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Dieses Thema hat 280 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov ( gelöscht )
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27.11.2019 21:15
#226 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Da sind wir uns bei der „Kamera“ absolut einig. Und weiter geht's:



Das Kriminalmuseum: Die Zündschnur

Episode 32 der TV-Kriminalserie, BRD 1967. Regie: Erich Neureuther. Drehbuch: Bruno Hampel. Mit: Monika Peitsch (Sabine Farian), Paul Dahlke (Kriminalhauptkommissar Westermann), Joost Siedhoff (Kriminalobermeister Körner), Ilsemarie Schnering (Hilde Spranger), Herbert Tiede (Herr Kersch), Werner Pochath (Olaf Pechel), Elisabeth Neumann-Viertel (Frau Pechel), Til Erwig (Reporter Tanner), Friedhelm Ptok (Jochen Zentgraf), Nora Minor (Frau Zentgraf) u.a. Erstsendung: 4. August 1967. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (32): Die Zündschnur
Innerhalb kürzester Zeit kommt es zu Sprengstoffanschlägen auf Waffenhändler in Frankfurt und Hamburg, die zwielichtige Geschäfte in Nordafrika gemacht haben. Dass daraufhin auch ein Paket in ihrer Wohnung explodieren könnte, hätte die Münchner Reisebüroangestellte Sabine Farian nicht gedacht, obwohl sie für mehrere Monate beruflich in Kairo gelebt hat. Weder sie selbst noch die Kripo können sich erklären, auf welche Weise Sabine in politische Streitigkeiten verwickelt sein könnte. Erst spät stellt sich heraus, dass das Attentat auf die junge Frau mit den anderen nichts zu tun hat und sie noch immer in Lebensgefahr schwebt ...


Nun fasst das „Kriminalmuseum“ wieder ordentlich Tritt und präsentiert sich auch längerfristig erneut so erfolg- und abwechslungsreich wie in den Anfangstagen der Reihe. Nach alpenländischer Beschaulichkeit in „Die Kamera“ setzt „Die Zündschnur“ auf das gänzlich Konträre: auf Knalleffekte und zitternde Spannung darüber. welcher Gegenstand sich wohl als nächstes als versteckte Bombe entpuppen könnte. Erich Neureuther arbeitet diese Ungewissheit in mehreren spannenden Momenten plastisch hervor, auch wenn man sich wünscht, die tatsächlichen Explosionen wären mit mehr Sorgfalt und Realismus umgesetzt worden.

Dankenswerterweise stützt sich „Die Zündschnur“ auf zwei parallele Fälle, von denen einer zwar im Laufe der Episode aus dem Blick gerät (internationale Verwicklungen mit Nordafrika sind vielleicht doch eine Spur zu groß fürs „KM“), die zusammen jedoch einen sehr reizvollen Verbund bilden. Hängt der Anschlag auf Sabine mit denen auf die Waffenhändler zusammen? Oder agiert hier ein gefährlicher, heimtückischer Trittbrettfahrer, was die Sache vielleicht sogar noch bedrohlicher macht? Welchen Anlass könnte die freundliche, aufgeschlossene junge Frau einem Feind im Dunkeln gegeben haben, ihr nach dem Leben zu trachten? Alle diese Fragen stellt man sich früher oder später und sie halten die Episode spannend am Laufen, obwohl man sich des Gefühls nicht erwehren kann, Regie und Drehbuch bei der Beantwortung jeweils eins, zwei Schritte voraus zu sein. Wirklich stark ist das Täterrätsel jedenfalls trotz großer Figurenzahl nicht – zumindest dann nicht, wenn man die Besetzungsstereotypen der 1960er Jahre im Hinterkopf behält. Da „Die Zündschnur“ aber auch abseits des Weges einige interessante Fährten auslegt (schmierige Sensationspresse, arabische Aufschrift auf dem explosiven Paket, tragischer Hintergrund des Täters), ärgert man sich nicht über das durchaus vorhandene Quäntchen Vorhersehbarkeit.

Von der Haupt- bis zur kleinsten Nebenrolle kann man gelungene Porträts finden – vielleicht mit Ausnahme der etwas hölzernen Darstellungen der Nordafrikaner, die aber auch keinen großen Anteil am Spielgeschehen einnehmen (wohl mit ein Grund, weshalb diese Episode im Gegensatz zu Kommissar Kellers „goldenem Pflaster“ zu keinem Empörungsschrei führte). Monika Peitsch agiert als Opfer in spe sehr agil und lebendig – sie zeigt hier ganz andere Facetten als in ihrem spröden Auftritt in „Der Brief“. Paul Dahlke präsentiert sich gutmütig und weitsichtig wie eh und je und etabliert sich mit seinem dritten und letzten Fall als Polizeioberer als zweites „KM“-Schwergewicht neben dem ebenfalls wiederkehrenden Erik Ode. Stellenweise wird sein Hauptkommissar Westermann allerdings auch von seinem Assistenten in den Schatten gestellt: Joost Siedhoff erhält viele eigene Szenen und bedankt sich selbst vor einer anstehenden Verfolgungsjagd noch höflich bei einer hilfreichen Zeugin. Während es sich bei Sabine Farian und der Kripo tatsächlich um aufrechte Charaktere handelt, trügt der Schein bei den ebenfalls sehr liebenswürdig dargestellten Arbeitskollegen im afrikanischen Reisebüro (Herbert Tiede, Ilsemarie Schnering, Werner Pochath). Eventuell hätten Verdachtsmomente gegen diese Personen ausführlicher aufgebaut werden können. Kritische Töne findet man eher bezüglich Sabines Verlobtem, den Friedhelm Ptok auf etwas blasierte Weise mimt. Er rundet mit Filmmutter Nora Minor die illustre Figurenwelt in diesem unterhaltsamen Krimikosmos bestens ab.

Stellenweise wähnt man sich in einer poppigen Becker-Inszenierung: Die liebevoll ausstaffierte Episode lässt den Zuschauer um eine gut aufgelegte Monika Peitsch bangen, die unwissend von einer Gefahr zur anderen tappt. 4 von 5 Zündschnüren.

Ray Offline



Beiträge: 1.531

01.12.2019 18:35
#227 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Auch bei "Die Zündschnur" besteht weitgehende Einigkeit...


