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Dieses Thema hat 60 Antworten
und wurde 5.469 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

30.09.2008 20:42
Bewertet TV: "Das Halstuch" (1962, 3) Zitat · antworten

Bewertet: Francis Durbridge – Das Halstuch (3)
Deutschland 1962, TV. Regie: Hans Quest. Drehbuch: Francis Durbridge. Mit: Heinz Drache, Albert Lieven, Margot Trooger, Dieter Borsche, Horst Tappert, Hellmut Lange, Erwin Linder, Erika Beer, Eva Pflug, Eckart Dux u.v.a.m.




„Das Halstuch, I. Teil“

Die erste Episode des Sechsteilers „Das Halstuch“ war also für mich der erste Kontakt mit Durbridge im TV. Von dem, was ich in diesem Beginn des wohl populärsten Straßenfegers gesehen habe, bin ich sehr angetan. Und eben weil es mein erster Kontakt ist, möchte ich weitere Rezensenten von „Das Halstuch“ und vor allem anderer Durbridge-Krimis bitten, in den Bewertungsthreads sowie auch an anderer Stelle im Forum keine Spoiler in ihre Besprechungen einzubauen oder vorher auf solche deutlich hinzuweisen.

Enthalten in der Straßenfeger-Edition 02 (gemeinsam mit dem drei Jahre später entstandenen „Die Schlüssel“), präsentiert ARD-Video das Fernsehspiel in annehmbarer Bild- und Tonqualität für TV-Verhältnisse des Jahres 1962. Als Zusatz zum Kriminalfilm gibt es die bereits von der Straßenfeger-Homepage bekannte Kurzdokumentation unter dem Titel „Straßenfeger – Das Phänomen“ und eine „Abendschau-Diskussion ‚Das Halstuch’“.

In Teil 1 wird der Zuschauer mit den Ausgängen des Kriminalfalles konfrontiert, lernt aber, wie die Besetzungsliste verrät, noch nicht alle Charaktere kennen. Erstaunlich schnell passiert der Mord; schon in Minute fünf kann man einen Blick auf die, so heißt es, überaus attraktive Leiche werfen. Schon zuvor findet man sich in einem sehr ländlichen Ambiente wieder, das auf dem DVD-Digipack passenderweise als „Kaff“ bezeichnet wird und einen sehr gemütlichen Eindruck vermittelt. Entsprechend viel Zeit lassen sich die Ermittler: Heinz Drache präsentiert hier einen aus meiner Sicht sehr von dem Edgar-Wallace-Inspektorenschema abweichenden Polizisten, der neben seiner inneren Ruhe auch eine sehr große (und für sonst eher rauhe Drache-Verhältnisse ungewohnte) Menschlichkeit an den Tag legt. So tritt er nicht lässig-abgeklärt auf wie in vielen anderen Rollen, sondern scheint sich schon fast um „seine Verdächtigen“ zu sorgen, wenn nicht müde wird, sie auf Treppenstufen hinzuweisen oder beim Verschwinden ihrer Mäntel, wenn auch dienstlich, mitzuleiden.
Für mich war es darüber hinaus eine besondere Freude, Margot Trooger zu begegnen, die ich in ihren drei Wallace-Rollen sehr schätzte und die auch hier passend wie die Faust aufs Auge besetzt ist.

Inszenatorisch merkt man dem „Halstuch“, oder zumindest seinem ersten Teil, die Fernsehherkunft deutlich an. Dies ist nicht unbedingt negativ zu bewerten, denn genau eine solche Art und Weise der Inszenierung erwartete ich. Regisseur Hans Quest, der mir in dieser Tätigkeit bisher beispielsweise aus der Pater-Brown-Serie mit Josef Meinrad bekannt war, kreiert einen auf theaterhafte Weise lebendigen Eindruck des verschlafenen britischen Dorfes und der wesentlich dekadenteren Wohnung Mr. Morris’. Die Musik von Hans Jönsson, Hauskomponist auch der Durbridge-Radiohörspiele, erinnert an Thomas’ beste Zeiten und leitet das Geschehen passend ein bzw. aus.

