Zitat von GubanovAuf Basis des Georges-Simenon-Romans entstand - offenbar nicht ohne Schwierigkeiten, denn der geplante Hauptdarsteller Rupert Davies, bekannt aus einer Maigret-TV-Serie der BBC, sprang nur eine Woche vor Drehbeginn urplötzlich aus Unzufriedenheit über das Drehbuch ab - im Jahr 1966 die internationale Koproduktion "Maigrets größter Fall".
Das ist interessant! Meines Wissens lehnte Davies den allem Anschein nach recht kurzfristig engagierten Regisseur Alfred Weidenmann von Grund auf ab und Karl Spiehs sah sich so nach einem anderen Darsteller um.
Gruß Jan
Gubanov
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26.12.2009 20:21
#17 RE: Schauspieler Nummer 1: Heinz Rühmann - Voting und Filmbesprechungen
Ich zitiere Joachim aus dem Thread "Maigret-Reihe mit Heinz Rühmann" von 2008:
Zitat Zunächst war Rühmann zweite Wahl für diesen Film. Ursprünglich sollte Intercontinental im Auftrag der Constantin zwei Filme mit dem Fernseh-Maigret Rupert Davies produzieren. Jürgen Roland sollte Regie führen - konnte aber nicht. Darauf setzte Karl Spiehs Rupert Davies den Regisseur Alfred Weidenmann vor die Nase. Davies wollte aber nicht mit diesem "Nazi" (so O-Ton Davies) drehen und wollte Spiehs seinerseits unter Druck setzen. Das ließ Spiehs aber nicht mit sich machen (ähnlich wie später mit Ron Ely) und entließ Davies. Durch Constantins gute Beziehungen zu Heinz Rühmann sagte Rühmann für einen Film zu. Die Idee für einen zweiten Maigret-Film verliefen dann im Sande.
Ich finde es übrigens erstaunlich, dass man den Hauptdarsteller - das eigentliche Zugpferd (Davies war durch die TV-Reihe in der BRD bekannt!!!) - und nicht den Regisseur ausgetauscht hat.
Gubanov
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26.12.2009 20:50
#19 RE: Schauspieler Nummer 1: Heinz Rühmann - Voting und Filmbesprechungen
Eine vorbildliche Reaktion in Anbetracht der herrischen und unfundierten Meinung eines aufgeblasenen Schauspielers, der von Weidenmanns Werdegang, Schaffen und vor allem seinen Ansichten in den inzwischen über 20 Jahren Nachkriegszeit sicher nicht die geringste Ahnung hatte. Wenn man überdies bedenkt, wer der Tauschkandidat wurde, ist sie nur umso mehr zu loben.
Zitat von GeorgIch zitiere Joachim aus dem Thread "Maigret-Reihe mit Heinz Rühmann" von 2008:
Zitat Zunächst war Rühmann zweite Wahl für diesen Film. Ursprünglich sollte Intercontinental im Auftrag der Constantin zwei Filme mit dem Fernseh-Maigret Rupert Davies produzieren. Jürgen Roland sollte Regie führen - konnte aber nicht. Darauf setzte Karl Spiehs Rupert Davies den Regisseur Alfred Weidenmann vor die Nase. Davies wollte aber nicht mit diesem "Nazi" (so O-Ton Davies) drehen und wollte Spiehs seinerseits unter Druck setzen. Das ließ Spiehs aber nicht mit sich machen (ähnlich wie später mit Ron Ely) und entließ Davies. Durch Constantins gute Beziehungen zu Heinz Rühmann sagte Rühmann für einen Film zu. Die Idee für einen zweiten Maigret-Film verliefen dann im Sande.
Ich finde es übrigens erstaunlich, dass man den Hauptdarsteller - das eigentliche Zugpferd (Davies war durch die TV-Reihe in der BRD bekannt!!!) - und nicht den Regisseur ausgetauscht hat.
Da habe ich auch immer rumgerätselt - aber Weidemann war ein guter Regisseur und hatte für Spiehs bereits andere Arbeiten gemacht. Hinzu kam dass kurzfristig auch kein anderer Regisseur zur Verfügung stand - Reinl war bei den "Nibelungen", Vohrer bei "Old Firehand" usw. - es war übrigens scheinbar kein glückliches Jahr für Erstregisseure, denn bereits im Mai 1966 musste Paul May bei "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" den "Hut" nehmen und wurde durch Harald Philipp ersetzt.
