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Dieses Thema hat 25 Antworten
und wurde 1.953 mal aufgerufen
 Giallo Forum
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Georg Online




Beiträge: 2.779

02.10.2011 11:42
#16 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

Chi l'ha vista morire?
Deutscher Titel: The Child - Die Stadt wird zum Alptraum
BRD / Italien 1972

1968 wird in einem französischen Skiort ein Kind von einem Killer ermordet, der sich wie eine verschleierte Frau anzieht. Der Fall bleibt ungeklärt. 1972 kommt es zu einer Reihe weiterer Morde in Venedig. Erstes Opfer ist die kleine Tochter des Bildhauers Franco, die eines Abends spurlos verschwindet und am nächsten Tag leblos in einem der venezianischen Kanäle treibt. Franco begibt sich auf eigene Faust auf die Jagd nach dem mysteriös verschleierten Killer im Damenkostüm, der natürlich noch ein paar Mal zuschlägt.

Aldo Lado ist zweifellos ein Regisseur, der für Qualität und abseits billiger Schockeffekte und unnützen Blutvergießens für überaus spannende Unterhaltung sorgt. Sein Thriller "Das Todessyndrom/ La corta notte delle bambole di vetro" ist immer wieder beklemmend und fesselnd, "Chi l'ha vista morire?" ist ebenso spannend und lässt einen quasi bis zur letzten Minute mitzittern. Ein weiterer wesentlicher Beitrag zu der gelungenen Produktion, die abermals Dieter Geissler coproduzierte, ist der fabelhafte Soundtrack von Ennio Morricone, der hier mit scheinbar harmlosem Kindergesang ("Chi l'ha vista morire?" ("Wer sah sie sterben?")) für enorm gruselige Spannung sorgt. Während des Films habe ich mich mehrfach darüber gewundert, dass dieser hervorragende und einzigartige Komponist erst so spät den Oscar erhalten hat. Seine Kompositionen stellen den Großteil der anderen Filmmusiken bei weitem in den Schatten.

Überaus interessant zeigt sich auch die Bildgestaltung. Zunächst hat Aldo Lado den Film im winterlichen, kalt-nebligen Venedig angesiedelt, was für eine unheimliche Atmosphäre sorgt. Die subjektive Sichtweise des Killers durch den Schleier ist ebenso originell gewählt. Lado zeigt bewusst nicht die typischen Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt und wenn, dann aus einer so ungewöhnlichen Perspektive, dass man etwa die Rialtobrücke oder den Markusplatz gar nicht erkennt, wenn man sich nicht gut auskennt. Ebenso eingebunden wurden das historische Café Florian sowie die Friedhofsinsel. Wie in "Todessyndrom aka Malastrana" setzt Lado bewusst auf immer wieder kurz eingesetzte aber effektive Rückblenden. Originell geschnitten fand ich auch jene Szene, in der die Tochter Francos leblos im Kanal treibt und immer wieder das rege Marktleben dazwischen geschalten wird.

Die Besetzung ist glaubhaft und gelungen, neben George Lazenby und Anita Strindberg spielt Adolfo Celi herrlich unsympathisch und auch Jósé Quaglio, der myseriöse Arzt Valinski aus "Das Todessyndrom" ist wieder mit an Bord. Von deutscher Seite spielt Peter Chatel mit und gibt einen etwas tuntig angehauchten Fechter.

Zwei Kritikpunkte hätte ich jedoch anzubringen: 1.) Als Ginevra im Kino erwürgt wird, blutet sie extrem stark aus dem Mund. Ein medizinisches Wunder ...?! 2.) Achtung Spoiler. Der Verdacht, dass der Pfarrer der Täter ist, ist mir schon recht früh gekommen. Ganz glücklich bin ich mit dieser Lösung nicht, denn in italienischen Gialli ist es beinahe schon Pflichtprogramm, dass diese Berufsgruppe zum Killer avanciert. Ich denke da nur an "Das Geheimnis des silbernen Halbmonds", "Sieben Tote in den Augen der Katze" oder "Non si sevizia un paperino" (und teilweise ja auch "Das Geheimnis der grünen Stecknadel"). Hier hätte man sich doch eine andere Lösung gewünscht. Dass soviele falsche Pfarrer herumlaufen und zum Mörder werden, ist doch etwas unglaubwürdig.

Schließlich finde ich den deutschen Titel "The Child - Die Stadt wird zum Alptraum" wenig angemessen. Störend wirken hier der unnützige englischsprachige Haupttitel sowie der Untertitel, der wenig zum Geschehen passt.

