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Dieses Thema hat 27 Antworten
und wurde 3.097 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Seiten 1 | 2
Gubanov Offline




Beiträge: 14.424

13.04.2010 17:17
Bewertet TV: "Die Kette" (1977, 11) Zitat · antworten

Bewertet: Francis Durbridge – Die Kette
Deutschland 1977, TV. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Mit: Harald Leipnitz, Uschi Glas, Herbert Fleischmann, Walter Kohut, Rosemarie Fendel, Michael Hinz, Wolfgang Kieling, Margot Hielscher, Karl-Heinz Vosgerau, Beatrice Richter u.v.a.




„Die Kette, Teil 1“ & „Die Kette, Teil 2“

Nach der Schmach des kreuzlangweiligen „Das Messer“ schien die Durbridge-Serie für lange Zeit beendet, bis sechs Jahre nach diesem Fiasko der Sender SWR einen Stoff des raffinierten Briten wieder aufnahm. Mit dem Wechsel der Durbridge-Verantwortlichkeiten vom WDR Köln in den Süden der Bundesrepublik markiert „Die Kette“ trotz kompletten Teamwechsels wieder einen merklichen Schritt zurück zur Besinnung auf klassische Durbridge-Motive. Die dem Mehrteiler oft vorgeworfene Modernität kommt in meinen Augen deshalb nur in direktem Bezug auf das Produktionsjahr zur Geltung, findet aber keine Gewichtung in der inhaltlichen oder stilistischen Aufmachung. So entspricht die Inszenierung nicht mehr der avantgardistischen Schwunglosigkeit seines 1971er-Vorgängers, sondern orientiert sich wieder eher an der handfesten Spannung von Rolf von Sydows erstem Serienbeitrag „Wie ein Blitz“.
Die natürliche Einbindung der zahlreichen Englandaufnahmen geben der „Kette“ ein authentisches Gefühl, das ebenfalls von der sich selbst in der Kostümierung widerspiegelnden, gewollten altmodischen Ader unterstützt wird. Harald Leipnitz etwa tritt dank der Kunstfertigkeit von Kostümbildnerin Alheid Lupp stets in Anzügen auf, die so geschmackvoll auf die stilvolle britische Schiene getrimmt sind, dass sie beinahe schon wieder kurios wirken. Jan Niklas in seinen Hemd-Strickpullover-Kombinationen steht dem ebenso wenig nach wie Walter Kohut mit unverwechselbarem Trenchcoat.
Mit den größten Anteil am klassischen Appeal von „Die Kette“ haben allerdings die Schauspieler selbst: Mit fast der gleichen Besetzung hätte der Film bereits zehn Jahre eher inszeniert werden können! Leipnitz, Glas, Kohut, Hinz, Kieling und wie sie alle heißen vermitteln perfekt zwischen der durch den Drehzeitpunkt in den späten 1970er Jahren bedingten Eigenheit des Mehrteilers und seiner lückenlosen Anbindung an den Rest der Reihe.

Der Kriminalfall bietet die für Durbridge typischen „Verkettungen“ und Überraschungen und steht damit seinen Vorgängern in nichts nach. Im Gegenteil: Er hält eine kaum verbesserungswürdige Balance aus undurchsichtiger Verworrenheit und übersichtlichen Mitratemöglichkeiten. Die Figuren sind allesamt markant gezeichnet und werden so plastisch vorgestellt, dass man keine wirklichen Nebenrollen oder gar Unverdächtige ausmachen kann.
Sogar die weibliche Hauptrolle wird interessant variiert: Uschi Glas’ Judy Black ist eine gejagte Verdächtige, die um den Schlüssel zum Geheimnis um Mr. Owen weiß und in einigen mysteriösen Szenen, so der hochspannenden Installation auf den Londoner Dächern nahe der St. Albert Hall, markante Auftritte verbuchen kann. Glas überzeugt als aktive Handlungsträgerin – strukturell ähnlich, wenn auch inhaltlich ganz anders als in „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ – wieder einmal weit mehr als als Liebchen in Gefahr.
Als einzige Kritik muss angesehen werden, dass der erste Teil der „Kette“ in seiner Länge doch etwas schwerfällig daherkommt. Es wäre konsequenter gewesen, die Sendung statt auf zwei besser auf drei oder gar vier Teile aufzusplitten, um noch größere Spannung zu erreichen und vor allem dem Durbridge’schen Motiv der Cliffhanger mehr Gewichtung zu verleihen. In der vorliegenden Fassung kann man den einzigen Cliffhanger eigentlich gar nicht als solchen bezeichnen, da es sich „lediglich“ um das lapidare Auffinden einer Leiche handelt – und zwar um die Leiche einer Figur, von der man sich von Anfang an denken konnte, dass sie nicht bis zum Ende überleben würde.

