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Dieses Thema hat 9 Antworten
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 Romane
Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

04.09.2009 11:50
Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Zum 50-jährigen Jubiläum der Edgar-Wallace-Kinofilmserie der Rialto Film die besten Grüße und Wünsche an alle damals Beteiligten und an alle heute noch von den Filmen gefesselten Zuschauer sowie natürlich insbesondere an die Leser in diesem Forum!



Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske (The Fellowship of the Frog)

Erstausgabe (Großbritannien): 1925, Ward Lock & Co., London
Erstausgabe (deutschsprachig): 1926, Rikola-Verlag, Wien
Erstübersetzerin: Alma Johanna Koenig
Derzeit erhältlich: 2007, Portobello Topseller*

*) in einem Band mit „Der grüne Bogenschütze“ und „Das Gasthaus an der Themse“

Wichtige Personen:

  • Richard Gordon
  • Ella Bennett
  • Ray Bennett, Bruder
  • John Bennett, Vater
  • Sergeant Elk
  • Ezra Maitland
  • Mathilda
  • Philo Johnson
  • Inspektor Genter
  • Josua Broad
  • Lola Bassano
  • Lew Brady
  • Lord Farmley
  • Sergeant Balder
  • Hagen, Nachtclubbesitzer
  • Mills
  • sowie diverse Kleinstrollen
Inhalt

Zitat von Rückentext Weltbild-Jubiläumsausgabe 2000
Ein mysteriöser Einbruch in der Wohnung Lord Farmleys und ein Attentat mit Blausäure: Da hat gewiss der berüchtigte „Frosch“ seine Finger im Spiel! Eine Tätowierung am Handgelenk ist das Markenzeichen seiner Verbrecherbande, die ganz London in Atem hält. Und nun will das maskierte Scheusal gar die junge Ella heiraten! Detektiv Elk ist sich sicher: Dem „Frosch“ müssen Handschellen verpasst werden!


Buchbesprechung

Der Roman „The Fellowship of the Frog“, übersetzt etwa „Die Gefolgschaft des Frosches“, entstand im Jahr 1925 und ist einer jener Wallace-Stoffe, die ihre Premiere im deutschsprachigen Raum nicht im Goldmann-Verlag feierten. Denn noch bevor der „Frosch“ von diesem ausgegeben wurde, hatte ihn der österreichische Rikola-Verlag bereits herausgebracht.

Wie auch „Der rote Kreis“, der nach „Der Frosch mit der Maske“ als zweiter Rialto-Wallace-Film ausgesucht wurde, erzählt „The Fellowship of the Frog“ die Geschichte eines Verbrechersyndikats mit sagenhaftem Ausmaß. Nicht das klassische Muster des Verbrechens auf einem englischen Landsitz also war es, was man im Hause der Rialto für wallace-typisch und publikumswirksam hielt, sondern die Untiefen von Gangsterorganisationen, die einem unbekannten Oberhaupt blindlings gehorchen. Genau auf diesen Aspekt zentriert sich der Roman. Er schildert eine überdurchschnittlich große Menge unterschiedlicher Verbrechen, was zwar einerseits einem durchgängigen Spannungsaufbau zunächst im Weg zu stehen scheint, andererseits aber Wallace’ Talent für fantasievolles und gut durchdachtes Verbrechen zeigt.

Der Hauptermittler in „Der Frosch mit der Maske“ ist Hauptmann Richard Gordon. Sein Titel zeigt bereits eine Differenz zu seiner späteren Filmdarstellung durch Joachim Fuchsberger auf: Anstatt einfach nur ein reicher Hobbydetektiv mit Spaß an privaten Ermittlungen zu sein, hält der Dick Gordon des Buches den Posten des Hilfsdirektors der Staatsanwaltschaft inne. Die Änderung für die Verfilmung von 1959 ist prinzipiell wohl unnötig, da auch der Buchcharakter ein Musterbeispiel für Sympathie und Arbeitsamkeit, zwei Pflichttugenden der frühen Wallace-Ermittler, ist, jedoch mag vor dem Hintergrund, dass das Buch mit mehreren Vorgesetzten, vielen politischen Figuren und Diensträngen operiert, der Grund für die Umarbeitung verständlich werden.

Gordon ist ohne Wenn und Aber in jene gern und oft von Wallace benutzte Ermittlertypisierung der jungen, einnehmenden und schnell aufstrebenden Charmeure einzuordnen. Doch mehr noch: Genau wie 1932 in seinem „Gangster in London“ trifft auch im „Frosch“ auf den Ermittler zu, dass er viel jünger aussieht als er eigentlich ist:

Zitat von Weltbild-Jubiläumsausgabe 2000, Kapitel 1, S. 10
[D]er Alte fragte: „Ich kann Sie doch nicht für so jung halten wie Sie aussehen, Herr Gordon. Wie alt sind Sie wohl?“
„Ich bin schon furchtbar alt“, sagte Dick. „Einunddreißig.“
„Einunddreißig?“ rief Ella erglühend, „und ich sprach mit Ihnen als wären Sie ein Kind!“

Zitat von „Gangster in London“, Goldmann, Ausgabe von 1956, Kapitel 2, S. 12
„Wie alt sind Sie denn jetzt, Terry?“
„Fünfunddreißig.“
Jiggs machte ein verächtliches Gesicht. „Das ist eine gemeine Lüge! Wenn Sie älter sind als dreiundzwanzig, dann lasse ich mich totschießen.“


Gordon zur Seite steht Sergeant Elk. Dieser genießt als eine der mehrfach auftretenden Edgar-Wallace-Figuren eine Sonderstellung und darf mit seinem teilweise etwas merkwürdigen Auftreten beispielsweise auch den Originalroman „Das Gasthaus an der Themse“ bereichern. Weil hier wie da neben Elk auch maskierte Gangsterbosse auftauchen, ist es nicht weit hergeholt, zu vermuten, dass „The India-Rubber Men“ (Das Gasthaus an der Themse) als eine Art lose Fortsetzung zum „Frog“ konzipiert wurde. Diesem Umstand wird zum Beispiel mit einer britischen Kinoproduktion von 1938 Ausdruck verliehen, die die „Gasthaus“-Story unter dem Titel „The Return of the Frog“ bewarb.

Elk wird im Laufe des „Frosches“ vom Sergeant zum Inspektor befördert, weil Dick Gordon sich für ihn einsetzt. Von allein hätte Elk diesen Sprung nie geschafft – nicht nur, weil er im Beförderungstest stets beim Thema Geschichte versagt, sondern auch, weil er der Auffassung ist, dass einem Mann mit einfacher Erziehung höhere Dienstgrade nur Schwierigkeiten einbringen. Welch eine schöne Moral von anno dazumal ...

