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Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 3.972 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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patrick Offline




Beiträge: 2.900

31.03.2018 21:49
#31 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Die Schlüssel (1964)



Regie: Paul May

Produktion: BRD, 1964

Mit: Harald Leipnitz, Albert Lieven, Peter Thom, Hans Quest, Dagmar Altrichter, Friedrich Joloff, Helmut Peine, Ruth Scheerbarth, Anna Smolik, Christian Wolff, Benno Hoffmann, Herta Worell, Gerd Wiedenhofen, Annemarie Schlaebitz, Rudolf Kleinfeld-Keller, Bum Krüger, Magda Hennings, Reinhard Glemnitz, Henry van Lyck, Halo Lüönd, Beatrice Föhr-Waldeck, Doris Swoboda, Waltraut Habicht, Peter Herkenrath, Lilly Towska, Heinz Schacht



Handlung:

Der englische Modefotograf Eric Martin erwartet Besuch von seinem jüngeren Bruder Philip, der in Hamburg als Soldat stationiert ist und nun Urlaub macht. Zu Erics großer Enttäuschung muss Philip aber gleich weiter nach Dublin, da er die unangenehme Aufgabe übernommen hat, die Brieftasche eines tödlich verunglückten Kollegen dessen Witwe zu übergeben. Kurz nach seiner Abfahrt stirbt Philip in einem Hotel durch einen angeblich selbst beigebrachten Kopfschuss. Dies geschieht jedoch nicht im irischen Dublin, sondern im englischen Maidenhead, unweit von London. Die Ermittlungen der Polizei ergeben, dass Philips Geschichte von A bis Z erlogen war. Außerdem schien er im Hotel ungeduldig auf jemanden zu warten und blätterte wie ein Besessener in einem unauffälligen Gedichteband, der ganz und gar nicht seinen Lesegewohnheiten entsprach. Das Buch scheint jedoch eine besondere Bedeutung zu haben. Sein Bruder Eric setzt nun alles in Bewegung, Licht in den mysteriösen Todesfall zu bringen und begibt sich dabei selbst in akute Lebensgefahr, denn weitere Morde und Mordversuche lassen nicht lange auf sich warten und auch das Buch taucht immer wieder auf...


Anmerkungen:

Der vorliegende Dreiteiler hat eine ausgesprochen spannende und mysteriöse erste Folge um einen Mord, aus dem man sich absolut keinen Reim machen kann, und völlig undurchschaubaren Verhaltensweisen des Mordopfers und anderer Protagonisten. Bei den Teilen 2 und 3 schleichen sich dann ab und zu Längen ein, die den Spannungsbogen aber nicht ernsthaft gefährden. Nachdem in der letzten Folge der Blick auf die tatsächlichen Vorkommnisse langsam geklärt wird, ist die Auflösung nicht mehr sonderlich überraschend. Die Leiche mit dem verunstalteten Gesicht ist ein verfrühter und leider allzu deutlicher Fingerzeig um überhört zu werden.

Harald Leipnitz fungiert als sehr ansprechender Hauptdarsteller, der mit der biederen, aber sympathischen, Ruth Scheerbarth ein angenehmes Gespann bildet. Auch wenn er mir als Bösewicht (Ölprinz, Gruft) mehr zusagt, gibt es an seiner Performance als Modefotograf Eric Martin, der mit bösen Strolchen ganz schön hässlich werden kann, nichts auszusetzen. In den Actionszenen bleibt er durchwegs glaubwürdig und versteht es, andere Saiten aufzuziehen. Peter Thom erscheint als Philip Martin trotz seiner damals immerhin schon 29 Jahren sehr jugendlich, was im Sinne der Rolle ist. Etwas gewöhnungsbedürftig ist Albert Lieven als Ermittler. Er kommt anfangs stocksteif und zugeknöpft daher und nützt nicht annähernd den Entfaltungsspielraum aus, der ihn in zwielichtigen Rollen so auszeichnet. Später taut er mit zunehmender Vertrautheit Eric Martin gegenüber allerdings etwas auf. Es ist dies gewiss nicht sein bester Auftritt, geht aber im Großen und Ganzen in Ordnung. Benno Hoffmann ist die perfekte Verkörperung einer Ganoven-Karikatur im Stile von Disneys Kater Karlo und wirkt etwas überzeichnet. Hans Quest spielt als wohlhabender Antiquitätenhändler mit tadellosen Umgangsformen, aber zwielichtigem Hintergrund, einen interessanten Part. Darstellerisch wird man hier also größtenteils auf durchaus hohem Niveau verwöhnt. Den faden Bum Krüger hätte man allerdings ruhig austauschen dürfen.

