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Dieses Thema hat 63 Antworten
und wurde 5.068 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Havi17 Offline




Beiträge: 3.278

30.03.2018 13:35
#61 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · Antworten

Ich möchte noch einmal Bezug nehmen auf denm Post von Georg am 27.1.2018

Ich zitiere mal eine Passage aus dem Film "Der Engel mit dem Saitenspiel"
Der Herr meint es sei kein Glücksengel es sei ein Unglücksengel, ich aber denk mir die Leut
in der Stadt haben ihn nicht recht verstanden, deswegen hat er ihnen kein Glück gebracht.
Da haben sie sicher recht, auch das Glück will verstanden sein

Kein anderer Schauspieler den ich kenne hätte diese fast kindliche Naivität spielen können
wie Max Eckhard. Die ganze Handlung ist auf sein Denken und handeln fokussiert
und zugegeben er ist möglicherweise für viele nicht der Typ Mann den man sich und das
gar heutzutage vorstellen kann. Sensibel, verletzlich eben naiv und von einer großen
Barmherzigkeit, wie man das bei vielen Schauspielern aus der alten Zeit kennt. Mir
fällt eventuell noch der große Heinz Rühmann ein, der eine solche Rolle ohne Kantigkeit
hätte spielen können. So hängt der Erfolg des Filmes ganz extrem davon ab, ob man
sich mit dem Typ Mensch Eckhard in Gänze indentifizieren kann. Auch das ... will
verstanden sein dann benötigt der Film keine enorme Geduld und wie schon Georg schrieb,
da gibt es nicht schon in der zweiten Minute eine Leiche.

Gruss
Havi17

Jan Offline




Beiträge: 1.489

02.04.2018 00:34
#62 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · Antworten

Ich kann an "Tim Frazer" auch keine so harsche Kritik üben; ich weiß indes auch nicht, ob sich solche Lesermeinungen nicht evtl. nach jeder Ausstrahlung fanden. Max Eckard ist eine durchaus mutige Besetzung: Kein wirklicher Strahlemann, kein Held durch und durch und - ja! - er kommt bisweilen schon recht bundesdeutsch daher. Insofern geht der Hinweis mit den Filzpantoffeln nicht völlig ins Leere. Allerdings ist Tim Frazer als Figur ja auch als völliger Laie in Bezug auf das Kriminalistische angelegt - wie so oft bei Durbridge. Stellt man sich eher einen wohlsituierten Londoner Ingenieur vor, so mag der Darsteller Eckard schon erheblich stimmiger ins Raster passen. Dieser Ingenieur kommt eher unverhofft zum Kriminalistischen und eben das habe ich Eckard stets glaubhaft abkaufen können. Im Falle von "Tim Frazer" sogar deutlicher als beim Nachfolger "Der Fall Salinger", bei dem Eckard auf die adrette Ingrid Ernest trifft und sich da mehr verklemmt als gelöst so eine Art Romanze andeuten soll.

Von allen Quest-Inszenierungen bei Durbridge erscheint mir "Tim Frazer" die geglückteste.

Gruß
Jan

DanielL Offline




Beiträge: 3.895

12.04.2020 12:15
#63 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · Antworten

Enthält Spoiler.