Auch wenn die meisten der übrigen Rollen in der Rialto-Verfilmung exakt oder zumindest so ähnlich porträtiert wurden, wie sie der Roman beschrieb, ist es dennoch interessant, einen Blick auf noch eine weitere Figur zu werfen, die sich vielleicht am stärksten zwischen Buch und Film unterscheidet. Die Überraschung bei dieser Sache ist: Es handelt sich eben um jene Rolle, die man bei Nichtkenntnis des Buches für besonders klassisch halten könnte – den gespenstischen alten Maitland, wie er superb von Fritz Rasp gegeben wird. Doch im Roman findet sich keine Spur der Rasp’schen elitären Überlegenheit oder seiner furchterregenden Ruhe. Im Gegenteil: Maitland ist ein ungebildeter Rohling, der einst in einem Elendsquartier in der Eldor Street lebte und nur zufällig vom „Frosch“ für Alibizwecke als Chef des großen Maitland-Imperiums eingesetzt wurde. Als besonders pikant stellt sich ein weiteres Geheimnis um Maitlands Person dar, das mit seiner mehr als unprivilegierten Herkunft zusammenhängt, ich jedoch für Personen, welche das Buch noch nicht gelesen haben, an dieser Stelle nicht verraten werde. Verratenswert ist aber auf jeden Fall die detaillierte Transkription seiner unmanierlichen Sprache:

Zitat von Weltbild-Jubiläumsausgabe 2000, Kapitel 28, S. 189
Im Tone des alten Mannes lag soviel Brutalität, seine Augen blickten so trotzig, dass man auf mehr als bloße Aufregung schließen mochte.
„Ich werd auf keine Fragn nich antwortn“, sagte er laut. „Ich werd nicht die Wahrheit sagn und nich eine Lüge.“
„Herr Maitland“, sagte Johnson zögernd, „diese Herrn möchten gerne etwas über das Kind erfahren.“
Der alte Mann schloss die Augen.
„Ich werd nicht die Wahrheit sagn un ich werd keine Lügen sagn“, wiederholte er monoton.
„Herr Maitland“, bat der gutmütige Elk, „ändern Sie Ihren Entschluss und sagen Sie uns, warum Sie in jenem elenden Quartier in der Eldorstraße gewohnt haben?“
„Keine Wahrheit nich und keine Lügen nich“, murmelte der Alte. „Einsperrn könnt Ihr mich, aber erzähln wird ich euch schon gar nichts. Sperrt mich ein, ich bin Ezra Maitland, ich bin ’n Millionär. Ich könnt euch aufkaufn. Ich könnt alle andern auch aufkaufn, der alte Ezra Maitland bin ich. Im Strafhaus bin ich gewesn und im Loch bin ich gewesn, jaha!“


Da der Roman sehr umfangreich ist, bedurfte es für den Film vieler Kürzungen. Im Großen sind sie sehr gut gelungen, zeichnete doch Egon Eis unter seinem Pseudonym Trygve Larsen dafür verantwortlich. Doch zwei Abstriche kann man in Hinsicht auf die Spannung machen. Der erste findet sich bereits in der ersten Hälfte des Buches, in der verschiedene Schandtaten des Frosches episodenhaft beleuchtet werden. Es handelt sich um eine Geheimbotschaft für die Mannen des Frosches, die Elk und Gordon mitanhören. So weit, so gut. Doch das ist nicht alles: Die Botschaft wird nämlich eindeutig von einer Frauenstimme gesprochen. Dick ist schockiert, als er die Stimme Ella Bennetts zu erkennen glaubt, und für ihn bricht eine Welt zusammen. Elk spannt ihn im Gespräch besonders fies auf die Folter, denn er weiß dafür eine so einfache wie verblüffende Antwort ... – Dieses Element hätte der doch sehr biederen Ella-Rolle in der 1959er-Adaption vielleicht ein wenig Bedeutsamkeit hinzugefügt.

Wallace bringt neben all den Verbrechen der Froschbande überdies die Schicksalsgeschichte eines jungen, übermütigen und für seinen Ehrgeiz ungesund faulen Mannes ein, der sich durch seinen Wunsch nach Geld, Unabhängigkeit und Anerkennung auf die schiefe Bahn begibt und auf dieser effektvoll scheitert. Und gerade in jenem Scheitern Ray Bennetts ist die zweite Schwäche des Films zu sehen. Denn während das Buch von der Spannung vor seiner Hinrichtung fast ein Drittel der Geschehnisse nährt (und zu diesem Zeitpunkt fährt die Handlung dann so richtig an und beschert erstklassigen Nervenkitzel bis zum Ende des Romans), wird die Auflösung, wer sich als Henker von London verdingt, im Film viel zu schnell verraten.

In dieser zweiten Romanhälfte baut „Der Frosch mit der Maske“ eine wesentlich größere Bindung des Lesers mit den Protagonisten auf und bringt ihn dazu, sich zunächst auf dem Ausflug von Ray Bennett und Lew Brady im Auftrag des Frosches mit diesen beiden Gestalten des Halbdunkels und schließlich mit den Anstrengungen des Retters Dick Gordon mitzuängstigen, die stets durch den einen oder anderen Umstand ins Wanken geraten. Das schlussendliche Finale um die Entführung Ellas wurde dann wiederum adäquat von der Buchseite auf die Filmleinwand gebracht und dürfte wohl Pate gestanden haben für die inoffizielle Verpflichtung, die meisten in der Wallace-Reihe noch kommenden Hauptdarstellerinnen entweder ebenso entführen oder zumindest in brenzlige Situationen kommen zu lassen.

Im Schlusssprint holt „Der Frosch mit der Maske“ viele jener Längen wieder auf, die er sich meiner Auffassung nach zu Beginn vorwerfen lassen muss. Er zählt deshalb zwar nicht zu Wallace’ besten Werken, doch durchaus zu seinen gelungenen. Und an der Richtigkeit der Entscheidung, den „Frosch“ als Pilot für eine deutsche Wallace-Serie zu wählen, dürfte heute sowieso kein Zweifel mehr bestehen.



Hörspiel I (Der Frosch mit der Maske, BRD 1982)

Stilistisch ist von der Edgar-Wallace-Vorlage im Hörspiel aus dem Hause Maritim kaum noch etwas zu finden. Der Roman wurde als Kinderhörspiel bearbeitet und das Ermittlerteam dementsprechend umgeschrieben. Statt Richard Gordon und Sergeant Elk gehen nun Chefinspektor Joe Jenkins und Inspektor Elford (!) auf Spurensuche. Unterstützt werden sie von den zwei Jugendlichen Nick und Nicky. Beide geben der gesamten Adaption ein verdächtig an Kindertage erinnerndes Flair: Nick spricht schließlich mit der Stimme von Sascha Draeger, den viele von uns aus der bis heute fortgesetzten Europa-Reihe „TKKG“ als Tim (oder Tarzan) kennen.

Die Annäherung an Jugendliche und das gleichzeitige Aufgreifen der teilweise doch recht brutalen Geschehnisse um die Gangsterbande des Frosches mag als ein Paradoxon angesehen werden, doch immerhin bewahrt letzteres vor allzu starker Infantilisierung. Nick und Nicky bleiben eher überflüssige Randfiguren, während einige Charaktere, die aus der Originalvorlage mit mehr oder weniger großen Vereinfachungen übernommen wurden, glücklicherweise doch stärker im Fokus bleiben. Am Ende ist es aber wohl Geschmackssache: Bei wem hin und wieder eine kindliche Ader erwacht, der mag durchaus Spaß an der Umsetzung haben ...

Besetzung der wichtigen Rollen im Hörspiel I (Regie: Hans-Joachim Herwald)
  • Ella Bennett: Gaby Blum
  • John Bennett (im Hörspiel Bennet): Jens Kersten
  • Ezra Maitland: Lothar Zibell
  • Philo Johnson: Konrad Halver
  • Sergeant Balder (im Hörspiel Polizeianwärter Balder): Jochen Baumert
  • Des Weiteren: Manfred Krug, Sascha Draeger, Alexandra Doerk, Günther Lüdke, Rainer Schmidt.


