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Dieses Thema hat 39 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

24.12.2011 22:30
#16 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten



Liebe Lümmel-Jünger,

es gibt ein kleines Weihnachtspräsent für euch. Sie ist wieder da - frisch, fromm, fröhlich und natürlich mindestens ebenso frei: die Lümmelbank mit allen Infos rund um die Lümmel- und Paukerfilme der 1960er und 1970er Jahre. 2008 ging die ursprüngliche Website luemmelbank.de online, doch ihr war kein allzu langes Dasein beschert. Zwischenzeitlich wurden die Inhalte auf einer kostenfreien Wikipedia-Alternative bereitgestellt, doch diese Plattform erwies sich als nicht ideal für den erarbeiteten Inhalt. Nun ist er frisch aufgemacht und leicht überarbeitet wieder am Start.

Die Vorteile überwiegen für alle Seiten. Für alle Leser und Filmfans bietet die neue Lümmelbank in Blog-Form tolle Vorteile: Alle Inhalte sind wieder online abrufbar, und das mit übersichtlicher Navigation, interaktiver Verlinkung und werbefrei. Aus den ursprünglich vier unabhängig gehosteten und unterschiedlich gestylten Medien Website, Forum, Blog und Gästebuch ist ein umfassender Pool geworden, der die Präsentation aller Filmbeschreibungen und Darstellerbiografien sowie Kommentare, Diskussionsanregungen und Feedbackmöglichkeiten in einer Hand vereint. "Man fasst es nicht!" würde Pepe ausrufen.

Ich habe durch die Umstellung auf ein Blog die Möglichkeit, die Webinhalte kostenfrei und unkompliziert bereitzustellen und bei Neuigkeiten oder spannenden Exkursionen zu aktualisieren. Jeder eingefleischte Lümmel-Fan kann zudem wieder auf die altbekannte und schon seit 2007 genutzte Adresse http://luemmelbank.blogspot.com zurückgreifen.



In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern frohe Weihnachten und einen guten, schmierseifenfreien Rutsch ins Jahr 2012, in dem der "ersten Lümmelbank" erster Teil, "Zur Hölle mit den Paukern" seinen 45. Geburtstag feiern wird.

HerrEppler Offline



Beiträge: 198

25.12.2011 23:15
#17 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Dann mal Danke für Deine Mühe Gubanov - finde das super

HerrEppler - bekennender Lümmel-Jünger

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

28.12.2011 13:00
#18 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Danke zurück, HerrEppler. Ein Hinweis sei mir hoffentlich noch gestattet: Soeben habe ich eine neue Umfrage gestartet, die den gelungensten Titelsong der Lümmelfilme herausfinden soll. Man kann sich im Blog zu diesem Zweck alle Vorspänne der Lümmel-Filme sowie einige amüsante Zwistigkeiten zwischen Pepe und dem Knörzerich ansehen. Abgestimmt werden kann bis einschließlich 31. Januar, ab Anfang Februar ist entsprechend mit den Ergebnissen zu rechnen.

"Wer lernt, der hat viel mehr vom Leben,
doch eines kann kein Buch uns geben:
das Gefühl wir sind verliebt.
Es gibt schon vieles, das wir wissen,
doch unser Lieblingsfach ist Küssen,
weil es nichts Schöneres gibt.

Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,
sagt der Lehrer und ist fleißig.
Wir sagen sechs mal sechs und denken Liebe, Liebe,
weil sie uns so gefällt.

Wir lernen Caesar und die Griechen,
ich kann die Kerle all' nicht riechen,
denn viel schöner wär's zu zweit.
Studieren, Musen und Ruinen,
doch steile Zähne, dufte Bienen,
die sind leider nicht dabei.

Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,
sagt der Lehrer und ist fleißig.
Wir sagen sechs mal sechs und denken Liebe, Liebe,
weil sie uns so gefällt.

Die Alten halten nichts von Moden,
nur von Erfahrung, von Methoden.
Wir sagen junge Leute brauchen Liebe, Liebe,
denn sie ist alt wie unsere Welt."

