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Dieses Thema hat 12 Antworten
und wurde 1.105 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Georg Offline




Beiträge: 2.907

30.05.2010 17:09
Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Dieser Kinofilm von Gerald Thomas beruht auf dem sechsteiligen Fernsehspiel "My Friend Charles" von 1956 und ist wie etwa DER FALL TECKMAN eine Kinoversion des Stoffes. Im Original, das im Februar / März 1956 auf BBC ausgestrahlt wurde, hatten Stephen Murray als Dr. Latimer und Francis Matthews (der spätere "Paul Temple") als Ken Palmer die Hauptrollen.

Zum Inhalt: Der Modearzt Dr. Latimer wird von seinem Freund Kaufmann, einem Filmmanager, gebeten, die Filmschauspielerin Fanny Felden am Londoner Flughafen in Empfang zu nehmen. Dadurch wird Dr. Latimer unwissend in Rauschgiftschmuggel und Mord verwickelt. Fanny Felden wird am nächsten Morgen tot in seiner Wohnung entdeckt. Latimer wird verdächtigt, sie umgebracht zu haben. Im Laufe der Ermittlungen spielt ein bronzener Kerzenhalter eine wichtige Rolle.

Dr. Howard Latimer: Sir John Mills
Geoffrey Windsor: Lionel Jeffries
Fanny Felden: Lisa Daniely
Laura: Noelle Middleton
Ken Palmer: Derek Farr
Mrs. Ambler: Rene Rey
Inspektor Dane: Roland Culver
Sergeant Lewis: David Williams
Dr. Kimber: Mervyn Johns
Robert Brady: Wilfried Hyde-White

Drehbuch: Francis Durbridge
Kamera: Otto Heller
Musik: Stanley Black
Produktion: Romulus Film
Gesamtleitung: Peter Rogers
Regie: Gerald Thomas

Das Buch ist unter dem Titel "Charlie war mein Freund" erschienen und ist für mich bis heute einer der besten Romane - wenn nicht der beste - von Francis Durbridge.

Die Handlung selbst hat alle typischen Zutaten, die Durbridge zu einem neuen Stoff zusammenmixt: die unschuldige Hauptperson, die von einem Verbrechen ins nächste schlittert und für die Polizei zum Hauptverdächtigen wird. Die Aussagen einer Zeugin, die dazu führen sollen, dass die Hauptfigur als nicht ganz zurechnungsfähig und als Lügner eingestuft wird. Unbekannte, die anrufen, scheinbar harmlose Gegenstände - wie hier ein Kerzenhalter und ein Streichholzheftchen - die ausschlaggebend für die Handlung sind, mysteriöse Typen, die sich am Ende als jemand ganz Anderer herausstellen und einen unbekannten Hintermann, den niemand kennt.

Die 5 Cliffhanger gehen im Kinofilm zwar etwas unter, dennoch kann man sie noch leicht erkennen. "Interpol ruft Berlin" (ein etwas fader und nicht ganz passender deutscher Titel angesichts des englischen Titels "Der Teufelskreis") bietet 80 Minuten erstklassige klassische Krimiunterhaltung in bester Durbridge-Manier.

Georg Offline




Beiträge: 2.907

27.02.2014 20:39
#2 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Liebe Durbridge-Freunde,

es freut mich, euch ankündigen zu können, dass dieser Film am 11.07.2014 auf DVD erscheint (von Pidax)!

Ich habe mit dem Lizenzgeber persönlich ein halbes Jahr korrespondiert und nun ist es soweit!

Auf der DVD wird der deutsche und der englische Ton vorhanden sein, außerdem gibt es ein von mir verfasstes Booklet mit umfassenden Hintergrundinformationen.

Spannende Unterhaltung!

Havi17 Offline




Beiträge: 3.008

27.02.2014 21:45
#3 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Das ist ja mal eine gute Nachricht von Pidax!
Danke für die Information!