Mich hat „Die Kette“ nach den diversen wenig begeisterten Kommentaren im Forum absolut positiv überrascht. Sie hat so ziemlich alles, was ein guter Durbridge-Krimi braucht – inhaltlich, darstellerisch, optisch – und kommt keineswegs übermäßig neumodisch herüber. 4,5 von 5 Punkten.



Die DVD vom Label Aviator Entertainment weist eine Bildqualität auf, die der durchschnittlichen Qualität der übrigen Durbridge-Mehrteiler und wahrscheinlich auch der der Fernsehausstrahlungen entspricht. Auf dem Fernseher kann man sich „Die Kette“ ohne Probleme ansehen, am PC machen sich unter Umständen einige leichte Combing-Effekte bemerkbar. Farben und Schärfe sind auf dem weder schlechten noch lobenswerten Niveau, das man von einer TV-Produktion des Jahrgangs 1977 erwarten kann. Dafür zeichnet sich die DVD durch den als Bonusmaterial enthaltenen Originalsoundtrack sowie durch ein dünnes Booklet aus, in dem Komponist Dieter Reith einige Eindrücke zu seiner Arbeit schildert. Das Artwork von Case, Booklet und Menü sind äußerst hübsch; bemängelt werden muss hingegen wieder einmal das Fehlen von Untertiteln.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.251

16.04.2010 11:04
#2 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Den muss ich mir unbeding mal wieder ansehen... War mein erster Durbridge...

Insgesammt fand ich ihn immer ein bischen zu lang geraten - denke 3 x 45 Minuten währen Optimal gewesen...

Die Story ist gut, die Schauspielr ausser Uschi Glas ebenfalls ( Sorry, ich nehm ihr die Rolle keine 5 Minuten lang ab).

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Happiness IS the road ! (Marillion)

Georg Offline




Beiträge: 2.745

23.04.2010 17:21
#3 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

"Die Kette" hat zweifellos eine tolle Besetzung. Was jedoch fehlt, sind die so typischen Cliffhangereffekte, was daran liegt, dass 1977 niemand mehr an sechs Abenden zu Hause zu halten war. Regisseur von Sydow hatte die beiden Teile damals in der Presse so begründet: "Der Film wird so leichter überschaubar".
Der von Gubanov zurecht kritisierte etwas schwache Cliffhanger am Ende des ersten Teils befindet sich bei Durbridge im Drehbuch ja erst in der dritten Folge. Für alle Interessierten deshalb hier die Auflistung der Cliffhanger, wie sie bei Durbridge im Drehbuch standen:

Teil 1: Dawson bekommt mit einem Päckchen die Halskette des Hundes zugeschickt. Dabei ein Zettel: "Deshalb musste ihr Vater (im Original: ihr Bruder) sterben".

Teil 2: Judy Black sagt zu Dawson: "Sprechen wir über ihren Bruder. Ich weiß, wer ihn umgebracht hat".

Teil 3: Auffinden der Leiche der Haushälterin Mary Rogers. (Im Original: erstochen in Dawsons Bett).

Teil 4: Jene Szene, in der Judy Black Harry Dawson auf dem Dach mit einer Pistole bedroht. Im Original spielt die Szene in der Wohnung von Judys Freundin (die Verlegung aufs Dach ist sicherlich Rolf von Sydow zu verdanken). Ein Schuss löst sich. Abblende.

Teil 5: Arnold Conway verlässt das Café, nachdem ihn Sybill gewarnt hat, dass Tam Owen in der Nähe ist. Er verspricht Dawson, auf sich aufzupassen. Erst am Anfang von Teil 6 wird Conway aus einem fahrenden Auto heraus erschossen.