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

14.01.2012 21:00
#19 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Schon mehrfach wurde hier im Forum über Wendlandts Villa am Wannsee als Drehort geschrieben. Zu sehen war sie zum Beispiel in "Die Tote aus der Themse", aber auch im zweiten Lümmel-Film "Zum Teufel mit der Penne". Zu diesem Film gibt es aber noch mehr Privates zu berichten: Tatsächlich hatte Wendlandt-Sohn Matthias einen Miniauftritt. Bei Interesse mehr unter: Mein Sohn, mein Haus, mein Film.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

15.01.2012 20:42
#20 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten



Klassenkeile – Pauker werden ist nicht schwer, Schüler sein dagegen sehr
Schulkomödie, BRD 1969. Regie: Franz-Josef Gottlieb. Drehbuch: Dr. Kurt Nachmann, Paul Hengge, Franz-Josef Gottlieb. Mit: Walter Giller (Dr. Wagner), Uschi Glas (Katja Hutten), Werner Finck (Direktor Dr. Zibelius), Anita Kupsch (Manuela Schulz), Willy Millowitsch (Vater Schulz), Wolfgang Condrus (Klaus), Rudolf Schündler (Dr. Krapp-Krapproth), Inge Wolffberg (Dr. Sieglinde Boll), Ulrich Beiger (Professor Hasemann), Siegfried Schürenberg (Berg) u.a. Uraufführung: 28. März 1969, Berlin.

Zitat von Klassenkeile
Um ihren Freund ungestört heiraten zu können, hat sich Schülerin Manuela einen so genialen wie verrückten Plan ausgedacht: Ihre Freundin Katja, die als Journalistin arbeitet und sowieso gerade für einen Artikel über Schulen recherchiert, soll nach der Versetzung an ein anderes Gymnasium ihre Rolle übernehmen. Katja geht auf den Tausch ein – unwissend, dass ihr zukünftiger Klassenlehrer Dr. Wagner ein überaus charmanter „Lehrkörper“ ist ...


Die meisten Epigonenproduktionen, gerade aus Karl Spiehs’ Lisa-Film-Schmiede, können mit den sieben qualitativ hochwertigen Originalen der Franz-Seitz-Film oft nicht ansatzweise mithalten. Deshalb ist es ein Glücksfall, dass die Rialto-Film, die seinerzeit zu den größten Produktionsfirmen des Landes zählte, nach ihrem Beitrag „Zum Teufel mit der Penne“ nicht das Interesse am Genre verlor, sondern noch drei weitere Komödien herstellte, die im Wesentlichen ähnlich gelungen sind wie Franz Seitz’ Anläufe. „Klassenkeile“ ist vielleicht der beste der Non-„ersten Bank“-Filme.
Der rasche Aufbau einer Geschichte um die Doppelidentität einer berüchtigten „Problemschülerin“ (mit Esprit: Anita Kupsch – schade, dass keine Planung, sie in einem Wallace-Film zu besetzen, realisiert wurde) sorgt dafür, dass „Klassenkeile“ schon nach kurzer Zeit in den typischen Hauptteil der Lümmelfilme, die dicht aufeinanderfolgende Reihe von Schulstreichen, einsteigen kann. Man verzichtet dabei auf keinen alten Hut: Sowohl weiße Mäuse als auch eine Reinkarnation der berühmten Heidelbeerwein-Szene aus Spoerls „Feuerzangenbowle“ gibt es zu sehen. Hierbei erweist sich vor allem der Cast als Volltreffer, nicht zuletzt weil es für jeden der Original-Lehrer ein passendes Pendant gibt:

• Der moderne Pädagoge mit Hang zur Musik, sonst gern von Peter Alexander, hier vom kürzlich verstorbenen Walter Giller auf sehr sympathische Weise gespielt,
• der scharfe Geschichtslehrer mit Hang zu preußischer Gefolgsamkeit, wie auch bei Seitz in Gestalt des unnachahmlichen „Knörzerich“ Rudolf Schündler,
• die verklemmte Biologielehrerin, aus „Zum Teufel“ übernommen: Inge Wolffberg,
• der Chemielehrer, dem übel mitgespielt wird, sonst Balduin Baas als Dr. Blaumeier, hier Ulrich Beiger als Professor Hasemann sowie
• der nett-verschusselte Direktor, für den man statt Theo Lingen den Kabarettisten und geborenen Görlitzer Werner Finck gewinnen konnte.

