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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 315 mal aufgerufen
 Giallo Forum
kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

29.07.2009 09:42
The Killer Must Kill Again (1974/75) Zitat · antworten

Originaltitel:     L'assassino è costretto ad uccidere ancora
Produktionsland: Italien / Frankreich
Produktion: Umberto Lenzi & Giuseppe Tortorella
Erscheinungsjahr: 1975
Regie: Luigi Cozzi
Drehbuch: Luigi Cozzi & Daniele del Giudice
Kamera: Riccardo Pallottini
Schnitt: Alberto Moro
Musik: Nando de Luca
Länge: ca. 87 Minuten
Nach längerer Zeit mal wieder ein Giallo-Review von mir. "The Killer Must Kill Again" oder auch "The Killer Must Strike Again", manchmal auch "The Dark Is Death's Friend" genannt, ist ein etwas ungewöhnlicher Giallo, der in Deutschland leider nie veröffentlicht wurde. Es spielen: George Hilton, Antoine Saint-John, Femi Benussi, Cristina Galbó, Eduardo Fajardo, Teresa Velázquez, Alessio Orano, Dario Griachi, Luigi Antonio Guerra, Carla Mancini und Sydne Rome.

Inhalt:
Giorgio (Hilton) hat Streit mit seiner Frau Norma. Diese will ihm den Geldhahn zudrehen. Durch Zufall beobachtet er einen Mörder (Antoine Saint-John), der gerade dabei ist, die Leiche einer Frau zu entsorgen. Giorgio zwingt diesen nun, seine Frau zu töten und das Ganze nach einer Entführung aussehen zu lassen. Widerwillig geht der Killer auf den Vorschlag ein. Nachdem Norma getötet und im Wagen des Killers verstaut ist, geht dieser noch einmal in die Wohnung zurück, um Spuren zu verwischen. Allerdings hatte er vergessen, seinen Wagen abzuschließen.

Der junge Luca und seine Freundin (Cristina Galbó) nutzen die Chance und stehlen den Wagen, um damit ans Meer zu fahren. Als der Killer aus der Wohnung zurückkommt, ist der Wagen mit der Leiche im Kofferraum verschwunden. Unser Mörder muss nun schnell handeln, um die Spur der Diebe nicht zu verlieren. Er stiehlt selbst einen Wagen, löst dabei allerdings die Alarmanlage aus, was deutlich mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als ihm lieb ist ...

Wie man schon an der Inhaltsangabe merkt, ist der Film alles andere als ein typischer Giallo. Es gibt nie ein Rätsel um die Identität des Killers. Die Spannung baut sich eher durch die Unvorhersehbarkeit der weiteren Handlung auf.

Fazit:
Luigi Cozzi inszeniert einen ernsten, kaum trashigen Thriller, der von starken Bildern (von Argento, mit dem Cozzi zuvor zusammenarbeitete, geprägt) und sehr guten Darstellern lebt. Cozzi gelingen unheimich bedrohliche und intensieve Szenen, ohne besonders viel Blut oder Gewalt zu zeigen.

Insbesondere die Liebesszene Lucas mit einer Anhalterin, die immer wieder von der Vergewaltigung von Galbo durch den Killer unterbrochen wird, wirkt sehr hart, obwohl weder an Gewalt noch an Nacktheit viel geboten wird. Hier passt auch der Score ausgezeichnet
zu den Bildern.

Die Darsteller (der Cast ist recht überschaubar) liefern durchweg eine überdurchschnittliche Leistung ab. Besonders herausragend sind Hilton als unsymphatischer Ehemann und Antoine Saint-John, der einen wirklich beängstigenden Killer abgibt. Die Story, die ebenfalls von Cozzi stammt (ebenso wie die für Argentos "Deep Red" und "Vier Fliegen auf grauem Samt") hat eine interessante Ausgangssituation und bleibt bis zum Ende spannend, allerdings haben sich einige Ungereimtheiten eingeschlichen: Wieso tötet der Killer Luca und Laura nicht einfach? Woher weiß der Inspektor mit Sicherheit, dass Giorgio hinter dem Tod seiner Frau steckt? ... Das kann man sich zwar irgendwie zusammenreimen, erklärt wird es allerdings nicht ...

