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Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 4.121 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Seiten 1 | 2 | 3
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.561

07.02.2009 20:51
#16 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Eric erkundigt sich explizit nach Dr. Linderhofs Verwicklung in den Fall. Insp. Hyde sagt daraufhin, dass der deutsche Arzt "vollkommen unschuldig" sei. Ich vermute, dass Talbot den Text gefälscht hat, um Linderhof zu belasten.

DieterBorsche Offline



Beiträge: 138

25.02.2009 11:36
#17 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Ich muss gestehen, ich hatte diesen Arzt als Hauptdrahtzieher im Verdacht... Aber dem war dann ja nicht so!

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

04.04.2009 20:53
#18 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Mehr Informationen über die britische Originalverfilmung "The Desperate People" unter:
http://www.startrader.co.uk/Action%20TV/...eratepeople.htm


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Georg Offline




Beiträge: 2.965

27.04.2010 18:14
#19 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Nachdem ich mir diesen Mehrteiler nun zum x-ten Mal erneut angesehen habe, ist meine Meinung darüber etwas zwiespältig.
Spannend und gut gespielt - Albert Lieven ist als Inspektor hervorragend - , ein toller Soundtrack. Aber in keinem anderen Durbridgekrimi gibt es nach Ende des 3. Teils so viel Verwirrung. Es handelt sich um eine Ansammlung von Unwahrscheinlichkeiten, nur drei Beispiele:

* Erneut stellt sich die Frage, warum Dr. Linderhof das Buch an Erics Bruder schickt ("Das ist das Buch, das sie brauchen") - ja warum schickt er es nicht an Eric? Wieso will es Mrs. Seldon haben, wo doch herauskommt, dass Talbot ihr Boss ist und wieso bringt es ausgerechnet Talbot - der Hintermann - zu Eric Martin?
* Unwahrscheinlich ist auch, dass ein Gangster wie Lancelot Harris soviel Geld freiwillig abstoßt, wo er dann doch plötzlich kein Geld mehr in Händen hat (am Ende sucht er ja verzweifelt danach in Quales Wohnung)
* Der Sinn des geheimnisvollen Codes ist völlig unklar. Warum sollten sich die Bankräuber dadurch in Sicherheit wiegen?

Die Auflösung, wer der Haupttäter ist, ist relativ uninteressant, da alle Beteiligten in die Sache gleichermaßen verwickelt sind. Wie schrieb die Kritik damals so schön: "Bei einer so großen Anzahl von Verbrechern ist es relativ unwichtig, wer wen umgebracht hat". Die Überführung des "Haupt"täters ist - wie bereits schon kritisiert - relativ unspektakulär. Seinen fingierten Tod kann man sich schon ausrechnen, als er mit dem auffälligen Jacket bei Martin inn der Wohnung aufkreuzt.
Eine langatmigere und langweiligere Anschlagsszene wie jene auf Andy Wilson habe ich auch selten gesehen. Demgegenüber stehen wiederum einige sehr gut inszenierte Szenen und Einfälle (Eric und Quales Schwester im Gasthaus, Andy Wilson im Krankenhaus (wie er erzählt, dass er Angst hat), die Ballszene, wie Philip Martin die Geschichte von dem angeblichen Kameraden erzählt usw.)).

Die Story selbst ist anfangs recht spannend, die Geschichte mit den Bildern ist originell, die Rückblende, wie sie entstanden sind lässt den Zuschauer auch den Atem anhalten. Doch dann im dritten Teil verläuft sich alles. Für die Ungereimtheiten ist letztlich nicht nur Durbridge, sondern auch Regisseur Paul May verantwortlich, der das Buch ja bearbeitet hat. Ich habe den Roman vor einigen Jahren auch gelesen, um herauszufinden, was May tatsächlich verändert hat, kann mich jetzt aber an nichts mehr erinnern.

Der englische Originaltitel "The desperate People" - "Die verzweifelten Leute" finde ich sehr passend angesichts der Verzweiflung und des Misstrauens unter den Bankräubern.

Der Einsatz der Musik fehlt streckenweise (Anschlag auf Andy Wilson z.B.), dort wo sie verwendet wird, passt sie sehr gut.

Insgesamt hat man fast den Eindruck, dass nicht bei allen Szenen der gleiche Regisseur für die Inszenierung verantwortlich war oder dass es ihm bei manchen Szenen egal war, was daraus wurde. Gerne hätte ich den Film auch in der Inszenierung des zumindest im Anfangsstadium geplanten Hans Quest gesehen. Die Verdächtigen hätte man außerdem noch etwas mehr herausarbeiten können - etwa durch mehrere Auftritte von Dr. Linderhof oder von Lancelot Harris schon im 1. Teil.

Trotz allem sehe ich "DIE SCHLÜSSEL" immer wieder sehr gerne. Man muss den Film eben als "Märchenkrimi" betrachten, der einige Fragen offen lässt. Angesichts der Darsteller aber auch der zahlreichen geschickten Wendungen (die dann teilweise aber nicht aufgelöst werden) immer wieder toll.