Georg Offline




Beiträge: 2.745

02.05.2010 19:35
#4 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Bei meinem alljährlichen Durbridge-Revival bin ich nun bei "Die Kette" angelangt. Nachdem ich mir nun die drei Sydow-Beiträge wieder angesehen habe, muss man sagen, welcher Glücksgriff dieser Regisseur für die Reihe war. Detailverliebt, stimmig und doch flott inszeniert, keine Zeit für Längen. Die Führung der Schauspieler ist erstklassig - es gibt keine übertriebenen Charaktere wie etwa bei Paul May (oder gar Zbynek Brynych, der Gott sei Dank nie einen Durbridge gedreht hat ;-)). Sydow hatte das richtige Gespür für Musik und Kreativität. Die Wahl der Musikkomponisten scheint sehr sorgfältig gewählt, der Soundtrack klingt bei Blitz, Messer und Kette extrem modern und ist - vor allem bei Messer und Kette - völlig atypisch für die damalige Zeit und hebt sich auch vom damaligen oft eintönigen Gedudel ab.
Die Kreativität des Regisseurs zeigt sich außerdem in der sorgfältigen - wie modernen - Auswahl der Titelsequenzen. Sydow verstand es noch, dass der Vorspann als dramaturgisches Element eingesetzt werden kann und nicht lieblos ab der ersten Szene heruntergespielt werden muss. Alle drei Beiträge verfügen über originelle Titelsequenzen ("Blitz": das Wischen des Titels über die Windschutzscheibe; "Messer": ganz modern, im Bonusinterview erzählt Sydow ja auch, dass er sich da eigens Experten geholt hat und "Kette" - eine Zeichentrickanimation (zugegebenermaßen weiß man nicht, warum gerade in Teil 1 ein Mann und in Teil 2 eine Frau)).
Die Besetzung bei "Die Kette" ist natürlich ein wahrer Genuss: Harald Leipnitz, Wolfgang Kieling als perverser Tierhändler, Wolfgang Lukschy als Vater, Karl Heinz Vosgerau als Mann im Rollstuhl, Rosemarie Fendel - spielt extrem nervig und unsympathisch als Haushälterin - weshalb sie optimal für die Rolle passt, Beatrice Richter als Callgirl, Herbert Fleischmann als schmuddeliger Chef und Walter Kohut als undurchsichtiger, schmieriger Inspektor Fletcher (bei ihm weiß man bis zum Schluß nicht, ob er auf der guten Seite steht, erstklassige Besetzung für die Rolle!!). Einzig Uschi Glas nervt mich ein wenig als Judy Black. Weiß nicht warum.
Die Geschichte selbst ist flott inszeniert (ich habe den Vergleich zur italienischen Version, die allerdings ca. 10 Jahre zuvor entstanden und dementsprechend 60er-Jahre-s/w-mäßig à la Harry Brent ist), wenngleich - wie bei Durbridge üblich - nicht immer ganz schlüssig.
Einfälle wie die Szene auf dem Dach zwischen Glas und Leipnitz oder die Verfolgung am Ende in der U-Bahn gehen wohl ausschließlich auf von Sydow zurück, im Roman und in der ital. Version fehlen diese Szenen und sind dementsprechend unspektakulär. Auch der Callgirlring ist in Durbridges Originaldrehbuch nicht vorhanden. Hier ging es um "Fotomodels".
Dem Film kommt außerdem zu Gute, dass er ausschließlich in England gedreht wurde (im Gegensatz dazu etwa DIE SCHLÜSSEL, wo die deutschen Drehorte augenscheinlich sind).
Alles in allem hat mich DIE KETTE diesmal mehr denn je überzeugt, auch wenn ich andere Durbridges noch immer vorziehe. Es kommt wohl auch auf die persönliche Stimmung an, in der man sich den Film ansieht.

Schlussendlich bleibt eine Unklarheit: auf was bezieht sich der Titel "Die Kette"?

- Auf die Versicherungskette VVK (Vereinigte Versicherungskette), bei der Hubert Rogers arbeitet?
- Auf den Callgirlring, den Yardley als "Kette" bezeichnet?
- Auf die Halskette, die im Hundehalsband versteckt ist?
- oder auf das Hundehalsband selbst, das man im entferntesten Sinn ja auch als Kette bezeichnen könnte?

Sinnvoller wäre angesichts dieser Punkte wohl der Titel "Die Ketten" gewesen ;-)

Georg Offline




Beiträge: 2.745

02.05.2010 21:02
#5 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

.. noch zwei Nachträge:

Unklar ist, warum die Halskette den Conways gestohlen wird? Und warum spielt sie Hubert Rogers dem Inspektor wieder zu?

