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Dieses Thema hat 73 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Offline




Beiträge: 3.228

06.01.2010 23:07
Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Angeregt durch die Diskussion im OFF-Topic eröffne ich diesen Thread.

Zu den sogennanten Plüschkrimis* zählen:

DIE FRAU IN WEISS nach Wilkie Collins, 1971, 3 Teile
DER ROTE SCHAL nach Wilkie COllins, 1972, 3 Teile
DER MONDDIAMANT nach Wilkie Collins, 1973, 2 Teile
DER STRICK UM DEN HALS nach Émile Gaboriau, 1975, 3 Teile
DIE AFFÄRE LEROUGE nach Émile Gabriau, 1976, 2 Teile
ONKEL SILAS nach Sheridan Le Fanu, 1977, 2 Teile
LADY AUDLEYS GEHEIMNIS nach Mary Elizabeth Braddon, 1978, 2 Teile
LUCILLA, nach Wilkie Collins, 1979, 2 Teile

Alle Filme haben gemeinsam ...
Drehbuch: Herbert Asmodi, Musik: Hans Jönsson, Regie: Wilhelm Semmelroth, Produktion: WDR

*Plüschkrimis deshalb, weil sie allesamt im 19. Jahrhundert spielen, eine "pompöse" Ausstattung hatten und die Darsteller entsprechende Kostüme trugen. Es handelt sich dabei um Verfilmungen klassischer Kriminalliteratur, der ersten Versuche in diesem Genre sozusagen. "Die Frau in Weiß" gilt als erster Kriminalroman der Weltliteratur überhaupt.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.700

07.01.2010 06:50
#2 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Die Frau in Weiß : Mit Heidelinde Weis, Christoph Bantzer, Pinkas Braun, Eva Christian, Eric Pohlmann, Edith Lechtape, Helmut Käutner, Victor Beaumont, Alf Marholm, Erwin Scherschel, Tana Schanzara.

Die Frau in Weiß überzeugt durch Spannung und undurchsichtige Charaktere. Letzteres spielt Eric Pohlmann hervorragend. Auch Helmut Käutner ist mir als ewig genervter bestens in Erinnerung. Pinkas Braun kann hier sein Talent als Bösewicht optimal ausspielen und gibt der Handlung die notwendige Schärfe. Christoph Banzer verzaubert mit seiner weichen Art die zarte Liebesgeschichte mit der schönen Heidelinde Weis. Alles in allem eine absolut gelungene Verfilmung, die ich mir immer wieder gerne anschaue.

Ich hatte vor gut 5 Jahren bzgl. dieser Romanverfilmungen eine interessante Diskussion mit einer ARD Redakteurin. Abgehoben auf die Ausstrahlungen beim ZDF gab diese mir klar zu verstehen, daß ich mit meinem Alter nicht in der Zielgruppe liege und diese Art der Verfilmung beim Quotenpublikum keine Aussicht auf Erfolg habe.

Gruss
Havi17

Georg Offline




Beiträge: 3.228

07.01.2010 12:16
#3 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Zitat
Die Frau in Weiß überzeugt durch Spannung und undurchsichtige Charaktere.


Genau das macht den Film so sehenswert. Eric Pohlmann als Conte Fosco spielt zuerst so sympathisch und nett, ist aber eiskalt. Selten habe ich eine so überzeugende Darstellung eines Charakters gesehen. Allein wegen ihm macht es mir jedesmal eine große Freude, den Film wiederzusehen. Pinkas Braun als absoluter Teufel in Menschengestalt ist hervorragend und der hypochondrisch, leicht tuntig angehauchte Helmut Käutner als Onkel ist ein Kabinettstückchen für sich. Wie Jutta Kammann, die Lebensgefährtin des Regisseurs Wilhelm Semmelroth in einem Interview erzählt, gelang es Semmelroth immer wieder die größten Stars zusammen zu holen, weil er eine solche ruhige, angenehme und professionelle Art hatte. Er hatte ein ganzes Schauspielerensemble, auf das er immer wieder zurückgriff (siehe z.B. Ellen Schwiers, Wolfgang Büttner, Wolfgang Unterzaucher, die regelmäßig bei ihm auftraten)

Insgesamt: ein Mehrteiler, den man immer wieder gerne sieht und der mit großem Aufwand verfilmt wurde. Tolle Außenaufnahmen und Kostüme, schöne Szenenbilder. Großartig auch der Brand in der Kirche. Die Hauptdarsteller Bantzer und Weis sind natürlich auch sehr gut.