Fazit: ein spannender, fesselnder überaus gelungener Qualitätsgiallo mit einem hervorragenden Soundtrack. Anschauen!

Regie: Aldo Lado, Drehbuch: Francesco Barilli, Massimo D'Avak unter Mitarbeit von Aldo Lado und Rüdiger von Spiess, Kamera: Franco di Giacomo, Musik: Ennio Morricone, Produzenten: Enzo Doria, Dieter Geissler, Mit George Lazenby, Anita Strindberg, Adolfo Celi, Dominique Boschero, José Quaglio, Peter Chatel, Rosemarie Lindt u.v.a.

Peitschenmönch Offline




Beiträge: 534

02.12.2011 15:31
#17 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

Unglaublich spannender und berührender Film, der mich echt positiv überrascht hat. Ich schaue sehr viele Filme und mich beeindruckt so schnell nichts mehr, aber das Ding hier war fesselnd. Positiv überrascht hat mich auch Lazenby, der hier seine wahrscheinlich wichtigste Film-Rolle, abgesehen von Bond, spielte. Und so gesehen die für ihn wohl vorteilhafteste überhaupt, mit der er sich quasi verewigen konnte, da er bei Bond ja immer eher kritisch beäugt wird. Und die Musik ist so intensiv und teilweise fies, dass man sie wahrlich als jenseits von Gut und Böse bezeichnen muss ... grandios - wirklich.

Mag sein, dass das Ende leicht trashig war, aber der Film ist bis dahin bereits so stark, dass das keine Rolle mehr spielt. Dann noch all die Feinheiten, wie z.B. diese perversen Meetings ... dagegen wirkt "Suspiria" wie Kindertheater ...

Großes Kino - 10 von 10!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.862

22.05.2013 13:00
#18 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten



The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (Who Saw Her Die? / Chi l’ha vista morire?)

Kriminalfilm, IT / BRD 1972. Regie: Aldo Lado. Drehbuch: Francesco Barilli, Massimo D’Avak, Aldo Lado, Rüdiger von Spiess. Mit: George Lazenby (Franco Serpieri), Anita Strindberg (Elizabeth Serpieri), Adolfo Celi (Serafian), Dominique Boschero (Ginevra Storelli), Peter Chatel (Philip Vernon), Piero Vida (Journalist), José Quaglio (Bonaiuti), Alessandro Haber (Pater James), Nicoletta Elmi (Roberta Serpieri), Rosemarie Lindt (Gabriella) u.a. Uraufführung (Italien): 12. Mai 1972. Uraufführung (BRD): 12. Mai 1972.

Zitat von The Child – Die Stadt wird zum Alptraum
Das rothaarige Mädchen Roberta macht Urlaub bei ihrem Vater in Venedig. In den verwinkelten Gassen und Plätzen der Lagunenstadt fühlt sie sich ein wenig zu sicher, denn eines Tages begegnet ihr eine verschleierte Dame in Schwarz. Am Tag darauf treibt die Robertas Leiche im Kanal. Der Mord weist erstaunliche Parallelen zu einem Verbrechen auf, das einige Zeit zuvor in Frankreich begangen wurde. Ist das ein Ansatzpunkt, über den Franco Serpieri das Verbrechen an seiner Tochter aufklären kann?


Kindermorden fällt eine besondere Tragik anheim, vor der selbst die sonst häufig kompromisslosen Gialli eine gewisse Ehrfurcht besitzen. Wenn Roberta, gespielt vom Giallo-Kinderstar Nummer 1, Nicoletta Elmi, der schwarzgewandeten Killerin ins Netz geht, belässt es Aldo Lado bei einem zweifelnden Blick des Mädchens, ohne genauer in schmutzige Details abzutauchen. Das passt gut zum Gesamtbild von „Who Saw Her Die?“, einem Film, der sehr stilvoll fotografiert wurde und für die Reputation seines Genres eher harmlos daherkommt; einem Film, der in erster Linie von den optischen Meriten seiner Schauplätze zehrt. Die Lagunenstadt Venedig bietet sich natürlich geradezu an, das Geschehen optisch auf Grusel und Einsamkeit zu bürsten – verwinkelte Gassen, kleine Plätze, alte Häuser und ein Labyrinth von Kanälen sind der perfekte Spielplatz für mörderische Gesellen. Die Kamera von Franco di Giacomo unterstreicht die Qualität der Produktion ebenso wie die musikalische Untermalung von Ennio Morricone, dessen Töne diesmal nicht nur naiv-kindlich klingen, sondern tatsächlich einem Kinderlied entstammen. Die Verwendung der Gesänge, ihre Überlappungen in angenehmen Harmonien und aufschreckenden Dissonanzen, zählt zu Morricones besten Arbeiten – allein dafür verdient der Film große Beachtung.



