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Dieses Thema hat 35 Antworten
und wurde 3.618 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.047

07.01.2018 20:15
#31 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Der Andere (1) Zitat · antworten

Die „Tim Frazer“-Mehrteiler sind mir generell als etwas unscheinbar in Erinnerung geblieben, was sicher auch an Max Eckart lag. Ich werde diesen Eindruck in einigen Wochen überprüfen können. Doch zunächst zum Finale von „Der Andere“:



Francis Durbridge: Der Andere (Teile 5 und 6)

Teile 5 und 6 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1959. Regie: Joachim Hoene. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Albert Lieven (David Henderson), Wolf Frees (Detective Inspector Mike Ford), Heinz Klingenberg (Detective Sergeant Robert Broderick), Helmuth Rudolph (Dr. Sheldon), Ingeborg Körner (Katherine Walters), Manfred Inger (Harry Vincent), Hans Zesch-Ballot (Ralph Merson), Esther Queil (Maria Rocello), Werner Schumacher (Polizist Sanders) u.a. Erstsendungen: 14. und 16. Oktober 1959. Eine Produktion des Nord- und Westdeutschen Rundfunkverbands.

Zitat von Der Andere (Teile 5 und 6)
Maria Rocello verlässt auf Anraten David Hendersons Medlow, weil auch ihr von Seiten des Mörders Gefahr drohe. Es stellt sich heraus, dass nicht Henderson für die Verbrechen verantwortlich ist; auf einem belastenden Brief wurde seine Handschrift gefälscht. Ein ehemaliger Kollege Inspector Fords, der mittlerweile für die Abwehr arbeitet, beruft sich auf Billie Reynolds’ Tagebuch, in dem einer ihrer Verehrer stets nur mit „R“ abgekürzt wurde. „R“ ist ihr Mörder und der Spion, der Paolo Rocello auf der Spur war. Für den geheimnisvollen „R“ kommen in Medlow eine ganze Reihe Verdächtige in Frage, sodass ihm eine gewitzte Falle gestellt werden muss ...


Obwohl mit Joachim Hoene ein absoluter Frischling auf dem Regiestuhl Platz nahm, der zugegebenermaßen auch von seinem Ziehvater John Olden, welcher die Produzentenrolle einnahm, beaufsichtigt wurde, entwickelt „Der Andere“ in seinen letzten zwei Folgen eine enorme Spannung. Das Experiment, Durbridge nach Deutschland zu bringen, war mit großem Erfolg geglückt; inwiefern man sich die englische Verfilmung, die 1956 von der BBC live ausgestrahlt worden war und heute als verschollen gilt, zum Vorbild nehmen konnte, ist dabei sogar fraglich. Bevor sich Durbridge ein dauerhaftes Zuhause beim WDR unter der künstlerischen Leitung von Wilhelm Semmelroth einrichtete, zeigt er sich bei der Vorgängeranstalt NWRV schon in den allerbesten Händen. Die Personalien, die den „Anderen“ von allen übrigen Schwarzweiß-Durbridges unterscheiden, machen den Mehrteiler zu einem ganz einmaligen und besonderen Erlebnis.

Neben dem Geheimdienstler Harry Vincent, der wie ein Gini aus der Flasche in Teil 5 auftaucht und in Teil 6 alle Unklarheiten beseitigt (nicht unbedingt ein besonders fairer Stil, aber sehr wirkungsvoll), profitiert der Abschluss des Sechsteilers vor allem von zwei Personen: Einerseits sorgt das Auftauchen der geheimnisvollen Maria Rocello für Aufhorchen. Man weiß nicht recht, ob sie Gerechtigkeitssinn oder Rachsucht nach Medlow führen und wie genau sie über die Machenschaften ihres Bruders im Bilde ist. Andererseits rückt auch Albert Lieven wieder in den Mittelpunkt und darf diesmal ganz unverhohlen Charmepunkte einsammeln. Der immens starke Verdacht gegen ihn schloss ihn natürlich von Anfang an als echten Hintermann aus und die einzige Frage bezüglich seiner Person war stets nur, wie überzeugend Durbridge seine Unschuld belegen würde. Das Ergebnis: Er schafft es ausnehmend nachvollziehbar und befriedigend; und Lieven gefällt sich als Strippenzieher im Endkampf gegen den mysteriösen „R“ ausnehmend gut.

