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Dieses Thema hat 228 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov Online




Beiträge: 16.129

27.11.2019 21:15
#226 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Da sind wir uns bei der „Kamera“ absolut einig. Und weiter geht's:



Das Kriminalmuseum: Die Zündschnur

Episode 32 der TV-Kriminalserie, BRD 1967. Regie: Erich Neureuther. Drehbuch: Bruno Hampel. Mit: Monika Peitsch (Sabine Farian), Paul Dahlke (Kriminalhauptkommissar Westermann), Joost Siedhoff (Kriminalobermeister Körner), Ilsemarie Schnering (Hilde Spranger), Herbert Tiede (Herr Kersch), Werner Pochath (Olaf Pechel), Elisabeth Neumann-Viertel (Frau Pechel), Til Erwig (Reporter Tanner), Friedhelm Ptok (Jochen Zentgraf), Nora Minor (Frau Zentgraf) u.a. Erstsendung: 4. August 1967. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (32): Die Zündschnur
Innerhalb kürzester Zeit kommt es zu Sprengstoffanschlägen auf Waffenhändler in Frankfurt und Hamburg, die zwielichtige Geschäfte in Nordafrika gemacht haben. Dass daraufhin auch ein Paket in ihrer Wohnung explodieren könnte, hätte die Münchner Reisebüroangestellte Sabine Farian nicht gedacht, obwohl sie für mehrere Monate beruflich in Kairo gelebt hat. Weder sie selbst noch die Kripo können sich erklären, auf welche Weise Sabine in politische Streitigkeiten verwickelt sein könnte. Erst spät stellt sich heraus, dass das Attentat auf die junge Frau mit den anderen nichts zu tun hat und sie noch immer in Lebensgefahr schwebt ...


Nun fasst das „Kriminalmuseum“ wieder ordentlich Tritt und präsentiert sich auch längerfristig erneut so erfolg- und abwechslungsreich wie in den Anfangstagen der Reihe. Nach alpenländischer Beschaulichkeit in „Die Kamera“ setzt „Die Zündschnur“ auf das gänzlich Konträre: auf Knalleffekte und zitternde Spannung darüber. welcher Gegenstand sich wohl als nächstes als versteckte Bombe entpuppen könnte. Erich Neureuther arbeitet diese Ungewissheit in mehreren spannenden Momenten plastisch hervor, auch wenn man sich wünscht, die tatsächlichen Explosionen wären mit mehr Sorgfalt und Realismus umgesetzt worden.

Dankenswerterweise stützt sich „Die Zündschnur“ auf zwei parallele Fälle, von denen einer zwar im Laufe der Episode aus dem Blick gerät (internationale Verwicklungen mit Nordafrika sind vielleicht doch eine Spur zu groß fürs „KM“), die zusammen jedoch einen sehr reizvollen Verbund bilden. Hängt der Anschlag auf Sabine mit denen auf die Waffenhändler zusammen? Oder agiert hier ein gefährlicher, heimtückischer Trittbrettfahrer, was die Sache vielleicht sogar noch bedrohlicher macht? Welchen Anlass könnte die freundliche, aufgeschlossene junge Frau einem Feind im Dunkeln gegeben haben, ihr nach dem Leben zu trachten? Alle diese Fragen stellt man sich früher oder später und sie halten die Episode spannend am Laufen, obwohl man sich des Gefühls nicht erwehren kann, Regie und Drehbuch bei der Beantwortung jeweils eins, zwei Schritte voraus zu sein. Wirklich stark ist das Täterrätsel jedenfalls trotz großer Figurenzahl nicht – zumindest dann nicht, wenn man die Besetzungsstereotypen der 1960er Jahre im Hinterkopf behält. Da „Die Zündschnur“ aber auch abseits des Weges einige interessante Fährten auslegt (schmierige Sensationspresse, arabische Aufschrift auf dem explosiven Paket, tragischer Hintergrund des Täters), ärgert man sich nicht über das durchaus vorhandene Quäntchen Vorhersehbarkeit.