ACHTUNG SPOILER:
Überaus gelungen empfand ich auch die letzte Szene in Lindas Wohnung. Hier lässt von Sydow die Verdächtigen nochmals antanzen. Zunächst den überaus nervösen Sydney Heaton (Kieling), man meint schon, er sei Tam Owen, dann geht er aber - und klingelt erneut und macht sich noch verdächtiger, ist es dann aber doch nicht. Dann sitzt plötzlich Nat Fletcher im Flur - erneut denkt man, er sei Tam Owen (er sagt zu Judy: "Wir sind verabredet"!), ist es dann aber auch nicht. Erst die dritte Person - die dann erst in der U-Bahn auftaucht - ist schließlich der Täter. Toll inszeniert!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.352

04.07.2010 19:50
#6 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Bewertet: "Die Kette" TEIL 1

Der Bogen der Francis-Durbridge-Mehrteiler spannte sich in einem ähnlichen Zeitrahmen, in dem auch die erfolgreiche Edgar-Wallace-Reihe entstand.
Mit "Die Kette" wurde 1977 ein Zweiteiler produziert, der an die Erfolge der Mehrteiler der Sechziger Jahre anknüpfen sollte, heute aber ein wenig in Vergessenheit geraten ist, da man mit Durbridge vor allem so klingende Titel wie "Melissa" oder "Das Halstuch" verbindet. Das große Plus dieser Straßenfeger ist vor allem der Rätselfaktor, der durch den Einsatz von Cliffhangern geschaffen wurde. Dadurch, dass "Die Kette" als Zweiteiler konzipiert wurde, hat man beim ersten Teil das Gefühl eines sich übermäßig dehnenden Handlungsstrangs. Einige Szenen hätte man streichen können (Schlägerei am Beginn, die zur Beurlaubung von Insp. Dawson führt; eigentlich alle Szenen mit Liz Mason) und dafür andere für den Fall relevante Punkte ausbauen können (vom Mord auf dem Golfplatz hätte ich gerne mehr gesehen).
Weshalb Dawson von Anfang an überzeugt ist, sein Vater sei nicht das Opfer eines Unfalls geworden, sondern ermordet worden, wird nur durch eine Verabredung begründet, die sein Vater mit einer Dame hatte. Wolfgang Lukschy hat hier einen schönen Auftritt und man bedauert, dass er so kurz ist. Harald Leipnitz' Anzüge sind gewöhnungsbedürftig, aber wohl leider der Mode der Siebziger Jahre geschuldet. Weitaus stilsicherer tritt hier Jan Niklas auf, der sich britisch-klassisch kleidet.
Walter Kohut gibt einen patenten Ermittler, der seinem Kollegen helfen will, dessen Beweggründe er jedoch nicht immer nachvollziehen kann. Besonders interessant erscheint das Ehepaar Conway, das sich gleich zu Beginn verdächtig macht, wobei gerade Karl-Heinz Vosgerau hervorragend in das britische Umfeld passt. Er wirkt hier viel überzeugender als bei seinem Auftritt in "Wie ein Blitz". Rosemarie Fendel versucht ihre überzeichnete Rollenfigur ordentlich zu meistern, muss jedoch gegen die teilweise lächerliche Note des Charakters anspielen. Klaus Wildbolz als frischer Darsteller unter den klassischen Akteuren verleiht den Anfangsszenen Suspense und gefällt vor allem neben der etablierten Uschi Glas, die zu Beginn noch abwesend ist, um deren Person jedoch bereits vor ihrem ersten Auftritt viel Wirbel gemacht wird.
Sie spielt die Rolle überzeugend, da sie die Figur Judy Black vielschichtig anlegt.
Es gibt einige Höhepunkte im ersten Teil (Dawsons Besuch bei den Conways, Dawson und Judy Black bei ihrer ersten Unterhaltung), jedoch auch einige Szenen und Auftritte, die unangenehm berühren, da sie eher in die harte Welt der frühen "Derrick"-Folgen passen. Die Verwirrung um das Hundehalsband und die vielen Fakten, die auf den Zuseher einstürzen, lassen die Handlung bis zum Auffinden der Leiche von Mrs. Rogers überladen erscheinen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.352

11.07.2010 19:18
#7 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Bewertet: "Die Kette" TEIL 2

SPOILER!