Folge 32: Die Zündschnur


Nach mehreren Attentaten, die auf dem Bundesgebiet verteilt vorgefallen waren, bekommt Hauptkommissar Westermann den Fall einer jungen Angestellten eines Reisebüros auf den Tisch: Diese hatte ein Paket mit einer Bombe erhalten und war nur knapp mit dem Leben davongekommen...

Auch im Falle von "Die Zündschnur" handelt es sich um eine sehr gelungene Episode des "Kriminalmuseums". Dies liegt neben Paul Dahlke, den man als Ermittler längst ins Herz geschlossen hat, vor allem an Monika Peitsch. Sie füllt die Figur der jungen Angestellten, die nur so vor Neugierde und Aufgeschlossenheit strotzt, durch ihre natürliche Ausstrahlung mit Leben. In Kontrast dazu steht ihr vorgestriger Lebensgefährte, bei dem man sich als Betrachter nur allzu sehnlich wünscht, dass Sabine ihm zuliebe nicht zum "Heimchen am Herd" verkommen möge. In einer weiteren markanten Rolle überzeugt Til Erwig als aufdringlicher und von Sensationslust getriebener Reporter. Herbert Tiede gibt den väterlichen Vorgesetzten, Ilsemarie Schnering die mütterliche Kollegin. Abgerundet wird der Cast durch Werner Pochath, der seinem Rollenklischee kräftig Vorschub leisten darf. Wenngleich die Auflösung tatsächlich etwas vorhersehbar ausfällt, verzeiht man dies gerne, bekommt man doch mit der interessanten Story und der fein herausgearbeitetetn Hauptfigur genug für einen wohligen Krimiabend geboten.


Eine starke Monika Peitsch trägt die Episode nahezu im Alleingang und liefert im Verbund mit Paul Dahlke eine Folge mit hohem Potential für wiederholte Sichtungen. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
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03.12.2019 21:30
#228 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Leider geht es nicht ganz so glatt weiter – obwohl es hier im Thread auch schon eine positive Rezension zur folgenden Episode gibt.



Das Kriminalmuseum: Kaliber 9

Episode 33 der TV-Kriminalserie, BRD 1967. Regie: Jürgen Goslar. Drehbuch: Stefan Gommermann. Mit: Horst Michael Neutze (Kriminalobermeister Herald), Gerhart Lippert (Kriminalobermeister Glücks), Helmut Schmid (Rangel), Herbert Bötticher (Hoff), Lukas Ammann (Mauser), Carmela Corren (Fathima Isfahan alias Aluma alias Ursula Bachfeld), Heinz Leo Fischer (Gottfried van Deegen alias Isfahan), Wolfgang Völz (Barkeeper Joe), Wolfgang Büttner (Kriminaldirektor), Hans Baur (Kriminalkommissar Behringer) u.a. Erstsendung: 4. August 1967. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (33): Kaliber 9
Bei einem Einbruch in die Büros eines Getränkeherstellers erbeuten zwei maskierte Diebe und ein unbekannter Dritter eine stattliche Summe. Der überfallene Nachtwächter kann aussagen, dass sich einer der Täter am Handgelenk verletzt hat. Dieser Hinweis führt Kriminalobermeister Glücks zu den Ganoven Rangel und Hoff aus der Beluga-Bar, die als Deckmantel für eine ganze Einbrecherorganisation fungiert. Rangel, ein Hitzkopf, versucht kurzerhand, den lästigen Ermittler mit einem Schuss aus seiner Pistole umzulegen. Glücks überlebt schwerverletzt und so zieht sich das Netz immer enger um die ruchlosen Ganoven zu ...


Was ein bisschen wie ein Crossover zwischen dem „Kriminalmuseum“ und einem US-amerikanischen Film Noir wirkt, verliert durch die Harmlosigkeit der Produktion leider mehrfach an der beabsichtigten Wirkung. Eigentlich erzählt „Kaliber 9“ die klassische Geschichte einer Gangsterbande, in deren Mitte ein besonders schießwütiges Mitglied einen Polizisten zum Schweigen bringt. Dumm nur, dass die Fernsehkonventionen der 1960er Jahre besagen, dass der Polizist – zumal von einem sympathischen Gerhart Lippert gespielt – nicht so einfach sterben darf und somit der Haupteffekt des Mittelteils damit weitgehend verpufft. Wenn man dann auch noch berücksichtigt, dass die ach so gefährliche Bande statt bei einem Juwelier oder Großindustriebetrieb ausgerechnet beim Getränkehersteller „Bibo“ (sic!) einbricht und in der zur Tarnung betriebenen Kneipe eine Reihe harmloser Schlager geträllert werden, dann bleibt vom eigentlich eindrucksvoll erdachten Plot nicht viel mehr als eine durchgehende Enttäuschung übrig.

Kurioserweise ähnelt „Kaliber 9“ mit diesem Gesamteindruck am ehesten Goslars erster Serieninszenierung „Zahlen-Code N“, deren Schlagkraft auch bereits von zu viel Betulichkeit gehemmt wurde. Dass Goslar dann zwischendurch die doch recht mutige Folge „Der Brief“ verantwortete, wundert im direkten Vergleich. Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass „Kaliber 9“ reizlos wäre: der anfängliche Einbruch und die Bedrohung des Nachtwächters sind durchaus stimmungsvoll eingefangen und die drei Hauptgangster mit dem jähzornigen Helmut Schmid, dem süffisanten Herbert Bötticher und dem geleckten Lukas Ammann passend besetzt worden. Vor allem Schmid profiliert sich als grobschlächtige Killertype als Gesicht der Folge. Auch einer der recht wenigen Fernsehfilmauftritte der Sängerin Carmela Corren als Ganovenliebchen wirkt recht passend. Sie verleiht dem 33. Fall der Reihe einen Hauch Internationalität, wenngleich man die Geltungssucht ihres Plattenlabels, möglichst viele Gesangsszenen in die Folge einzubauen, dringend hätte zügeln müssen.

