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Dieses Thema hat 48 Antworten
und wurde 3.905 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Georg Offline




Beiträge: 2.918

14.01.2018 13:54
#46 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Soweit ich Durbridges Arbeitsweise kenne, entstanden seinen Geschichten auf Basis langen Überlegens und Planens, wobei er sich - wenn überhaupt - eher an literarischen Vorbildern orientierte. Das gilt insbesondere für seine ganz frühe Schaffensperiode, die ganz klar von Edgar Wallace beeinflusst ist.
Ausgangspunkte für seine Geschichten waren meist ganz einfache Situationen und Erlebnisse aus dem Alltag, die außer für ihn nichts Ungewöhnliches darstellten, dann aber Grundstein eines Krimis wurden.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.392

14.01.2018 20:10
#47 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Bei der zweiten Sichtung war ich nicht mehr gar so enttäuscht von der Auflösung, aber eine wirklich sorgfältige Aufklärung geht doch irgendwie anders:



Francis Durbridge: Es ist soweit (Teile 5 und 6)

Teile 5 und 6 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1960. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Jürgen Goslar (Clive Freeman), Eva-Ingeborg Scholz (Lucy Freeman), Peter Pasetti (Laurence Hudson), Siegfried Lowitz (Inspector Kenton), Karl Lieffen (Pelford), Hanns-Ernst Jäger (Dr. Robert Stevens), Benno Sterzenbach (Lomax), Kurt Waitzmann (Inspector Wilde), Fita Benkhoff (Barbara Barstow) u.a. Erstsendungen: 4. und 7. November 1960. Eine Produktion des Nord- und Westdeutschen Rundfunkverbands.

Zitat von Es ist soweit (Teile 5 und 6)
Ein Brief, der Clive aufs Schwerste belastet, wird in der Handtasche der toten Lehrerin gefunden. Dies fällt mit seiner Entscheidung zusammen, auf die Bedingungen der Entführer einzugehen und das Land zu verlassen. Dieser Schritt, über den er nicht einmal Lucy ins Bild setzt, wird jedoch von der Polizei vereitelt, die Pelford am Flughafen verhaftet. In einem finalen Kampf kann nun auch der Rest der Bande zerschlagen werden – nur der Kopf hinter dem perfiden Plan entkommt und versucht ein weiteres Mal, aus Clives wissenschaftlichem Fachwissen Profit zu schlagen. Wer ist der große Unbekannte?


Lag der Fokus in den bisherigen Teilen eher auf dem kühl-rational agierenden Vater Clive Freeman, so verschwenken die Teile 5 und 6 die Aufmerksamkeit stärker auf die Mutter, was Eva-Ingeborg Scholz noch einmal in schmeichelhaftes Rampenlicht treten und mit zermürbenden Zweifeln über eine eventuelle Mitschuld ihres Filmehemanns überzeugen lässt. Auch die außerfamiliären Figuren, die am Entführungsplot beteiligt sind, erfahren noch einmal eine abschließende Aufwertung; mit Benno Sterzenbach, Hanns-Ernst Jäger und Ingeborg Christiansen kommen bisherige Nebendarsteller im Finale besser zur Geltung; auch Kurt Waitzmann und Siegfried Lowitz, die sich als ein mit Manfred Inger und Wolf Frees vergleichbares Duo erweisen, haben noch einmal etwas dankbarere Auftritte.

Vor allem aber verschiebt sich der Fokus hin von einer verzögernden Schilderung des Wartens und Bangens zu einem abenteuerreichen Außendreh-Spektakel, das moderner und professioneller als in „Der Andere“ kaum wirken könnte. Es ist absolut beeindruckend, welche eleganten und umfassenden London-Aufnahmen mit vielen der Beteiligten im fünften und sechsten Teil für Anspannung sorgen – gerade vor dem Hintergrund, dass es sich bei „Es ist soweit“ anno 1960 um die erste deutsche Fernsehproduktion mit einer solchen Einbindung von Originalschauplätzen handelte.

Leider wirken durch das große Handlungsvolumen der letzten zwei Teile einige der Plottwists übertrieben hektisch, sodass man sich einen besseren Ausgleich zwischen dem doch recht geruhsamen Einstieg und dem fulminanten Abschluss gewünscht hätte. Insbesondere bleibt der im Nachhinein völlig überflüssige Auftritt der Schwiegermutter in Teil 1 als eher verwirrendes und behinderndes Element in Erinnerung. Was man dort an Zeit verschenkte, fehlt hier am Ende nun bei der etwas oberflächlichen Auflösung, die in Ermangelung zahlreicher anderer aussichtsreicher Verdächtiger weder besonders überraschend ist noch wirklich sorgsam erklärt wird. Viele Fragen muss sich der Zuschauer aus dem Kontext beantworten, erhält aber nie eine gesicherte Erläuterung. Auch das mit Spannung erwartete politische Element bleibt ausgesprochen vage und es stellt sich heraus, dass Durbridge nie die Absicht hatte, mehr über Clives Erpressbarkeit zu verraten, als der Zuschauer seit spätestens dem dritten Teil sowieso schon weiß. Was es mit der vielsagenden Riverdale Press auf sich hat ... wer weiß? All das hinterlässt einen etwas beliebigen Eindruck, auch wenn die Überführungssequenz als solche durchaus zu überzeugen versteht (mehrfaches Andeuten einer anderen Lösung, bevor der wahre Schuldige auftritt). Immerhin ist es sehr befriedigend, die auseinandergerissene Familie am Ende wieder vereint und den skrupellosen Täter einer Bestrafung zugeführt zu sehen ... auch wenn es diesmal doch recht offensichtlich war, wer als großer Hintermann überhaupt in Frage kommen würde.