Sehr amüsant anzusehen ist außerdem Siegfried Schürenbergs Porträt eines Illustriertenkönigs, der ähnlich seiner anderen Rialto-Auftritte trotz ständiger Aufgeregtheit immer sympathisch daherkommt. Vor allem auch bei ihm tragen die pointierten und wunderbar zugespitzten Dialoge des Autorentrios Früchte – „Sie lügt, ist faul und verrückt. Vielleicht wird sie doch noch eine gute Journalistin“, befindet sein Herr Berg trocken über Katja Hutten.
Zwei weitere Details machen „Klassenkeile“ besonders: Zum einen spielen nur äußerst wenige Pauker-Filme im Winter. So schön verschneite Aufnahmen findet man ansonsten nur in „Morgen fällt die Schule aus“ – verschneite Berlin-Aufnahmen hingegen gab es sonst nie. Außerdem handelt es sich um den einzigen Streifen außerhalb der sieben „ersten Bank“-Teile, in dem Hans Terofal einen Gastauftritt hat. Als Pedell überzeugte er von 1967 bis 1972 durch Fahrigkeit, langsames Verständnis und einen liebenswert karikierten Hang zum Alkohol. Hier sieht man ihn als beharrlichen bayerischen Blaskapellendirigenten, der wie auch Georg Bloch mit dem gesamten Lehrkörper aneinander geraten darf. Erwähnenswert fällt überhaupt die gesamte Musikuntermalung von Martin Böttcher aus, die ideal zum von Rolf Wilhelm und Peter Thomas etablierten Stil der Originalfilme passt. Einzig ein wenig zwanghaft integriert wirkt Wilmas Auftritt am Ende des Films, auf den man zur Aufrechterhaltung des hohen Tempos bis zum Schluss gern hätte verzichten können.

Constantin Film bewarb den Film seinerzeit großmundig als „das tollste Pauker- und Pennäler-Lustspiel“ oder einen Film „erster Klasse“. Sicher ist beides etwas übertrieben, denn weder erfindet „Klassenkeile“ die Welt des deutschen Films neu, noch schwebt sie meilenweit über anderen Produktionen ihrer Art. Dennoch gehört sie als grundsolide, hochamüsante und in Verhalten, Kleidung, Wortwahl und Schauplätzen einen idealen Einblick in die späten Sechzigerjahre bietende Schulkomödie auf den Radar jedes geneigten Zuschauers. 4,5 von 5 Punkten.

Fotos, Zitate, Stabangaben und mehr auf der Lümmelbank.


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Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

23.01.2012 17:07
#21 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten



Hauptsache Ferien
Schulkomödie, BRD 1972. Regie: Peter Weck. Drehbuch: Rolf Ulrich, Reinhold Brandes, Micha Mleinek (Idee: H.O. Gregor). Mit: Peter Alexander (Dr. Peter Markus), Martin Held (Professor Hebbel), Christiane Hörbiger (Ursula Kannenberg), Theo Lingen (Bauunternehmer Kannenberg), Marietta Schupp (Gaby Markus), Balduin Baas (Studienrat Brummer), Regina Claus (Corinna), Hans Quest (Oberschulrat), Blandine Ebinger (Fräulein Kröselmeier), Bruno Hübner (Amtmann Kniefer) u.a. Uraufführung: 14. September 1972.

Zitat von Hauptsache Ferien
Damit seine Tochter nicht hoffnungslos durchs Abitur rasselt, will Bauunternehmer Kannenberg den Lehrer Dr. Markus mit einem Fertighaus bestechen. Dieser jedoch ist resistent, geht auf das Ansinnen nicht ein, nimmt das Fertighaus aber trotzdem und die Schwester Ursula gleich mit dazu ...