Ein besonderes Bonbon bietet Draches Versprecher im Polizeirevier.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.341

01.10.2008 20:07
#2 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

KNO hat die DVD-Boxen leider noch nicht ausgeliefert, aber da ich im Besitz der VHS-Kassette
von Eurovideo bin, kann ich schon ein paar einleitende Worte zu diesem spannenden
Mehrteiler niederschreiben :

Der Sechsteiler beginnt sehr beschaulich mit einer Aufnahme des Pfarrhauses.
Der Vikar tritt gerade vor die Tür und setzt sich in seinen Kleinwagen, um ins
Dorf zu fahren. Auf einem Nebenweg nähert sich der landwirtschaftliche
Arbeiter Bill Royd mit seinem Traktor. Freundlich begrüßen sich die Männer,
wobei der Vikar dem Arbeiter den Vortritt läßt.
Währenddessen versucht ein nervöser, ungehaltener Mann, seine Schwester
telefonisch zu erreichen.Er erwartet einen Musikschüler, der sich verspätet
hat. Als seine Haushälterin Vikar Matthews ankündigt, erklärt er diesem,
dass er bereits den ganzen Tag versuche, seine Schwester Fay in London zu
erreichen.
Der Traktor ist inzwischen gemächlich im Innenhof des Guts des Großbauern
Alistair Goodman eingetroffen. Da noch Zeit bleibt, rät er seinem Angestellten,
den Anhänger sofort zu entladen. Alles strahlt die ruhige, freundliche Atmosphäre
des Landlebens aus - bis Bill Royd plötzlich einen Damenschuh in der Hand
hält. Auf seinem Anhänger liegt eine tote Frau.

Plötzlich und unerwartet bricht das Verbrechen in das friedliche Ambiente
einer ländlichen Gemeinschaft herein. Eben noch sahen wir die tägliche
Routine beim Einbringen der Ernte, da hat bereits der Sensenmann sein neuestes
Opfer geholt. Die Leiche einer jungen Frau stört die Idylle des Dorfes.
Mit Inspektor Yates tritt der Mann ins Bild, der den Mordfall aufklären und
den Bewohnern von Littleshaw ihre Illusionen über die scheinbar harmlosen
Menschen in ihrem Umkreis rauben wird.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

01.10.2008 20:38
#3 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten
„Das Halstuch, II. Teil“

Während Teil 1 noch fast vollständig auf dem Land spielte, wird es in Teil 2 nach weiteren Ermittlungsarbeiten und einem Einblick in Inspektor Yates’ Privatleben (seine Frau scheint dem Assistenten nicht abgeneigt zu sein; ich ahne Schreckliches ;-) ...) ein wenig städtischer. Der Zuschauer bekommt einen vertieften Eindruck vom aufwendigen Set von Lievens Wohnung, welches für Fernsehverhältnisse besonders großräumig und luxuriös daherkommt.

Interessant ist in Anbetracht der Aussage, dass Zusammenfassungen erst mit „Die Schlüssel“ eingeführt wurden, dass hier bereits zu Beginn des zweiten Teils eine Zusammenfassung des ersten zu sehen ist. Diese würde ich für neu für die DVDs produziert halten. Sie setzt sich aus Standbildern des ersten Teils und einem Erzählerkommentar zusammen.

Der zweite Teil bringt zwei neue Wallace-Stars in Person und einen weiteren in Erwähnung: Dieter Borsche als Freund der Toten und Erica Beer als nervtötend miese Erpresserin sowie die Ankündigung Eva Pflugs. Es ist erstaunlich, welches Aufgebot an Darstellern hier verpflichtet wurde, um das Publikum vor die Fernseher zu locken. Dass es funktionierte, ist ja weithin bekannt.

In diesem Sinne freue ich mich schon auf Teil Nummer 3, der morgen an der Reihe ist.