Von der Haupt- bis zur kleinsten Nebenrolle kann man gelungene Porträts finden – vielleicht mit Ausnahme der etwas hölzernen Darstellungen der Nordafrikaner, die aber auch keinen großen Anteil am Spielgeschehen einnehmen (wohl mit ein Grund, weshalb diese Episode im Gegensatz zu Kommissar Kellers „goldenem Pflaster“ zu keinem Empörungsschrei führte). Monika Peitsch agiert als Opfer in spe sehr agil und lebendig – sie zeigt hier ganz andere Facetten als in ihrem spröden Auftritt in „Der Brief“. Paul Dahlke präsentiert sich gutmütig und weitsichtig wie eh und je und etabliert sich mit seinem dritten und letzten Fall als Polizeioberer als zweites „KM“-Schwergewicht neben dem ebenfalls wiederkehrenden Erik Ode. Stellenweise wird sein Hauptkommissar Westermann allerdings auch von seinem Assistenten in den Schatten gestellt: Joost Siedhoff erhält viele eigene Szenen und bedankt sich selbst vor einer anstehenden Verfolgungsjagd noch höflich bei einer hilfreichen Zeugin. Während es sich bei Sabine Farian und der Kripo tatsächlich um aufrechte Charaktere handelt, trügt der Schein bei den ebenfalls sehr liebenswürdig dargestellten Arbeitskollegen im afrikanischen Reisebüro (Herbert Tiede, Ilsemarie Schnering, Werner Pochath). Eventuell hätten Verdachtsmomente gegen diese Personen ausführlicher aufgebaut werden können. Kritische Töne findet man eher bezüglich Sabines Verlobtem, den Friedhelm Ptok auf etwas blasierte Weise mimt. Er rundet mit Filmmutter Nora Minor die illustre Figurenwelt in diesem unterhaltsamen Krimikosmos bestens ab.

Stellenweise wähnt man sich in einer poppigen Becker-Inszenierung: Die liebevoll ausstaffierte Episode lässt den Zuschauer um eine gut aufgelegte Monika Peitsch bangen, die unwissend von einer Gefahr zur anderen tappt. 4 von 5 Zündschnüren.

Ray Offline



Beiträge: 1.323

01.12.2019 18:35
#227 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Auch bei "Die Zündschnur" besteht weitgehende Einigkeit...


Folge 32: Die Zündschnur


Nach mehreren Attentaten, die auf dem Bundesgebiet verteilt vorgefallen waren, bekommt Hauptkommissar Westermann den Fall einer jungen Angestellten eines Reisebüros auf den Tisch: Diese hatte ein Paket mit einer Bombe erhalten und war nur knapp mit dem Leben davongekommen...

Auch im Falle von "Die Zündschnur" handelt es sich um eine sehr gelungene Episode des "Kriminalmuseums". Dies liegt neben Paul Dahlke, den man als Ermittler längst ins Herz geschlossen hat, vor allem an Monika Peitsch. Sie füllt die Figur der jungen Angestellten, die nur so vor Neugierde und Aufgeschlossenheit strotzt, durch ihre natürliche Ausstrahlung mit Leben. In Kontrast dazu steht ihr vorgestriger Lebensgefährte, bei dem man sich als Betrachter nur allzu sehnlich wünscht, dass Sabine ihm zuliebe nicht zum "Heimchen am Herd" verkommen möge. In einer weiteren markanten Rolle überzeugt Til Erwig als aufdringlicher und von Sensationslust getriebener Reporter. Herbert Tiede gibt den väterlichen Vorgesetzten, Ilsemarie Schnering die mütterliche Kollegin. Abgerundet wird der Cast durch Werner Pochath, der seinem Rollenklischee kräftig Vorschub leisten darf. Wenngleich die Auflösung tatsächlich etwas vorhersehbar ausfällt, verzeiht man dies gerne, bekommt man doch mit der interessanten Story und der fein herausgearbeitetetn Hauptfigur genug für einen wohligen Krimiabend geboten.


