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Dieses Thema hat 47 Antworten
und wurde 2.878 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Seiten 1 | 2 | 3 | 4
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.341

26.12.2008 13:23
Bewertet TV: "Tim Frazer" (1963, 4) Zitat · antworten

Erster Teil

Nachdem ich zuerst den zweiten "Tim Frazer"-Fall gesehen hatte, überraschte mich das geruhsame
Ambiente und das gemächliche Tempo der ersten Viertelstunde. Wird Tim Frazer beim "Fall Salinger"
von Charles Ross sofort mit den Details des Verbrechens betraut, sitzt er hier gemütlich in
einem Gasthof und unterhält sich mit dem Wirt über den verheerenden Sturm, der Tage zuvor im
Fischerdorf wütete.
Doch nun, nach Ansehen des kompletten Mehrteilers, muss ich dem Autor zugestehen, dass er zwar einen
harmlosen Einstieg geschaffen hat, den Zuseher dafür jedoch mit einer wachsenden Spannung und einer
verzwickten Geschichte belohnt.
Nachdem Frazer das abgelegene Dorf wieder verlassen hat und nach Hause zurückgekehrt ist, setzt er sich
mit seiner Bekannten Helen Baker zusammen, um mit ihrer Hilfe seinen Freund Harry Denston zu finden.
Marianne Koch soll die "bis über beide Ohren verliebte" Verlobte Harrys verkörpern, was ihr leider schon
einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit nimmt. Hans Quest ist wohl kaum ein Mann, der solche glühenden Gefühle
hervorrufen kann. Dafür bekommen wir bereits Gelegenheit, den sympathischen Paul Klinger zu sehen,
der als Arzt der Gemeinde eine Vertrauensstellung bekleidet, die er wie immer glaubwürdig ausfüllt.
Der Tod eines russischen Seemanns bringt Frazer auf die erste Spur. Im Wagen Denstons liegt das
Brillenetui einer gewissen Ruth Edwards und die letzten Worte des sterbenden Matrosen galten einer
"Anya". Frazer bringt Mrs. Edwards die Brille zurück und begegnet im Vorgarten deren Nichte Anya.
Dela Duhm zeichnete wieder einmal für die Kostüme verantwortlich und stattete Marianne Koch mit
aparten Zweiteilern und einer Ansammlung von verrückten Hüten ( siehe Bild auf dem DVD-Cover ) aus.
Sie trägt auch abwechselnd eine Perücke und ihre natürliche Haartracht, was ihrer Rolle als
Theaterschauspielerin geschuldet ist und wohl auch ihre innere Zerrissenheit zeigen soll.
Dem Zuseher tritt sie als übertrieben reagierende Frau entgegen, die neben dem ruhigen Frazer
und dem hausbackenen Denston wie ein exotischer Vogel wirkt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

27.12.2008 12:04
#2 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Francis Durbridge – Tim Frazer (4)
Deutschland 1962, TV. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Mit: Max Eckard, Marianne Koch, Paul Klinger, Konrad Georg, Ernst Fritz Fürbringer, Ursula Herking, Kurt Waitzmann, Josef Dahmen, Ethel Reschke, Klaus Kindler, Walter Suessenguth, Hans Quest u.v.a.m.