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Georg Offline




Beiträge: 2.738

01.10.2008 21:11
#4 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

In Antwort auf:
Interessant ist in Anbetracht der Aussage, dass Zusammenfassungen erst mit „Die Schlüssel“ eingeführt wurden, dass hier bereits zu Beginn des zweiten Teils eine Zusammenfassung des ersten zu sehen ist. Diese würde ich für neu für die DVDs produziert halten. Sie setzt sich aus Standbildern des ersten Teils und einem Erzählerkommentar zusammen.



Na toll dann hat man jetzt doch das alte TV-Master verwendet. Die Standbilder wurden erstmals in den 90ern bei der Wiederholung gezeigt. Im Original gab´s das nicht, sondern die Presse und natürlich die TV-Ansagerin informierten über das bisherige geschehen ...

Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

01.10.2008 21:21
#5 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten
Also wurden die Zusammenfassungen nicht für die DVDs, sondern fürs Fernsehen hergestellt. Ich kann mich darüber in keinem Falle beklagen. Die Qualität stimmt (ob von dem oder dem digitalisiert dürfte dabei höchstens eine untergeordnete Rolle spielen) und man bekommt sogar mehr als das Original geboten.

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Edgar007 Offline




Beiträge: 2.265

02.10.2008 15:02
#6 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Ich war auch der Meinung, daß bei meiner alten Halstuch-Aufzeichnung (zumindest VHS, auf SVCD muß ich mal nachschauen) die Zusammenfassungen vorhanden sind. Allerdings ist es mir nicht unbedingt aufgefallen, daß diese erst zur Wiederholung gemacht worden sind.

Markus Offline



Beiträge: 597

02.10.2008 15:18
#7 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten
Hat die Zusammenfassungen bei der Erstausstrahlung nicht Evelyn Hamann gemacht?

Gruß
Markus
Georg Offline




Beiträge: 2.738

02.10.2008 17:22
#8 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

In Antwort auf:
Hat die Zusammenfassungen bei der Erstausstrahlung nicht Evelyn Hamann gemacht? ;-)


;-))))))

Die Zusammenfassungen wurden fürs TV bei den Wiederholungen erstellt. Erstmals (?) bei der Wiederholung im BR gezeigt... 1961 liefen sie sicherlich nicht. Aber egal, kann ja nicht schaden, nochmal die bisherige Handlung vor Augen geführt zu bekommen

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.265

02.10.2008 18:35
#9 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Nochmal, wurden dann ab DIE SCHLÜSSEL schon bei der Erstausstrahlung die Zusammenfassungen gezeigt? Bei MELISSA war's ja definitiv so (Insp. Cameron).

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

02.10.2008 18:48
#10 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Zitat von Edgar007
Nochmal, wurden dann ab DIE SCHLÜSSEL schon bei der Erstausstrahlung die Zusammenfassungen gezeigt? Bei MELISSA war's ja definitiv so (Insp. Cameron).
Also ich habe noch eine sehr gute Aufzeichnung aus 1-Plus-Zeiten. Hier wird zu Beginn mit Standfotos alles bestens erklärt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man im Nachhinein das alles neu produziert hat - wäre zu aufwendig und zu teuer gewesen. Aber ist ja letzttendlich auch egal.

Joachim.

Georg Offline




Beiträge: 2.738

02.10.2008 19:50
#11 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

im Original war´s ab DIE SCHLÜSSEL.
Weder TIM FRAZER noch DER FALL SALINGER hatten im Original eine Zusammenfassung, genauso wenig das HALSTUCH/ ES IST SOWEIT oder DER ANDERE.

Es begann erst 1965 mit DIE SCHLÜSSEL.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

02.10.2008 20:21
#12 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Zitat von Georg
im Original war´s ab DIE SCHLÜSSEL.
Weder TIM FRAZER noch DER FALL SALINGER hatten im Original eine Zusammenfassung, genauso wenig das HALSTUCH/ ES IST SOWEIT oder DER ANDERE.

Es begann erst 1965 mit DIE SCHLÜSSEL.
Das bedeutet, dass meine Infos ja stimmen.

