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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 3.043 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Seiten 1 | 2
Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

28.02.2015 21:51
#16 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Mord am Pool (16) Zitat · Antworten





“Mord am Pool”

Bundesrepublik Deutschland 1986

Regie: Gerhard Klingenberg


Darsteller: Andrea Jonasson (Sarah Radford), Karl-Michael Vogler (Jack Radford), Wolfgang Reichmann (Cliff Jordan), Kurt Beck (Geoffrey Curtis), Rudolf Bissegger (Edward Donnington), Hartmut Reck (Dr. Maurice Young), Volker Brandt (Arnold Boston), Margrit Ensinger (Kate Warren), Dietlinde Turban (Anna Truman), Margret Homeyer (Lucy Baker)

Zitat
“Sarah, mein Liebling, ich möchte dir weiß Gott keine Sorgen machen, das weißt du, aber es ist etwas geschehen, etwas ganz furchtbares ...”

(Jack Radford)



Der Immobilienmakler Jack Radford und seine Frau Sarah führen eine vermeintlich glückliche Ehe, wobei sich Sarah nicht daran zu stören scheint, dass alle ihre Freunde und Bekannten sowie ihr Bruder Edward ihrem Mann einhellig nur Abneigung entgegenbringen.

Edward Donnington ist soeben von einer völlig misslungenen Konzerttournee aus den USA zurückgekehrt. Noch mehr als sein künstlerischer Fehlschlag beunruhigt ihn jedoch, dass er Hinweise erhalten hat, dass sein Schwager Jack das Famlienunternehmen, das Edward und Sarah gehört, mit illegalen Methoden führt.

Noch am selben Abend stirbt Edward. Sarah Radford ahnt nicht, dass ihr Bruder mitnichten Selbstmord verübt hat, wie die offizielle Todesursache lautet, sondern vielmehr von Jack erschossen wurde.

Sechs Monate später häufen sich mysteriöse Ereignisse im Landhaus der Radfords.
Sarah hört das Klavierspiel ihres toten Bruders, während ihr Mann ihr versichert, sie erliege hysterischen Wahnvorstellungen. Eine junge Frau, die Jack angeblich unter Alkoholeinfluss mit dem Wagen angefahren und sein Landhaus mitgebracht hat, ist ebenso plötzlich wieder verschwunden wie sie auftauchte.
Sarah ist aufgrund dieser Vorkommnisse nervlich völlig überreizt und akut suizidgefährdet, wie Jack Radford im Gespräch mit dem Hausarzt Dr. Maurice Young nicht müde zu erklären wird.

Was niemand zu ahnen scheint: Jack Radford hat den perfekten Mord an seiner Frau geplant, um sich in den alleinigen Besitz der Firma zu bringen und überdies frei zu sein für seine Geliebte Anna Truman.

Doch aus dem Swimmingpool wird nicht Sarahs Leiche geborgen sondern die von Jack Radford. Er ist erstochen worden.

Inspektor Cliff Jordan nimmt die Ermittlungen auf ...

“Mord am Pool” ist ein Krimi-Vergnügen voller Verwicklungen wie sie für Francis Durbridge so typisch sind.

Andrea Jonasson und Karl-Michael Vogler, die bereits 1977 in dem Fernsehfilm “Des Doktors Dilemma” nach George Bernard Shaw großartig miteinander agierten, verkörpern auf wunderbare Weise zwei Menschen, die einander in innigem Hass zugetan sind und selbst dann noch höflich mit einander Konversation betreiben, als der eine den anderen zu ermorden beabsichtigt.
Stil gilt Beiden gleichviel. Ob er mit vom Regen derangiertem Haar nach Hause kommt oder sie im Morgenmantel Besuche empfängt - beides kann ihr distinguiertes Auftreten zwar schmälern doch niemals ruinieren.

Die Geschlechterrollen sind nur scheinbar eindeutig verteilt.
Sie - die angeblich schwache, wehrlose, betrogene Frau, die sich mehr und mehr in hysterische Ausbrüche hineinsteigert und sich vielerlei unerwünschter Anträge - auch und besonders von einem überaus unsympathischen Vertreter des Gesetzes - zu erwehren hat.
Er - der überlegene, skrupellose Geschäftsmann, der nachdem er erfahren hat, dass mehr als dreißig Todesopfer bei einem von ihm bewusst in Kauf genommenen Hauseinsturz zu beklagen sind, sich lediglich erkundigt ob unter den Opfern auch Engländer waren, als sei es weniger schlimm wenn es sich “nur” um Ausländer handele und sich in keiner Weise von seinen illegalen Geschäftspraktiken abbringen läßt.
Jack Radfords moralische Verkommenheit manifestiert sich nicht nur in finanzieller Hinsicht sondern auch in privaten Belangen, doch scheinen materielle Erwägungen für ihn stets im Vordergrund zu stehen. So stellt seine Affäre mit der Apothekenangestellten Anna Truman für ihn lediglich einen netten Zeitvertreib dar, denn nachdem sie ihm bei seinem Mordkomplott nicht mehr assistieren will, gebraucht er nur noch ein Schimpfwort für die vermeintlich geliebte Frau.

Am Ende wird der vermeintlich Stärkere das Opfer seine eigenen kriminellen Energie, während das potentielle Opfer zwar ebenfalls nicht ungeschoren aber dafür wenigstens mit dem Leben davonkommt.

Das stilvolle Interieur des Radfordschen Landhauses inklusive Hausbar und antikem Telefon ist ebenso klassisch zeitlos wie die Garderobe der Protagonisten. Sarahs extravagante Kleider können genauso wenig einer konkreten Epoche zugeordnet werden wie Jacks elegante dreiteilige Anzüge.
Auch wird nach alter Durbridge-Art wieder reichlich dem Alkohol zugesprochen und dem Tabakgenuss gefrönt.
Der Film wirkt wunderbar aus der Zeit gefallen und ist als später Nachzügler der frühen Durbrige-Adaptionen kaum erkennbar, zumal es sich um ein reines Kammerspiel handelt.

Als musikalische Untermalung wurde ebenso perfekt klassische Musik gewählt: beginnend mit der betörend romantischen “Mondscheinsonate” und später das kongenial zum dramatischen Höhepunkt eingesetzte Anfangsmotiv des Ersten Satzes aus der Fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

Dunkelheit, Regen und Gewitter schaffen eine spannende Atmosphäre.

Zwar ahnt man schon früh wie es sich zugetragen haben könnte, aber das tut der Faszination keinen Abbruch, will man doch wissen, ob man in seinem Verdacht bestätigt wird. Die bittere Schlusspointe hingegen war so nicht vorauszusehen und soll wohl die Botschaft vermitteln, dass weder der Polizei zu trauen ist noch dass sich Verbrechen bezahlt macht.















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