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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Romane
DanielL Offline




Beiträge: 4.138

14.03.2009 14:52
Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten
Die Geschichte von Edgar Wallace' erstem Roman: THE FOUR JUST MEN (1905)


Vor einiger Zeit habe ich mir mal wieder ein echtes Edgar Wallace Sammlerstück gegönnt. Nämlich die erste Auflage der ersten Ausgabe des allerersten Kriminalromanes von Edgar Wallace im englischen Original: THE FOUR JUST MEN aus dem Jahre 1905.

Doch die Erstveröffentlichung von Wallace' erstem Kriminalroman ist mehr als nur die meistaufgelegte Geschichte von Edgar Wallace. Die Geschichte rund um die Entstehung von THE FOUR JUST MEN (späterer deutscher Titel bekannterweise DIE VIER GERECHTEN) ist gleichzeitig Sinnbild für die gesamte Karriere von Edgar Wallace. Für seinen Eifer, seinen Übereifer, seinen Erfolg und Misserfolg.

So rankt sich um die Erstveröffentlichung von THE FOUR JUST MEN folgende Anekdote:

Im Jahre 1905 hatte Edgar Wallace als Zeitungsreporter der Daily Mail bereits eine hervorragende Reputation, als Autor von spannender Unterhaltungsliteratur war er aber noch so gut wie unbekannt. Lediglich Gedichte, Kriegsberichte und einige Kurzgeschichten hatten bisher ihren Weg zu einer Veröffentlichung gefunden.
Als Edgar Wallace an seinem ersten Roman THE FOUR JUST MEN arbeitete, tat er dies mit der ihm eigenen grenzenlosen Überzeugung seiner Arbeit und war gleichsam enttäuscht, als sich die Suche nach einem Verleger schwieriger gestaltete als angenommen. Wallace ließ sich davon aber nicht entmutigen und gründete kurzerhand seinen eigenen Verlag, die TALLIS PRESS.
Um den Erfolg, von dem er überzeugt war, zu garantieren, lies sich Wallace geniale Werbemaßnahmen einfallen, die seiner Zeit vorraus waren und von denen Marketingfachleute noch heute lernen könnten. So soll er 500 Pfund an Preisgeldern versprochen haben, für diejenigen klugen Köpfe, die die Lösung seines Romanes aufdecken können. Dies sorgte natürlich für eine beachtliche Mundpropaganda. In seinem Übereifer soll Wallace aber auch die damals astronomische Summe von 1000 bis 1500 Pfund für weitere Werbung wie Zeitungsanzeigen und tausende Plakate ausgegeben haben, da er sich sicher war, sein Buch würde alle Kosten wieder einspielen. Durch seine spätere Berühmtheit war dies langfristig auch sicherlich der Fall, doch zunächst kam Edgar in Zahlungsnöte und letztlich soll er nur mit Mühe und Not einen Skandal verhindert haben, da er mit Unterstützung seines Chefs von der Daily Mail doch noch die versprochenen Geldpreise für den Wettbewerb auszahlen konnte.

Soweit die Geschichte, wie man Sie in der ereignisreichen Biografie von Edgar Wallace findet. Als ich vor einigen Wochen den Tipp bekam, dass ein Londoner Antiquariat die Erstausgabe von 1905 zum Verkauf anbietet, habe ich zugeschlagen und mir die Ausgabe gleich nach Deutschland schicken lassen.

Beim Auspacken dann gleich die Bestätigung: Gleich auf dem Buchrücken wird tatsächlich auf die Aktion aufmerksam gemacht. Dort heißt es:

THE FOUR JUST MEN by Edgar Wallace

500 Pfund Belohnung! Ein bemerkenswertes Angebot ist mit diesem Roman verknüpft. Abgesehen von dem Anspruch ein höchst brilliantes Erzählstück zu sein, hat Mr. Edgar Wallace den Reiz dieser Kriminalgeschichte erhöht, indem er ihr Ende offenlässt. Die Herausgeber laden die Leser ein, das Rätsel zu lösen und Preisgelder in der Höhe von 500 Pfund zu gewinnen, wenn sie die Auflösung um den Tod von Sir Philip Ramon auf dem bereitgestellten Vordruck einreichen.


Bemerkenswert und vielleicht typisch, dass Wallace hier sein Erstlingswerk bereits als "most brilliant piece of story writing" lobt. Aber der Erfolg sollte ihm später wohl Recht geben. Am Ende des Buches war eine Antwortkarte eingedruckt, die bei meinem Exemplar leider bereits herausgelöst wurde. Der Erstbesitzer meines Buches glaubte also das Rätsel gelöst zu haben und versuchte sein Glück bei Mr. Wallace.