P.S.: Interessanterweise wurde "The desperate people" als einer der wenigen Durbridges weder in Frankreich noch in Italien adaptiert. Dort wurde immer als nächster Film "Melissa" in Angriff genommen. Vielleicht wurde "Desp. People" mit Absicht ausgelassen...

Georg Offline




Beiträge: 2.965

04.02.2013 18:12
#20 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Nachdem der Mehrteiler wieder mal bei mir über den Bildschirm geflimmert ist, wollte ich mich nun hinsetzen und einige Zeilen dazu schreiben. Mich störten nämlich einige Dinge - und siehe da: vor ca. 3 Jahren habe ich all diese schon mal bemängelt, so dass mein Eintrag fast obsolet geworden ist. Gibt's denn Leute hier, denen dieser Durbridge - trotz der tollen Schauspieler und der doch großen Spannung - weniger gut konstruiert vorkommt als andere?

Antworten auf die von mir gestellten Fragen (z. B. Warum schickt Linderhof das Buch? Was soll das bedeuten, wenn er doch nichts mit der Sache zu tun hat?) finde ich auch diesmal keine Antwort. Völlig unlogisch ist auch, das Ruth Sanders nach nichtmal 30 Sekunden, nachdem sie von den Entführern freigelassen wird, in Martins Wohnung ist. Im 2. Teil sagt Hyde: "Das Kennzeichen, das DAMALS beim Anschlag auf Mrs. Curtis notiert wurde ...", obwohl dieser Anschlag doch erst wenige Stunden zurück liegt. Lauter kleine Regiefehler, die man May anlasten muss. Ich komme nicht darum umhin zu sagen, dass ich Quests Inszenierung sehr gerne gesehen hätte.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

04.02.2013 18:37
#21 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #20
Gibt's denn Leute hier, denen dieser Durbridge - trotz der tollen Schauspieler und der doch großen Spannung - weniger gut konstruiert vorkommt als andere?

Da melde ich mich spontan - allerdings aus recht vager Erinnerung, denn seit der DVD-Veröffentlichung habe ich diesen Mehrteiler (wegen der inhaltlichen Schwächen!) nicht mehr gesehen.

Georg Offline




Beiträge: 2.965

04.02.2013 22:06
#22 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Achtung - leichter SPOILER zu DIE SCHLÜSSEL und BABECK!
Einer der größten Konstruktionsfehler ist, dass es keinen wirklichen Verdächtigen gibt (naja, Linderhof und die Sekretärin vielleicht), weil alle in die Sache verwickelt sind. So fehlt auch das große Aha-Erlebnis am Schluss. Ähnlich ging es mir bei "Babeck", wo auch alle Verdächtigen ohnehin schon Dreck am Stecken haben.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

09.02.2018 20:35
#23 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Die Schlüssel (Teil 1)

Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1964. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Harald Leipnitz (Eric Martin), Ruth Scheerbarth (Ruth Sanders), Albert Lieven (Inspector Hyde), Peter Thom (Philip Martin), Dagmar Altrichter (Vanessa Curtis), Helmut Peine (Dr. Linderhof), Hans Quest (Thomas Quayle), Friedrich Joloff (Douglas Talbot), Christian Wolff (Andy Wilson) u.a. Erstsendung: 18. Januar 1965. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Die Schlüssel (Teil 1)
Eigentlich freut sich Fotograf Eric Martin auf den Besuch seines Bruders Philip, der nach Monaten beim Wehrdienst wieder nach England zurückkommt. Doch der Bruder macht sich, kaum angekommen, gleich wieder aus dem Staub. Angeblich auf der Durchreise nach Dublin, steigt Philip Martin in Wahrheit im Royal Falcon-Hotel in Maidenhead ab, wo er nach kurzem Aufenthalt tot aufgefunden wird – angeblich Selbstmord! Eric will das nicht glauben und stößt auch prompt auf Unstimmigkeiten. Sie betreffen einen Gedichtband, in dem Philip im Hotel angeblich immer las, und eine Fotografie, die er eigentlich gemeinsam mit einer verschwundenen Brieftasche nach Irland bringen wollte. Auch ein Schlüssel im Besitz des Toten erregt allgemeine Aufmerksamkeit. Da ereignet sich ein weiterer Mordanschlag auf Philips Kameraden Andy Wilson ...


