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Dieses Thema hat 36 Antworten
und wurde 4.337 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Ray Offline



Beiträge: 970

23.04.2016 23:54
#31 RE: Bewertet: Francis Durbridge: Tim Frazer - Der Fall Salinger (5) Zitat · antworten

Tim Frazer: Der Fall Salinger (BRD 1964)

Regie: Hans Quest

Darsteller: Max Eckard, Ingrid Ernest, Eva Pflug, Konrad Georg, Hartmut Reck, Wolfgang Wahl, Siegfried Wischnewski, Hermann Lenschau, Jan Hendriks u.a.



Muss meinen Vorrednern insoweit zustimmen, als der zweite Fall um Tim Frazer zumindest ein wenig erfreulicher ausgefallen ist als der erste. Dies liegt insbesondere an der strafferen Inszenierung. Man geht gleich in medias res, am Ende der - freilich mit rund 20 Minuten sehr kurzen - ersten Episode schaut man verwundert auf die Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist der erste Mord bereits passiert, zudem hat man Frazer auf einer kurzweiligen Tour durch Amsterdam begleiten dürfen. Ein gelungener Einstieg.

Im weiteren Verlauf nimmt das Tempo insgesamt wieder etwas ab, dennoch fällt der Mehrteiler nicht so langatmig aus wie der erste Frazer. Die Schauspielerriege ist nicht sonderlich spektakulär, dementsprechend überschaubar fallen auch deren Leistungen aus. Alles in allem "okay", nicht mehr und nicht weniger. Eckard bleibt eine ungemein kuriose Erscheinung. Das Zusammenspiel mit Ernest ist durchwachsen, von einem "Knistern" keine Spur. Warum sollte sich eine derart attraktive Dame auch mit so einem linkischen Herrn abgeben? Das muss schon spezielle Gründe haben...

Die Art und Weise der Auflösung ist recht gelungen, obgleich am Ende nicht mehr viele Personen als potentielle "Hintermänner" übrig bleiben. Die Musik geht in Ordnung, kann sich gleichwohl mit jener von Peter Thomas für "Melissa" nicht messen.

Letzten Endes handelt es sich auch beim zweiten Tim Frazer-Abenteuer um einen unterdurchschnittlichen Durbridge-Beitrag, so dass die damalige Entscheidung, keinen dritten folgen zu lassen, rückblickend durchaus zu begrüßen ist.


Alles andere als ein Highlight, dennoch solide Krimiunterhaltung und etwas besser als der Vorgänger. 3/5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.308

24.04.2016 13:16
#32 RE: Bewertet: Francis Durbridge: Tim Frazer - Der Fall Salinger (5) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #31
Eckard bleibt eine ungemein kuriose Erscheinung.


Das ist gut formuliert, wenngleich ich diese kuriose Erscheinung stets recht positiv sah. Leider kenne ich Durbridges Vorlage nicht und weiß daher auch nicht, wie der Tim Frazer im Original angelegt war. Die deutsche Umsetzung empfand ich indes nie als störend oder abwegig. Häufig war es ja Durbridges Anliegen, die Ermittler als normal gebliebene Typen zu zeigen. Genau genommen sind alle ermittelnden Figuren in den deutschen ARD-Durbridge-Krimis - abgesehen von Hardy Krüger (und vielleicht ein bisschen auch Harald Leipnitz) - Durchschnittstypen. Bei Eckard mischte sich zudem immer ein bisschen Noblesse in die Figur. Wohl angelegt als englischer Gentleman, erwischte Eckard nicht selten auch so etwas wie den deutschen Wohlstandsbürger. Seine deutsche Herkunft konnte er zumindest nicht immer ganz vergessen machen. Ich betrachte das aber als recht charmante und aus heutiger Sicht natürlich extrem nostalgische Vermischung. Mir waren die beiden Frazer-Filme daher von den vier Quest-Inszenierungen auch stets die liebsten. Auch empfand ich die Gangart der Inszenierung nie als behäbiger gegenüber dem "Halstuch" oder "Es ist soweit". Einsparpotential in puncto Länge und zugunsten des Tempos könnte ich bei allen vieren identifizieren. Jedoch gehört für mich diese etwas betuliche Inszenierung aus heutiger Sicht vorallem zu den frühen Durbridges dazu, und ich sehe das den Filmen nach.