Im Vergleich zu „Der Andere“ stellt „Es ist soweit“ paradoxerweise sowohl einen krassen Fort- als auch einen bedauernswerten Rückschritt dar. Einerseits ungleich professioneller umgesetzt und damit mit einem wertigen Alleinstellungsmerkmal unter den frühen Durbridges ausgestattet, lässt der Plot diesmal doch in puncto Glaubwürdigkeit, Nachvollziehbarkeit und Überraschungsfaktor etwas zu wünschen übrig. Dies wird von sehr ansprechenden Darstellerleistungen sowie tollen England-Aufnahmen ausgeglichen, die weit über Serienniveau liegen. Gute 3,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.003

19.03.2018 17:15
#48 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Es ist soweit (BRD 1960)

Regie: Hans Quest

Darsteller: Jürgen Goslar, Eva Ingeborg-Scholz, Peter Pasetti, Siegfried Lowitz, Karl Lieffen, Hanns Ernst Jäger, Benno Sterzenbach, Fita Benkhoff, Inge Egger, Kurt Waitzmann


Der Bericht enthält Spoiler.


Im direkten Vergleich zum Erstling „Der Andere“ fällt vor allem der technische Fortschritt auf, der sich nicht nur an den respektablen Außendrehs u.a. in London zeigt, sondern auch an den dynamischeren Innensequenzen. Die Unterteilung in sechs Folgen wurde zwar beibehalten, an Lauflänge aber mehr als eine halbe Stunde draufgepackt. Ein Umstand, der sich leider eher negativ auswirkt. An mehreren Stellen, etwa im zweiten Teil, zieht sich das Geschehen ein wenig hin. In Anbetracht dessen, wie lange der Zuschauer ausharren muss, um des Rätsels Lösung zu erfahren, fällt dieselbige zudem etwas dürftig aus. Und damit meine ich weniger den technischen Hintergrund, sprich die Arbeit Freemans, auf die die Gangster es abgesehen haben, sondern das Motiv des Täters. Was treibt ihn dazu, sein bürgerliches Leben für diese Erfindung bzw. den Handel damit aufs Spiel zu setzen? Ist seine im Grundsatz finanziell vielversprechende Tätigkeit nicht einträglich? Von der Figurenkonstellation liegt die Entlarvung zwar nahe, ein paar mehr Informationen über die Beweggründe zur Tat wären indes wünschenswert gewesen. Über andere Aspekte, wie jenen, dass das Tonband mit den Aufnahmen Janets so perfekt mit der am anderen Ende der Leitung sprechenden Mutter harmoniert, dass die Figur Benno Sterzenbachs das Band einfach ablaufen und nicht etwa zwischendurch mal auf Pause drücken muss oder den wenig glaubwürdigen (Mit-)Erpresser bzw. (Mit-)Geiselnehmer mit Gehstock, kann man mit Wohlwollen hinwegsehen.

Was den Cast angeht, so fällt dieser von den Namen her schon deutlich prominenter aus als bei „Der Andere“. Aus diesem stechen vor allem Peter Pasetti und Karl Lieffen heraus. Pasetti agiert wie immer höchst souverän und wertet jede Szene durch seine Präsenz auf. Lieffen spielt den Fotografen Pelford herrlich bösartig. Benno Sterzenbach und Hanns Ernst Jäger ergänzen die Schar an Ganoven, wobei man Jäger den ihm zugedachten Womanizer natürlich zu keiner Sekunde abnimmt. Davon abgesehen steht er aber Lieffen in Sachen herrlich-bösartigem Auftreten in nichts nach. Für wunderbar-penetrante Momente sorgt überdies Fita Benkhoff als nervende Nachbarin Lady Barstow, die sich mal einen Teewagen, mal dazugehörige Stühle oder im Finale einen Sherry borgt und bei der man nie weiß, ob sie schlicht so verschroben ist wie sie sich gibt oder ob sie nicht doch etwas mit der Sache zu tun hat. Von solchen Figuren und Momenten leben die Durbridge-Filme, da so das Interesse über mehrere Folgen hochgehalten wird. Siegfried Lowitz spielt den Ermittler mit der Routine seines Wallace-Einsatzes in „Der Frosch mit der Maske“ und des Auftritts als Inspektor in der deutschen TV-Version von „Bei Anruf Mord“, das Hauptdarsteller-Ehepaar um Jürgen Goslar und Eva Ingeborg-Scholz liefert schauspielerisch solide Kost ab. Die Musik von Peter Thomas gehört zu seinen weniger einprägsameren Werken.


Zwar bleibt „Es ist soweit“ wegen vorhandener Längen, der inhaltlich wenig überzeugenden Auflösung und des Umstandes, dass unter den Hauptdarstellern ein Trumpf, wie es im Vorgänger Albert Lieven war, fehlt, qualitativ hinter „Der Andere“ zurück. Trotzdem bietet der Mehrteiler für an derlei Produktionen Interessierte auch fast sechzig Jahre nach der Erstausstrahlung noch vier Stunden gute Unterhaltung. 3,5 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.918

20.03.2018 19:43
#49 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #48
[...] des Umstandes, dass unter den Hauptdarstellern ein Trumpf, wie es im Vorgänger Albert Lieven war, fehlt, [...]
Ich gebe Dir zwar recht, dass Lieven zweifellos einer der großartigsten Durbridge-Darsteller (und überhaupt einer der großartigsten Schauspieler) war, aber man kann bei Es ist soweit es ja auch so sehen, dass viele Rollen sehr gut besetzt waren. Dies ist ja auch ein Trumpf des Mehrteilers. Du nennst ja selbst Jäger, Lieffen, Lowitz - ja, und auch Goslar/ Scholz machen ihre Sache gut!

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