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Dieses Thema hat 65 Antworten
und wurde 4.225 mal aufgerufen
 Kurzgeschichten-Wettbewerb
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5
INA Offline



Beiträge: 24

27.02.2010 19:00
#46 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Hallo, ich melde mich mit meinen Bewertungen zu Wort.

DAS RÄTSEL DES SCHWARZEN BRIEFES: teilweise sehr poetisch, wenig logisch -->> 2 Punkte

ALBTRAUM OHNE ERWACHEN: wie aus dem Nichts tauchen plötzlich irgendwelche Verwandte auf, die dann gleich darauf wieder als Leichen hinterm Gebüsch liegen, diese Familie hätte man gleich am Anfang richtig vorstellen sollen, so bleibt alles sehr verworren -->> 2 Punkte

DIE LETZTE WETTE: gut, logisch, flüssig geschrieben -->> 4 Punkte

3 LEICHEN FÜR PAUL GREY: gute Geschichte, flüssig geschrieben, am Ende etwas verwirrende Dialoge, wer hat nun wen umgebracht??? Die Rechtschreibfehler halten sich diesmal in Grenzen -->> 3 Punkte

SCHNEE IN KAMBODSCHA: guter Erzählstil, eigenwillige Kommasetzung, die Auflösung mit den "Asiaten" zu konstruiert -->> 2 Punkte

DER FLÜSTERER: gute Geschichte, toller Schreibstil, spannend bis zum überraschenden Ende -->> 5 Punkte

GEFÄHRLICHES DUNKEL: gut und flüssig geschrieben, manchmal bleibt die Logik auf der Strecke -->> 4 Punkte

Ina

Billyboy03 Offline




Beiträge: 687

28.02.2010 11:33
#47 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Achtung, alle meine Wertungen können SPOILER enthalten!

Hier meine sechste Wertung.

Die letzte Wette von Count Villain

Vorbemerkung: "Die letzte Wette" gehört wie "Gefährliches Dunkel" zu den stärktsten Beiträgen dieses Jahrgangs. Ein klassisches Wallace-Setting mit der Verlängerung einer aus Roman und Film gut vertrauten Handlung, ein geschickt konstruierter Mord, typische Figuren und eine mehrschichtige Auflösung bieten eine solide Grundlage für eine spannende Kriminalgeschichte.

Titel: paßt prima zur Geschichte und hätte auch von Wallace stammen können. 5 Punkte.

Story: die Handlung ist vielschichtig und bietet eine Reihe von möglichen Lösungsansätzen. Ein leitender Bankangestellter, der erpreßt wird und von Gewissensbissen geplagt ist, springt scheinbar aus dem Fenster seines Büros. Sein Chef, der ehemalige Inspektor Arnold "Wetter" Long, hat den Eindruck, daß mit dem Tod des Mannes etwas nicht stimmt. Er deckt ein altes Verbrechen auf und eine unglückliche Liebe. Eine Ansammlung wallace-typischer Motive werden vom Autor geschickt miteinander verwoben. Der Mord selber ist sehr geschickt geplant und in Szene gesetzt, man ahnt als gewiefter Leser aber, daß es eine Mechanik geben könnte, die die Alibis der Verdächtigen zunichte machen könnte. 5 Punkte.

Lesevergnügen, Rechtschreibung etc: der Schreibstil Counts ist flüssig und ausdrucksstark. Nur wenige Flüchtigkeitsfehler und einige vergessenen Satzzeichen, meist Kommata, stören beim Lesen. Der Ausdruck ist in einigen wenigen Fällen noch etwas verbesserungswürdig, hier zwei Beispiele:

"Und seit dem Tod des alten Herrn, der vor neun Jahren bei einem Luftangriff der Deutschen ums Leben gekommen war als eine Bombe in das Hauptgebäude des Finanzinstituts eingeschlagen und dort detoniert war, war er zu einer wichtigen Stütze von Sir Arnold geworden." und

"Etwas, von das Hubbard durch seinen Tod gehindert wurde." 4 Punkte.

