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Dieses Thema hat 66 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Giacco Offline



Beiträge: 1.841

03.11.2019 10:25
#46 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Fiel die Film-Echo-Kritik beim ersten Lümmel-Film noch recht negativ aus, hörte sich das beim dritten Teil schon ganz anders an:

"Aller guten Dinge sind drei. Auch dieser dritte Lümmel-Film ist in seiner Art wieder ein Volltreffer des Humors, ein Unterhaltungsfilm, in dem sich jung und alt unbeschwert über die Pepe-Streiche amüsieren können. Die Inszenierung wurde dem Wallace- und Karl-May-Regisseur Harald Reinl übertragen, der nicht allzu sehr in die überkarikierte Zeichnung der Hauptpersonen hineinging, sondern den Humor Humor sein ließ. Das tat dem Film gut, denn wo so viele Humoristen am Werk sind, bedarf es nicht der Karikatur, die ja in deren künstlerischem Wesen sowieso zum Ausdruck kommt. Die alte Lümmel-Garde ist wieder vollzählig vereint: von Hansi Kraus und Uschi Glas bis zu Theo Lingen, der erneut viel unter den Streichen zu leiden hat. Die Klasse bittet erneut zur Kasse.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.258

04.11.2019 07:18
#47 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #45
Im Direktvergleich mit Reinls zweiter Schulkomödie „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“ zieht „Pepe“ den Kürzeren – ganz einfach weil „Pepe“ episodenhafter wirkt und es weniger Ideen und Leitmotive gibt, die sich über die Länge der gesamten Filmhandlung erstrecken.


Interessant. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Bei mir hat nämlich der erste Reinl die Nase vorn. Es dürfte sich dabei sogar um meinen liebsten Lümmel-Film handeln - auch wenn der Original-Blaumeier fehlt. Ob trotz oder gerade wegen seiner Episodenhaftigkeit ist tatsächlich eine gute Frage.

Neben dem ersten Teil dürfte jedenfalls der dritte Teil jener sein, welchem ich mit als erstes und auch mit am häufigsten gesehen habe. Vermutlich rangieren die beiden Filme deshalb beide bei mir so weit oben.

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

04.11.2019 16:17
#48 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Ich denke, da sprichst du einen guten Punkt an, den ich natürlich in meinen Berichten so ein bisschen zu umschiffen versuche: die gute alte Gewöhnung, gerade bei diesen kindertauglichen Filmen. Ich bin im Gegensatz zu dir mit den Teilen 1, 4 und 5 aufgewachsen und habe die einfach am liebsten. "Pepe" konnte ich erst auf der DVD von EuroVideo sichten und er konnte in meiner Gunst nie so ganz zu den Vorgenannten aufschließen. Tatsächlich gefällt mir aber an "Pfanne" auch besonders gut, dass es mit dem Taft-Brudererbe eine durchgehende Story gibt, die mir bei "Pepe" ein bisschen fehlt. Ganz davon abgesehen, dass man in "Pfanne" dann zum ersten Mal seit Teil 1 endlich wieder das Lehrerensemble vollständig zu sehen bekommt: Lingen, Schündler, Stephan, Baas - darüber geht einfach nichts.

@Giacco: Danke für die zeitgenössischen Kritiken. Den Umstand, dass die ersten Filme trotz hoher Qualität verrissen werden und sich dann ein positiver Gewöhnungseffekt bei der Kritik einstellt, gab es so ähnlich ja auch bei den Wallace-Filmen - dort hat er nur länger auf sich warten gelassen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.258

06.11.2019 07:52
#49 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #48
Ich bin im Gegensatz zu dir mit den Teilen 1, 4 und 5 aufgewachsen und habe die einfach am liebsten.


Mit 1 und 4 (von den drei Schlager-Lümmeln definitiv mein liebster) haben wir doch immerhin zwei von drei übereinstimmend. Teil 5 würde bei mir dann direkt auf Platz vier folgen.