Gruß
Havi17

Clifton Morris Offline



Beiträge: 111

27.02.2014 23:27
#4 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Eine sehr interessante DVD-Ankündigung! Handelt es sich um eine alte deutsche Synchron-Fassung? Die DVD wird auf jeden Fall vorbestellt.

Georg Offline




Beiträge: 2.907

28.02.2014 14:37
#5 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Ja, es ist die alte deutsche Synchronfassung, in der u.a. Reinhard Glemnitz, Ernst Fritz Fürbringer und Alf Marholm (alle drei auch Durbridge-TV-erfahren) den englischen Darstellern ihre Stimmen leihen.

Tarzan Offline



Beiträge: 889

28.02.2014 23:51
#6 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Super!

brutus Offline




Beiträge: 12.895

02.03.2014 22:27
#7 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #3
Das ist ja mal eine gute Nachricht von Pidax!
Danke für die Information!

Vor allem: Danke @Georg!

Clifton Morris Offline



Beiträge: 111

06.03.2014 20:12
#8 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Tolles Engangement! Bereits die Synchronsprecher rechtfertigen unbedingt den Kauf. Freue mich schon sehr auf die vorbestellte DVD.

schwarzseher Offline



Beiträge: 380

24.06.2014 19:43
#9 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

So, die DVD ist gerade angekommen. Werde ich mir wohl bald reinziehen. Nach den Vorbesprechungen ist die Erwartungshaltung groß.

Lord Peter Offline




Beiträge: 462

20.12.2014 12:10
#10 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

So, gestern Abend erstmals gesichtet.

Eine typische Durbridge-Story ausnahmsweise kurz und knackig in 80 Minuten erzählt. Wer den Altmeister kennt, weiß, was ihn erwartet: Morde, Intrigen, viele skurile Gesellen (die die unschuldige Hauptfigur mal unterstützen, mal erpressen, mal im Regen stehen lassen), die sich immer enger zuziehende Schlinge um den Protagonisten, aus der er sich erst kurz vor Toresschluß befreien kann, und natürlich der aus dem Hut gezauberte Haupttäter (den der krimikundige Zuschauer sich allerdings schon frühzeitig ausknobeln kann).

Handwerklich ist das ganze auch recht ordentlich gemacht, und durch die kurze Laufzeit kommt auch nie Langeweile auf. Nicht ganz glücklich bin ich mit den Schauspielern, die (trotz einiger bekannter Namen) über weite Strecken relativ farblos bleiben, gerade von Sir John Mills in der Hauptrolle hätte ich doch etwas mehr erwartet. Positiv stechen nur Derek Farr und Wilfrid Hyde-White hervor, und Roland Culver hilft (in der deutschen Fassung) die sonore Stimme von Alf Marholm. Doch gerade die Damenwelt wirkt doch ziemlich beliebig.

Die DVD ist ordentlich geraten, es gibt ein Booklet mit einigen interessanten Infos (könnten allerdings auch mehr sein), die Bildqualität (es wurde ein englisches Master verwendet) ist für einen Film dieses Alters absolut in Ordnung. An der Synchro hat der Zahn der Zeit etwas genagt, und beim Zeitindex 27:20-28:24 (Gespräch Latimer/Brady) läuft der Ton deutlich asynchron, da hätte man etwas sauberer arbeiten müssen. UT - leider Fehlanzeige. Den O-Ton muss ich noch checken. Pidax-typisch gibt es natürlich auch wieder ein FSK-Logo-freies Wendecover.

Schön, dass Pidax nach "Die Puppe" eine weitere Durbridge-Rarität von der Insel wieder für den deutschen Markt zugänglich gemacht hat, wenn auch mit kleinen Mängeln. Der Film selbst ist (trotz teilweise blasser Besetzung) durchaus eine Anschaffung wert.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.008

20.12.2014 22:32
#11 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #1
... bietet 80 Minuten erstklassige klassische Krimiunterhaltung in bester Durbridge-Manier.