Hörspiel II (Der Frosch mit der Maske, BRD 1983)

Noch weniger als die rund 50 Minuten des Maritim-Hörspiels gestand das Hörspiellabel Europa dem Stoff „Der Frosch mit der Maske“ zu. Doch während Maritim auf eine zu starke Vereinfachung der Romanstruktur und auf eher nutzenfreie Kinderparts setzte, gelang es Europa, in nur 42 Minuten viel mehr der wesentlichen Aspekte des Romans zu bündeln. Überhaupt ist es für mich die Adaption des Wallace-Romans, die seiner Atmosphäre am nächsten kommt. Eine der Schwächen des Films, die Vereinfachung der Hinrichtungsgeschichte, wurde hier beispielsweise durch größere Originaltreue umschifft.

Auch die Besetzung lässt sich in keiner Weise lumpen und wartet mit so vielen alten Bekannten auf wie kaum ein anderes Spiel der Reihe. So hört man zum Beispiel Uwe Friedrichsen (Der Gorilla von Soho) auf Dick Gordon, Wolfgang Kieling (Im Banne des Unheimlichen) auf Mr. Johnson, Paul Edwin Roth (Die Gentlemen bitten zur Kasse) auf John Bennett, Wolfgang Völz (Der grüne Bogenschütze) auf Sergeant Elk und Josef Dahmen (Die Bande des Schreckens, Tim Frazer) auf Mr. Ezra Maitland. Gemeinsam mit den qualitativ hochwertigen übrigen Sprechern sowie der passenden musikalischen und tontechnischen Aufmachung stellt „Der Frosch mit der Maske“ ein Highlight der Serie dar, mit dem ich das Glück hatte, die Europa-Reihe kennenzulernen.

Besetzung der wichtigen Rollen im Hörspiel II (Regie: Heikedine Körting)
  • Richard Gordon: Uwe Friedrichsen
  • Ella Bennett: Rebecca Völz
  • Ray Bennett: Michael Harck
  • John Bennett: Paul Edwin Roth
  • Sergeant Elk: Wolfgang Völz
  • Ezra Maitland: Josef Dahmen
  • Philo Johnson: Wolfgang Kieling
  • Inspektor Genter: Karl-Heinz Hess
  • Lew Brady: Lothar Ziebell
  • Des weiteren: Jürgen Thormann, Günther Flesch, Martin Piontek, Horst Naumann (Erzähler).


Hörbuch (Der Frosch mit der Maske, BRD 2007)

Airplay Audio präsentiert die von Tommi Piper vorgetragene Lesung des Romans auf vier CDs mit einer Gesamtlauflänge von rund 310 Minuten. Diese wirken, wie der Roman auch, in der ersten Hälfte durchaus etwas langwierig und aufgrund der verschiedenen offenbar wahllosen Verbrechen nicht zusammenhängend und griffig genug. Mit der Geschichte um Ray Bennett aber kommt auch in die Lesung Schwung – und von da an ist man dankbar für die Detailtreue des Hörbuchs. Tommi Piper als Leser ist ein wenig gewöhnungsbedürftig; mir persönlich fällt es schwerer, ihm zuzuhören als anderen Sprechern. Dennoch ein liebevolles Produkt im typischen nüchternen Airplay-Stil.

Angemerkt sei, dass ich zur Übersetzungsdiskussion dieses Mal nicht viel sagen kann, da mir in schriftlicher Form vom „Frosch“ nur die Weltbild-Ausgabe und damit die ungekürzte Erstübersetzung vorliegt. Da sich – abgesehen von den hörbuchüblichen Kürzungen – die Airplay-Audio-CDs im Wortlaut ziemlich genau an die Weltbild-Ausgabe halten, ist entweder davon auszugehen, dass diese als Vorlage für die Lesung fungierte oder dass „Der Frosch mit der Maske“ im Laufe seiner Publikationsgeschichte weniger Umarbeitungen erfuhr als manch anderer Stoff.



Verfilmung (Der Frosch mit der Maske, BRD / DK 1959)

Es war der 4. September 1959. Nach 47 Dreh- und 86 Schnitt- und Bearbeitungstagen, genau 15 Tage nach der FSK-Prüfung, die mit dem Prädikat „freigegeben ab 16 Jahren, nicht feiertagsfrei“ unter der Prüfnummer 20350 abgeschlossen wurde, fand im Universum Stuttgart die Uraufführung eines Films statt, der ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen sollte. „Der Frosch mit der Maske“ hieß er. Und sein Erfolg ermutigte nicht nur den Produzenten Preben Philipsen, 31 weitere Edgar-Wallace-Filme in den nächsten zwölf Jahren zu drehen, sondern hatte auch diverse Konkurrenzproduktionen, eine allgemeine Krimi-Freude und anhaltende Begeisterung für jene Filmreihe zur Folge, die man die deutsche „Edgar-Wallace-Welle“ nannte. Noch heute, auf den Tag genau ein halbes Jahrhundert nach der Premiere, gibt es nach wie vor eine merkwürdige kleine Gruppe von Menschen, die in den ganzen 50 Jahren kaum einen besseren Zeitvertreib gefunden hat, als diesen inzwischen betagten Kultfilmen zu huldigen. Und dass sie es immer noch tun, lässt hoffen, dass sie es auch in Zukunft noch fleißig tun und damit die Fahne mit dem Spruch „Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein“ hochhalten werden.

Dieser blumigen Geburtstagsrede kurzer Sinn: Mit „Der Frosch mit der Maske“ entstand etwas Besonderes. Der Film ist eine wohlschmeckende Mischung aus leichtem Kriminalfilm, der einem weniger kalte Gruselschauer über den Rücken jagt als vielmehr die Möglichkeit zum Miträtseln und Mitfiebern mit den Charakteren gibt, und einem perfekten Abbild des Unterhaltungskinos seiner Zeit. Ein qualitativ hochwertiges Filmdokument, das es zwar mit dem Wortlaut der literarischen Vorlage teilweise etwas ungenau nimmt, den echten Geist der Geschichte aber aus den 1920er Jahren in die Zeit des Wirtschaftswunders, die letzte Hochzeit des deutschen Kinos, transferrierte. Drehbuchautoren, Regisseure, Darsteller, überhaupt die ganze Crew – alle verstanden ihr Handwerk bestens. Und das merkt man: Spannung und Witz, Nervenkitzel und Leichtfüßigkeit, Ernsthaftigkeit und ironische Anleihen – das Schema des humorigen Krimis wurde aus Großbritannien und den USA übernommen und mit dem soliden Handwerk des deutschen und des traditionsreichen dänischen Films verbunden. Was bleibt, ist eine anhaltend wertige, durchgängig interessante und innovativ traditionelle Herangehensweise an einen guten Kriminalstoff. Diese Mischung funktioniert. Bis heute.

Besetzung der wichtigen Rollen im Kinofilm (Regie: Dr. Harald Reinl)
  • Richard Gordon: Joachim Fuchsberger
  • Ella Bennett: Eva Anthes
  • Ray Bennett: Walter Wilz
  • John Bennett: Carl Lange
  • Sergeant Elk (im Film Detektivinspektor Elk): Siegfried Lowitz
  • Ezra Maitland: Fritz Rasp
  • Philo Johnson: Jochen Brockmann
  • Inspektor Genter: Werner Hedmann
  • Josua Broad: Dieter Eppler
  • Lola Bassano (im Film Lolita): Eva Pflug
  • Lew Brady: Reinhard Kolldehoff
  • Sergeant Balder: Erwin Strahl
  • Mills: Michael Hildesheim
  • Des Weiteren: Ulrich Beiger, Charlotte Scheier-Herold, Olav Usin, Holger Munk, Eddi Arent, Ernst-Fritz Fürbringer, Carl Ottosen.