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

10.11.2019 22:20
#50 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten



Die Lümmel von der ersten Bank (Teil 4): Hurra, die Schule brennt

Schulkomödie, BRD 1969. Regie: Werner Jacobs. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz) (frei nach Alexander Wolf). Mit: Peter Alexander (Dr. Peter Bach), Hansi Kraus (Pepe Nietnagel), Theo Lingen (Schuldirektor Gottlieb Taft), Rudolf Schündler (Oberstudienrat Knörz), Ruth Stephan (Studienrätin Knörz), Alexander Golling (Studienrat Blaumeier), Gerlinde Locker (Julia Schumann), Heintje (Jan), Werner Finck (Ministerialdirektor von Schnorr), Harald Juhnke (Ministerialreferent), Hans Terofal (d.i. Hans Seitz) (Pedell Bloch), Wolfgang Gruner (Kurt Nietnagel), Carola Höhn (Frau Nietnagel), Karl-Heinz Peters (Oberbürgermeister), Kristina Nel (Schülerin Yvonne) u.a. Uraufführung: 18. Dezember 1969. Eine Produktion der Franz-Seitz-Filmproduktion München und der Terra-Filmkunst Berlin im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Die Lümmel von der ersten Bank (4): Hurra, die Schule brennt
Der Ministerialdirektor zieht die Augenbrauen in die Höhe: Am Mommsen-Gymnasium herrscht Bildungsnotstand und seine fähigsten Beamten vers(ch)enkt das Land an die Zwergenschule in Tuttelbach. So wird der überqualifizierte Dr. Bach bald nach Baden-Baden abberufen, um der fehlgeleiteten Klasse 12a mit ihrem vorlauten Klassensprecher Pepe Nietnagel Manieren einzutrichtern. Schuldirektor Taft muss sich aber wundern, als er bemerkt, dass Dr. Bach sich nicht auf seine Seite, sondern auf die der Schüler schlägt. Gemeinsame Tanzabende und ein modernistisches Theaterstück sind dem Direx ein Dorn im Auge – doch Dr. Bach erweist sich selbst in der Bredouille als äußerst erfindungsreich ...


Bei allen schulschmäherischen Titeln, die die einzelnen Teile der „Lümmel von der ersten Bank“-Reihe trugen, ragt der des vierten Teils als der rabiateste hervor. Da ist es fast schon Ironie des Schicksals, dass der zugehörige Film eher im Schonprogramm läuft und das bewährte Lümmel-Rezept an allen Ecken etwas abrundet, um es mit familienfreundlicher Schlagerseligkeit zu ergänzen und somit einen perfekten, wenig sozialkritischen Sonntagnachmittagfilm zu schaffen. „Hurra, die Schule brennt“ ist nichts mehr oder weniger als das und als seichte Variante der ersten, pfeffrigeren Lümmel-Filme zugleich ein Streifen, der sich weitgehend auf den Lorbeeren seiner Vorgängerproduktionen ausruht.

Das heißt nicht, dass der Film nichts zu bieten hätte. Im Gegenteil: Werner Jacobs’ Regie ist ausgesprochen pfiffig, das Drehbuch vielfältig und der Schnitt von Waltraud Lindenau so pointiert wie vermutlich in noch keiner anderen Produktion der Reihe. Dennoch lassen neue Rezepte oder ein wirklicher Hauch des Unerhörten eher auf sich warten: Erneut betreten wir das von Reinl in „Pepe, der Paukerschreck“ zu ersten Lümmel-Ehren gebrachte Maximiliansgymnasium in München als „Bildungsschuppen“, in dem Pepes Lauseklasse, die trotz miserabler Leistungen mittlerweile die 12. Klassenstufe erreicht hat, ihren Paukern das Leben schwer macht. Abermals taucht wie aus dem Nichts ein neuer „Superlehrer“ auf, der nach „Zum Teufel mit der Penne“ zum zweiten Mal von Peter Alexander gespielt wird, welcher ein weiteres Mal den schrecklich „sonnig“ aufgelegten Heintje im Schlepptau hat. Wenn man „Hurra“ einen gewissen Experimentiergeist zugestehen möchte, dann liegt dieser in dem Umstand begründet, dass man mit Jan (Heintje) und der Zwergenschule Tuttelbach diesmal auch die Streiche einer jüngereren Schülerschaft mit in den Fokus rückt, was natürlich zwangsläufig eher infantil wirkt und dem Film Abbruch tut. Die Hinterlistigkeiten von Pepes Rasselbande geraten dadurch spielzeittechnisch wieder etwas ins Hintertreffen, wobei sie diesmal trotzdem zahlreich ausfallen. Das Resultat: Es kommt zu vielen zwar lustigen, aber nicht wirklich elaborierten „Kurzstreichen“ (Häkelkleid, Furzkissen, blöde Hunde, Nummernschild), die nicht ganz das Niveau der Vorgängerfilme erreichen.