Als Kontakt- und Herausgeberinformation ist die Adresse angegeben, unter der Wallace einst sein Büro einrichtete: The Tallis Press, 21, Temple Chambers, E.C. Gedruckt wurde das Buch bei Butler & Tanner.

Das Buch enthält natürlich die Kapitelüberschriften, die auch noch in der deutschen Erstveröffentlichung von 1927 zu finden sind, in späteren Neuausgaben aber fehlen.

Es fehlt das spätere letzte Kapitel und die Geschichte endet spannungsvoll mit dem späteren vorletzten Kapitel: "Tot!" flüsterte er mit heiser Stimme. Er sah sich prüfend um - mit Ausnahme der Polizei und der Leiche des Ministers war das Zimmer leer.

Danach folgt anstatt der Lösung folgender Anhang, der mit einer weiteren dezenten Selbsteinschätzung Edgars beginnt:

Wer tötete Sir Philip Ramon und wie wurde er getötet? 500 Pfund Preisgeld!

Auf den vorangegangenen Seiten schilderte Mr. Edgar Wallace in einem Stil, der ihn in die vorderste Front der lebenden impressionistischen Autoren platziert, eine Geschichte von packender Spannung. Er hat im Lauf seiner Geschichte gezeigt, wie scheinbar unerklärliche Begebenheiten doch eine einfachste Erklärung haben konnten und hat sich von anderen Kriminalautoren in der Hinsicht unterschieden, dass er fortlaufend einige untergeordnete Geheimnisse der Vier Gerechten aufgeklärt hat. Am Ende der Geschichte sind nur zwei Rätsel unaufgedeckt:
1. Wie konnten die Vier Gerechten den Tod von Sir Philip Ramon herbeiführen?
2. Wer brachte Thery um und was ist die Erklärung für die befleckten Hände?

Bisher ist die Antwort auf diese zwei Fragen nur dem Autor und Herausgeber bekannt, aber es sind ausreichend Hinweise im Buch verstreut, die dem aufmerksamen Leser oder der aufmerksamen Leserin die Aufklärung der Rätsel ermöglichen. Die Leser, die der Tallis Press die richtige Lösung liefern, werden folgend belohnt:

Preise in der Höhe von 500 Pfund Sterling werden aufgeteilt zu 1x250 Pfund für die beste und genaueste Lösung, die durch die Hinweise zusammengesetzt wurde. Für die nächstbeste Lösung 1x 100 Pfund. Für die nächstbeste plausible Lösung 1x50 Pfund. Die beiden nächstgenauen Lösungen erhalten jeweils 25 Pfund und weitere 50 Trostpreise betragen jeweils 1 Pfund.

Die Auflösung wird in Form eines Diagramms
(? "published in form of a diagram") in der Daily Mail veröffentlicht.

Teilnahmebedingungen: 1. Jeder Leser kann soviele Lösungen einsenden wie er möchte, allerdings darf jeder Lösungsvorschlag nur auf oder mit beiligendem perforierten Vordruck eingreicht werden. Alle Lösungen ohne beiligendem perforierten Vordruck werden ohne weiteren Hinweis disqualifiziert. 2. Erklärungen sollten im Detail geschrieben werden, jedoch nicht die Menge von 300 Wörtern überschreiten. Das Vernachlässigen von Details führt nicht zur disqualifikation, jedoch sollte "A" beispielsweise schreiben "Ramon wurde von Thery erschossen" und "B" schreiben "Ramon wurde durchs Fenster von Thery erschossen, die Waffe explodierte und Thery verletzte sich dabei an den Händen" und dies die richtige Lösung sein, dann würde "B" den übergeordneten Preis erhalten. 3. Der 1.-5. Preis wird nicht aufgeteilt! 4. Mr. Edgar Wallace wird über die Preisvergabe entscheiden und seine Entscheidung wird entgültig sein. 5. Die Leser werden sich ausdrücklich an diese Konditionen binden und stimmen diesen Regeln zu. 6. Lösungen sollten per registrierter Briefpost an folgende Adresse gesendet werden: The Tallis Press, Competition Department, 21, Temple Chambers, E.C., London. Leser die eine freigemachte, adressierte Postkarte beifügen, werden den Empfang bescheinigt bekommen.

Also wenn ihr die Lösung zu den VIER GERECHTEN noch nicht wisst, oder wieder vergessen habt, dann versetzt euch doch nächstes Mal einfach in das Jahr 1905, vor mittlerweile mehr als 100 Jahren, und rätselt mal mit, bevor ihr das letzte Kapitel lest. Vielleicht hätte eure Lösung auch Mr. Edgar Wallace gefallen!