Die Handlung verliert im Laufe der – typisch für einen Giallo von einem Privatmann durchgeführten – Ermittlungen mehr und mehr den Fokus, dehnt sich auf diverse dubiose Gestalten aus, die am Ende nur rudimentär von Bedeutung sind, aber immerhin das vom Publikum erwartete Sexelement einbringen, damit Signore Normalo das Kino nicht ohne die Erfüllung grundlegender Siebzigerjahre-Bedürfnisse verlässt. Immerhin gelingt es George Lazenby, seine Rolle als vom Verlust getriebener Vater glaubhaft umzusetzen und einigen etwas zu langen Szenen Schwung und Pfiff zu verleihen. Anita Strindberg hat da weniger Glück – ihre Auftritte sind ebenso wenig substanziell wie verbindlich. Die Schurken der Handlung bestechen ebenso eher durch ihre markanten Charakterköpfe (Adolpho Celi, José Quaglio) als durch inhaltliche Meriten.

Für den Regisseur Aldo Lado war „Who Saw Her Die“ seine zweite Arbeit nach „Malastrana“; Spuren eines gewissen Anfängerdilettantismus zeigen sich aber keineswegs. Das Endprodukt ist aufgrund seiner Settings weit davon entfernt, hochglanzpoliert zu sein, aber die Komposition von Wasser mit warmen Braun- und Grautönen und einem Gefühl des Verfalls spricht für eine große Begabung. Interessant zu erfahren ist, dass Lado das Projekt in erster Linie annahm, weil er selbst aus Venedig stammte und mit den Drehs in den abgelegenen Winkeln der Stadt seine eigene Kindheit noch einmal selbst Revue passieren lassen konnte.

Im Giallofach formal weit vorn, vom Gesamteindruck her aber eher mittelmäßig. Vielen Szenen fehlt eine gewisse Wucht, die Suche nach der Wahrheit hat manchmal etwas von der Suche nach einem roten Faden. Die Schauspieler gehen in Ordnung, die Morde werden geschickt über die Laufzeit des Films verteilt, die Musik ist absolute Spitzenklasse. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.862

14.09.2013 01:48
#19 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

„The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“ belegt mit 61,71 von 70 Punkten Platz 13 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 4,41 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er vier Top-Ten-Nominierungen, sodass er in der Stichwahl um Platz 10 antreten musste. Dort erhielt er Film 3 von 90 Punkten (Platz 6 von 6).

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 7
mit 61,00 Punkten auf Platz 13 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 63,00 Punkten auf Platz 05 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 58,00 Punkten auf Platz 12 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 61,00 Punkten auf Platz 05 in der Kategorie Darsteller
mit 67,00 Punkten auf Platz 03 in der Kategorie Musik
mit 63,00 Punkten auf Platz 08 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 59,00 Punkten auf Platz 08 in der Kategorie Freie Wertung
Gehe zum IMDb-Eintrag / OFDb-Eintrag

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

12.06.2014 21:20
#20 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

Gibt es eine erschwingliche DVD von diesem Film? Er interessiert mich sehr, allerdings sind mir die aufgerufenen 30 € bei Amazon deutlich zu viel - selbst für ein Nischenprodukt.

Josh Offline




Beiträge: 7.847

12.06.2014 21:28
#21 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

Alternativ hast du noch die zweite Giallobox von Koch. Die kostet zwar 40,-, aber da hast du noch zwei weitere Filme dabei. Empfehlen kann ich von den Dreien allerdings nur "The Child", die anderen beiden waren nicht mein Geschmack. Aber vielleicht gefallen sie ja dir.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.862

12.06.2014 22:10
#22 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

Wenn dir englischer Ton ohne Untertitel reicht, dann kannst du zur amerikanischen Ausgabe von Blue Underground greifen (Regionalcode 0). Die ist günstig, in guter Bildqualität und mit kurzer Interviewfeaturette. Bei Ebay im Neuzustand ab ca. 9 Euro inkl. Versand. Blue Underground hat außerdem eine pro Film noch günstigere Sammelbox herausgebracht, in der neben "Who Saw Her Die" auch "The Bloodstained Shadow" und "Short Night of Glass Dolls" (Malastrana) enthalten sind. Die britische DVD von Shameless dürfte preislich, qualitativ und in Bezug auf Audio und fehlende UTs ähnlich ausfallen, hat aber keine Doku mit an Bord.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

