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Dieses Thema hat 65 Antworten
und wurde 4.365 mal aufgerufen
 Kurzgeschichten-Wettbewerb
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Mr. Wooler Offline




Beiträge: 417

12.02.2010 14:24
#16 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Und weiter geht es mit dem Beitrag von Count Villain:


Die letzte Wette


Mit Wetter Long wird hier eine „in die Jahre gekommene“ Figur des Altmeisters präsentiert und diese Darstellung halte ich für gelungen.
Der ganze Fall kommt für mich allerdings etwas schleppend in Gang. Im Vorfeld finden viele Erklärungen statt, die gekürzt dargestellt der Geschichte zu noch mehr „Drive“ verholfen hätten.
Großer Pluspunkt: Die ausgeklügelte Mordmethode.
Der Einfall mit der Drahtschlinge und der heruntergedrückten Türklinke ist originell. Streng genommen ist das natürlich eine sehr risikobehaftete Methode, denn der Mörder muss ja hoffen, dass sein Opfer so lange bewusstlos bleibt, bis jemand die Türklinke betätigt. Aber egal, hier steht für mich die wirklich gute Idee im Vordergrund.
Unheimlich und spannend dargestellt fand ich insbesondere auch die Szenen, in denen Long den falschen Reverend (Mortimer) auf die Schliche kommt. Diese hätten geradewegs aus einem Wallace-Film entsprungen sein können.

Kritikpunkte sind für mich aber auch hier vorhanden, allerdings beziehen sie sich hier größtenteils auf den Stil.
Hier finden sich einige überflüssige Formulierungen (z.. B. reicht es, den Schreibtisch als „fest im Boden verankert“ zu beschreiben. Dass er dann nicht nachgibt, ist eine logische Folge.
Einige falsche Formulierungen („… der als Arzt schon längst zur Ruhe getreten war.“: Entweder in den Ruhestand getreten oder sich zur Ruhe gesetzt // „Seine Augen flitzten umher…“: Hier würde ich eher seine Blicke umher irren lassen, da Augen nicht die hier beschriebene Beweglichkeit besitzen. // „Schwärze umfing seine Gedanken und er sackte leblos zu Boden.“: Da die Figur an dieser Stelle nicht stirbt, kann sie nicht leblos, sondern allenfalls bewusstlos zu Boden sacken).
Weiter einige Formulierungen, die für mich nicht ausgereift sind: „aber nichtsdestotrotz dennoch“ / „Da konnte er nicht viel gegen sagen“ / „… dennoch konnte er es nicht haben…“
Möchte hier keine Erbsen zählen, aber diese Dinge sind mir halt beim Lesen aufgefallen :o)

Abschließend halte ich diese Geschichte für sehr nahe dran an den Wallace-Kurzgeschichten und daher für einen sehr starken Wettbewerbsbeitrag.

Meine Wertung: 4 Punkte

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 417

12.02.2010 14:26
#17 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Gefährliches Dunkel


Eine Geschichte, die, im Gegensatz zum Vorjahresbeitrag des Autors versucht, einen Kriminalfall zu erzählen und weniger auf Schauerelemente setzt, wenngleich diese auch hier Anklang finden.
Berechtigter Kritikpunkt ist hier sicher vorneweg der Titel. Er ist zum einen nicht Wallace-typisch und wird der beschriebenen Handlung nicht gerecht. Ein „reißerischer“ Titel hätte hier sicher mehr Neugier auf die Geschichte geweckt.
Der Autor versucht, auf Spannung zu setzen und das Ende trotz der geringen Anzahl an handelnden Personen so überraschend wie möglich zu gestalten.
Was die Auflösung angeht, so haben wir hier im laufenden Wettbewerb sicher pointenreichere Schlussszenen erlebt, wie beispielsweise in Billyboys „Der Flüsterer“.
Dennoch halte ich auch diese Geschichte durch die enthaltenen Beigaben (leerstehendes Haus, geheime Zusammenkünfte, eine junge Dame in Nöten, jugendlicher Held) für dicht dran an Wallace-Motiven, ohne dass sie (wie im Vergleich zur Vorjahresgeschichte) zu überladen oder gewollt wirken.

Meine Wertung: 4 Punkte

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 417

12.02.2010 14:31
#18 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Das Rätsel des schwarzen Briefs


Ein Titel, der von Wallace selbst hätte stammen können. Schön ausgewählt.
Der Ablauf der Geschichte ist nachvollziehbar. Als positiv empfinde ich den Szenenwechsel zwischen dem ermittelnden Inspektor und dem Geschehen um Jane.

Einige Punkte habe ich jedoch gefunden, die ich an der Geschichte bemängeln muss.

Zur Polizeiarbeit:
Als Jane den Inspektor am nächsten Tag nochmals aufsucht, um von dem schwarzen Brief zu berichten, wäre es für den Inspektor doch naheliegend, den Namen von Douglas mit den Eintragungen im Patientenbuch abzugleichen. Aber genau das tut er nicht. Er fährt quasi „auf blauen Dunst“ zum Rechtsanwalt, um eine Befragung zu starten.