Fazit

Das 50-jährige Jubiläum der Edgar-Wallace-Filmreihe der Rialto-Film rechtfertigt eine genauere Untersuchung des Romans, der dem Rialto-Erstling „Der Frosch mit der Maske“ zugrunde lag. Und während gesagt werden muss, dass der Roman recht stark in zwei merklich unterschiedliche Teile zerfällt und dass man auch in einigen Punkten der Umsetzung in Bezug auf die Verfilmung von 1959 herumkriteln kann, so darf doch nicht unerwähnt bleiben, dass mit eben dieser Umsetzung die aufwändigste Adaption dieses Wallace-Stoffes geschah. Auch lässt sie die qualitativen Diskrepanzen des Buches ganz und gar verschwinden, ohne dem Buch dabei Unrecht zu tun. Im Gegensatz zu vielen anderen Film-Roman-Vergleichen funktioniert hier auch etwas ganz besonderes: Man hat, während man das Buch liest, in den meisten Fällen die Gesichter des Films vor seinem geistigen Auge. Und einen besseren Beweis sowohl für die Wirkung des Films und als auch für die Anregung der Fantasie durch das Wallace-Buch gibt es nicht.

DanielL Offline




Beiträge: 3.743

04.09.2009 23:14
#2 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Vielen Dank für deine ausführliche Besprechung. Hat diesen FROSCH-Tag wirklich wunderbar abgerundet! Da du auch die deutsche Verfilmung und die Hörspielbearbeitungen aufführst, möchte ich gerne den Thread mit einigen zusammengefassten Notizen zu den internationalen Adaptionen vervollständigen. Deiner Art der Analyse zu den jeweiligen Bearbeitungen des Stoffes kann ich leider aufgrund der dürftigen Informationslage zu den britischen Frühverfilmungen nur teilweise gerecht werden. Dennoch finde ich, gehören auch diese Produktionen erwähnt, denn auch sie stellen eine bedeutende Verwendung des wallace'schen Werks dar.

I. Kinofilm-Serial (The Mark of the Frog, 10 Episoden, USA 1928)

Die weltweit erste Verfilmung des Stoffes kommt aus Übersee und die Handlung ist bereits modifiziert. Der Film spielt statt im Großraum London in New York City. Ansonsten schildern das Citadel-Filmbuch von Florian Pauer und das Lexikon von Joachim Kramp eine recht vertraute Inhaltsangabe, während der amerikanische Online-Filmführer "All Movie" eine weitergehend variierte Handlung kennen will:
"Two gangsters fight over a one-million-dollar loot and it is up to stalwart Donald Reed to stop a spiraling gang war, a task made extremely difficult by the fact that the master criminal remains a mystery man even to his closest associates." Unbestritten ist die Besetzungliste während die Rollennamen, welche weiter Aufschluss über die Romannähe geben könnten, leider nicht bekannt sind. Der Film wurde von der Firma Pathé Production hergestellt und von dessen Schwesterfirma Pathé Exchange verliehen. Die erste Episode wurde am 25. März 1928 im Format 1.37:1; 35mm veröffentlicht. Diese Stummfilmproduktion gilt heute als verschollen. Eine deutsche Fassung gab es zu keiner Zeit.

II. Kinofilm (The Frog, England 1937)

Ebenfalls ohne deutsche Veröffentlichung, in England jedoch erfolgreich war dieser zweite Auftritt des Froschs aus dem Jahre 1937. Jack Hawkins, der noch eine lange Karriere hatte und u.a. mit Vincent Price und Diana Rigg 1973 im "Theater des Grauens" spielte, gibt in dieser romangetreuen Produktion den Richard Gordon. Regisseur Jack Raymond und "Sergeant Elk" Gordon Harker zeichneten sich in jenen Jahren für weitere britische Wallace-Produktionen verantwortlich. Als Premierendatum ist der 23. März 1937 bekannt.

[IIb. Kinofilm (Return of the Frog, England 1938)]


"The Frog" Produzent Herbert Wilcox brachte 1938 diesen Film als Sequel in die britischen Kinos. Dieser Film ist eigentlich eine relativ romangetreue Interpretation des Wallace-Romans "Das Gasthaus an der Themse". Der findige Produzent machte mit seinen Autoren jedoch aus der Gummibande im Originalroman wiederrum die Froschbande und konnte so das Fahrwasser des 1937'er Films nutzen. Der Film wird auf US-Internetseiten als On-Demand-Kopie auf DVD-R verkauft.

III. Fernsehspiel (The Frog, England 1958) - Ungenannt im Edgar-Wallace-Lexikon und im Citadel-Filmbuch

Nur kurze Zeit vor dem berühmten Rialto-Kinofilm zeigte die BBC in ihrer Reihe "Sunday Night Theatre" dieses Fernsehspiel, welches eine Mischung aus Live-Darbietung und Filminserts darstellt. Neben Wallace als Vorlage und Producer Rudolph Cartier werden wird als Autor des Stücks interessanterweise auch erneut Ian Hay genannt, der bereits am Buch des 1937er Films beteiligt war. Vermutlich diente jeweils eine erfolgreiche Theaterfassung von Ian Hay als Basis für beide Produktionen. Die Proben für das Fernsehspiel fanden vom 30. Juni 1958 bis zum 18. Juli in London statt. Die sechs Filminserts, die für live nicht vorführbare Action-Sequenzen benötigt wurden, sind ebenfalls in diesem Zeitraum vorproduziert worden. Das Fernsehspiel wurde am Sonntag, den 20. Juli 1958 übertragen. Eine 35mm Aufnahme des werksgetreuen Fernsehspiels lagert im britischen Filmarchiv während bei der BBC nur noch das Insertmaterial aufgefunden werden konnte.

Gruß,
Daniel

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

04.09.2009 23:24
#3 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Vielen Dank für deine Ergänzungen, die ich ausgespart hatte, weil sie mir persönlich nicht bekannt sind. Um die Übersicht der Frösche komplett zu machen, fehlt nun eigentlich nur noch folgender Link zur letztgenannten Fernsehproduktion von 1958: The Pictorial Compendium.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.934

04.09.2009 23:26
#4 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Fehlen tut auch noch die Produktion von Random House Audio, gelesen von Peer Augustinski.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

04.09.2009 23:44
#5 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Du hast absolut Recht. Und dabei steht sie sogar bei mir im Schrank. Schlecht recherchiert also.

Deshalb hier eine "Nachreichung":

Hörbuch II (Der Frosch mit der Maske, BRD 2003)

Beim Umfang der Vorlage "Der Frosch mit der Maske" hat es Random House sich zu einer schweren Aufgabe gemacht, eine Lesung im Rahmen von 75 Minuten abzuliefern. Dies funktioniert bei anderen Büchern, die zwar durchaus einen höheren Seitenausgangswert, aber weniger nennenswerte Verwicklungen aufzuweisen haben (z.B. "Der grüne Bogenschütze"), besser. Auch die eingespielte Musik (hier zum einzigen Mal innerhalb der fünf Random-House-Hörbücher nicht die Originalfilmmusik, weil diese nicht auf der CD "The Best of Edgar Wallace" enthalten ist) stört das Geschehen eher, als dass sie bereichernd zu Buche schlägt. Dennoch sollte man an der Lesung von Peer Augustinski nicht vorbeigehen. Das hat zwei Gründe: Zum einen bietet das Hörbuch bei aller Oberflächlichkeit, mit der es hin und wieder Handlungsstränge abhandeln muss, einen recht guten Überblick über den Roman, der mit 75 Minuten eben flotter ausfällt als mit 310 Minuten. Wer also einmal im Zeitdruck ist, der kann beherzt zugreifen. Zum anderen liegt eine Empfehlung auch an Peer Augustinski selbst, der eine besonders markante Stimme aufweist und neben den fünf Wallace-Hörbüchern beispielsweise auch in "Das Zeichen der Vier" vom Label Titania Medien stilprägend mitwirkte.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

05.09.2009 08:42
#6 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Um nun das Kapitel DER FROSCH MIT DER MASKE ganz abzurunden hier zwei weitere Ergänzungen:

Hörbuch III (Der Frosch mit der Maske, BRD 2007)
In der LAGATO-Edition erschien das Hörbuch mit 2 CDs 2007 - gelesen von Johannes Steck.
Die LAGATO-Wallace-Veröffentlichungen sind zwar zwangsläufig gekürzt aber insgesamt sehr hörenswert.