Charaktere: überwiegend sehr gut getroffene Personenbeschreibungen, die Figuren agieren glaubwürdig und reden meist auch so, wie es angemessen erscheint. Einzig der Hausmeister Dobbs ist mir zu nah auf "Du und Du" mit den höhergestellten Personen der Handlung:

"»Yeah«, stimmte auch Dobbs zu. »Sie sollten vielleicht überlegen doch wieder in den Polizeidienst zu wechseln." So redet man nicht mit einem adligen Bankpräsidenten...

Die verborgenen Gefühle von Florence Bryant werden gekonnt in der Schwebe gehalten, als Leser spürt man bereits zu Beginn der Geschichte, daß diese für Hubbard wohl mehr empfindet (ein wenig erinnert die Figur an Milly Trent aus dem "Zinker"). Auch Dr. Bryant, Hubbard und Malony sind gut getroffen, Sir Arnold als ehemaliger Polizist und jetziger Bankchef sowieso. 4 Punkte.

Wallace-Faktor: sehr hoch, aber das ist mittels des kleinen "Tricks" nicht schwer, eine bekannte Geschichte aus Film und Roman zu verlängern. Dabei stellt sich fast unweigerlich ein starkes Widererkennungsgefühl ein (habe ich ja mit Elk und Sir John ähnlich angewandt ;-)) 5 Punkte.

Gesamtwertung: 5 Punkte.

Einschätzung: "Die letzte Wette" ist mehr als eine solide Geschichte, sie bietet einen clever konstruierten Mord, der in eine mehrschichtige typische Wallace-Handlung eingebettet ist und logisch aufgelöst wird. Leichte Schwächen in den Formulierungen können sicher noch ausgebügelt werden. Eine Steigerung gegenüber der Vorjahresgeschichte stellt diese in jedem Fall dar.! Bravo Count Villain.

BillyBoy03

"Wer die Bundesrepublik Deutschland mit einer Bananenrepublik vergleicht, tut den lateinamerikanischen Staaten arg unrecht!" TW

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

28.02.2010 14:02
#48 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Bewertet "Schnee über/in Kambodscha" von Danny Fergusson

Titelgebung: Der Titel läßt unvermittelt an Ernest Hemingway ("Schnee am Kilimandscharo") denken und ist zudem zweideutig: Einmal "über", einmal "in". Nachdem man die Geschichte gelesen hat, weiß man natürlich, was gemeint ist. Dennoch: 2 Punkte

Kriminalfall: Danny zeigt Phantasie und löst sich von den klassischen Vorbildern, was vor allem in der Wahl ihres Ermittlerduos deutlich wird. Die Geschichte hat viele gute Ansätze, krankt jedoch am Versuch, Edgar Wallace nachahmen zu wollen. Die Schwäche liegt vor allem dort, wo die Handlung das englische Dorf verläßt und in die Vergangenheit schweift bzw. exotisches Blut ins Spiel bringt. Es wäre besser gewesen, alle Auslandsbezüge zu streichen und einen klassischen englischen Mordfall zu Papier zu bringen. Die Stärke der Autorin liegt auf dem Gebiet des überschaubaren Whodunit. Es müssen nicht immer Drogen und Schatten aus der Vergangenheit Erwähnung finden, verdächtige Personen finden sich auch unter "Verwandten oder anderen Feinden" . Danny, feile das Thema des Dorfkriminalstückes weiter aus, konzentriere Dich auf schrullige Polizeibeamte und besinne Dich auf Deine Beobachtungsgabe. Und lass Dich nicht entmutigen! - 2 Punkte (mal zwei) Inhalt zählt doppelt