Kommen wir noch zur Musik. Der Score von Nando de Luca bemüht sich extrem, immer zu den gerade gezeigten Bildern zu passen. Dabei übertreibt er allerdings manchmal etwas – es wird gelegentlich zu sehr versucht, den Zuschauer zu erschrecken. In der Vergewaltigungs- / Liebesszene fühlt man sich beinahe an "Last House on the Left" erinnert – während des Quälens ertönt melancholische Musik, beim Liebesakt extrem fröliche. Insgesammt wäre ein etwas dezenterer Score wohl besser gewesen.

Für Giallo-Fans wie mich, die nicht nur immer dasselbe sehen wollen, ein sehr empfehlenswerter Thriller, dicht inszeniert, gut gespielt und spannend bis zum Ende. 4,5 von 5 Punkten.

Erhältich ist der Film von Mondo Macabro in sehr guter Bildqualität. Der Ton ist gut verständlich, allerdings nimmt das Rauschen gegen Ende deutlich zu. O-Ton gibts auch, ebenso wie englische Untertitel (die sich auch an die Orginaltonspur halten und nicht an die englische Synchro). Dazu noch mehrere Interviews und einen Audiokommentar. Auch für die DVD eine absolute Empfehlung, aber Achtung: Sie ist RC-1!

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.862

12.06.2017 18:45
#2 RE: The Killer Must Kill Again (1974/75) Zitat · antworten



The Killer Must Kill Again (L’assassino è costretto ad uccidere ancora)

Thriller, IT / FR 1974. Regie: Luigi Cozzi. Drehbuch: Luigi Cozzi, Daniele del Giudice. Mit: George Hilton (Giorgio), Michel Antoine (d.i. Antoine Saint-John) (Mörder), Cristina Galbó (Laura), Alessio Orano (Luca), Femi Benussi (Blondine), Tere Velázquez (Norma), Eduardo Fajardo (Inspektor), Dario Griachi, Luigi Antonio Guerra, Carla Mancini u.a. Uraufführung (IT): 1. Januar 1975.

Zitat von The Killer Must Kill Again
Giorgio kommt es zupass, dass er eines Abends einen Serienmörder beim Entsorgen einer Leiche ertappt. Mit seinem soeben erworbenen Wissen erpresst er den Killer, ihm bei der Beseitigung seiner lästig gewordenen Ehefrau Norma unter die Arme zu greifen. Nachdem der Mörder seine Arbeit verrichtet hat und mit der Leiche im Kofferraum den Tatort verlassen will, muss er feststellen, dass ein junges Liebespaar seinen Wagen mitsamt der Toten gestohlen hat! Er folgt den jungen Leuten bis in eine verlassene Strandvilla ...


Es sind garstige Zufälle, die den Handlungsträgern von „The Killer Must Kill Again“ einmalige Chancen einräumen oder leidige Pflichten aufbürden – so, als wollte der Film sagen: In die besten Pläne funkt zwischendurch eben immer auch das Leben hinein. Was ohnehin für nichtsahnende Mordopfer gilt, betrifft in diesem Film auch die übrigen Figuren: George Hilton als schmierig-großkotziger Ehemann erkennt mit Schrecken, dass sein Auftragsmord holprig ausgeführt und schnell durchschaut wird. Das junge Paar, Cristina Galbó und Alessio Orano, muss bitter lernen, dass eine kleine Dummheit manchmal schwere Konsequenzen nach sich zieht. Und der Killer, der von Mord zu Mord getrieben wird, obwohl er doch seinen „Job“ nur möglichst schnell hinter sich bringen will, wird zur regelrecht tragischen Figur ausgebaut – der Titel trifft den Nagel also auf den Kopf, wenngleich in unerwarteter Weise.