Volle Zustimmung.

Gruß
Havi17

Gubanov Offline




Beiträge: 15.359

13.05.2018 23:30
#12 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten



Interpol ruft Berlin (The Vicious Circle)

Kriminalfilm, GB 1957. Regie: Gerald Thomas. Drehbuch: Francis Durbridge (Vorlage „My Friend Charles“, 1956: Francis Durbridge). Mit: John Mills (Dr. Howard Latimer), Derrek Farr (Kenneth Palmer), Noelle Middleton (Laura James), Wilfrid Hyde-White (Major Harrington), Roland Culver (Inspector Dane), Mervyn Johns (Dr. George Kimber), René Ray (Mrs. Ambler), Lionel Jeffries (Geoffrey Windsor), Lisa Daniely (Frieda Veldon), David Williams (Sergeant) u.a. Uraufführung (GB): September 1957. Eine Produktion von Romulus Films und Beaconsfield Productions für IFD Independent Film Distributors.

Zitat von Interpol ruft Berlin
Urplötzlich findet sich der Arzt Howard Latimer in einem hinterhältigen Teufelskreis wieder: Die Schauspielerin, die er im Auftrag seines Freunds vom Flughafen abholte, liegt plötzlich tot in seiner Wohnung – und Dr. Latimer verstrickt sich in völlig unglaubwürdige Aussagen, die von mehreren Zeugen abgestritten werden. Derart zum Hauptverdächtigen aufgestiegen, beschließt er, zunächst das Weite zu suchen, um seine Unschuld selbst unter Beweis zu stellen. Doch mit jedem Strohhalm, nach dem er greift, versinkt Dr. Latimer nur noch weiter in einem Morast aus Betrug, Mord und Erpressung ...


Für Kinofilm-Adaptionen seiner Stoffe arbeitete Durbridge häufig mit einem oder mehreren von der Produktionsfirma bestellten Drehbuchautoren zusammen oder musste die Verantwortung sogar zur Gänze an solche Dritte abgeben. Anders bei „Interpol ruft Berlin“, der als Leinwandversion seines TV-Sechsteilers „My Friend Charles“ entstand, welchen die BBC im März und April 1956 gezeigt hatte. Hier steht nur Durbridges Name im Vorspann – doch wer darauf aufbauend ein besonders gelungenes Script erwartet, wird enttäuscht. Zwar ist „Interpol ruft Berlin“ in jeder Hinsicht typisch für die Stoffe des Schriftstellers, es wirkt aber durch die Kondensation eines Mehrteilers auf nur 80 Minuten Laufzeit auch dramaturgisch überladen, teilweise unglaubwürdig und reichlich oberflächlich. Die Schwierigkeit bei solchen Eindampfungen bestand schließlich darin, zu entscheiden, welche Plotelemente bleiben dürfen und welcher man sich entledigt. Durbridge wollte wohl zu viele behalten und machte die Jagd auf den offenkundig unschuldigen Dr. Latimer damit zwar zu einer temporeichen, aber eben nicht weiter er- oder tiefgreifenden Angelegenheit.