Immerhin wirkt Hansi Kraus diesmal wieder besonders schelmisch und gut aufgelegt. Gegen den wie immer sehr präsenten Peter Alexander behauptet er sich sehr beachtlich – Übung macht also auch im Hause Nietnagel den Meister. Schön für ein gutes Klassengefühl ist, dass die Lümmel in der zweiten Reihe hinter ihrem Anführer nun ebenfalls ein paar mehr Zeilen in den Mund gelegt bekommen und teilweise durch professionelle, erinnerungswürdige Darsteller wie Pierre Franckh (kein Spitzel mehr), Jutta Speidel oder Kristina Nel verkörpert werden. Im Lehrerkollegium schlägt sich diesmal kurioserweise vor allem der Gastdarsteller besonders gut: Alexander Golling ist als Dr. Blaumeier derart stieselig und militant bösartig, dass man ihm selbst gröberes Übel (die ärztliche Untersuchung durch Medizinalrat Moser) gönnt. Ruth Stephan – trotz einiger reizender Momente in ihrem ersten Auftritt als angeheiratete Frau Dr. Knörz –, Rudolf Schündler und selbst Theo Lingen treten einen Schritt zurück, ohne ganz verloren zu gehen, und der in „Pepe, der Paukerschreck“ noch überforderte Harald Juhnke wurde von Werner Jacobs in einer punktgenauen Szene als Speichellecker im Ministerium wesentlich glaubwürdiger in Szene gesetzt. Alles in allem eine besonders schöne Ensembleleistung.

Geschmälert wird sie dadurch, dass Peter Alexander und Heintje wahlweise einzeln oder zusammen nicht weniger als sieben (!) Lieder und vereinzelte spontane Gesangseinlagen zum Besten geben – eine Steigerung um beinah 100 % seit „Zum Teufel mit der Penne“. Das Titellied erklingt dabei sogar zweimal, gehört aber noch der harmloseren Fraktion an. Man wünscht sich, die Aufmerksamkeit aufs Musikalische und auch auf die zeitgeistige Interpretation des „Wilhelm Tell“-Theaterstücks wäre ins Inhaltliche oder auch in den Ausbau einzelner guter Ideen geflossen – dann hätten arg kurze Szenen wie die der Umtrunk mit den Schülern, die medizinische Untersuchung im Gymnasium oder der unfreiwillige Segelflug von Gottlieb Taft und Peter Bach aufgewertet und gleichzeitig der Weg zurück zu nur etwa 80 statt etwas strapaziösen über 90 Minuten Spielzeit gefunden werden können.

Auch wenn „Hurra, die Schule brennt“ bei mir aus Gewohnheitsgründen einen Stein im Brett hat, ist der Film doch aufgrund seiner hohen Oldie-Konzentration nicht das Gelbe vom Ei. Wir erleben Lümmelstreiche im Eilverfahren, um nebenbei noch Hitparadenmomente für Peter Alexander und Heintje einzubauen. Das ist nicht das, was ein Lümmel-Film eigentlich in den Mittelpunkt stellen sollte. Natürlich bietet Werner Jacobs ein volles Programm, aber es bleibt eben ein bisschen unrund. 3,5 von 5 Punkten.