13.06.2014 17:59
#23 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

Danke! Das klingt doch schon wesentlich vernünftiger.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

14.09.2014 21:19
#24 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

Fantastischer Giallo - schockierende Thematik, wunderbare Schauplätze, meisterlicher Soundtrack und ein extrem mysteriös gezeichneter Mörder mit obligatorischem Kindheitstrauma fesseln hier von der ersten Minute an. Leider ist die Handlung etwas überladen und vor allem treten ein paar finstere Nebendarsteller zu viel auf, sodass man zwischendurch leider etwas den Überblick bzw. die Regie den roten Faden verliert. Das Ende und die Auflösung - soweit man sie denn auf Anhieb begreift - enttäuschen aber nicht. Für Giallo-Fans und alle, die es werden wollen, ein Muss. 5 von 5 Punkten.

Der deutsche Titel ist wirklich unpassend, allerdings ist der Originaltitel auch nicht wirklich einprägsam oder inspiriert.

Ray Online



Beiträge: 783

03.04.2016 12:59
#25 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten

The Child - Die Stadt wird zum Alptraum (I 1972)

Regie: Aldo Lado
Darsteller: George Lazenby, Anita Strindberg, Adolfo Celi, Dominique Boschero u.a.


Franco Serpieris Tochter wird tot aufgefunden. Die Tat weist Parallelen zu einem ein paar Jahre zurückliegenden Mord an einem anderen jungen Mädchen auf. Serpieri beginnt, private Ermittlungen anzustellen ...

Ex-Bond George Lazenby, Ex-Bondbösewicht Adolfo Celi, die Giallo erprobte Anita Strindberg sowie Dominique Boschero, bekannt aus einigen deutschen (Co-)Produktionen der 1960er-Jahre (u.a. „Das Geheimnis der chinesischen Nelke“) versammeln sich in diesem in Venedig angesiedelten Giallo. „The Child“ ist ein Film, der vor allem formal überzeugt. Der Schauplatz Venedig ist wie gemacht für einen schaurigen Thriller (siehe auch „Wenn die Gondeln Trauer tragen“). Regisseur Lado macht sich dies gewinnbringend zunutze. Untermalt von dem grandiosen Soundtrack Ennio Morricones entstehen Momente, die man so schnell nicht vergisst.

Inhaltlich dagegen gibt es Mängel. Die Story kommt schwer in Gang, zwischendrin gibt es die ein oder andere Länge. Interessanterweise hält aber auch das Personal nicht ganz das, was es verspricht. Lazenby müht sich, macht in den Kampfsequenzen wie schon bei Bond eine gute Figur, gelangt schauspielerisch allerdings an seine Grenzen. Strindberg und Celi bekommen wenig Raum zur Entfaltung und Boschero scheint nur dazu da zu sein, damit sie sich entblättern kann.

Der Mord im Kino schließlich ist etwas unglaubwürdig ausgefallen. Als das Opfer den Saal betritt, ist es ziemlich hell. So erscheint es ziemlich unrealistisch, dass in der Folge kein Gast etwas von dem Mord mitbekommt, zumal sie weit vorne sitzt.

Alles in allem bleibt jedoch ein positiver Gesamteindruck.

Formal äußerst ansprechender, inhaltlich gleichwohl mit Mängeln behafteter Giallo. 3,5/5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.404

23.07.2017 13:00
#26 RE: The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (1972) Zitat · antworten



BEWERTET:"The Child - Die Stadt wird zum Alptraum" (Original: Chi l'ha vista morire?) (Italien / Deutschland 1972)

mit: George Lazenby, Nicoletta Elmi, Anita Strindberg, Adolfo Celi, Dominique Boschero, Peter Chatel, Piero Vida, Alessandro Haber, José Quaglio, Rosemarie Lindt, Giovanni Forti Rosselli u.a. | Drehbuch: Francesco Barilli, Massimo D'Avak, Aldo Lado, Rüdiger von Spiess | Regie: Aldo Lado

Roberta lebt seit der Trennung ihrer Eltern bei ihrer Mutter in London und besucht nun für ein paar Tage ihren Vater in Venedig. Franco Serpieri ist Bildhauer und bereitet sich auf eine Ausstellung in Beirut vor. Nach einem Nachmittag beim Kinderspiel auf den Gassen ist Roberta plötzlich verschwunden. Am nächsten Morgen finden Markthändler ihre Leiche im Kanal. Alles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Täter um jene verschleierte Frau handelt, die bereits vier Jahre zuvor in Frankreich ein anderes Mädchen getötet hat....