Problematisch ist, dass das teilweise unkoordinierte Verhalten der Verbrecher ab spätestens der Hälfte der Folge zu langweilen beginnt und die Polizei dem auch wenig entgegenzusetzen hat. Ist Lippert erst ins Krankenhaus geschossen, bleibt keine Figur mehr übrig, zu der man eine Verbindung aufbauen könnte. Horst Michael Neutze als sein Kollege absolviert nicht mehr als eine Pflichtübung, während man sich die breite Ausstaffierung der anderen Polizeirollen (diesmal gibt es statt zahlloser Assistenten ausnahmsweise mehrere Vorgesetzte) erneut hätte sparen können. Weder Wolfgang Büttner noch Hans Baur setzen bleibende Duftmarken. Es passiert so wenig, dass die Handlung mit einer Erpressung der Gangster durch einen Mitwisser gestreckt werden muss – als gut informierter Barkellner übt Wolfgang Völz hier schonmal für seine Rolle in „Babeck“, ohne jedoch (mangels vergleichbarer Führung durch den Regisseur) einen ähnlichen darstellerischen Höhepunkt verbuchen zu können.

Gut gedacht, mittelmäßig umgesetzt: Leider denkt dieser „KM“-Beitrag in zu kleinen Dimensionen, um die präsentierte Gangsterstory wirklich mitreißend zu gestalten. Das Mitwirken alterprobter Crewmitglieder (Goslar, Gommermann) ist kein Garant für eine erfolgreiche Episode. So bleibt es bei 3 von 5 Patronen – Kaliber 9, natürlich.

Ray Offline



Beiträge: 1.531

03.12.2019 23:24
#229 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Folge 33: Kaliber 9


Infolge eines Überfalls auf ein Getränkeunternehmen nimmt die Polizei Ermittlungen auf. Für die Ermittler bekommt der Fall bald eine persönliche Note, denn Kollege Glücks wird bei einer Verfolgung lebensgefährlich verletzt, nachdem er auf eine heiße Spur gelangt war...

"Kaliber 9" ist zur Abwechslung mal wieder kein Whodunit. Stattdessen dreht sich die von Stefan Gommermann geschriebene Story um eine Gangsterbande und um die Frage, ob und wie die Polizei sie wird aufspüren können. Mit dem Überfall zu Beginn legt die Folge sogleich ein gutes Tempo vor, das (beinahe) Ausschalten von Ermittler Gerhart Lippert überrascht, wenngleich man sich nicht traute, die Figur in letzter Konsequenz aus der Folge ausscheiden zu lassen. Die Bande um den aalglatten Lukas Ammann, den knuffigen Herbert Bötticher und den impulsiven Helmut Schmid hält das Publikum auch in weniger interessanten Phasen der Folge bei der Stange. Mit der Besetzung Ammann/Völz erlebt man nicht nur ein Zusammentreffen des späteren "Graf Yoster"-Duos, sondern auch eine gewisse Vorwegnahme der "Kommissar"-Folge "Das Messer im Geldschrank", in der Ammann und Völz im selben Milieu in ähnlichen Rollen aufeinandertreffen. Die Sängerin Carmela Corren gibt der Folge mit ihren Gesangs-Einlagen eine Prise typischen Sixties-Crime-Flairs. Ein wenig unbefriedigend wurde die Konstellation der Ermittler gelöst. Aus dramaturgischen Gründen hätte es sich angeboten, nach der Verletzung Lipperts den Fall allein oder zumindest (noch) mehr in die Hände Horst Michael Neutzes zu legen, Wolfgang Büttner und Hans Baur bleiben ziemlich blass. Trotz kleinerer Längen liegt die Episode insgesamt über dem Durchnschnitt.


Vor allem auf Gangsterseite treffend besetzte Episode mit typischem Sixties-Flair, die mit etwas mehr inhaltlicher Konsequenz und Konzentration auf weniger Ermittlerfiguren noch besser hätte glücken können. 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.531

17.12.2019 23:31
#230 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Folge 34: Das Kabel


Bei einem abendlichen Spaziergang wird der Verkehrspolizist Erwin König erschossen, nachdem er zufällig einen Dieb auf frischer Tat ertappt hat...

Nach vielen gelungenen Episoden markiert „Das Kabel“ einen leichten „Hänger“. Der Einstieg gelingt noch recht gut. Wolfgang Völz kommt in der Rolle des Verkehrspolizisten sofort sympathisch rüber. Er träumt von einer größeren Wohnung mit seiner Lebensgefährtin und pflegt ein gutes Verhältnis mit seinen Kollegen. Nach seiner Tötung wird, obwohl man den Täter zunächst nicht sieht, relativ schnell klar, wer hinter der Tat steckt. Günther Ungeheuer gibt wieder einmal einen ganz hervorragenden Schurken. Er ist es auch, der mit seinem Spiel verhindert, dass der Zuschauer das Interesse an der Episode verliert, denn Helmuth Ashley verschleppt mit seiner Inszenierung leider das Tempo. Allgemein muss man mal wieder konstatieren, dass der Folge eine Laufzeit von 60 Minuten wohl besser zu Gesicht gestanden hätte. Werner Bruhns demonstriert demgegenüber seine Vielseitigkeit, seine Darstellung des Kriminalobersinspektors gehört zu den besseren innerhalb der Reihe. Von der Besetzung passt es also, weshalb man trotz Längen insgesamt versöhnlich gestimmt ist.


Eine Besetzung auf den Punkt bewahrt „Das Kabel“ davor, zur Schlaftablette zu mutieren. Noch 3,5 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

24.12.2019 10:15
#231 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten



Das Kriminalmuseum: Das Kabel

Episode 34 der TV-Kriminalserie, BRD 1967. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Walter Forster. Mit: Werner Bruhns (Kriminaloberinspektor Stollberg), Otto Stern (Oberamtmann Baerwald), Peter Neusser (Kriminalassistent Hoffmann), Günther Ungeheuer (Heinz Kornwaitl), Klaus Höhne (Harry Gassel), Hilde Ziegler (Hanna Reiter), Angela Hillebrecht (Emmi), Wolfgang Völz (Erwin König), Anne Lutz-Pastré (Anni), Eduard Linkers (Stiebner) u.a. Erstsendung: 8. September 1967. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (34): Das Kabel
Hilfeschreie dringen aus einem Wohnhaus. Wäre der junge Verkehrspolizist Erwin König nicht ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt auf der Straße vorbeigekommen, hätte der Einbrecher, der diese Rufe auslöste, ungestört fliehen können. Doch so nimmt König die Verfolgung auf, ruft dem Verbrecher zu, er solle stehenbleiben. Dieser zückt eine Pistole. Ein Schuss erleuchtet das Dunkel und König sackt leblos zu Boden. Ein am Tatort sichergestelltes Kabel führt die Polizisten um Oberinspektor Stollberg auf die Spur des Gelegenheitsarbeiters Harry Gassel und seines Kumpanen aus dem Männerwohnheim, Heinz Kornwaitl. Ist Kornwaitl nur ein Betrüger oder womöglich auch ein Mörder?