Zitat
Ich hatte vor gut 5 Jahren bzgl. dieser Romanverfilmungen eine interessante Diskussion mit einer ARD Redakteurin. Abgehoben auf die Ausstrahlungen beim ZDF gab diese mir klar zu verstehen, daß ich mit meinem Alter nicht in der Zielgruppe liege und diese Art der Verfilmung beim Quotenpublikum keine Aussicht auf Erfolg habe.


Wenigstens ist der Film jetzt auf DVD für alle zugänglich. Diese Meinung der Redakteurin ist ja wohl eine Frechheit. Außerdem stimmt es nicht. Ich war achtzehn, als ich den Film das erste Mal Mitte der 90er sah und habe ihn mir seitdem häufig angesehen. Und mit meinem jetzigen Alter liege ich noch immer in der relevanten Zielgruppe. Es gibt sicherlich noch eine Menge Leute, die lieber sowas sehen als den täglichen Mist, der so angeboten wird.

Übrigens hat Semmelroth mit seinen schönen Landschaftsaufnahmen ja den Grundstein für den Rosamunde-Pilcher-Quatsch gelegt, denn auch da spielt die englische Landschaft die Haupt- oder eine nicht unwesentliche Rolle. Darüber sollten die bei ARD und ZDF mal nachdenken.

burkhard Offline



Beiträge: 11

13.01.2010 20:43
#4 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Neben Helmut Käutner in "Die Frau in weiß" ist auch Walter Bluhm, der Synchronsprecher von Stan Laurel, im "roten Schal" in einer unvegeßlichen Rolle zu sehen. Er spielt dort einen "alten Knacker", der sich in eine viel jüngere Frau (gespielt von Ellen Schwiers) verliebt hat und für diese Frau alles tun würde, auch ein Verbrechen begehen, was sie ausnutzt. Das ist aber nur Nebenhandlung. Ida Ehre ist auch fantastisch.

"Der Rote Schal" ist eine ziemlich traurige Sache. Der Hauptdarsteller Fred Haltiner (auch in einigen Folgen vom "Kommissar" zu sehen) verliebte sich während der Dreharbeiten in Ellen Schwiers (weibliche Hauptrolle) und beging bald darauf Selbstmord. Der Inhalt ist auch ziemlich düster, aber das haben die Plüschkrimis ja alle an sich.

Matze K. Offline



Beiträge: 1.060

03.04.2010 10:27
#5 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Wir haben gestern 4 Stunden "die Frau in Weiss" uns angeschaut. Die positiven Bewertungen kann ich nicht ganz folgen. Die Story von Collins ist bestimmt gut, denke daran ist kein Abbruch.

Im Film selbst wird mir zuviel erzählt und die eigentliche Action passiert innerhalb von 30 Sekunden oder wird nur angedeutet. Ist sicherlich ein bestimmtes "Flair" nach Teil 1 (wir haben zwei Videokassetten) - also nach der ersten, war mir immer noch nicht klar, ob es sich um eine Kriminalverfilmung handelt oder um eine Historikliebesschnulze. Sicherlich findet man Spannung in dem aussichtslosen Kampf der drei "guten" Personen. Sehr unklar ist aber, warum Pinkas Braun überhaupt das Kirchenbuch mit der Eintragung der Hochzeit vernichten will. Hätte er nicht die Zweitabschrift dem Rechtsanwaltes vernichten sollen? Hier fehlt die Eintragung und das ist doch der Nachweis, dass die Hochzeit nicht stattfand. Unklar auch warum er die Tür der Kirche wieder zuschloss - merkwürdiges Ende eines Schurken jedenfalls... Der "Haupt"-Schurke ist ja der Conte - der Plötzlich ein Verräter eines Geheimbundes ist und daher sein Kartenhaus zerbricht - diese Wendung ist auch sehr weit hergeholt. Man hätte zumindestens am Anfang des Filmes entsprechend Andeutungen machen können.

Wir haben vor ein paar Monaten den Monddiamanten geschaut und dieser war für uns wirklich besser.