„Tim Frazer, I. Teil“

Tatsächlich fühlt man sich mit dem Beginn von „Tim Frazer“ wieder in jene dörfliche Atmosphäre hineinversetzt, durch die auch „Das Halstuch“ einen so beschaulich-geheimnisvollen Anstrich bekam. Eine Kleinstadt oder ein Dorf – irgendwo an der Küste. Als ob der Regisseur vor dem Zuschauer dies rechtfertigen müsste, zeigt er zu Beginn unzählige Filmeinstellungen dieses beschaulichen Ortes, in dem zudem ein wenig beschauliches Wetter – der bereits von Percy Lister erwähnte Sturm, der auch gleich zum Gesprächsthema wird, – herrscht. Man blickt in ein Wirtshaus – oder besser: in das offensichtliche Studio, das ein Wirtshaus darstellt. Die nun folgende Szene könnte tatsächlich einem Theaterstück entliehen sein: Eine Person nach der anderen kommt, spricht ihr Sprüchlein, geht, macht Platz für eine weitere Person oder einen Telefonanruf zwischendurch. Dies hat natürlich den nicht unübersehbaren Vorteil, dass man gleich eine schaurige Geschichte vom Schicksal russischer Seefahrer zu hören bekommt, die sich als wichtig für die Handlung entpuppen wird.
Wermutstropfen in dieser eigentlich stimmungsvollen Runde ist die fürchterlich schlecht gespielte Madge Gibson (Charlotte Krekel). Bei ihrem gekünstelten und inhaltsleeren Gestammel stehen mir die Haare zu Berge.

In Kontrast dazu steht die Hauptfigur Tim Frazer, verkörpert von Max Eckard, der sofort mit seiner ruhigen und besonnenen Interpretation Sympathie meinerseits gewinnen konnte. Er wirkt nicht wie der typische Held eines Krimis oder gar eines Durbridge-Krimis. Viel mehr ist er ein offenbar recht gut situierter, ein wenig untersetzter und sehr wohl erzogener Durchschnittsmensch, der zu vernünftigem Denken und Handeln im Stande ist und sich durch all diese Attribute schon einmal über jedweden Verdacht, der normalerweise über Durbridge’schen Hauptrollen schwebt, erhebt.

Die übrige Darstellerliste liest sich auch hervorragend: Namen wie Paul Klinger, Ernst Fritz Fürbringer und Hans Quest (wiederum in einer sehr mysteriösen Rolle) machen Appetit auf diesen und die übrigen Teile. Da kümmert der kurze Auftritt eines sprachlich völlig vernagelten Friedrich Joloff (man sollte meinen, dass sogar Russen im Englischen Singular und Plural unterscheiden könnten) wenig.
Über die bereits im Vorgängerpost angesprochene Marianne Koch möchte ich mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht äußern.

Mit beschaulicher Geschwindigkeit und in beschaulicher Umgebung wickelt Teil 1 also eine Geschichte auf, die wieder in den Bereich „Regierung, Geheimnisse, Spione“ fällt und in den meisten Punkten ihrer Aufarbeitung überzeugt.

Georg Offline




Beiträge: 2.738

27.12.2008 12:25
#3 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Meiner Meinung nach gelingt es Durbridge bei TIM FRAZER am Besten die Spannung langsam aber sicher ins Unerträgliche zu steigern. Der Anfang ist zwar recht betulich, danach überschlagen sich aber nach und nach die Ereignisse...
Friedrich Joloff fand ich als Russen auch extrem fehlbesetzt, er hat nichtmal ansatzweise einen slawischen Akzent. Wenn jemand nicht Deutsch/ Englisch kann, dann spricht er nicht so wie er. Ansonsten ist die Darstellerriege 1a, nicht zu vergessen auch Klaus Kindler als fieser Gangster und Josef Dahmen als zwielichtiger Edgar Tupper.

Mamba91 Offline



Beiträge: 745

27.12.2008 14:05
#4 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Wurden die Studioaufnahmen in "Tim Frazer" eigentlich im gleichen Stil wie in "Das Halstuch" gedreht, d.h. mit dieser sehr beweglichen Kamera? Ich fand diesen Effekt beim "Halstuch" ziemlich störent.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.341

27.12.2008 15:05
#5 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Zweiter Teil

