz erklären lässt. Inhaltlich betritt „Der Pfarrer von St. Pauli“ schließlich nach ziemlich genau einer Stunde komplett neues Terrain mit der Versetzung Johannsens nach Norderkoog. Mit einem Krimi hat der Film dann nichts mehr zu tun, was dieses bis dahin überaus gelungene Kiez-Abbild in zwei schwer vermittelbare Teile zerfallen lässt und den Eindruck erweckt, als sei eine moralische Auseinandersetzung mit dem archaischen Problemkind Kirche ernstlich wichtiger als die Frage, wer – zum Teufel nochmal! – Günther Stoll erschossen hat. Wer Hamburg-Krimis kennt, wird ob dieses ungewohnten Aufblitzens kintopp-begrenzter Seriosität eher den Kopf schütteln.

Zumal sich der „Pfarrer“ zuvor wenig darum kümmerte, ernstgenommen zu werden. Der Teil des Films, der sich mit den Machenschaften um Heino Docke aus dem „Goldenen Käfig“ befasst, ist zwar einerseits durch die übliche Härte und Kompromisslosigkeit geprägt, andererseits aber auch stark humoristisch unterlegt. Vor allem Horst Naumann, der mit breitem sächsischen Akzent flotte Sprüche am laufenden Band ’raushaut, animiert häufig zum Schmunzeln. Doch es geht auch ganz platt: Vor dem Witz mit dem Pfannkuchen, der beim Wenden zuerst an der Decke und dann direkt auf dem Kopf von Curd Jürgens landet, scheut sich die Produktion nicht.

Verärgert es zunächst, dass die wohlig-vertraute Stimmung auf dem Kiez gegen die kalte Brise einer imaginären Nordseeinsel eingetauscht wird (und schließlich noch einmal, dass die Auflösung der Verbrechen deshalb recht kurz angebunden und zusammenhanglos ans Ende der Handlung angeflickt wurde), so überzeugt für sich genommen das Intermezzo auf Norderkoog doch mit einigen aus dem klassischen Erfolgskino der Fünfzigerjahre übernommenen Dramatismen. Olsen lässt in diesem Teil des Films mit großer Geste Vorurteile hochkochen, biblische Gleichnisse sprechen und sogar die Natur schicksalshaft gegen unwillige Schäfchen aufbegehren. Aus dieser Herangehensweise mit Elementen aus den Rühmann’schen Pater-Brown-Filmen oder dem Nachkriegsdrama „Nachtwache“ geht hervor, dass „Der Pfarrer von St. Pauli“ kein reiner Krimi sein will, sondern darüber hinaus mit vereinfachten Kontrasten und einem heroisierten Hauptdarsteller eine Diskussion über seine Thematik anzuregen gedenkt. Filmisch macht das den Film zur eierlegenden Wollmilchsau – doch das passt wiederum irgendwie zur Wahrnehmung der Kirche als Hafen und Beschäftigung und Ablenkung für alle.

Rolf Olsen versucht sich an großem Kino in den verschiedenstmöglichen Fußstapfen: „Der Pfarrer von St. Pauli“ überzeugt zunächst als Krimi mit komödiantischem Einschlag, mischt aber auch religiös-dramatische Szenen und Momente eines Kriegs-, Abenteuer- und Seemanns-Films ein. Das passt so knapp in 97 Minuten Spielzeit, dass es nie langweilig wird. Aber auch nie wirklich tiefgründig. 4 von 5 Punkten.

