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Dieses Thema hat 322 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

11.06.2020 10:00
#316 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten



Der Alte: Mordanschlag

Episode 25 der TV-Kriminalserie, BRD 1979. Regie und Drehbuch: Alfred Vohrer. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Michael Ande (Gerd Heymann), Jan Hendriks (Martin Brenner), Horst Niendorf (Franz Weiler), Ralf Schermuly (Peter Weiler), Herlinde Latzko (Liss Ramson), Ernst Schröder (Harald Ramson), Hans Georg Panczak (Michael Kollek), Eleonore Weisgerber (Karin Schulz), Hubert Suschka (Paul Sanft) u.a. Erstsendung: 18. März 1979. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Der Alte (25): Mordanschlag
Mordanschlag auf einen Go-Kart-Fahrer! Mitten im Rennen wird von einem Wohnwagen aus mit einem Gewähr auf Charly Schulz geschossen. Schulz überlebt, zeigt sich jedoch unkooperativ. Im Umfeld der Rennstrecke und eines nahegelegenen Flugplatzes findet Kommissar Köster trotzdem genug Verdächtige: den vorbestraften Mechaniker Paul Sanft, Charlys besten Freund Peter Weiler, der das Gelände der Go-Kart-Bahn gemeinsam mit seinem Vater zu einem Hubschrauberlandeplatz umbauen lassen will, den Grundbesitzer Ramson und Weilers Mitarbeiter Kollek. Zudem brodeln zwischen den Verdächtigen Streits und Affären ...


Man wundert sich zurecht, dass eine Episode, die den Titel „Mordanschlag“ trägt, gleich bei einer Beerdigung aufblendet. Das Geheimnis um die kirchliche Beisetzung bleibt zunächst ungeklärt, verschwindet aber auch mit der Zeit aus dem Blickfeld, weil der Zuschauer effektiv von den Verwicklungen des Falles und seinen interessanten Schauplätzen abgelenkt wird. Go-Kart-Bahn und Flugplatz sieht man nicht alle Tage als Hintergrund für eine TV-Folge, sodass es wenig ins Gewicht fällt, dass Alfred Vohrers Drehbuch erneut eher in die Kategorie „Naiv-Krimi“ fällt. Gegenüber seinem ersten Versuch „Bumerang“ ist jedoch schon eine deutliche Verbesserung zu erkennen: Statt auf unrealistische Indizien baut er die Geschichte diesmal auf eine Vielzahl kleiner, nicht uninteressanter Charaktere auf, die sich aus geschäftlichen oder privaten Gründen untereinander zerstritten haben oder Geheimnisse hüten. Ein Spürhund wie Köster ist in solchen Kreisen nicht gern gesehen. Insgesamt bewegt sich das Storytelling hier keineswegs auf schlechterem Niveau als etwa bei Herbert Lichtenfelds „Nachtmusik“ oder Maria Matrays „Der schöne Alex“.

Was der Folge fehlt, ist eine klare Hauptfigur. Vohrer verteilt die Last auf vielen Schultern und eröffnet damit die Möglichkeit einer soliden Ensembleleistung. Immer wieder tauchen gern gesehene Gesichter auf; die Folge ist für viele von ihnen ein kurzes, aber prägnantes Schaulaufen: für Horst Niendorf als soliden Flugplatzbetreiber, für Ralf Schermuly als dessen großspurigen Sohn, für Herlinde Latzko als umtriebige Unternehmergattin, für Ernst Schröder als nachdenklich-großzügigen Sugardaddy, für Hans Georg Panczak als unbequemen Mitwisser, für Sascha Hehn als Opfer des Mordanschlags, für Werner Asam als rohen Kinobetreiber, für Hubert Suschka als roten Hering und für Max Griesser als bajuwarischen Jagdkumpanen. Und trotz dieser beachtlichen Nebendarstellerriege hielt Vohrer auch noch einige Minuten für das Standard-Köster-Team vor, inklusive Millinger-Auftritt und ein paar dankbaren Szenen für Jan Hendriks’ Martin Brenner.