Nachdem dies meine erste Bekanntschaft mit den Schlüsseln war, ließ ich sie rein unterhaltungstechnisch auf mich wirken und wurde dabei angenehm bei Laune gehalten. Die zahlreichen, teilweise verwirrenden, Begebenheiten habe ich dabei in Bezug auf Logik nicht sonderlich hinterfragt, sodass ich den weiter oben im Thread geäußerten Kritiken zu den Ungereimtheiten nicht wirklich viel entgegenhalten kann. Dass hier ein geheimnisvoller Code im Spiel ist, habe ich zwar sehr rasch erkannt, dessen Bedeutung aber auch nie so richtig verstanden. Ich habe dies vielmehr dem Umstand angelastet, nicht immer in der Lage zu sein alles im Auge zu haben, als dem Drehbuch selber. Ein genaueres Erforschen der Sinnhaftigkeit sämtlicher Vorkommnisse ist wohl eher ein Luxus, zu dem eine wiederholte Sichtung einlädt. Solange der Unterhaltungswert stimmt, bleibt bei mir trotzdem der sprichwörtliche Stein im Brett.

Die Restaurierung ist auffallend hochwertig und das Bild sehr scharf. Der mysteriöse Grundton der Geschichte, aber auch der von manchen als "Doktor-Mabuse-ähnlich" eingestufte Mordanschlag mit der Maschinenpistole und der in Wallace-Manier geheimnisvoll und cool in Erscheinung tretende blinde Mann sind Elemente, welche das ganze für mich weiter aufwerten. Auch Peter Thomas Musik wird hier wesentlich intensiver und wirkungsvoller wahrgenommen als in Melissa, obwohl es eigentlich dieselbe ist.

Fazit:


Als mysteriöser, spannender und stellenweise recht turbulenter Krimi bieten die Schlüssel eine angenehme Unterhaltung mit recht guten Schauspielern, sodass man bei der teilweise etwas holprigen Logik und den gelegentlichen Längen durchaus ein Auge zudrücken darf. 4 von 5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.270

02.04.2018 00:46
#32 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

"Die Schlüssel" habe ich auch jüngst noch einmal wieder aufgewärmt. Ich hatte den Dreiteiler sicher 15 Jahre nicht mehr gesehen, was nicht an miesen Qualitäten liegt. Es hatte sich nicht anders ergeben. Meine im Großen und Ganzen guten Erinnerungen haben sich auch wieder bestätigt, auch was meinen Eindruck in Bezug auf Albert Lieven betrifft. Es ist nicht wirklich Lieven, dem man diese sonderbare Zurückhaltung anlasten muss. Seine Figur ist einigermaßen ungünstig ausgefallen. Schon im ersten Teil steht außer Zweifel, dass Eric Martin nicht als Tatverdächtiger in Betracht kommt. Folglich gesteht dies Inspector Hyde auch frühzeitig zu. Insofern beraubt dieses frühzeitige Bekenntnis den Ermittler etwas um seine Aufgabe. Die Geschichte wird fortan im Wesentlichen aus Martins Blickwinkel erzählt. Der Inspector läuft nebenher und erhält allgemein nur wenig Raum, sich zu entfalten. Lievens übrige Auftritte bei Durbridge waren da sicher günstiger für ihn.

Alles in allem aber liegt mir dieser Paul-May-Durbridge mehr als der zweite!

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 934

08.04.2018 19:48
#33 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Die Schlüssel (BRD 1965)

Regie: Paul May

Darsteller: Harald Leipnitz, Ruth Scheerbarth, Albert Lieven, Friedrich Joloff, Dagmar Altrichter, Helmut Peine, Hans Quest, Reinhard Glemnitz, Christian Wolff, Peter Thom, Benno Hoffmann, Bum Krüger, Magda Hennings, Anna Smolik u.a.