Eine starke Monika Peitsch trägt die Episode nahezu im Alleingang und liefert im Verbund mit Paul Dahlke eine Folge mit hohem Potential für wiederholte Sichtungen. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

03.12.2019 21:30
#228 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Leider geht es nicht ganz so glatt weiter – obwohl es hier im Thread auch schon eine positive Rezension zur folgenden Episode gibt.



Das Kriminalmuseum: Kaliber 9

Episode 33 der TV-Kriminalserie, BRD 1967. Regie: Jürgen Goslar. Drehbuch: Stefan Gommermann. Mit: Horst Michael Neutze (Kriminalobermeister Herald), Gerhart Lippert (Kriminalobermeister Glücks), Helmut Schmid (Rangel), Herbert Bötticher (Hoff), Lukas Ammann (Mauser), Carmela Corren (Fathima Isfahan alias Aluma alias Ursula Bachfeld), Heinz Leo Fischer (Gottfried van Deegen alias Isfahan), Wolfgang Völz (Barkeeper Joe), Wolfgang Büttner (Kriminaldirektor), Hans Baur (Kriminalkommissar Behringer) u.a. Erstsendung: 4. August 1967. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (33): Kaliber 9
Bei einem Einbruch in die Büros eines Getränkeherstellers erbeuten zwei maskierte Diebe und ein unbekannter Dritter eine stattliche Summe. Der überfallene Nachtwächter kann aussagen, dass sich einer der Täter am Handgelenk verletzt hat. Dieser Hinweis führt Kriminalobermeister Glücks zu den Ganoven Rangel und Hoff aus der Beluga-Bar, die als Deckmantel für eine ganze Einbrecherorganisation fungiert. Rangel, ein Hitzkopf, versucht kurzerhand, den lästigen Ermittler mit einem Schuss aus seiner Pistole umzulegen. Glücks überlebt schwerverletzt und so zieht sich das Netz immer enger um die ruchlosen Ganoven zu ...


Was ein bisschen wie ein Crossover zwischen dem „Kriminalmuseum“ und einem US-amerikanischen Film Noir wirkt, verliert durch die Harmlosigkeit der Produktion leider mehrfach an der beabsichtigten Wirkung. Eigentlich erzählt „Kaliber 9“ die klassische Geschichte einer Gangsterbande, in deren Mitte ein besonders schießwütiges Mitglied einen Polizisten zum Schweigen bringt. Dumm nur, dass die Fernsehkonventionen der 1960er Jahre besagen, dass der Polizist – zumal von einem sympathischen Gerhart Lippert gespielt – nicht so einfach sterben darf und somit der Haupteffekt des Mittelteils damit weitgehend verpufft. Wenn man dann auch noch berücksichtigt, dass die ach so gefährliche Bande statt bei einem Juwelier oder Großindustriebetrieb ausgerechnet beim Getränkehersteller „Bibo“ (sic!) einbricht und in der zur Tarnung betriebenen Kneipe eine Reihe harmloser Schlager geträllert werden, dann bleibt vom eigentlich eindrucksvoll erdachten Plot nicht viel mehr als eine durchgehende Enttäuschung übrig.

Kurioserweise ähnelt „Kaliber 9“ mit diesem Gesamteindruck am ehesten Goslars erster Serieninszenierung „Zahlen-Code N“, deren Schlagkraft auch bereits von zu viel Betulichkeit gehemmt wurde. Dass Goslar dann zwischendurch die doch recht mutige Folge „Der Brief“ verantwortete, wundert im direkten Vergleich. Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass „Kaliber 9“ reizlos wäre: der anfängliche Einbruch und die Bedrohung des Nachtwächters sind durchaus stimmungsvoll eingefangen und die drei Hauptgangster mit dem jähzornigen Helmut Schmid, dem süffisanten Herbert Bötticher und dem geleckten Lukas Ammann passend besetzt worden. Vor allem Schmid profiliert sich als grobschlächtige Killertype als Gesicht der Folge. Auch einer der recht wenigen Fernsehfilmauftritte der Sängerin Carmela Corren als Ganovenliebchen wirkt recht passend. Sie verleiht dem 33. Fall der Reihe einen Hauch Internationalität, wenngleich man die Geltungssucht ihres Plattenlabels, möglichst viele Gesangsszenen in die Folge einzubauen, dringend hätte zügeln müssen.