Die Kritik der Presse an den „homöopathischen Dosen“, in denen Durbridge-Stoffe bis zu „Tim Frazer: Der Fall Salinger“ verabreicht worden waren, sorgte für ein gehöriges Umdenken beim WDR: Die Gesamtlaufzeit blieb zwar gleich, doch die Umstrukturierung auf drei statt sechs Teile sorgt für ein gänzlich anderes Sehgefühl, bei dem die einzelnen Folgen eines Mehrteilers eher wie ein Spielfilm als wie eine TV-Episode wirken. Die Regie des neu für Durbridge hinzugewonnenen Regisseurs Paul May trägt das Ihre zu diesem Eindruck bei: May inszenierte „Die Schlüssel“ zeitgemäß und rastlos, doch darüber hinaus auch optisch raffiniert, indem er den Beruf des Protagonisten geschickt ausnutzte und dessen Atelierwohnung mit großformatigen Fototapeten ausstattete, die in einzelnen Szenen beinah das Gefühl vermitteln, als spiele die jeweilige Szene im Freien. Solcherlei Spielereien ergänzen sich mit einem ausdrucksstarken Gemisch aus Halbtotalen und Nahaufnahmen sowie einer bemerkenswert beweglichen Kameraführung zu einem hochwertigen Sehgefühl, das Überlieferungen vom Set, Regisseur May und Kameramann Dalg haben Schwierigkeiten gehabt, sich an die Arbeit für eine TV-Produktion zu gewöhnen, in Zweifel zieht.

Zweifel kommen auch Eric Martin an der offiziellen Version der Ereignisse. Zwar tauschte der WDR den gesetzten Eckard gegen den dynamischen Harald Leipnitz aus, doch an der typischen Durbridge-Konstellation eines privat in den Fall involvierten Amateurs rüttelte man bei genauerer Betrachtung keinen Millimeter. Leipnitz verleiht der Rolle einen jugendlicheren Charme, aber auch die von Kinohelden jener Zeit gekannte Alleskönner-Natur, die ihn zu einem typischen leading man macht. Seine Verkörperung gerät sowohl in den herzlichen Bruder-Szenen als auch bei der hartnäckigen Verfolgung der Spuren überzeugend und die Idee, ihn in einer platonischen Paarung mit Sekretärin Ruth Sanders (den gleichen Rollennamen trug auch Ina Duscha in „Der Rächer“) auftreten zu lassen, sorgt durch Ruth Scheerbarths pragmatische Art für Sympathie-Pluspunkte, die dem etwas spröden Leipnitz sonst abgehen würden.

Auch wenn die Szenen im Hotel in Maidenhead ein wenig hausbacken wirken, so bügelt die Besetzung diesen Mangel an britischem Flair wieder aus. Dagmar Altrichter balanciert als Wirtin auf dem schmalen Grat zwischen hinterlistiger Verschwiegenheit und bedrohter Mitwisserin. Das Ende des ersten Teils deutet an, dass neben ihr auch der herrisch-verschrobene Hans Quest seines Lebens nicht sicher ist. Auch über Christian Wolffs Rolle bricht allzu schnell Verderben hinein; „Die Schlüssel“ können sich in dieser Hinsicht jedenfalls nicht vorwerfen lassen, lange zu fackeln oder zu harmlos auszufallen. Mordanschläge, wohin das Auge blickt, schränken mögliche Täter zwar bereits in Teil 1 ein, deuten andererseits aber auch die Präsenz einer gut informierten „bösen Macht“ im Hintergrund an, was durch das Auftauchen der geheimnisvollen Fotos eines von Philips Kameraden weiter verstärkt wird. Insgesamt handelt es sich um einen soliden Auftakt zu einem Mehrteiler, der als erster seiner neuartigen Machart zwar noch einige Kinderkrankheiten auszukurieren hatte, aber bereits emanzipiert genug wirkt, um – zumindest vom technischen Standpunkt her – einen immensen Schritt aus der etwas biederen Tim-Frazer-Ecke zu markieren. Bezüglich der Story legt Teil 1 zwar auch gut vor, die anderen Episoden werden jedoch nicht auf diesem Niveau anknüpfen können ...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

10.02.2018 21:00
#24 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Die Schlüssel (Teil 2)

Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1964. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Harald Leipnitz (Eric Martin), Ruth Scheerbarth (Ruth Sanders), Albert Lieven (Inspector Hyde), Dagmar Altrichter (Vanessa Curtis), Friedrich Joloff (Douglas Talbot), Bum Krüger (Lancelot Harris), Magda Hennings (Freda Stansdale), Reinhard Glemnitz (Norman Stansdale), Christian Wolff (Andy Wilson) u.a. Erstsendung: 20. Januar 1965. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Die Schlüssel (Teil 2)
Der mysteriöse Antiquitätenhändler Thomas Quayle, Bruder von Vanessa Curtis, wird ermordet. In seinem Keller findet Eric Martin viele Abzüge der Fotografie, die Philip bei sich hatte. Es scheint sich immer um das gleiche Motiv – ein Soldat und seine Frau mit einem Akkordeon – zu handeln, doch die Frau drückt am Instrument auf jedem Abzug andere Tasten. Eric grübelt noch über das Foto nach, als ein Schlägertyp namens Fletcher in seine Wohnung einbricht und einen Hinweis hinterlässt: Auf einem Zettel stehen die Namen von Philip Martin, Andy Wilson und einem gewissen Lancelot Harris, der sich nicht erklären kann, was er mit den beiden Soldaten zu tun haben soll. Auf der gleichen Party, auf der Eric Harris trifft, begegnet er auch dem Ehepaar von der Fotografie ...