Georg Offline




Beiträge: 3.228

03.04.2010 12:26
#6 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Zitat
Sehr unklar ist aber, warum Pinkas Braun überhaupt das Kirchenbuch mit der Eintragung der Hochzeit vernichten will. Hätte er nicht die Zweitabschrift dem Rechtsanwaltes vernichten sollen?



Na, damit ihm niemand auf die Schliche kommt, dass er ein uneheliches Kind ist und damit den Titel "Sir" nicht verdient usw. Von der Zwietschrift wußte er doch nichts. Abgeschlossen hat er vermutlich, damit ihm niemand folgt. Für mich ist die Inszenierung von Sir Percivals Tod eine der besten, die es für Bösewichter in Filmen je gegeben hat.

Zitat
Der "Haupt"-Schurke ist ja der Conte - der Plötzlich ein Verräter eines Geheimbundes ist und daher sein Kartenhaus zerbricht - diese Wendung ist auch sehr weit hergeholt.



Finde ich nicht. Viele Italiener flohen aus Italien, als es 1861 vereint wurde und ihnen plötzlich der Tod drohte. Könnte wirklich so gewesen sein.

Mir gefällt DIE FRAU IN WEISS außerordentlich gut (Besetzung!!! Ausstattung, Art der Inszenierung). Der Stoff gilt ja als der erste Kriminalroman der Literaturgeschichte. Es darf dabei kein Krimi à la Durbridge, Wallace oder Christie erwartet werden. Die perfiden Machenschaften des Conte und Sir Percivals (Mord an der Frau in Weiß, Geldanschaffung usw.) kommen aber - wie du richtig erwähnst - erst langsam ans Tageslicht. So langsam, wie die Zeit damals war.
Im Übrigen gibt es auch zahlreiche TV-Krimis, bei denen erst nach mehr als der Hälfte klar wird, dass es ein Krimi ist (ich denke da etwa an manche Derrick-Geschichten, die in meinen Augen überhaupt kein Krimi sind)...

Matze K. Offline



Beiträge: 1.060

04.04.2010 10:16
#7 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Die Besetzung ist nicht zu beanstanden. Pinkas Braun find ich immer wieder toll anzusehen

Zu Derrick bin ich noch nicht vorgestoßen. Entsprechend deinen Erläuterungen lass ich auch erstmal die Finger davon . Was ich mag sind "Wallace, Sherlock-Holmes, Agatha-Cristie und Durbrige-geschichten" Dachte daher, da der Film als "Straßenfeger" bezeichnet wird, hat er änliches zu bieten

Wie sind die anderen "Plüschkrimis" außer dem "Mondiamant" aufgebaut? Der Mondiamant war spannender aufgebaut. Der hatte auch ein paar unnütze Nebengeschichten - aber das ist ja Geschmackssache.

Georg Offline




Beiträge: 3.228

04.04.2010 10:54
#8 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Tja, wie gesagt, ich mag die Plüschkrimis allesamt sehr gerne. Sie punkten durch eine überaus gelungene Besetzung, die der Regisseur Wilhelm Semmelroth immer wieder zusammengetrommelt hat.
DIE AFFÄRE LEROUGE und DER STRICK UM DEN HALS sind eher Detektivgeschichten, aber natürlich auch - wie damals üblich - mit Liebesgeschichten und gesellschaftlichen Problemen jener Zeit bestickt. Am wenigsten Krimi ist "Lucilla", der letzte der acht Filme.
Wenn du auf Krimi à la Wallace oder Durbridge hoffst, darfst Du Dir nicht zuviel erwarten. Wenn Dir "DER MONDDIAMANT" gefallen hat, dann wirst Du sicher auch bei dem einen anderen Film Gefallen finden. Toll ist auch "Der rote Schal". (Besetzung, Ausstattung, Musik...)

Whodunit sind nur DIE AFFÄRE LEROUGE, DER STRICK UM DEN HALS und auch LADY AUDLEYS GEHEIMNIS (von der Geschichte her auch interessant).

Unheimlich gruselig spielt sich das Geschehen in einem Schloss in "Onkel Silas" ab.