Und das meint der Katholische Filmdienst:

Zitat von Filmdienst.de: Der Pfarrer von St. Pauli
Ein U-Boot-Kapitän erfüllt sein in höchster Seenot gegebenes Gelübde und wird Pfarrer in St. Pauli. Routiniert gemachte Unterhaltung mit Elementen aus Heimatdrama, Komödie und Gangsterfilm.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.853

20.09.2014 16:20
#29 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten



Straßenbekanntschaften auf St. Pauli

Kolportagekrimi, BRD 1967/68. Regie: Werner Klingler. Drehbuch: Jürgen Buchmann, Jürgen Knop. Mit: Günther Stoll (Kommissar Torber), Rainer Brandt (Ingo Werner), Suse Wohl (Susanne Petersen), Sybille Gilles (Renate Petersen), Dagmar Lassander (Gerti Weber), Reinhard Kolldehoff (Radebach), Jürgen Feindt (Jensen), Gabriele Gutkind (Viola), Manuela Bock (Ilona), Richard Haller (Öhrchen) u.a. Eine Produktion der Telecine Film- und Fernsehproduktion Berlin. Uraufführung: 29. Februar 1968.

Zitat von Straßenbekanntschaften auf St. Pauli
Passenderweise arbeitet die moralstrenge Renate Petersen bei der Hamburger Sitte. Während sie in ihrem Beruf mit allerlei „gestrauchelten Mädchen“ in Kontakt kommt, ist sie im Privaten alleinerziehende Mutter einer wohlgeratenen, allerdings noch minderjährigen Tochter. Als Renate dem Nachtclubbesitzer Radebach die Hölle heiß macht, revanchiert sich dieser damit, die junge Susanne Petersen zu kompromittieren. Dass das Mädchen bald sogar des Mordes an Radebach verdächtigt wird, hätte aber wohl selbst der Unterweltkönig nicht vorhergesehen ...


Zunächst einmal scheint sich dieser Film ein wenig im Unklaren über seinen eigenen Titel zu sein: Es gibt sowohl Varianten mit einem „auf“ (u.a. auf dem Filmplakat) als auch solche mit einem „in“ im Namen (u.a. im Vorspann). Da beide Formen der Ortsbezeichnung für Hamburgs berühmtesten Stadtteil sprachlich in Ordnung gehen, ist es wohl auch nicht weiter weltbewegend, wie man diesen Krimi letztlich bezeichnet. Einzig: Als nicht weiter weltbewegend könnte man im gleichen Atemzug auch den gesamten Film bezeichnen. Man merkt, dass Artur Brauner möglichst schnell seinen Teil vom frischen Kuchen der Milieukrimis abbekommen und sich dementsprechend schon der neuen Welle angeschlossen hatte, als ihr großer Durchbruch mit „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ noch nicht einmal ein halbes Jahr in den deutschen Kinos lief. Der Dreh für die „Bekanntschaften“ fand sogar schon vor der Premiere des Olsen-Streifens im Sommer 1967 statt. Für die Innenaufnahmen nutzte man das Studio Hamburg, während man Außenaufnahmen aus Hamburger und Berliner Schauplätzen zusammensetzte (bei der Verfolgungsjagd durch einen Park, bei der übrigens Rolf Wilhelms Titelmusik zu „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“ wiederverwertet wird, sieht man z.B. die aus dem „schwarzen Abt“ bekannte Teufelsbrücke im Volkspark Glienicke).

Obwohl der Film nach Olsens „Reeperbahn“-Knüller an den Start ging, wohnt ihm ein altmodisches Flair inne. Das mag damit zu tun haben, dass er in Schwarzweiß gedreht wurde, liegt aber sicher auch an dem eher moralschweren und wenig dynamischen Drehbuch, dessen Absichten man – teilweise schon auf größere Entfernungen – vorausahnen kann. Darüber hinaus zeigt sich der Stil manchmal eher holprig, wofür wiederum die wackelige Dramaturgie des Scripts verantwortlich gemacht werden muss. Dieses begeht zum Beispiel den großen Fehler, ausgerechnet die interessanteste Gestalt des Films, den von Reinhard Kolldehoff mit abstoßendem Eifer verkörperten Nachtclubbesitzer, als Leiche zu präsentieren und die übrigen Figuren damit etwas in der Luft baumeln zu lassen.