Im zweiten Teil werden einige falsche Fährten gelegt, um den Zuseher über die wahre Identität der Personen zu verwirren. Judy Black rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Spannende Szenen (Konfrontation Judy - Harry auf dem Hausdach) wechseln sich mit brutalen und teils schmuddeligen Momenten ab (Verletzung von Linda Wade, Gespräche mit dem Tierhändler Heaton). Konträr dazu werden Sybill und Arthur Conway immer in sonnendurchfluteten Räumen oder im Freien gezeigt. Sie verkörpern die elegante Seite dieses Mehrteilers. Besonders Karl-Heinz Vosgerau fällt positiv auf und ich verstehe, warum Gubanov in ihm einen passenden Darsteller des Dr. Watson ausgemacht hat. Das Finale wird langsam abgewickelt und gibt dem Publikum noch einmal die Möglichkeit, verschiedene Personen zu verdächtigen, der Drahtzieher Tam Owen zu sein. Nach der Überführung des Täters bleiben einige Fragen offen. Fragen, die Georg weiter oben schon angeführt hat.
Zudem wundert die nonchalante Art, in der Mr. Owen seine Verhaftung aufnimmt. Er wirkt so siegessicher, als hätte er noch eine Trumpfkarte im Ärmel.
Michael Hinz ist eine moderne Besetzung und gefällt mir in seiner distinguierten Art sehr gut.
Insgesamt kann man sagen, dass "Die Kette" kein gemütlicher Krimi im Durbridge-Landhausstil ist, sondern als Reißer den Zeitgeist widerspiegelt. Spannung ja, Entspannung nein. Wie bereits bei "Wie ein Blitz" haben wir auch hier einen temporeichen Plot vorliegen, der aufregt und fesselt, jedoch kein nostalgisches Gefühl aufkommen läßt. Ein Gefühl, das uns "Melissa" und "Tim Frazer" so wohltuend vermitteln.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.424

11.07.2010 19:24
#8 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister
Insgesamt kann man sagen, dass "Die Kette" kein gemütlicher Krimi im Durbridge-Landhausstil ist, sondern als Reißer den Zeitgeist widerspiegelt. Spannung ja, Entspannung nein. Wie bereits bei "Wie ein Blitz" haben wir auch hier einen temporeichen Plot vorliegen, der aufregt und fesselt, jedoch kein nostalgisches Gefühl aufkommen läßt. Ein Gefühl, das uns "Melissa" und "Tim Frazer" so wohltuend vermitteln.


Da sieht man einmal, wie unterschiedlich persönliche Eindrücke sein können. Diesen letzten Absatz empfinde ich genau umgekehrt. Ich würde ohne Zweifel schreiben: "Insgesamt kann man sagen, dass "Die Kette" ein gemütlicher Krimi im klassischen Durbridge-Stil ist und als Reißer nur in äußerst untergeordneten Szenen den Zeitgeist wie jeder andere Film dieser Welt porträtiert. Spannung nicht unbedingt, Entspannung dafür umso mehr. Wie bereits bei "Wie ein Blitz" lässt der temporeiche Plot ein entschieden nostalgisches Gefühl aufkommen, das ich gerade im für seine Zeit recht modern gedrehten und ausgestatteten "Melissa" nicht so prominent vertreten sehe."

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.341

22.12.2012 22:40
#9 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Aufgrund der hervorragenden Besetzung habe ich mir heute mal "Die Kette" angeschaut - leider kann ich die Wertung nicht mehr in den Grandprix einfließen lassen.

Fazit:
- Guter Opener mit einer sehr schönen Atmosphäre am Wasser. Ebenso gefallen mir die Titeleinblendungen und dazu die Musik, auch wenn sie zu früheren Durbridge (vor allen den 60ern) untypisch ist. Meiner Frau gefiel der Vorspann nicht, mir dafür umso mehr!
- sehr schöne Sound-Gestaltung mit dem in den Sydow-Filmen typischem Beat - sorgt dafür, dass keine Szene langweilig wird.
- überhaupt gefällt mir die Kameraarbeit (mal in Nahaufnahmen, dann wieder aus starkem Weitwinkel
- Harald Leipnitz spielt routiniert und ich habe mich riesig gefreut, ihn aus dem Jahr 1977 mal wieder in einer Hauptrolle zu sehen
- Uschi Glas nehme ich die Rolle wie unten bechrieben überhaupt nicht ab, in manchen Szenen kommt sie mir fast bayrisch rüber - passt nicht!
- Großartig die Leistungen von Michael Hinz, Rosmarie Fendel, den typisch und wunderbar gesetzten Vosgerau, Fleischmann und auch den hervorragenden Kieling.
- Das Ende ist meiner Ansicht nach zu schnell und einfach dahin gedreht, außerdem ist mir insbesondere in den Kohut-Szenen im Nachspann fast zu viel "Comedy".