Nach der ersten Episode glaubt man, es mit einem vielleicht etwas unspektakulären TV-Krimi zu tun zu haben. Beginnend mit der zweiten Episode bauen sich aber die Geheimnisse und Seltsamkeiten Stück für Stück schön aufeinander auf, so dass ich zunächst auch kaum Tempo vermisse. Die Tatsache, dass Frazer sich nicht von Berufswegen her mit dem Verschwinden von Personen oder Mord beschäftigt, sondern als Privatmann Stück für Stück in ein Netz aus mysteriösen Vorfällen gerät, bietet einige Möglichkeiten. In Nuancen fühlte ich mich dabei sogar an die großen Kino-Thriller erinnert, DER DRITTE MANN, in dem sich statt um Harry Denston alles um Harry Lime dreht oder Hitchcocks epischer NORTH BY NORTHWEST, in dem Cary Grant als Werbefachmann zwischen die Fronten von Geheimdiensten gerät. Daher ist es für mich auch ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bietet Max Eckard eine willkommene Abwechslung zum stereotypen und zigfach bemühten britischen Ermittlertypen in den deutschen Produktionen. Er wird nicht an Tatorte gerufen, sondern von Tag zu Tag nisten sich mehr mysteriöse Dinge in sein Leben ein, auf die er mehr und mehr lernen muss aktiv zu reagieren, um der Lage Herr zu werden - Die zunächst kleinen Ungereimtheiten in Henton, der Zufall mit dem Namen "Anja", der Tote in der eigenen Wohnung und - mein Lieblingscliffhanger - das Schiff auf dem Kaminsims, das hier kein "fehlendes Puzzlestück" ist, sondern in dem Moment "das eine zuviel", dass dem ganzen eine mysteriöse Ebene verleiht und Frazer davon abbringt, den Weg über die ordentliche Polizei zu gehen. Andererseits stelle ich mir so aber auch ein bisschen die Frage: Wäre vielleicht in die Richtung nicht noch viel mehr drin gewesen? Hätte man das von Hitchcock perfektionierte Einbrechen des geordneten Alltags im Umfeld einer Person nicht noch mehr auskosten können? Was wäre, wenn Frazer nicht so rasch von Charles Ross "unter die Fittiche" genommen worden wäre? Wenn er wohlmöglich tatsächlich wegen seines Geldes ein wenig geschnüffelt hätte und erst etwas später hätte Ross sich zu erkennen gegeben... Hätte es nicht die Gelegenheit für noch mehr mysteriöse Momente gegeben, in denen sich Frazer fragt, in welches Wespennest er da wohl gestochen hat? So erahnen er - und der Zuschauer - schon früh, dass Denston in etwas verwickelt sein muss, dass eine Tragweite besitzt, dass irgendeine Regierungsorganisation sich dafür interessiert. Und hätte dann ein Felmy wohlmöglich mit seiner Art auch noch etwas mehr dazu beigetragen, die persönliche Heldengeschichte vom Ermittler aus der Not zum Held der Geschichte zu erzählen? Der Stoff hätte in kinematografischer Form mit entsprechenden Inszenierungen sicherlich auch die Möglichkeit gehabt, den Jäger hier auch noch vor dem Finale stärker zum Gejagten werden zu lassen.

Das Verhältnis zwischen Frazer und Helen Baker scheint in der Tat so freundschaftlich, wenn nicht intim, dass man ihr tatsächlich am Ende die Geläuterte nicht mehr abnimmt und ihr auch nicht mehr Verzeihen kann. Immerhin hat sie Frazer tatsächlich entscheidend betrogen, selbst als klar war, dass es um Leben und Tot geht. Hätte man das Verhältnis der beiden etwas distanzierter angelegt, hätte man das doppelbödige Spiel eher abgekauft und schließlich auch das Spiel von Marianne Koch noch besser bewertet. So wirkt es dann etwas schablonenhaft.

Bestens unterhalten worden. Gutes Fernsehspiel, dass bei mir jedoch im Nachgang auch Gedanken wachrief, ob nicht etwas noch besseres daraus hätte werden können. 4/5.

Gruß,
Daniel

schwarzseher Offline



Beiträge: 593

13.04.2020 17:34
#64 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Tim Frazer (4) Zitat · Antworten

Die Durbridge ( und Wallace ) haben bei mir den Grundstein zu einer lebenslangen Krimi Sucht gelegt .Seltsamerweise fand und finde ich die steife /naive Art von "T. Frazer " als Laienermittler absolut angemessen und eine wohltuende Abwechslung zu dem üblichen Ermittler Typ.Kein super Jerry Cotton sondern eher ein Typ wie du und ich ( naja fast....)
Rätsel-Verwirrkrimi mit den damals wahnsinnig nervenzerfetzenden Cliffhanger .
Das hat mich geprägt fürs Leben .Daher von mir immer die volle Punktzahl für T Frazer

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