Vielleicht ist die Folge gewissermaßen ein Substrat aus allem, was für Ringelmann-Krimis typisch ist. Wo man sich etwas mehr Mut gewünscht hätte, ist die Musik, die wie bei gefühlt jeder zweiten „Der Alte“-Folge den streitbaren Frank-Duval-„Charme“ verbreitet. Dieser verwässert mit gezuckerter Schnulzenmelodie insbesondere das eigentlich sehr bittere Ende, das die ersten Einstellungen der Folge wieder aufgreift und für das Köster sich auch nicht unwesentlich selbst Vorwürfe machen müsste. Den einzigen erfolgreichen Mord in Episode 25 hat er nicht nur nicht verhindert, sondern durch sein eigenes Verhalten regelrecht provoziert.

Der in „Mordanschlag“ geschilderte interessante Fall platziert Standardmotive und -figuren in dichter Aneinanderreihung vor attraktive Umgebungen und sichert sich damit einen Platz in der Kategorie „gut und gern gesehen“. Anders als in seinen ganz frühen Fällen ist Köster mittlerweile gesitteter unterwegs, hinterlässt hier aber einen nicht zu verachtenden Scherbenhaufen. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

16.06.2020 10:45
#317 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten



Der Alte: Neue Sachlichkeit

Episode 26 der TV-Kriminalserie, BRD 1979. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Karl Heinz Willschrei. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Michael Ande (Gerd Heymann), Klausjürgen Wussow (Jacob Frei), Franziska Bronnen (Silke Frei), Erika Pluhar (Charlotte Bäcker), Simone Rethel (Ines Sieben), Stefan Behrens (Hans Wagner), Lotti Ohnesorge (Anna Cromer), Tonio von der Meden (Tom Cromer), Erland Erlandsen (Kunsthändler Kristensen) u.a. Erstsendung: 20. April 1979. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Der Alte (26): Neue Sachlichkeit
Auf dem Weg nach Hause aus der Kneipe fällt Silke Frei ein, dass sie ihren Hausschlüssel an ihrem Arbeitsplatz, einer Kunstgalerie, liegengelassen hat. Als sie in die Galerie geht, um ihn zu holen, wird sie dort erschlagen. Zunächst verdächtigt die Polizei ihren Freund Hans Wagner, mit dem sie am gleichen Abend einen Streit hatte. Doch auch ihr gehörnter Ehemann und ihre Kollegin Charlotte Bäcker hätten ein Motiv für die Tat. Silke hatte Charlotte entlassen – angeblich weil diese zu viel am Arbeitsplatz trank. In Wahrheit ging es um eine Beteiligung am Verkauf wertvoller Bilder der Stilrichtung Neue Sachlichkeit ...


Die Frage, wer die Galeristin Silke Frei tötete, wird in „Neue Sachlichkeit“ zum Anlass genommen, ein noch viel älteres Rätsel zu beleuchten: das ewige Spannungsfeld zwischen den zwei Geschlechtern. Schon bevor der Titel aufblendet, flirtet der pfauenhafte Beau Sky Dumont mit Franziska Bronnen, welche die Silke Frei spielt. Ihr Filmfreund Stefan Behrens sieht’s nicht gern und der lieben Ruhe wegen taucht Dumont nach seiner einen Szene auch nicht mehr auf. Später erfährt man, dass Bronnen eigentlich mit Klausjürgen Wussow verheiratet ist – sie lässt gewissermaßen nichts anbrennen. Nicht nur um die Figur der Ermordeten sponn Autor Karl Heinz Willschrei diverse amouröse Verflechtungen – auch Michael Ande darf seiner sturen Untertänigkeit für einige Momente entfliehen und mit der Zeugin Simone Rethel anbandeln. Siegfried Lowitz geht derweil forscher zur Sache und verfolgt Erika Pluhar bis ins Badezimmer, schlägt aber die Einladung, sich gemeinsam mit ihr in die Wanne zu setzen, aus.