Gruß,
Daniel

ProfChallenger Offline




Beiträge: 62

17.03.2009 11:31
#2 RE: Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten

Super Beitrag! Zwar war mir die Entstehungsgeschichte des Romans bereits bekannt, allerdings find ich es immer faszinierend zu sehen, wie man anhand eines einzigen Gegenstands anschaulich und faszinierend Geschichte illustrieren kann.

Holger
http://krimifilm.blogspot.com/

DanielL Offline




Beiträge: 4.138

17.03.2009 12:54
#3 RE: Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten


Hallo Holger!

Ich hatte die Anekdote mit dem Preisausschreiben auch schon in der Margaret Lane Biografie gelesen. Allerdings stehen dort keine Details und ich habe mich gefragt, ob bei dem Roman dann wirklich die letzten Seiten fehlen würden. Aus heutiger Sicht machen aber gerade die fehlenden Seiten das Besondere aus und die Tatsache, dass es sich um den allerersten Wallace Kriminalroman handelt. Ein nettes Sammlerstück eben.

Gruß,
Daniel

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

17.03.2009 14:01
#4 RE: Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten
Das Preisausschreiben findet sich (inklusive des Ausfüllbogens) im englischsprachigen Original im Nachdruck der deutschen Erstauflage in der Weltbild-Sammleredition zwischen dem elften und zwölften Kapitel. Ebenfalls enthalten ist ein schönes Frontispiz.

2. Edgar-Wallace-Grand-Prix: Übersicht / Epigonen-Grandprix: Übersicht / Quoten
UND NOCH MEHR LINKS: Der Lümmel-Blog / Das Lümmel-Forum
/ JBV1 JBV2 / EWP1 EWP2 EWP3

DanielL Offline




Beiträge: 4.138

17.03.2009 14:15
#5 RE: Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten


Ach was, das wusste ich noch garnicht. Meine Weltbild Edition ist nämlich leider noch unvollständig. Beachtlich, wieviel Mühe man sich bei der Edition gegeben hat. Dann sind das ja für die Weltbild Besitzer keine Neuigkeiten. Mein Original werde ich mir dennoch vorerst an einem Ehrenplatz behalten.

Gruß,
Daniel

Barnaby Offline




Beiträge: 320

20.03.2009 00:13
#6 RE: Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten

Ich finde Daniels Beitrag absolut interessant. Die Sache mit dem ersten Roman kommt bei M. Lane natürlich vor, aber das ORIGINAL-Buch aus der Zeit in der Hand zu halten, muss schon ein aufregendes Gefühl sein. Darf man fragen, in welcher Preisklasse das gehandelt wurde?

Die Idee mit der Auslobung eines Rätselpreises wäre vielleicht auch was fürs Forum. Aber hier sind zu viele Experten und helle Köpfe dabei – das würde zu teuer werden!

Übrigens, wer seine Englisch-Kenntnisse trainieren will mit E.W.: Es gibt eine Neuauflage vom Juli 2008 im noblen dtv-Verlag von „Crime Classics – Krimiklassiker“ von Edgar Wallace. Gestern gesehen im Buchhandel. Es sind vier Geschichten enthalten: Die Marmordiebin, Der sentimentale Simpson, Weiße Fesseln, Die grüne Mamba. Der Text ist zweisprachig, links auf englisch, rechts auf deutsch. Preis: 8,90 Euro (175 Seiten). Lagen die Rechte zur Veröffentlichung der Wallace-Romane in Deutschland nicht alle bei Goldmann?

Gruß,
Barnaby


Count Villain Online




Beiträge: 4.515

20.03.2009 00:25
#7 RE: Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten

Zitat von Barnaby
Die Idee mit der Auslobung eines Rätselpreises wäre vielleicht auch was fürs Forum. Aber hier sind zu viele Experten und helle Köpfe dabei – das würde zu teuer werden!


Wäre das nicht eine Idee für einen weiteren Kurzgeschichtenwettbewerb? Aufgabe: Eine Story schreiben zum Mitraten. Dann könnte man nicht nur als bester Autor etwas gewinnen, sondern auch als Leser, wenn man die meisten Stories löst.

Lord Low Offline




Beiträge: 701

12.10.2016 00:30
#8 RE: Die Geschichte des ersten EW-Kriminalromans! Zitat · Antworten

Gibt es eigentlich irgendwo Fotos von alten Werbeanzeigen, die Wallace für seine Romane hat schalten lassen?

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