Wenn Dich mehr interessiert, hier die Links zu meiner Homepage:

"Die Frau in Weiß" (1971 nach Wilkie Collins, 3 Teile)
http://krimiserien.heim.at/f/die_frau_in_weiss.htm

"Der rote Schal" (1973 nach Wilkie Collins, 3 Teile)
http://krimiserien.heim.at/r/der_rote_schal.htm

"Der Monddiamant" (1974 nach Wilkie Collins, 2 Teile)
http://krimiserien.heim.at/m/der_monddiamant.htm

"Der Strick um den Hals" (1975 nach Émile Gaboriau, 3 Teile)
http://krimiserien.heim.at/s/der_strick_um_den_hals.htm

"Die Affäre Lerouge" (1976 nach Émile Gaboriau, 2 Teile)
http://krimiserien.heim.at/a/die_affaere_lerouge.htm

"Onkel Silas" (1977 nach Sheridan LeFanu, 2 Teile)
http://krimiserien.heim.at/o/onkel_silas.htm

"Lady Audleys Geheimnis" (1978 nach Mary Elizabeth Braddon, 2 Teile)
http://krimiserien.heim.at/l/lady_audleys_geheimnis.htm

"Lucilla" (1979 nach Wilkie Collins, 2 Teile).
http://krimiserien.heim.at/l/lucilla.htm



Was "DERRICK" betrifft: hier gibt es auch sehr viele sehr starke Folgen. Die Folgen, auf die ich mich beziehe, stammen aus den 90ern, wo oft nur mehr philiosophischer Pseudoquatsch Inhalt der Episoden war. Die frühen Derrick-Folgen kannst Du getrost ansehen ;-)

Matze K. Offline



Beiträge: 1.060

04.04.2010 13:07
#9 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

danke - hab mir die Beschreibungen angesehen.

In der Tat scheinen die beiden "Émile Gaboriau"-Filme und der Film "Lady Audleys Geheimnis" für mich interessant wären. "Der rote Schal" und "Onkel Silas" vielleicht noch (grübel) - Aber Lucilla kann ich damit auf jeden Fall von meiner Liste streichen *gg*

materia Offline



Beiträge: 1

04.07.2010 09:20
#10 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Wenn das eine ZDF-Redakteurin gesagt hätte, wäre es leichter gewesen, dies nachzuvollziehen. Dieser Kanal ist heute so eindeutig an einer bestimmten Zielgruppe ausgerichtet. Kaum zu glauben, dass da die berühmten Vierteiler in den 70er Jahren produziert wurden. Die Semmelroth / Asmodi – Verfilmungen wurden doch bestimmt in den Dritten Programmen wiederholt. Ich bin auch ein großer Fan von diesen Plüsch-Krimis. Wer kennt die beiden letzten Verfilmungen – LADY AUDLEYS GEHEIMNIS und LUCILLA?

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

07.10.2010 21:34
#11 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Die "Plüschkrimis" "Der Strick um den Hals" und "Lady Audleys Geheimnis" erscheinen am 22. Oktober 2010 auf DVD. Sie kommen von In-Akustik / ARD-DVD mit folgenden Covern:



Links:
http://www.in-akustik.com/de/MuM/artikel...an=707787123075
http://www.in-akustik.com/de/MuM/artikel...an=707787122771

Georg Offline




Beiträge: 3.228

08.10.2010 14:07
#12 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Schön, dass diese hochwertigen Produktionen nun endlich auch einem breiteren Publikum zugänglich werden!
Ich sehe mir diese mit viel Liebe inszenierten Mehrteiler immer wieder mal mit großer Freude an.
Unglaublich, wen Regisseur Wilhelm Semmelroth da vor die Kamera geholt hat, im "Strick" z.B. Dieter Borsche, Siegfried Lowitz, Erika Pluhar, Konrad Georg, Gerd Baltus, Ralf Schermuly, Wolfgang Büttner, Heinz Schimmelpfennig usw..
Der französische Autor Émile Gaboriau, auf dessen berühmten Roman "La corde au cou" diese Verfilmung beruht, war im 19. Jahrhundert mit seinen Werken richtungsweisend und hat unter anderem Arthur Conan Doyles Werk stark beeinflusst. Man darf sich aber bei den Semmelroth-Filmen keine Krimis à la Wallace erwarten, sondern vielmehr ein Spiegelbild der Gesellschaft von damals, um die die - dann doch durchaus spannende - kriminalistische Handlung gesponnen wird. Gerade "Strick" aber auch "Lady Audley" (auch hier geniale Besetzung: Hans Caninenberg, Susanne Uhlen, Christian Wolff, Siegfried Wischnewski, Helga Anders, H.H. Dickow) sind zwei Whodunits, die doch mit überraschenden Auflösungen aufwarten.