Tim Frazer kommt mit seinen Ermittlungen ein Stück weiter. Er lernt das sympathische Ehepaar Edwards
kennen und unterhält sich mit Donald Edwards über dessen große Leidenschaft, das Bauen von Schiffs-
modellen. Besonders das Segelschiff "North Star" fasziniert den alten Mann, was natürlich Frazers
Verdacht erregt. Als Helen Baker später einen Koffer von Harry Denston vorbeibringt, in dem ein
Bild dieses Schiffes enthalten ist, erkennen wir, dass sicher mehr hinter der Leidenschaft von
Mister Edwards steckt. Ernst Fritz Fürbringer spielt seine Rolle mit großer Natürlichkeit und
ohne große Gesten. Er zeichnet ein feines Porträt eines ruhigen Bastlers, der mit sich und der
Welt im reinen ist. Seine Frau (Ursula Herking) läßt Frazer eine heimliche Botschaft zukommen, was
gegen die Idylle spricht. Helen Baker betont immer wieder ihre Verbundenheit mit Harry Denston,
doch glauben wir ihr schon lange nicht mehr. Marianne Koch versucht, über ihre Lügen mit einem
strahlenden Lächeln hinwegzugehen. Immer neue Charaktereigenschaften von Harry Denston werden
enthüllt, aber leider passen diese besser zu einem Mann wie Günther Ungeheuer. Hans Quest macht
nicht den Eindruck eines Playboys, Lügners, Betrügers, Schwindlers und Bankrotteurs.
Max Eckard nimmt den Zuseher ganz für sich ein. Er tritt hilfsbereit und mit freundlicher Neugier
auf. Gerne folgt man ihm durch die Geschichte. Er macht einen souveränen Eindruck und ist ein
erfrischend unverbrauchtes Gesicht im Krimigenre.

Jan Offline




Beiträge: 1.162

27.12.2008 22:50
#6 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Zitat von Mamba91
Wurden die Studioaufnahmen in "Tim Frazer" eigentlich im gleichen Stil wie in "Das Halstuch" gedreht, d.h. mit dieser sehr beweglichen Kamera? Ich fand diesen Effekt beim "Halstuch" ziemlich störent.

Ja, der Stil ist in "Halstuch" und den beiden "Frazern" komplett identisch. D.h., dass Szenen z.T. extrem lang sind und die Kamera daher durch ganze Räume fährt. Ich empfand das aber nie als störend, wenngleich bei "Tim Frazer" ab und an der Mikrophonhaken im Bild ist, der Kameraassistenten mal ein Kabel fallen lässt oder die Kamera irgendwo anstößt.

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

27.12.2008 23:40
#7 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten
Zitat von Jan
wenngleich bei "Tim Frazer" ab und an der Mikrophonhaken im Bild ist, der Kameraassistenten mal ein Kabel fallen lässt oder die Kamera irgendwo anstößt.

Das war bei "Melissa" und beim "Halstuch" ebenso. Bei beiden Mikrofonschatten und einmal sogar ein richtiges Mikrofon in der Bildecke. Bei diesen Fernsehproduktionen würde ein Filmfehlersucher seine helle Freude haben.

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Georg Offline




Beiträge: 2.738

27.12.2008 23:46
#8 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

... bei TIM FRAZER-DER FALL SALINGER spiegelt sich die Kamera übrigens im Spiegel von Barbara Days Wohnung ...

athurmilton Offline



Beiträge: 1.071

28.12.2008 01:38
#9 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Eine Randnotiz zur DVD: Die auf der Hülle abgebildete Einstellung kommt in den Tim Frazer-Filmen nicht vor!