Zum Inhalt: ACHTUNG SPOILER!!!
Ein großer Logikfehler für mich ist folgender: Dr. Collins hat seine geliebte Frau verloren, die von seinem Bruder ermordet wurde. Dr. Collins setzt sich daraufhin ins Ausland ab und bittet ausgerechnet seinen Bruder, den Mörder, sich um Collins’ Tochter zu kümmern? Das passt für mich nicht zusammen. Müsste Collins nicht im Gegenteil alles daran setzen, Janes Identität und ihren Aufenthaltsort zu verschleiern, damit Richard sie nicht findet? Es besteht doch Grund zu der Annahme, dass Richard Jane hassen muss, da sie das Produkt der glücklichen Ehe zwischen Cathleen und Collins ist. Wie ist Richards offensichtliche Liebe zu Jane zu erklären? Möchte dem Autor hier nicht zu nahe treten, aber ich persönlich glaube, die Geschichte könnte wesentlich spannender und dramatischer sein, wenn dem Leser deutlich wird, dass Jane selbst in Gefahr ist und ihr Onkel Richard böse anstatt fürsorgliche Charakterzüge bekommt.


Zum Stil:
Der Schreibstil wirkt noch nicht ausgereift. Insbesondere finden sich im Text doch einige Erklärungen für den Leser, die einfach überflüssig sind, bzw. wesentlich straffer dargestellt werden könnten. Beispiel: „Selbst jeder, der Jane nicht kannte, aber einige Menschenkenntnis besaß, konnte erkennen, dass sie völlig in Gedanken versunken war.“ Hier reicht es aus zu beschreiben, dass Jane in Gedanken versunken war. Alles Andere erschwert den Lesefluss und schadet somit dem Gesamteindruck der Story.
Ein weiteres Beispiel: „… und befragte des Weiteren einen Spaziergänger, den er zufällig vor dem Anwesen traf. Aber dieser konnte ihm keine Auskünfte geben.“ Diese Sequenz ist für den Leser nicht wichtig und kann daher ganz weggelassen werden.

Der gesamte Text wurde nahezu ohne Absätze geschrieben. Dies erschwert den Lesefluss, insbesondere bei Dialogen. Tipp: Mehr Absätze einbauen, insbesondere damit der Leser die Dialoge besser den handelnden Personen zuordnen kann.


Meine Wertung: 2 Punkte

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

13.02.2010 13:00
#19 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Melodie des Todes : Albtraum ohne Erwachen

Kriminalfall: Ein richtiger Wallace Fall – Mord in der Familie, Bedrohung aus der Vergabgenheit, eine Heldin mit dunklen Punkten in der Kindheit, Unheimliche Briefe…Sehr logisch aufgebaut - @ Count Villain Ich denke Charles Leiche wurde von Dr. Mortimer mitgebraucht, als er Lady Sharingham besuchte (wenn der Pförtner ihn mit dem Wagen auf Gelände fahren gelassen hat) …
Was nicht ganz passt, ist das Krieger sich nie an Lady Sharingham wendet – auch zu einem Zeitpunkt als er noch nicht weiß das sie „etwas verwirrt“ ist. 5 Punkte

Charaktere / Authentizität / Namensgebung:
Namensgebung gelungen, auch wen Sharingham doch ein wenig Klischee ist …
Die Heldin wird gut und ausführlich beschrieben ebenso Brian und Krieger – selbst Mr. Murry bekommt für seinen kurzen auftritt viel Raum – Der Rest bleibt dagegen leider etwas blass.
4 Punkte

Lesefluss / angemessener Sprachstil / Formulierung:
Recht viel erklärende Beschreibung und wenig wörtliche Rede, allerdings liest es sich sehr flüssig. Nett, dass du einige Anmerkungen zu Rohfassung umgesetzt hast – es hilft dem Lesefluss. Aufgefallen sind mir sonst Anführungszeichen an der Falschen Stelle (Seite 4) und ein paar das / dass Fehler …
Trotz allem währe mehr wörtliche Rede schön gewesen…
4 Punkte

Stringenz / Eloquenz / dramatische Wichtigkeit: Hier liegt meiner Meinung nach das Problem… Die Story kommt trotz guter Handlung nicht so recht in Schwung. Nebensächliche Dinge werden explizit ausgeführt, während die Morde zu Beispiel nur so am Rand erwähnt werden … Spannungsbogen bleibt flach. 2 Punkte


Wallace-Faktor: Komplizierter Fall mit vielen Wallace Elementen und mehr oder weniger überraschenden Wendungen. Dazu ein paar Giallo Momente (The red queen kills seven times hat ein paar Spuren hinterlassen).
Das ganze ist ein bisschen ein Spagat, bei dem man sich sowohl an Filme als auch an die Romane angelehnt hat …
4 Punkte

19 Punkte - > 4 von 5 Punkten

Don't think twice, it's all right ...
Bob Dylan

Happiness IS the road ! (Marillion)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

14.02.2010 12:08
#20 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Die letzte Wette