Während Kolldehoff eine charismatischste Darstellung abgibt, bleiben drei andere zentrale Rollen leider eher blass: Rainer Brandt versäumt es, die gewaltbereite und brandgefährliche Seite seines nach Radebachs Tod zum Hauptschurken avancierenden Fotografen Ingo deutlich zu vermitteln. Ähnlich wie bei den Darstellerinnen der beiden Petersens bekommt man hier keine glaubwürdigen Figuren zu sehen, sondern nur Schauspieler, die Figuren zu verkörpern versuchen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es bedauerlich, dass man für die beiden Frauenrollen keine bekannteren Gesichter verpflichtete (Margot Trooger hätte sich z.B. als übervorsichtige Sittenbeamtin angeboten). Überzeugend dagegen agieren Günther Stoll in einer für eine Erstnennung etwas klein geratenen Rolle als Kommissar sowie die junge Dagmar Lassander, die ihre Karriere später u.a. in freizügigen Gialli fortführte, die aber neben gutem Aussehen auch über darstellerisches Talent verfügt. Schon ein wenig programmatisch für ihre zukünftigen Auftritte stellt sie ein Mädchen dar, das frühzeitig von der Schule abging, um als Fotomodell zu arbeiten und sich nicht nur in teils zweifelhaften Positionen ablichten, sondern auch von ihrem Freund Ingo einspannen lässt, die junge Petersen in eine Falle zu locken. Dabei zeigt Lassander glaubhaft die Zwickmühle zwischen eingebläutem Gehorsam und einem verbliebenen Rest Hilfsbereitschaft und aufrechter Freundlichkeit.

Vor allem zu Beginn unterhält „Straßenbekanntschaften auf St. Pauli“ durch einen ungezwungenen Humor, der am besten bei der ersten Razzia in der Szene in den Toilettenräumen zum Tragen kommt. Eher unfreiwillig komisch dagegen, dass Radebachs Bar den Namen „Homo 66“ trägt (hätte wohl nur noch von „Homo 69“ überboten werden können ...). Nach und nach verliert sich jedoch diese nette Beigabe zugunsten einer lediglich ausbaufähig dramatischen Kolportage-Stimmung, die besser hätte ausgenutzt werden können, wenn Susanne länger verdächtigt und nicht gleich von Ingo entführt worden wäre.

Kein St.-Pauli-Reißer im typischen Sinne. Die „Bekanntschaften“ vermitteln eher den Eindruck eines frühen Vor- und manchmal auch etwas müden Mit-Läufers, hätten sie mit einem ausgereifteren Drehbuch und einer überzeugenderen Besetzung doch deutlich mehr aus der eigentlich guten Ausgangssituation herausholen können. Reinhard Kolldehoff gibt eine sehenswerte Performance als bitterböser Kiezbaron. 3 von 5 Punkten.

Und das meint der Katholische Filmdienst:

Zitat von Filmdienst.de: Straßenbekanntschaften auf St. Pauli
Um eine unbequem werdende Kriminalkommissarin auszuschalten, bringen skrupellose Reeperbahn-Geschäftsleute deren Tochter in verfängliche Situationen, an deren Ende ein Mord steht. Groschengeschichte mit pseudomoralischem Anstrich.


Eine weitere Besprechung des Films findet sich in einem separaten Thema: 1

Georg Offline




Beiträge: 2.778

28.10.2014 20:26
#30 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #24
Einen St.-Pauli-Krimi (oder eigentlich St.-Pauli-Thriller) der ganz anderen Art hatte ich eben im Player:

SUPERMARKT

BRD 1973
Buch: Roland Klick unter Mitarbeit von Georg Althammer und Jane Sperr
Musik: Peter Hesslein, Udo Lindenberg, Titelsong gesungen von Marius Müller-Westernhagen
Kamera: Jost Vacano
Regie: Roland Klick
Mit Charly Wierzejweski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Hans-Michael Rehberg, Edgar Bessen, Karl Walter Diess u. v. a

INFO: Läuft heute nacht auf ZDF.Kultur um 0.25 Uhr!

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