Die Dame fotografiert zwar, aber sie ist unter einem anderen Winkel zu sehen und trägt dabei keinen Hut!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.341

28.12.2008 12:23
#10 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten
Dritter Teil

Tim Frazer bekam von Charles Ross einen Mann namens Arthur Crombie an die Seite gestellt, dem er alle
Ergebnisse seiner Nachforschungen mitteilen sollte. Die zweite Episode endet mit einem Paukenschlag, als
Frazer bei der Rückkehr in seine Wohnung Crombie mit einem Messer im Rücken vorfindet und dieser kurz
darauf tot zusammenbricht. Er hat das Modell der "North Star" auf den Kaminsims gestellt. Ein sichtlich
aufgeregter Frazer holt Charles Ross aus dessen Büro und erschrickt erneut, als nicht nur das Modell,
sondern auch die Leiche bei seinem Eintreffen in der Wohnung verschwunden ist. Max Eckard schafft es
sehr gut, zu zeigen, dass der besonnene Frazer hier erstmals richtige Angst verspürt und seine
Kombinationen ins Wanken geraten. Ernst Fritz Fürbringer tritt erneut in Erscheinung und erste
Zweifel über seine Integrität beschleichen den Zuschauer.
Alle Fäden laufen auf das Fischerdorf Henton zu, weshalb Frazer erneut dorthin fährt.
Mittlerweile geht es nicht nur mehr um die Frage nach Harry Denstons Aufenthaltsort,sondern vor allem
um die seltsamen Begleitumstände seines Verschwindens. Durch das Auftreten des zwielichten
Autohändlers Tupper erkennt man, dass erneut eine ausgezeichnete Organisation von Dieben und Spionen
am Werk sein muss. Irgendeine Person ist nicht das, was sie scheint und wird am Ende ihre Maske
herunterreissen.
Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

29.12.2008 19:28
#11 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten
„Tim Frazer, II. Teil“ & „Tim Frazer, III. Teil“

Bevor ich zu meinen persönlichen Eindrücken beim Sehen der zweiten und dritten Tim-Frazer-Folge komme, möchte ich auf zwei Punkte aus der Besprechung von Percy Lister eingehen, die ich doch anders sehe:
Zitat von Percy Lister
Helen Baker betont immer wieder ihre Verbundenheit mit Harry Denston, doch glauben wir ihr schon lange nicht mehr. Marianne Koch versucht, über ihre Lügen mit einem strahlenden Lächeln hinwegzugehen.

Abgesehen davon, dass Marianne Koch nie meine Lieblingsschauspielerin werden wird, finde ich sie in dieser Rolle passend, wenn man diesen Begriff für eine weibliche Hauptrolle benutzen kann, besetzt. Sie spielt, ohne dass der Zuschauer daran denkt, dass sie spielt.
Zitat von Percy Lister
Immer neue Charaktereigenschaften von Harry Denston werden enthüllt, aber leider passen diese besser zu einem Mann wie Günther Ungeheuer. Hans Quest macht nicht den Eindruck eines Playboys, Lügners, Betrügers, Schwindlers und Bankrotteurs.

Gaaanz energischer Einspruch: Für eine solche Rolle halte ich Hans Quest für mehr als geeignet. Er schafft es, sowohl kreuzbiedere und sympathische Menschen als auch ausgebuffte Ganoven darzustellen. Auch ohne ihn bisher einmal in „Tim Frazer“ gesehen zu haben, glaube ich aufs Wort, dass er, Harry Denston, ein Schwerenöter der übelsten Sorte ist.

Max Eckard als Tim Frazer profiliert sich in den folgenden Teilen immer weiter in seiner mustergültigen Rolle. Ich bin versucht, ihn als den besten „Ermittler“ aller bisher von mir gesehenen Durbridge-Filme zu bezeichnen. Der sympathischste ist er sowieso. Mit Siegfried Wischnewski aus „Melissa“ bietet er sich einen Zweikampf an der Spitze meiner Gunst, weshalb ich mit Fug und Recht behaupten kann, besonders gespannt auf ihr Zusammenspiel in „Tim Frazer: Der Fall Salinger“ zu sein.
Auch die anderen Darsteller erfreuen: Mit vielen bekannten Gesichtern kann dieser Durbridge abermals punkten: Ernst-Fritz „Sir Archibald“ Fürbringer, Konrad „Keyston“ Georg, Kurt „Reddingwood“ Waitzmann, Josef „Henker von London“ Dahmen... Besonders letzterer hat es mir in seiner Rolle als wenig manierlicher Tankwart angetan.