Charaktere/Authentizität/Namensgebung: Es ist der Schreiberin hoch anzurechnen, dass sie nicht den einfachen Weg gewählt hat und Heinz Drache oder Blacky Fuchsberger zu neuem Leben erweckt hat. Ihr Inspektor "Erzengel Gabriel" erinnert an den unscheinbaren Harry Meyen, was wohl beabsichtigt war ("Die Gruft mit dem Rätselschloss"). Er und sein Assistent werden vorzüglich beschrieben, während die eigentlichen Mörder blass und anonym bleiben, was wiederum an die namenlosen Verbrecher im Umfeld von Fing-Su ("Fluch der gelben Schlange") erinnert. Die Autorin zeigt einen großen Einfallsreichtum, was die Suche nach originellen Namen anbelangt, leider ist sie dabei nicht immer erfolgreich: "Schmith" ist weder deutsch noch englisch, "Malvin Daut" und "Ophelia Houert" klingen sehr ungewöhnlich.
"The Guardian" wird von denjenigen gelesen, die das Land verändern möchten. (Aussage des britischen Journalisten Ryan Chandler) Der Sonderberichterstatter Joss soll den Leser wieder versöhnen. - 2 Punkte

Lesefluss/angemessener Sprachstil/Formulierung: Ich habe ungefähr achtzig Fehler und über fünfzig falsche Beistrichsetzungen gezählt. Das Wort "sie" wird ständig falsch gebraucht; einmal als Mehrzahl von Personen, einmal als Höflichkeitsform in der Anrede. Leider verwendet Danny oft die Umgangssprache bzw. Ausdrücke und Formulierungen, die in einer EW-Geschichte nichts zu suchen haben, z.B. ".....der Tod des eigenen Chefs einen mitnahm - OK, aber so?", "auf Droge waren", "einzubestellen", "eine neue Krone gemacht", "fit" etc. - 1 Punkt

Stringenz/Eloquenz/dramatische Wichtigkeit: Ein Schnitzer unterläuft selbst dem Inspektor: Nachdem er erläutert hat, dass der ermordete Mr. Schmith sein Vermögen durch den Handel mit Rauschgift und den Schmuggel mit Kunstgegenständen erworben hat, was ihn zu einem reichen Mann werden ließ, sagt er: "Was....den Erben nur recht sein kann." Diese Aussage ist falsch. Handelt es sich bei dem Kapital um unrechtmäßig erworbenes Geld, wird das Vermögen beschlagnahmt.
Die Hintermänner des Verbrechens treten erst am Schluss hervor. Selbst die Verlobte des Neffen erhält mehr Aufmerksamkeit. Hier zeigt sich, dass Danny die Methode Agatha Christie's anwenden wollte (der Hinweis auf Poirot ist eindeutig). Durch Ablenkung und falsche Fährten soll die Auflösung verzögert werden. Der Überfall auf Mrs. Sing-May ist sehr dramatisch, weshalb es mich wundert, dass die schwere Brustverletzung so schnell auskuriert werden kann. - 2 Punkte

Wallace-Faktor: Die asiatische Gefahr erinnert an "Der Fluch der gelben Schlange". Schade, dass die Autorin die Handlung nicht als Agatha-Christie-Pastiche konzipiert hat. Der vielversprechende Anfang und das stimmungsvolle Ende passen in die Welt der Dorfromane einer Miss Read. Beschauliche Gemütlichkeit, vermengt mit Melancholie. - 2 Punkte

Höchstpunktezahl: 35
"Schnee über Kambodscha: 13 von 35 Punkten = 1,85 = 2 Punkte

Billyboy03 Offline




Beiträge: 687

28.02.2010 15:59
#49 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Meine letzte Wertung

Es ist immer schwer, sich selber zu bewerten. Ich mache es mir deshalb leicht: da ich nach dem Lesen und Bewerten aller anderen eingereichten Geschichten mit meinem Beitrag immer noch sehr zufrieden bin, gebe ich mir selber 5 Punkte.
Die Erläuterungen pro und contra überlasse ich dabei meinen Mitstreitern in der Sache, die das sicher besser einschätzen oder benennen können. Und natürlich kann die anschließende Diskussion zu den einzelnen Geschichten ja gerade dazu genutzt werden, das eine oder andere Detail zu präzisieren oder etwas Unklares zu erläutern.