Filmhörspiel (Der Frosch mit der Maske, BRD/DK 1959/2007)
Und schließlich sollte man auch meine Edgar-Wallace-Filmedition "Der Frosch mit der Maske" hinzufügen. Es war 2007 das erste Hörspiel der ersten Edition mit dem Erzähler Fritz von Hardenberg. Sie beruht zwar auf dem KInofilm - wie ja auch die Hörbücher auf den Romanen beruhen - aber es ist ein eigenständiges Produkt.

Joachim.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

05.09.2009 14:41
#7 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #1
Zum 50-jährigen Jubiläum der Edgar-Wallace-Kinofilmserie der Rialto Film die besten Grüße und Wünsche an alle damals Beteiligten und an alle heute noch von den Filmen gefesselten Zuschauer sowie natürlich insbesondere an die Leser in diesem Forum!



Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske (The Fellowship of the Frog)

Verfilmung (Der Frosch mit der Maske, BRD / DK 1959)

Es war der 4. September 1959. Nach 47 Dreh- und 86 Schnitt- und Bearbeitungstagen, genau 15 Tage nach der FSK-Prüfung, die mit dem Prädikat „freigegeben ab 16 Jahren, nicht feiertagsfrei“ unter der Prüfnummer 20350 abgeschlossen wurde, fand im Universum Stuttgart die Uraufführung eines Films statt, der ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen sollte. „Der Frosch mit der Maske“ hieß er. Und sein Erfolg ermutigte nicht nur den Produzenten Preben Philipsen, 31 weitere Edgar-Wallace-Filme in den nächsten zwölf Jahren zu drehen, sondern hatte auch diverse Konkurrenzproduktionen, eine allgemeine Krimi-Freude und anhaltende Begeisterung für jene Filmreihe zur Folge, die man die deutsche „Edgar-Wallace-Welle“ nannte. Noch heute, auf den Tag genau ein halbes Jahrhundert nach der Premiere, gibt es nach wie vor eine merkwürdige kleine Gruppe von Menschen, die in den ganzen 50 Jahren kaum einen besseren Zeitvertreib gefunden hat, als diesen inzwischen betagten Kultfilmen zu huldigen. Und dass sie es immer noch tun, lässt hoffen, dass sie es auch in Zukunft noch fleißig tun und damit die Fahne mit dem Spruch „Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein“ hochhalten werden.

Hierzu möchte ich noch ergänzen: Der Film wurde am 20. August 1959 von der FSK ab 18 Jahren freigegeben. Erst nach der Schnittauflage wurde der Film am 28. August - also sieben Tage vor der Uraufführung - von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. Was die Dreharbeiten betrifft, betrug zwar der Zeitraum vom 24. April bis 9. Juni 1959 47 Tage, aber an den sechs Sonntagen wurde nicht gearbeitet. Außerdem muss man die Feiertage (1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag) ebenfalls abziehen. Was ich nicht herausfinden konnte, ist die Frage, ob auch am Fronleichnamstag arbeitsfrei war. Das heißt die Dreharbeiten fanden an 38 (37?) Tagen statt.

Joachim.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

06.09.2009 16:19
#8 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #1


Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske (The Fellowship of the Frog)

Erstausgabe (Großbritannien): 1925, Ward Lock & Co., London
Erstausgabe (deutschsprachig): 1926, Rikola-Verlag, Wien
Erstübersetzerin: Alma Johanna Koenig


An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Erläuterungen einfügen.

DER FROSCH MIT DER MASKE war der elfte Detektivroman (so wurde das in den 20ern genannt), den der Goldmann-Verlag Leipzig im Frühjahr 1928 veröffentlichte. Für alle "Neugierigen" hier die damalige Erst-Reihenfolge ab 1926 bis 1928:
  1. DIE BANDE DES SCHRECKENS
  2. DER HEXER
  3. DIE DREI GERECHTEN
  4. DIE TÜR MIT DEN SIEBEN SCHLÖSSERN
  5. DER ROTE KREIS
  6. DER UNHEIMLICHE
  7. DER RÄCHER
  8. DIE GELBE SCHLANGE
  9. DAS GEHEIMNIS DER STECKNADEL
  10. GROSSFUSS
  11. DER FROSCH MIT DER MASKE
  12. DAS VERRÄTERTOR
  13. DER MANN AUS MAROKKO
  14. GUCUMATZ
  15. DIE SELTSAME GRÄFIN
  16. JOHN FLACK
In der Tat wurde der Roman nach dem Krieg nie neuübersetzt - einzig die Geschichte, die Broad am Ende erzählt, beginnt nicht 1898 sondern 1918. Ich gehe einmal davon aus dass man als Andenken an die Übersetzerin Alma Johanna Koenig, die in einem Konzentrationslager starb, davon Abstand nahm ihr "wichtigstes Übersetzerwerk" neu zu übersetzen.

Übrigens las ich vor kurzem in einer Kritik folgende Sätze: "Mit dem Roman von Edgar Wallace hat der Film schon nicht allzuviel gemein, und der Begriff Edel-Trash ist hier vollkommen berechtigt. Theatralisch gerollte R's und schludrige Nachsynchronisation, holprige Kampfszenen und wilde Gestik - warum sieht man sich so ein Relikt überhaupt noch an?" - Jeder kann sich zu dieser Äußerung selber eine Meinung bilden - aber ich glaube kaum, dass der Kritiker jemals den Roman las. Gubanov hat ja bereits dazu geschrieben, wieviel Roman und Film gemeinsam haben. Ansonsten träfe der Satz eher auf die zweite Verfilmung "Der rote Kreis" zu - denn hier wurde im Vergleich mehr weggelassen (u.a. der ganze politische Strang) und sehr vieles hinzugefügt.