Gruß
Jan

Jan Offline




Beiträge: 1.308

24.04.2016 13:44
#33 RE: Bewertet: Francis Durbridge: Tim Frazer - Der Fall Salinger (5) Zitat · antworten

Gerade beim Querlesen des Threads auch noch gefunden:

Zitat von Mark Paxton im Beitrag #29
Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, wieviele Regiefehler es in dem Film gibt? In vielen Szenen spiegelt sich in Frazers oder Barbara Days Fensterscheiben irgendein Schatten oder gar eine Person, in einer Einstellung sieht man sogar die Kamera.

Mir ist das vor allem bei den beiden Frazer-Filmen auch aufgefallen. Allerdings gibt es auch in den Vorgängern Derartiges. Ich gehe mal davon aus, dass es sich dabei um Vorfälle handelt, die dem Aufnahmeverfahren geschuldet sind. Wenn ich den Kameramann Paul Ellmerer in seinem Interview richtig verstand, wurden die einzelnen Szenen am Stück mit bis zu fünf Kameras chronologisch hintereinander weg gedreht. So blieb wohl trotz aller Proben nicht ganz aus, dass es mal zum Schatten des Tongalgens an der Wand oder schlimmstenfalls sogar zur Kamera im Bild kam. Bei "Das Halstuch" ist in Harry Yates Büro auch einmal kurz eine weitere Kamera zu sehen und es ist auch einmal gut zu hören, dass einer der Kameramänner das Objektiv wechselt. Dass dies angesichts des angewendeten und wohl noch aus Live-TV-Inszenierung stammenden Verfahrens nicht noch häufiger vorkam, ringt mir einen gewissen Respekt ab. Dahinter müssen enorme Proben gestanden haben. Einige Szenen (eher: Aufzüge) sind bis zu zehn Minuten lang!

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 15.311

02.02.2018 21:30
#34 RE: Bewertet: Francis Durbridge: Tim Frazer - Der Fall Salinger (5) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Tim Frazer: Der Fall Salinger (Teile 1 und 2)

Teile 1 und 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1963. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Max Eckard (Tim Frazer), Ingrid Ernest (Barbara Day), Konrad Georg (Charles Ross), Hartmut Reck (Lewis Richards), Wolfgang Wahl (Martin Cordwell), Siegfried Wischnewski (Inspector Trueman), Manfred Heidmann (Arthur Fairlee), Hermann Lenschau (van Dakar), Kurt Beck (Lloyd) u.a. Erstsendungen: 10. und 13. Januar 1964. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Tim Frazer: Der Fall Salinger (Teile 1 und 2)
Von Mr. Ross und seinem Assistenten Richards beauftragt, reist Tim Frazer nach Amsterdam, um dort die Antiquitätenhändlerin Barbara Day im Auge zu behalten. Sie hat den Geheimdienstspitzel Leo Salinger überfahren – unklar ist nur, ob es sich um einen Unfall oder Mord handelte. Frazer gewinnt einen ersten Eindruck von der reizenden Frau, um die sich allerdings bald weitere düstere Schatten ranken: In ihrer Wohnung in Chelsea findet Frazer nämlich nach der Rückkehr aus Amsterdam die Leiche der gemeinsamen Urlaubsbekanntschaft Martin Cordwell. Angeblich weiß Barbara von nichts, doch der Telefonanruf ihrer Freundin Vivien Gilmore beweist, dass sie etwas verbirgt ...


