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Dieses Thema hat 80 Antworten
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 Francis Durbridge
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Ray Offline



Beiträge: 970

10.02.2018 22:14
#76 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #75
... von denen du dich aber nicht abschrecken lassen solltest, nachdem du dich nun recht enthusiastisch zum "Halstuch" geäußert hast, @patrick! Besonders empfehlenswert dürften eher "Melissa" und "Wie ein Blitz" sein.



"Die Schlüssel" habe ich länger nicht gesehen, würde ich aus dem Gedächtnis so im Mittelfeld einordnen. Für @patrick hat er zumindest einen bekannten Wallace-Akteur als Faustpfand. Sonst bin ich bei dir, "Melissa" und "Wie ein Blitz" sind sicher besser, "Das Messer" würde ich ebenfalls noch aufnehmen. Wobei @patrick ja schon mehrfach sagte, dass er mit 70-er-Atmo nicht so viel anfangen kann. Insofern wäre wohl "Melissa" der "verantwortungsvollste" Tipp.

patrick Offline




Beiträge: 2.911

10.02.2018 22:37
#77 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #74
Schön, dass dir dein persönlicher Durbridge-Einstieg Freude gemacht hat. Ich hoffe, du bleibst dran und erfreust uns mit weiteren Besprechungen zum Thema. Zumidest "Die Schlüssel" liegen dir ja schon mal vor.


"Die Schlüssel" werden natürlich folgen, allerdings nicht sofort.

Zitat von Gubanov im Beitrag #75
... von denen du dich aber nicht abschrecken lassen solltest, nachdem du dich nun recht enthusiastisch zum "Halstuch" geäußert hast, @patrick! Besonders empfehlenswert dürften eher "Melissa" und "Wie ein Blitz" sein.

Sonst kann ich deinen Äußerungen nur zustimmen. Ich hatte ja durchaus auch befürchtet, dass "Das Halstuch" dir zu altbacken sein könnte, aber wenn das nicht der Fall ist, müsste das eigentlich auch ein gutes Signal für die übrigen Durbridges sein.


"Melissa" hab ich durchaus auf dem Radar. "Die Schlüssel" nehme ich mal so mit, wenn sie schon im Package dabei sind.

Meine Bedenken wurden auch von der Befürchtung, zu sehr mit Altbackenheit überschüttet zu werden, genährt. Das 50er/60er-Jahre-TV-Schwarzweiss ist für mein Auge nicht besonders attraktiv, nachdem ich ja durch das sehr atmosphärischen Wallace- und Hammer-Schwarzweiß verwöhnt worden bin. Vom "Halstuch" geht aber aufgrund des spannenden Aufbaus und der großartigen schauspielerischen Leistung eine besondere Kraft aus, welche die optische Schlichtheit bemerkenswert gut kompensiert.

Kennt eigentlich jemand die englische Version? Ich glaub Georg hat weiter oben darauf hingewiesen. Als Hobby-Angelsachse hat das natürlich mein Interesse geweckt.

Hab inzwischen auch die "Bei Anruf Mord"-Version von 1959 mit Siegfried Lowitz und Heinz Drache geordert. Das 1954er-Original mit Ray Milland und Grace Kelly gehört ja zu meinen Lieblings-Hitchcocks. Ich habe keine große Erwartungshaltung, bin aber gespannt wie sich Heinz Drache in Millands Fußstapfen macht.

patrick Offline




Beiträge: 2.911

10.02.2018 22:48
#78 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #76
. Wobei @patrick ja schon mehrfach sagte, dass er mit 70-er-Atmo nicht so viel anfangen kann. Insofern wäre wohl "Melissa" der "verantwortungsvollste" Tipp.



Das ist natürlich nur tendenziell. Mode der 70er (die ich als Knirps über mich ergehen lassen musste), Farben der 70er, Stilrichtung, etc. sind nicht gerade mein Ding. Das liegt natürlich auch nicht zuletzt daran, dass es einen sehr unmittelbaren Kontrast zu meinen geliebten 60ern bildet, die dadurch ein jähes und beklagenswertes Ende fanden. Aber gute Stories mit entsprechender schauspielerischen Leistung gibt es natürlich in allen Dekaden. Intuitiv würde ich aber als erstes am liebsten zu Melissa greifen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 377