Joachim.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 73

16.03.2018 21:33
#9 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Beim Durchlesen dieses (leider) schon lange nicht mehr besprochenen Threads bin ich auf die Frage der Übersetzungen gestoßen. Der Frosch liegt neben der Original-Übersetzung im Weltbild-Verlag und der leicht überarbeiteten und gekürzten Ausgabe von Goldmann auch im Heyne-Verlag unter dem Titel "Die Brüderschaft der Frösche" vor (wie es ja auch im Original so ähnlich heißt). Die hatte ich mal vor einiger Zeit gelesen. Neben dem bei Goldmann schon immer weggelassenen Prolog gibt es noch eine größere Kürzung in der Mitte des Buches, als Herr Johnson vom "Frosch" in seiner Wohnung überfallen und niedergeschlagen wird. Das wurde bei Goldmann immer ein wenig abgehackt dargestellt, als Mr. Johnson mit verbundenem Kopf zuhause dasitzt und von seinem Erlebnis berichtet. Dabei soll gerade dieser gekürzte Teil des Romans die Täterfrage ein wenig verwirren. Ansonsten gibt es hie und da ein paar Einzelheiten mehr als in der Goldmann/Weltbild-Ausgabe, aber auch einige Kürzungen demgegenüber.
Der "Frosch" ist einer der längsten, bekanntesten und auch spannendsten Romane, leider auch mit einer fast unerträglichen Kette von Zufällen und auch einer fast märchenhaften Auflösung des Froschmysteriums behaftet. Die "Zweiteilung" des Buches ist mir auch aufgefallen, wobei mir persönlich der erste Teil besser gefällt. Die Geschichte um die Intrige um Ray Bennett samt seiner wundersamen Errettung zum Schluss finde ich wirklich zu - ja wirklich wie im Märchen. Wenngleich das Ende auch sehr tempo- und actionreich ist. Eine schöne Idee, die ganzen Telekommunikationsmittel und Verkehrswege der damaligen Zeit lahmzulegen, um eine gewisse Nachricht nicht durchkommen zu lassen. Da verfällt der alte in die Enge getriebene Frosch in den reinen Terror.
Für mich ist der "Frosch" nicht der beste Roman von E.W., aber schon unter den Spitzentiteln angesiedelt. Hoffentlich wird er, wie alle Krimis des Autors, endlich mal vollständig und sorgfältig übersetzt !

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 73

09.08.2018 11:21
#10 RE: Der Frosch mit der Maske (1925) Zitat · antworten

Der Frosch mit der Maske


Erscheinungsjahr: 1925
Originaltitel: The Felloship of the Frog


Hauptpersonen:

Richard "Dick" Gordon - Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft
Ella Bennett - junge Frau, die in das Visier des "Frosches" gerät
Ray Bennett - ihr etwas sorgloser Bruder
Inspektor Elk - berühmter Beamter von Scotland Yard
Ezra Maitland - reicher Industrieller mit groben Manieren
Philo Johnson - liebenwürdiger Sekretär von Maitland
Josuah Broad - mysteriöser Amerikaner
John Bennett - Vater von Ella und Ray mit geheimnisvollem Beruf
Lola Bassano - Halbweltdame mit zwielichtigen Verbindungen
Lew Brady - ehemaliger Boxer im Gefolge von Lola
Sergeant Balder - ewig missgelaunter Mitarbeiter bei der Polizei
Hagn - Clubbesitzer und Ganove



Handlung:

Durch einen Zufall lernt der junge Staatsanwalt Dick Gordon die ebenfalls junge und selbstverständlich hübsche Ella Bennett kennen, die mit ihrem Vater und Bruder zusammen in ei-nem kleinen Häuschen in einem Vorort von London wohnt. Während Ella alle Attribute holder Weiblichkeit aufzuweisen hat, also auch den Haushalt besorgt und sich um die beiden Männer kümmert, ist ihr Bruder doch eher ein Luftikus, was dem finsteren Vater Bennett gar nicht zusagt.
Doch kann sich Hauptmann Gordon nicht so sehr um seine neue Angebetete kümmern, wie er will, da er beruflich gerade sehr beansprucht wird. Die "Froschbande" terrorisiert schon seit vielen Jahren die englische Hauptstadt, eine Gesellschaft von Dieben, Einbrechern und Mördern, die alle einen tätowierten Frosch am Handgelenk tragen. Endlich ist es gelungen, einen "V-Mann" der Polizei in ihre Reihen zu schmuggeln, welcher sogar den großen schrecklichen Anführer treffen soll. Doch leider findet man den armen Inspektor Genter am nächsten Morgen tot in einem Vorgarten - mit dem Frosch ist nicht zu spaßen.
Nun wird Dick Gordon Sergeant Elk zur Seite gestellt, ein Urgestein von Scotland Yard, der aufgrund mangelnder Geschichtskenntnisse stets seine Prüfung zur Beförderung vermasselt, später aber wegen seiner Verdienste doch endlich den verdienten "Inspektor" bekommt. Elks Mitarbeiter, Sergeant Balder, ist ein missmutiger Mann ohne besondere Talente, wie es scheint.
So erfolgen schon bald die ersten Anschläge auf Gordons und Elks Leben, es gibt Razzien, Überfälle und Morde, und zwei gefangene "Frösche" werden nacheinander unter den Augen der Polizei umgebracht. Daneben entwickelt sich noch eine andere, persönlichere Handlung. Ray Bennett verliert seinen Job in der Schreibstube eines gewissen Ezra Maitland, der der Besitzer eines Firmenimperiums ist, dazu noch ein ungehobelter Klotz und Ausbeuter par excellence. Nicht mal sein Freund Philo Johnson konnte ihn umstimmen, der persönliche Sekretär von Maitland, ein Mann in den Fünfzigern mit sehr liebenswerter Ausstrahlung, der selber unter der Knute von Maitland steht. Ray gerät in schlechte Gesellschaft, die Lebedame Lola Bassano verdreht ihm den Kopf. Daneben hat sie immer den Ex-Boxer Lew Brady im Schlepptau, am liebsten verkehren alle im anrüchigen Herons's Club, wo man viel tanzen und Alkohol trinken kann. Mit der Zeit geraten alle in Verdacht, mit dem großen ominösen Frosch in Verbindung zu stehen.
Ein Versuch von John Bennett, seinen Sohn wieder auf den rechten Weg zu bringen, endet sehr unschön. Ella ist verzweifelt und sucht Unterstützung bei Dick Gordon und auch Philo Johnson, wobei Ray Bennett zumindest dem ersteren mit unverhohlenem Abscheu begegnet. Doch ist Rays Schicksal tatsächlich nur zufällig oder steht dahinter gar ein finsterer Plan, ersonnen vom großen "Frosch" ? Dieser war eines Nachts bei Ella erschienen (so richtig schön gruselig mit Gummimaske und voller Montur) und hat ihr seine Leidenschaft für sie eröffnet. Jetzt gerät auch Ezra Maitland ins Zwielicht, der privat zusammen mit seiner Schwester in einer ärmlichen Straße kaum besser als ein Vieh lebt. Irgendwie steht hinter allem der unheimliche Chef der Froschbande, sekundiert von der nicht minder geheimnisvollen "Nummer Sieben", einer Person, die offenbar alle polizeilichen Geheimnisse kennt. Die Kette der Verbrechen reißt nicht ab, und immer wieder taucht der mysteriöse Josuah Broad auf, ein Mann, der während des Krieges aus Amerika kam und keiner klar erfassbaren Beschäftigung nachgeht. Ist er am Ende gar der Frosch ? Oder doch John Bennett mit seinem Beruf, über den er nie redet und der ihn tagelang außer Haus führt? Oder etwa der reiche Maitland, der nun doch plötzlich in Luxus wohnt? In Verdacht gerät ein gewisser Harry Lime, ein ehemaliger angeblich toter Safeknacker.
Dick Gordon und Inspektor Elk haben kaum Erfolge, ihre Gegner sind wirklich mächtig, doch können sie irgendwann sogar die seltsame "Nummer Sieben" dingfest machen, was allerdings ein böses Erwachen geben soll. Derweil erfährt Ray Bennett, dass seine Lola nicht das ist, was er bisher dachte, und dass auch er mittlerweile ein Agent des Frosches ist. Es entwickelt sich eine Intrige, die den unbedarften jungen Mann in höchste Gefahr bringt und auch alle anderen Beteiligten in ihren Sog zieht. Obwohl auch der Frosch Rückschläge einstecken muss, holt er bald zum finalen Plan aus und geht zur Erreichung seiner Ziele aufs Äußerste... Dass es für die Helden des Buches letztendlich doch gut ausgeht, ist selbstverständlich, doch es sind viele Abenteuer und Gefahren zu bestehen, denn der Frosch ist wirklich ein Gegner, mit dem nicht gut Kirschen essen ist !