Ein Lümmelfilm ist „Hauptsache Ferien“ keineswegs und auch als Paukerfilm geht er nur bei sehr großzügiger Betrachtung durch. Dass er trotzdem unterhält und auch zweifelsfrei zur Welle der damaligen Schulfilme gehört, ist nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass man „Hauptsache Ferien“ in erster Linie als Peter-Alexander-Film bezeichnen kann. Da Alexander in den späten Sechzigerjahren und erst recht den frühen Siebzigern nur mehr schwer für Filmprojekte zu gewinnen war, ist sein Einsatz für Schulfilme, zu denen er hier nach „Zum Teufel mit der Penne“ und „Hurra, die Schule brennt!“ zurückkehrt, als umso größerer Spaß (vielleicht gar eine umso größere Wertschätzung?) anzusehen. Alexander spielt alle Register seines Könnens auch in „Hauptsache Ferien“ aus, wirkt dabei manchmal lustig, manchmal skurril, oft fröhlich, von Zeit zu Zeit sensibel. Neue Facetten zeigt er fraglos kaum, dies wird aber auch gar nicht von ihm erwartet. Vielmehr freut man sich, auch im Angesicht des neuen Jahrzehnts, der zielsicher sterbenden Filmbranche und einer Zuwachsrate von 11 Prozent nach wie vor Abenteuer mit Herrn Alexander erleben zu dürfen.
Als Rialto-Film darf sich „Hauptsache Ferien“ einer technisch makellosen Umsetzung erfreuen. Auch wenn am Drehbuch wie schon bei „Klassenkeile“ wieder drei Autoren mitschrieben, so ist an dem traditionellen Komödienplot nur insofern etwas auszusetzen, als der Trend der Lümmelfilm-Epigonen im Allgemeinen schon dahin ging, das Geschehen möglichst aus der Schule hinauszuverlagern. Fünf Jahre Dauerfilmen in deutschen Klassenräumen und Studiobauten, die wie solche aussahen, hatten Autoren und Produzenten wohl zu der Annahme geführt, die Zuschauer seien dieser Umgebung langsam müde. Dabei stellt sie für alle diejenigen, die sich für Schulkomödien wie diese interessieren, den größeren Anreiz als ein urdeutscher, kleinbürgerlicher Campingplatz dar.
Verschiebungen wurden dementsprechend auch in den Rollen und ihren Besetzungen bedingt. Der Rialto gelang der geniale Coup, neben Peter Alexander auch Theo Lingen zu verpflichten, der allerdings diesmal nicht als Rektor, sondern als Bauunternehmer – im wahrsten Sinne des Wortes – besticht. In seiner wie stets hochamüsanten Rolle findet sich gar, so vernimmt man von heutigen Analysten, die latente Kapitalismuskritik der Seventies wieder. Ob man Bauunternehmer Kannenberg politisieren möchte oder nicht – einen Heidenspaß bereitet er auf jeden Fall.
In seiner Standardrolle als vertrottelter Pauker mit unerhörten Karrierewünschen brilliert an Alexanders Seite der Blaumeier der ersten Stunde, Balduin Baas. Und er ist nicht der einzige Pauker, der aus „Hauptsache Ferien“ im Gedächtnis bleibt: Martin Held, gefeierter Fünfzigerjahrestar und noch immer für eine Sondernennung im Vorspann gut, porträtiert die menschliche und schlagfertige Seite des Lehrkörpers auf seine schon oft gesehene liebenswürdige Weise. – Da bleibt der weibliche Teil der Besetzung leider nur schmückendes Beiwerk, obschon dieses gerade in den Fällen von Christiane Hörbiger und Marietta Schupp gut und weitgehend ohne die üblichen Geschlechterklischees aufspielt.

Einige Schulszenen, Peter Alexander, Freiluftstimmung und viel Musik. Wer nicht allergisch gegen Opas Kino ist, freut sich über diese chronologisch letzte Rialto-Zuarbeit. „Aufstehen von der Lümmelbank, es sind Ferien!“ – 4 von 5 Punkten.

Fotos, Zitate, Stabangaben und mehr auf der Lümmelbank.


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Prisma Offline




Beiträge: 7.458

23.01.2012 19:36
#22 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Zuerst einmal Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag. Ich mag die Filme ja auch sehr, "Hauptsache Ferien" kenne ich allerdings noch nicht. Sag mal bitte Gubanov, wie groß fällt denn die Rolle von Blandine Ebinger aus? Gehört sie hier etwa auch zu den Lehrkörpern???

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

23.01.2012 19:49
#23 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Blandine Ebinger spielt die Sekretärin von Bauunternehmer Kannenberg und hat im Zusammenspiel mit Theo Lingen einige amüsante Szenen, zum Beispiel ein missglücktes Diktat, das ein wenig an Tafts Aneinandervorbeireden mit Bloch in "Hurra, die Schule brennt!" erinnert. Ebinger spielt allerdings nicht mehr als eine Nebenrolle.