Geschickterweise liefert das Skript gerade so viel Stoff für den klassischen Whodunit, dass man in Anbetracht der falschen Spur der Galeriebilder sowie des schillernden Charakters von Charlotte Bäcker übersieht, dass zwischenmenschliche Emotionen wie die oben geschilderten in schwachen Momenten auch umkippen und sich in einen mörderischen Affekt verwandeln können. Bis man zu dieser Erkenntnis gelangt, die 70er-Jahre-stilecht in einer auflösenden Rückblende serviert wird, verfolgt man gespannt, wie Köster und Heymann über das Minenfeld der eigenwilligen Gastfiguren manövrieren. Während Wussow dabei als Ehemann eher am Rande steht und Behrens vielleicht noch eine Spur verdächtiger wirken dürfte, zeigen sich Rethel und Pluhar von ihrer besten Seite. Beide Akteurinnen legen sich auf unterschiedliche Weise mächtig ins Zeug, die Kripobeamten einzuwickeln – insbesondere Pluhar legt als heruntergekommene, aber hochintelligente Trinkerin ein beeindruckendes Exempel ihres Könnens ab. Mit unverfrorener Entschlossenheit wirft sie Köster die gepfeffertsten Drehbuchzeilen um die Ohren und beweist in ihrem Spiel, dass Tragik, Abgeklärtheit und kindisches Verhalten vor allem dank Teufel Alkokol sehr nah beieinanderliegen können.

Helmuth Ashley setzte die Episode auf erprobte, aber nicht unbedingt für ihn typische Weise um. Anstatt sich (wie sonst bei ihm oft üblich) zu sehr auf plumpe Romanzigkeit und den Plüsch am Rande des Geschehens zu fokussieren, arbeitete er hier mit voller Konzentration und hoher Präzision. Das verleiht der Folge einen tollen, kurzweiligen Fluss und macht sie vor allem deshalb besonders, weil sie sich trotz der vielen Konflikte eine titelgebende „Sachlichkeit“ bewahrt. Sie ist kein Charakterdrama, sondern ein vollwertiger Krimi nach erprobtem Strickmuster, aber mit genug Abwechslung und Alleinstellungsmerkmalen, um als besonders gelungener Fall in Erinnerung zu bleiben. Selbst der oft gescholtene Frank Duval trug diesmal mit seiner getragenen Liebesmelodie passend zum Gesamtbild bei.

Oberflächliche Liebe und abhandengekommenes Vertrauen stehen im Mittelpunkt dieses gelungenen Krimis. Weil er vor dem Hintergrund der Kunst- und Antiquitätenbranche spielt, kann man sich auf kultivierte, kluge Figuren und namhafte Ringelmann-Darsteller verlassen. 5 von 5 Punkten für dieses erlesene Vergnügen, das aber auch eine echte Schande ist, weil Karl Heinz Willschrei danach nie mehr ein „Der Alte“-Buch schrieb.

Jan Offline




Beiträge: 1.489

16.06.2020 13:08
#318 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Nahezu volle Zustimmung zur Bewertung der "Neuen Sachlichkeit". Da ich unlängst mit Box 2 fertig geworden bin, kann ich schon mein Fazit insofern vorwegnehmen, dass es sich um eine der besten Episoden daraus handelt. Ashleys Talent, in seinen guten Momenten ungeheuer atmosphärische Filme schaffen zu können, kommt der Episode sehr zu Gute. In diesem Fall ist es eine Atmosphäre aus der Upper Class, die - aus heutiger Sicht betrachtet - insofern noch einen geradewegs überbordenden Nostalgiefaktor beinhaltet, der nicht zuletzt auch auf Frank Duval zurück zu führen ist. Sein Musikbeitrag, hinterlegt auf nächtliche Großstadtfahrten eines weißen Jaguar beispielsweise, repräsentiert den Hauch der ausgehenden 1970er Jahre. Da ist man halt mit dem Auto nochmal eben von Bar zu Bar gefahren, um noch was zu trinken.