In der Tat ist Heinz Rühmann einer der besten Schauspieler die Deutschland hervorgebracht hat. Seine Rolle in den Film: Es geschah am hellichten Tag, war grandios. Aber natürlich darf man auch die anderen Schauspieler, die ihr hier aufgezählt habt, nicht vergessen. Was wäre ein Edgar Wallace Film ohne Klaus Kinski gewesen. Er verkörperte den Gauner einfach klasse und die Rollen passten immer zu ihm. Miki Dorn
Zitat von GeorgIch zitiere Joachim aus dem Thread "Maigret-Reihe mit Heinz Rühmann" von 2008:
Zitat Zunächst war Rühmann zweite Wahl für diesen Film. Ursprünglich sollte Intercontinental im Auftrag der Constantin zwei Filme mit dem Fernseh-Maigret Rupert Davies produzieren. Jürgen Roland sollte Regie führen - konnte aber nicht. Darauf setzte Karl Spiehs Rupert Davies den Regisseur Alfred Weidenmann vor die Nase. Davies wollte aber nicht mit diesem "Nazi" (so O-Ton Davies) drehen und wollte Spiehs seinerseits unter Druck setzen. Das ließ Spiehs aber nicht mit sich machen (ähnlich wie später mit Ron Ely) und entließ Davies. Durch Constantins gute Beziehungen zu Heinz Rühmann sagte Rühmann für einen Film zu. Die Idee für einen zweiten Maigret-Film verliefen dann im Sande.
Ich finde es übrigens erstaunlich, dass man den Hauptdarsteller - das eigentliche Zugpferd (Davies war durch die TV-Reihe in der BRD bekannt!!!) - und nicht den Regisseur ausgetauscht hat.
Ich habe mich nun mal wieder eingehend mit diesem Film und den Hintergründen beschäftigt. Constantin vereinbarte im März 1966 mit Intercontinental Film (Karl Spiehs) dass sie für Constantin zwei Maigret-Filme herstellen sollten. Es wurde vereinbart dass der Fernseh-Maigret Rupert Davies die Hauptrolle übernehmen soll (lt. Pressebericht für eine Gage von $ 37.000 damals ca. DM 150.000,00). Lt. Vertrag hatte er ein Mitspracherecht beim Drehbuch und der Auswahl des Regisseurs. Warum der bereits verpflichtete Regisseur Jürgen Roland den Film nicht inszenierte ist nicht mehr feststellbar. Alfred Weidenmann wurde - nach Beendigung einer Weltreise - Anfang Mai 1966 engagiert. Zu diesem Zeitpunkt schien Davies sowohl mit dem Reinecker-Drehbuch als auch mit dem Regisseur einverstanden gewesen zu sein. Am 21. Juli 1966 begannen in Wien die Dreharbeiten und am Abend dieses ersten Drehtages warf Davies das "Handtuch". Dadurch wurden die Dreharbeiten für ca. 14 Tage unterbrochen. Spiehs klagte - Davies klagte und wie man sich schließlich einigte ist nicht bekannt. O-Ton Davies: "Ich habe nur nach meinem besten Wissen und Gewissen gehandelt und von meinem Mitspracherecht bei der Wahl des Regisseurs und der Gestaltung des Drehbuches Gebrauch gemacht. Das waten keine Allüren. Ich habe alles, was ich bin und habe, Maigret zu verdanken. Daher ist mir alles, was mit Maigret zu tun hat, sehr ernst. Herr Weidenmann ist sicher ein guter Regisseur, aber für die Inszenierung eines Maigret-Films nicht geeignet."
Wie dem auch sei - mit Hilfe der Constantin schaffte es Spiehs, dass Heinz Rühmann seinen Urlaub unterbrach und stattdessen die Rolle des Kommissar Maigret übernahm. Am 1. August 1966 wurden die Dreharbeiten wieder aufgenommen. Spiehs verklagte Davies zudem wegen Schadenersatz der durch die Verzögerung eingetreten ist und auf die Differenz der Gage zwischen Davies und Rühmann. Entgegen der allgemeinen Auffassung dass es sich bei diesem Film um eine rein österr. Produktion handelt will ich hier einmal festhalten dass Constantin mitproduzierte was auch im Vorspann erwähnt wurde. Demnach ist der Film eine dt./österr. Co-Produktion.