Prisma Offline




Beiträge: 7.458

23.01.2012 19:52
#24 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Hört sich dennoch so an, als ob sich ihre Interpretation etwas von "Akasava" abhebt
Jedenfalls vielen Dank für die Auskunft!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

27.01.2012 17:17
#25 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten



Die Feuerzangenbowle
Schulkomödie, BRD 1970. Regie: Helmut Käutner. Drehbuch: Helmut Käutner (Buchvorlage: Heinrich Spoerl). Mit: Walter Giller (Dr. Hans Pfeiffer), Uschi Glas (Eva Knauer), Theo Lingen (Professor Crey), Willy Reichert (Professor Bömmel), Fritz Tillmann (Direktor Knauer), Hans Richter (Dr. Brett), Wolfgang Condrus (Husemann), Rudolf Schündler (Musiklehrer), Helen Vita (Frau Windscheid), Nadja Tiller (Marion Xylander) u.a. Uraufführung: 18. September 1970, Berlin.

Zitat von Die Feuerzangenbowle
Weil er nie eine öffentliche Schule besuchte, soll Dr. Pfeiffer, wenn es nach seinen Freunden geht, ein Jahr als Pennäler zubringen. Pfeiffer, auf der Suche nach dem, was ihm in seiner Jugend fehlte, willigt ein und findet sich kurz darauf tatsächlich an der Schulbank wieder. Mit den engstirnigen Ansichten der Lehrer hatte er allerdings nicht gerechnet.


Unter den Lümmel- und Paukerfilmen zwischen 1967 und 1974 nimmt „Die Feuerzangenbowle“ beinah eine alleinige Position in seiner klassisch-ernsthaften Herangehensweise ein, die sich in Originaltreue an Heinrich Spoerls berühmtem Roman, in dem historischen Setting der norddeutschen Provinz und dem eher getragenen Inszenierungsstil Helmut Käutners manifestiert. In gewisser Weise heranreichen kann daran nur noch „Das fliegende Klassenzimmer“ nach Erich Kästners Vorlage, doch diese Produktion wird ein anderes Mal zur Debatte stehen.
Spoerl schrieb zur „Feuerzangenbowle“ den wunderbaren Satz „Dieser Roman ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt.“ Ebenso könnte man formulieren „Dieser Film ist ein Loblied auf die deutsche Kinolandschaft, aber es ist möglich, dass kein Kritiker es merkt.“ – Die Rialto hat für ihr Remake, bei dem ich mir immer wieder überlege, ob ich es insgeheim nicht gar der allgegenwärtigen 1944er-Fassung, die ihrerseits ebenfalls nur das Remake des 1930 entstandenen Films „So ein Flegel“ war, vorziehen soll, eine respektvolle Verbeugung vor dem beliebten Genre und ihrer eigenen Handwerkskunst geschaffen. Schon in der Eröffnung wird dies ersichtlich: Die Herrenrunde, die sich um die Feuerzangenbowle versammelt, um ihren Erinnerungen nachzuhängen, ist so prominent besetzt, dass Fernsehanstalten mit diesen Namen mindestens zwei Staffeln gefüllt hätten: Neben Walter Giller sind Hans Hessling, Ulrich Beiger, Wolfgang Lukschy, Harry Wüstenhagen und Albert Lieven zu sehen – wohlgemerkt für etwa fünf Minuten zu Beginn und am Ende.
Im Mittelteil wechselt Giller, der optisch eine bemerkenswerte Veränderung mitmacht, im Vergleich zu seiner ein Jahr vorher gespielten Lehrerrolle wieder ins Schülerquartier und wird hierbei sowohl von den „üblichen Verdächtigen“ (Wolfgang Condrus, Gerd Lohmeyer) als auch von einmaligen Gastdarstellern (z.B. Hans Werner Bussinger) unterstützt. Das Augenmerk liegt aber auf der Lehrerriege: Von Theo Lingen, der dieses Mal den Professor Crey gibt und damit nicht den Direktor, erwartet wohl jeder, dass er Erich Pontos Fußstapfen mehr als ausfüllen, nämlich auch einen ganz individuellen Eindruck hinterlassen kann. Die allen gegenwärtige Betonung des „winzigen Schlocks“ tönt in seiner Stimme fast noch einmal so schön, zumal er auch wunderbare Blüten wie „Sie werden sich an strenge Schulzucht gewöhnen müssen“ heraushauen darf. Doch auch andere Mimen, die sonst in Nebenrollen oder Klamaukstücken verheizt wurden, erleben hier wahre Glanzstunden. Für sie soll Willy Reichert stellvertretend erwähnt sein.
Für die richtige Ausstattung des Films sorgen die spielerische, aber nicht alberne Musik von Bernhard Eichhorn, die idyllischen Außenaufnahmen, die in Berlin und Wolfenbüttel entstanden und unter anderem den dortigen Stadtmarkt zeigen, sowie die zeitgenössischen Kostüme von Ingrid Zoré. Regisseur und Drehbuchautor Helmut Käutner hetzte nicht, überdrehte nicht, sondern filmte das Geschehen in unaufgeregter Weise und mit vielen kleinen Spitzen (in Richtung Aufklärung, Stummfilm oder Fritz Lang).