Modul A - Inhaltsbewertung:
Wo sonst sollte eine Geschichte um den alternden ehemaligen Chiefinspector Arnold Long spielen, wenn nicht in der Bank, die er von seinem Vater übernommen hat? Dieses durchdachte Setting liefert den passenden Hintergrund zu einer Geschichte, die mit den gleichen Geheimnissen, mysteriösen Charakteren und Verkettungen ausgestattet ist wie die Originale von Großmeister Wallace. Bereits zu Beginn geht es richtig rund, bekommt der Leser doch eine ausgeklügelte Charakterstudie des späteren Opfers Hubbard (vom Namen her tritt hier Fuchsberger gegen Fuchsberger an... ), der sich als das vielleicht interessanteste aller bisherigen Wettbewerbsmordopfer präsentiert. Ein unscheinbarer Bankangestellter mit einer pompösen Verlobten, der in zwielichtige Geschäfte verwickelt ist und, wie man am Ende erfährt, auch sonst noch das eine oder andere dunkle Geheimnis verbirgt.
Weiter in Schwung gehalten wird die Geschichte durch die ungewöhnliche und sehr raffinierte Mordmethode, die die Frage nach dem Täter bzw. dessen Alibi gekonnt spannend hält. Es sind kleine Rückstände am Ort des Verbrechens, die bei genauer Betrachtung durch einen erfahrenen Kriminalisten die Lösung verraten - eine mustergültige Lösung, der sowohl Wallace als auch andere Autoren wie Doyle oder Hammett nicht abgeneigt waren. Am Ende fügt sich alles zu einer runden und, wie ich finde, durchaus überraschenden Auflösung zusammen, die wunderbar verzögert und schubweise präsentiert wird, um das Aufatmen des Zuschauers möglichst lang herauszuzögern. Die dafür passende Wertung ist für mich klar: 5 von 5 Punkten.

Modul B - Formbewertung:
(B1) angemessener Aufbau: Ein schneller Einstieg, der zeigt, dass sich der Autor an die komplizierten Hintergründe der Finanzierungsgeschäfte einer Bank literarisch heranwagt und diese verständlich aufbearbeitet. Das würde ich mir so nicht im Traume zutrauen! Auch ansonsten findet man keine überflüssige Szene - im Gegenteil: Gerade die Mischung der Auftritte hilft, die Charaktere passend herauszustellen und die Handlung zusätzlich durch spannende Einstreuungen (Szene mit "Reverend Molony", Angriff auf den Wetter etc.) am Laufen zu halten. Einzig und allein möchte ich bemängeln, dass die "große Gefahr", in die Sir Arnold am Ende geraten soll, für meine Begriffe im Verhältnis zur Herausstellung im Teaser und der Aufhängung des Kurzgeschichtentitels "letzte (?) Wette" ein wenig zu kurz und wenig bedrohlich geraten ist. Vielleicht liegt das aber auch am sehr starken Long-Fuchsberger-Charakter? 4 von 5 BE.
(B2) sprachliche Gestaltung: "Die letzte Wette" präsentiert sich im typischen Schreibstil von Count Villain, der mir im Gegensatz zu kaeuflin ganz besonders zusagt. Zwar sind einige Formulierungen entweder unnötig umständlich oder gänzlich unnötig (Mr. Wooler hat bereits einige Stilblüten herausgefischt), doch die zwischen Plauderton und gediegen sachlicher Schilderung pendelnde Erzählweise verhilft der Geschichte im Gesamtbild nicht unwesentlich zum Erfolg. Hervorzuheben ist auch, dass der Autor ein Gespür für authentische wörtliche Rede hat, ohne diese allzu oft in Umgangssprache oder Nichtigkeiten abgleiten zu lassen. 4 von 5 BE.
(B3) Rechtschreibung: In diesem Punkt hat mich "Die letzte Wette" ein wenig enttäuscht, da ich weiß, dass Count Villain durchaus in der Lage ist, "richtig" zu schreiben. Hier muss man ihn einfach noch einmal dazu auffordern, vor Abgabe der Geschichte eine ordentliche Fehlerkontrolle durchzuführen, auch wenn es eine lästige Pflichtarbeit ist. Vor allem die fehlenden Kommata werfen weder positives Licht auf die Sorgfalt des Entstehungsprozesses noch helfen sie, die teilweise recht langen Sätze gut verständlich zu machen. 3 von 5 BE.
(B4) Chraktere: Die Charaktere sind der starke Punkt der Geschichte. Bereits lobend erwähnt habe ich die stringente Fortentwicklung des Charakters Long (dazu gesellt sich dann natürlich auch Rouch sowie die immerhin erwähnte Nora - die ich gern noch höchstselbst "zu Gesicht" bekommen hätte) sowie die vielschichtige Hubbard-Rolle. Einen weiteren Punkt des Interesses bildet der grobe Hausmeister Dobbs, der guten Gewissens als eine exzellente Steigerung und Entschädigung zum ungeschlachten Gärtner aus "Inspektor Frisbee und der Judasbaum" angesehen werden kann. Auch die übrigen Figuren erhalten in der kurzen Geschichte eine erstaunlich gute und vortreffliche Charakterisierung, sodass es zu keinem Zeitpunkt Probleme bezüglich ihrer Motivation gibt. 5 von 5 BE.
(B5) Wallace-Faktor: Klare Sache: Count Villain versteht es, jede Art von Atmosphäre aufzugreifen und in seine Geschichte einzuweben. Gelang ihm dies bereits beim letzten Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb hervorragend, so sprang er vor kurzem leichtfüßig auf Agatha Christie um, bevor er sich nun wieder auf die "alte Spur" begab. Diese Wandlungsfähigkeit muss gelobt (und vielleicht auch beneidet) werden - in dieser Geschichte jedenfalls schlägt sie sich nicht nur in inhaltlicher Form wie den Charakteren oder dem Setting nieder, sondern auch in formalen Fragen wie dem für meine Begriffe am wallace-ähnlichsten klingenden Titel des Wettbewerbs sowie dem Schlusssatz, der eine alternativlos geniale Punktlandung vollzieht. 5 von 5 BE.
Gesamt Modul B: 21 von 25 BE. Macht: 4,2 von 5 Punkten.