Wirklich stark und im Stil der frühen Folgen (man denke an einen vergleichbar ergreifenden Mord in „Die Mütze“, in den ebenfalls Wolfgang Völz verwickelt war) gelang Helmuth Ashley der Einstieg in diesen Krimi, der sich in seinem späteren Verlauf jedoch leider eher zur Charakterstudie eines unsympathischen Aufschneiders als zu einer ereignisreichen Täterjagd entwickelt. Erwin Königs Kugeltod erwischt sowohl den Zuschauer als auch seine Freundin eiskalt, weil es sich prinzipiell – der Täter agierte unerkannt im Dunkel und hätte vermutlich ohne Weiteres fliehen können – um eine sinnlose Tat handelt und Völz als Mordopfer und wohnungssuchender Ehemann in spe zudem die wahrscheinlich ersprießlichste Figur der gesamten Episode ist. Auch wenn er nur einen „kleinen“ Verkehrspolizisten mimt, so stehen die späteren Auftritte von Werner Bruhns, Otto Stern und Peter Neußer vom Einbruchs- und Morddezernat (wer wo genau hingehört, erfährt man nicht so genau) eindeutig in Völz’ Schatten.

Zwar gibt es einige ordentliche Szenen auf dem Revier; der Großteil der Handlung konzentriert sich jedoch auf das spröde, abgebrannte Duo aus Klaus Höhne und Günther Ungeheuer. Gerade Ungeheuer kennt man sonst als selbstsicheren Erfolgsgangster, der bei der feindlichen Übernahme Hamburger Bankiersvillen maßgeschneiderte Anzüge aufträgt. Hier stellt er einen Betrüger, Einbrecher und Heiratsschwindler dar, dessen vielgleisige Verbrecherkarriere offenbar so wenig abwirft, dass er trotzdem in einem für Obdachlose gedachten Männerwohnheim residiert. Entsprechend trist fallen die Schauplätze aus, auch wenn die Kamera sich redlich Mühe gibt, sie in stimmungsvolles Schwarzweiß zu kleiden. Während Höhne eine Figur darstellt, die bereits am Ende eines gescheiterten Wegs steht, sieht man bei Ungeheuers Verbrecher Kornwaitl im Laufe der Handlung immer mehr sicher geglaubte Felle davonschwimmen – eine Hochstaplerkarriere, die in Auflösung begriffen ist und bei der der Betroffene eigentlich froh sein kann, am Ende in die sicheren Hände von Polizei und Justiz aufgenommen zu werden.

Im letzten Teil der Folge betrifft der unaufhaltsame Zusammenbruch vor allem Kornwaitls windige Frauengeschichten, mit denen die Story lieblos angereichert wurde, um die Laufzeit zu füllen. Trotz Ashleys wie immer vernünftiger Schauspielführung langweilen diese Szenen mit Hilde Ziegler und Angela Hillebrecht immens – es stellt sich die Frage, wieso Ringelmann als damals zwar noch recht junger, aber trotzdem findiger Produzent nicht feststellte, dass gerade Walter Forsters Drehbücher oft nicht im Stande waren, die geforderte Laufzeit adäquat auszufüllen. Aus manchem Dämmerschlaf holt den Zuschauer lediglich die stellenweise eingestreute fetzige Musik, bei der man sich im Abspann direkt wundert, dass sie von Hans Hammerschmid kommt.

Polizistenmord trifft unschöne Schmonzette: Dieser „Kriminalmuseum“-Fall gehört durch seine motivationslose Struktur und den unleidlichen Günther-Ungeheuer-Charakter sicher nicht zu den Höhepunkten der Reihe. Es sind noch eben 3 von 5 Kabeln drin.

Gubanov ( gelöscht )
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25.12.2019 13:00
#232 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Bei der letzten Episode war @Ray schneller mit seiner Besprechung; diesmal lege ich wieder vor:



Das Kriminalmuseum: Das Goldstück

Episode 35 der TV-Kriminalserie, BRD 1968. Regie: Dietrich Haugk. Drehbuch: Bruno Hampel. Mit: Günther Neutze (Kriminalkommissar Berghäuser), Klaus Höhne (Kriminalmeister Peine), Franz Schafheitlin (Hubert Karsten), Klaus Wildbolz (Klaus Karsten), Helmut Schmid (Werner Brinkmann), Hannelore Elsner (Uta Brinkmann), Charles Wirths (Heinz Kupfer), Signe Seidel (Susanne Kupfer), Walter Kohut (Stefan Helm), Wolfrid Lier (Pelzer) u.a. Erstsendung: 12. Januar 1968. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (35): Das Goldstück
Hubert Karsten ist nicht nur ein erfolgreicher Bauunternehmer und passionierter Numismatiker, sondern auch eine streitbare Persönlichkeit. Am gleichen Abend, an dem er seine faule, ihm auf der Tasche liegende Verwandtschaft zum Teufel geschickt hat, wird er von einem Einbrecher überfallen und seiner Münzsammlung beraubt. Der Haushund wird in diesem Zuge vergiftet; Karsten selbst kommt mit einer Kopfwunde davon. Welches Mitglied seiner geschassten Familie diese Tat beging, soll Kriminalkommissar Berghäuser herausfinden. Doch über die zerstrittenen Verwandten hinaus ergeben sich noch andere Spuren ...


Schon Agatha Christie wusste, wie man eine möglichst große Verdächtigenschar mit handfesten Motiven arrangieren und den Täter dann in einer Art Zaubertrick als Außenstehenden präsentieren kann, auf den kein Leser je gekommen wäre. Ein ähnliches Vorhaben verfolgte wohl Bruno Hampel, als er „Das Goldstück“ erdachte – freilich auf weniger elaborate Art und Weise. So wirkt die Episode wie ein konstruiertes klassisches Familiendrama mit bösem Patriarchen und hinterlistigen Nachkommen, die ohne familiäre Rücksichten auf leichtes Geld aus sind. Eine Identifikationsfigur ist abermals nicht mit von der Partie. Zugleich agieren mehrere Darsteller so überspitzt, dass man vermuten muss, dass Regisseur Dietrich Haugk sein „KM“-Gastspiel als Parodie verstanden haben wollte.