Man liest über „The Killer Must Kill Again“ hauptsächlich, wie ungewöhnlich der Film für einen Giallo doch sei. Letztlich ist es aber nur das Rätsel um die Identität des Mörders, auf das der Genrefreund verzichten muss. Die übrigen Zutaten – vom wendungsreichen Plot über die erotische Eskalation im Laufe des Films bis hin zu einigen Messerszenen, in denen anständig Kunstblut zum Einsatz kam – bleiben durchaus erhalten, zumal die Besetzung mit George Hilton, Cristina Galbó und Femi Benussi natürlich jedem Giallo-Liebhaber das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Insofern würde ich dem Film insgesamt keine allzu experimentelle Vorgehensweise einräumen, sondern erfahrenen Giallisten ebenso wie interessierten Neulingen eine Sichtung empfehlen – „The Killer Must Kill Again“ hätte es ohnehin verdient, bekannter und weiter verbreitet zu sein.



Der zügige Einstieg in das Intrigenspiel hinterlässt sofort einen engagierten Eindruck, der den Zuschauer in den Bann zieht und eine gewisse Sympathie mit dem Mörder aufkommen lässt, welche durch die Ausführung seiner Taten, die Cozzi in schonungslosem Licht und langen (Todes-)Kämpfen zeigt, immer wieder auf die Probe gestellt wird. Später tritt mit Laura eine neue Identifikationsfigur auf den Plan, allerdings etwas zu spät, um das Publikum vollends für sich einzunehmen. Es muss nämlich durchaus eine gewisse Unausgewogenheit der für sich genommen jeweils sehr interessanten Handlungsstränge festgestellt werden: Während der Ausgangspunkt mit dem Mord an Giorgios Ehefrau restlos überzeugt, zieht sich die Verfolgung der Twens ein wenig in die Länge. In den Szenen, die der Ankunft des Mörders im Strandhaus vorausgehen, zeigt sich doch eine gewisse Zeitschinderei, die dann im Finale allerdings wieder galant ausgebügelt wird.

Besonders beeindruckendes Zeugnis über den lakonischen Unterton des Films legen sowohl das nonchalante Hinweggehen über Identität und Mordmotiv der ersten Leiche (sie ist eben nur ein ungewöhnlicher Handlungsanlass und bekommt nie eine Backstory zugesprochen) als auch die schockierenden Parallelmontagen in den beiden großen Spannungsszenen ab. Letztere deuten auf die Vergnügungssucht der Männer hin, während es ihren Frauen an den Kragen geht: Der Überfall des Killers auf Norma wird sekundenschnell immer wieder mit Einstellungen des auf einer Alibi-Party lachenden und Konversation machenden Giorgio konterkariert, während bei der späteren (teilweise doch sehr eindeutigen) Attacke auf Laura deren Freund Luca, statt wie versprochen schnell zurückzukehren, unterwegs mit einer aufgegabelten Blondine simultanfummelt. Prüde und harmlos geht es ohnehin nicht unbedingt zu – diese zugespitzten Szenen sorgen jedoch für eine besondere Härte und Nachdenklichkeit.

Die Musik, auch da stimme ich @kaeuflin zu, dringt recht dominant ans Ohr, verfügt im Gegensatz zu früheren Giallo-Melodien aber nicht über eine einprägsame Hook, sondern ist eher im stimmungsmalerischen Bereich angesiedelt. Sie hätte durchaus weniger plakativ ausfallen können, als wirklich störend empfand ich sie aber nicht. Während also akustisch ein gewisser Optimierungsbedarf bestünde, weiß der Film optisch durchaus zu gefallen. Das over-the-top-gestylte knallgelbe Plastikwohnzimmer von Giorgio steht in passendem Kontrast zu der maliziös-ruinösen Charme versprühenden Strandvilla, die vielleicht noch etwas abgelegener hätte sein dürfen, um die Gefahr, der insbesondere Laura dort ausgesetzt ist, noch greifbarer zu machen.

Starker, etwas zufallslastiger Thriller mit ausgesprochen guten Schauspielerleistungen und einer inspirierten Regie, die den unkonventionellen Handlungsverlauf mit bewährten Zutaten und routinierten Härten auffängt. 4 von 5 Punkten. – Niedliches Detail am Rande: Die Initialen auf dem Feuerzeug des namenlosen Killers stimmen mit denen von Dario Argento überein.

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