Dass es Willschreis letztes Buch ist - tatsächlich! Dass ich darüber uneingeschränkt bestürzt bin, kann ich nicht sagen. "Neue Sachlichkeit" gehört ohne Zweifel zu den rundum gelungenen Vorzeigeproduktionen. Andere Episoden wie "Ein Koffer" oder "Jack Braun" ebenso. Häufig aber gehören zu diesen wirklich guten Willschrei-Episoden auch besonders starke Regisseure und/oder Darsteller, die ihren Teil beitrugen. Was wäre "Ein Koffer" ohne den feisten Harald Leipnitz oder die hintersinnige Lilo Pulver? Was wäre "Toccata und Fuge" ohne die Regie Wolfgang Beckers, quasi in hemdsärmeliger Umsetzung? Was wäre "Blütenträume" ohne Vohrers Hang zum Plakativen?

Ich will aber Karl-Heinz Willschreis Leistungen gar nicht über Gebühr schmälern. Ersetzt wurde er ja gewissermaßen durch den neuen Stammautoren Volker Vogeler, der dann schon durchaus gänzlich anders gelagert war und sicher mehr besonders streitbare Vorlagen entwickelte.

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

17.06.2020 20:22
#319 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Man kann, glaube ich, im allerseltensten Fall nur einer einzigen Person die Ehre für das Gelingen ganzer Folgen(-pakete) zusprechen, also auch nicht Willschrei. (Im Gegensatz zum umgekehrten negativen Effekt, wo durchaus auch mal ein einziger Elefant viel Porzellan zerschlagen kann.) Aber Willschrei schuf mit seinen Drehbüchern sehr gute Grundlagen für gelungene Folgen, die von den üblichen Verdächtigen auch meist erwartbar gut umgesetzt wurden. Wenn der "Ersatz" für Willschrei nun Vogeler sein soll, dann gute Nacht. Ich glaube, man kann da stilistisch eher Parallelen zu den konventionelleren Autoren wie Müller oder Hampel ziehen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 593

17.06.2020 20:27
#320 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Leider kann ich in einigen Einschätzungen den Vorschreibern nicht folgen . Die Story für sich ist ok und sehenswert ,die Umsetzung ist spannend. Ganz anderer Meinung bin ich bei den "Nebenschauplätzen" Pluhar spielt die Alkoholikerin Klischeehaft/kindisch /überzogen ( zwar besoffen aber immer die mondäne Dame von Welt .....) da ist nichts von der Tragik dieser Krankheit für Betroffene und Umfeld zu spüren.
Auch die kurze "Romanze" von Heymann wirkt aufgesetzt und komplett uninteressant für die Aufklärung ( wenn die junge Verkäuferin wenigstens gelogen hätte oder verdächtig wäre......)
Und dann die unpassende Musik von F Duval.....da muss man wirklich aufpassen das dieses Einheitsgedudel ( ok....war wohl damals modern ,aber...)nicht jegliche Spannung und Krimi Gefühl abwürgt.
Mein Fazit ....Krimi ok ,aber das Sehvergnügen ist manchmal eingeschränkt .

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

17.06.2020 20:36
#321 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Ich bin ja nun wirklich einer der eifrigsten Duval-Kritiker, aber sein Score in dieser Folge hob sich schon sehr deutlich von seinem sonst fabrizierten "Einheitgedudel" (wo ich dir beim meisten Rest absolut zustimme) ab. Was du über Pluhar schreibst, na ja. Kindisch und mondän sind ja schonmal zwei ziemlich entgegengesetzte Enden eines Persönlichkeitsspektrums. Insofern ist ihr sicher ein Lob auszusprechen, beides unter einen Hut zu bekommen. Ich denke, beide Attribute waren so von Drehbuch und Regisseur vorgesehen und sie brachte sie stimmig herüber. Sie sorgte wenigstens bei mir für nicht unerhebliches Amüsement, aber auch für ein bisschen Mitleid hier und da (z.B. als sie von ihren zwei abendlichen Besuchern spricht, die sich als geleerte Whiskyflaschen entpuppen).