11.02.2018 11:45
#79 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

In euren (hervorragenden ) Besprechungen kommt immer wieder die Befürchtung/Urteil "altbacken" vor.Ich glaube /fürchte das ich ein Fan von altbackenen Filmen bin !!!!Ohne dieses "altbackene" ( aus heutiger oder damaliger Sicht ?) hätten die Filme evtl. nicht diese langanhaltene Wirkung auf einige von uns gehabt.( oder trotzdem ?) Ich mag es diese Mordgeschichten quasi im Sessel eher theoretisch/Krimirätselhaft an mir vorbeiziehen zu lassen.Auch Kammerspielartig ohne viel Blut und Action.
Ich frage mich wieviel altbackenheit kann/konnte man evtl. diesen Filmen entziehen um nicht plötzlich diese eigenartige /unvergessliche bis heute faszinierende Krimistimmung zu verlieren ?
War jetzt nur so ein Gedanke der mir bei euren tollen Besprechungen so gekommen ist.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.311

11.02.2018 14:05
#80 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten

Die Frage ist insofern hypothetisch, als Produktionen einer bestimmten Zeit von Natur aus ein gewisses Flair haben, das man ihnen nicht nehmen kann. Dass Durbridge aber auch modern gut funktioniert, sieht man für meine Begriffe am 1997er-Remake von "Melissa".

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.502

04.03.2018 13:40
#81 RE: Bewertet: Francis Durbridge - Das Halstuch (3) Zitat · antworten



Nachbetrachtungen zu "Das Halstuch"

* Darsteller: HEINZ DRACHE, von der Bürde, einen Rialto-Edgar-Wallace-Inspektor darstellen zu müssen noch gänzlich unbelastet, zeigt seinen Kriminalinspektor Harry Yates als biederen Ehemann und unauffälligen Bürger seiner Kleinstadt, ganz wie es die beschauliche Atmosphäre dieses ländlichen Sechsteilers verlangt. Man sieht Yates an, dass er sich mit den Verhältnissen arrangiert hat, obwohl er die meisten Einwohner von Littleshaw in Bezug auf Intellekt und Toleranz übertrifft. Kein Wunder, dass er sich mit dem aufgeschlossenen Geistlichen Nigel Matthews, dem HORST TAPPERT ein sympathisches Gesicht verleiht, besonders gut versteht, sind sie doch beide von den engstirnigen Launen der Landbewohner betroffen. GARDY GRANASS als Jill Yates zeigt die typische Fünfziger-Jahre-Ehefrau, deren Sorgen sich um das Wohl ihres gestressten Gatten drehen und die zwar durchaus abweichende Meinungen vertritt, sich aber letztlich um des häuslichen Friedens willen mit der Herrschaft über ihr kleines Reich begnügt. HELLMUT LANGE, als Teilinvalide ans Haus gefesselt, frönt seiner ohnehin latent vorhandenen Misanthropie, die durch seinen Unfall größer geworden ist und ihn das lockere Leben seiner weitaus jüngeren Schwester neiden lässt. Altmodisch, verbissen und hart präsentiert sich Edward Collins als der kleine Mann von der Straße, der nach Aufklärung verlangt und immer schon wusste, dass Millionären und Großstädten nicht zu trauen ist. ALBERT LIEVEN ist der Vertreter der oberen Zehntausend, weltgewandt, präzise und unsentimental. Der Name Clifton Morris bürgt für diversifizierenden Geschäftsgeist und Disziplin und wird nun durch einen Augenblick der Schwäche in ein Mordkomplott verwickelt, das ihn um Kopf und Kragen bringen könnte. MARGOT TROOGER hat das Format, die weibliche Hauptrolle mit Eleganz und Souveränität auszufüllen, um im passenden Moment theatralisch die Fassung zu verlieren und sich auf die Macht der Hierarchien zu berufen. Die Erschütterung ihrer Contenance steht für den Niedergang der heilen Welt in Littleshaw. DIETER BORSCHE hat seine Unschuld schon lange verloren; Reverend Dearborn hat seine teuflischen Spuren hinterlassen und schickt sich an, nach einer Phase der Regeneration zwischen Zeichenkohle und Minenbleistift erneut seine hässliche Fratze zu erheben. ERWIN LINDER, aus weitaus einfacherem Holz geschnitzt, fühlt sich auf den Meiereisitzungen in Tweed und Breeches am wohlsten und schmückt sich mit dem für örtliche Verhältnisse glamourösen Flair, das seine Verlobte Marian Hastings umweht. CHRISTIAN DOERMER zeigt den beflissenen Gerald Quincey als jungen Mann, der alles richtig machen will und an seinen eigenen Erfüllungsansprüchen scheitert. ECKART DUX als Sergeant Jeffreys harmoniert mit seinem Chef, weil sie wie Partner agieren und ihm das behagliche Landleben einen angenehmeren Dienst ermöglicht als in der Stadt. Mit wogender Oberweite und aufdringlicher Schmeichelstimme tänzelt ERICA BEER als Revuegirl Kim Marshall durch ihre Garderobe im "Finale". Auch sie wird nach und nach ihrer Lasterinsignien beraubt und offenbart eine verängstigte Frau mit Kleinbürgersehnsüchten. EVA PFLUG steht in Ermangelung einer Fay Collins aus Fleisch und Blut stellvertretend für den Typus der ehrgeizigen Frau, die blitzschnell Chancen wittert, um Kapital daraus zu schlagen. Ihre mit augenzwinkerndem Charme ausgestattete Diana Winston ist sehr ambitioniert und kontrastiert deutlich mit dem traditionellen Frauenbild, das beispielsweise von Gardy Granass oder HELGA ZECKRA gezeigt wird. Diese ist - äußerst unvorteilhaft frisiert und gekleidet - die biedere Angestellte der Modeschöpferin Hastings und zeigt jungmädchenhafte Interessen an Klatsch und Tratsch. HEINZ VON CLEVE als Butler Eric leistet dem distinguierten Verleger gute Dienste und es ist schade, dass er schon bald nach Schottland abgeschoben wird. Hier wurde Suspense-Potential liegen gelassen.