Bewertung:

Der Frosch mit der Maske
ist einer der umfangreicheren Romane von Edgar Wallace. Tatsächlich begann mit diesem von Goldmann in Leipzig verlegten Buch in den zwanziger Jahren der Siegeszug des Autors auch in Deutschland, und nach dem Krieg war der der Roman auch aus dem gleichen Hause als "Taschenkrimi Nr. 1" zu haben. Hier konnten die Leser sozusagen die Quintessenz dessen erlesen, was mit dem Namen Wallace zusammenhing: eine abenteuerliche, mitunter groteske Handlung, Helden und Heldinnen ohne Fehl und Tadel, zwielichtige Gestalten, viele Morde und sonstige Verbrechen, ein mächtiger Oberschurke mit vielen Unterschurken, geradezu unglaubliche Zufälle und über allem ein überaus märchenhafter Touch. Offenbar kam diese Mischung beim Publikum gut an.
Durch die recht große Anzahl von Haupt- und Nebenpersonen gibt es relativ viele Handlungsstränge, die allerdings selten parallel bis zum Schluss, sondern mehr nacheinander laufen. Dick Gordon ist als hochrangiger Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft der unbeugsame Vertreter von Recht und Ordnung, als der er sich selbst auch gern bezeichnet. Daneben zeichnen ihn auch Tatkraft und Mut aus, obwohl er häufig jünger geschätzt wird, als er ist. Sein Kollege, der Sergeant und spätere Inspektor Elk, ist eine Figur, die es nach dem "Frosch" auch noch in mehrere andere Erzählungen von E.W. geschafft hat. Irgendwie hat er mit seinem Alter, Figur und Marotten eine gewisse Ähnlichkeit mit Mr. Reeder, eines anderen vom Autoren geschätzten Protagonisten einiger seiner Bücher. Markenzeichen ist sein stets geschlossen mitgeführter Regenschirm. Er ist mehr ein Mann, der durch hartnäckige Arbeit als durch große Geistesblitze seine Erfolge erzielt. Die bedrohte Schönheit, Ella Bennett, ist ein wahrlich reines und tugendsames Geschöpf vom Lande, auf das der Hauptbösewicht des Stückes selbstredend auch ein Auge geworfen hat.
Ihr Bruder Ray ist ein reichlich naiver Geselle, wenngleich seine Entwicklung nicht unrealistisch ist. John Bennett, der Herr über Maytree House, dem Wohnort der Familie, will unbedingt von seinem geheim gehaltenen Broterwerb wegkommen und versucht sich als Naturfotograf, zur damaligen Zeit keine leichte Sache. Warum ist er nur so unnahbar ? Ganz anders dagegen Philo Johnson, der nette und verbindliche Sekretär des alten Maitland. Johnson verliert fast nie seine gute Laune, obwohl auch er gerade durch seinen geheimnisvollen Chef nicht viel zu lachen hat. Wie konnte es passieren, dass ein ehemaliger ungebildeter Zucht-häusler wie Ezra Maitland der Herrscher über einen großen Konzern wurde? Das fragen sich einige Personen. Auch der eigentümliche Josuah Broad, der Amerikaner, der ein großes Interesse an der Froschbande nimmt und gerne Hobbydetektiv spielt. Welches Geheimnis liegt in seiner Vergangenheit? Dann gibt es noch Lola, die femme fatale, der weibliche Lockvogel, die das Geld liebt. Und Lew Brady, der ängstliche ehemalige Preisboxer, den der Frosch offenbar auf seiner Abschussliste hat. Und den schniefigen Sergeant Balder, dessen größte Befriedigung ist, nichts zu wissen. Und und und... Hinter allen steht der große "Frosch", ein Mann mit zwei Gesichtern, tagsüber bürgerlich anständig, nachts dagegen maßlos in seiner Gier. Irgendwie ist er einer von Wallace' Schurken, die im Gedächtnis bleiben, vielleicht gerade wegen seiner absurden Verkleidung, aber auch seinem unglaublichen Doppelleben. Leider haben die vielen Handlungsstränge aber auch dazu geführt, dass Wallace ein wenig den Überblick verloren hat - ein wichtiger Handelsvertrag wird z.B. von den "Fröschen" gestohlen und taucht dann plötzlich wieder auf, allerdings ohne sinnvolle Erklärung.
Ist die erste Hälfte des Buches noch geprägt vom Kampf gegen die Vasallen des Frosches und der Aufdeckung vieler zwischendurch eingeführter Geheimnisse, nimmt den Rest doch eher das Komplott um Ray Bennett ein, der als Faustpfand für den Frosch herhalten muss, um sich des guten Willens seiner hübschen Schwester zu versichern. Mittlerweile sind viele hochrangige Mitarbeiter des Obergangsters enttarnt, geflüchtet oder von ihm ermordet wurden. Durch einen wirklich unglaublichen Zufall wird die Unschuld von Ray, der mittlerweile in der Todeszelle sitzt, festgestellt. Hier mutet der Autor dem Leser doch mehr zu, als er schlucken kann. Doch ist der Frosch immer noch sehr mächtig, um das Gelingen seines Plans zu erreichen, legt er gar die gesamte Infrastruktur zwischen London und Gloucester lahm. Hauptmann Gordon muss sich persönlich auf eine gefahrvolle Autofahrt begeben, um seinen zukünftigen Schwager zu retten. Die überraschende wahre Identität einer Hauptperson wird gelüftet, doch der Frosch ist immer noch nicht enttarnt und sinnt auf Rache.
So kommt es zum finalen Showdown in einem stillgelegten Steinbruch, die bedrohte Ella wird befreit und alle Rätsel werden aufgeklärt. Man erfährt, wo die Ursprünge der Froschorganisation liegen und warum alle Mitglieder praktischerweise auch für die Polizei einen tätowierten Frosch als Erkennungszeichen haben. Das ist nun wirklich ein Ausflug ins Märchenreich und hat mit der Realität auch gar nichts mehr zu tun. Aber sei's drum, zwei liebende junge Seelen haben sich gefunden, ein junger Mann wurde geläutert, ein älterer scheint endlich seine wahre Bestimmung im Leben gefunden zu haben, und der große schreckliche Frosch mit der Maske hat seine Strafe bekommen, allerdings nicht vom Gesetz, sondern von einem betrogenen Komplizen, der auch noch zu seinem Recht kommt. So gilt auch beim "Frosch", dass sich richtig üble Verbrechen nicht auszahlen und die Liebe alle Gefahren besiegt. Ende gut, alles gut.

Der Frosch mit der Maske ist ein spannender und abwechslungsreicher Wallace-Roman, für den Fan des Autors ein Muss, ansonsten gibt es ein paar sehr dick aufgetragene Unwahrscheinlichkeiten, die den Lesegenuss trüben können.
Aber wer realistische Krimis mag, greift wohl sowieso zu anderen Autoren.