Modul A und B ergeben zusammengezogen eine Gesamtwertung von 4,6 Punkten. Krumme Punkte sind nicht erlaubt, deshalb vergebe ich - guten Gewissens - 5 von 5 Punkten. Schlusswort: Eine wirksame Geschichte und ein talentierter Autor treffen sich halbwegs vor dem Wallace-Buchregal und inspirieren sich zu einem starken Wettbewerbsbeitrag. Kleinere Mängel in der Zeichensetzung und der Formulierung sollten nachträglich beseitigt werden, um den Eindruck noch einmal zu stärken.

Billyboy03 Offline




Beiträge: 695

14.02.2010 13:51
#21 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Achtung, alle meine Wertungen können SPOILER enthalten!

Meine erste Wertung: ich beginne mit

Gefährliches Dunkel von Mr. Whooler

Vorbemerkung: es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen. Ein guter Grundeinfall, stimmige Locations, überzeugende Figuren und ein Endtwist, der die Handlung in einem neuen Licht erscheinen läßt.

Titel: "Gefährliches Dunkel" ist ein sehr allgemeiner Titel, der eher wenig Wallace-Feeling aufkommen läßt. Schade, denn es böten sich sicher tolle Alternativ-Titel an wie "Tödliches Tribunal", "Tödliches Erbe", "Das Geheimnis der roten Robe(n)" etc. 2 Punkte.

Story: sehr guter Plot mit viel Gespür für Wallce-typische Stoffe, Waise mit zu erbendem Vermögen, ein vermeintlicher Bösewicht (der Onkel), ein geheimnisvolles Haus als Treff, das Tribunal mit den rotgewandeten Männern...
Leider hat sich ein großer Logikfehler eingeschlichen, der die Pläne Rowleys zunichte machen könnte: die Erbfolge stimmt nicht, wenn erst Bassington stirbt und Mabel danach. Denn dann hätte zumindest die Chance bestanden, daß es irgendwo einen Verwandten Mabels gibt, der Rowley das Erbe streitig machen könnte. Und es gab ja nicht mal die Möglichkeit, den Todeszeitpunkt zu manipulieren, da ja Mabel als Mörderin von Bassington überführt werden sollte. Trotzdem 4 Punkte.

Lesevergnügen, Rechtschreibung, Ausdruck etc.: wie vom Autor des Siegerbeitrages aus dem Vorjahr nicht anders zu erwarten, ist das Lesevergnügen nahezu ungetrübt. Griffige Formulierungen, stimmungsvolle Beschreibungen von Örtlichkeiten, logisch agierende Personen mit menschlicen Eigenschaften, das alles stimmt hier fast perfekt. ("Ein leichter Nieselregen ging auf das Kopfsteinpflaster nieder und
verwandelte es im Schein der Gaslaternen zu einer glänzenden Fläche."). Es gibt auch kleine Überflüssigkeiten, die den Lesefluß manchmal etwas bremsen. ("Als er tiefer in das Gebäude eindrang, erkannte er sogar einen schwachen Lichtschimmer, der seinen Ursprung in den unteren Gewölben hatte. Dieses Gebäude musste wirklich uralt sein."). Das ist aber schon "Meckern auf hohem Niveau". 5 Punkte.

Charaktere: in hohem Maße glaubwürdig gestaltet, treten hier die üblichen Figuren des Wallace´schen Geschehens auf, ohne nur schematisch zu sein. Die Motivation der Beteiligten erscheint glaubhaft, die Redeweise angemessen, die Personen agieren so, wie es zu erwarten ist. Sie sind auch in dem Maße präsent, wie es die Geschichte nötig macht. Pappkameraden finden wir nicht. 5 Punkte.

Wallace-Faktor: hoch! stimmige Örtlichkeiten, typische Personen und zu erwartende Handlungsstränge, die dann doch unterlaufen werden (Endtwist, Rowleys Rolle...), passende Namen und die Wallac-typische Gruselatmosphäre der Rialto-Filme sind hier die Wohlfühl-Faktoren. 4 Punkte.

Gesamtwertung: 4 Punkte

Einschätzung: die Geschichte ist solide konstruiert und erzählt. Sie zählt zu den besten dieses Durchgangs, reicht aber nicht ganz an den Vorjahresbeitrag heran.

Mit der Lizenz zum Verhüten



BillyBoy03

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 417

15.02.2010 09:22
#22 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

So, nachdem ich am Wochenende die drei letzten Storys des Wettbewerbes gelesen habe, kommt hier der zweite Teil meiner Wertung. Ich beginne mit:

Drei Leichen für Paul Grey

Ein schöner Titel und vielleicht derjenige, der in diesem Wettbewerb (zumindest für mich) am interessantesten und spannendsten klingt. Die Tatsache, dass es sich hierbei nicht um einen Wallace-typischen Titel handelt, kann dabei vernachlässigt werden.