Stärker als in anderen Stoffen versuchte Durbridge in „Die Schlüssel“, Ereignisse nicht allein rätselhaft wirken zu lassen, sondern die Fernsehgemeinde mit völlig fantastischen, ja geradezu abstrusen Wendungen vor den Kopf zu stoßen. Ein darüber erboster Zuschauer fasste trefflich zusammen, der Autor wolle sein Publikum wohl „auf den Arm nehmen“. Ein Beispiel für die faszinierenden, aber zugleich auch völlig realitätsfremden Clues in diesem Fall ist das Bild von Norman und Freda Stansdale, dessen Geheimnis dann auch genüsslich über alle drei Teile ausgekostet wird – immer in dem Bestreben, damit Spannung auf das Kommende zu fabrizieren. Folge 1 widmet sich lediglich der merkwürdigen Präsenz des Fotos und Folge 2 seiner Entstehung, während man sich die letztliche Erläuterung seiner Bedeutung für Folge 3 aufhob, obwohl sich selbst ein unbedarfter Zuschauer denken können dürfte, welche Art von Code sich hinter Fredas Fingerpositionen auf der Akkordeontastatur verbirgt. Dementsprechend offenbart auch bereits der zweite Teil der „Schlüssel“ einige Längen und Offensichtlichkeiten sowie auch mindestens eine grobe Unwahrscheinlichkeit, die regelrecht ärgerlich konstruiert wirkt (Fletchers allzu günstig verlorene Brieftasche im Atelier Martin, ohne die Eric Martin wohl in eine Sackgasse geraten wäre).

Benno Hoffmann stellt den Galgenvogel Fletcher als nick-knatterton-reife Karrikatur eines brutalen Handlangers im schwarzen Glanzmantel mit brutalem Unterbiss dar. Was vielleicht als Kontrast zum eleganten Geheimnisträger-Duo Altrichter / Quest gedacht war, wirkt letztlich eher unfreiwillig komisch und tut den Szenen mit Hoffmann einen gewissen Abbruch. Auch Bum Krüger erweist sich nicht unbedingt als nachhaltige Besetzung und Christian Wolff bleibt in seiner anspruchslosen Minirolle, die sich nie so recht zwischen Helfer und Geheimnisträger entscheiden kann, geradezu sträflich unterfordert. Umso besser gefallen Glemnitz und Hennings als gutgläubiges, gesprächiges Filmehepaar, das im Gespräch mit Scheerbarth und Leipnitz die Zeit wie im Fluge vergehen lässt. Schließlich ist auch zu erwähnen, dass Albert Lieven einen unwahrscheinlichen Seitenwechsel durchlaufen hat und sich nach zwei Auftritten als Hauptverdächtiger nunmehr in einer väterlich-vorausschauenden Inspektorenrolle wiederfindet. Seinem Spiel wohnt ein geradezu schalkisches Vergnügen über den serieninternen „Aufstieg“ inne, das ihn zu einem unterhaltsamen, wenngleich etwas altklugen Polizeivertreter macht.

Auch wenn der Erfindungsreichtum im Vergleich zu anderen Mehrteilern ein wenig gehemmt zu sein scheint, so muss die Bereitschaft zur Improvisation des WDR gelobt werden. Einerseits schaffte man es, einen ziemlich frischen Stoff auf die Bildschirme der BRD zu bringen (das englische Original „The Desperate People“ war bei der BBC nur zirka zehn Monate vorher gelaufen – ein merklicher Unterschied zu den bei ihrer Adaption jeweils mindestens zwei bis drei Jahre alten früheren Durbridges). Andererseits verfügte der WDR anno 1964 noch immer nicht über eigene Studios für die Produktion von TV-Spielen, weshalb die Sets für „Die Schlüssel“ und ihre Vorgänger in einer Tennishalle in Köln-Müngersdorf errichtet wurden. Das Ampex-Verfahren hatte man nach drei Krimis dagegen wieder an den Nagel gehängt und war zum „Es ist soweit“-Modell der griffigeren und flexibleren Filmaufnahmen zurückgekehrt – ein Pluspunkt, der manche inhaltliche Schwäche ausbügelt.