Sommerliche Urlaubsstimmung verbreiten die Szenen, die Hans Quest vor Touristenzielen entlang der Grachten und Plätze der niederländischen Hauptstadt Amsterdam einfing. Ohne große Umschweife wird Tim Frazer und mit ihm der geneigte Zuschauer in den Fall eingeweiht und auf Reisen geschickt, wodurch dieser fünfte Durbridge-Mehrteiler sogleich eine ganz eigene Duftnote setzen kann. Überhaupt merkt man dem „Fall Salinger“ sogleich den seit „Es ist soweit“ nicht mehr begangenen Aufwand, das Geschehen an Originalschauplätzen – auch in London – zu inszenieren, positiv an. Denn der Ausflug an Leo Salingers Todesort währt nicht lang; schnell findet man sich in vertrauten Londoner Breiten wieder. Ebenso salvenartig jagt eine Überraschung die nächste – die Twists, die Durbridge im ersten Teil mit dem vertauschten Filmmaterial, dem Inhalt von Salingers Päckchen und dem ungewöhnlichen Leichenfund einbaute, bilden eine mehr als solide Rätselgrundlage.

Leider kann die zweite Folge weder in Bezug auf das Tempo noch die Story an die Exposition anknüpfen, denn weitere Verquickungen werden kaum mehr geliefert. Stattdessen steht die Vertiefung der Bekanntschaft zwischen Tim Frazer und Barbara Day im Mittelpunkt, die – weil sie das Herzstück des Mehrteilers ist – nach dem „unverbindlichen Urlaubsflirt“ dringend weiter vertieft werden muss. Max Eckard zeigt Tim Frazer unverändert zu seinem Auftreten im ersten Teil. Trotz größerer Erfahrung als Ermittler schlägt er nach wie vor auch liebenswert ungeschickte Töne an, während Ingrid Ernest zwar wenig britisch wirkt, aber geflissentlich amerikanische Klischees der femme fatale mit deutscher Treuherzigkeit mischt. Die in Leipzig geborene Tochter eines Universitätsprofessors schaute nur auf eine kurze Film- und Fernsehkarriere zurück und mutet deshalb als Wahl für die Hauptrolle in einem so großen Event-Straßenfeger ungewöhnlich an. Sie stemmt die Barbara Day jedoch glaubhaft und bewahrt – ähnlich wie Hellmut Lange in „Der Fälscher von London“ –, weil sie nicht durch andere Parts bekannt ist, die Ambivalenz ihrer Rolle zwischen reizender Salondame und womöglicher Mörderin.

Einen deutlichen Unterschied zu den sonst oft eher ländlich geprägten Durbridge-Handlungen bilden diesmal die ausgesprochen mondänen Settings und Ausstattungen, die ebenfalls ein wenig an Hollywood’s Golden Age erinnern und dem „Fall Salinger“ ein nobles Aussehen verleihen. Von der Stimmung her kommt dieser Mehrteiler den beliebten Durbridge-Radio-Krimis mit Paul Temple vermutlich am nächsten. Ebenfalls von Vorteil sind die zahlreich vorhandenen und für den Autor typischen verdächtigen Gegenstände (der Schmalfilm, die Puppe, das Metronom), während die Anzahl der Verdächtigen, die sich bisher fast ausschließlich aus Barbara Days Bekanntenkreis rekrutieren, recht überschaubar bleibt. In diesem Zusammenhang fehlt in Teil 2 schon direkt der gleich zu Anfang von der Bildfläche abgetretene, von Wolfgang Wahl perfekt ausgefüllte feiste, geschwätzige Amerikaner Martin Cordwell, der gleich auf den ersten Blick interessanter wirkte als der hölzerne Verlobte oder die vielwissende Freundin.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.311

03.02.2018 23:30
#35 RE: Bewertet: Francis Durbridge: Tim Frazer - Der Fall Salinger (5) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Tim Frazer: Der Fall Salinger (Teile 3 und 4)