BillyBoy03

"Wer die Bundesrepublik Deutschland mit einer Bananenrepublik vergleicht, tut den lateinamerikanischen Staaten arg unrecht!" TW

horatio Offline




Beiträge: 577

01.03.2010 19:56
#50 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Meine letzte Wertung

GEFÄHRLICHES DUNKEL VON MR.WOOLER

Schöne Geschichte,flüssig geschrieben
logisch durchdacht,
hat mich ein bißchen an DER HENKER VON LONDON erinnert

5/5punkten

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Danny Fergusson Offline




Beiträge: 24

03.03.2010 16:26
#51 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Hallo hatte bis jetzt leider ziemlich viel zutun deshalb meine Bewertung erst jetzt und kurz gefasst.

Das Rätsel des schwarzen Briefs (Sir Oliver) 2 Punkte

Die letzte Wette (Count Villain) 3 Punkte

Drei Leichen für Paul Grey (Kaeuflin) 4 Punkte

Der Flüsterer (Billyboy03) 5 Punkte

Albtraum ohne Erwachen (Melodie des Todes) 3 Punkte

Gefährliches Dunkel (Mr.Wooler) 3 Punkte

Schnee über Kambodscha (Danny Ferusson) 3 Punkte

Lieben Gruß

Danny





Here Comes The Young, The New Generation

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

07.03.2010 18:59
#52 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

BEWERTET: "Gefährliches Dunkel" von Marc Freund

Titelgebung: Der Titel weist auf bedrohliche Umstände hin, mit denen sich die handelnden Personen konfrontiert sehen. - 5 Punkte

Kriminalfall: Der Autor weiß, was seine Leser erwarten: Spannung, Romantik und Geheimnisse. All dies findet man in seiner Geschichte, wobei bewährte Muster aufgegriffen werden. - 5 Punkte mal zwei (Inhalt zählt doppelt)

Charaktere/Authentizität/Namensgebung: In Mabel Bloom erkennt man einmal mehr die bezaubernde junge Karin Dor wieder (Regenmantel und Kopftuch trug sie bei einer nächtlichen Taxifahrt in "Die weiße Spinne"). Der Fahrer Bobby und seine zupackende Freundin Charlot(te!) bilden ein gemischtes Ermittlerduo, das sympathisch und der Situation angemessen reagiert. Aus reiner Neugier und einem aufkeimenden Beschützerinstinkt folgend, begibt sich der Taxifahrer freiwillig in Gefahr - frei nach Blacky Fuchsberger: "Wenn Sie in Gefahr sind, werde ich überallhin kommen." Die Gangster sind nach dem Vorbild der Kapuzenmänner aus "Der Henker von London" modelliert und genießen dadurch einen unheimlich-berechnenden Ruf. - 5 Punkte

Lesefluss/angemessener Sprachstil/Formulierung: Mit circa fünf allgemeinen Fehlern und knapp zehn Irrtümern in Bezug auf die Beistrichsetzung, wobei mich wundert, dass es auch in dieser Geschichte Unklarheiten über den Gebrauch von "Sie" oder "sie" gibt, gibt es wenig zu beanstanden und der Lesefluss erreicht das Publikum ungehindert. An einer Stelle heißt es "herausgeworfen", wo "hinausgeworfen" richtig wäre. Der Text ist in angenehme Portionen unterteilt und lebt von seiner anschaulichen Schilderung der Handlungsorte. - 5 Punkte