Insbesondere Franz Schafheitlin gibt in der Rolle des Familienoberhaupts dem Affen Zucker, aber auch seine „Schäfchen“ agieren ähnlich plakativ – man denke nur an die plumpe Auftaktszene, in der es wohl nur darum ging, mithilfe möglichst unzusammenhängender Streitigkeiten die unangenehmen Charaktere des Karsten-Clans zu verdeutlichen. Anderweitig haben die von Helmut Schmid, Hannelore Elsner, Charles Wirth, Signe Seidel und Walter Kohut dargestellten Figuren keine Eigenschaften, die sie merklich voneinander unterscheiden würden, sodass das Interesse an der Auflösung sich in engen Grenzen hält. Auch Karl Lieffens Auftritt als stolpernder, Sonnenbrille tragender Privatdetektiv lässt den teilweise etwas fragwürdigen Humor der Serienanfangstage auf die Bildschirme des Jahres 1968 zurückkehren. Doch noch etwas anderes ist auf einmal wieder altgewohnt: die kürzere Laufzeit von einer knappen Stunde, die Haugk besser nutzt als manche anderen Regisseure vor ihm. Immerhin kommt gerade in den ausgedehnten Nachtszenen so etwas wie Spannung auf, auch wenn es letztlich enttäuschend ist, dass sich nur ein Diebstahl ereignet und kein Mord.

Recht angenehm fällt die sommerliche Atmosphäre von „Das Goldstück“ aus – sie verleiht dem in der berühmten Ringelmann’schen TV-Kulisse Gereutvilla gedrehten Fall ein gewisses Prä-„Kommissar“-Gefühl, das auch durch das Auftreten des Standardschmalspurgangsters Wolfrid Lier unterstrichen wird. Klaus Höhne ist seit der letzten Episode auf die Seiten des Rechts gewechselt und agiert an der Seite von Günther Neutze, dessen Kommissar Berghäuser ebenso trocken agiert wie sein Commissaire Bernard in „Dem Täter auf der Spur“. Da „Das Goldstück“ nach den ersten zwei französischen Ratekrimis mit Neutze und Günther Stoll gedreht wurde, gebührt dem griesgrämigen Berghäuser-Bernard die Ehre, gleichzeitig als Leitermittler für die ARD und das ZDF fungiert zu haben. Natürlich kann man Neutze nicht am Gesicht ablesen, wie er sich darüber freute ...

Ein etwas lapidarer Fall in sommerlicher Atmosphäre, der sich durch einen Tempozugewinn gegenüber seinen Vorgängern und teilweise bis ins Amüsante überzogene Darstellerleistungen auszeichnet. 3,5 von 5 Goldstücken – kurzweilig, aber nicht Spitzenklasse.

Ray Offline



Beiträge: 1.531

29.12.2019 17:46
#233 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Folge 35: Das Goldstück


Generaldirektor Karsten hat seine gesamte Verwandtschaft eingeladen, um ihr genüsslich mitzuteilen, dass er ab sofort den Geldhahn zudrehe. Der Grund ist der für den soliden Geschäftsmann zweifelhafte Lebenswandel des Anhangs. In der darauffolgenden Nacht wird bei Karsten eingebrochen. Der Tresor wird leer geräumt und Karsten selbst niedergeschlagen. An Verdächtigen mangelt es Kommissar Berghäuser nach der Vorgeschichte nicht...

Mit „Das Goldstück“ kehrt „Das Kriminalmuseum“ zu einer Laufzeit von 60 Minuten zurück. Erzählt wird eine sehr klassische und ansprechende Geschichte, schließlich gibt es eine überschaubare Anzahl an Verdächtigen, die sich zu Anfang und gegen Ende der Episode im großzügigen Haus von Karsten versammeln. Der Zuschauer wird also herzlich zum Mitraten eingeladen. Leider bleiben die Verwandten abgesehen von Helmut Schmid ein wenig blass, hier hätten ein bis zwei bekanntere Gesichter bestimmt nicht geschadet. Die Auflösung ist für erfahrene Krimi-Zuschauer zudem relativ vorhersehbar. Dafür liefert Franz Schafheitlin in der Rolle des Generaldirektors eine bemerkenswert gute Leistung ab. Die Rollen der Ermittler sind mit Günther Neutze und Klaus Höhne ebenfalls treffend besetzt. Insgesamt also kein Highlight, aber allemal eine solide Episode.


Bei der Rückkehr zur klassischen Laufzeit von 60 Minuten müssen sich die Verantwortlichen leider den Vorwurf gefallen lassen, im Bereich der Figurenzeichnung etwas zu oberflächlich gearbeitet zu haben. Die klassische, aber interessante Grundkonstellation und die gut aufgelegten Schafheitlin und Neutze sorgen dennoch für gute Unterhaltung. 4 von 5 Punkten.

Jan Online




Beiträge: 1.513

30.12.2019 10:53
#234 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Darüber, dass die 60 Minuten viel besser zum "KM" passen als die Anderthalbstünder, dürfte Einigkeit bestehen. Mir waren die längeren Episoden fast ausnahmslos auch zu aufgepumpt. Zu bemerken ist, dass in weiterer Folge ab nun die Verkürzung der Laufzeit nicht die einzige Neuerung bleiben wird. Bei den noch ausstehenden vier echten KM-Episoden, die noch folgen, wird z.T. das gesamte Team ausgewechselt und die Serie zieht zunächst für zwei Einsätze nach Berlin, dann ein Mal nach Hamburg.

Zum "Goldstück":

Achtung, Spoiler!