Dessen Identität wird im letzten Moment mit großem Brimborium einschließlich Mordversuch an Katherine Walters und Flucht vor der Polizei enthüllt – ein Showdown, wie er im Buche steht und nach fünf Teilen auch mit Fug und Recht erwartet werden kann. Die Auflösung ist nicht nur logisch, sondern führt in dezenten Untertönen auch vor Augen, wie wohl gehütet die Doppelidentität eines im Geheimen operierenden Durbridge-Mörders ist und welch einen Paukenschlag deren Enthüllung bei den anderen Beteiligten des Rätsels auslöst. Mit über 90 Prozent Sehbeteiligung stellte „Der Andere“ auch an den heimischen Fernsehapparaten einen Paukenschlag dar und gilt damit als einer der ersten Straßenfeger.

Altmodisch gediegene, aber nichtsdestotrotz enorm fesselnde Mini-Serie um zwei Mordfälle mit latent politischem Hintergrund, vor dem reizvolle Verdächtige agieren. Der erste Durbridge ist bereits exzellent gemacht und setzt mit seiner Stringenz der Erzählung und dem Aufbau der Verdächtigen ein Musterbeispiel für die Produktionen der kommenden Jahre. 4,5 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.812

07.01.2018 20:39
#32 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Der Andere (1) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #31
inwiefern man sich die englische Verfilmung, die 1956 von der BBC live ausgestrahlt worden war und heute als verschollen gilt
Das ist nur teilweise richtig, denn die in die Livehandlung integrierten Außendrehinserts, das heißt, das wenige auf Film gedrehte Material (Darsteller geht ins Haus, geht zum Hausboot), überlebt.

Zitat
Der immens starke Verdacht gegen ihn schloss ihn natürlich von Anfang an als echten Hintermann aus

Sag das nicht, in einer anderssprachigen Version ist es genau so! :-) Gewöhnungsbedürftig, aber den Zuseher nicht minder überraschend. Wer rechnet schon damit?

Gubanov Offline




Beiträge: 15.047

07.01.2018 20:50
#33 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Der Andere (1) Zitat · antworten

Das wäre in der Tat ein absoluter Knalleffekt gewesen.

Jan Offline




Beiträge: 1.245

08.01.2018 20:03
#34 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Der Andere (1) Zitat · antworten

Freut mich, dass Dich "Der Andere" auch gefesselt hat. In der Tat gibt es keinen zweiten Durbridge, bei dem ich mich zunächst mehr überwinden muss, ihn in den Player zu legen, der mich dann aber wie kaum ein zweiter in seinen Bann zieht, wenn ich ihn denn erst einmal begonnen habe zu sehen. Hervorragendes Ensemble, feinsinnig inszeniert und mit prägnantem Musik-Sound versehen. "Der Andere" ist wohl genau das, was man einen Geheimtipp nennt. Abseits vom Halstuch, Tim Frazer, etc. en Mehrteiler, der sich hinter den berühmten Nachfolgern nicht verstecken muss!

Gruß
Jan

Havi17 Offline




Beiträge: 2.969

08.01.2018 22:51
#35 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Der Andere (1) Zitat · antworten

@Jan: Du hast das gut beschrieben. Mir geht es ähnlich, nur daß bei mir "Der Andere"
geschont wird, damit ich beim erneuten Anschauen möglichst die gleiche Freude wie
beim ersten Mal erlebe. Für mich ist "Der Andere" der beste Durbridge Mehrteiler und
Lieven als auch als Gegenpol der Bogart "Wolf Frees" in seiner tölpelhaft, naiven,
sympathischen Art herausragend gut.

Gruss
Havi17

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.285

09.01.2018 07:09
#36 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Der Andere (1) Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #34
In der Tat gibt es keinen zweiten Durbridge, bei dem ich mich zunächst mehr überwinden muss, ihn in den Player zu legen, der mich dann aber wie kaum ein zweiter in seinen Bann zieht, wenn ich ihn denn erst einmal begonnen habe zu sehen.

Genau so geht es mir auch. Guibanov hat mich angesteckt. Auf Grund seiner Rezensionen der ersten Teile habe auch ich die DVDs wieder mal aus dem Regal gekramt - und war sehr positiv überrascht. Vielleicht starte ich ja mal wieder eine chronologische Sichtung der deutschen Durbridge-Klassiker...

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