Erzählt wird eine durchaus spannende Geschichte, die für mich den stärksten Einstieg in das Geschehen besitzt. Allein der Nachsatz „… eine perfekte Nacht, um unbemerkt zu bleiben“, erzeugt schon ein Wallace-artiges, wohliges Schauern.
Eine weitere Formulierung, die mir sehr gefallen hat: „Manche Menschen vergessen schneller, als man denkt.“ Sehr schön!!

Der Inhalt der Geschichte ist ein Racheplan, der hier von zwei Frauen durchgeführt wird (eine Parallele zum „Flüsterer“). Insgesamt ein schönes Motiv!

Auf den vorhandenen Rechtschreibfehlern will ich hier nicht herumhacken. Ansprechen möchte ich hier jedoch, dass zu wenige Absätze gemacht wurden. Erzähltext und wörtliche Rede von unterschiedlichen Personen gehen hier manchmal nahtlos ineinander über, so dass es dem Leser erschwert wird herauszufinden, wer denn jetzt gerade spricht.

Obwohl ich ansonsten ein Freund davon bin, Geschichten um unnötige Passagen zu kürzen, geht es mir hier eigenartiger Weise genau anders herum. Ich bin der Meinung, die Geschichte ist zu kurz. Einige wichtige Punkte (z. B. die Beziehungen der Figuren untereinander oder Informationen zu der nebulösen Figur des Paul Grey) kommen hier eindeutig zu kurz. Und das ist schade, denn meiner Meinung nach leidet das Finale darunter, das durch einige zusätzliche Szenen/Handlungen wesentlich effektvoller hätte gestaltet werden können.

Bei dieser Geschichte ist es mir am schwersten gefallen, eine Wertungspunktzahl zu ermitteln.

Meine Wertung: 3 Punkte

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 417

15.02.2010 09:23
#23 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Schnee über Kambodscha


Ein nahezu poetischer Titel, der seine Zweideutigkeit sofort erkennen lässt.

Auch hier handelt es sich um eine Geschichte, die durchaus spannend zu lesen ist.

Viele Passagen sind mir jedoch zu sehr im Berichtstil abgefasst. Die handelnden Personen werden hierbei nicht deutlich genug herauskristallisiert oder voneinander abgesetzt. Sie erscheinen teilweise beliebig austauschbar. Das Einsetzen von mehr wörtlicher Rede könnte hier Abhilfe schaffen.

Die vorhandenen Rechtschreibfehler und die oftmals nicht vorhandenen Absätze erschweren den Lesefluss. Gerade bei den Absätzen vermischen sich auch hier Erzähltext und wörtliche Rede verschiedener Personen, so dass der Leser oft damit beschäftigt ist, sich zu fragen, wer hier gerade handelt oder spricht.

Zur Polizeiarbeit:
Das „Verhör“ bzw. die Befragung des Inspektors von Vater und Sohn O’ Conner ist sehr kurz und oberflächlich gehalten. Ich denke, dass ein Ermittler es nicht bei den wenigen vorgebrachten Fragen belassen, sondern versuchen würde, etwas mehr in die Tiefe zu gehen und/oder die Befragten in die Enge zu treiben.

Zum Inhalt / zur Auflösung
Die drohende „asiatische Gefahr“ wird hier meiner Meinung nach nicht beklemmend genug dargestellt. Hier hätte das Einfügen einiger zusätzlicher Szenen, bzw. „geheimnisvoller Details“ sicher noch für mehr Spannung gesorgt.

Die Auflösung des Falles wirkte für mich ein wenig enttäuschend, bzw. wenig spektakulär, was daran liegt, dass die eigentlichen Täter namenlos und nahezu unbekannt bleiben.
Ich glaube, dass diese Geschichte noch sehr viel Potential birgt, wenn sie noch mal überarbeitet wird.

Gut gefallen haben mir die augenzwinkernden Anspielungen auf Wallace, wie z. B. den „Sonderbericht von JOSS“ am Ende der Story.

Meine Wertung: 3 Punkte

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 417

15.02.2010 09:24
#24 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Albtraum ohne Erwachen

Auch hier haben wir es mit einem Spannung erzeugenden Titel zu tun, der neugierig auf die Geschichte macht.

Die Geschichte um lange zurück liegende Geschehnisse, die sich auf die Gegenwart auswirken und so eine neue Bedrohung erzeugen, beinhaltet eine tolle Grundidee, die hier auch solide umgesetzt wird.

Der Schreibstil ist durchaus in Ordnung und ermöglicht einen durchgehenden Lesefluss, wenngleich auch hier teilweise die wörtliche Rede verschiedener Personen in einem Absatz zusammengemischt wird.

Zum Inhalt:
Zu bemängeln habe ich hier hauptsächlich den Spannungsbogen (Peter Käuflin hat es in seiner Bewertung auch schon angesprochen).
Die Tatsache, dass hier sehr viele eindeutig überflüssige Dinge geschildert werden, „blähen“ die Geschichte nicht nur unnötig auf, sondern verhindern auch das Aufkommen der Spannung, die bei dem klassischen Stoff der Geschichte leicht hätte produziert werden können. Die für die Handlung wichtigen Dinge wie beispielsweise die Ermordung wesentlicher Figuren werden hier teilweise in Nebensätzen abgetan.