"Das Goldstück" funktioniert meines Erachtens vor allem aus einem Grund gerade heute nicht mehr: Die Besetzung des ausgewählten Unternehmensnachfolgers mit Walter Kohut zwingt dem Zuschauer den Täter bereits von Anbeginn an geradezu auf. Das mag seinerzeit noch etwas anders gewesen sein, weil Kohut nicht die Bekanntheit hatte, die er heute als Paradeschurke genießt. Nach "In Frankfurt sind die Nächte heiß" und ähnlichen Produktionen vor 1968 dürfte er aber auch schon weiland bei vielen Zuschauern einschlägig bekannt gewesen sein. Die Auflösung mittels Helfershelfer (gewohnt schmierig: Wolfried Lier) ist zudem auch kein Ausbund an Kreativität. In Summe bleibt so tatsächlich nur eine mittelmäßige Folge übrig, die im Wesentlichen von ihrer flotten Inszenierung und deftigen Figurenzeichnung lebt.


Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

01.01.2020 11:40
#235 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Zum Jahresbeginn hier ein sehr gelungener Ausflug ins „Kriminalmuseum“. Ich wette, dass das Jahr 2020 nicht alt werden wird, bevor wir mit der Serie durch sind – es macht wirklich Spaß, sie wiederzuentdecken.



Das Kriminalmuseum: Die Reifenspur

Episode 36 der TV-Kriminalserie, BRD 1968. Regie: Rudolf Jugert. Drehbuch: Inge Dorsky, Hans Maeter. Mit: Horst Tappert (Friedrich Groth), Gisela Uhlen (Elisabeth Bernardi), Margit Saad (Anna Groth), Christian Rode (Kriminalkommissar Wolters), Krikor Melikyan (Kriminalmeister Fiedler), Jürgen Draeger (Peter Roland), Paul Edwin Roth (Georg Frick), Frank Nossack (Felix Horn), Marianne Pohlenz (Frau Horn), Erich Fiedler (Konsul Hannes Riemer) u.a. Erstsendung: 2. Februar 1968. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (36): Die Reifenspur
Ihrem gesamten Umfeld ist die sture, herausfordernde Art von Anna Groth ein Dorn im Auge: Während ihr Mann, ein Modeschöpfer, mit edlen Stoffen und modernen Schnitten seine Kundinnen umschmeichelt und sich zudem auf Frau Bernardi als seine rechte Hand verlässt, bricht Anna zu jeder sich bietenden Gelegenheit einen Streit vom Zaun. An einem Abend scheint sie jemanden so gereizt zu haben, dass derjenige sie kurzerhand überfährt. Die Reifenspuren am Tatort geben der Polizei nicht nur Aufschluss darüber, dass der Täter in vorsätzlicher Mordabsicht handelte, sondern schränken zudem den Verdächtigenkreis auf wenige Angehörige und den Sohn einer Feinkosthändlerin ein ...


Dass Modeateliers einen angemessenen Raum für zu Morden führende Eifersüchteleien bieten, hat der geneigte Zuschauer schon 1964 in Mario Bavas Proto-Giallo „Blutige Seide“ miterleben dürfen. In Rudolf Jugerts Anlauf an dieses Thema im Rahmen der „Kriminalmuseum“-Reihe geht es freilich etwas gesitteter zu, aber gerade dieser Hauch vornehmer Zurückhaltung macht „Die Reifenspur“ zu einem sehr angenehmen Fall, der gut gealtert ist und den man sich immer wieder anschauen kann. Gemeinsam mit dem eher bodenständigen Kommissar Wolters und seinem frechen, berlinernden Assistenten Fiedler taucht man in eine schöne Scheinwelt der Konventionen und Angeberei ein, in der das von Anna Groth an den Tag gelegte Fehlverhalten kurzerhand mit dem Tode bestraft wird, um eine angemessene Ordnung wiederherzustellen. Entsprechend findet man auf Seite der Verdächtigen einige namhafte Stars, während die Polizisten mit zurückhaltenden, aber fein abwägenden Nobodies – Christian Rode und Krikor Melikyan – besetzt sind.

Horst Tappert überbrückt als Modedesigner Friedrich Groth die Durststrecke zwischen seinen eleganten Rollen in „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ und „Derrick“. Während er bei Edgar Wallace als Raufbold oder lakonischer Zupack-Kommissar besetzt wurde, darf er hier stilbewusst, aber eiskalt auftreten – eine Kombination, die den Verdacht rasch auf ihn lenkt. Die Polizisten hängen den gleichen Gedanken nach und folglich den Mantel von Anna Groth während der Befragung ihres Mannes gut sichtbar in ihrem Büro auf, obwohl (oder gerade weil) dieser eine verräterische schwarze Reifenspur quer übers linke Schulterblatt trägt. In der Reaktion auf diese gezielte Provokation ist Tapperts Spiel ebenso stark wie bei der Beerdigung seiner Gattin, welche Rudolf Jugert in schöne Bilder auf dem Berliner Waldfriedhof Dahlem kleidete. Dort findet der geneigte Filmfan nicht nur die Szenerie dieser „KM“-Folge weitgehend unverändert vor, sondern kann mittlerweile auch die Gräber so renommierter Filmleute wie Karl Anton, Blandine Ebinger, Hans Epskamp, Curth Flatow, O.E. Hasse, Klaus Höhne, Harald Juhnke, Hilde Körber, Wolfgang Lukschy, Wolfgang Schleif oder Camilla Spira besuchen – ein Ausflug lohnt sich.

Eine weitere Größe des alten deutschen Kinos, Gisela Uhlen, brilliert als Geheimnisträgerin Elisabeth Bernardi, die ganz unter Friedrich Groths Einfluss steht. Aber auch gern gesehene Fernsehgesichter wie Jürgen Draeger oder Paul Edwin Roth dürfen kurze Auftritte absolvieren, was ihnen im Zusammenspiel mit der fordernden Margit Saad gut gelingt. Für eine weitere Täteroption im Stil von „Die Ansichtskarte“ sorgten Dorsky und Maeter mit dem sich in Falschaussagen verstrickenden Feinkosthändlersohn. Es ist also auch um den Mitratefaktor gut bestellt; ebenso wie um den Erzählfluss der Folge, die ähnlich wie „Das Goldstück“ stark von der Kürzung auf alte „KM“-Laufzeiten profitiert. Ob die Ermittler am Ende etwas Ernsthaftes gegen den Täter in der Hand haben, sei dahingestellt: Bei einer weniger kooperativen Mörderfigur würden sie vermutlich auf Granit beißen. Aber selbst in dieser Hinsicht gibt sich „Die Reifenspur“ sehr gentleman-like.