Giacco Offline



Beiträge: 1.841

11.11.2019 16:10
#51 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Die Film-Echo-Kritik zum vierten Teil:

"Es wäre falsch, zu verschweigen, dass sich die "Lümmel"-Serie verbraucht und langsam zur Klamotte wird. Pauker Peter Alexanders Methoden, dem "Lehrkörper" des Gymnasiums antiquierte pädagogische Ansichten und bärtige Katheder-Blüten abzugewöhnen, wirken zum Teil noch antiquierter als die Lehrerschaft. Ein Glück, dass er mit Charme, Stimme und Verwandlungskunst das Beste aus seiner Rolle, ja selbst aus der breit ausgespielten, primitiven ärztlichen Untersuchung der Lehrer, herausholt.
Ganz aus dem Rahmen der auf Schwank ausgelegten Regie fällt die mit Effekten aus "Bonanza", "Hair" und "Goldener Schuss" durchsetzte witzige Parodie auf "Wilhelm Tell". Rätselhaft dagegen bleibt, warum der Regisseur so betont Baden-Baden als Handlungsort erwähnt, wenn so wenig Bildmaterial von der Kurstadt und ihrer schönen Schwarzwald-Umgebung als äußerer Rahmen Verwendung fand."

Markus Offline



Beiträge: 651

12.11.2019 12:25
#52 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #45
Die Lümmel von der ersten Bank (Teil 3): Pepe, der Paukerschreck



Ich grüble bei dem Film regelmäßig über einen Witz.

Nietnagel [sieht sich den neuen Wagen von Knörz an]: Was ist das eigentlich für eine Marke?
Knörz [stolz]: Das ist ein Volkswagen, Nietnagel!
[Nietnagel grient]

Besteht der Witz darin, dass jeder einen VW Käfer kennt? Oder gibt es noch eine tiefere Bedeutung?

Gruß
Markus

Count Villain Offline




Beiträge: 4.258

12.11.2019 14:37
#53 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Zitat von Markus im Beitrag #52
Besteht der Witz darin, dass jeder einen VW Käfer kennt? Oder gibt es noch eine tiefere Bedeutung?


Na ja, Nietnagel ist aus einem reichen Haus und ein Volkswagen eben kein Mercedes/Porsche/BMW. Der Knörzerich gibt mit seinem Stolz in der Situation das Paradebeispiel eines spießigen Kleinbürgers. So habe ich mir das jedenfalls immer zusammengereimt. Kann aber auch noch andere Bedeutungen haben.

Markus Offline



Beiträge: 651

12.11.2019 17:59
#54 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Stimmt, das ist auch ein Gedanke, obwohl er Pepe nicht grad sympathisch macht. Zumal es ja mit dem Unfall weitergeht und dem “Wohlstandsheini“.

Gruß
Markus

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

12.11.2019 18:10
#55 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Pepe wirkt ohnehin in anderen Filmen sympathischer als in diesem. Dazu passt auch, dass er Ewald Kunst androht, dass ihm seine zwei Teenie-Gorillas den Arm brechen werden, wenn er nicht "die Wahrheit auskotzt". Das sind schon recht rüde Methoden.

Jan Offline




Beiträge: 1.431

12.11.2019 22:13
#56 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Zitat von Markus im Beitrag #52

Nietnagel [sieht sich den neuen Wagen von Knörz an]: Was ist das eigentlich für eine Marke?
Knörz [stolz]: Das ist ein Volkswagen, Nietnagel!
[Nietnagel grient]

Besteht der Witz darin, dass jeder einen VW Käfer kennt? Oder gibt es noch eine tiefere Bedeutung?


Zum Ende der 1960er Jahre war es schon so etwas wie ein Bekenntnis, einen neuen 1300er VW zu kaufen. Ein Bekenntnis zum ausgemachten Konservatismus. Im Gegensatz zu heute, wo so ein Käfer den Sympathie-Knuddel-Kult-Bonus hat, galt das Auto damals als völlig antiquiert und reaktionär. Wer so einen Kauf noch stolz zu Markte trug, der konnte ruhigen Gewissens als von Vorgestern betrachtet werden. VW hat nicht ohne Not einige Jahre später mit dem Golf das Konzept so radikal geändert. Das dürfte wohl bei diesem kurzen Dialog auch eine Rolle gespielt haben.