TV-Zeitschriften, die ihren leichtgläubigen Lesern einreden wollen, „der Pfiff des Originals fehle“ in dieser Neuverfilmung, sollten endlich lernen, dass deutsche Filmkunst nicht mit dem NS-Staat unterging. Auch in Farbe überzeugt die „Feuerzangenbowle“ auf ganzer Linie, denn Käutners Behutsamkeit, mit der er Pfeiffers Abenteuer „nach altem Rezept neu anrichtete“, ist das A und O dieses schönen Films. 5 von 5 Punkten.

Fotos, Zitate, Stabangaben und mehr auf der Lümmelbank.


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Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

01.02.2012 14:56
#26 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Zitat von Gubanov
Soeben habe ich eine neue Umfrage gestartet, die den gelungensten Titelsong der Lümmelfilme herausfinden soll. Man kann sich im Blog zu diesem Zweck alle Vorspänne der Lümmel-Filme sowie einige amüsante Zwistigkeiten zwischen Pepe und dem Knörzerich ansehen. Abgestimmt werden kann bis einschließlich 31. Januar, ab Anfang Februar ist entsprechend mit den Ergebnissen zu rechnen.


Und das Ergebnis steht. Es war knapp und spannend bis zum Ende, doch gewonnen hat ...

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

28.02.2012 18:17
#27 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Nun wird es Zeit für die Besprechungen der vorzüglichen Serie "Die Kramer", in der Barbara Rütting die titelgebende Lehrerin spielt. Dank Prismas Tipp hatte ich die Serie vor einigen Wochen entdeckt und werde sie in den folgenden Tagen genauer unter die Lupe nehmen.

Teil 1: Die Neue
Die junge Lehrerin Frau Dr. Kramer beginnt ihren Dienst am Carolus-Gymnasium Baden Baden. Zuvor hatte sie Mädchen am Köster-Gymnasium der Stadt unterrichtet, nun steht sie vor einer Klasse 18-jähriger Jungen. Der Unterschied macht sich bemerkbar - nicht zuletzt auch im Kollegium. Hier muss "die Kramer" ihre Ansichten gegen einige Herren verteidigen, die nach wie vor von althergebrachten Standards und Idealen überzeugt sind.

Die Sache mit dem Bart
Ob es ein Zufall ist, dass "Die Kramer" wie "Die Lümmel von der ersten Bank" in Baden Baden spielt? Sicher war die Wahl des Schauplatzes durch die Verantwortlichkeit des Südwestfunks für die Produktion einigermaßen eingeschränkt, doch auch im dortigen Sendegebiet hätten sich diverse andere Städte angeboten. So aber bleibt das inszenierte Schulwesen nach wie vor an einem Ort konzentriert, der imstande ist, die Brücke zwischen rebellischer Konglomeration und grüner, hinterwäldlerischer Pampa zu schlagen. Davon wird die Sendereihe noch mehrfach profitieren, wenngleich das Aufeinandertreffen von Fortschrittlichkeit und Verstocktheit in keiner anderen der sechs Episoden so deutlich geschildert wird wie in "Die Neue".