Ein allseits verhasstes Opfer, eine im Rahmen der Serie lange nicht mehr zum Einsatz gekommene Mordmethode und ein spannender Ermittlungsteil mit guten Leistungen der Beamten und Verdächtigen – „Die Reifenspur“ lässt wenige Wünsche offen. Rudolf Jugert mischt den hochwertigen Stil seiner alten Dramen mit einem Gespür für solide, moderne Krimiunterhaltung und es ist direkt schade, dass er nur einmal auf dem Regiestuhl fürs „Kriminalmuseum“ saß. 4,5 von 5 Reifenspuren.

Jan Online




Beiträge: 1.513

03.01.2020 13:20
#236 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Zur "Reifenspur" mal wieder ein bisschen nutzlose Trivia: Die Crew dieser Episode besteht - wie auch bei der darauffolgenden "Postanweisung" - aus einigen für Ringelmann untypischen Personen. Anstatt des bisherigen Produktionsleiters Jörg Zorer betreute die beiden Berliner Episoden Hajo Wieland ("Ein Fall für Titus Bunge"). Als Kameramann verpflichtete man weder Rolf Kästel noch Manfred Ensinger noch Heinz Hölscher, sondern den in der Filmbranche jener Jahre durchaus skurrilen Benno Bellenbaum - bürgerlich: Wolfgang Benno Bellenbaum -, der in Berlin arbeitete und lebte. Einigen dürfte Bellenbaum eher unter dem Namen Hans-Joachim Wiedermann oder auch Jochen Wiedermann bekannt sein. Eben jener Wiedermann hatte als Regisseur zuvor bereits durchaus ambitionierte Kinoproduktionen inszeniert; am bekanntesten vermutlich "Wir Kellerkinder" von und mit Wolfgang Neuss aus dem Jahr 1960. Auch die gelungene TV-Kleinserie "Kleinstadtbahnhof" mit Gustav Knuth geht Mitte der 1970er Jahre noch auf Bellenbaums Regie-Konto. Daneben schuf er (mal als Produzent, mal als Kameramann, mal als Regisseur, mal auch als alles in einem) so gloriose Werke wie "Die goldene Banane von Bad Porno" oder den "Bademeister-Report". Nachdem schon in den 1960er Jahren zunächst die Regieaufträge erheblich weniger wurden, Bellenbaum zwangsläufig wieder nur als Kameramann arbeiten musste und mit dem Niedergang der Sexfilmwelle ab den 1980er schließlich gar keine Jobs mehr kamen, ging er zusammen mit seiner Ehefrau, der 1980 zur Miss World gekürten Gabriella Brum, in die USA nach Los Angeles. Dort erschoss sich Bellenbaum am 13.06.1984 in seiner Wohnung. In den USA sind keinerlei filmische Aktivitäten von ihm bekannt.

Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

03.01.2020 23:06
#237 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Vielen Dank für diese spannenden Querverbindungen. Dass das übliche Ringelmann-Team hier ein paar Mal tüchtig aufgemischt wurde, tut dem späten "Kriminalmuseum" sehr gut. Die Folgen 36-39 wirken hochwertig und frisch und polieren den Eindruck der letzten Serienphase nochmal gehörig auf.

Ray Offline



Beiträge: 1.531

04.01.2020 13:00
#238 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #235
Zum Jahresbeginn hier ein sehr gelungener Ausflug ins „Kriminalmuseum“. Ich wette, dass das Jahr 2020 nicht alt werden wird, bevor wir mit der Serie durch sind – es macht wirklich Spaß, sie wiederzuentdecken.


Ich hatte "Die Reiefenspur" irgendwie noch stärker in Erinnerung. Trotzdem hat sie mir natürlich gut gefallen. Der Wette würde ich mich annschließen. Zwischenzeitlich hatte ich sogar gedacht, wir würden noch in 2019 fertig werden, waren dann aber ja auch noch gut mit anderen Sichtungen/Besprechungen beschäftigt.


Folge 36: Die Reifenspur


Frau Groth, betrunken und aufgewühlt, wird vor dem Grundstück eines Freundes überfahren, während sie auf jemanden wartet, der sie abholen soll. Was es auf den ersten Blick wie bloße fahrlässige Tötung und Unfallflucht aussieht, entpuppt sich rasch als Mordfall...

„Die Reifenspur“ beginnt ausgesprochen interessant. In der Ehe des in der Modebranche tätigen Herrn Groth, herrlich unsympathisch gespielt von Horst Tappert, kriselt es: Seine Frau (ausdrucksstark: Margit Saad) kann mit dem Leben in der „High Society“ wenig anfangen und fühlt sich von ihrem Mann allein gelassen. Sie unterhält daher Liebschaften, ohne damit sich oder ihre Geliebten wirklich glücklich zu machen. Als sie verstirbt, mangelt es daher nicht an Verdächtigen. Ihr Ehemann will sie möglicherweise „aus dem Weg räumen“, um in Ruhe den Geschäften und/oder sich der loyalen Mitarbeiterin Elisabeth (Gisela Uhlen) zuzuwenden. Diese hat entsprechende Motive. Aber auch Frau Groths Liebhaber, allen voran der launische Peter Roland (Jürgen Draeger) hätten einen Grund gehabt, sie zu töten. Als Zuschauer stellt man sich daher auf einen klassischen Krimi in der oberen Gesellschaft ein und wird dabei nicht enttäuscht. Den Part des Ermittlers übernimmt bei der Mördersuche Christian Rode, den man eher aus dem Synchronfach kennt. Er macht seine Sache nicht zuletzt wegen seiner enormes Charisma versprühenden Stimme sehr ordentlich. Allerdings wird der Umstand, dass mit Margit Saads Part die zweitinteressanteste Figur das Mordopfer ist und die interessanteste Figur, nämlich jene von Horst Tappert – sicher auch aus dramaturgischen Gründen – etwas stiefmütterlich behandelt wird, zunehmend zum Problem. Gerade im Mittelteil hängt die Spannung daher etwas durch. Die Auflösung hält zwar nochmal einen netten Twist bereit, kommt aber nicht sonderlich überraschend. In der Gesamtbetrachtung bleibt dementsprechend eine Episode, die nach vielversprechendem Start ihr enormes Potential nicht ganz ausschöpft.