J.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

02.10.2008 20:28
#13 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten
„Das Halstuch, III. Teil“

Albert Lieven gerät in Teil 3 mehr und mehr in die Fänge der Polizei. Während Inspektor Yates ihm gegenüber eine offene Abneigung hegt, ihn aber (klugerweise) nicht verhaftet, geschehen weitere Ereignisse, die ihn noch weiter verdächtig machen sollen, was jeden Freund von Kriminalfilmen zu der Schlussfolgerung führt, dass man ihn mit Sicherheit aus dem Kreis der potenziellen Täter ausschließen kann.
Mit dem Fund der zweiten Leiche am Ende der Episode hätte ich beim besten Willen gerechnet, wirkte die betreffende Dame doch noch kurz zuvor so lebendig. Hier steht Pflugs beeindruckendes Spiel in unübersehbarem Kontrast zum dick aufgetragenen Pathos von Erica Beer, die ich aus dem „roten Kreis“ wesentlich erträglicher in Erinnerung hatte.

Interessant in diesem Teil sind vor allem kleine Dinge wie das Täuschungsmanöver, welches Drache Lieven gegenüber anwendet, um an eine Schriftprobe zu kommen. Natürlich weiß man, worauf er hinaus möchte, aber dass seine Behauptung, schwach im Französischen zu sein, bei der Befragung Troogers so elegant als Notlüge enttarnt wird, ist überaus anerkennenswert.

Da auch Percy Lister in ihrem Thread zum „Halstuch“ so schöne Vorlagen lieferte, möchte ich nach einigem Studium der Charaktere in den ersten drei Teilen nun nach und nach etwas zu den einzelnen Personen sagen:
Zitat von Percy Lister
"Kriminalinspektor Harry Yates von der Hertfordshire-Polizei war etwa vierzig Jahre alt, von mittlerer Größe und leicht saloppem Aussehen. Man hätte ihn für einen Vertreter halten können oder für einen kleinen Angestellten im öffentlichen Dienst. Doch war er tatsächlich ein bemerkenswert scharfsinniger Kriminalist, der seinen jetzigen Dienstgrad bereits als verhältnismäßig junger Mann erreicht hatte. Seine Augen waren von einem verwaschenen und trotzdem eindrucksvollen Hellblau. Sie blickten ein wenig starr und hatten etwas von der Wachsamkeit einen kleinen Raubtieres an sich. Für gewöhnlich bediente er sich eines kultivierten, fast sanften Tonfalls." - Heinz Drache ist der richtige Mann für diese Rolle. Präzise, ironisch und gelassen. Er weiß, wie man mit den verschiedenen Verdächtigen reden muß und ist souverän genug, sich von herablassenden Bemerkungen oder Lügen nicht irritieren zu lassen. Er bringt eine gewisse Eitelkeit mit und tritt sicher und beharrlich auf.

Interessant ist, dass im Romanauszug die Sprache des Ermittlers beschrieben wird. Bei Draches Darstellung fiel mir ja bereits im ersten Teil auf, wie sie von seinen Wallace-Inspektoren abweicht. Dass er sich dabei jedoch eines völlig anderen Tonfalls bedient, ist ein kleines Geheimnis, hinter das zu kommen einen vom Talent dieses Schauspielers weiter überzeugt. Ich finde nicht, dass er in seiner Rolle als Yates besonders eitel wirkt. Im Gegenteil: Gerade hier legt er eine Leichtigkeit und Umgänglichkeit an den Tag, die sich von Bekanntem unterscheidet. Einzig seine Bemerkung über den Geschmack des makabren Gemäldes, welches Borsche zeichnet, zeugt ein wenig von diesen seinen Coolness-Qualitäten.

Ich und andere „Erstseher“ dürfen also gespannt sein, wie sich die Geschichte und die Personen weiter entwickeln. Spannend verspricht es auf jeden Fall zu werden!