Gruß
Jan

Count Villain Offline




Beiträge: 4.258

12.11.2019 22:28
#57 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Danke für die Info. Dann hatte ich mit meinem Gefühl ja nicht so unrecht.

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

17.11.2019 19:00
#58 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten



Die Lümmel von der ersten Bank (Teil 5): Wir hau’n die Pauker in die Pfanne

Schulkomödie, BRD 1970. Regie: Harald Reinl. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz) (frei nach Alexander Wolf). Mit: Hansi Kraus (Pepe Nietnagel), Uschi Glas (Marion Nietnagel), Fritz Wepper (Hubert Böhm), Theo Lingen (Schuldirektor Gottlieb Taft / Gotthold Emmanuel Taft), Rudolf Schündler (Oberstudienrat Knörz), Ruth Stephan (Studienrätin Knörz), Balduin Baas (Studienrat Blaumeier), Karl Schönböck (Notar Munk), Hans Terofal (d.i. Hans Seitz) (Pedell Bloch), Monika Dahlberg (Sekretärin Fräulein Schmitz), Doris Kiesow (Frau Taft), Kristina Nel (Schülerin), Jutta Speidel (Schülerin), Josef Moosholzer (Lagerverwalter), Rosl Mayr (Fischhändlerin) u.a. Uraufführung: 8. Juli 1970. Eine Produktion der Franz-Seitz-Filmproduktion München und der Terra-Filmkunst Berlin im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Die Lümmel von der ersten Bank (5): Wir hau’n die Pauker in die Pfanne
Aus purem Zufall begegnen Pepe und Marion am Flughafen dem lange von der Bildfläche verschwundenen Zwillingsbruder von Schuldirektor Gottlieb Taft. Gotthold, der „verlorene Sohn“, hat noch eine alte Rechnung mit seinem Bruder offen und willigt in Pepes Vorschlag ein, dem zugeknöpften Direx einen hinterhältigen Streich zu spielen: Er stellt sich tot und vererbt Gottlieb zum Schein 250’000 Mark sowie dem Mommsen-Gymnasium eine volle Million. Dafür muss der Schulleiter diverse Bedingungen erfüllen: keinen Schüler durchfallen lassen, einen Schimpansen großziehen und für drei Wochen ins Gefängnis gehen. Ob dieser Schikanen gerät Tafts mustergültige Welt ins Wanken ...


„Frisch, fromm, fröhlich, frei“ – dieser Film ist ein Denkmal für Theo Lingen und seine späte Paraderolle des zugeknöpften, aber irgendwie auch verquer liebenswürdigen Obersteißtrommlers. Zwar drückte der versierte Schauspieler Lingen mit seiner erhabenen Präsenz allen sieben Teilen der „Lümmel“-Reihe einen markanten Stempel auf, hier darf er jedoch in doppelter Dosierung und mit besonderer Spielfreude glänzen. Scheinbar mit einem einfachen Handstreich, der an seine Erfahrung mit Verwechslungsklamotten der alten Schule erinnert, gelingt es ihm, die zwei Brüder so verschieden auszugestalten, dass man mit dem einen gemeine Schadenfreude und mit dem anderen – zumindest in manchen Momenten – zum ersten Mal ernstliches Mitleid empfindet. Auch wenn Franz Seitz und Harald Reinl teilweise deftigen Humor (den Affen Sammy junior alias „Sarah“) einstreuen, bewahrt sich Lingen auch im degradierendsten Moment eine gewisse Würde, wohingegen er in anderen, in denen er nach wie vor seine Überlegenheit demonstriert, unantastbar wie eh und je agiert. Das betrifft zum Beispiel die herrliche Auftaktszene, die den wahrscheinlich besten Knörz-Streich seit dem Pilotfilm beinhaltet, woraufhin sich der gebührend verwirrte Rudolf Schündler von Lingen fragen lassen muss, ob er denn heimlich Haschisch konsumiere.