Matze K. Offline



Beiträge: 1.060

08.10.2010 21:36
#13 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

jep die beiden sind wirklich toll gemacht !!!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

25.12.2010 15:11
#14 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten



BEWERTET "Lady Audleys Geheimnis" (Westdeutscher Rundfunk, 1978)

mit: Susanne Uhlen (Lady Audley), Hans Caninenberg (Sir Michael Audley), Christian Wolff (Robert Audley), Michael Schwarzmaier (George Talboy), Katerina Jacob (Alicia Audley), Helga Anders (Phoebe), Willi Semmelrogge (Baxter), Hans-Helmut Dickow (Kapitän Maldon), Peter Thom (Lucas Marks), Claudia Amm (Clara Talboy), Siegfried Wischnewski (Talboy Senior), Ilsemarie Schnering (Frau Maloney), Lilla Towska (Witwe Barkamb), Elfriede Pletsch (Heimleiterin) u.a. Regie: Wilhelm Semmelroth, Buch: Herbert Asmodi nach einem Roman Mary Elizabeth Braddon, Musik: Hans Jönsson


"Sie ist weder verrückt, noch wahnsinnig. Sie ist nur ab und zu ein wenig bösartig. Aber sind wir Vernünftigen nicht auch bösartig?" (Norman Bates in "Psycho")

Auf der Rückseite des Romans in der Ausgabe der Oxford University Press steht folgendes Fazit:

Zitat von About Mary Elizabeth Braddon: Lady Audley's Secret
"Lady Audley's Secret" (1862) subtly undermined the Victorian myth that female self-assertion was a form of insanity.


In bemerkenswerter Weise hat Herbert Asmodi in der Bearbeitung der Vorlage von M.E. Braddon alle Bezüge auf eine Geisteskrankheit der Hauptfigur eliminiert. Nimmt die Angst Lady Audleys, den Wahnsinn ihrer Mutter geerbt zu haben, im Buch noch einigen Raum ein, so sehen wir mit Susanne Uhlen eine selbstsichere junge Frau, die nie lächelt und ihren Willen erbittert durchsetzt. Ihr Werdegang ist ihrem kühlen Verstand und ihrer Intelligenz zuzuschreiben.

Zitat von Mary Elizabeth Braddon: Lady Audley's Secret
Wherever she went she seemed to take joy and brightness with her. In the cottages of the poor her fair face shone like a sunbeam. [...]...everybody, high and low, united in declaring that Lucy Graham was the sweetest girl that ever lived.


Die einzige Person, die ihr gewachsen ist; der einzige Mann, der ihren Status ins Wanken bringen kann, ist Robert Audley, der Neffe ihres Ehemanns. Christian Wolff ist ein würdiger Gegenspieler für Susanne Uhlen, die der Titelrolle Glaubwürdigkeit verleiht. Man hasst sie für ihre Halsstarrigkeit, ihre Kälte und ihre Lügen. Dennoch sollten wir diese Frau nicht pauschal verurteilen. Um die Feinheiten und Hintergründe der Geschichte besser zu verstehen, empfiehlt es sich, zuerst den Zweiteiler zu sehen und dann das Buch zu konsultieren. Ähnlich wie in "Die Frau in Weiß" (Wilkie Collins) findet man auch hier viele Elemente des klassischen Schauerromans. Geheimnisse aus der Vergangenheit werden mit allen Mitteln daran gehindert, ans Licht zu kommen. Dafür wird geleugnet, gelogen und bei Bedarf auch gemordet. Doch immer gibt es einen redlichen jungen Mann, der zunächst aus Neugier, dann aus moralischer Überzeugung handelt und dafür sorgt, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird.
Der junge Rechtsgelehrte Robert Audley langweilt sich in seinem Beruf. Seine Kanzlei wird selten von Klienten aufgesucht, doch sein Vermögen ermöglicht es ihm, dennoch bequem zu leben. Nachdem sein Freund George Talboy - im Roman übrigens Talboys - nach sechs Jahren aus Australien zurückkehrt, ist es für ihn eine angenehme Abwechslung, mit diesem zu seinem Onkel nach Audley Court zu fahren, um endlich Bekanntschaft mit dessen zweiter Frau Lucy zu machen. George Talboy hat nach seiner Ankunft in England erfahren müssen, dass seine Frau Helen vor kurzem gestorben ist. Er ist untröstlich, da er nur ihretwegen zu den Goldminen ans andere Ende der Welt gereist ist, um ein Vermögen zu erarbeiten. Nun, da er mit 20 000 Pfund wieder in der Heimat ist, bleibt ihm nur mehr der Gang an Helens Grab. Seltsamerweise lässt sich Lady Audley entschuldigen. Sie sei nicht in der Verfassung, die beiden jungen Männer zu empfangen. Als George zufällig eine Skizze der schönen Lady sieht, erstarrt er und sucht sie mitten in der Nacht im Herrenhaus auf. Danach ist er verschwunden und sein Freund Robert sucht nach ihm. Vergeblich.....
Wer die Werke des Erfolgsschriftstellers Wilkie Collins (Nissens Neuer Almanach: "Techniker der Spannung, der Stimmung, des Schreckens") kennt, kommt relativ rasch hinter das Geheimnis der Geschichte. Psychologisch ausgefeilt, menschlich herausfordernd und atmosphärisch dicht präsentiert sich der Zweiteiler dennoch. Die Schauspieler entwickeln ein Gespür für den historischen Stoff und sind mit Engagement bei der Sache. Änderungen der literarischen Vorlage dienen dazu, dem Roman das Melodramatische zu nehmen; die innere Gefühlswelt wird ausgespart, lässt sie sich doch auf der Leinwand schwer darstellen. Die Beichte von Lady Audley und Sir Michaels Reaktion sind ein Höhepunkt des Romans, im Film überbringen Robert Audley und Clara Talboy die schlechten Nachrichten.