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Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

02.10.2008 21:26
#14 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov
„Das Halstuch, III. Teil“

Albert Lieven gerät in Teil 3 mehr und mehr in die Fänge der Polizei. Während Inspektor Yates ihm gegenüber eine offene Abneigung hegt, ihn aber (klugerweise) nicht verhaftet, geschehen weitere Ereignisse, die ihn noch weiter verdächtig machen sollen, was jeden Freund von Kriminalfilmen zu der Schlussfolgerung führt, dass man ihn mit Sicherheit aus dem Kreis der potenziellen Täter ausschließen kann.
Mit dem Fund der zweiten Leiche am Ende der Episode hätte ich beim besten Willen gerechnet, wirkte die betreffende Dame doch noch kurz zuvor so lebendig. Hier steht Pflugs beeindruckendes Spiel in unübersehbarem Kontrast zum dick aufgetragenen Pathos von Mill, die ich aus dem „roten Kreis“ wesentlich erträglicher in Erinnerung hatte.

Interessant in diesem Teil sind vor allem kleine Dinge wie das Täuschungsmanöver, welches Drache Lieven gegenüber anwendet, um an eine Schriftprobe zu kommen. Natürlich weiß man, worauf er hinaus möchte, aber dass seine Behauptung, schwach im Französischen zu sein, bei der Befragung Troogers so elegant als Notlüge enttarnt wird, ist überaus anerkennenswert.

Da auch Percy Lister in ihrem Thread zum „Halstuch“ so schöne Vorlagen lieferte, möchte ich nach einigem Studium der Charaktere in den ersten drei Teilen nun nach und nach etwas zu den einzelnen Personen sagen:
Zitat von Percy Lister
"Kriminalinspektor Harry Yates von der Hertfordshire-Polizei war etwa vierzig Jahre alt, von mittlerer Größe und leicht saloppem Aussehen. Man hätte ihn für einen Vertreter halten können oder für einen kleinen Angestellten im öffentlichen Dienst. Doch war er tatsächlich ein bemerkenswert scharfsinniger Kriminalist, der seinen jetzigen Dienstgrad bereits als verhältnismäßig junger Mann erreicht hatte. Seine Augen waren von einem verwaschenen und trotzdem eindrucksvollen Hellblau. Sie blickten ein wenig starr und hatten etwas von der Wachsamkeit einen kleinen Raubtieres an sich. Für gewöhnlich bediente er sich eines kultivierten, fast sanften Tonfalls." - Heinz Drache ist der richtige Mann für diese Rolle. Präzise, ironisch und gelassen. Er weiß, wie man mit den verschiedenen Verdächtigen reden muß und ist souverän genug, sich von herablassenden Bemerkungen oder Lügen nicht irritieren zu lassen. Er bringt eine gewisse Eitelkeit mit und tritt sicher und beharrlich auf.

Interessant ist, dass im Romanauszug die Sprache des Ermittlers beschrieben wird. Bei Draches Darstellung fiel mir ja bereits im ersten Teil auf, wie sie von seinen Wallace-Inspektoren abweicht. Dass er sich dabei jedoch eines völlig anderen Tonfalls bedient, ist ein kleines Geheimnis, hinter das zu kommen einen vom Talent dieses Schauspielers weiter überzeugt. Ich finde nicht, dass er in seiner Rolle als Yates besonders eitel wirkt. Im Gegenteil: Gerade hier legt er eine Leichtigkeit und Umgänglichkeit an den Tag, die sich von Bekanntem unterscheidet. Einzig seine Bemerkung über den Geschmack des makabren Gemäldes, welches Borsche zeichnet, zeugt ein wenig von diesen seinen Coolness-Qualitäten.

