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Dieses Thema hat 48 Antworten
und wurde 3.844 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

08.01.2013 20:41
#31 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

"Es ist soweit" gehört auch zu meinen Lieblingen. Das liegt zunächst an der Besetzung. Jürgen Goslar und Eva-Ingeborg Scholz als zerrüttetes Ehepaar sind sehr gut, Goslar spielt einen recht mutigen Mann, der im Laufe des Films dank Meister Durbridge sogar selbst in Verdacht gerät (genial diese Szene mit dem Landhaus, wo er die Lehrerin findet), Scholz ist ideal als Mutter. Pasetti und Lowitz sind - ohne jeden weiteren Kommentar - spitze! Zwei kleinere Rollen sind dann noch außergewöhnlich geglückt besetzt: Karl Lieffen (geniale Stimme, genial penetrant mit seinem Grinser) und Hanns-Ernst Jäger als böser Zahnarzt. Weiteres Plus: der Film wurde auf Zelluloid gebannt und die Außenaufnahmen in England (wohl das erste Mal in der deutschen Fernsehgeschichte) tragen dazu bei, dass ein wunderbares britisches Ambiente erzeugt wird. Herrlicher Pluspunkt: der imposante Peter-Thomas-Soundtrack und natürlich die recht flotte Art, Regie zu führen. Hans Quest hätte das auch ähnlich beim Halstuch machen sollen, wo er an manchen Stellen ruhig etwas mehr auf die Tube drücken hätte können.
Durbridge soll ja zu dem Fall von einer echten Kindesentführung beeinflusst worden sein, da ging´s wohl weniger um Spionage, oder? Weiß dazu jemand mehr?

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

09.01.2013 20:15
#32 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

@ Peter Ross: Mich würde dein Fazit nach der Sichtung aller sechs Teile nochmal interessieren. Bei mir war es so, dass ich von "Es ist soweit" bis zum 4. oder 5. Teil auch wirklich begeistert war, aber der letzte Teil ziemlich abfiel bzw. einen enttäuschenden Eindruck machte. Sowas kenne ich sonst eigentlich nur von den Reinecker-Dreiteilern, aber da bin ich bei dir wohl an der falschen Stelle.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.350

09.01.2013 22:23
#33 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

SPOILER

Teil 5 und 6 können leider auch aus meiner Sicht mit den vorherigen Teilen nicht ganz mithalten. Zustimmen möchte ich dir darin, dass die Außenaufnahmen und das bei brillianter Bildqualität natürlich den 6-Teiler sehr schön aufwerten. Dafür bleibt aber die Spannung zum Ende eher hängen. Ich fand die Auflösung -Peter Pasetti als Täter- von fast Beginn an logisch. Das Finale im Haus bietet zwar mit dem Ablenkungsverdacht auf die Bekannte Höhepunkte, hätte aber in der Dramaturgie noch viel mehr auf die Spitze getrieben werden können.

Einige Tage liegt die Sichtung nun zurück und die hervorragenden Eindrücke "verblassen in meinem Kopf" leicht. Erinnern werde ich mich in einigen Jahren sicher noch grundsätzlich an die Handlung und die hervorragenden Leistungen von Karl Lieffen, vielleicht auch an Goslar und Pasetti.

Zitat
(Abfallendes Ende) Sowas kenne ich sonst eigentlich nur von den Reinecker-Dreiteilern, aber da bin ich bei dir wohl an der falschen Stelle.


Aus meiner Sicht fallen die Reinecker-Dreiteiler am Ende weniger ab. Was mir persönlich bei Reinecker besser gefällt, ist die auch von mir bei wikipedia geschriebene Gemeinsamkeit der Reinecker-Dreiteiler: "So führen diese den jeweiligen Ermittler (Fuchsberger bzw. Lohner) über eine Reihe verketteter Handlungsstränge in ein überraschendes, aber auch für den Ermittler nachdenkliches oder gar sinnloses Ende." Das trifft es vielleicht ganz gut und macht das Ende einfach interessanter.

Zu Es ist soweit: Insgesamt: 3,5 / 5 Punkte

brutus Offline




Beiträge: 12.893

09.01.2013 23:34
#34 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Ich finde auch gar nicht, das die Spannung abfällt, zumindest bis zur Befreiung Lucys und Verhaftung von Stevens und Lomax bleibt sie hoch. Danach sind natürlich eine Menge Figuren aus dem Spiel genommen und das Fita Benkhoff die große Drahtziehrin sein soll, glaubt man nicht wirklich, so daß es letztendlich auf Pasetti hinausläuft. Nur sind wir da schon in den letzten 10 Minuten angekommen und irgendwann muss die Katze ja auch mal aus dem Sack.