Was zunächst wie eine unheimliche Mordserie an Kindern weiblichen Geschlechts aussieht, entwickelt sich bald zu einer scheinbar unkontrollierten Raserei, die im Giallo-Genre offenbar für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen will, werden doch Frauen und Männer gleichermaßen ins Jenseits befördert. Dabei geht der Täter nicht zimperlich vor, obwohl er sich in diskrete Trauerkleidung hüllt. Leider stellt man fest, dass der Film mit dem Abgang der rothaarigen Nicoletta Elmi viel von seinem Charme verliert. Das änigmatische Mädchen, das auch in Klassikern wie "Deep Red" zum Einsatz kommt, verströmt jene Aura, die gut in die Stadt passt, die zwar "La Serenissima" (ital.: sereno = heiter, hell) genannt wird, im Herbst und Winter jedoch verwaschen und düster wie ein Londoner Edgar-Wallace-Film wirkt. Streckenweise fühlt man sich an die "Toten Augen von London" erinnert, wo der Täter ebenfalls im Anzug des frommen Biedermanns daherkommt, während er von Gelüsten anderer Art getrieben wird. Gerade diese sind es, die nach und nach größeren Raum einnehmen und für narrative Verwirrung sorgen. Die Verwicklung mehrerer Personen in eine Affäre, die nur scheinbar mit den Mädchenmorden zusammenhängt; eine versiegelte Nachricht; eine Erpressung, bei der man nicht weiß, wer von wem profitierte und ein halbgares Geständnis auf Tonband sorgen dafür, dass der Zuseher den Faden verliert. Vermutlich um vom Wirrwarr der vielen Drehbuchautoren hinwegzutäuschen gibt es ein furioses Finale, das wie ein Feuerwerk erstrahlt und letzte Zweifler überzeugen soll. Müßig zu sagen, dass die Polizei auch hier wieder nach einer leicht verdaulichen Erklärung für die Öffentlichkeit sucht und sich nicht mit Ruhm bekleckert.



Die Schauspieler agieren neben der bereits erwähnten Nicoletta Elmi ordentlich, wobei Anita Strindberg erst im letzten Kapitel richtig zeigen darf, was in ihr steckt. Als Mutter bleibt sie unbeteiligt und bemüht sich wenig überzeugend um Betroffenheit. Der aktive Part liegt ihr mehr als jener der passiven Frau, die auf Gefühle reagieren soll. George Lazenby gibt sich engagierter, wobei seine Emotionen demokratisch auf mehrere Personen verteilt sind. Seine Begabung für Kommunikation treibt ihn voran und entfesselt eine Jagd nach den Hintergründen, die Öl ins Feuer gießt. Dominique Boscheros Rolle bedient genretypische Erwartungen, hinterlässt aber mehr Eindruck als Geheimnisträgerin, die viele Fragen unbeantwortet lässt. Peter Chatel zeichnet einen interessanten Charakter wie bereits in den Serienauftritten bei "Der Kommissar" und "Derrick", wobei auch seine Rolle im Nebel versandet. Viele gute Ansätze verlieren sich im Nichts, weil das Drehbuch letztendlich vage bleibt. Es zeigt sich, dass die zahlreichen Ideen nicht überzeugend koordiniert wurden und man sich deshalb in ein hastiges Happyend flüchtete. Es ist deshalb ratsam, sich auf die Stärken des Films zu konzentrieren. Vor allem die künstlerische Seite weiß zu punkten: Ennio Morricones passgenaue Musik, die Weite der Landschaft, die architektonischen Juwelen und die gute Personenführung des Regisseurs. Die Symbolsprache der Bilder mit Rückblenden und Parallelhandlungen steigert die Spannung, was sich z.B. sehr effektiv in der Szene mit der sich füllenden Badewanne zeigt. Diese Momente der Bedrohung zeigen die Stärken des Genres, das immer auch gesellschaftliche Defizite aufzeigt und Mauern der Heuchelei und der Bigotterie einreißt.

Der Herbst ist nicht nur die Zeit der Ernte, sondern auch des langsamen Niedergangs. Fäulnis und Tod greifen nach dem Leben. Venedig bildet den perfekten Rahmen für den Mord an der blühenden Jugend, die für jene Attribute steht, die im katholischen Italien immer noch Furcht unter den Konservativen auslösen. Solide Darstellerleistungen überspielen manche Drehbuchschwäche und der Kinderchor singt dazu. 3,5 von 5 Punkten

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