Problematisch ist, dass das teilweise unkoordinierte Verhalten der Verbrecher ab spätestens der Hälfte der Folge zu langweilen beginnt und die Polizei dem auch wenig entgegenzusetzen hat. Ist Lippert erst ins Krankenhaus geschossen, bleibt keine Figur mehr übrig, zu der man eine Verbindung aufbauen könnte. Horst Michael Neutze als sein Kollege absolviert nicht mehr als eine Pflichtübung, während man sich die breite Ausstaffierung der anderen Polizeirollen (diesmal gibt es statt zahlloser Assistenten ausnahmsweise mehrere Vorgesetzte) erneut hätte sparen können. Weder Wolfgang Büttner noch Hans Baur setzen bleibende Duftmarken. Es passiert so wenig, dass die Handlung mit einer Erpressung der Gangster durch einen Mitwisser gestreckt werden muss – als gut informierter Barkellner übt Wolfgang Völz hier schonmal für seine Rolle in „Babeck“, ohne jedoch (mangels vergleichbarer Führung durch den Regisseur) einen ähnlichen darstellerischen Höhepunkt verbuchen zu können.

Gut gedacht, mittelmäßig umgesetzt: Leider denkt dieser „KM“-Beitrag in zu kleinen Dimensionen, um die präsentierte Gangsterstory wirklich mitreißend zu gestalten. Das Mitwirken alterprobter Crewmitglieder (Goslar, Gommermann) ist kein Garant für eine erfolgreiche Episode. So bleibt es bei 3 von 5 Patronen – Kaliber 9, natürlich.

Ray Offline



Beiträge: 1.323

03.12.2019 23:24
#229 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Folge 33: Kaliber 9


Infolge eines Überfalls auf ein Getränkeunternehmen nimmt die Polizei Ermittlungen auf. Für die Ermittler bekommt der Fall bald eine persönliche Note, denn Kollege Glücks wird bei einer Verfolgung lebensgefährlich verletzt, nachdem er auf eine heiße Spur gelangt war...

"Kaliber 9" ist zur Abwechslung mal wieder kein Whodunit. Stattdessen dreht sich die von Stefan Gommermann geschriebene Story um eine Gangsterbande und um die Frage, ob und wie die Polizei sie wird aufspüren können. Mit dem Überfall zu Beginn legt die Folge sogleich ein gutes Tempo vor, das (beinahe) Ausschalten von Ermittler Gerhart Lippert überrascht, wenngleich man sich nicht traute, die Figur in letzter Konsequenz aus der Folge ausscheiden zu lassen. Die Bande um den aalglatten Lukas Ammann, den knuffigen Herbert Bötticher und den impulsiven Helmut Schmid hält das Publikum auch in weniger interessanten Phasen der Folge bei der Stange. Mit der Besetzung Ammann/Völz erlebt man nicht nur ein Zusammentreffen des späteren "Graf Yoster"-Duos, sondern auch eine gewisse Vorwegnahme der "Kommissar"-Folge "Das Messer im Geldschrank", in der Ammann und Völz im selben Milieu in ähnlichen Rollen aufeinandertreffen. Die Sängerin Carmela Corren gibt der Folge mit ihren Gesangs-Einlagen eine Prise typischen Sixties-Crime-Flairs. Ein wenig unbefriedigend wurde die Konstellation der Ermittler gelöst. Aus dramaturgischen Gründen hätte es sich angeboten, nach der Verletzung Lipperts den Fall allein oder zumindest (noch) mehr in die Hände Horst Michael Neutzes zu legen, Wolfgang Büttner und Hans Baur bleiben ziemlich blass. Trotz kleinerer Längen liegt die Episode insgesamt über dem Durchnschnitt.


Vor allem auf Gangsterseite treffend besetzte Episode mit typischem Sixties-Flair, die mit etwas mehr inhaltlicher Konsequenz und Konzentration auf weniger Ermittlerfiguren noch besser hätte glücken können. 4 von 5 Punkten.

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