Viele Grüße
Brutus

Matze K. Offline



Beiträge: 1.040

10.01.2013 16:06
#35 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Wir haben uns "Es ist soweit" Sylvester angeschaut (genau bis 23:50 *gg*). Klar Melissa ist besser - hat ja auch den Grand Prix verdient gewonnen. Aber zerreißen würde ich ihn nicht.

Normalerweise ist der Zuschauer ja im Blick des Betroffenen. in "Es ist soweit" gab es Scenen, wie die zwischen dem Arzt und der Lehrerin, die dem Zuschauer die Zusammenhänge verraten haben und man dann nur noch geschaut hat, wie es die beiden Eltern rauskriegen. Das hätte man spannender aufbauen können. Aber er ist in jedem Fall sehr unterhaltsam.

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)

Georg Offline




Beiträge: 2.893

30.01.2013 19:38
#36 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Wieder mal gesehen und total begeistert. "Es ist soweit" ist der EINZIGE Durbridge-Film bis 1971, der wirklich Kinoformat besitzt: eine vorzügliche Bild- und Lichtgestaltung, dazu durchgehende passende Musik, die die Szenen untermalen. Die Außenaufnahmen geben dem Ganzen zusätzlich ein sehr filmisches Gehabe. Der Film hat eine Optik, die ich bei vielen Leinwandproduktionen der 60er stark vermisse. Dass Hans Quest, fernsehmäßig unerfahren, hier auch so gearbeitet hat, als drehe er für die Leinwand kommt letztlich auch dem grandiosen Spannungsbogen zu Gute.
Leider hatte man damals beschlossen, dass die berühmte Spannung auch dann aufkommt, wenn England & Filmmaterial fehlen und man verließ sich bei Halstuch & Co. auf die kostengünstigere "Video"methode, Aufnahmen im Inland und natürlich weiterhin auf vorzügliche Darsteller.
Nach jetziger Betrachtung haltet die Produktion auch im 6. Teil dank der starken Musik von Peter Thomas und den etwas ungeographisch aneinander gereihten Londonszenen die Spannung. LEICHTE SPOILER Die Schlusssequenz, in der gleich zweimal hintereinander der Zuschauer an der Nase herum geführt wird und immer meint "Aha, das ist jetzt der Haupttäter!" belehrt einen eines Besseren und bringt erst beim 3. Mal die Lösung. Grandios!

Die Besetzung mit Jürgen Goslar & Eva Ingeborg Scholz in den Hauptrollen ist vorzüglich und macht jedes Mal erneut Spaß, über die großartige Leistung von Lowitz und Pasetti brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Gäbe es einen Oscar für die beste Nebenrolle, so vergäbe ich ihn an Karl Lieffen: unglaublich, wie schmierig penetrant er den doch recht eiskalten Pelford mit einem Grinsen im Gesicht spielt.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.350

31.01.2013 22:02
#37 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #36
Die Besetzung mit Jürgen Goslar & Eva Ingeborg Scholz in den Hauptrollen ist vorzüglich und macht jedes Mal erneut Spaß, über die großartige Leistung von Lowitz und Pasetti brauchen wir uns nicht zu unterhalten....

Ich finde daher auch gerade bei Lowitz nicht, dass er positiver als die anderen Darsteller aus dem Fernsehspiel hervor sticht. Für mich verkörpert er hier nur die Nebenrolle, die er natürlich nicht schlecht, sondern einfach routiniert darstellt.
Lowitz zeigt sein schauspielerisches Können meiner Meinung nach in ganz anderen Rollen viel besser. Zu erwähnen sei hier "Der unheimliche Mönch", aber vor allem Siegfried Lowitz in "Babeck" als verbrecherisches "Weichei". Die Szene in der Tiefgarage, wo er sich mit Pistole zum Rücksitz umdreht... herrlich!!!

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

04.02.2013 18:29
#38 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Ich finde, dass man auch einen Inspektor "falsch" spielen kann. Lowitz war die ideale und nach seinem Wallace-Auftritt wohl logische Wahl für den Inspektor. Aber ich weiss natürlich, was Du meinst. Als verzweifelter Herr Weingarten ist er toll, auch in der TV-Geschichte "Herr Soldan hat keine Vergangenheit" hat er mir als Mann mit verbrecherischer Vorgeschichte gut gefallen.