Fazit: Spannender Durbridge der Ende 70er, der es mit tollem Darstelleraufgebot und einer guten Sydow-Regie-Arbeit gut mit den 60ern aufnehmen kann! 4/5 Punkten
Was mir doch sehr fehlt, sind leider die aus früheren Durbridge typischen Cliffhangereffekte. Und auch der Tod von Rosemarie Fendel schockt am Ende des Teil 1 nur mäßig.

Mark Paxton Online




Beiträge: 331

24.12.2012 22:46
#10 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #9
- Uschi Glas nehme ich die Rolle wie unten bechrieben überhaupt nicht ab, in manchen Szenen kommt sie mir fast bayrisch rüber - passt nicht!
Dass Uschi Glas immer für solche Diskussionen sorgt. Ich finde zwar auch, dass man über ihre Besetzung streiten kann, aber so schlecht finde ich sie hier nicht. Da hätte es wirklich schlimmere Besetzungen gegeben. Und Regisseur Rolf von Sydow war ja offensichtlich von ihr sehr überzeugt und auch Meister Durbridge war von ihr äußerst angetan, wie auf Georges Homepage (die ich hier mal zitiere) zu lesen ist:

"Für die Rolle war sie ursprünglich gar nicht vorgesehen, Rolf von Sydow engagierte sie vom Stand weg, als sie rank und schlank für eine andere Rolle beim Südwestfunk auftauchte ("Sie hat sich zu einer veritablen Schauspielerin gemausert. Sie hat Format bekommen. Das Kind hat ihr gut getan"). Auch der damals 65jährige Francis Durbridge war mit der Besetzung sehr zufrieden und meinte, nachdem er sie im Londoner Hotel Claridges kennengelernt hatte: "Sie ist genau so, wie ich mir die Besetzung der Figur "Judy Black" vorgestellt habe - sehr wandlungsfähig und sehr sensibel"".
(Zitiert von: http://krimiserien.heimat.eu/durbridge/tv-die-kette.htm)

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.267

25.12.2012 10:08
#11 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Ich bin auch der Meinung, daß viele glauben, es gehört einfach dazu, Uschi Glas schlecht zu bewerten. Soo schlecht kann sie ja nicht gewesen sein, sonst hätte sie nicht so viele Rollen abbekommen. Oder glaubt ihr, sie hätte die Rollen durch die Besetzungscouch erhalten...?

Uschi Glas war in den 60ern und 70ern eine schöne und attraktive junge Frau. Als Schauspielerin war sie vielleicht nicht allererste Sahne aber immerhin Sahne. Es gab da, auch in den Wallace-Filmen, schlechtere Beispiele.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.341

26.12.2012 19:08
#12 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #11
Ich bin auch der Meinung, daß viele glauben, es gehört einfach dazu, Uschi Glas schlecht zu bewerten. Soo schlecht kann sie ja nicht gewesen sein, sonst hätte sie nicht so viele Rollen abbekommen. Oder glaubt ihr, sie hätte die Rollen durch die Besetzungscouch erhalten...?

Uschi Glas war in den 60ern und 70ern eine schöne und attraktive junge Frau. Als Schauspielerin war sie vielleicht nicht allererste Sahne aber immerhin Sahne. Es gab da, auch in den Wallace-Filmen, schlechtere Beispiele.