Stringenz/Eloquenz/dramatische Wichtigkeit: Fast könnte man annehmen, der Verbrecher hätte auf eine besonders originelle Ausführung seiner Tat Wert gelegt. Er inszeniert seinen Auftritt mit Pomp und Mystik, wo doch eine anonyme Drohung die gleiche Wirkung gehabt hätte. Offenbar ein extrovertierter, sehr von sich eingenommener Gangster. Die Wahl des geheimen Treffpunkts und die angekündigte Sprengung des Gebäudes erhöhen natürlich die Spannung und sorgen für das gewisse Flair. - 4 Punkte

Wallace-Faktor: Die Erzählung knüpft an die Erwartungen des Filmpublikums an und schafft eine Atmosphäre ständiger Ungewissheit und Bedrohung. - 5 Punkte

Höchstpunktezahl: 35
"Gefährliches Dunkel": 34 von 35 Punkten = knapp 5 Punkte

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

07.03.2010 19:16
#53 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

BEWERTET: "Albtraum ohne Erwachen" von Melodie des Todes

Titelgebung: Ein Titel, der Unheil und Schatten aus der Vergangenheit heraufbeschwört. - 5 Punkte

Kriminalfall: Wer der Schuldige ist, ist dem Kenner der Margaret-Rutherford-Verfilmung "16 Uhr 50 ab Paddington" bald klar. Schüsse im nächtlichen Park, Vergiftung durch ein über einen längeren Zeitraum verabreichtes Gift (Wer hätte dazu besser Gelegenheit, als der Hausarzt?) und eine Familie, die untereinander verstritten ist. Seltsamerweise sympathisiere ich jedoch mit dem jungen Dr. Mortimer, der mir viel besser zu Mary Jane zu passen scheint, als der reiche Brian Sharingham. Sehr geschickt versteht es der Autor, immer wieder auf den Tod der kleinen Elisabeth im Seerosenteich hinzuweisen. Der Leser wird so im Glauben gelassen, dass mehr dahintersteckt. - 4 Punkte mal zwei (Inhalt zählt doppelt)

Charaktere/Authentizität/Namensgebung: Die Namen der handelnden Personen sind korrekt, bis auf eine Ausnahme: Inspektor Krieger. Im letzten Teil der Geschichte tauchen laufend weitere Familienmitglieder auf, was für Verwirrung sorgt. Zu Beginn wird eine überschaubare Anzahl an "Sharinghams" angeführt, doch gegen Ende schießen sie wie die Pilze aus dem Boden - vermutlich, um für weitere Verdächtige zu sorgen oder dem Mörder neue Opfer zu präsentieren. Die Welt von Edgar Wallace wird von unschuldigen Sekretärinnen, gierigen Erben und distinguierten Anwälten/Ärzten bevölkert. Der Autor nimmt sich diese zum Vorbild. Seine Figuren können nicht sofort den Schauspielern aus der "Rialto"-Serie zugeordnet werden, was in diesem Fall gut ist und der Geschichte Zeitlosigkeit verleiht. Es gibt keinen Rahmen, in dem sich die Personen bewegen. Die Handlung spielt zwar im Jahr 1922, der Hinweis auf dieses -übrigens schon wieder numerische Datum!- ist jedoch völlig irrelevant. - 4 Punkte

Lesefluss/angemessener Sprachstil/Formulierung: Ich zähle in der Geschichte über neunzig Fehler, dazu kommen noch ungefähr fünfunddreißig fehlende Beistriche. Der wohl am häufigsten auftretende Fehler ist dabei die falsche Verwendung von "Sie" und "sie", der Name "Sharingham" wird einmal mit und einmal ohne "g" geschrieben, die Vergangenheitsform von "sein" -war- schreibt man ohne "h", Zahlen werden besser nicht numerisch angeführt und statt "nebenher" sollte besser "nebenbei" verwendet werden. Die Vermengung von wörtlicher Rede und den Gedankengängen der Figuren geschieht nicht immer sehr glücklich, z.B. "Komisch, dachte sie, normal ist doch um diese Zeit außer mir noch niemand unterwegs." Einige Formulierungen klingen etwas gestelzt: ".....die Herbstsonne erwärmte die Atmosphäre auf eine angenehme Temperatur." Die Geschichte beginnt gut, doch ab dem dritten Kapitel häufen sich die Fehler. Hier wäre es angebracht gewesen, den Text noch einmal in aller Ruhe durchzulesen. - 3 Punkte