Georg Offline




Beiträge: 2.965

10.02.2018 21:20
#25 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Da Du ja bereits die erste Box Francis Durbridge Presents vorliegen hast, hast Du nun auch die Möglichkeit, das Original mit der dt. Version zu vergleichen. Du wirst feststellen, dass fast alle Rollen mit gänzlich unterschiedlichen Charakteren besetzt sind und dass es einige Unterschiede gibt, Mays "Ergänzungen" am Buch waren nicht immer förderlich, wie ich überhaupt May unter allen Durbridge-Regisseuren als größten "Fehlgriff" sehe, da er es oft nicht schaffte, genügend Tempo zu erzeugen.
Benno Hoffmanns Verpflichtung kam auch nur durch die Bekanntschaft mit Paul May zu Stande.
Über die ganzen Unterschiede habe ich seitenweise Notizen, irgendwann hoffentlich auch nachzulesen...
Sehr interessant ist übrigens Durbridges Titelwahl: The Desperate People, einmal mehr eine Anspielung auf sein großes Vorbild Edgar Wallace und The Terrible People.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

10.02.2018 21:45
#26 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Die englischen Adaptionen stehen mir noch bevor. Einerseits reizen mich Titel, die mir ohnehin gefallen (Stichwort: "Melissa"), natürlich am meisten. Andererseits bin ich gespannt darauf, inwiefern schwächere deutsche Mehrteiler im Original besser wirken ("Schlüssel" / "Harry Brent"). Es wird aber noch ein Weilchen dauern, bis ich dazu komme, sie zu begutachten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

11.02.2018 14:45
#27 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Die Schlüssel (Teil 3)

Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1964. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Harald Leipnitz (Eric Martin), Ruth Scheerbarth (Ruth Sanders), Albert Lieven (Inspector Hyde), Bum Krüger (Lancelot Harris), Dagmar Altrichter (Vanessa Curtis), Friedrich Joloff (Douglas Talbot), Benno Hoffmann (Cliff Fletcher), Anna Smolik (Clare Seldon), Christian Wolff (Andy Wilson) u.a. Erstsendung: 22. Januar 1965. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Die Schlüssel (Teil 3)
Andy Wilson händigt Eric Martin einen weiteren Schlüssel aus, mit dem er ein Schließfach im Hafen erneuern soll. In dem Fach findet Eric einen Koffer mit einer halben Million deutscher Mark. Nun ist klar: Das Verbrechen, in das Philip und Andy verwickelt waren, war ein gigantischer Bankraub in Hamburg, bei dem 20 Millionen Mark verschwanden. Hinter dem Geld sind offenbar auch Lancelot Harris und Cliff Fletcher her. Die Gier bringt sie gegeneinander auf – und auch der unsichtbare Hintermann treibt ein gefährliches Spiel. Er ermordet die abtrünnige Komplizin Clare Seldon und versucht, seine Spuren mit einem geschickten Täuschungsmanöver zu verwischen. Doch Eric Martin ist ihm auf den Fersen ...


Der saubere Aufbau früherer Durbridge-Krimis sowie der recht hochwertige Einstieg in Teil 1 der „Schlüssel“ ließen für das Straßenfeger-Event im Januar 1965 ein starkes Finale erwarten. Dieses blieb jedoch aus, wofür sich vier Gründe identifizieren lassen. Erstens bewegte sich Durbridge mit der vor Teil 3 nie auch nur angedeuteten Geschichte um einen Bankraub von seiner eigentlichen Stärke – ausgefuchsten Spionagefällen – zu weit weg. Hätte man den schnöden Mammon als Grund für die Vorgänge in „Die Schlüssel“ überzeugender präsentieren wollen, wäre es zumindest nötig gewesen, den Bankraub und sein Nachspiel auch tatsächlich (zumindest in Form von Rückblenden) zu zeigen. Zweitens verärgern Logikfehler und fehlende Erläuterungen den aufmerksamen Zuschauer. Obwohl Durbridge nie für von Anfang bis Ende glaubwürdige Verbrechen stand, machen sich die Schwächen in der Konstruktion des Plots von „Die Schlüssel“ besonders deutlich bemerkbar. Das Verhalten einiger Figuren ist ihren schlussendlich postulierten Zielen entgegengesetzt und dient zuvor eher dazu, die doch etwas länglichen 234 Minuten möglichst verblüffend zu füllen.

Drittens wird sich von Episode zu Episode immer mehr auf die schwächeren Figuren des Mehrteilers konzentriert. Die schnelle Ermordung von Thomas Quayle und das weitgehende Verschwinden von Vanessa Curtis und Dr. Linderhof nach dem ersten Teil hinterlassen eine große Lücke, die die von Krüger, Hoffmann und Wolff gespielten Figuren nicht füllen können. Der Part von Anna Smolik hätte Abhilfe schaffen können, wurde jedoch nicht ausgekostet, und auch der Mörder bleibt eine eher blasse Randfigur ohne die schillernde Persönlichkeit, die Durbridge seinen Gaunerkollegen in anderen Krimis angedeihen ließ. Nicht einmal eines jener geheimnisvollen Pseudonyme verpasste er ihm hier. Schließlich ging viertens Paul May parallel zu diesem Abbau bei den Protagonisten auch inszenatorisch die Luft aus. Teil 3 wird nie wirklich spannend, was u.a. daran liegt, dass die Ablenkung von der Person des Mörders sofort zu durchschauen ist und sich damit umso belastender auf ihn auswirkt. Action- und Verhaftungsszenen gestalten sich ausnehmend unspektakulär und die Besetzung des Privatermittlers mit dem schlagkräftigen Leipnitz erscheint insofern unnötig, als man ihn in Watte packte und zu keinem Zeitpunkt wirklich in Gefahr geraten ließ.