Teile 3 und 4 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1963. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Max Eckard (Tim Frazer), Ingrid Ernest (Barbara Day), Konrad Georg (Charles Ross), Hartmut Reck (Lewis Richards), Eva Pflug (Vivien Gilmore), Manfred Heidmann (Arthur Fairlee), Hermann Lenschau (van Dakar), Max Mairich (Gordon Dempsey), Jan Hendriks (Jan) u.a. Erstsendungen: 15. und 17. Januar 1964. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Tim Frazer: Der Fall Salinger (Teile 3 und 4)
Es stellt sich heraus, dass die Geschehnisse um Barbara Day und Martin Cordwell mit organisiertem Juwelenschmuggel zu tun haben. Hinter diesem steckt ein Unbekannter, der auf den Decknamen Ericson hört. Wer ist Ericson? Eine Spur führt Tim Frazer zu Gordon Dempseys angeblicher Handelsniederlassung für Tulpenzwiebeln, die offensichtlich nur eine Fassade für kriminelle Tätigkeiten ist. Bevor Frazer mithilfe eines Codeworts Dempsey wichtige Geheimnisse entlocken kann, schöpft dieser Verdacht. Anderweitig hat Frazer mehr Glück: Er macht in Barbara Days Wohnung eine kompromittierende Entdeckung ...


Nachdem im zweiten Teil von „Tim Frazer: Der Fall Salinger“ Siegfried Wischnewski, der spätere Inspector Cameron im Dreiteiler „Melissa“ von 1965, seinen Einstand in der Rolle seines eigenen Amtsvorgängers gegeben hat, taucht er in den nächsten zwei Episoden, die sich voll und ganz auf Frazers Ermitlungen konzentrieren, nicht erst wieder auf. Was dem in „Melissa“ so charismatischen Mimen hier blass und abwesend erscheinen lässt, stärkt gleichzeitig Max Eckard, der erneut mit einer amateurhaften Mischung aus Cleverness und Glück sein Tagwerk bestreitet. Der „Agent wider Willen“ hat sich zwar inzwischen zu einem verlässlichen Mitarbeiter des Secret Service gemausert, bleibt aber noch immer unerfahren genug, um sich in stellenweise arg brenzlige Situationen zu manövrieren. In diesen hält der Zuschauer mit ihm den Atem an – so etwa als Frazer Barbara Day in seiner Wohnung erwartet, stattdessen aber unvermittelten Besuch von deren Verlobtem erhält.

Teil 4 verfolgt dabei eine besonders attraktive Strategie, indem er Frazers Arbeitsergebnissen vorgreift und seine Aktivitäten anschließend in einer großen Rückblende erzählt. In Anbetracht der sonst eher hausbackenen Dramaturgien der frühen Durbridges ist dieser Kniff eine willkommene Abwechslung, die die wachsende Experimentierfreude der WDR-Macher dokumentiert. Vielleicht war es darüber hinaus auch der Wunsch nach einer Ausnahme von der Regel, die Quest und sein Team dazu bewog, dieses Mal nicht auf einen Score der Durbridge-Hauskomponisten Hans Jönsson oder Peter Thomas zurückzugreifen. Stattdessen liest man den Namen des eher unbekannten William Keiper in den Abspännen. Keipers Mangel an Erfahrung schlägt sich allerdings auch prompt in den Tönen nieder, die zeitgleich aus den Lautsprechern dringen: Der Score ist der wohl am wenigsten überzeugende der bisherigen Mehrteiler.

Die Amsterdam-Impressionen des ersten Teils sind noch nicht vergessen, da legt Durbridge mit den folgenden Enthüllungen schon weitere Handlungselemente vor, welche die Holland-Connection des Krimis stärken. Schon beinahe klischeehaft spielen Diamanten und Tulpenzwiebeln nun entscheidende Rollen; es fehlt eigentlich nur noch ein Holzschuh als Macguffin. Das stringent durchgezogene Flair belohnt den Zuschauer aber auch mit einem stimmigen Seherlebnis, zu dem auch die verhältnismäßig kurzen Laufzeiten der einzelnen Episoden beitragen. Zum Zeitpunkt der Erstsendungen wurde „Der Fall Salinger“ dafür gescholten; in der Rückschau garantieren die teilweise nicht einmal die 30-Minuten-Marke knackenden Einzelportionen allerdings fesselnde Ausflüge ins Sixties-London.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.502