Stringenz/Eloquenz/dramatische Wichtigkeit: Einige kleine Schnitzer fallen auf: Der Inspektor zeigt bei seinem ersten Besuch bei Mary Jane nicht sofort seine Dienstmarke oder seinen Dienstausweis, sondern stellt sich nur mit seinem Nachnamen vor. Wie könnte Mary Jane einen fremden Mann in die Wohnung lassen, um ihr Fragen zu stellen? Die Einleitung ist sehr hübsch und malt eine bedrohliche Atmosphäre an die Wand. Der Leser erfährt in wenigen Sätzen, wie es Mary Jane erging und kann sich aufgrund seiner Lese-Erfahrung vorstellen, was nun auf die mittlerweile erwachsene Frau zukommt. Die Ereignisse überschlagen sich jedoch im vorletzten Kapitel und auch die Frage der anonymen Briefe wird nicht vollständig geklärt. Welcher Bote überbrachte den ersten Umschlag? Würde die verwirrte Schreiberin ihn nicht mit der Post verschickt haben? Allgemein läßt sich sagen, dass alle Personen den ihnen zustehenden Spielraum erhalten, wobei die Wendung im letzten Akt ein wenig überrascht. Ach, wie leicht lassen sich Mädchenherzen doch entflammen! Diesen Dreh verwenden jedoch viele Schreiber, vor allem Drehbuchautoren. Ist der eine Mann aus dem Rennen, so wartet bereits ein Ersatz (siehe z.B. "Der Henker von London"). - 4 Punkte

Wallace-Faktor: Die Geschichte könnte auch aus der Feder einer Agatha Christie stammen, wobei die weibliche Hauptfigur -die übrigens im Gegensatz zu ihren Kameradinnen aus den anderen EW-Plots nie in Lebensgefahr ist - eindeutig aus dem Reich Wallace' stammt. - 4 Punkte

Höchstpunktezahl: 35
"Albtraum ohne Erwachen": 28 von 35 Punkten= 4 Punkte

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

07.03.2010 19:29
#54 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

BEWERTET: "Der Flüsterer" von Thorsten Wirth

Titelgebung: Geheimnisvoll und anonym tritt die Verbrecherfigur uns entgegen. Ein klassischer Titel in der Tradition von "Der Zinker" oder "Der (Banknoten)fälscher" - 5 Punkte

Kriminalfall: Die längste Geschichte des Wettbewerbs ist ausgeklügelt und durchdacht bis ins kleinste Detail. Jeder noch so kleine Hinweis entpuppt sich am Ende als wichtig. Der Spannungsbogen wird langsam aufgebaut und bis zum letzten Satz gehalten. Gekonnt springt der Autor von einem Schauplatz zum nächsten und führt die einzelnen Handlungsfäden im Ansitz der Familie zusammen. Keine Figur ist überflüssig, fast alle Personen sind in irgendeiner Weise schuldig. Die Beobachtungsgabe und das Stilempfinden des Schreibers sind sehr ausgeprägt und man merkt seine Erfahrung auf dem Gebiet der Literatur. Ein Lob dem talentierten Autor! - 5 Punkte mal zwei (Inhalt zählt doppelt)

Charaktere/Authentizität/Namensgebung: Aus dem reichen Werk von Edgar Wallace wurden nur Chefinspektor Elk und Sir John samt Miss Finley übernommen, was dem Leser ein Gefühl der Vertrautheit gibt, gleichzeitig jedoch Raum für neue, starke Figuren läßt. Der schmierige Amerikaner, der smarte Dandy und die beiden Zwillingsschwestern überzeugen ebenso wie der lüsternde Geistliche. Das Gespür für die englische Oberschicht und ihren Lebensstil zeichnet den Autor aus, der immer wieder Anleihen beim Altmeister nimmt (Geheimtür im Kleiderschrank, Hotel "The Green Archer", Mann mit Glasauge). Die handelnden Personen sind treffend und vielschichtig zu Papier gebracht worden. - 5 Punkte