So sorgte die Erneuerung bei der WDR-Hausmarke Durbridge kurioserweise nicht für eine Verbesserung des bisherigen Rezepts, sondern im Gegenteil für einen vergleichsweise schwachen, langwierigen und unlogischen Einstand in die „neue Ära“ der Dreiteiler. Zu allem Überfluss münden „Die Schlüssel“ in eine kitschige Schlussszene, die nicht zum sachlich-saloppen Ermittlerduo Leipnitz / Scheerbarth passt. Ein Trostpflaster bietet die Musik von Peter Thomas, die aus mancher Szene noch jene Intensität herauskitzelt, welche Paul Mays zunehmend schläfrige Spielleitung vermissen lässt.

Stark angefangen, stark nachgelassen: Sechs Mehrteiler brauchte es, um die erste ernstliche Enttäuschung serviert zu bekommen. Was als verblüffendes Rätsel beginnt, wächst sich bald zu einem Kabinett der Unwahrscheinlichkeiten aus, bei dem man sich am Ende fragt, ob diese für ein so prosaisches Verbrechen wirklich nötig gewesen wären. Die Besetzung dürfte gemeinsam mit der des „Halstuchs“ und des „Messers“ die prominenteste bzw. kinolastigste sein, muss sich aber stellenweise an flachen Figuren die Zähne ausbeißen. 3 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.965

11.02.2018 17:53
#28 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Ich laste, wie oben und sicher schon mehrfach erwähnt, die "Entschleunigung" in der Spannung eindeutig dem Regisseur an, der als einziger aller Durbridge-Regisseure auch noch eine im Abspann erwähnte Drehbuchbearbeitung vornahm (wenn auch bei Vergleich mit dem Original relativ geringfügig). Wenn man schon Hand anlegen durfte (wogegen sich Durbridge sträubte), dann hätte man einige Fehler ausmerzen können. Das geschah nicht.
Im Übrigen: wer sich die letzten beiden Teile des BBC-Mehrteilers anschaut und die dt. Version sieht, erkennt, welche Regiefehlbesetzung Paul May war. Der Mord an Mrs. Seldon spielt im Original nachts, in einem dunklen Park und reizt alle Mittel aus, die ein Regisseur (hier der langjährige Durbridge-Vertraute Alan Bromley) bei so einer Szene ausreizen kann. Hätte beispielsweise bereits Rolf von Sydow den Stoff gedreht, hätten wir viel mehr Tempo und Spannung gehabt ...
Der schwarze Peter darf jedoch nicht ausschließlich May zugeschoben werden. In der Tat sehe ich es auch so, dass einige Figuren den Rätselfaktor erhöht hatten, wären sie nicht so früh aus der Handlung ausgeschieden, insbesondere Dr. Linderhof (*). Ja, der große Unbekannte fehlt auch, richtig @Gubanov! Und daher ist es meines Erachtens letztlich völlig unermesslich, wer der Haupttäter ist, da jeder der Beteiligten gewissermaßen mehr oder weniger gleich viel Dreck am Stecken hat. Um es mit einer zeitgemäßen Kritik zu sagen: "Bei so vielen Verbrechern ist letztlich egal, wer wen umgebracht hat".

(*) Hierzu fällt mir noch eine nette Anekdote ein: im vorigen Sommer habe ich Durbridges Sohn erneut getroffen und wir plauderten so dahin, er erwähnte, dass er nach Bayern fahren würde, um sich Schloss Linderhof anzusehen. Ich sagte: "Aber das ist der Name einer Figur aus "Die Schlüssel"!" - Durbridge jr. fragte mich, wann das geschrieben worden sei und ich sagte 1962. Darauf erzählte er mir, dass er mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder im Sommer 1962 Schloss Linderhof zuletzt besichtigt hatte ... es war also kein Zufall, der nicht Deutsch sprechende Durbridge sr. hat den Namen genommen, weil er gerade zur Zeit des Abfassen des Drehbuchs dort war und er ihm lautlich gefiel ...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

11.02.2018 20:34
#29 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #28
(*) Hierzu fällt mir noch eine nette Anekdote ein: im vorigen Sommer habe ich Durbridges Sohn erneut getroffen und wir plauderten so dahin, er erwähnte, dass er nach Bayern fahren würde, um sich Schloss Linderhof anzusehen. Ich sagte: "Aber das ist der Name einer Figur aus "Die Schlüssel"!" - Durbridge jr. fragte mich, wann das geschrieben worden sei und ich sagte 1962. Darauf erzählte er mir, dass er mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder im Sommer 1962 Schloss Linderhof zuletzt besichtigt hatte ... es war also kein Zufall, der nicht Deutsch sprechende Durbridge sr. hat den Namen genommen, weil er gerade zur Zeit des Abfassen des Drehbuchs dort war und er ihm lautlich gefiel ...