* Drehbuch: Im Falle von "Das Halstuch" lässt sich sagen, dass hier einer der klarsten und geradlinigsten Handlungsstränge vorliegt. Der Rätselfaktor ist sehr klassisch; es gibt belastende Beweisstücke, aber keine exaltierten Einfälle wie Anrufe aus dem Jenseits oder verschwundene Leichen. Der Whodunit ist sehr traditionell und ermöglicht es dem Publikum, die Charakterzeichnungen mit den Aussagen der Personen abzustimmen und sich Schritt für Schritt dem Täter anzunähern. Zwei Punkte sind noch anzumerken: Was hat es mit dem Alibi auf sich, das Mrs. Hopedean ihrem Mann für die Mordnacht gibt? Welche Schauspielerin hätte wohl Fay Collins darstellen können?

* Musik: Hans Jönsson und das Kölner Tanz- und Unterhaltungsorchester sorgen für schmissige Klänge, die das Heuballen-Ambiente von Littleshaw ebenso aufwirbeln wie die Atmosphäre der Neonlichter im Londoner Nachtleben.

* Ton: Die wohlklingenden Stimmen der sprachlich geschulten Schauspieler profitieren ungemein von der Präzision des Tons, der Unterhaltungen im Freien natürlich und ebenso klar wirken lässt wie Gespräche in Innenräumen. Die Lautstärke steigert sich in dramatischen Momenten allerdings so sehr, dass der Tonregler rasch bedient werden muss.

* Kamera: "Leichen first!" - Der Heuwagen darf passieren. Was mit einer freundlichen Geste beginnt, wird bald als Täuschung entlarvt. In "Das Halstuch" finden sich Nahaufnahmen von gequälten Gesichtern ebenso wie Panoramaansichten der Wiesen und Felder. Das Individuum als Gefangener seines Umfelds erläutert die Kamera besonders in den Szenen mit Clifton Morris in dessen Luxusapartment. Ebenso gewährt die Kamera Freiheit, wenn sie die handelnden Personen immer wieder Abstecher durch die Straßen und Wege der Kleinstadt unternehmen lässt.

* Kostüme: Ingrid Bütow verpasst den jeweiligen Figuren berufs- und charaktertypische Kleider. So sieht man Marian Hastings in selbstgeschneiderten Kostümen, auch Diana Winston trägt unverkennbar ein Ensemble aus dieser Fertigung. Clifton Morris, der in Londons nobler Savile Row einkauft, kleidet sich in gutsitzende, zeitlose Eleganz. Blond und flatterhaft wiegt sich der Chiffon in Gestalt einer Kim Marshall, während der kantige Edward Collins seine Anzüge erst von den Mottenkugeln befreien muss, bevor er sie nach einem langen Winter wieder ans Tageslicht führt.

* Szenenbild: Alfons Windau drückt dem "Halstuch" seinen unverkennbaren Stempel auf und wägt die zitronenfrische Sauberkeit des Yates-Haushaltes mit den marmornen Räumen des Millionärs und dem muffigen Ambiente der Sternchen-Garderobe auf.

* Regie: Hans Quest achtet sehr auf eine gepflegte Atmosphäre und eine klare Positionierung der Schauspieler. Jeder leistet auf seinem Platz das für seine Figur Höchstmögliche und sorgt so für ein gelungenes Gefüge. Quest verfolgt die klare Linie konsequent.

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