Clifton Morris Offline



Beiträge: 111

04.05.2013 01:23
#39 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Als ich "Es ist soweit" in den 80igern erstmals sah, hatte der WDR eine gute Idee. Damals gab es noch Ansagerinnen und zur ersten Folge erzählte die Darstellerin der Janet Freeman Erinnerungen an die Dreharbeiten. Peter Pasetti spielt einmal mehr eindrucksvoll. Sehr schade, dass er nicht z.B. auch bei den Edgar Wallace-Kinofilmen besetzt wurde. Immerhin spielte er im TV-"Hexer" mit.

Baal1985 Offline



Beiträge: 30

20.05.2013 16:17
#40 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. "Es ist soweit" ist ein Mehrteiler, mit einer packenden Story und wirklich gut teilweise sehr überraschenden Wendungen. Vor allem die letzten Szenen laden wirklich zum Mitfiebern ein. Beim Ende hätte ich mir etwas genauere Aufklärungsarbeit gewünscht, aber ansonsten gibt es für mich nichts auszusetzen.

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

28.10.2013 19:38
#41 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Die englische Version ist vor Kurzem als Hörbuch erschienen:
http://www.amazon.co.uk/Time-Day-Audiogo...ancis+durbridge

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

12.01.2018 18:30
#42 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Und weiter geht es mit der Durbridge-Sause:



Francis Durbridge: Es ist soweit (Teile 1 und 2)

Teile 1 und 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1960. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Jürgen Goslar (Clive Freeman), Eva-Ingeborg Scholz (Lucy Freeman), Peter Pasetti (Laurence Hudson), Siegfried Lowitz (Inspector Kenton), Karl Lieffen (Pelford), Fita Benkhoff (Barbara Barstow), Annemarie Holtz (Mrs. Denby), Inge Egger (Ruth Calthorpe), Gaby Jaeger (Janet Freeman) u.a. Erstsendungen: 21. und 24. Oktober 1960. Eine Produktion des Nord- und Westdeutschen Rundfunkverbands.

Zitat von Es ist soweit (Teile 1 und 2)
Gerade noch schien die Scheidung ihrer Ehe das akuteste Problem für den Unternehmer Clive Freeman und seine Frau Lucy zu sein, doch dann verschwindet ihr gemeinsames Kind Janet plötzlich unter mysteriösen Umständen. Nach Tagen der Ungewissheit melden sich endlich die Entführer. Über den Betreiber eines Fotoateliers lassen sie verlautbaren, dass sie Janet in ihrer Gewalt haben und für die Herausgabe des Mädchens eine nicht materielle Gegenleistung einfordern. Für die Eltern ist es schwer, zu entscheiden, wie viele Informationen sie mit der Polizei teilen sollen. Bei einem geheimen Treffen mit einem Mittelsmann kommt es zu einem fatalen Unfall ...


Es ist eine kuriose Mischung, die dieser Mehrteiler anschlägt. Einerseits fein-gekünstelte englische Krimi-Weltflucht, andererseits ein ungewohnter Realismus, der unter anderem die Scheidungsabsichten der Eheleute oder einen Selbstmordversuch ins Spiel bringt. „Es ist soweit“ unterscheidet sich außerdem schon allein durch die Art des Verbrechens und den zugehörigen andersartigen Aufbau von seinen Mehrteiler-Kollegen, die oft mit einer anfänglichen Leiche konkreter zu Werke gehen. Das bedeutet nicht, dass der zweite Durbridge des NWRV Schwierigkeiten hätte, attraktive Rätsel zu stricken. Im Gegenteil: Erneut werden Überraschungen am laufenden Band abgeliefert – von der Entführung selbst, die man aus Perspektive der Eltern nur indirekt mitbekommt, bis hin zu Puppen, Schulheften, Tonbändern und geheimnisvollen Forderungen, die nichts mit Geld zu tun haben. Dass die Gangster, die sich des Kindes bemächtigt haben, nicht spaßen, merkt man außerdem an Karl Lieffens schmierigem Auftreten und dem bedrohlichen Benno Sterzenbach im Hintergrund – ebenso geglückte Besetzungen wie beim Rest des Ensembles.