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

07.07.2020 10:00
#322 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten



Der Alte: Der Auftraggeber

Episode 27 der TV-Kriminalserie, BRD 1979. Regie: Theodor Grädler. Drehbuch: Detlef Müller. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Michael Ande (Gerd Heymann), Jan Hendriks (Martin Brenner), Heidelinde Weis (Gisela Herborn), Götz George (Martens), Peter Dirschauer (Bodo Sterz), Gaby Herbst (Anita), Henning Schlüter (Franz Millinger), Paul Hoffmann (Dr. Bessler), Liselotte Quilling (Hausdame) u.a. Erstsendung: 18. Mai 1979. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Der Alte (27): Der Auftraggeber
Eine Bande von Kunstdieben überfällt unter dem Tarnmantel einer Lieferfirma begüterte Sammler in ihren Häusern und hält sie in Schach, bis die wichtigsten Stücke ins Fluchtfahrzeug verladen sind. So gingen auch die Maskierten vor, die den reichen Fabrikanten Dr. Herborn ausraubten. Nur löste sich in dessen Villa ein Schuss; Herborns Leichnam wird kurz darauf in die Rechtsmedizin überstellt. Seine Schwiegertochter gibt sich erschüttert und identifiziert auch einen der Täter, doch ihre Aussagen erweisen sich als unglaubwürdig. Derweil wird der andere Beteiligte ebenfalls umgebracht ...


Mord im Hause eines reichen Industriellen – „Der Auftraggeber“ verspricht zunächst einen Fall alter Schule. Das erfüllt sich auch insofern, als die Gastrollen in dieser Theodor-Grädler-Folge wieder ausgezeichnet besetzt sind und sich Heidelinde Weis als beliebter Ringelmann-Gaststar im Zangengriff zwischen Siegfried Lowitz’ Verhören und Götz Georges Drohgebärden beachtlich schlägt. In immer wieder wechselnden eleganten Kostümen wirkt sie vielleicht schon eine Spur zu nobel für die von der hochwohlgeborenen Verwandtschaft verschmähte Angeheiratete, doch weil sie offenkundig mit gespaltener Zunge spricht, erhält ihre Rolle den Rätselfaktor gekonnt aufrecht. George präsentiert sich auf der anderen Seite als Tunichtgut, der aufgrund von Weis’ Aussage unter Tatverdacht steht. In kleineren Parts sind der zu selten verwendete Peter Dirschauer, eine schrecklich frisierte Gaby Herbst und ein eleganter Paul Hoffmann als greiser Familienanwalt zu sehen. Die nebenbei eingestreute Kinderrolle krankt allerdings leider im Gegensatz zu den erwachsenen Darstellern an Glaubwürdigkeit.

Leider ist nicht alles an „Der Auftraggeber“ rosig: Pointierte Schnitte im Gedankensprung-Stil gaukeln Tempo vor, doch im Grunde genommen passiert nicht viel. Der anfängliche Überfall wird nie gezeigt, die schon von Beginn an unglaubwürdigen Aussagen von Gisela Herborn dafür einfach immer weiter in Zweifel gezogen, Martens abwechselnd verhaftet und freigelassen, der einige Jahre zurückliegende Tod von Herborn-junior nicht in den Fall eingebunden und damit auch nicht näher beleuchtet. Das ist nicht die einzige vergebene Chance: Auch die psychologisch interessante Anmerkung des Kindes, es erkenne in Kommissar Köster mit seinem blauen Mantel und seiner Brille den Mörder seines Großvaters wieder, wirkt in der Rückschau unerklärlich und unausgegoren. Charakterentwicklung findet kaum statt, wichtige Schritte der Ermittlungen werden teilweise redundant noch einmal bei Millinger vorgetragen, teilweise gänzlich übersprungen und plötzlich wie aus dem Nichts mit der Begründung „Ich habe mich erkundigt“ vorgetragen, als seien sie selbstverständlich. Detlef Müller scheint als Autor noch immer in der Findungsphase zu sein, sodass das zweite Kunst-Abenteuer des „Alten“ in unmittelbarer Folge bei Weitem nicht so sehr überzeugt wie das vorhergehende.