Halt, halt...nicht, dass ich falsch verstanden werde.
Ich will nicht Uschi Glas schlecht bewerten, weil ich sie nicht mag oder ihre schauspielerischen Qualitäten anzweifle. Ich finde sie sogar in einigen Filmen recht gut besetzt. Ich denke da z.B. an einige Pauker-Filme oder Heimatfilme. Sogar in "Die Tote aus der Themse" war die Besetzung super gewählt! Nur hier in "Die Kette" erreicht sie mich nicht. Vielleicht liegt es an ihrer "modernen" Art Rollen zu spielen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.424

31.12.2012 22:33
#13 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Alljährlich steht ein Durbridge zwischen Weihnachten und Silvester auf dem Familienprogramm. Diesmal war es „Die Kette“, der ich somit zum zweiten Mal nach der oben geschilderten Erstsichtung begegnet bin. Dass nun auch zufällig gerade eine kleine Diskussion um diesen Mehrteiler entstanden ist, freut mich, allerdings erfolgte meine Wahl schon vorher, sodass der Kommentar nun recht losgelöst von ihr steht.

„Die Kette“ hat mich auch beim zweiten Sehen überzeugt. Generell bin ich der Meinung, dass sie zu den besseren Durbridge-Krimis gehört und nach persönlicher Präferenz würde ich sie über Titeln wie „Es ist soweit“, „Die Schlüssel“ oder „Tim Frazer“ einordnen – Totalausfälle wie „Ein Mann namens Harry Brent“ oder „Das Messer“ noch gar nicht eingerechnet. Das kann daran liegen, dass mir die Inszenierung im Siebzigerjahrestil sehr zusagt – ich halte sie gegenüber den älteren Mehrteilern für professioneller und ausgewogener, zumal mit Rolf von Sydow ein echter Könner am Werk war. Auch bleibe ich bei meiner Behauptung, dass „Die Kette“ eine eher klassische Ausstrahlung vermittelt. Das Wort Siebzigerjahrestil bezieht sich nämlich eher auf die technische Seite, die Farben, die natürliche und schwungvolle, nicht engen funktionellen Restriktionen unterworfene Art der Regieführung. Die Schauplätze sind dagegen im typischen (althergebrachten) Durbridge-Stil gehalten: die britische Sporthandlung, der Golfplatz, die Tierhandlung, die Villa der Conways in Hampstead und die Wohnung von Linda Wade, die natürlich in Sichtweite der Royal Albert Hall liegt.
Was ich nichtsdestoweniger an der Regie bemosern muss, ist das Tempo, das ein wenig niedrig ist. Ich stimme Peter zu, dass eine kürzere Laufzeit Wunder gewirkt hätte, und unterstreiche zudem nochmal den Konsens, dass wir uns alle kürzere Folgen und mehr bzw. bessere Cliffhanger gewünscht hätten.

Uschi Glas gefiel mir hervorragend. Ebenso wie – ohne Ausnahme – jeder andere Darsteller. Ich würde soweit gehen, dass allein schon den Namen nach dieser Durbridge der am besten besetzte von allen ist (ja, ich schließe auch „Das Halstuch“ und „Melissa“ ein). In den 1970er Jahren, als sich das Fernsehen endgültig etabliert hatte und Durbridge nicht mehr als Serienprodukt, sondern als einmaliges Event gedreht wurde, war es sicher auch verhältnismäßig leicht, große Namen zu verpflichten, die dann auch entsprechende Leistungen abliefern. Selbst Harald Leipnitz, mit dem ich ein wenig auf Kriegsfuß stehe, wusste mich abzuholen, denn als unkonventioneller und leicht gealterter Ermittler passt er besser ins Bild als als halbgarer Fuchsberger-Ersatz.
Abschließend gibt es auch noch ein Lob für die Musik. So schön die alten Durbridge-Musiken auch swingen und die Peter-Thomas-Ära durch die Gehörgänge peitscht, so unverkennbar und doch unaufdringlich hat man sich doch hier an die musikalische Untermalung gemacht.

Ach ja, ein kleines Manko gab es dann doch noch: Georg lobt zurecht die letzte Szene in Lindas Wohnung, die sehr spannend ist und die Auflösung geschickt hinauszögert. Nachdem sie jedoch verschiedene Tätervarianten suggeriert und damit letztendlich bereits verwirft, bleiben am Ende nur noch zwei – vielleicht drei – potenzielle Mr. Owens übrig. Das erleichtert es natürlich, auf den richtigen zu tippen (was meine Mutter denn auch geschafft hat).

Georg Offline




Beiträge: 2.745

02.02.2014 14:49
#14 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

Mittlerweile kenne ich vier Versionen des Durbridge-Stoffes A GAME OF MURDER. Ich kann sagen, dass DIE KETTE mit Sicherheit die beste Adaption ist, was nicht nur mit dem späteren Entstehungsdatum zu tun hat, sondern vor allem mit dem ausgezeichneten Regisseur. Rolf von Sydow hat mit einigen Kleinigkeiten viel mehr Tempo und Spannung in die Geschichte gebracht, als ursprünglich im Drehbuch stand.