„Die Reifenspur“ beginnt dank der charismatischen Margit Saad und dem gut aufgelegten Horst Tappert verheißungsvoll. Da Saad schnell verstirbt und Tappert zur Nebenfigur wird, kann das hohe Niveau jedoch nicht ganz gehalten werden. Der Rest ist Durchschnitt. 4 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

05.01.2020 12:16
#239 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #238
Ich hatte "Die Reiefenspur" irgendwie noch stärker in Erinnerung.

Bei mir war es umgekehrt; ich habe im Vergleich zu meiner Erstsichtung noch einmal 0,5 Punkte obendraufgelegt. Was das obere Mittelfeld angeht, sind wir uns also auf jeden Fall einig und dann wohl auch darüber, dass man je nach Tagesverfassung sogar Tendenzen zur Spitzengruppe erkennen kann.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

08.01.2020 20:30
#240 RE: Bewertet: „Das Kriminalmuseum“ / „Das Kriminalmuseum erzählt“ (1963-70) Zitat · Antworten



Das Kriminalmuseum: Die Postanweisung

Episode 37 der TV-Kriminalserie, BRD 1968. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Anne-Rose Katz, Fritz Böttger. Mit: Günter Pfitzmann (Kriminalkommissar Marquardt), Karl-Heinz Hess (Kriminalobermeister Lohmeier), Peter Thom (Horst Seewald), Käthe Braun (Anna Seewald), Olga von Togni (Frau Langenfeldt), Ulli Lommel (Jochen Benning), Karin Schröder (Christiane Mörsbach), Dagmar Heller (Moni von Wiese), Reinhard Kolldehoff (Peter Kronacher), Kurt Schmidtchen (Maler Blümlein) u.a. Erstsendung: 5. April 1968. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Das Kriminalmuseum (37): Die Postanweisung
Als sie den Keller im Haus ihrer Freundin Anna Seewald betritt, erhält Frau Langenfeldt den Schock ihres Lebens: Ein ausgeraubter Postbote liegt dort erschlagen am Boden. Sie informiert sofort die Polizei, die daraufhin mehr als genug verdächtige Personen im Hause Seewald ausmacht: Die Besitzerin ist im Afrika-Urlaub, ihr Sohn jedoch ein äußerst zweifelhafter Geschäftsmann, der das Geld des Boten gut hätte gebrauchen können. Zwei Maler verstricken sich ebenfalls in Widersprüche und zwei Studenten, die ein Zimmer im oberen Stockwerk bewohnten, sind kurz vor dem Überfall ausgezogen. Ist einer dieser Leute der Mörder?


Zum zweiten Mal in Folge findet sich der „Kriminalmuseum“-Zuschauer in Berlin wieder, wo das Lokalkolorit insbesondere von Kurt Schmidtchen als Maler und Günter Pfitzmann als Polizist sowie von der typisch Grunewald’schen Straße vor dem Mordhaus Seewald bestritten wird. Insbesondere durch „Pfitze“, wie die Hauptstädter ihren „Doktor Brockmann“ nennen, gewinnt die Folge enorm, denn Ashley versteht es, neben der stringenten Verfolgung des Mordfalles auch das Ortstypische in süffisanter Form auszukosten. Das erinnert an manche urbayerische Episode mit Walter Sedlmayr zu Beginn der Reihe und strebt nun unter umgekehrten Umzeichen einem humorvollen Höhepunkt entgegen, als Kommissar Marquardt den Restaurantbetreiber Kronacher verhört (bzw. verhöhnt). Kronach ist nur eine Nebenfigur, aber Darsteller und Regisseur legen sich in dieser Szene mächtig ins Zeug, den unsoliden Gastronom durch den Kakao zu ziehen. Auch Pfitzmanns Zusammenspiel mit dem etwas vorbildlicheren Karl-Heinz Hess ist sehr ersprießlich; insgesamt hat man es mit einem der identitätsstiftendsten Polizeiduos beim „KM“ seit langer Zeit zu tun.

„Die Postanweisung“ bleibt auch bei der Verfolgung des Raubmörders immer auf Trab, wenngleich man sich manchmal – vor allem am Tatort in der Waschküche – eine etwas unheimlichere Inszenierung gewünscht hätte. Das hätte die Folge vielleicht auf ein ähnliches Niveau gehoben wie Ashleys Anfangsbeitrag „Die Nadel“, an die man kurz denkt, wenn Olga von Togni vor der Seewald-Villa auf Narziss Sokatscheff trifft. Besonders von Togni demonstriert hier ihre Wandlungsfähigkeit, denn während sie oft als böse Hexe besetzt wurde, schlägt sie hier ausnehmend sympathische Töne an, wenngleich man merkt, dass sie die Hosen anhat, solange Anna Seewald im Urlaub ist. Die Männerrollen sind entsprechend schmalbrüstig besetzt – dennoch geht die Rechnung gut auf, da Ulli Lommel und vor allem Peter Thom gut zu den jeweils recht wankelmütigen Charakteren passen. Man merkt an Lommels Rolle zudem, dass „Die Postanweisung“ unterschwellige konservative Spitzen gegen die anno 1968 aufbegehrende Studentenwelt austeilt.

Die Auflösung des Falles erfolgt ein bisschen zu zeitig; doch auch die letzten Minuten halten das Interesse noch aufrecht, weil man mit Pfitzmann darum bangt, ob es tatsächlich gelingt, dem Verantwortlichen einen stichhaltigen Beweis unterzuschieben bzw. ihm ein Geständnis zu entlocken. Anne-Rose Katz und Fritz Böttger präsentieren diesbezüglich eine simple, aber verblüffende Lösung, die für den Zuschauer ebenso überraschend kommt wie für den Delinquenten. Verbesserungsbedarf gibt es bei dieser Folge demnach nur bei wenigen Komponenten; was man geboten bekommt, ist bis auf einige offenkundige Studiobauten hochwertig, wenn auch etwas actionarm und dialoglastig.

„Die Postanweisung“ ähnelt in ihrer Machart der „Reifenspur“ relativ deutlich: solide Fälle, aufgewertet durch bärenstarke Schauspieler und edle Milieus. Ashley inszeniert stellenweise sehr inspiriert, einfühlsam und amüsant, aber nicht unbedingt immer am Maximum des Spannungsbogens. 4 von 5 Postanweisungen.

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