Lesefluss/angemessener Sprachstil/Formulierung: Knapp zwanzig Fehler konnte ich entdecken, wobei die meisten Flüchtigkeitsfehler darstellen. Auffallend ist, dass der Autor einmal die alte und einmal die neue Rechtschreibung benutzt (Schuß und Schuss, daß und dass). Eine kleine Ungereimtheit findet sich in der Beschreibung der Haarfarbe von Chefinspektor Elk ("....im Dienst ergraut"/ "dunkelblond"). Der edle Schreibstil des Autors wird durch Kenntnisse der Örtlichkeiten bereichert. Seine Erzählung fesselt den Leser auf angenehme Weise und beinhaltet alle Informationen, die man zum Klären des Falles haben muss. - 5 Punkte

Stringenz/Eloquenz/dramatische Wichtigkeit: Geschickt werden die einzelnen Handlungsstränge miteinander verwebt. Der Kern der Geschichte wird nie aus den Augen verloren und der Leser erhält nach und nach weitere Auskünfte über die Figuren. Kaum bildet man sich eine Meinung über eine Person, wird sie schon wieder variiert oder verkehrt sich am Ende gar ins Gegenteil. Tadelloser Aufbau eines Falles, der sich durch lupenreine Logik auszeichnet. - 5 Punkte

Wallace-Faktor: Sehr hoch. Ein altes Adelsgeschlecht mit dunklen Geheimnissen, junges Blut auf Spurensuche und kühl kombinierende Kriminalbeamte. Was will man mehr? - 5 Punkte

Höchstpunktzahl: 35
"Der Flüsterer": 35 von 35 Punkten = 5 Punkte

Gubanov Online




Beiträge: 14.379

01.04.2010 13:22
#55 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Ich halte es jetzt einmal mit der Dame im "Hexer" und frage vorsichtig nach:
Kommen da noch mehr?

Oder können wir die Tür schon schließen?

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.249

01.04.2010 16:13
#56 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Wollte nur nicht am 1. April damit kommen....

Wenn jemand gerne noch an der Bewertung teilnehmen möchte und mehr Zeit dafür benötigt, so sollte er sich bitte bis 10.04.2010 hier in diesem Tread melden.

Ansonsten würde ich vorschlagen, den Wettbewerb am Sonntag den 11.04.2010 zu beenden.

Danke schon mal an alle Autoren und Werter, die sich nicht von dem etwas chaotischen Start haben aufhalten lassen.

Einen extra Dank an Gubanov, ohne dessen Einsatz wohl nicht viel funktioniert hätte !

Ich habe die Hoffung, dass wir nächstes Jahr wieder die Gelegenheit bekommen viele spannende Geschichten zu lesen.

Don't think twice, it's all right ...
Bob Dylan

Happiness IS the road ! (Marillion)

Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.007

09.04.2010 19:45
#57 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Hallo ihr lieben :

Erst einmal ein großes Dankeschön an alle Autoren und Organisatoren und letztendlich auch die Werter!

Meine Bewertungen kurzgefasst:

Albtraum ohne Erwachen 3 Punkte

Drei Leichen für Paul Grey 3 Punkte

Das Rätsel des schwarzen Briefs 3 Punkte

Die letzte Wette 3 Punkte

Der Flüsterer 4 Punkte

Gefährliches Dunkel 4 Punkte

Schnee über Kambodscha 2 Punkte

Viele Grüße
Sir Oliver

Melodie des Todes Offline



Beiträge: 8

10.04.2010 23:16
#58 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Auf den letzten Drücker...