Ein Beispiel für das Einsetzen von überflüssigen Szenen:
In Kapitel 10 wird doch sehr ausführlich geschildert, dass sich die anwesenden Personen im Salon von Sharinghamhall zusammenfinden, um sich dem Verhör des Inspektors zu unterziehen. Der Leser bereitet sich insgeheim schon auf einen spannenden Höhepunkt der Story vor und sieht sich dann mehr oder weniger enttäuscht, dass gar nichts passiert, da im letzten Absatz erklärt wird, dass die Befragung (die quasi ausgeblendet wird) keine neuen Erkenntnisse bringt. Tipp: Die Szene der Befragung dann nur in einem Satz schildern oder die Szene tatsächlich zu einem Verhör aufbauen.

Zur Polizeiarbeit:
Das „Verhör“ des Inspektors, das er an Mary Jane durchführt, ist denkbar kurz. Seine Fragen erscheinen mitunter wenig zielführend und sind sehr oberflächlich gehalten.

Zur Auflösung:
Mein Verdacht fiel schon früh auf Dr. Mortimer, da er in der Geschichte unmittelbar im Zusammengang mit der Frage danach, wer alles Zugang zum Haus hatte, auftaucht. Das ist aber kein eigentlicher Kritikpunkt.
Leichtsinnig war es allerdings von ihm, die Beruhigungstropfen im Haus zu lassen, nachdem er den Lord damit „behandelt“ hat. Er hätte diese doch nach dem Tod des Lords unauffällig beiseite schaffen müssen. Aber ok, ein Mörder ist letztlich ja auch nur ein Mensch, der Fehler macht…

Insgesamt solide Story und ein guter Beitrag zum Wettbewerb!


Meine Wertung: 3 Punkte

Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

16.02.2010 11:30
#25 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Drei Leichen für Paul Grey

Modul A - Inhaltsbewertung:
Ein typischeres Wallace-Thema als Rückkehr eines toten oder totgeglaubten Verbrechers, ausartend in einen Rachefeldzug gegen diejenigen Menschen, die ihn verraten und mehr oder minder aktiv "unter die Erde gebracht" haben, kann man sich kaum vorstellen. Im Jahr 1926 baute Wallace um diese Geschichte einen ganzen hervorragenden Roman auf - natürlich weiß jeder, welcher gemeint ist. An die Raffinesse der Romanhandlung kann die der vorliegenden Kurzgeschichte natürlich nicht heranreichen, woraus ihr auch aufgrund der Differenz der literarischen Formen kein Strick zu drehen ist. Dennoch bleibt für meine Begriffe trotz der lobenswerten Idee zu viel auf der Strecke. Die Geschichte aus der Vergangenheit, die Planung und Ausführung der Rache sowie die Figurenkonstellationen bleiben zu vage, um wirklich Begeisterung bei mir aufkommen zu lassen. Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass es in "Drei Leichen für Paul Grey" keine wirkliche Identifikationsfigur gibt: Mabel Grey stellt zwar eine interessante Abwandlung der Wallace-Heldin dar, doch kann sie den Leser nicht für sich und ihre Motive einnehmen. Schön hingegen die mysteriöse weißblonde Rächerin, die wie für eine Verfilmung geschaffen scheint. 3 von 5 Punkten.