04.02.2018 13:50
#36 RE: Bewertet: Francis Durbridge: Tim Frazer - Der Fall Salinger (5) Zitat · antworten

In der Tat ist es ein großes Plus, dass "Der Fall Salinger" alle Register zieht, um modern und urban zu wirken. Die Attitüde des frischgebackenen Journalisten, den ein Hauch von Romantik umgibt, weil er seinen Beruf als Ingenieur nicht mehr ausüben kann und seine angebliche finanzielle Notlage der an ihm interessierten Frau nicht preisgeben will, stattet Tim Frazer mit Zügen aus, die ein normaler Ermittler nicht an den Tag legt. Der Fokus liegt neben der Jagd nach den Industriediamanten und dem Mörder von Cordwell auf der zwischenmenschlichen Ebene, auf der Max Eckard und Ingrid Ernest charismatisch und einnehmend agieren. So gesellt sich zu der Frage, wer denn nun der große Drahtzieher ist, die Neugier, wie es mit dem Paar weitergeht. Dabei kommen dem Sechsteiler das gehobene Ambiente und die zeitgleiche Ungezwungenheit sehr zupass, weil der Wohlfühlfaktor eine ebenso wichtige Rolle spielt wie der Suspense, der sich durchaus handfest in Schlägereien und Schusswaffenattacken äußert. Dennoch bewegen sich Frazer und Day wie unter einer Glasglocke, wenn sie wieder einmal beim Tee sitzen und der "Fall Salinger" anscheinend pausiert. Doch Durbridge wäre nicht ein Meister der Spannung, wenn sich diese harmonischen Szenen nicht als doppeldeutig und trügerisch erweisen würden.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.311

04.02.2018 21:00
#37 RE: Bewertet: Francis Durbridge: Tim Frazer - Der Fall Salinger (5) Zitat · antworten

In der Tat lebt der Mehrteiler vom Zusammenspiel seiner zwei Hauptakteure. Da ist es schon regelrechte Ironie, dass es sich bei Eckard und Ernest um das zusammengenommen wohl unbekannteste Hauptrollen-Paar aller Durbridges handelt. Der Faszination tut dies indes keinen Abbruch:



Francis Durbridge: Tim Frazer: Der Fall Salinger (Teile 5 und 6)

Teile 5 und 6 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1963. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Max Eckard (Tim Frazer), Ingrid Ernest (Barbara Day), Eva Pflug (Vivien Gilmore), Manfred Heidmann (Arthur Fairlee), Siegfried Wischnewski (Inspector Trueman), Konrad Georg (Charles Ross), Hartmut Reck (Lewis Richards), Max Mairich (Gordon Dempsey), Jan Hendriks (Jan) u.a. Erstsendungen: 18. und 20. Januar 1964. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Tim Frazer: Der Fall Salinger (Teile 5 und 6)
Der geheimnisvolle „Ericson“ versteht es, alle Hinweise auf seine Person zu verwischen. Van Dakar, der Frazer Hinweise über den Diamantenhehler geben kann, wird angeschossen und als sich Gordon Dempsey von Frazer zu einer Zusammenarbeit überreden lässt, bekommt auch er einen gehörigen Denkzettel verpasst. Nun muss eine andere Strategie zum Ziel führen: Frazer will mit Ericson ins Geschäft kommen. Dazu bietet er ihm die Diamanten an, die Martin Cordwell gut versteckt bei sich getragen hatte. Wird Ericson auf Frazers teures Angebot eingehen? Es hat den Anschein, als Frazer in ein verlassenes Haus bestellt wird. Doch wer tappt hier in wessen Falle?


Die Besprechung enthält leichte Spoiler.