Das Produktionsjahr schlägt sich auch bei der poppigen Einrichtung der Villa Nietnagel, der ironisch aufgeladenen Beziehung zwischen einer schlagfertigen Uschi Glas und einem vielleicht nicht ganz treuen Fritz Wepper sowie der beatlastigen Titelmusik mit „Sit-in“-Lyrics Bahn. Reinl kombiniert geschickt top-aktuelle Trends mit klassischen Motiven (der trottelige Bloch, die fast schon heimatfilmartigen Settings am Bodensee, das Duell im Morgennebel) – er sitzt nach seiner Erfahrung mit „Pepe, der Paukerschreck“ nun noch fester im Sattel und die „erste Bank“-Serie sowie auch das gesamte Schulkomödiengenre erreicht mit „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“ einen unverkennbaren Zenit.

Als Film, welcher der schädlichen Schlagerisierung der Reihe trotzt und zugleich die größten darstellerischen Überschneidungen mit Teil 1 „Zur Hölle mit den Paukern“ aufweist – bis hin zu kleineren Details wie Monika Dahlbergs lobenswerter Verkörperung der Schulsekretärin – geht es „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“ endlich wieder hauptsächlich um Lausbubenstreiche, sodass das Publikum hier mit einer saftigen Ausbeute an Lachmomenten rechnen kann. Neben der bereits erwähnten genialen Anfangsidee zählt auch der Clou, dass am Mommsen-Gymnasium durch die Testamentsklausel bedingt kein Schüler das Jahresziel verfehlen darf, zu den ausgefeiltesten Ideen der Reihe, aus denen der Film großen Profit schlägt. Dieser großräumige Handlungsbogen wird ergänzt durch einzelne gelungene kleinere Momente wie den „Brathering“-Streich oder Pepes legendäre Aussage:

Zitat von Hansi Kraus als Pepe Nietnagel in „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“
„Es gibt feste Körper, flüssige Körper und überflüssige Körper, zum Beispiel den Lehrkörper.


Neben Hansi Kraus, Theo Lingen und der sehr selbstbewussten Uschi Glas agieren die üblichen Verdächtigen alle lückenlos überzeugend. Das Fehlen eines modernen Musterlehrers mit fortschrittlichen Methoden vermisst man nach den sehr ähnlichen Strickmustern dieser Handlungsteile in den vorangegangenen Filmen gerade nicht und auch das Fortlassen der Nietnagel-Eltern kommt dem Film, der ereignis- und figurenreich genug ist, sehr zugute. Für Humor sorgen stattdessen Tafts verzweifelte Versuche, sich für ein möglichst wenig ehrenrühriges Verbrechen verhaften und einbuchten zu lassen, was sich als schwieriger herausstellt als gedacht. Da der Affe natürlich in einigen Momenten für billige Lacher sorgt, kommt „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“ zwar unterm Strich nicht an den Serienerstling von Werner Jacobs heran, spielt jedoch prinzipiell noch in der gleichen Liga, was sonst von kaum einen anderen Lümmelfilm behauptet werden kann.

„Unser Direx und der Paukerverein, die wollen uns nur schikanieren“, heißt es anklagend im Titelsong zum Film. Der Plan um ein angebliches Erbe und dafür zu erfüllende Klauseln ist demnach eine bittersüße Rache am ranghöchsten Pauker, dem Theo Lingen ein zunehmend menschliches Gesicht verleiht. Da auch die Gegenseite um Pepe mit Cleverness und Sympathie bei der Sache ist, geht von „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“ ein besonders hoher Wohlfühlfaktor aus. Insgesamt handelt es sich um einen der stärksten Filme seiner Art, den man auch wegen seiner qualitativen Machart immer wieder sehen kann. 4,5 von 5 Punkten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.258

18.11.2019 08:51
#59 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #58
Monika Dahlberg (Sekretärin Fräulein Wendt)


Im Film wird sie allerdings Fräulein Schmitz genannt.

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

18.11.2019 13:54
#60 RE: Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974) Zitat · Antworten

Und in den Produktionslisten des Filmportals "Fräulein Weidt". Ich habe 'mal auf Schmitz korrigiert, danke für den Hinweis.

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