"Die Schlüssel" ist der dritte und letzte Durbridge-Mehrteiler, den ich mir zur Auffrischung anlässlich des bevorstehenden Durbridge-Grand-Prixs nochmal angesehen habe. Alles in allem kann ich mich den eher positiven Stimmen anschließen. Gleich zu Anfang gelingt es Harald Leipnitz in der Rolle des Eric Martin, das Publikum auf seine Seite zu bringen. Wie er eine besonders aufgesetzt-nervige Kundin aus seinem Atelier herauskomplimentiert, ist große Klasse. Eine längere Exposition gibt es nicht, vielmehr wird der Betrachter recht schnell in die Geschichte um Martins Bruder Philip hineingeworfen. Diese gibt sich gewohnt mysteriös mit dem ominösen Gedichtband, den Philip Martin erhält und dessen Bedeutung für den Fall sich dem Zuschauer ebenso wenig erschließt wie Martin selbst. Eben jener Gedichtband wird im weiteren Verlauf abgelöst von den merkwürdigen Akkordeon-Bildern, bei denen man ebenfalls beim besten Willen nicht weiß, was diese mit der ganzen Geschichte zu tun haben sollen sowie den titelgebenden "Schlüsseln". Diesen zunächst unerklärlichen Begebenheiten folgt der Zuseher mit Interesse, da er mit dem von Harald Leipnitz dargestellten Eric Martin endlich wieder eine Figur vorfindet, dessen Schicksal ihn tangiert. Man möchte den Hintergrund für Philip Martins Tod ebenso erfahren wie man wissen will, wie die mysteriösen Umatände damit zusammen hängen. Erwartungsgemäß bedarf es dann am Ende einigen Erklärungsbedarfs, um die Zusammenhänge klar zu machen. Bereitwillig lauscht man dabei dem charismatischen Albert Lieven, der auch die ungewohnte Rolle des Inspektors gut ausfüllt, wenngleich ihm seine vorangegangenen Rollen sicher mehr Gelegenheit gaben zu glänzen.

Ohne nochmals in die inhaltlichen Details gehen, möchte ich zwei Kritikpunkten gerne beipflichten. Erstens bleibt die Sache mit dem Bankraub bis zum Ende für das Publikum zu "dunkel", weil davon nur in Erzählform berichtet wird. Hier wäre es angezeigt gewesen, diesen ähnlich wie bei der Sequenz, in der Reinhard Glemnitz und seine Film-Ehefrau Magda Hennings die Geschichte mit dem Foto nacherzählen, in Rückblenden optisch darzustellen. Auf diesem Wege hätte man noch ein bisschen Dynamik und Action in das letzte Drittel bringen können. Zweitens ist die Auflösung sicher zu einfach. Hier kann ich mich Gubanovs Vorschlag, Dr. Linderhof zum Täter zu machen, nur anschließen. Helmut Peines Darstellung der letztlich wenig bedeutungsvollen Rolle ist grandios. Wenn er ein Gedicht aus dem Philip Martin vorliegenden Band im Aufenthaltsraum des Hotels frei vorträgt, kann man eine Stecknadel fallen hören. Seine mystische und scheinbar allwissende Aura, die sich in der Szene in Martins Atelier fortsetzt, hätte vortrefflich als Täterfigur getaugt. Neben ihm verdient sich vor allem Hans Quest als Antiquitätenhändler und "Eric Martin-Double" Meriten. Generell gehört der Cast sicher zu den Stärken des Mehrteilers, der diesen allgemein über den Durchschnitt zu heben imstande ist. Die Inszenierung der sich zwischen Harald Leipnitz und der eher hausbackenen Ruth Scheerbarth anbahnenden Liebesbeziehung am Ende erinnert an diverse Schlussszenen in Wallace-Filmen und rundet den Mehrteiler altbacken, aber doch sympathisch ab. Untermalt von der gelungenen Musik von Peter Thomas bieten "Die Schlüssel" vier Stunden gute Durbridge-Unterhaltung.


Trotz inhaltlicher Schwächen reihen sich "Die Schlüssel" im oberen Mittelfeld des Durbridge-Rankings ein. Zurückführen lässt sich dies auf den überzeugenden Cast, die Durbridge-typisch ominösen Gegenstände, die hier besonders mysteriös herüberkommen und zum Rätseln einladen, und den guten Score von Peter Thomas. 4 von 5 Punkten.

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