Eine überraschend negative Resonanz bestimmte die Berichterstattung über „Tim Frazer: Der Fall Salinger“. Zwar hatte auch „Tim Frazer“ bereits nicht mehr für uneingeschränkte Jubelstürme gesorgt, doch das Echo zu „Salinger“ fiel unterm Strich so vernichtend aus, dass der WDR sowohl von der wiederkehrenden Frazer-Rolle als auch vom bisherigen Format der Sechsteiler in den Folgejahren Abstand nahm. Der Spiegel fasst die niederschmetternden Stimmungsbilder zusammen:

Zitat von Fernsehen: Durbridge: Dünnes Blut, Der Spiegel, 05/1964, S. 85
Denn das vom Kölner Fernsehteam in sechs Folgen gesendete Thrillerspiel vermochte beim bundesdeutschen TV-Publikum nicht das erwartete „Halstuch“-Fieber zu erzeugen. Die Kritiker vermerkten etwa: „Lahm vorangetriebene Geschichte“ (Stuttgarter Zeitung), „szenischer Dilettantismus“ (Münchner Abendzeitung), „Das Blut, das eher dünn wie Magermilch floss ...“ (Die Welt). Damit war der vorläufige Tiefpunkt in der Popularitätskurve einer Darbietung markiert, die seit vier Jahren zum festen Repertoire des Deutschen Fernsehens zählt: „Durbridge-Krimis“.


Die Reaktionen verwundern nicht nur ob der soliden, wenngleich mit etwas zu offensichtlicher Geradlinigkeit zu Ende geführten Krimihandlung, sondern vor allem deshalb, weil sowohl die Darstellerleistungen glaubwürdiger und die Rollenzeichnungen tiefgründiger ausfallen als in manchen anderen Durbridge-Storys. Im Zusammenspiel von Eckard und Ernest machen sich subtile Zwischentöne bemerkbar, die zwischen aufregender Romanze und verstecktem Katz-und-Maus-Spiel changieren. Wer sich ein großes Happy End erwartet, das den Konventionen eines klassischen Krimis nach dem Muster „Fuchsberger und Dor“ entspricht, verkennt jedoch die Situation: Der Umstand, dass ein Biedermann wie Frazer und eine Lebedame wie Barbara Day eigentlich gar nicht zusammenpassen, die gehäuften Hinweise auf ihre Selbstständigkeit, die Verdachtsmomente gegen Day und die Tatsache, dass die Bekanntschaft der beiden eine bereits geschlossene Verlobung durchkreuzt, sind eigentlich hinweisgebend genug. Wie auch immer der Zuschauer die Beziehung zwischen Frazer und Day interpretieren mag – sie bleibt eine unmögliche Liaison. Diese Erkenntnis führt geradewegs zu der Auflösung, welche als eine der markantesten aller Durbridges in Erinnerung bleiben wird.

Höhepunkte der letzten Teile bilden die Szenen im nächtlichen Park, im leerstehenden Haus in Maida Vale sowie im Bahnhofsrestaurant – alle diese Schauplätze schaffen eine beklemmende Stimmung und große Anspannung. Unterm Strich bleibt „Tim Frazer: Der Fall Salinger“ daher als einer der starken Durbridges in Erinnerung, wenngleich die Qualität der einzelnen Episoden stärker schwankt als üblich.

Der elegante Sechzigerjahreplüsch in den Wohnungen der Hauptfiguren spiegelt gut wieder, dass es sich bei „Tim Frazer: Der Fall Salinger“ um ein aufwendig ausstaffiertes Mordrätsel handelt, das manchmal konstruiert wirkt, aber gerade deshalb vor allem Freunden betagterer Krimis zusagen wird. Max Eckard und Ingrid Ernest brillieren in faszinierenden Hauptrollen, unterstüzt von Hartmut Reck und Manfred Heidmann, Max Mairich und Hermann Lenschau. Die Mühe mit Amsterdam- und London-Aufnahmen ist lobenswert, die Einbindung pittoresker Indizien ein typisches Durbridge-Merkmal. 4,5 von 5 Punkten.

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