Solche Fundstücke sind Gold wert, gerade wenn sie auch noch durch Zufall aufgedeckt werden. Ich hätte mir vor allem Dr. Linderhof als Tatverdächtigen oder sogar Täter sehr gut vorstellen können. Helmut Peine ist eine Wucht und spielt richtig schön mysteriös.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.561

18.02.2018 14:24
#30 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Die Schlüssel (6) Zitat · antworten



Nachbetrachtungen zu "Die Schlüssel"

* Darsteller: HARALD LEIPNITZ gibt dem Fotografen Eric Martin zwar kein ausgesprochen seriöses, doch ein bodenständiges Gesicht. Die Extravaganzen seiner Klientel, die vorwiegend aus der Modebranche stammt, nimmt er mit Gleichmut und einer gesunden Distanz hin. Das Verhältnis zu seinem Bruder Phil, den PETER THOM mit aufgeregtem und aufgesetzten Habitus spielt, ist durch die Tatsache, dass sich die beiden selten sehen und in verschiedenen Welten verkehren von freundschaftlich-großzügiger Natur. Der Mord im "Royal Falcon Hotel" stellt eine neue Herausforderung dar und gibt dem Schauspieler Gelegenheit, aus seinem Studio rauszukommen und zu agieren. Tatkraft und gebotenes Misstrauen stehen ihm gut zu Gesicht, da er im Gegensatz zum vornehmen ALBERT LIEVEN kein "Schreibtischtäter" ist. Der hanseatisch-britische Schauspieler erhält hier einmal mehr Gelegenheit, präzise Gedankengänge zu verfolgen und Ordnung in den komplizierten Fall zu bringen, der zu großen Teilen dilettantische Züge aufweist. Seine Schwester im Geiste ist dabei RUTH SCHEERBARTH, die der Sekretärin Ruth Sanders pragmatische Züge verleiht und in Auftreten, Gestik und Mimik verrät, dass sie die richtige Person für Organisation und Kontrolle ist, sich dabei jedoch ein freundlich-heiteres Gemüt bewahrt hat. Nachsicht und Weitsicht gehen hier eine ideale Kombination ein. Auf Seiten der Bösewichter wartet eine Riege völlig unterschiedlicher und deshalb wohl uneiniger Eigenbrötler. FRIEDRICH JOLOFF lässt wie immer sein Gesicht für sich sprechen und beschränkt sich auf einen missbilligenden, überlegenen Ausdruck, der seine Umgebung mit Verachtung und Belehrung straft. HANS QUEST gibt den Bonvivant, der dem Dandytum eines Oscar Wilde näher steht als dem kühlen Rechner Douglas Talbot - immerhin sein wichtigster Geschäftspartner. DAGMAR ALTRICHTER bemüht sich permanent um Selbstbeherrschung und erinnert an Margot Troogers Performance der Marian Hastings in "Das Halstuch". Ihre Eleganz und Souveränität bilden ein immer schwächer werdendes Schutzschild gegen die Ereignisse in ihrem Umfeld. BENNO HOFFMANN benötigt keine großen Gesten, um Wirkung zu erzielen, dennoch stattet er seinen Cliff Fletcher mit einem auffälligen Lackmantel aus und wirkt in einzelnen Szenen wie eine Karikatur aus einem Nick-Knatterton-Comic. BUM KRÜGER ist ein weiterer Schwachpunkt in dieser Runde und als Freund der beiden jungen Soldaten, sowie als verlässlicher Partner bei einem Millionenbankraub absolut fehlbesetzt. Ein Mann wie Talbot sollte wissen, dass der untersetzte Musikalienhändler in Ausnahmesituationen stets mit zittriger Hand und flatternden Nerven aufwartet. HELMUT PEINE funktioniert immer dann am besten, wenn er dosiert eingesetzt wird und so hätte manche Szene mit dem ruhigen Beobachter im Hotel später in einer spannenden Rückblende durchaus für weiteren Suspense gesorgt. ANNA SMOLIK sollte Frau Duhm den lächerlichen Hut um die Ohren schlagen, den ihr diese für den Auftritt als Antiquitätenkundin verpasste. Ihre geheimnisvolle Aura hätte eine weiteren Solo-Gang vertragen, an der Seite von Komplize und Ehepartner Hoffmann verkommt sie zur Statistin. CHRISTIAN WOLFF wird leider dazu verdonnert, die meiste Zeit leidend im Krankenbett zu liegen und eine gekränkte Miene aufzusetzen. Ich hätte ihm ebenfalls eine aktive Rückblickszene gewünscht. REINHARD GLEMNITZ und MAGDA HENNINGS zeigen mit ihrem natürlichen Spiel, wie sympathisch und überzeugend selbst Märchenfiguren aus Durbridges Welt sein können, wenn sie das Unglaubliche glaubhaft vermitteln.