Weniger die Ankunft der Rütting steht im Mittelpunkt als vielmehr die Frage, ob es zumutbar ist, dass ein Schüler einen Vollbart trägt. Ja, tatsächlich, im Jahr 1969 soll das eine Frage gewesen sein, über die debattiert wurde. Und zwar mit Herz und Seele. Es kristallisieren sich zwei Parteien im Lehrerzimmer heraus, zu deren glühendsten Fürsprechern Barbara Rütting auf der einen und Hans Epskamp auf der anderen Seite werden. Beide Darsteller haben - getrennte - Wallace-Erfahrung, kennen sich also mit Dolchstichen in den Rücken aus, unterscheiden sich aber gravierend darin, wie sie ihre Kenntnis anwenden. Mit welcher Hochnäsigkeit und Geringschätzung Epskamp im Gegensatz zur verständnisvollen Rütting agiert, ist ein Beweis dafür, dass dieser Nebendarsteller, der als Unsympath in Miniauftritten bekannt war, häufig unter Wert verkauft wurde.

Die Sache mit dem Bart wird unterdessen zu einer Frage der Zivilcourage stilisiert - etwas hochgestochen sicher, aber das liegt wohl vor allem im 25-Minuten-Format, in dem Überspitzungen nicht zu umgehen sind. Vielmehr zeigt eine derartige Herangehensweise, dass die Serie es ernst meint bei der Schilderung schulischer Alltags- und auch pädagogischer Probleme, dass sie nicht zuvorderst mit Lachern und Blödeleien unterhalten will wie ihr Kino-Pendant, sondern dass ihr daran gelegen ist, ein stilisiertes Stück Spätsechzigerrealität in den Fokus der Öffentlichkeit zu tragen. Schön, wenn man das auch heute noch mitverfolgen kann.

Angaben zu Stab und Besetzung sowie Fotos auf der Lümmelbank.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

01.03.2012 16:18
#28 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Teil 2: Das Exempel
Nachdem sich Frau Dr. Kramer am Carolus-Gymnasium eingelebt hat, kommt sie zu dem Schluss, dass es vor allem ihre Kollegen sind, die ihr Kopfzerbrechen bereiten. Kein Wunder, denn Probleme mit Schülern löst sie schnell und zielsicher auch auf unorthodoxe Weise. Auch wenn Direktor Berwig nicht begeistert von den ausgefallenen Methoden seiner neuen Lehrkraft ist, so findet er doch keine Argumente, die ihren Erfolg schlagen können.

Der Vater im Bau
Trotz der Aussage der Kramer, sie käme mit den Schülern bestens zurecht, fokussiert die zweite (und im kommenden auch die dritte bis fünfte) Episode vor allem genau dieses Verhältnis. Es wird von gegenseitigem Verständnis bestimmt, was für eine Schüler-Lehrer-Relation in den 1960er Jahren nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit war. Reibereien tauchen hier lediglich unter den Schülern selbst oder im Umgang mit festen Regeln des Schullebens auf, wachsen sich aber auch im Rahmen einer 25-Minuten-Folge wie eben in "Das Exempel" gerade in den jüngeren Jahrgängen manchmal zu waschechtem Mobbing aus. Es basiert dieses Mal auf dem Umstand, dass der Vater des Schülers Löffler in Untersuchungshaft genommen wurde; "ein Knastfrüchtchen" sei Paul Löffler deshalb und er müsse doch am besten erklären können, was ein Alibi ist.

Auch wenn die Reaktion Pauls auf die Anschuldigungen gegen ihn und seinen Vater ein wenig zu impulsiv und dramatisch wirken - der Junge möchte doch wirklich nicht nur nicht mehr in die Schule gehen, sondern spielt gar mit dem Gedanken, sich von einem Turm zu stürzen -, so dient die Geschichte vor allem der Illustration einer fantastischen Lehrstunde, die die Kramer ihrer Sorgen-Klasse mittels eines einmaligen Exempels erteilt. Den Unterschied zwischen einer Untersuchung und einer Verurteilung führt sie ihren Jungens so hautnah vor Augen, dass diese ihn garantiert nicht vergessen werden und der Schluss der Geschichte, in der sich Rädelsführer Heiner und Spott-Opfer Paul plötzlich wieder bestens vertragen, nicht einmal so ungeheuer konstruiert wirkt.