Das führt dazu, dass „Der Auftraggeber“ trotz guter Vorzeichen eine eher vergessenswerte Folge ist. Sicher trägt Theodor Grädler daran eine Mitschuld. Seine Versuche, den etwas ungeschickten Plot z.B. mit einem weiteren Diebstahl und einer kurzen Hatz auf winterlichen Landstraßen aufzumöbeln, reichen unterm Strich nicht aus, sodass ein dialoglastiger, etwas verworrener Gesamteindruck zurückbleibt. Das ist zwar kein so ärgerliches Unterfangen wie manch missglücktes Experiment zu Serienbeginn, aber andererseits leider auch keine wirklich unterhaltsame Angelegenheit.

Blasser Routinekrimi mit lobenswerter Besetzung der Hauptrollen, die gegen ein schwaches Drehbuch ankämpfen sowie gegen eine Regie, welche es versäumt, der Folge eine individuelle Besonderheit zu verpassen. 3 von 5 Punkten – damit fällt „Der Auftraggeber“ hinter die meisten Folgen aus dem ersten Viertel der Reihe zurück.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

09.07.2020 10:00
#323 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten



Der Alte: Pensionstod

Episode 28 der TV-Kriminalserie, BRD 1979. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Bruno Hampel. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Michael Ande (Gerd Heymann), Jan Hendriks (Martin Brenner), Wolfrid Lier (Robert Romin), Erni Singerl (Elsa Romin), Arthur Brauss (Klaus Jagert), Panos Papadopulos (Tassos Dorakis), Mascha Gonska (Nana Dorakis), Karl Walter Diess (Morgenroth jun.), Alexander Golling (Morgenroth sen.) u.a. Erstsendung: 15. Juni 1979. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Der Alte (28): Pensionstod
Sein neues Rentnerleben kann Robert Romin nicht so recht genießen – erst recht nicht, wenn ein Trupp seiner ehemaligen Werkstatt unter Leitung seines früheren Lehrlings Klaus Jagert auf dem Haus gegenüber Antennen anbringt. Romin langweilt sich zu Hause und ärgert sich zugleich darüber, dass Jagert, ein Frauenheld und Streithahn, nun im Betrieb das Sagen hat. Als Jagert kurz darauf in einem unbeobachteten Moment vom Dach gestoßen wird, stellt sich daher die Frage, ob Romin dafür verantwortlich ist – oder womöglich der griechische Gerüstbauer Dorakis, mit dessen Tochter Jagert gegen dessen Willen angebandelt hat ...


Nach Zbynek Brynychs exaltiertem „Der Alte“-Auftakt mit „Der Spieler“ zeigt seine zweite Regiearbeit „Pensionstod“ nun, dass der Tscheche auch in der „Derrick“-Konkurrenzserie einigermaßen normal, dafür aber spannend, einfühlsam und ohne überflüssige Grotesken inszenieren konnte. Brynych setzte diesmal keine im wahrsten Sinne des Wortes „spielerischen“ Akzente, sondern hob mit einer Umsetzung genau jene Konflikte hervor, die das Drehbuch ihm vorschrieb: Enge, Bedrückung und ein Gefühl von Nutzlosigkeit in der Rentnerwohnung Romin, Schwindel, Höhenangst und Todesgefahr auf dem Dach des Mietshauses, wo die Antennenbauer für gerade einmal drei Programme Leib und Leben riskieren, sowie konzentrierte Ermittlungen im Anschluss ans Verbrechen, die Kommissar Köster bis zur Klärung des Sachverhalts wieder einmal keine Minute Ruhe lassen. Daraus erwächst ein stimmungsvolles, kleines Morddrama im Einfache-Leute-Milieu mit abwechslungsreicher Methode (Sturz vom Dach); und da das Mordopfer ein unangenehmer Geselle war, fiebert man mit den beiden Hauptverdächtigen durchaus mit.