Die Kulissen erinnern ebenfalls stark an „Das Halstuch“. Krumme und schiefe Holzbalken in den Wänden, Landatmosphäre und – trotz des Fernsehcharmes – eine erstaunliche Anzahl von Außenaufnahmen, die das Geschehen auflockern. Da freue ich mich nach mehreren gelungenen Cliffhangern (besonders der des zweiten Teils ist extrem fies) auf die Fortsetzung.

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Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

29.12.2008 19:37
#12 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten
Doch nicht nur Machart und Szenenbild lassen auf Parallelen zum „Halstuch“ schließen: Genauso sieht es mit der Bildqualität aus. Hier wie da stößt man auf ein akzeptables Fernsehbild, das man aber eben sofort als Fernsehbild identifizieren kann. Leicht unscharf wirkt das Geschehen, ansonsten kann man es sich jedoch gut ansehen. Der Kontrast schwankt ein wenig zwischen den einzelnen Folgen, wobei Teil 2 etwas schwächer auf der Brust ist. Die abgerundeten Ecken des Bildes finden sich auch in einer Großzahl der Einstellungen hier wieder, wie die Screenshots beweisen:


- Menüshot „Tim Frazer“
- Die Ecken wie beim „Halstuch“ sind klar zu erkennen


- Der Kapitän bedankt sich
- Texttafel aus dem Abspann des ersten Teils

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.341

31.12.2008 13:58
#13 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Marianne Koch schafft es in ihrer Rolle als Helen Baker nicht nur den sonst sehr besonnenen
Tim Frazer aus der Fassung zu bringen, sondern sie trieb auch mich beim Ansehen des Mehrteilers,
besonders in den Folgen 5 und 6, zur Weißglut. Ihre Art, schlecht zu lügen und zu versuchen,
mit einem Lächeln oder einer Ausrede über ihre Täuschungsmanöver hinwegzugehen, machte mich
rasend. Natürlich gibt es bei Durbridge jede Menge Personen, die mit dem Vorsatz der Täuschung
falsche Fährten legen oder betrügerisch tätig sind. Aber Marianne Koch gelingt es in besonderem
Maße, Einspruch hervorzurufen und die Geduld des Zusehers zu strapazieren.
Man nimmt ihr die Helen Baker so sehr ab, dass man "Tim Frazer" zurufen möchte: "Gut so, gib
es ihr! Bring sie zum Sprechen!"

Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

31.12.2008 19:40
#14 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten
„Tim Frazer, IV. Teil“ & „Tim Frazer, V. Teil“