Ich und andere „Erstseher“ dürfen also gespannt sein, wie sich die Geschichte und die Personen weiter entwickeln. Spannend verspricht es auf jeden Fall zu werden!
Hallo Gubanov,
wie ich in meinen Hallo-Büchern bereits geschrieben habe, hatte Constantin-Inhaber Konsul Waldfried Barthel nach Sicht der Serie Halstuch unbedingt Heinz Drache für den nächsten Wallave-Film gewinnen wollen. Durch GFH's Kontakte zum WDR gelang es auch Heinz Drache davon zu überzeugen. Der nächste Wallace sollte ja damals DIE TÜR MIT DEN 7 SCHLÖSSERN werden. Aus dem "Weltenbummler" Dick Martin, so wie ihn Dr. Wiedmann nach Wallace' Roman das Drehbuch für den Typ Adrian Hoven schrieb, musste das Drehbuch ja anschließend umgeschrieben werden was ja Hummel selbst mit Petersen tat. Und dieser Typ von Dick Martin verkörpert von Heinz Drache wollte das Publikum ja dann auch knapp ein halbes Jahr nach dem Halstuch im Kino sehen. Es war für Drache insgesamt sein größter Kinoerfolg.

Joachim.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

04.10.2008 13:09
#15 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten
Quasi als Nachtrag zu meiner gestrigen Begutachtung:

„Das Halstuch, IV. Teil“

Nach dem zweiten Mord kommt es in Teil 4 nun schlag auf Schlag und um ein Haar zu einer weiteren Leiche. Dass Lievens Erschießung gerade noch verhindert werden kann, überzeugt nur umso mehr von seiner Unschuld.

Wie auch in den anderen Teilen bekommt man hier wieder einige schöne Außenaufnahmen bei schönstem Sommerwetter. Mit Freude bemerkte ich, dass man einigen Figuren, die bisher eher im Hintergrund standen (Vikar Matthews, Alistair Goodman), mehr Platz einräumte. Beide gefallen mir in ihrer Darstellung sehr gut. Um wieder einmal aus den Figurenbeschreibungen zu zitieren:
Zitat von Percy Lister
"Nigel Matthews war um die Fünfundvierzig, von untersetzter Gestalt und durchaus gesundem Aussehen. Sein dünnes Haar stand im Begriff, von Braun zu Grau überzuwechseln, und seine braunen Augen blickten sanft und vertrauensvoll auf seine Umwelt. Er erfreute sich allgemeiner Beliebtheit bei den Bürgern von Littleshaw, denn trotz seiner etwas salbungsvollen Art hatte er Sinn für Humor, einen Humor allerdings, der gelegentlich zu beißendem Spott werden konnte. Er war Junggeselle und betreute die Gemeinde von Littleshaw seit seiner Entlassung aus dem Militärdienst."

Horst Tappert entspricht, wie Percy Lister bereits anmerkte, nicht wirklich der äußeren Beschreibung, ist sein Körperbau doch recht fern von „untersetzt“. Allerdings schafft Tappert es, den vertrauenswürdigen Geistlichen überzeugend darzustellen, was besonders in Anbetracht der Tatsache, dass er in der Frühphase seiner Karriere eher zwielichtige Charaktere darstellte (wie etwa in dem ebenfalls 1962 entstandenen Kinofilm „Er kann’s nicht lassen“ mit Heinz Rühmann), anerkennenswert ist.

Um in diesem Zuge auch noch einmal auf Heinz Drache zu sprechen zu kommen:
Zitat von Joachim Kramp
Und dieser Typ von Dick Martin verkörpert von Heinz Drache wollte das Publikum ja dann auch knapp ein halbes Jahr nach dem Halstuch im Kino sehen.

Auch in diesem Teil findet sich meines Erachtens ein Hinweis darauf, wie sehr sich sein Inspektor Yates etwa von seinem Inspektor Martin unterscheidet: Er lässt sich von Mr. Collins anstandslos und beinahe demütig beschimpfen und über seine „Inkompetenz“ belehren. Der „Drache“ aus den Wallace-Filmen wäre bei diesen Szenen wohl schnell aus der Haut gefahren oder hätte sich zumindest zu einer sarkastischen Bemerkung hinreißen lassen.
Der überaus fiese Cliffhanger am Ende dieses vierten Teils, der ja ebenso eng mit Drache zusammenhängst, macht mich schon sehr gespannt auf die Weiterentwicklungen, die ich heute betrachten werde...

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