Alfred Weidenmann inszenierte den Film mit seinen verschiedenen Schauplätzen sehr solide - mehr aber auch nicht. Oft hat man das Gefühl dass eine gewisse Langeweile auftreten könnte, was Heinz Rühmann dann aber wieder rettet. Oftmals hat man auch das Gefühl dass seine Maigret-Interpretation eine Weiterführung seiner Pater-Brown-Darstellung ist. Rundeherum ein (fast) gelungener Film in dem eigentlich nur Eddie Arent stört. Nicht nur dass er synchronisiert wurde, sondern dass er auch mit seiner Darstellung des Versicherungsmannes fehlbesetzt ist.
Zitat Dadurch wurden die Dreharbeiten für ca. 14 Tage unterbrochen. Spiehs klagte - Davies klagte und wie man sich schließlich einigte ist nicht bekannt
Noch wäre ja Gelegenheit das zu klären, Karl Spiehs ist ja immer noch aktiv und produziert fleißig im Hintergrund Sachen wie "Traumhotel" oder zuletzt "Geld.Macht.Liebe". Es gibt ja auch eine Biographie - die mittlerweile leider vergriffen ist. Geht er da auf den Film bzw. auf die Vor-Lisafilm-Zeit ein?
Zitat Rundeherum ein (fast) gelungener Film in dem eigentlich nur Eddie Arent stört. Nicht nur dass er synchronisiert wurde, sondern dass er auch mit seiner Darstellung des Versicherungsmannes fehlbesetzt ist.
Ist Arent von Constantin in den Film gebracht worden? Wäre ja möglich, so als gewohntes Krimi-"Zugpferd"
Zitat von GeorgNoch wäre ja Gelegenheit das zu klären, Karl Spiehs ist ja immer noch aktiv und produziert fleißig im Hintergrund Sachen wie "Traumhotel" oder zuletzt "Geld.Macht.Liebe". Es gibt ja auch eine Biographie - die mittlerweile leider vergriffen ist. Geht er da auf den Film bzw. auf die Vor-Lisafilm-Zeit ein?
In dem Supernasenbuch steht unter "Maigret und sein größter Fall" folgender Eintrag: "Rupert Davies, der für mich auch in 'Wie tötet man eine Dame?' gespielt hatte, kam fünf Tage vor Drehbeginn zu mir und sagte, er könne den Maigret, mit dem er im Fernsehen bekannt wurde, nicht spielen, weil er als Jude nicht mit einem 'Nazi' wie Regisseur wie Alfred Weidenmann zusammenarbeiten könne. Er war nicht zu überreden. Da ich einen rechtgültigen Vertrag mit ihm hatte, klagte ich ihn auf Nichteinhaltung. In meiner Not dachte ich an Heinz Rühmann, mit dem ich so wunderbar in "'Das Liebeskarussell' zusammengearbeitet hatte, und konnte ihn innerhalb eines Tages überreden, die Rolle zu übernehmen. Das alles kostete sehr viel Zeit, Nerven und Geld, hat sich am Ende aber trotzdem ausgezahlt."
Soweit die Erinnerungen von Karl Spiehs nach 40 Jahren - die mit der zeitgen. Unterviews aus 1966 nicht 100%ig übereinstimmt - denn schließlich hatte Davies noch den ersten Drehtag mitgemacht und erst am gleichen Abend das "Handtuch" geschmissen.
Danke für diese interessante Textpassage. Dass Davies Jude war wusste ich nicht und erklärt ja auch, warum er mit Weidenmann, der ja zur Nazizeit "aktiv" war, nicht zusammenarbeiten wollte.
Zitat Soweit die Erinnerungen von Karl Spiehs nach 40 Jahren - die mit der zeitgen. Unterviews aus 1966 nicht 100%ig übereinstimmt - denn schließlich hatte Davies noch den ersten Drehtag mitgemacht und erst am gleichen Abend das "Handtuch" geschmissen.