Die Darstellerriege setzt sich diesmal hauptsächlich aus altgedienten, immer wieder aufs Neue aus dem Hut gezauberten Recken der Ringelmann-Schmiede zusammen. Interessanterweise sorgt die Namensliste dennoch nicht für das erwartete Augenrollen, denn Bruno Hampel scheint die Figuren den Images der Schauspieler regelrecht auf den Leib geschrieben zu haben: Besonders positiv überrascht der ungewohnt große Auftritt von Wolfrid Lier, der zwar auch hier wieder triste Zwischentöne setzt, aber trotz seiner absolut spießigen, rechthaberischen und unzufriedenen Rentnerrolle irgendwie doch ein gewisses Maß an Sympathie erweckt. Sein Zusammenspiel mit Filmgattin Erni Singerl ist sehr stark und lässt teilweise Assoziationen zu den gesellschaftskritischen Rentnerkrimis von Herbert Reinecker aufkommen (nach dem Motto „der Mensch aufs Abstellgleis geschoben“). Die anderen Herren tun das, was sie üblicherweise immer getan haben: Arthur Brauss fährt im schmutzigen, egoistischen Balzmodus; Karl Walter Diess bringt auch in seine Nicht-Gangsterrolle den nötigen Schuss Arroganz und Zwielichtigkeit ein; Panos Papadopulos reißt stammelnd und schwitzend weit die Augen auf; und Henry van Lyck gibt mit schlecht angeklebtem Theaterbart eine Parodie auf den griechischen Gastarbeiter.

Am spannendsten gestalten sich die Szenen am Tatort, was der tollen Kameraführung von Dietmar Graf und Peter Braunmüller zu verdanken ist. Sie lassen den Zuschauer die windige Höhe und die steile Neigung des Daches spüren und agieren sehr dynamisch mit ihrem Aufnahmeinstrument. Dazu klimpert Frank Duval einige luftig-lockere griechische Töne ins Ohr des Zuschauers, was ein hübscher Kontrast zur treudeutschen Kleinbürgerlichkeit ist, die die ganze Folge überschattet. Schwierigkeiten bereitet sich der Fall einzig durch einen überlangen Mittelteil, in dem die uninteressante Rolle der Nana Dorakis über Gebühr ausgewälzt und noch dazu von der schauspielerisch eher limitierten Mascha Gonska verkörpert wird. Ihre Rolle als Gastarbeitertochter ist aber zugegebenermaßen auch etwas undankbar, zumal sie sich mit ihrem genervten Ausruf „Ich denke Deutsch! Ich träume Deutsch!“ bei heutigen politisch korrekten Zuschauern keine Freunde machen dürfte.

„Pensionstod“ illustriert mit Gespür für die Belange eines unterforderten Rentners, welche Probleme sich aus der Pensionierung und dem Nicht-mehr-gebraucht-Werden für Leute ohne Hobby ergeben. Dennoch steht der Todes-„Fall“ nicht im Abseits, sondern wird durch eine interessante Kombination mit zwei Verdächtigen bis zum Ende spannend gehalten. Das Drehbuch schlägt schließlich einen unerwarteten (und eher mittelmäßig gerechtfertigten) Haken, sodass die 28. Ermittlung des „Alten“ als eine vielleicht etwas prosaische, aber authentische Folge lange in Erinnerung bleibt. 4 von 5 Punkten.

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