Jürgen Goslar und Eva-Ingeborg Scholz spielen das auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickte Ehepaar glaubwürdig und liebenswert, wobei vor allem Scholz von einer ausgewogenen Mischung aus besorgter Mütterlichkeit und schnippischem Eigensinn profitiert. Als eine der wenigen Schauspielerinnen ihrer Zeit konnte man ihr 1960 auch eine Rolle mit Ecken und Kanten anvertrauen, aus der sie dann trotzdem keinen hysterischen Schattenriss, sondern eine fein schattierte Persönlichkeit formt. Goslar steht ihr als recht bodenständige Type gegenüber, die charakterlich in Anbetracht ihrer Rolle aber noch einigermaßen blass bleibt, was sicher auch an den ausnehmend starken Auftritten der männlichen Co-Stars liegt. Siegfried Lowitz wiederholt seine Inspector-Elk-Rolle aus Edgar Wallace’ „Der Frosch mit der Maske“ noch einmal ziemlich unverändert, während Peter Pasetti dem Anwalt ein undurchsichtiges und zugleich süffisantes Auftreten angedeihen lässt.

Nachdem sich Teil 1 auf einen sehr engen Personenkreis beschränkte, lernt der Zuschauer im zweiten Teil verdächtige Randfiguren kennen, die den typischen Reiz eines solchen Mehrteilers ausmachen, weil man nie sicher sein kann, ob sie ihr Gesicht nicht noch drastisch verändern. Auch die optische Gestaltung weiß zu überzeugen: Eine angenehm flexible Kameraführung (Jochen Maas), stimmige Ausleuchtung vor allem der Nachtszenen sowie authentische London-Aufnahmen verleihen dem zweiten NWRV-Durbridge einen hochwertigen Eindruck, wenngleich dieser durch das zeitbedingt kuriose Mischmasch deutscher und englischer Aufschriften an Geschäften, in Zeitungen oder Schulheften sowie die manchmal abenteuerliche Aussprache englischer Namen ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wird. Hans Quest sollte zudem aufpassen, das Tempo nicht zu vernachlässigen. Da die Geschichte hauptsächlich um einen einzigen Schauplatz und wenige Kernbeteiligte zirkelt, hätte es sich vermutlich als klüger erwiesen, die Spielzeiten der einzelnen Teile von „Der Andere“ für diese Produktion nicht um jeweils fünf bis teilweise acht Minuten auszuweiten ...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

13.01.2018 20:31
#43 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Es ist soweit (Teile 3 und 4)

Teile 3 und 4 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1960. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Jürgen Goslar (Clive Freeman), Eva-Ingeborg Scholz (Lucy Freeman), Peter Pasetti (Laurence Hudson), Siegfried Lowitz (Inspector Kenton), Karl Lieffen (Pelford), Hanns-Ernst Jäger (Dr. Robert Stevens), Inge Egger (Ruth Calthorpe), Harald Mannl (Nelson), Ursula Kopp (Hausmädchen Anna) u.a. Erstsendungen: 28. und 31. Oktober 1960. Eine Produktion des Nord- und Westdeutschen Rundfunkverbands.

Zitat von Es ist soweit (Teile 3 und 4)
Bei dem Komplizen von Pelford, der nachts mit Clive die Rückgabebedingungen für die kleine Janet besprechen sollte, handelt es sich um einen gewissen Mr. Nelson. Clive schießt ihn nieder und denkt, er hätte ihn getötet. Um das zu verheimlichen, entsorgt er gemeinsam mit seinem Anwalt Laurence Hudson die Leiche und versucht, Pelford zu kontaktieren, erreicht ihn aber nicht. Eine andere Spur führt zu einem verdächtigen Zahnarzt, der mit Janets Lehrerin befreundet ist und zu dessen Patienten Nelson gehörte. Als Clive schließlich in Nelsons Cottage die Leiche der Lehrerin findet, zieht sich die Schlinge um seinen Hals enger zu. Werden er und Lucy Janet je lebend wiedersehen?