Daran ändert auch John Mills nichts, der als einer der profiliertesten Hauptdarsteller des britischen Kinos über viele Jahrzehnte hinweg hier eine vergleichsweise schwache Figur macht. Vielleicht liegt es daran, dass man von Mills gewohnt ist, dass seine Figuren die Oberhand über das Geschehen behalten, gefestigte Standpunkte einnehmen und oft der Inbegriff von Rechtschaffenheit sind. Um haltlosen Beschuldigungen zum Opfer zu fallen, Hals über Kopf vor der Polizei zu fliehen oder nächtens über Dächer zu klettern, hätte man wohl besser einen jüngeren, heißblütigeren Schauspieler als den gesetzten Mills verpflichten sollen. Aber auch einige der anderen Darsteller gereichen dem Film nicht unbedingt zu größten Ehren, gestalten sich doch gerade die (lediglich zwei!) Herrenparts, die als Haupttäter in Frage kommen, erschreckend blass. Die drei zentralen Frauen (Laura James, Mrs. Ambler und Frieda Veldon [in der deutschen Synchronisation Fanny Felden]) wurden derweil mit Darstellerinnen besetzt, die einander so ähnlich sehen, dass man jeweils aus dem Kontext schlussfolgern muss, welche von ihnen da gerade tot in den Kulissen liegt. Angenehme Ausnahmen in diesem stellenweise eher austauschbaren Ensemble bilden Roland Culver als hartnäckiger Inspektor und Lionel Jeffries, der spätere Kapitän auf Miss Marples Mörderschiff Battledore, in der Rolle eines markanten Kleinkriminellen, der sich als einziger Beweis für Dr. Latimers Unschuld lange dem Zugriff der Polizei entzieht. Auch Wilfrid Hyde-White ist immer gern gesehen, allerdings stellt die Überraschung, die Durbridge für seine Rolle in petto hatte, bei der Besetzung mit ihm als gutmütigem Sympathieträger nicht wirklich eine Überraschung dar.

Inszenatorisch bewegt sich „Interpol ruft Berlin“ auf angenehmem Niveau; Längen kommen bei den sich praktisch von Anfang an überschlagenden Ereignissen ohnehin nicht auf. Die Dialogdichte und Fernsehherkunft bedingen, dass sich ein überwiegender Szenenanteil in den ansprechend ausgestatteten Innendekors abspielt. Als eine besonders hübsche Abwechslung dazu gestaltet sich ein Treffen zwischen Dr. Latimer und dem glitschigen Geoffrey Windsor am Victoria Embankment mit anschließender Bootsfahrt über die Themse. Wer allerdings ob des etwas fehlleitenden deutschen Titels erwartet, dass es mehr als einige dünne inhaltliche Bezüge nach Deutschland gibt, wird enttäuscht werden – auch wenn (oder gerade weil) „The Vicious Circle“ ein rechter Allerweltstitel ist, trifft er den Kern des Films deutlich besser. Die deutsche Synchronfassung entstand übrigens im Jahr 1959; ein Termin, wann genau „Interpol ruft Berlin“ zum ersten Mal in Deutschland zu sehen war, scheint sich aber nirgends zu finden – so bleibt am Ende des Krimis wenigstens ein Rätsel bestehen ...

Ein unschuldig Verdächtigter versucht, sich von Mordverdacht zu befreien. Eine klassische Durbridge-Geschichte, die gespannt macht, wie wohl der Original-Mehrteiler ausgefallen sein mag, der dem Plot sicher angemessener war als ein 80-Minuten-Spielfilm. Leider von den nötigen Straffungen und einer einigermaßen faden Besetzung geplagt, bekommt der Zuschauer hier ein routiniertes, aber wenig einprägsames Katz-und-Maus-Spiel vorgesetzt. 3 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.907

14.05.2018 07:22
#13 RE: Bewertet Kino: "Interpol ruft Berlin / The Vicious Circle" (1957, UK) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #12
Eine klassische Durbridge-Geschichte, die gespannt macht, wie wohl der Original-Mehrteiler ausgefallen sein mag[/b]
Hier kann ich Dir die Lektüre des Buchs Charlie war mein Freund wärmstens empfehlen, die sich als hoch spannend erweist und beinahe eine 1:1 Niederschrift des Mehrteilers ist. Z. B. hier erhältlich: https://www.zvab.com/servlet/BookDetails...2Bmein%2Bfreund

Der Film an sich - den ich etwas besser bewerten würde - war in der Vita von Durbridge ganz nebenbei deshalb sehr wichtig, weil dadurch eine seiner wenigen engen Freundschaften entstand. In diesem Falle mit Regisseur Gerald Thomas.

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