Albtraum ohne Erwachen 4 Punkte : Meins - Mir gefällts

Drei Leichen für Paul Grey 4 Punkte : Spannend , Überraschend , Auf den Punkt gebracht

Das Rätsel des schwarzen Briefs 3 Punkte : Gute Story - Umständlich geschrieben

Die letzte Wette 4 Punkte : Spannend , Mord Ausführung Klasse

Der Flüsterer 4 Punkte : Spannend , sehr gut zu Lesen, Am Ende etwas unübersichtlich

Gefährliches Dunkel 5 Punkte : Spannend, Unheimlich , Gruselig

Schnee über Kambodscha 3 Punkt : Witzig , Unterhaltsam - leider etwas wenig Spannung

M d T

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.249

12.04.2010 08:45
#59 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Entgegen meiner Ankündigungen, gibt es erst heute Morgen die Ergebnisse des Diesjährigen Wettbewerbs…. Sorry an alle, die gestern Abend darauf gewartet hatten…




Ergebnisse:
Count Villain, Gubanov, Mr. Wooler, Billyboy03, Percy Lister und kaeuflin haben ihrer Lieblingsstory zusätzliche Punkte zukommen lassen – am Ergebnis konnte das allerdings nichts mehr ändern, es wurde nur eindeutiger.

Platzierungen:
7 : Schnee über Kambodscha (Danny Ferusson) mit 28 Punkten

6 : Das Rätsel des schwarzen Briefs (Sir Oliver) mit 31 Punkten

5 : Albtraum ohne Erwachen (Melodie des Todes) mit 34 Punkten

4 : Drei Leichen für Paul Grey (Kaeuflin) mit 36 Punkten


3 : Die letzte Wette (Count Villain) mit 46 Punkten davon 2 Punkte /1 Stimme aus der Zusatzwertung

2 : Gefährliches Dunkel (Mr.Wooler) mit 49 Punkten davon 2 Punkte /1 Stimme aus der Zusatzwertung


Sieger des Diesjährigen Wettbewerbs :

1 : Der Flüsterer (Billyboy03) mit 53 Punkten davon 3 Punkte /4 Stimmen aus der Zusatzwertung !




Danke noch mal von meiner Seite an alle Autoren und Werter!

Ihr habt ein bereits gescheitertes Projekt gerettet und zu Erfolg geführt.

Danke an Gubanov für die Unterstützung!

Danke auch an Daniel, der uns diesen Wettbewerb hier durchführen lies – obwohl er selbst nicht mehr daran beteiligt war.


Glückwünsche an die Gewinner – Ich denke die Wertung spricht für sich (Zehn Punkte zwischen Platz 3 und 4 !)


Ich Hoffen, Euch alle im Nächsten Jahr wieder dabei zu haben, wenn es Heißt Edgar Wallace Kurzgeschichtenwettbwewerb 2011 – Dann mit weniger Chaos und Halben Punkten für die Bewertung!

Viel Spaß in den Diskussionen zu den Einzelnen Geschichten – Die Autoren freuen sich über rege Beteiligung!

Peter

Don't think twice, it's all right ...

Bob Dylan



Happiness IS the road ! (Marillion)

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 416

12.04.2010 15:57
#60 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Hallo Peter,

zunächst mal ein ganz dickes Dankeschön für deine herausragende Initiative beim diesjährigen Wettbewerb. Ohne dich hätte er vermutlich in dieser Form nicht stattfinden können!!!

Meine Gratulation geht an Billyboy03, der mit seiner Geschichte "Der Flüsterer" den Wettbewerb verdient gewonnen hat! ´

Dank auch an alle übrigen Mitstreiter. Es war trotz der Anlaufschwierigkeiten ein spannender Wettbewerb und ich hoffe ebenfalls, dass wir dieses Ereignis im kommenden Jahr wiederholen können.

Viele Grüße,

Mr. Wooler

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