Buch:

Als Jugendlicher bin ich mal in den Genuss gekommen, eine Originalausgabe der Vorkriegszeit zu lesen, die der jetzigen Weltbild-Ausgabe (zusammen mit Bei den drei Eichen) mit knapp 300 Seiten entspricht. Die Übersetzerin war Alma Johanna König, eine Österreicherin mit jüdischen Wurzeln, die dann später in einem Konzentrationslager umkam. Die Ausgabe der Goldmann-Taschenbuchausgabe ist behutsam überarbeitet und gekürzt, ansonsten wurde der etwas betuliche und altmodische Stil beibehalten. Er ist allerdings in manchen Dingen detaillierter als die modernere Neuübersetzung der Heyne-Verlages, wenn gleich hier, wie an anderer Stelle schon mal erwähnt, der fehlende Prolog sowie eine größere sowie einige leichtere Kürzungen mit enthalten sind. Eine Empfehlung, welche Ausgabe nun besser ist, fällt nicht leicht.


Verfilmung:

Da schon der Roman den Erfolg von Edgar Wallace in Deutschland einläutete, wollte man offenbar das gleiche mit dem Film wiederholen - mit Berechtigung, wie sich erwies. Inszeniert von Harald Reinl, bildete Der Frosch mit der Maske den Auftakt einer der langlebigsten Kriminalfilmserien. Die jugendliche Hauptrolle Richard Gordon bekam hier das erste Mal "Blacky" Fuchsberger, allerdings als reicher und sorgloser Neffe des Polizeichefs Sir Archibald Morton (Ernst Fritz Fürbringer), den es so im Buch gar nicht gibt, was aber bei den meisten Scotland-Yard-Chefs dieser Filmreihe so ist. Ihm zur Seite steht sein treuer Butler James, eine hinzugedichtete Figur, mit der Eddi Arent einen seiner stärksten Auftritte innerhalb der Serie hat (Ursprünglich sollte ja , Schreck lass nach, Harald Juhnke den Part bekommen...). Die beiden und vor allem Fuchsberger haben ausreichend Gelegenheit, ihre Judokenntnisse bei der Bekämpfung von Froschbanditen zu zelebrieren. Ella Bennett, das tugendsame Mädchen, wird von Eva Anthes gespielt, die unter ihrem richtigen Namen Elftraud von Kalckreuth später Programmansagerin im ZDF werden sollte.
Dagegen darf sich Eva Pflug als Madame Lolita lasziv mit laaangen nackten Beinen auf dem Bett rekeln und dem unbedarften Ray Bennett (Walter Wilz) gehörig einheizen. Inspektor Elk wird verkörpert von Siegfried Lowitz, so als würde er schon sein Leben lang die Figur des allwissenden, leicht resignierten und immer einen ironischen Spruch auf den Lippen habenden Kriminalbeamten spielen. Am Anfang tritt er hier noch in Konkurrenz zu Dick Gordon, was sich im Laufe des Filmes allerdings verwischt. Der Österreicher Erwin Strahl bekam die Rolle des Sergeanten Balder ("Ein sympathischer junger Mann"), Ulrich Beiger spielte schön schmierig-bösartig einen gewissen Everett und sollte wohl den schwedischen Clubbesitzer Hagn aus dem Roman darstellen. Fritz Rasp als autokratischer unnahbarer Firmenchef Ezra Maitland ist wirklich die ideale Besetzung, während Jochen Brockmann als Buchhalter Philo Johnson dermaßen unterwürfig herumbuckelt, dass er einem schon fast leid tun kann. Die Figur des Josuah Broad als Ex-Komplize des Frosches in seiner Vor-Frosch-Zeit hat im Roman einen großen Stellenwert, im Film tritt er dagegen nur sporadisch und eher zusammenhanglos auf, so dass man schon genau aufpassen muss, was es genau mit ihm auf sich hat. Auch Dieter Eppler kann hier nicht mehr viel retten.
Der Ex-Boxer Lew Brady bekommt sein Gesicht durch Reinhard Kolldehoff, der auf finstere Schurkenrollen offenbar abonniert war. Zuguterletzt haben wir da noch Karl Lange als mürrischen Vater John Bennett mit seinem geheimnisvollen Beruf, dessen Auflösung fast noch etwas drastischer als im Buch daherkommt.
Der Film hält zum großen Teil den Fokus auf die Beziehungen der Familie Bennett und die Begehrlichkeit sowohl des Frosches als auch des jungen Helden auf die hübsche Ella gerichtet. Harald Reinl hatte ja die Filmwelt der Fünfziger vor allem mit herzerwärmenden Heimatfilmchen beglückt. So ganz leicht fiel ihm die Trennung von diesem Sujet offenbar nicht, denn auch beim Frosch mit der Maske geht es zuweilen recht schnulzig zu, wenn Blacky seiner Angebeteten rührselig seine immerwährende Liebe verspricht oder die Familie Bennett in der schrillen Lasterhöhle tränendrüsendrückend den verlorenen Sohn zur Umkehr bewegen will. Das mitunter sehr schmonzettenhafte Gebaren der Akteure lässt mich immer davon abschrecken, dem Film die volle Punktzahl zu geben, die er eigentlich verdient hat. Fast scheint es, als will der Regisseur diese Stellen wieder "gutmachen", denn die Mordszenen sind alles andere als zimperlich. Ein Wachmann, dem aus nächster Nähe die Kehle aufgeschlitzt wird, ist dafür ein Beispiel. Oder natürlich das Schicksal von Lolita, die anders als im Roman, wo sie mit einem blauen Auge davonkommt, im Film zum Schluss an einen Stuhl gefesselt von den Maschinengewehrkugeln des Frosches zerfetzt wird. Interessant ist auch der Blickwinkel der Erschießung Lew Bradys durch den Obergangster, geradezu eine POV-Einstellung und in den USA durch den Hays-Code zu dieser Zeit noch verboten. Das Filmen dieses Mordes als Beweis von Rays Unschuld wurde aus dem Roman übernommen, hier aber wesentlich glaubhafter eingebracht. Ein Musterbeispiel dafür, wie man Elemente der literarischen Vorla-ge sinnvoll und zeitgemäß übertragen kann. Im großen und ganzen hält man sich überhaupt an das Buch. Der Schlussteil fällt natürlich weniger actionreich aus. Ende der fünfziger Jahre alle Verkehrswege und Nachrichtenverbindungen lahmlegen zu wollen, wäre doch zu unglaubhaft und auch zu aufwändig gewesen. So wird auch hier einiges gestrafft, aber das Gegenüberstehen von Vater und Sohn in der Todeszelle ist selbstverständlich geblieben.
Die Maskierung der namensgebenden Verbrecherfigur mit Glubschaugen-Maske, Gummikleidung und allerlei Schläuchen ist schlicht einfach Kult. Natürlich laufen erwachsene Verbrecherbanden-Anführer nicht solcherart herum, aber gerade das macht doch den Reiz dieses und anderer Wallace-Filme aus.
Das Ende des Frosches kommt eher abrupt, leider wurde viel zu viel in zu wenige Minuten hineingestopft. Da hätte sich der Regisseur mehr Zeit nehmen können. Aber sei es drum, trotzdem ist es ein toller Film. Wenn Blacky nach dem düsteren Ende des Frosches in einer dunklen Fabrik seine Angetraute in der Folgeszene dann noch auf seinen nicht unbescheidenen Landsitz führt und der Himmel hell leuchtet, dann ist die Welt wieder so recht in Ordnung. Sogar der Schlussgag des Romans mit dem ins sichere hohe Gras hüpfenden richtigen Frosch wurde gelungen übernommen. Fein.

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