Modul B - Formbewertung:
(B1) angemessener Aufbau: Eine Bemerkung aus Mr. Woolers Bewertung möchte ich auch in meine unverändert übernehmen, da ich ihr nur uneingeschränkt zustimmen kann und darin ebenfalls den Dreh- und Angelpunkt für meine Bewertung sehe: "Obwohl ich ansonsten ein Freund davon bin, Geschichten um unnötige Passagen zu kürzen, geht es mir hier eigenartiger Weise genau anders herum. Ich bin der Meinung, die Geschichte ist zu kurz." - In der Tat hat die Geschichte nicht die für ihren inhaltlichen Umfang angemessene Länge, die mindestens das Dreifache des Gebotenen betragen müsste. Eine solche Verlängerung würde die Motive der einzelnen Personen genauer nachzuvollziehen helfen und vor allem dem Mysteriösen und Abenteuerlichen der Geschichte mehr Spielraum durch verbesserte Charakterdefinierungen einbringen. Diesen Punkt halte ich für essenziell für das bessere Gelingen von "Drei Leichen für Paul Grey" (ein Titel, der mich übrigens eher an Durbridge erinnert, mir aber insgesamt am besten gefällt), daher kann ich für den Aufbau der Geschichte leider keine bessere Bewertung geben als 1 von 5 BE.
(B2) sprachliche Gestaltung: Auch hier tue ich mich mit der Bewertung schwer. Wenngleich ich Peters Berichte im Forum sehr gern lese, komme ich an seinen Kurzgeschichtenschreibstil nicht wirklich heran; mir scheint es hier ähnlich zu gehen wie ihm mit Count Villain. So muss ich leider sagen, dass selbst der Punkt, der in den anderen beiden sprachlich durchwachsenen Geschichten noch vorzubringen war, nämlich ihre einfache Verständlichkeit, hier auch noch abgeht. Durch die Verwirrung, der in den Dialogen das Wort hat, und die zu knappe Schreibweise - siehe Aufbau - bleibt auch das Verständnis oft auf der Strecke. 2 von 5 BE.
(B3) Rechtschreibung: Im Vergleich zur letztmaligen Geschichte hat sich der Autor hier eindeutig gesteigert. Ganz sicher ist "Drei Leichen für Paul Grey" nicht fehlerfrei, aber man merkt die Mühe und das Vorhaben, möglichst wenig falsch zu machen. Weiter so! 3 von 5 BE.
(B4) Charaktere: Abermals ist es die Kürze der Geschichte, die sich hier negativ auswirkt. Dadurch, dass die meisten Personen nur eine Handvoll Sätze sagen und in nur einigen wenigen Szenen auftreten, passiert keine wirkliche Charakterisierung der zentralen Rollen. Überhaupt: Wer spielt hier eigentlich die zentrale Rolle? Mabel Grey? Janet Crump? Oder doch Fred Turner? Oder gar die Schatten des titelgebenden Paul Grey? Vielleicht hätte man sich auf eine der Figuren stärker fokussieren, aus den ersten beiden sogar eine einzige machen sollen. Wiederum wären eine ausführlichere Beschreibung der Personen im Erzählertext sowie längere und glaubwürdigere Dialoge wünschenswert. 2 von 5 BE.
(B5) Wallace-Faktor: Die Grundidee der Rache ist, wie oben geschrieben, ein erstklassiges Wallace-Motiv. Wie bereits bei der letztjährigen Geschichte habe ich allerdings das Gefühl, dass darüber hinaus kaum etwas an Wallace erinnert. Selbst die gelobte anfängliche Beschreibung der Chains Lane halte ich für zu dick aufgetragen, um wirklich mit Wallace und nicht mit einer Schauergeschichte vergleichbar zu sein. Trotz der Rahmenkonstruktion erscheinen mir die Einzelmotive, Schauplätze und Charaktere eher unpassend - vor allem, weil sich der Autor dieses Mal auf die 1920er Jahre festgelegt hat, was eine ungeheure Menge an Feingefühl vor allem im Bereich der Sprache und der Umgangsformen erfordert und auch mich in meinem eigenen Schreibprozess am laufenden Band vor große Herausforderungen stellt. 2 von 5 BE.
Gesamt Modul B: 10 von 25 BE. Macht: 2,0 von 5 Punkten.

Modul A und B ergeben zusammengezogen eine Gesamtwertung von 2,5 Punkten. Krumme Punkte sind nicht erlaubt, deshalb vergebe ich 2 von 5 Punkten. Schlusswort: Die Geschichte "Drei Leichen für Paul Grey" reiht sich in das positive Wettbewerbsfazit ein, dass auch die letztmalig schwächeren Autoren sich konstant positiv weiterentwickeln. Sie rutscht nur sehr, sehr knapp an den drei Punkten vorbei. Diese Verbesserung geschieht hier in inhaltlichem sowie sogar im Rahmen der Rechtschreibung, strahlt allerdings noch nicht in alle Bereiche aus, aus denen sich eine hundertprozentig gelungene Erzählung zusammensetzt. Mein Tipp fürs nächste Mal lautet: Sich weniger vornehmen und mehr umsetzen; am Feinschliff hängt's noch.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

16.02.2010 15:44
#26 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Nun zum Schluss (Nach dem Heringsessen am Fansnachtsdienstag – Bin ich froh, dass ich für dieses Jahr fast geschafft habe… ) noch meine Eigene Geschichte … Es ist natürlich immer sehr schwer, sich selbst objektiv zu bewerten, doch ich werde mein bestes geben...

Drei Leichen Für Paul Grey

Kriminalfall: Ich mag meine Idee noch immer… Ich denke der Fall ist recht Spannend und mit genug Überraschungen versehen, um bis zum Ende zu fesseln. Logisch aufgebaut und frei von größeren Patzern. Sicher, hätte man manches etwas ausführlicher beschreiben könne, doch hätte das unter Umständen auch den Schwung raus genommen… Ich liebe Enden, bei denen die „Guten“ Bösen gegen die „Bösen“ Bösen gewinnen … 4 Punkte

Charaktere / Authentizität / Namensgebung:
Da sich noch niemand über die Namensgebung beschwert hat, scheine ich diesmal besser aufgewählt zu haben… Die für die Handlung wichtigen Personen bekommen genug Spielraum um lebendig zu wirken – Mit Ausnahme der Polizisten, die allerdings zur Lösung des Rätsels nur eine Untergeordnete Rolle spielen. Die Story hat wirklich 2 Hauptpersonen – aus deren Sicht auch geschildert wird und keine Zentrale Figur. Paul Grey ist eine schattenhafte, stets präsente Bedrohung.
3 Punkte

Lesefluss / angemessener Sprachstil / Formulierung:
Die Story ist bewusst knapp formuliert, um das Tempo hoch zu halten. Dabei gehen dann leider ein paar Feinheiten unter… Die Verwirrung über den Sprecher wäre nicht nötig gewesen…
3 Punkte

Stringenz / Eloquenz / dramatische Wichtigkeit: Hier gehen die Meinungen wirklich auseinender… Eine viel ausführlichere Schilderung hätte meiner Meinung nach der Story geschadet… In ihrer Kürze hingegen beinhaltet sie neben einen hohen Tempo und einem brauchbaren Spannungsbogen auch funktionierende Figuren. 4Punkte


