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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 1.063 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Gubanov Offline




Beiträge: 16.119

06.10.2010 20:57
Bewertet Hörspiel: "Paul Temple und der Fall Vandyke" (1953, 2) Zitat · Antworten

Paul Temple und der Fall Vandyke

Kriminalhörspiel nach Francis Durbridge. • Produktion: WDR 1953.
• Mit: René Deltgen (Paul Temple), Annemarie Cordes (Steve, seine Frau), Herbert Hennies (Charlies, sein Diener), Gustav Knuth (Philip Droste), Lilly Towska (Vanessa Droste, seine Frau), Kurt Lieck (Sir Graham Forbes), Kurt Meister (Inspector Eden), Alf Marholm (Sergeant Digby), Karl-Heinz Bender (Luke), Magda Hennings (Mary Desmond) u.v.a. • Regie: Eduard Hermann. • Vertrieben vom Audioverlag: Einzelausgabe: LinkDie große Paul Temple Box: Link (Fälle 2, 3, 4, 7, 9)



Zitat von Paul Temple und der Fall Vandyke (Der Audioverlag)
Der „Fall Vandyke“ beginnt mit dem Verschwinden des Desmond-Babys und seines Babysitters. Scotland Yard ist ratlos und bittet Paul Temple um Hilfe. Eine Leiche und eine Puppe führen ihn nach Paris, wo er nur knapp einem Attentat entgeht. Als das Baby wieder auftaucht, gab es bereits zu viele Tote, als dass man den Fall ad acta legen könnte. Die Jagd geht weiter, und Paul Temple zieht das Netz seiner Beweise und Indizien immer enger...


Hört man „Paul Temple und der Fall Curzon“ und „Paul Temple und der Fall Vandyke“ direkt hintereinander, so kommt man nicht umhin, gewisse Parallelen zwischen den Fällen zu bemerken, die über die sich prinzipiell stets ähnelnden Tricks und Kniffe Durbridges hinausgehen. Am Anfang beider Abenteuer steht ein singender Paul Temple (er entwickelt sich allerdings: war es bei „Curzon“ noch „Pack die Badehose ein“, so sind ihm nun gerade Opern gut genug), ebenfalls vergleichbar sind die Fälle von Kindesentführungen als Ausgangspunkte der Verbrechen.
Bleibt René Deltgen wie noch für die kommenden 13 Jahre seiner Titelrolle treu, so erlebt der Hörer nun Annemarie Cordes als seine Frau Steve Temple. Sie stieg bis 1962 mit sieben Auftritten zur erfolgreichsten Sprecherin dieser Rolle auf, was besonders im Vergleich zu Elisabeth Scherer („Curzon“) sehr zu befürworten ist. Cordes bringt neben Loyalität und Abenteuerlust auch Eigenständigkeit und Gewitztheit mit und darf ihrem Mann sogar das Leben retten, als dieser in eine beinahe tödliche Falle tappt. Im „Fall Vandyke“ bekommt man es nicht nur mit einem besonders brutalen Verbrecher (die Verstümmelung der Opfer, die zumeist nicht sofort, sondern erst im Krankenhaus sterben, erscheint mir für das Jahr 1953 sehr gewagt und innovativ), sondern auch mit den weichen Seiten von Paul Temple zu tun. Als dieser nach einer Verletzung von Steve versorgt wird, dürfen wir Zeuge werden, dass er wie die meisten Männer durchaus über eine wehleidige Ader verfügt.
Neben den Morden ist die Reaktion auf dieselben als ein weiterer vom regulären Muster der Kriminalromane abweichender Aspekt anzusehen. Ein Mann findet seinen Tod im Hotel des Mr. McCall und es ist eine wahre Freude, den Hoteldirektor einmal nicht „Das wird mich ruinieren!“ schreien zu hören. Stattdessen gibt sich McCall zuversichtlich und freut sich darüber, dass ein saftiger Mord einem Hotel noch nie geschadet hat.

Für die Begleitung des verzwickten Vandyke-Falls sind abermals ausgewählte Schauplätze verantwortlich. Durbridges Wahl fiel dieses Mal nicht nur auf das malerische Marlow an der Themse, das später auch in seinem „Der Andere“ sowie unter anderem im Edgar-Wallace-Roman „Die Bande des Schreckens“ auftauchte, sondern gleichfalls auf die Weltstadt Paris, die es Paul Temple ermöglicht, England zu verlassen und seine Französisch-Kenntnisse aufzupolieren. Für den Zuschauer Abwechslung und Spaß zugleich, gestalten sich die Paris-Szenen nicht nur atmosphärisch, sondern auch besonders spannend. Dass ausgerechnet ein dümmlich amerikanisch palavernder Taxifahrer die Temples wortreich durch die Seine-Stadt kutschieren muss, ist einer der ganz wenigen abträglichen Faktoren in diesem Hörspiel.
Die Auflösung gestaltet sich durch die Zweiteilung in die gewöhnliche Cocktailparty und eine einsame Überführung des Schurken in einem Zug sehr charakteristisch und atemberaubend. Die Location ermöglicht es, den teuflischen „Vandyke“ etwas anders als gewöhnlich seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Die leichten Tonschwankungen der CD-Abtastung – einige Stellen wirken etwas dumpfer als die sonst so brillante Temple-Tonqualität – tut der Erstklassigkeit dieses sehr abwechslungsreichen und aufregenden Hörspiels keinen Abbruch. Ein erster wirklicher Höhepunkt der Reihe. Hören. Hören. Hören!