* Drehbuch: Das Konstrukt krankt an einigen entscheidenden Punkten: ein Bankraub in Hamburg, bei dem 20 Millionen DM erbeutet werden, wird seiner Wirkung beraubt, indem er viel zu spät und dann auch nur mündlich abgehandelt wird. Eine Tageszeitung, die z.B. im Hotel gelesen wird und mit fetten Schlagzeilen darüber berichtet oder ein Gespräch zwischen den Soldaten, die gerade aus Hamburg zurückkehren, hätte bedeutsame Schatten vorausgeworfen. Wie gelingt es zwei jungen Burschen aus der Armee, sich mit einem Bankdirektor, der vermutlich kein Jungspund mehr ist, zu befreunden? Welche wichtigen Informationen konnten sie ihrem Erpresser Fletcher wohl liefern? Wie glaubwürdig ist die Tatsache, dass Talbot zwar eine beträchtliche Anzahl Helfer und somit Mitwisser in den Plan hineinzieht, das Geld dann jedoch für sich behalten will?

* Musik: Peter Thomas verwendet die erfolgreiche und schmissige Musik zwei Jahre später in "Melissa" wieder. Das Stück untermalt auf temperamentvolle Weise Vorgänge, die nicht immer von ebensolchen Personen ausgeführt werden und verleiht der Handlung den nötigen Schuss Ironie. Ganz großer Sechziger-Jahre-Groove!

* Ton: Spannungsfördernd wird der Ton im Prinzip viel zu selten eingesetzt. Wie es anders geht, zeigen einzelne Szenen wie z.B. jene, in der Thomas Quayle im Untergeschoss seines Ladens bedroht wird und Eric Martin seine Stimme wie ein Echo aus der Ferne hört, was Unheil und Bedrohung andeutet. Telefonate können ebenfalls vom kreativen Einsatz des Tons profitieren, man denke an die Verbindung, die Fletcher vor Martins Haus abhört.

* Kamera: Die Bewegungen der Kamera in Momenten besonderer Wachsamkeit bzw. Erwartung nahenden Schreckens ähneln sich in den Mehrteilern, sodass das Publikum immer weiß, wenn das Auffinden einer Leiche bzw. eines wichtigen Indizes bevorsteht. Lange Kamerafahrten, um dem Zuschauer einen Überblick zu gewähren, wechseln sich dann unvermittelt mit dem Heranzoomen an schockierende Details ab. Die Kamera agiert als Begleiter der handelnden Personen, kommentiert Szenen jedoch auch oft, hier z.B. als Vanessa Curtis von Inspektor Hyde ins Verhör genommen wird und ihr Kopf dabei optisch unter seinem Arm eingeklemmt wird.

* Kostüme: Dela Duhm ist für die Francis-Durbridge-Mehrteiler das, was Edith Head für Alfred Hitchcocks Filme war: Verlässliche Ausstatterin aller Mitwirkenden mit dezenter oder auffallender Garderobe. Gerne bedient sie Klischeevorstellungen, um Figuren bereits anhand ihrer Optik zu charakterisieren. In "Die Schlüssel" greift sie tief in die Stereotypen-Kiste und stattet mehrere Figuren mit "lauten" Kostümen aus, die sie von den "normalen" Personen unterscheiden. So findet man Altbackenes (Freda Stansdale) ebenso wie Sportliches (Eric Martin) oder Konservatives (Ruth Sanders).

* Szenenbild: Zum Gelingen der Fernsehspiele ist ein gutes Szenenbild essentiell. Weitläufige Wohnungen, geschmackvoll eingerichtet, tragen sehr zum Wohlfühlfaktor bei. Der häufige Wechsel der Schauplätze tut dem Dreiteiler gut, er benötigt ihn sogar dringend, weil es vor allem im Mittelteil zu Längen kommt. Obwohl es Tages- und Nachtszenen gibt, hätte der Einsatz von dramaturgisch effektvollem Regen bzw. Gewitter so manche Szene (z.B. Lancelot Harris' Suche nach dem Geld in Quayles Laden oder der erste Abend im Aufenthaltsraum des Hotels) authentischer gemacht. Gerade bei mehrmaliger Sichtung dankt das Auge für ausgefeilte Details in der Einrichtung.

* Regie: Paul May bemüht sich, neuen Schwung in die Serie zu bringen und entlockt seinen Darstellern feine Nuancen, betont aber auch die jeweiligen Stärken der Schauspieler, indem er sie nicht verbiegt oder sie entgegen ihres Images inszeniert.

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