Der einzige Krimi, den Hans Quest vor „Es ist soweit“ inszenierte, war die Detektivkomödie „Nick Knattertons Abenteuer – Der Raub der Gloria Nylon“ nach Vorlagen der Comics von Manfred Schmidt gewesen, die er im Jahr 1959 für die Deutsche Film Hansa inszeniert hatte. Aus diesem Projekt übernahm er zwar Karl Lieffen zu Durbridge; darüber hinaus konnte er aus dem Lachfilm aber kaum Expertise für das bewegende Entführungsdrama in „Es ist soweit“ beziehen, welches auf einem realen Fall basiert. Umso erfreuter kann man über das Resultat des Mehrteilers sein, der in seinem Mittelteil an Schwung aufnimmt und sich zugleich in bester Fernsehmanier auf wenige Sets und möglichst lange Szenen konzentriert. Die Qualität des abwechslungs- und wendungsreichen Drehbuchs und der Schauspielerführung werden vor diesem Hintergrund in den Folgen 3 und 4 besonders deutlich.

Zwar muss man einschränken, dass der Bogen der Glaubwürdigkeit an einigen Stellen arg überspannt wird, was vor allem die Freiheit der Freemans betrifft, sich ohne Überwachung bewegen und telefonieren zu können, obwohl sie doch im Zentrum einer sonst mit ausschweifenden Observationsmaßnahmen verbundenen Entführungsgeschichte stehen. Jedoch ist man gern bereit, diese Zweifel hintanzustellen, insbesondere wenn sich Peter Pasetti in seiner herrlich analytischen Art an der Vertuschung verschiedener Spuren beteiligt. Er und Goslar werden besonders stimmig in Szene gesetzt; vor allem am Ende von Teil 2 und Anfang von Teil 3 entwickeln sie sich zu einem richtigen Verschwörergespann – eine Konstellation, in der der etwas handzahme Goslar vom begabteren Pasetti mitgezogen wird. Auch im Folgenden ist man stets gespannt, wie die Beratungen zwischen den Vertrauten über das weitere Reagieren auf Fährten und Fallen ausgehen.

Als eine dieser Fährten tritt Hanns-Ernst Jäger im weißen Arztkittel auf, unter dem sich ein ausgesprochen dunkelgrauer Wolfspelz verbirgt. Er hat nichts mit dem von Durbridge für diesen Part angedachten Herzensbrechertyp zu tun, doch kommt er immerhin gebührend verschlagen und listig daher. Auch scheint er der einzige zu sein, der über ein Motiv verfügt, die Lehrerin zu töten, deren Ableben die wohl größte Überraschung des Mittelteils und mit einer sehr attraktiven Landpartie in ein leerstehendes abgelegenes Landhaus verbunden ist. Schließlich gestaltet sich das Treffen von Clive und Pelford im Fernfahrerlokal ausgesprochen atmosphärisch, zumal hier endlich reiner Wein eingeschenkt wird, was das erwartete Entgegenkommen für die Freilassung von Janet angeht. Man kann sich in Anbetracht der genannten Orte, die Clive aufsuchen soll, denken, dass auch dieses Mal ebenso wie in „Der Andere“ sich klammheimlich eine politische Ebene eingeschlichen hat. Gar so undurchdringlich wie im ersten Mehrteiler ist das Geheimnis also schon nicht mehr ...

Georg Offline




Beiträge: 2.893

14.01.2018 10:47
#44 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #43
darüber hinaus konnte er aus dem Lachfilm aber kaum Expertise für das bewegende Entführungsdrama in „Es ist soweit“ beziehen, welches auf einem realen Fall basiert.
Auch wenn ich das auf meiner Homepage noch nicht korrigiert habe: das war damals eine Zeitungsente, einer schrieb vom anderen ab. Der in den Medien zitierte Entführungsfall Peugeot, auf dem Es ist soweit basieren soll, passierte im April 1960:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43065540.html

Es ist soweit ist jedoch die deutsche Übersetzung des Drehbuchs A Time of Day, das Francis Durbridge bereits 1957, also drei Jahre vor dem Entführungsfall Peugeot, schrieb. Der Autor kann sich schwer an einem Fall, der erst drei Jahre später passierte, orientiert haben.

Ansonsten eine sehr schöne Analyse, Es ist soweit ist auch einer meiner Lieblings-Durbridges, v. a. auch wegen der starken Besetzung in den Nebenrollen (Lieffen als schmieriger Photograph, Jäger als Zahnarzt ...).

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

14.01.2018 11:37
#45 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Es ist soweit (2) Zitat · antworten

Mir ist auch aufgefallen, dass es zeitlich nicht zusammenpasst - deshalb habe ich den Namen Peugeot nicht genannt. Vielleicht lag ein anderer Fall zugrunde?

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