Hier nur einige wenige Punkte (Anmerkung: die Personennamen unterscheiden sich in den vier Fassungen, ich verwende die der deutschen Fassung, die auch im Roman verwendet werden):

■ Die Anfangsszene, bei der Harry Dawson mal wieder seine Kompetenzen und Befugnisse überschreitet fehlt in allen anderen Versionen und auch im Roman, der ansonsten recht dialoggetreu die deutsche Fassung wieder gibt. Von Sydow erfindet diese Sequenz, um zu zeigen, mit welch sturem Charakter wir es zu tun haben und auch um dem Publikum besser zu erklären, warum Dawson vom Dienst beurlaubt ist.

■ Die Szene, in der Dawson erstmals in Lindas Wohnung auf Judy Black trifft, gestaltet sich in der franz., ital. und engl. Fassung so: Dawson lässt sich in die Wohnung Lindas einsperren und plötzlich steht Judy mit der Pistole da. In der deutschen Fassung bekommt diese banale Szene viel mehr Action: wie wir wissen, verfolgt Dawson Judy aufs Dach und es kommt zu einer beeindruckenden und atemberaubenden Szene, bei der von einem Dach zum anderen gesprungen wird.

■ Die Szene, in der Arnold Conway erschossen wird, gestaltet sich in den anderen Versionen so: Conway und Dawson treffen sich in einem Café, das vollkommen abgeschlossen ist und über keine Fenster verfügt. Conway wird zum Telefon an der Theke gerufen, wo ihn seine Frau warnt. Nach der Beendigung des Gesprächs mit Dawson verlässt er das Café. Dann hört man Schüsse. Dawson stürzt auf die Straße und entdeckt, dass Conway niedergeschossen wurde. Wie das ganze in der dt. Version aussieht, wissen wir: das Caféhaus ist ein Wintergarten, der durch die großen Glasscheiben einsehbar ist. Die Ermordung Conways durch einen gezielten Schuss durch die Scheibe ist eine der "originellsten Todessequenzen" in der deutschen Durbridgeära.

■ Die finale Szene, in der Tam Owen enttarnt wird, gestaltet sich in der französischen und englischen Version wie folgt: Judy ist in Lindas Wohnung, Durbridge lässt zwei der drei Hauptverdächtigen nochmals antanzen. Danach läutet es erneut und Tam Owen kommt in die Wohnung, wo er enttarnt und schließlich verhaftet wird. Wir wissen, dass in der deutschen Version Tam nicht in Lindas Wohnung erscheint, sondern dass es eine spannende Jagd durch die Londoner U-Bahn gibt (in der ital. Version wird Tam Owen übrigens auch außerhalb überführt: auf einem großen Flohmarkt kommt es zur Begegnung zwischen Judy und dem großen Hintermann).

Das waren nur einige wenige Punkte und ich glaube, dass wir die Änderungen allesamt dem Regisseur verdanken, der immer offen für Tempo und Spannung war und nicht zuletzt auch von Durbridge besonders geschätzt wurde. Der Autor kannte nämlich die anderen Versionen seiner Stücke sehr gut, als man ihm jedoch beim WDR während der Dreharbeiten zu "Wie ein Blitz" die bereits geschnittenen Außendrehs in England vorführte, war er gänzlich erstaunt und erfreut über die deutsche Version: "Das ist das Beste! So etwas hatte ich nicht erwartet!" (über die Art, wie Albert Lieven umkam, war er ebenso erstaunt und musste bei dem Blut, dass durch seine Hände floss, wegsehen ("Ich kann kein Blut sehen")).
Zu Gute kommt dem Film außerdem, dass er auf Zelluloid gebannt wurde, während die anderen Versionen mit elektronischen Kameras im Studio gefilmt wurden.

Mark Paxton Online




Beiträge: 331

31.03.2014 17:23
#15 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Kette (11) Zitat · antworten

"Die Kette" erscheint als Einzel-DVD bei ARD-Video am 27.06.2014:



https://www.ardvideo-shop.de/70-d37154-dvd-die-kette.html

Sie kostet 9,99.

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