Zu den inhaltlichen Qualitäten, zu denen auch kleine, heimlich vertraute Spitzen vor allem in Gestalt des Rektors Berwig hinzukommen (ein Junge muss auf Toilette, darf sich aber erst einmal anhören, dass gerade Pause war), gesellt sich hier vor allem schönes Lokalkolorit aus Baden Baden. Paul führt uns bei seinem Ausreißer aus der Schule u.a. in die Kirchenstaffeln sowie auf den Merkurturm auf dem gleichnamigen Berg. Dieses Bauwerk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts spielt für den Südwestfunk eine besondere Rolle, fungiert es doch seit 1950 als Sendeturm für den Hörfunk und seit 1953 für das Fernsehen.

Angaben zu Stab und Besetzung sowie Fotos auf der Lümmelbank.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

09.03.2012 15:35
#29 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Teil 3: Ein Schüler vom Lande
Wie ist der Leistungsabfall eines Spitzenschülers zu erklären? Familiäre Schwierigkeiten? Der Tod des Vaters gar? Unsinn, meint Dr. Moosmann, schließlich sei das schon einige Monate her. Doch vielleicht hat Frau Dr. Kramer gar nicht so unrecht, wenn sie die Probleme von Wolfgang Heusner in seinen privaten Verpflichtungen sieht.

Das Schicksal der Fahrschüler
In erster Linie zeigt sich "Ein Schüler vom Lande" als Problemschilderung einer Doppelbelastung: Schule, so die Botschaft, ist eine nicht zu unterschätzende Beschäftigung, die die komplette Aufmerksamkeit und Konzentration eines Schülers erfordert. Verpackt wird diese manchmal gern vergessene Kunde in schöne Landschafts- und Dorfaufnahmen aus der Umgebung von Baden Baden, wobei die Studioaufnahmen wie etwa vom Bauernhof der Heusners qualitativ stärker abfallen, als man es aus anderen Episoden der Reihe gewöhnt ist. Als Entschädigung dürfen der Blick in einen von der Deutschen Post betriebenen Sechzigerjahre-Linienbus sowie eine Kunststunde in Form eines Museumsbesuchs gelten. Schaut man jedoch noch ein wenig genauer hin, so entdeckt man neben dem Hauptthema eine weitere wichtige Aussage in "Ein Schüler vom Lande": die Empfehlung, auf jeden Fall zu studieren, wenn eine entsprechende Begabung vorliegt. Die Werbung für das Studium als Bildungsweg erscheint uns heute vor dem Hintergrund kontinuierlich steigender Studentenzahlen vielleicht selbstverständlich, doch nach den Studentenunruhen im Jahr 1968 sahen es die Macher des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wohl als notwendig an, zu versichern, dass nicht allein Querdenkertum und Demonstationswille, sondern vor allem Wissen und Können Grundlage für eine wissenschaftliche Ausbildung sind.

In dem freundschaftlichen Verhältnis von Dr. Kramer zu ihrem ehemaligen Kollegen Dr. Junghanns wird im Rahmen der Miniserie eine interessante Charakterentwicklung porträtiert. Der Mann dient vor allem als Projektionsventil der Ansichten der Kramer, weil er einen ihrer wenigen Verbündeten darstellt und außerdem enge private Verbingungen zu aktuellen Kollegen - nicht unbedingt gern gesehen, obschon sich auch Dr. Vollmer im ersten Augenblick dafür anbieten würde - überflüssig macht. Penkerts trocken-liebenswerter Satz "Schüler müsste man sein bei Ihnen" fasst außerdem schon halbwegs durch die Serie die Essenz dessen zusammen, was offenbar mit "Die Kramer" beabsichtigt war: eine Musterpädagogin neuer Couleur zu zeichnen.

Angaben zu Stab und Besetzung sowie Fotos auf der Lümmelbank.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.371

12.05.2012 18:26
#30 RE: Lümmel- und Paukerfilme 1968-1974 Zitat · antworten

Zwischendurch war ich wieder einmal auf Drehorttour - dieses Mal aber ausnahmsweise nicht wallace-bezogen, sondern unter dem Motto "Wo zum Teufel steht diese Penne?". Der Weg führte mich nach Tempelhof, wo eines der drei "Mommsen-Gymnasien" aus den Lümmel-Filmen steht. Franz Seitz ließ die Aufnahmen für seine sechs Teile ja entweder in Hamburg oder München anfertigen, aber Teil 2 entstand bei der Rialto-Film, die sich der Einfachheit halber für einen Berliner Drehort entschied. Aber lest selbst: http://luemmelbank.blogspot.de/2012/05/w...iese-penne.html

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