Wallace-Faktor: Wir haben ein Rachemotiv, das von Wallace selbst hätte stammen könne, wir haben die 20 Jahre, Verbrecher, die entkommen dürfen …Das erinnert alles an die Romane. Im Kontrast dazu steht die (gruselige) Beschreibung der Chains Lane , Janet Crump (die wie Gubanov schon Geschrieben hat perfekt in einen Film passen würde) oder auch die Schlussszene am Hafen auf einem Schiff ! (war eine kleine Hommage an „Der Mann mit dem Glasauge“ 5 Punkte

19 Punkte - > 4 von 5 Punkten

Don't think twice, it's all right ...
Bob Dylan

Happiness IS the road ! (Marillion)

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

17.02.2010 20:40
#27 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

BEWERTET: "Drei Leichen für Paul Grey" von kaeuflin

Mein Bewertungssystem orientiert sich nach dem Schema der letztjährigen Veranstaltung, mit der Abweichung, dass der Inhalt (Kriminalfall) doppelt zählt. Als weiteren Punkt ergänze ich die Kategorie "Titelgebung" (nach Count Villain).

Titelgebung: Die Wahl des klassisch-traditionellen Titels macht neugierig, da der Leser noch nicht weiß, wer Paul Grey ist. Er könnte den Tod der drei Ermordeten rächen oder der Auslöser für die Todesfälle sein. 4 Punkte

Kriminalfall: Die Geschichte lehnt sich nicht offenkundig an die Erfolgsserie der Rialto an, sondern könnte eher aus der Feder von Bryan Edgar Wallace stammen. Dunkle Gassen und in der Ferne der Klang eines Nebelhorns: Erinnerungen an "Das Phantom von Soho" werden wach. Die Handlung gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil erfährt man von einem zurückliegenden Mord, der die Zukunft einer unschuldigen Frau beeinträchtigte, im zweiten Teil triumphiert das (private) Gute über das Böse aus der Vergangenheit. Die beiden Frauen entkommen dem Arm des Gesetzes und nehmen hier Anleihen an der berühmten Figur des "Hexers". 3 Punkte x 2

Charaktere/Authentizität/Namensgebung: Zeitlose Figuren mit ebensolchen Namen. In knapper, präziser Form werden die handelnden Personen umrissen, obwohl der erste Eindruck freilich täuscht. Am Ende stellt sich wieder einmal heraus, dass der Autor es versteht, überraschende Wendungen herbeizuführen und dabei besonders gern starke Frauengestalten entwirft (siehe seinen Erstling "Wem man keinen Glauben schenkt"). 4 Punkte

Lesefluss/angemessener Sprachstil/Formulierung: Ich habe ungefähr siebzig Fehler gezählt, wobei vor allem fehlende Beistriche und die unterlassene Höflichkeitsformel ("Sie") auffallen. Zudem sollte z.B. statt 13.05. lieber 13. Mai verwendet werden. Der Autor verfügt über eine gute Beobachtungsgabe und hält sich nicht mit ausschmückendem Beiwerk auf. Seine Geschichte wird vom kundigen Leser aufgrund ihrer Kürze geschätzt. Man spürt, dass sein Sprachstil sicherer geworden ist und er versucht hat, eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen. 3 Punkte

Stringenz/Eloquenz/dramatische Wichtigkeit: Die Präsenz der Polizei ist marginal, der Inspektor bleibt ohne Gesicht. Der Grund für die Morde in Gegenwart und Vergangenheit hätte gerne ausführlicher erläutert werden können, da der Leser im letzten Absatz ein wenig verwirrt wird. 3 Punkte

Wallace-Faktor: Die Handlung lebt von schmierigen Männern, die sich schuldig gemacht haben und mutigen Frauen, die sich rächen wollen. Filmisch wäre die Geschichte mit Renate Ewert, Kai Fischer, Harry Wüstenhagen und Stanislav Ledinek umgesetzt worden. 3 Punkte

Höchstpunktezahl: 35
"Drei Leichen für Paul Grey": 23 Punkte von 35

Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

17.02.2010 21:06
#28 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

23 von 35 Punkten sind allerdings keine gültige Wertung. Hier wäre es notwendig, die erreichte Punktzahl am Ende durch 7 zu teilen, was in diesem Fall 3,29 Punkte und somit eine Gesamtwertung von 3 von 5 Punkten bedeuten würde.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.831

17.02.2010 21:28
#29 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Ich würde auch noch gerne etwas anmerken, allerdings an alle Forennutzer gerichtet.

Auch wenn es gerade für die Autoren sehr hilfreich ist, möglichst fundierte und detaillierte Bewertungen zu erhalten, so sind diese - auch wenn es bisher hier im Thread nur schematische und begründete Bewertungen gibt - ausdrücklich keine Pflicht. Es sollte sich also keiner aus Angst vor zeitraubender Schreibarbeit davon abhalten lassen, die Geschichten zu lesen und sie mit einer einfachen Punktwertung zu versehen. Ein paar weitere Worte dazu wären nett, alles, was darüber hinaus geht, ist wirklich optional.

Also, scheut euch nicht. Je mehr Leser und Bewertungen, desto repräsentativer das Endergebnis!

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

17.02.2010 21:31
#30 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 Zitat · antworten

Dem kann ich nur zustimmen!

Peter

Don't think twice, it's all right ...
Bob Dylan

Happiness IS the road ! (Marillion)

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