Nach zwei hervorragenden und einem sehr guten Teil war ich sehr zuversichtlich, in „Tim Frazer“ abermals einen glänzenden Durbridge-Mehrteiler zu finden, zumal verlässliche Stimmen einen „immensen Spannungsaufbau“ versprachen. Teile 4 und 5 hingegen waren zwar wiederum schön anzusehen und hielten Perlen für Nostalgie- und Krimi-Freunde bereit, doch weder der erwartete Anzug der Geschwindigkeit noch die große Spannung traten bei mir ein. Hier bin ich mir bei „Tim Frazer“ irgendwie unschlüssig: Mich reißen die Ereignisse nicht so mit wie etwa bei „Melissa“ oder auch dem sonst als so bieder verurteilten „Der Andere“, wo ich mich ans Rätseln und Grübeln machte. Hier sitze ich „nur“ vor dem Bildschirm und lasse mich unterhalten. Ich sehe mich noch nicht veranlasst, Rätselraten zu spielen – dabei habe ich die fünfte Folge schon hinter mir!
So bin ich doch recht zwiegespalten über das, was ich schon gesehen habe. Es müsste sich noch ein fataler Knalleffekt ereignen, um mich vollends zufrieden zu stimmen. Das sehe ich jedoch nicht kommen.
Auf der Haben-Seite stehen die wunderbaren Schauspieler (ich entdeckte übrigens erst heute, dass Max Eckard zum Zeitpunkt der Dreharbeiten für „Tim Frazer“ bereits 48 Jahre alt war!) und die Schauplätze, wie ich bereits in meinen bisherigen Ausführungen erwähnte. Dem sei damit aber Genüge getan, auch wenn es sich um ein wirklich dickes Plus handelt. Sehen wir uns stattdessen noch einmal die andere Seite an:
Eher wahllos und unmotiviert reihen sich hier die Szenen aneinander; das Ziel, das Auffinden eines schamlosen Lebemannes, wirkt nicht so interessant wie das anderer Durbridge-Mehrteiler und der Grund für die Verfolgung wurde bisher nur kurz, zu kurz, angeschnitten. Ein wenig mehr Informationen für den Zuschauer wären durchaus angebracht. Die klassische Frage „Warum wird ein ‚Detektiv’ ermordet, der andere (wohlgemerkt: der Serienheld) aber nicht?“ trägt ebenfalls nicht sonderlich zur Glaubwürdigkeit der Ereignisse bei, die bei anderen Durbridge-Mehrteilern sicherlich ebenso wenig vorhanden ist, aber dem Zuschauer besser suggeriert wird.

Das hört sich nun alles recht mies an, es sei aber angemerkt, dass „Tim Frazer“ mir beim Zuschauen trotzdem einen diebischen Spaß macht. Eingehen möchte ich noch einmal auf den Part der von Percy Lister hier so hervorgehobenen Helen Baker (dieser Name entstammt doch übrigens hoffentlich nicht dem Durbridge-Original, oder?).
Zitat von Percy Lister
Marianne Koch schafft es in ihrer Rolle als Helen Baker nicht nur den sonst sehr besonnenen Tim Frazer aus der Fassung zu bringen, sondern sie trieb auch mich beim Ansehen des Mehrteilers, besonders in den Folgen 5 und 6, zur Weißglut.

Genau das gleiche habe ich gestern in der vierten Folge gedacht, als er sie zur Rede gestellt hat. Als dann zu Beginn von Folge 5 Ruth Edwards sagt, dass Helen Baker lügt, dann steigert sich auch mein Wutempfinden nur noch mehr, was dann mit den Geschehnissen gen Ende des fünften Teils auf die Spitze getrieben wird. Marianne Koch muss man hier ein großes Lob aussprechen, denn die Verkörperung ist so überzeugend, dass eben jene Antipathie (die sicher auch beabsichtigt war) so stark hervortritt. Besonders interessant ist dabei, was Kameramann Paul Ellmerer sagt: „Marianne Koch war ja so nett.“ – Umso brillanter ist ihre Verstellung im Film...

2. Edgar-Wallace-Grand-Prix: Übersicht / Epigonen-Grandprix: Übersicht / Quoten
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.341

31.12.2008 20:08
#15 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · antworten

Nach zweimaligem Sehen kann ich sagen, dass "Tim Frazer" vom Ablauf, der Stimmung und den
Örtlichkeiten her am ehesten mit "Das Halstuch" verglichen werden kann. Die Straßenszenen
vor dem Geschäft "Bonnington", die Musikuntermalung und die beschauliche Atmosphäre
sprechen dafür. Manche Szenen (z.B. die Unterredung Frazers mit Ma Dodsworth in ihrer Bar)
sind eigentlich überflüssig, da bereits feststeht, dass die betreffenden Personen gelogen
haben und die "Enthüllungen" so für den Zuseher keine Überraschungen darstellen.
Vielleicht wollte man bewusst das Tempo drosseln, um das Publikum auf die Folter zu spannen.
Aus diesem Grund muss Helen Baker ihre Lügen immer wieder bestätigen, obwohl Frazer längst
weiß, dass sie die Unwahrheit sagt.

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