Zitat von Mary Elizabeth Braddon: Lady Audley's Secret
... when this dull quiet had passed away, when little by little, and one by one, each horrible feature of the sufferer's sorrow became first dimly apparent and then terribly familiar to him, the storm would burst in fatal fury, and tempests of tears and cruel thunder-claps of agony would rend that generous heart.


Auch das Ende wurde abgeändert - hier zugunsten eines spannenden Finales. Hans Caninenberg und Siegfried Wischnewski übernehmen die Rollen der würdigen alten Herren, deren Empfindungen durch das Auftauchen der jungen Frau in nachhaltiger Weise gestört werden. Sir Michael Audley erleidet ein gebrochenes Herz, Harcourt Talboy unendlichen Hass auf die Frau, die seinem Sohn den Weg zu einer besseren Partie versperrt hat. Claudia Amm und Katerina Jacob stehen ein wenig am Rande, hauchen ihren Frauenporträts jedoch Leben ein, indem sie zwei gegensätzliche Damen der Gesellschaft zeigen, einer Gesellschaft, in der "even the prettiest girl might wait a long time for a rich husband."

Jomei2810 Offline



Beiträge: 49

19.02.2011 14:14
#15 RE: Bewertet: Plüschkrimis (WDR 1971-1979) Zitat · Antworten

Zitat von burkhard
"Der Rote Schal" ist eine ziemlich traurige Sache. Der Hauptdarsteller Fred Haltiner (auch in einigen Folgen vom "Kommissar" zu sehen) verliebte sich während der Dreharbeiten in Ellen Schwiers (weibliche Hauptrolle) und beging bald darauf Selbstmord. Der Inhalt ist auch ziemlich düster, aber das haben die
Plüschkrimis ja alle an sich.


Ob seine unerwiderte Liebe zu Ellen Schwiers der Grund für seinen Freitod war ist nicht erwiesen. Haltiner wirkte nach dem ROTEN SCHAL noch in der 13 teiligen Serie DIE ÜBERLEBENDEN DER MARY JANE mit, die einige Jahre nach seinem Tod (1976) erstmals im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. Über Fred Haltiner findet man im Netz nur sehr wenig. Was für ein Mensch war er überhaupt? Hatte er schon vorher irgendwelche Probleme (Depressionen u. a.)? Ein zuvorkommender und freundlicher Zeitzeuge wie Clemens Klopfenstein ignoriert höflich Fragen, die Herrn Haltiner betreffen und nicht nur er... Näheres über die letzten Lebensjahre von Fred Haltiner, den ich als Schauspieler immer sehr geschätzt habe, wird und kann man derzeit nicht erfahren.

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