Das Problem kennen wir ja schon, man sieht das zB auch bei den Straßenfeger-Bonus-Interviews, wenn verschiedene Beteiligte über den gleichen Film reden. Nach 40 Jahren ist auf das Erinnerungsvermögen wohl auch kein 100%iger Verlass mehr. (Spontan fällt mir da etwas ein, was die Besetzung von Durbridge-Produzent Wilhelm Semmelroth in "Das Messer" angeht. So sagt Regisseur von Sydow im Interview, es sei seine Idee gewesen und er habe ihn darauf einfach angesprochen, Jutta Kammann, Semmelroths Lebensgefährtin, erzählt hingegen, es sei die Idee Günther Wittes gewesen usw.)
Zitat von GeorgDanke für diese interessante Textpassage. Dass Davies Jude war wusste ich nicht und erklärt ja auch, warum er mit Weidenmann, der ja zur Nazizeit "aktiv" war, nicht zusammenarbeiten wollte.
Zitat Soweit die Erinnerungen von Karl Spiehs nach 40 Jahren - die mit der zeitgen. Unterviews aus 1966 nicht 100%ig übereinstimmt - denn schließlich hatte Davies noch den ersten Drehtag mitgemacht und erst am gleichen Abend das "Handtuch" geschmissen.
Das Problem kennen wir ja schon, man sieht das zB auch bei den Straßenfeger-Bonus-Interviews, wenn verschiedene Beteiligte über den gleichen Film reden. Nach 40 Jahren ist auf das Erinnerungsvermögen wohl auch kein 100%iger Verlass mehr. (Spontan fällt mir da etwas ein, was die Besetzung von Durbridge-Produzent Wilhelm Semmelroth in "Das Messer" angeht. So sagt Regisseur von Sydow im Interview, es sei seine Idee gewesen und er habe ihn darauf einfach angesprochen, Jutta Kammann, Semmelroths Lebensgefährtin, erzählt hingegen, es sei die Idee Günther Wittes gewesen usw.)
Das ist auch der Hauptgrund warum ich mich bei meinen Büchern 100%ig auf schriftliche Unterlagen verlasse. Interviews sind zwar eine gute Ergänzung aber auch meist auch Zweifelhaft. Im Vorwort zur Dritten Auflage meines "Hallo-Buchs" habe ich dies anhand des Beispiels von Uschi Glas auch dargestellt.
Im Spiehs-Buch bin ich auch über den Umstand "geastolptert", dass er für den Film "Tolldreiste Geschichten" Michaela Mittermaier den Namen Michaela May verpasst hätte. Einerseits hieß die „junge“ Dame damals Gertraude Mittermayr – und in einem Interview erzählt Dr. Harald Reinl, dass er sie für den Jerry Cotton-Film „Todesschüsse am Broadway“ „umtaufte“. Was ist nun wirklich richtig? – Wenn man davon ausgeht, dass der Cotton-Film vor „Tolldreiste Geschichte“ entstand müsste eigentlich die Aussage von Dr. Harald Reinl korrekt sein.
Ich bin ein sehr großer Heinz Rühmann-Fan. Meiner Meinung nach war er der beste deutsche Schauspieler.
Ich besitze jeden erhältlichen Film mit ihm. Mir fehlen nur die 6 bis dato "verschollenen":
"Das deutsche Mutterherz" - 1926 "Das Mädchen mit den 5 Nullen" - 1927 "Meine Frau, die Hochstaplerin" - 1931 "Strich durch die Rechnung" - 1932 - (gute Kopie in Moskau) "Es wird schon wieder besser" 1932 - (gute Kopie in Moskau) - avisiert "Wer wagt - gewinnt !" - 1935
Ich sammle auch Kinoaushangfotos, Pressefotos, Porträtfotos, Rosskarten, Filmprogramme, Bücher, etc. mit ihm.
Von seinen Filmen finde ich "Quax der Bruchpilot", "Die 3 von der Tankstelle" und "Der Mustergatte" am besten.
Der Film ist eine gelungene Mischung aus Komödie und teilweise sogar recht bedrückendem Kriminalfilm, wobei Heinz Rühmann in der Hauptrolle beide Pole hervorragend zusammenbringt. Auch die übrige Besetzung kann sich sehen lassen und wartet mit prominenten Namen auf, darunter die Wallace-Stars Hans Clarin, Ulrich Beiger und Benno Sterzenbach. Die DVD ist durchschnittliches "Universum Film"-Niveau: ein tadelloser Filmtransfer im Originalformat, aber leider kein Bonusmaterial.