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Georg Offline




Beiträge: 3.049

01.02.2012 16:40
#2 RE: Bewertet Hörspiel: "Paul Temple und der Fall Vandyke" (1953, 2) Zitat · Antworten

Der Fall Van Dyke zeichnet sich natürlich (wie üblich) durch hohes Tempo, seltsame Verwicklungen, bedeutungsvolle Gegenstände (Puppe, Handschuhe) und kuriose Personen aus. Ein sehr spannender Fall, den Gubanov schon treffend beschrieben hat.

Zitat von Gubanov
Annemarie Cordes als seine Frau Steve Temple. Sie stieg bis 1962 mit sieben Auftritten zur erfolgreichsten Sprecherin dieser Rolle auf, was besonders im Vergleich zu Elisabeth Scherer („Curzon“) sehr zu befürworten ist.

Ich finde, dass die Stimmen der Temple-Frauen sich ziemlich ähneln, weshalb für mich nie wirklich ein Unterschied zwischen den Sprecherinnen auszumachen ist.

Zitat von Gubanov
England zu verlassen und seine Französisch-Kenntnisse aufzupolieren

Temple behauptet, ganz gut Französisch zu sprechen, was man von seinem Sprecher René Deltgen (trotz französischen Vornamens, der deutsch übrigens "Reinhard" bedeutet) nicht gerade behaupten kann. Überhaupt setzt sich hier die von Gubanov bereits beim Fall Curzon kritisierte fälschliche Aussprache englischer Orte und Namen konsequent für das Französische fort. Eine liebevolle Besonderheit, die ja allen 50er und 60er-Produktionen eigen ist (man denke nur an Mister Brassa (=Brother) in "Ein Mann namens Harry Brent"). Damals beherrschten nur sehr wenige Leute Fremdsprachen und die lautlichen Eigenheiten der jeweiligen Idiome konnten nicht so einfach wie heute durch Radio, CDs, DVDs oder Internet überprüft werden. So kann man Steve Temple auch verzeihen, dass sie in Paris einen Cinzano bestellt und diesen [sintsano] statt korrektem italienischen "tschintsano" ausspricht.

Zitat von Gubanov
eine einsame Überführung des Schurken in einem Zug sehr charakteristisch und atemberaubend.

Das stimmt, allerdings finde ich hier das Verhalten Paul Temples etwas gewagt, da ihn der Täter in der Angst, ermordet zu werden, bittet, nicht alleingelassen zu werden und Temple dennoch geht. So nimmt er bewusst den Tod des Täters in Kauf und ist letztlich auch daran ein wenig schuld.

Baal1985 Offline



Beiträge: 53

08.11.2012 16:00
#3 RE: Bewertet Hörspiel: "Paul Temple und der Fall Vandyke" (1953, 2) Zitat · Antworten

Inhaltlich der Fall Vandyke wohl eine der Hörspiele, die am meisten "an die Nieren" gehen. Unser Unbekannter ist rücksichtslos und ebenso brutal.Besonders ist mir noch die Fahrt mit Mrs. Desmond im Krankenwagen im Kopf. Die Geschichte schreitet meistens im Eiltempo voran und weiß durchaus mit einer paar neuen Wendungen aufzuwarten.

In meinen Augen 4/5 Punkten.

Vandyke Offline



Beiträge: 34

25.09.2014 14:10
#4 RE: Bewertet Hörspiel: "Paul Temple und der Fall Vandyke" (1953, 2) Zitat · Antworten

In meiner Rangliste der deutschen Temple-Hörspiele steht Vandyke auf Rang 2 nach Lawrence. Wie schon beschrieben, ist meines Erachten Mr. Vandyke der grausamste Mörder der ganzen Durbridge Werke. Und vor allem gibt es in diesem Werk den spannendsten Cliffhänger der ganzen Serie. Die Szene in Paris, wo Temple in Marets Wohnung ans Telefon geht und die Vermittlung ihm mitteilt, dass ein Mr. Vandyke aus London Mr. Temple persönlich sprechen will. In der mittlerweile oft gesendeten 6-Teile Fassung ist es der Cliffhänger nach der 3. Folge, in der 8-Teile Fassung nach der 4. Auch Annemarie Cordes ist ein Gewinn für die Serie, besonders als sie Miss Faber zu Gast hat und auch vorher als sie mit Lui Franz im Auto fährt und ihm zeigt, dass sie keine schwache Frau ist, die man einfach so entführen kann. Auch Karl-Heinz Bender in seiner kleinen Rolle als amerikanischer Taxifahrer in Paris sorgt für einen humorvollen Bonus.

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